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Autor Thema: Zwei Fäuste gegen Remscheid  (Gelesen 74049 mal)

Henningway

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Zwei Fäuste gegen Remscheid
« am: 21.Februar 2012, 19:05:49 »


Zitat
Game Stettings
FM 2012
Amateurfile von Gorxas
Custom Database - Spieler mit kontinantaler Reputation aller Kontinente
Belgien, England, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Russland, Holland, Schottland, Türkei, Argentinien, BRasilien (jeweils mindestens die 2. Liga)

Liebe Gemeinde,

Diese Story soll meinen Wunsch befriedigen, auch mal eine Story zu schreiben. Da ich aber weder Lust auf exotische Länder und Vereine hatten, deren Namen man nur mit 2 Promille aussprechen kann, noch ich einfach ein großes Team übernehmen wollte, wo es schon einige Stories von gibt, habe ich mir eine kleine Rahmengeschichte ausgedacht. Mir ist bewusst, dass diese Rahmengeschichte die Herausforderung nicht wirklich schwierig sein lässt, aber das soll mich nicht stören. In der Regel habe ich ohnehin nicht so viel Zeit zum Spielen und ich will mal sehen, was passiert.

Grundsätzlich schreibe ich hier für mich selbst und weil mich einige Eurer Stories inspiriert haben. Die Essenz einer jeden Veröffentlichung ist allerdings die Resonanz. Deshalb seid Ihr ausdrücklich dazu aufgerufen zu kommentieren. Ich freue mich über jedes Feedback.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr hin und wieder hier reinschaut! :) Viel Spaß also!

Erst nachdem ich mit der Story angefangen hatte, las ich ein wenig in den älteren Stories des Storyboards rum. Dabei stieß ich auf einige Stories, deren Hintergrundgeschichte mit meiner identisch ist. Ich wollte natürlich keine Ideen klauen und ich hoffe, Ihr lest hier trotzdem mit Spaß mit.

Lasst also die Spiele beginnen!
« Letzte Änderung: 21.Februar 2012, 19:55:36 von Henningway »
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Henningway

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #1 am: 21.Februar 2012, 19:26:03 »

Es ist der 4. Mai 2011 und dieses hier veränderte mein Leben:  6 – 14 – 22 – 30 – 36 – 40 – 21.

Die Lottozahlen der letzten Ziehung. Niemals habe ich vorher Lotto gespielt und niemals habe ich irgendwann mal irgendwo bei Glücksspielen einen Gewinn erzielen können. Aber damals dachte ich mir ‚Komm, versuch’s halt mal‘. Der Jackpot hat mich natürlich gelockt, wie so viele. Und auch wenn die Gewinnchance bei solchen Ausspielungen nochmals deutlich niedriger ist, hat es geklappt: 70.000.000 Euro1 - und alles ist meins!!!

Es war ein prickelndes, berauschendes Gefühl, also ich meinen Kontostand online überprüfte, nachdem sämtliche Formalitäten erledigt waren. Wahnsinn. Grandios. Einfach – unbeschreiblich. Und so stand ich dann vor der Frage, von der ich nie dachte, dass ich sie mir jemals stellen könnte:

„Und jetzt?“

Natürlich kamen trotz aller Anonymitätsbemühungen die Bittsteller. Ich spendete auch Summen, für die ich vorher ein Jahr lang hätte arbeiten müssen: WWF, SOS Kinderdörfer, Aktion Mensch, Unicef… das alles stellte mich auch sichtlich zufrieden. Außerdem gönnte ich meiner meiner Frau und mir einige Geschenke:



