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Autor Thema: Frage an Germanistikexperten  (Gelesen 13610 mal)

Uwe

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Frage an Germanistikexperten
« am: 12.August 2011, 19:33:38 »

Dieser heute gehörte Satz löst Geschwüre in meinen Ohren aus, kann aber auch nicht genau erklären, warum.

"ich kann jetzt, wo er acht Jahre alt ist, viel besser mit ihm reden, wie als wo er noch fünf war"

Ich schätze mal, dass man für zeitliche Angaben keine örtlichen Pronomen (?) verwenden darf, aber sitze auch ziemlich auf dem Schlauch.

Kann da bitte jemand mal mit dem Grammatikskalpell rangehen?

Danke
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Emanuel

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #1 am: 12.August 2011, 20:08:01 »

Gut, dass du es ansprichst. Damit beschäftigt sich gerade eine linguistische Forschungsgruppe an der Universität des Saarlandes. Der Satz ist nämlich, so verrückt dies auch scheinen mag, im Einklang mit sämtlichen grammatischen Vorschriften der hochdeutschen Sprache. Vielleicht erinnern sich manche noch an unseren Freund Hubert. Wenn nicht : http://www.meistertrainerforum.de/index.php/topic,11900.380.html

Nach Konnis Aufklärung wussten wir, dass der Satz:
Zitat
Die Frau, die den Versuch Hubert unternommen hat zu küssen.
korrekt ist. Dies ist wie Konni erläuterte ein Phänomen der Generativgrammatik. Der Satz den du angeführt hast, ist hingegen ein Phänomen der Alternativgrammatik. Auch:
Zitat
"ich kann jetzt, wo er acht Jahre alt ist, viel besser mit ihm reden, wie als wo er noch fünf war"
ist somit korrekt.

Vor allem der Saarländer bedient sich solch komplexen grammatikalischen Konstrukten. Die Forschungsgruppe an der Universität des Saarlandes versucht nun herauszufinden, weshalb gerade der Saarländer in der Lage ist auch solche komplexen grammatikalischen Regeln fehlerfrei anzuwenden. Vor allem der direkte Nachbar, der Pfälzer, ist mit so etwas schlichtweg überfordert. Vermutlich liegt es daran, dass der Saarländer ein um 5% größeres Kleinhirn hat, als andere Volksgruppen. Denkbar ist aber auch, dass der Einfluss der französischen Sprache auf das Saarländisch verantwortlich ist. Der Saarländer lernt solche Konstruktionen schon als Kind durch seinen Dialekt.
Also entweder ist das größere Kleinhirn für die ordnungsgemäße Verwendung der Alternativgrammatik zuständig oder der saarländische Dialekt (mit seinen vielen Konstruktionen aus der Alternativgrammatik) regt den Wachstum des Kleinhirns an. Genau darum geht es den Forschern im Moment.

So nochmal zurück zu deiner Frage. Der Satz ist einwandfrei, vermutlich für das bundesdeutsche Ohr einfach nur ungewohnt. Wenn du mehr zum Thema Alternativgrammatik wissen willst, kann ich dir gerne per PN den Vorlesungsordner schicken ;-) Vielleicht wirds dir dann klarer.

Grüße
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Kaliumchlorid

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #2 am: 12.August 2011, 20:46:08 »

Warum sollten gerade die Saarländer ein größeres Kleinhirn haben?

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Octavianus

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #3 am: 12.August 2011, 20:55:24 »

Jaja, das konsequente Ignorieren und Nichtverwenden von Relativpronomen zu Beginn solcher Relativsätze ist gerade im süddeutschen Sprachraum ein weit verbreitetes Phänomen. Allerdings eines, das sich auszubreiten scheint.

"wo" wird ganz für wunderbare Subjunktionen wie "da" oder "nachdem" oder eben Relativpronomen verwendet. Offenbar mögen sie es nicht, wenn da z.B. zweimal ein "der" unmittelbar aufeinander folgt.

"Der wo da grade num schtaht." -> Derjenige, der hier gerade herumsteht.

Und gerade die Verwendung von "wie", "wie als" oder "wie als wo" statt dem einfachen "als" geht dem Süddeutschen wesentlich leichter von der Zunge.

"I bin besser wie du. I han mehr druf wie als dr Herbert."

Und ja, es ist ganz normal, dass sich Sprechern des Standarddeutschen die Nackenhaare zu Berge sträuben, wenn sie diese Sätze hören. Allerdings haben süddeutsche Sprecher offenbar nur wenig Probleme damit, die an sich falschen (weil semantisch eigentlich unsinnig) Phrasen zu benutzen. ;)

Mir persönlich geht es so wie dir MMM. Und wenn ich unterrichte, achte ich penibel darauf, dass die Schüler möglichst einwandfrei reden, um sich nicht sofort als Schwabe (am beschten no von dr Oschtalb) zu outen. ;D
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Emanuel

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #4 am: 12.August 2011, 21:54:09 »

Warum sollten gerade die Saarländer ein größeres Kleinhirn haben?

Eine Theorie habe ich doch schon erwähnt :-)


oder der saarländische Dialekt (mit seinen vielen Konstruktionen aus der Alternativgrammatik) regt den Wachstum des Kleinhirns an. Genau darum geht es den Forschern im Moment.