Und dennoch meinte ich, ich sollte meiner Stadt etwas zurück geben. Nur was? Ich könnte der Stadt sicherlich die Kasse füllen, aber in Anbetracht der aktuellen Riege an Verantwortlichen erschien mir das nicht erwägenswert. Ich hätte auch Bauvorhaben starten und mein Heimatviertel verschönern können. Ja, auch. Aber es musste doch noch etwas geben, was der Region, der Stadt und auch mir selbst irgendeine Befriedigung vermittelt. Vielleicht etwas, was sogar nachhaltige positive Effekte auf die Stadt hat. So saß ich also eines Abends auf der Terrasse, zusammen mit meiner Frau, und grübelte nach, als mir der Einfall kam. Ich hob meinen Kopf, strahlendes Gesicht, hob einen Zeigefinger und rief aus:
„Heureka!“
Meine Frau sah kurz von ihren Unterlagen für das Studium auf und grummelte:
„Was ist denn jetzt schon wieder?“
„Ich weiß es, ich weiß es! Ich weiß, wie man mit dem Geld etwas Gutes für Stadt, Region und Menschen tun kann!“
„Ja? Was ist es dieses Mal?“
„Etwas nie da gewesenes!“
„Meinst Du sowas wie die Arche, die Du bauen lassen wolltest, weil es hier so oft regnet?“
„Nein, besser.“
„Besser etwa als der Autobahnpuff an der A1, weil hier ohnehin immer Stau ist?“
„Noch viel besser!!“
„Das Gemeindezentrum mit Fußballhalle, das man nur betreten kann, wenn man Mitglied in Euerm Forum ist?“
„Noch viel, viel viiiiel besser!“
„Du willst mir doch nicht etwa neue Klamotten kaufen?!“ Ihre Miene hellte sich etwas auf. Ich wedelte aber nur mit den Händen.
„Nein, nicht sowas. Stelle Dir vor: ich werde etwas bauen, was die Menschheit noch nicht gesehen hat!“
„Ein Phallussymbol im Zentrum der Stadt zur gesundheitlichen Aufklärung, und nennen wirst Du das Ding das „Fussballmonsteum“?“
Nein. Ich erhob mich, der Bewegungsmelder registrierte das und tauchte mich in gleißendes, gottähnliches Licht. Die Hauswände ließen meine Stimme hohl und donnernd widerhallen:
„Ich werde einen Freizeitpark bauen lassen – PharmacyFun®!!“
Die Worte hallten nach und ich ließ sie wirken. ‚Was für eine grandiose Idee‘, dachte ich.
„Was für eine beschissene Idee“, sagte meine Frau.
Das registrierte ich nur am Rande, denn von irgendwo unterhalb der Straße klatschte es Beifall.
„Wieso denkst Du, sowas könnte hier funktionieren“, fragte sie mich. „Wo sollte das stattfinden und überhaupt – was für Attraktionen, die nicht gegen das Betäubungsmittelrecht verstoßen, sollte man in so etwas erwarten können?“
„Du bist immer so negativ, da wird mir schon etwas einfallen!“
„Zum Beispiel die begehbare Insulinspritze mit Heroindosis?“
„Blödsinn.“
„Oder die Gastritis-Bahn mit Geschwürerfahrung und wenn die Magensäure ins Gesicht klatscht, wird ein Foto gemacht?“
„Papperlapapp.“
„Oder eine Geisterbahn, die den Dickdarm simuliert und am Ende kommt man als großer Haufen Scheiße am Arsch raus?“
„Unfug.“ Irgendwie nahm sie mir den Elan.
„Was hältst Du von einem Pickelausdrückspiel, da könntest Du gleich Meisterschaften veranstalten!“
„Ach, das ist alles doof. Warum machst Du mir meine tolle Idee kaputt?!“
„Weil die Idee s c h e i s s e ist, einfach deswegen. Völliger Blödsinn.“
„Gar nicht.“ Schmoll.
„Weil niemand diesen Park besuchen würde, der unter 70 ist und sich noch über normale Dinge unterhält.“
„Du bist gemein.“
„Ehrlich, was hast Du noch auf Lager?“
„Das war meine beste Idee bis hierhin.“
„Uff. Sorry, das kann nicht Dein Ernst sein. Genauso gut könntest Du den FC Remscheid kaufen und Trainer werden…“
Die Worte hallten in der Luft. Ihr Blick ruhte auf mir, aber irgendwann, so circa fünf bis fünfzehn Sekunden später, muss sie ihren grauenvollen Fehler bemerkt haben. Sie richtete sich schlagartig auf und ließ ihre Blätter auf den Tisch fallen.
„NEIN!“ entfuhr es ihr. Ich fing an zu lächeln.
„Nein!! Neinnein!“ Ich grinste nun.
„Neineineineineinein!! Nichtnichtnichtnicht!“ Ich brach in hallendes, triumphierendes Gelächter aus.

Sie sank zurück in den Stuhl. Ihr Gesicht in den Händen vergraben, hörte ich nur ein leises ‚Was habe ich getan…“2


1 )Tatsächlich waren es nur 900.000 - aber wo bleibt da der Spaß? Peanuts.
2) An dieser Stelle habe ich meine Frau das erste Mal über den Story-Entwurf drüber lesen lassen. Ihre Worte waren: „ICH WILL DEN PHARMACYFUNPARK!!!“ :D
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« Letzte Änderung: 21.Februar 2012, 19:55:16 von Henningway »
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #2 am: 21.Februar 2012, 19:33:19 »

An einem Tag im Juni sitze ich also im Büro des Präsidenten. Da ich als strahlender Millionengewinner mittlerweile bekannt bin im Ort, gab es da keine Beschränkungen. Der Präsident heißt Andreas Swoboda1. Bislang konnte ich mit diesem Namen nichts anfangen. Er erhebt sich etwas gekünstelt von seinem Bürostuhl im Vereinsheim an der Wupperstraße und reicht mir das „Händchen“. Ja, anders kann ich das nicht nennen.

„Ich freue mich, Sie kennen zu lernen“, sagte er. Ich meinte bereits die Dollarzeichen in seinen Augen sehen zu können.
„Ja, ganz meinerseits.“
„Was darf man denn für Sie tun?“
„Nun.“ Ich nahm auf dem Holzstuhl Platz, der vor dem recht kleinen Schreibtisch des Präsidenten stand. „Ich denke, die Frage ist eher, was ich für Sie tun kann.“
„Ja, wir haben bereits von Ihrem Gewinn gehört.“ Und ich hatte von der klammen Kasse des Vereins gehört. Darauf fußte meine Strategie.
„Richtig“, sagte ich. „Ich will auch gar nicht lange Small-Talk betreiben und komme gleich zur Sache.“
„Fein.“ Herr Swoboda lächelte und lehnte sich zurück.
„Als Kind“ begann ich, „war ich oft bei den Heimspielen des BVL Lüttringhausen anwesend, als man noch in der Zweiten Liga spielte. Andreas Stocki, Balewski, Peter Gemein… ich habe gute Erinnerungen daran.“
„Goldene Zeiten für den Verein.“
„Ja, aber lange her. Heute erinnern sich nur noch Leute wie ich daran.“
Herr Swoboda setzte eine etwas betrübte Miene auf. „In der Tat geht es seither mit dem Verein bergab. Heute heißt die Wahrheit Landesliga. Immerhin konnten wir uns noch recht lange in der Regional- und Oberliga halten.“ Ich nickte.
„Ja, das habe ich verfolgt. Jedenfalls, ich möchte dem Verein helfen. Ich habe von ‚einem Freund‘ von ihrer klammen Finanzlage gehört und deshalb bin ich hier.“
Swobodas Miene erhellte sich merklich. Darauf schien er gewartet zu haben.
„Sie haben Recht, es geht uns nicht gut.“
„Ich vermute, sie können Geld gut gebrauchen.“
„Ja, ja, ja“, er nickte heftig. „Geld fehlt an allen Enden.“
„Ich vermute, eine etwas größere Summe würde dem Verein sehr helfen.“
„Oh ja.“ Er strahlte jetzt. „Wie Recht Sie haben. Dem Verein geht es ganz und gar nicht gut.“
„Bevor wir uns jetzt über Summen unterhalten“, sagte ich locker und lehnte mich zurück, wobei der Stuhl knarzte, „möchte ich gerne wissen, wie schlecht es Ihrem Verein geht. Die Summe, die ich spende, soll angemessen sein.“
„Oh, das kann ich ihnen leicht sagen“, sagte Swoboda aufgeregt. „Sehr schlecht. Wirklich sehr, sehr schlecht.“
„Wie weit ist die Insolvenz entfernt?“
„Nicht weit, nicht weit. Ich meine – wir könnten es vielleicht schaffen… ach, was, nein. Ich will Sie nicht anlügen. Es geht dem Ende entgegen.“
„So schlimm ist es?“
„Ja, noch schlimmer.“ Der Mann blickte nun betrübt. „Noch viel schlimmer.“
„Dann nehme ich an, dass eine Summe im, sagen wir, fünfstelligen Bereich nicht ausreichen würde?“
Er schüttelte heftig den Kopf: „Nein, ganz ausgeschlossen. Das würde unser Leiden nur hinauszögern.“
„Sechsstellig?“
„Naja…“ Er schien zu überlegen und blickte dabei an die Decke. Dann hob er die Hände. „Ich weiß nicht…“
„Wie wäre es mit einer Million??“ Er stockte, fing sich aber rasch wieder.
„Hmm. Ja, das könnte vielleicht helfen? Aber sicher bin ich nicht. Ich habe die letzten Zahlen noch nicht gesehen.“
„Zwei Millionen??“ Er hörte auf zu atmen. Er blickte mich an. Jetzt hatte ich ihn.
„Zwei Millionen… ZWEI Millionen??“
Ich nickte freundlich und nahm mir eines der Bonbons, die in einer Schale auf dem Tisch lagen. ‚Autohaus Scheida‘ stand drauf. „Ja, sicher. Warum nicht?“
„Aber das wäre ja… mein lieber Herr… ich weiß nicht…“
„Ich vermute, wenn Sie zwei Millionen benötigen, um überleben zu können, dass es Ihnen dann wirklich verdammt dreckig geht.“
„Oh ja, aber wie dreckig!!“
„Gut, dann ist das abgemacht.“ Ich stand auf und nahm seine Hand, die – völlig verschwitzt – einen Kugelschreiber umkrampfte. „Das Geld soll dem Verein gehören.“ Er saß weiterhin auf seinem Stuhl und blickte zu mir hoch. Ich ließ seine Hand los und wandte mich um, um das kleine Büro zu verlassen. An der Tür stehend hielt ich inne und sah noch einmal zu ihm hin. Er saß immer noch versteinert am Schreibtisch.
„Ich schicke ihnen meinen Anwalt, Sie holen ihren Anwalt, und wir machen das klar.“
„… sicher…“, stammelte er.
„Und ich verlange auch gar nichts. Man könnte vielleicht ein Banner von mir aufhängen oder Werbung für ein bestimmtes Internetforum machen oder so. Die Geschicke des Vereins werde ich schon maßgeblich bestimmen wollen, sie verstehen, es ist viel Geld.“
„Natürlich…“
„Und ja, ich werde selbstverständlich den Trainerposten übernehmen. Sagen Sie bitte Herrn Brandt Bescheid, er braucht am nächsten Trainingstag nicht mehr auftauchen.“
„Ähh… ja…“
„Eine Abfindung, wenn es denn eine braucht, geht auf meine Kosten.“
„… ihre Kosten…“
„Wünsche noch einen schönen Tag, Herr Swoboda.“

Grinsen, Tür auf, Tür zu, Sekretärin zulächeln und gehen. Mein Werk war vollbracht.


1)Tatsächlich heißt der Präsident Dieter Maar, das Spiel kannte den aber wohl nicht.[/size]
« Letzte Änderung: 21.Februar 2012, 19:55:04 von Henningway »
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #3 am: 21.Februar 2012, 19:34:44 »

Guter Einstieg. Allerdings einen Fußballclub kann ja jeder kaufen, da wäre PharmacyFun® die genialere Idee.
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Zu weit exitiert nur in deinem Kopf

Henningway

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #4 am: 21.Februar 2012, 19:36:25 »

Die heben ich mir für eine Story im RollercoasterTycoon-Forum auf ;)
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #5 am: 21.Februar 2012, 19:54:49 »

Am 29.6. wurde mein Engagement offiziell bekannt gegeben. Das Rauschen im Blätterwald war geringer als vermutet, aber die Remscheider sind, was das angeht, ohnehin recht indifferent: bislang war das größte Thema hier das DOC, ein Design Outlet Center, das auf eine freie (und sehr schöne) Wiesenfläche zwischen den Ortsteilen Lennep und Lüttringhausen platziert werden sollte. Es gab gar eine Volksabstimmung darüber, mit einer Mehrheit pro DOC. Jetzt kommt eben ein Remscheider daher und „kauft“ den ersten Club im Ort. Who cares? Natürlich hatte ich mir vorher einige Infos geholt, wie man das am besten verpackt. So stand ich jetzt als Heilsbringer und großer Übervater des Ortes da, dessen Mission es ist, den Club dahin zu bringen, wo man ihn lieber sieht. Dass ich über keinerlei Trainererfahrung verfüge, scheint da wenig zu kratzen.

Ich stehe nun also am Rand des Röntgenstadions und überblicke das Gelände. Das ist schon mal wenig Angst einflößend. Hier wird Landesliga gespielt und genau so sieht es auch aus. Das ist mein erster Punkt auf meiner To-Do-Liste.