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Der Baske

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #5 am: 12.August 2011, 22:04:50 »

In Bayern, meiner Heimat, ist das ein ganz normaler Satz :laugh:

Allerdings nicht diese Hubert Geschichte, sondern der heutige
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Octavianus

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #6 am: 12.August 2011, 22:11:20 »

Klar. Der Hubert-Satz ist in meinen Augen auch nur auf dem Papier korrekt. Solange linguistische Laien (verzeiht mir den Ausdruck) einen Satz bzw. den Sinn eines Satzes nicht verstehen, ist es kein korrekter Satz. Auch wenn 50 Sprachwissenschaftler was anderes behaupten. ;)
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Uwe

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #7 am: 14.August 2011, 14:23:54 »

Danke für Eure Einschätzung. Ich hätte nicht gedacht, dass der Satz einer Überprüfung durch jemanden mit Ahnung standhält, weil er so schräg klingt. Ok, das liegt halt daran, dass ich ein kleineres Kleinhirn habe als wie ein Saarländer. *schluck* Diejenige, wo den Satz geäußert hat, wird sich darüber freuen.   ;)


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Emanuel

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #8 am: 14.August 2011, 16:15:21 »

Leiter des Forschungsteams ist übrigens Klaus Enax ;)

Fällt jetzt jemand auf, dass mein Vortrag über Alternativgrammatik und größere Kleinhirne totaler Käse ist?!  :D :laugh:
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Kaliumchlorid

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #9 am: 14.August 2011, 16:30:20 »

Leiter des Forschungsteams ist übrigens Klaus Enax ;)

Fällt jetzt jemand auf, dass mein Vortrag über Alternativgrammatik und größere Kleinhirne totaler Käse ist?!  :D :laugh:

War mir doch von Anfang an klar, dass da was nicht stimmen kann. Warum sollten auch gerade die Saarländer ein größeres Kleinhirn haben.
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Stefan von Undzu

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #10 am: 24.Januar 2012, 11:32:12 »

Ganz furchtbar finde ich übrigens die neudeutsche Reporter-Redwendung "es sind noch fünf Minuten zu gehen", wenn die Uhr bei 85 Minuten steht...

Was soll der Schmarrn? Das mag im Englischen richtig sein, aber im Deutschen ist es einfach nur falsch! Wie kommt man auf die Schnapsidee, das wörtlich zu übersetzen?
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White

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #11 am: 24.Januar 2012, 12:52:00 »

Ganz furchtbar finde ich übrigens die neudeutsche Reporter-Redwendung "es sind noch fünf Minuten zu gehen", wenn die Uhr bei 85 Minuten steht...

Was soll der Schmarrn? Das mag im Englischen richtig sein, aber im Deutschen ist es einfach nur falsch! Wie kommt man auf die Schnapsidee, das wörtlich zu übersetzen?
Geht mir auch immer so, ich reg mich jedes mal auf, wenn wir Fußball gucken.
Verbrochen hat das Konami bei der Übersetzung für PES.
Allerdings finde ich es bedenklich, dass es Wolff Fuss nicht aufgefallen ist, als er die Sätze eingelesen hat.


@MMM für mich hört sich der Satz auf "Hochdeutsch" schief an, im Dialekt (der übrigens mit dem der schon erwähnten Saarländer fast identisch ist, ich bin nämlich kein richtiger Pfälzer) wäre er aber (fast) vollkommen OK. Im zweiten Teil aber eher ein "als wie."

Bei uns hat uns unser Jugendtrainer (hat uns von der E- bis zur A-Jugend begleitet) das übrigens ausgetrieben. Der Standardspruch war "die wo gibts net" - In der A-jugend war dann die Antwort auf solche Sprüche Standardmässig "doch, 'In Burundi, wo die Sonne immer scheint."

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DVNO

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #12 am: 14.Februar 2012, 13:53:57 »

Oh Gott, jetzt wurde es hier angesprochen und prompt fiel es mir auch auf..

Ich rege mich jedes Mal darüber auf, wenn Kommentatoren bei einer Abseitsentscheidung "abgewunken", "zurückgewunken" oder Ähnliches sagen. Nackenhaare. Alle hoch. Oder so.
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Stefan von Undzu

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #13 am: 14.Februar 2012, 14:00:38 »

Ja, das klingt doof, ist aber doch durch die Bewegung des Linienrichters nachvollziehbar.
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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #14 am: 14.Februar 2012, 14:01:54 »

Es geht um "gewunken". Es heißt richtig "gewinkt"! Wollen viele Menschen nicht wahrhaben, ist aber so! ;D
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Stefan von Undzu

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #15 am: 14.Februar 2012, 15:00:00 »

http://www.sprache-werner.info/Winken-wank-gewunken-L.20266.html

Dacht ichs mir doch: in Bayern ist "gewunken" richtig! :-)
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Octavianus

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #16 am: 14.Februar 2012, 15:26:17 »

Das ist manchmal das Verflixte im Deutschen. Und so wird winken urplötzlich zu einem starken Verb gemacht. Passiert eher selten, aber bei winken ist uns das mit der falschen Partizipform offenbar nicht bewusst.
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DVNO

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #17 am: 14.Februar 2012, 17:36:55 »

Ich freue mich inzwischen schon richtig, wenn ich mal einen Film erwischt habe, in dem "gewinkt" auftaucht...
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Ensimismado

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #18 am: 06.April 2012, 21:05:09 »

Weil hier die Frage nach richtig und falsch aufgekommen ist: Gewunken als starke Verwendung ist schon seit Urzeiten so im dialektalen Gebrauch. Selbst Uhland hat das damals so verwendet, im Gegensatz zu Luther, der Hochdeutsch geschrieben hat. ;)
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DVNO

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Re: Frage an Germanistikexperten
« Antwort #19 am: 07.April 2012, 19:04:35 »

Das macht es trotzdem nicht "richtig".
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