Um gut vorbereitet zu sein, hatte ich mir ein Buch über den Verein gekauft, der vor ein paar Jahren 100-jähriges Jubiläum hatte:

Zitat
1908 wurde der Verein als BV 08 Lüttringhausen gegründet. Lüttringhausen war damals eine Gemeinde nördlich von Remscheid, heute ist es ein Stadtteil davon (allerdings darf man einen „Lütterkuser“, wie er im bergischen Platt genannt wird, niemals als Remscheider bezeichnen. Gleiches gilt für den heutigen Ortsteil Lennep, in dem das Röntgenstadion zu finden ist).
Einige Umfirmierungen nach dem Ersten Weltkrieg und kurz vor dem Zweiten folgten. Erst 1984 aber wurde der Verein dann umbenannt in „BVL 08 Remscheid“. Unter diesem Namen sollten die größten Erfolge gefeiert werden: 1986 der Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft (gegen den VfR Bürstadt) sowie eine DFB-Pokalsensation gegen den 1.FC Kaiserslautern. Das Folgespiel gegen Hannover 96 wurde nur knapp verloren und auch nur im Wiederholungsspiel. Nach 1982/83 stieg der „BVL“, wie er in der Stadt genannt wurde, 1987/88 ein zweites Mal in die Zweite Bundesliga auf, allerdings nur für ein Jahr. 1990 wurden aus den Vereinen BVL 08 Remscheid und VfB Marathon Remscheid der FC Remscheid. Gleich 1991 gelang der Aufstieg in die 2. Liga (und ich war als damals 16jähriger dabei!), die Klasse konnte bis 1993 gehalten werden. Ab diesem Zeitpunkt begann der Abstieg des Clubs, der heute sein vorläufiges Ende in der Landesliga Niederrhein 2 gefunden hat.

Gut, wie ich sehe, habe ich es mit einem Verein mit Tradition zu tun, dessen glanzvolle Tage fast 20 Jahre zurück liegen. Meine Aufgabe kann also hehrer und altruistischer kaum sein – die Menschen hier verdienen einfach hochklassigen Fussball. Allerdings – ich blicke mich um – HIER? Der Bau, der das erste Stadion am Orte sein soll, taugt woanders höchstens als Parkplatz für deren Stadion. Oh weh, das hier geht wirklich kaum durch. Eine weitere Notiz folgt.



So schlendere ich also weiter und steuere auf eine kleine Gruppe trainingsbeanzugter Menschen zu. Ob die mir sagen können, wo sich die erste Mannschaft aufhält?
Bei dieser Gruppe angekommen stelle ich fest: der Haufen ist die Erste Mannschaft. Genau sechs Spieler sind Landesliga-tauglich. Gut, also müssen Leute her. Ich zücke meinen Block und notiere einen „Trial Day“, außerdem zwei Anzeigen für je einen Scout und einen Coach und einen Physio.




Assistenztrainer? Den gibt es tatsächlich: mein Assi ist jung, häßlich und hört auf den Namen Flottmann. Eine Grundaussage über sein Wesen stellt das allerdings nicht dar, er ist eher ein phlegmatischer Typ. In Ermangelung besserer Alternativen bleibt der Mann aber erst mal vor Ort.
Gut, was steht also nochmal an? Ach ja: Spieler sichten. Und das Trainingsgelände müssen wir ausbessern – check! – und bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die Jugendeinrichtungen – check! – und wieso halten wir uns überhaupt mit diesem lächerlichen Halb-Profi-Status auf? – check! War noch was? Die Personaldecke… ich kritzele verträumt etwas in den Block. Während meine Gedanken schweifen, fällt mir auf: es sind wirklich verdammt wenig Leute hier. Ich korrigiere meine Pläne, streiche einige Punkte und reduziere sie auf einen einzigen.



Literatur wäre nicht schlecht. Ich besorge mir also die wichtigsten Werke, die man auf dem Planeten bekommen kann: Tactical Theorems and Framework, Veni_Vidi_Vicis Guides und die beiden Sticky-Threads von Octa. Das Gute daran: ich werde vermutlich der einzige sein, der sein Spiel auf die Theorie aufbaut. Ich nehme mir vor, das zunächst für einen Vorteil zu halten. Ein, zwei Werke habe ich daheim auch noch und natürlich eine voll funktionsfähige Datenbank mit Spielern  - mein FM, dank Gorxas bestens ausgerüstet mit Infos. Aufstieg – check!
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #6 am: 21.Februar 2012, 20:03:55 »

Ich sitze im Büro des Präsidenten. Ich will gleich den nächsten Punkt der To-Do-Liste abhaken.
„Also, Swoboda, ich will hier einen anderen Platz.“
Er stutzt und blickt sich um. „Was gefällt ihnen denn nicht an ihrem Platz?“
Ich zeige mit dem Kinn auf das kleine Fenster.
„Irgendwann mal da drin gewesen? Im „Stadion“?“
„Ja, sicher.“ Er wirkt immer noch verständnislos. „Unser Röntgenstadion.“
Ich warte, ob sich Einsicht einstellt und nippe derweil an meinem Kaffee.
„Das ist doch unser Schmuckstück.“ Autsch – heiß. Am Kaffee verschluckt. Ich muss husten.
„Ähh – HUST – wat is?? Schmuckstück? Jedes Bahnhofsklo hat mehr Ambiente!“
„Aber ich bitte Sie!“ Sehe ich da etwa echtes Entsetzen in den Augen? „Das ist Tradition!!“
„Hm, naja. Gut, behalten Sie die Tradition. Jedenfalls müssen da viel mehr Plätze rein – und schönere!“
Swoboda blickt mich jetzt mit einer Mischung aus Erstaunen und Amüsement an.
„Wat is‘ denn, Mensch?!?“ keife ich ihn an.
„Aber… wissen Sie denn nicht, wie viele Zuschauer da rein passen?“ fragt er belustigt. Ich recke meinen Kopf hoch und blicke abschätzend aus dem Fenster. Ich überschlage kurz.
„Hmhm… 10.000?“
„12.000 sind es sogar.“
„Ich bin begeistert. 12.000 Bahnhofsklos.“ Sage ich matt. „Und wie viel Prozent Auslastung haben wir so bei den Heimspielen? 10 %? 5 %?“
Jetzt prustet der Präsident los. Die Tränen kommen ihm. Kopf schüttelnd japst er nach einer Weile: „Nee, echt. Sie Witzbold. 600 bis 1200 Menschen? Muahahaha.“ Schnell tippt er einige Buchstaben auf dem Rechner und schiebt mir dann den Bildschirm hin.
„Hier“, sagt er, „das ist die Website des Fanclubs. Werfen Sie einen Blick auf die Mitglieder.“
Ich werfe. Und bin ruhig.



Stadionausbau – Haken dran.

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #7 am: 21.Februar 2012, 20:22:10 »

Es ist der 4. Mai 2011 und dieses hier veränderte mein Leben:  6 – 14 – 22 – 30 – 36 – 40 – 21.

Die Lottozahlen der letzten Ziehung. Niemals habe ich vorher Lotto gespielt und niemals habe ich irgendwann mal irgendwo bei Glücksspielen einen Gewinn erzielen können. Aber damals dachte ich mir ‚Komm, versuch’s halt mal‘. Der Jackpot hat mich natürlich gelockt, wie so viele. Und auch wenn die Gewinnchance bei solchen Ausspielungen nochmals deutlich niedriger ist, hat es geklappt: 70.000.000 Euro1 - und alles ist meins!!!


den lottogewinn abgreifen und dann nen verein übernehmen, das war doch der beginn der story von meinem alten kumpel gnagflow: http://www.meistertrainerforum.de/index.php/topic,5750.0.html

prima geschrieben - hold on!
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der vfb spielt im neckarstadion!

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #8 am: 21.Februar 2012, 23:05:37 »

Das neue Stadion werde ich also nicht bekommen, zumindest nicht bevor ich nicht auch ein paar neue Fans bekomme. Mist. Ich hatte mir schon ein paar Designgedanken gemacht. Egal, muss ich mir was anderes ausdenken. Zum Beispiel die Trainingseinrichtungen. Die sehen nämlich so aus:



Das ist die Ausdauerstrecke. Irgendwie hinten links hängt ein Wespennest im Baum als Kopfballpendel.



Der Platz der 2.Mannschaft.



Der Platz für die Saisonvorbereitung.



Und hier spielen die Bambinis.

Swoboda stimmt mir nachdenklich zu, als ich sage, auf diesen Plätzen könnte man höchstens eine neue Staffel von "Bauer sucht Frau" drehen, aber kaum ein Fußballteam trainieren. Er gibt mir zu denken, dass man von einem 'Team' nicht reden könne. Da aber bringt er mich auf einen Gedanken. Ich hatte nämlich eine kleine Anzeigenserie geschaltet. In allen Regionalzeitungen im Umkreis von 250 Kilometern sowie in Zeitungen in Brasilien erscheint am heutigen Tag folgende Anzeige:



Ich setze da einige Hoffnung rein. Es werden sich sicher welche melden.
« Letzte Änderung: 21.Februar 2012, 23:33:54 von Henningway »
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #9 am: 22.Februar 2012, 18:22:37 »

Die Sache mit der Anzeige löäuft gut, wir haben bereits einige Anrufe bekommen. Die Scouts, die der Verein bislang eingestellt hat, sind zwar allesamt nicht wirklich nützlich, aber wenigstens haben wir jemanden, der auf Vereinskosten durch die Gegend fliegen kann. Es kommen regelmäßig Berichte. Der Einfachheit halber und um eine bessere Vergleichbarkeit zu gewährleisten, habe ich alle Spieler zu einem bestimmten Tag bestellt. Die Scouts sollten mit ihren Empfehlungen das selbe machen.
So sitze ich also im Büro, als Flottmann, der Assi, reinkommt.

"Chef, die Spieler sind da."
"Die für das Casting?"
"Ja, Chef."
"Gut. Dann machen wir uns mal ans Werk und lassen sie vorspielen."
"Ähh, kleines Problem, Chef."
"Hm?
"Sind'n paar mehr gekommen als gedacht, Chef."
"Wie viele sind denn 'ein paar mehr'?" Flottmann ist niemand, der Infos auf den Punkt bringen konnte, offensichtlich.
"Naja - viel mehr. Chef."
Ich atme tief aus und erhebe mich. "Wo sind sie?"
Flottmann zeigt mit mit der rechten (und, wie ich bemerke, leicht zittrigen) Hand auf das kleine Fenster. Ich blicke hinaus.



"Gut", sage ich, "das sind wirklich viele. Flottmann. Gehen Sie und machen Sie eine Liste. Ja, schon richtig verstanden, Sie allein!"
Flottmann geht achselzuckend hinaus. Ich setze mich erst mal wieder hin. Hätte ich etwa diese Zeitungsanzeige nicht auf Facebook posten sollen? Hm, vielleicht nicht. Aber egal, jetzt müssen wir etwas Organisation in die Sache bringen. Beim Blick nach draussen stelle ich fest, dass gerade Kirmes in Lennep ist. Mir kommt eine Idee.
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #10 am: 22.Februar 2012, 18:32:37 »

Du hättest vielleicht deine Anzeige besser nicht in der Apotheken Umschau schalten sollen. Deine Bewerber sehen mir nämlich ziemlich überaltert aus. Zudem scheinen da hauptsächlich Kandidaten für deine Frauenmannschaft dabei zu sein.
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #11 am: 22.Februar 2012, 18:37:45 »

@KCl: ja, ist mir später auch aufgefallen. Aber man soll ja nie die Flinte ins Korn werfen. Alle Alten bekamen eine Kundenkarte meiner Apotheke, alle Frauen habe ich nach Dülmen zu FuMo geschickt. Der Rest ist dann brauchbar gewesen. ;)




"Ein Riesenrad als Glücksrad! Chef - grandiose Idee!!" staunt Flottmann.
Es sind einfach zu viele gekommen und ich muss ausselektieren. Alle mit guten Referenzen kommen wieder und alle, die bereits in Fußballklamotten gekommen sind, auch. Alle anderen werden ausgelost. Dafür habe ich für die Dauer der Kirmes das Riesenrad gemietet. Alle 2 Minuten hält es an, wer dann in der unteren Gondel sitzt, darf ebenfalls wieder kommen. Am Ende des Wochenendes haben wir so den Kreis gewaltig eingeengt. Jetzt geht es an die Sichtung. Da sind schon einige gute Jungs dabei. So weiß ich bereits jetzt: ich werde schwerste Anfälle von Morbus Magath bekommen! Neben diesen ganzen Spielern hier liefern mir auch meine Scouts regelmäßig Berichte von Wunderknaben ab. Der Verein erlaubt das Scouting in Zentraleuropa (:)), Brasilien (:D) und - Japan(???)?! Damit dürfte sich wohl arbeiten lassen. Ich schicke zuersten jemanden nach Brasilien. In Erinnerung an eine bekannte Aussage eines Herrn Paul Breitner fahre ich vorher noch zum Obi und kaufe vier Lassos. Vielleicht wird der Scout sie am Strand der Copa Cabana brauchen.
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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #12 am: 22.Februar 2012, 20:18:59 »

Der ganze Menschenauflauf und die Requirierung des Riesenrads ist irgendwie nicht unbemerkt geblieben. Tags drauf steht die Presse in Person eines Reporters des Remscheider Generalanzeigers, der Bergischen Morgenpost sowie der Ruhrnachrichten auf der Matte. Wir beschliessen schnell, eine Pressekonferenz zu veranstalten. Ich wähle für meinen ersten echten Auftritt in der Presse ein dezentes Erscheinungsbild, angelehnt an einen für seinen guten Modegeschmack bekannten Herrn:



Die Presse ist versammelt, es werden die ersten Fragen gestellt.

"Herr Way, die eigenwillige und überschiessende Art und Weise, wie Sie Spieler sichten, ist nicht unbemerkt geblieben. Sind Sie damit erfolgreich gewesen?"
"Ja. Danke der Nachfrage."
"Nun, eigentlich... können Sie uns Namen präsentieren?"
"Gern. Haben wir vorbereitet. Liegt alles vor Ihnen aus."
Die Reporter schauen sich die DIN A4-Zettel an.
"Hm. Aus der Region sind da aber recht wenige dabei..." bemerkt der RGA-Mann.
"Ja", verkünde ich locker. "Die sind einfach ALLE ZU SCHLECHT. Ehrlich, es wundert mich nicht, dass hier jahrelang unterklassig gespielt wurde."
Ich beuge mich nach vorn. Eine der Goldketten knallt gegen die Tischplatte.
"Mir geht es so wie Ibrahimovic: Geld und Titten Titel will ich holen. Dem ist alles unterzuordnen. Geld habe ich, nur noch keine Titel. Aber das wird kommen, glaubt's mir!"
Zufrieden lehne ich mich zurück. Die Reporter scheine ich aber noch nicht erreicht zu haben. Sie sehen sich an. Dann fragt einer zögerlich:
"Ja... welche Titel sollen es denn sein?" Das überrascht mich jetzt doch.
"Bitte? Welche hätten Sie denn gerne? Ha. Der Aufstieg und die Landesligameisterschaft sollte wohl für's erste gnügen, hm, was meinen Sie?"
Stille tritt ein.
"Ist das Ihr Ernst?" fragt der Morgenpost-Reporter unbeindruckt.
"Klar", gebe ich zurück. "Hallo? Remscheid soll gefälligst wieder ein Punkt auf der Fußballkarte werden. Meine Ziele sind gesteckt: Aufstieg diese Saison, Aufstieg nächste Saison, im dritten Jahr drin bleiben, im Vierten erneut aufsteigen und im Fünften Jahr sollen wir oben dabei sein, wenn es um die Drittklassigkeit geht."
"Soso."
"Ja. Hehe."
"Und die aktuellen Spieler sollen Sie dahin führen??"
"Nein, natürlich nicht. Sehen Sie: wir machen nur EIn-Jahres-Verträge. Die, die kommen, müssen für das aktuelle Jahr gut genug sein, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Aber es werden immer bessere Spieler kommen und so werden wir uns immer aktuell verstärken können, ohne dabei Altlasten herumschleppen zu müssen."
"Die aktuellen Spieler werden freudig erregt sein zu hören, dass sie im nächsten Jahr bereits eine 'Altlast' sein könnten."
"Niemand hindert sie daran, gut genug zu sein. Aber die Konkurrenz wird jährlich stärker sein."
"Und wo bleibt da die Region?"
"Spieler aus Remscheid, Solingen, Wuppertal, selbst Ruhrgebiet, Rheinland, Niederrhein, Sauerland, Siegerland... alles kann gerne mitmachen. Aber die Qualität muss stimmen. Dem ist alles unterzuordnen."
"Sie würden also auch mit elf Deutsch-Brasilianern auflaufen?"
"Sicher!"
"Und die Champions League?"
"Warten Sie es ab. In zehn Jahren vielleicht."

Damit war die PK zu Ende. Denen hatte ich es gegeben!!
« Letzte Änderung: 07.März 2012, 17:51:00 von Henningway »
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Conardo

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #13 am: 23.Februar 2012, 08:41:37 »

2x Daumen hoch!
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cornulio

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #14 am: 23.Februar 2012, 16:49:36 »

extra klasse bisher!
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Henningway

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #15 am: 23.Februar 2012, 19:13:42 »

@cornulio, @Conardo: danke Euch, das lese ich gerne :D



Heute will ich erstmals Taktiktraining machen. Ich weiß gar nicht, ob und wie die Jungs Ahnung von Taktik haben. Also dachte ich mir: lässt Du Ahnungslose von Ahnungslosen inspirieren. Meine Frau ist da eine prima Gehilfin gewesen. Ich bat SIe eines abends, mir eine x-beliebige Taktik aufzuschreiben. Meine Frau hat nun wirklich wenig Ahnung von Fußball (auch wenn ich irgendwann zwar alkoholisiert, aber doch noch lebendig genug während einer Cocktailbarrunde mit anhören musste, wie sie in ein Fußballgespräch platzte und vollkommen emotionslos eine forumwürde Definition von Abseits ablieferte. Seither habe ich Angst.) Jedenfalls, das hier ist ihre Taktik:



Was wird wohl veni_vidi_vici dazu sagen? Ich frage ihn mal...

Ich selbst jedenfalls möchte mit einem einfachen, wenig aufregenden 4-4-2 anfangen. Direktes Spiel, keine großen Schnörkel. Die Kondition fast aller Spieler, die man so zu Gesicht, entspricht etwa der von Zehnjährigen, also werde ich auch kein Pressing spielen lassen.
Im Tor sind wir mit Kreil und Deman gut besetzt, für die Landesliga wird das reichen. Als dritten Mann haben wir Frank Becker geholt,. der immerhin mal beim 1.FC Köln war. Er ist noch jung und genügt den Ansprüchen an einen dritten Torwart.

Die Abwehr sieht so aus:

D/C Andreas Kohlhaas
D/C Tobias Lörig
D/C André Schmidt

D/R Sebastian Plate
D/RL Tomas Randa
D/L Cleber

Kohlhaas und Plate sind Spieler aus der alten Elf. Vor allem Kohlhaas hat Landesliga-Niveau. Lörig und Schmidt sind sehr gute Ergänzungen. Hier wird Lörig sicherlich den festen Platz in der Innenverteidigung bekommen. Die Außenverteidigerpositionen haben wenig hergegeben: Plate ist ein Spieler, der höchsten Backup darstellt. Cleber hat gehobenes Niveau. Tomas Randa ist ein 37-jähriger Tscheche, der eigentlich eher im defensiven Mittelfeld spielt. Trotzdem wird er auf der rechten Verteidigerposition spielen. In der Jugend sind einige Außenverteidiger, die zur Not einspringen könnten.


Mittelfeld

DM/C Oliver Dittrich
DM/C Christian Guthof
M/C Patrick Zöllner
M/C Carlos
AM/C Alex Herber
AM/C Gianluca Simari
AM/C Domenico Cozza
M/R Endri Musta
M/R Danilo Bahia
M/R Nico Zwickl
M/L Matthias Rahmann
M/L Elias Pech

Dittrich ist aus der alten Elf, ebenso Cozza und Rahmann. Dittrichs Position haben wir nicht, Cozza ist nicht gut genug. Rahmann wird auf der linken Mittelfeld-Position spielen und außerdem Kapitän sein. Auf der rechten Außenbahn haben wir zwei interessante Leute: Danilo Bahia stellt oberstes Niveau auf diesem Level dar, Endri Musta ist gut genug, um mit 15 schon starten zu können. Zentral haben wir eine gute Mischung: Zöllner ist nicht nur sehr erfahren (36 Jahre alt, 141 Spiele), er kann auch defensiv das Mittelfeld gut gestalten. Neben ihm habe ich mehrere Optionen. Hier wird vor allem der Brasilianer Alex Herber spielen, der einiges an Kreativität mitbringt. Das wird mein Stamm. Carlos ist als Allrounder ebenfalls willkommen: er spielt vom defensiven Mittelfeld bis zum Sturm alles ähnlich gut. Der Rest ist Backup und soll Druck machen. Da ist vor allem Elias Pech zu nennen, der immerhin zuvor bei Hertha BSE gespielt hat.

Angriff

S/C Christian Müller
S/C Caihame
S/C Tobias Francisco
S/C Faruk Gülgün
S/C Quentin Albrecht

Gülgün und Albrecht sind Leute mit möglichen Zukunftsaussichten. Mein Scout war bis über beide Ohren verliebt, aber Flottmann ist wenig beeindruckt. Tobias Francisco aus Angola ist ein vorgeschobener Stürmer, Christian Müller wird als hängende Spitze spielen. Ihn könnte ich auch als linkes sowie offensives linkes Mittelfeld auflaufen lassen und so ein 4-2-3-1 spielen. Aber ich will die Mädels nicht gleich überfordern. Caihame steht hintern den beiden als Backup bereit, könnte aber auch Stamm spielen.

Ergänzt wird das alles durch eine solide U19, falls mal Not am Mann sein sollte. Für meine aktuelle Mission werde ich mit diesem Team gut gerüstet sein, vor allem nachdem ich feststellen durfte, was die anderen Teams so aufzubieten haben. Da haben Flottmann und ich kurz mal herzhaft gelacht. Aber hey, selbstverständlich respektieren wir jeden Gegner!

So male ich eines Tages auf dem Klo sitzend und einen Bob in die Bahn schiebend eine Taktik auf, mit der ich starten will:


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veni_vidi_vici

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #16 am: 23.Februar 2012, 19:49:20 »

Was wird wohl veni_vidi_vici dazu sagen? Ich frage ihn mal...

Vorne hui, Hinten pfui!

Aber erstmal das Positive. Deine Frau scheint den FM gut zu kennen. Die drei Vorderleute sind perfekt eingestellt. Während der zentrale Stürmer in die Zwischenräume ausweicht, zieht der Rechte in die Mitte. Dadurch ergibt sich ein elegantes Überschneiden der Positionen, welches die Gegner verwirrt. Und es wird noch besser! Der offensive Mann mit der Nummer 10 auf der linken Seite macht den Spielmacher. Er bleibt ein Stück weit hängen und kann somit als Anspielstation dienen. Während sich die anderen beiden Offensivleute häufig auf der rechten Seite des Spielfeldes aufhalten, hat er gegenüber seine Freiräume - und genau diese braucht er als Spielgestalter! Ein taktisches Glanzstück! Eine Kleinigkeit gibt es noch anzumerken, aber auch das hat deine bessere Hälfte sicherlich einkalkuliert. Der rechte Stürmer kommt über rechts (logisch) und auch der zentrale soll häufig nach rechts ausweichen. Um Tore zu schießen haben diese Spieler den Ball also meist auf dem linken Fuß. Sicherlich besteht deine Offensivreihe aber vornehmlich aus Linksfüßern. Wenn nicht sollte der Angriff gespiegelt werden.

Nun zum Mittelfeld, welches mit der Nummer 10 schon eine schöne Überleitung im Angriff hat. Und gibt es Licht und Schatten. Die beiden "betrunkenen" Spieler mit der Freirolle, die scheibar in Schlangenlinien über das Feld flitzen - vielleicht können sie auch nur gut dribbeln - scheinen sowohl für Außen, als auch für Innen anspielbar zu sein. Das lässt das Spiel wenig ausrechenbar werden. Sie hinterlaufen gelegentlich die Außenstürmer, bieten sich im Rückraum an und spielen entscheidende Pässe - hauptsächlich mit dem Ziel die Nummer 10 zu erreichen, welche dann den finalen Pass spielt. Die "verwirrte" Nummer 6 - scheibar mit Freirolle ausgerüstet, soll wohl überall aushelfen, wo es nötig ist. Aber durch das ansonsten offensive Mittelfeld ist diese Lösung nicht optimal. Dort muss ein Monster stehen, welches pro Spiel 25 Kilometer läuft und sich mit Überschallgeschwindigkeit bewegen kann. Im Zentrum vor der Abwehr wird es also zu viel Raum geben.

Jetzt zur Abwehr selber. Die Außenverteidiger spielen scheinbar eine Halbposition. Damit sind sie häufig anzuspielen. Ansonsten mischen sie sich nicht viel in das Offensivspiel ein. So halte ich das auch sehr oft in meinen Taktiken. Aber warum tauschen diese die Positionen? Sie gehen nicht in die Offensive. Haben sie sich abgesprochen und wollen die eigene Defensive verwirren? Oder heißt der Pfeil, dass sie sich öfters mal beratschlagen? Die Innenverteidiger stehen zu tief und auch zu weit auseinander. Diese gehören etwas weiter nach Vorne. Weiterhin würde ich diese nicht bis zur Strafraumkante ausweichen lassen, zumal die Außenverteidiger den Weg nach Vorne gar nicht mitgehen.

Eine super Taktik für ein 3:3. Allerdings nur wenn der Tortyp den Balltyp vom Sturmtyp nicht hält und der Refereetyp den Sturmtyp nicht zu häufig ins Abseits stellt. Das wäre gerade zu typisch!

Henning blickt einer aufregenden Saison entgegen und mit solch professioneller Beratung ist ihm der Erfolg gewiss. Und nach dieser Analyse gebe ich zurück ins Studio.

LG Veni_vidi_vici

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #17 am: 23.Februar 2012, 19:57:19 »

Klasse Analyse veni_vidi_vici.
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Zu weit exitiert nur in deinem Kopf

Henningway

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #18 am: 23.Februar 2012, 22:23:37 »

Das Team beginnt die Vorbereitung. Ich lasse sie die einfache 4-4-2-Raute spielen und nehme niemals taktische Veränderungen vor. Weil es so wichtig ist, dass sie sich einspielen, verordne ich einen 16-Stunden-Arbeitstag - der Manager würde wohl von "Workload very hard" sprechen. Tue ich auch.

Das erste Spiel überhaupt steht also an. Das Team ist mir irgendwie zu entspannt. Ich betrete die Kabine und höre - Lachen. Witze. Ausländische Wort, die unverstanden bleiben (bis auf die Ausländer). So geht das nicht!! Da muss ich zwischen hauen!
"MÄNNER!!" brülle ich und alle verstummen.
"WASSNHIERLOS??" Die Scheiben klirren. "WASSOLLNDERSCHEISS?" Einige Spieler weichen vor mir zurück.
"GLAUBT IHR, WIR SIND ZUM SPASS HIIER?" Meine Stimme überschlägt sich. Ich mache zwei Schritte in den Raum rein und trete haßerfüllt gegen eine Wasserflasche, die in den Duschraum fliegt und dort klatschend von den Fliesen abprallt. Ich schnaube. Ich merke, wie etwas Speichel aus dem Mundwinkel läuft. Ich reisse Sebastian Plate das Trikot aus der Hand und wische mir das Gesicht ab.
"PLATE - RAUS!" Plate geht. Ich beruhige mich, aber nur langsam und widerwillig.
"Was ist das für eine Disziplin? Was für ein Sauhaufen seid Ihr?" Ich schaue im Kreis. Alle Spieler schauen zu Boden.
"Unser erstes Spiel soll das sein und was macht Ihr? Locker seid Ihr, locker und unprofessionell! Wollt Ihr etwa nicht gewinnen?? HMMM?"
Alle murmeln leise irgendwas, was wie 'Doch.' oder 'Ja.' oder 'Schon.' klingt.
"Gut. Hört zu, Ihr werdet die Gegner - Nein, ich werde von Ihnen lieber als den 'Feinden' sprechen, denn das sind sie: sie sind Eure Feinde, die, die Euch die Frauen wegnehmen wollen, Euer Geld, Eure Autos! Ihr werdet das nicht zulassen! Hört Ihr? IHR WERDET DAS NICHT ZULASSEN!!"
Neineineineinenneneieenen. Gemurmel.
"WAS HÖRE ICH??" schreie ich.
"WIR WERDEN DAS NICHT ZULASSEN!" brüllen die Spieler. DIe Ausländer brüllen irgendwas anderes.
"Gut. Und jetzt raus mit Euch. Vernichtet sie, holt Euch ihren Skalp. Macht sie fertig!"
Die Männer schreien und rennen aus der Kabine.
Und das ist die Geschichte, wie ich meinen FC Remscheid dazu brachte, das erste Freundschaftsspiel gegen meine U19 mit 6:0 zu gewinnen. Was für ein Gefühl!! :D
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Alister

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Re: Zwei Fäuste gegen Remscheid
« Antwort #19 am: 24.Februar 2012, 00:23:48 »

Super Story! Mit Witz geschrieben, grad der letzte Beitrag war Top. Bei den letzten beiden Sätzen musste ich echt lachen :D
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