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Autor Thema: Das Trainerleben als Jugendtrainer  (Gelesen 21000 mal)

Cubano

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Das Trainerleben als Jugendtrainer
« am: 09.März 2013, 10:19:31 »

Ich war zwei Saisons lang C-Jugend Trainer bei meinem Heimatverein, die Jungs waren Jahrgang 97/98. Hat viel Spaß gemacht, hab es geschafft, dass wir am Ende der Saison besseren Fußball gespielt haben als zu Beginn der Saison. Hab viel Wert auf sauberes Kurzpassspiel gelegt.
Es stellte zu Beginn meiner Tätigkeit ein Problem - denn mir wurde nahegelegt, dass ich doch bitte mit Viererkette spielen lassen soll, was aber mein Spielermaterial einfach nicht hergab. Habe dann eine Zwischenlösung gefunden, indem meine beiden IV eine Doppelfunktion ausführten. Der erste spielte Libero/IV und der andere IV/DM. Bei gegnerischen Ballbesitz stellten wir auf Libero und zogen die AV als Manndecker nach innen. Bei eigenem Ballbesitz bildeten wir hinten eine Viererkette.
So konnte mir niemand vorwerfen, dass ich nicht mit Viererkette spielen lassen würde, auch wenn ich es effektiv nicht tat ;)
In meiner zweiten Saison spielten wir dann wirklich mit Viererkette, da die nachrückenden Spieler damit gut zurecht kamen.
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Leland Gaunt

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #1 am: 09.März 2013, 11:56:20 »

Seid ihr über selber im Verein spielen an eure Posten gekommen, oder habt ihr euch von außerhalb 'beworben' und- welche Trainerscheine habt ihr?
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smedhult

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #2 am: 09.März 2013, 12:15:33 »

@ FUMO:

Sind mit diesem Thread nur Jugendtrainer aus dem Bereich Fußball angesprochen?
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Cubano

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #3 am: 09.März 2013, 13:51:31 »

Seid ihr über selber im Verein spielen an eure Posten gekommen, oder habt ihr euch von außerhalb 'beworben' und- welche Trainerscheine habt ihr?

War selbst Spieler im Verein. Musste dann nach einer Knieverletzung aufhören und wurde Co-Trainer der 2.Mannschaft. Danach Interimstrainer der A-Jugend und eben fest C-Jugend Trainer. Trainerschein habe ich bisher noch keinen, werde das aber in Angriff nehmen.
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LüddenDu

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #4 am: 09.März 2013, 14:50:10 »

Trainiere die Jugend meines "Heimatvereins" seit 2 Jahren. Bin da aber eher Bindeglied zwischen Jugend- und Herrenbereich und mache es zusammen mit einem erfahrenen Trainer der bereits 54 Jahre alt ist, aber auch immerhin eine Trainer B-Lizenz besitzt. Mir selber wurde die C-Lizenz letztes Jahr bezahlt, was bei uns im Verein allen "ambitionierten" Trainern angeboten wird.
Bei uns läuft es so, dass man mit seinem Trainerkollegen die C-Jugend übernimmt (da geht bei uns der "Leistungsbereich" los) und dann bis zur A-Jugend, im Idealfall, begleitet, dann fängt man, im Idealfall, wieder mit der C-Jugend an.
Mir macht es viel Spaß, auch wenn die Pubertät teilweise echt nervig ist, aber kicken können da einige echt sehr gut. Ist dann immer schwer die Jungs bei uns im Verein zu halten.
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Cubano

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #5 am: 09.März 2013, 15:39:00 »

Mir macht es viel Spaß, auch wenn die Pubertät teilweise echt nervig ist, aber kicken können da einige echt sehr gut. Ist dann immer schwer die Jungs bei uns im Verein zu halten.

Kann ich bestätigen, aber ich musste nur einen Spieler ziehen lassen und zwar zum 1.FC Nürnberg. Diese Chance bekommt er wohl nur einmal.
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LüddenDu

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #6 am: 09.März 2013, 15:54:55 »

Ja, bei uns geht es aber nicht um HSV oder St.Pauli, sondern um BUH und solche Vereine die selbst nicht besonders hoch spielen.
Unsere Jugend ist wesentlich besser als unsere Herrenabteilung und daher gehen viele Jungs halt zu Vereinen die im Herrenbereich höher spielen. Die Welt ist so ungerecht :D
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Cubano

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #7 am: 09.März 2013, 16:15:58 »

Ist bei uns auch nicht die Regel, da wir auch nicht die beste Jugendarbeit in der Gegend haben. Deswegen hat sich auch keiner im Verein quer gestellt, weil so eine Möglichkeit, dass wir einen Jugendspieler zum Club bringen, bietet sich vielleicht nicht wieder.
Inzwischen spielt er aber nicht mehr bei Nürnberg, obwohl er da gut eingeschlagen hat in den Jugendteams.

Ansonsten haben wir öfter mit Abgängen zu einem Nachbarverein, der bessere Trainingsanlagen hat, zu kämpfen. Und eben zu den Vereinen aus den nächstgrößeren Städten zieht es auch ein paar Jugendspieler.
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #8 am: 09.März 2013, 23:12:26 »

Ich bin im 6. Jahr, bis zum Winter habe ich die C trainiert. Letzte Saison wurden wir 3., in der Rückrunde haben wir als "Ortsteilmannschaft" die "Stadtmannschaft" im Derby besiegt, geile Truppe... Dieses Saison ging garnichts. Mein Co-Trainer-Spielervater sagte, er will nicht mehr mit mir zusammen trainieren und die Jugendleitung hat sich dann dazu entschieden, dass der Jugendleiter die Mannschaft mit ihm zusammen übernimmt und ich raus bin. Mir hat man dann angeboten die B zu trainieren, was ich jetzt mache, weil ich alle Spieler schon mal trainiert habe und weiß was die können.

Mein ehemaliger Trainer, der dann Jugendleiter wurde hat mich gefragt 2005, ob ich nicht was trainieren möchte. Angefangen habe ich mit den Minis als Co, dann C als Co, D selber, C selber und jetzt wieder als Co in der B.
Zwischendurch habe ich dann den Trainerschein gemacht, C-Breitenfussball. Der Ausbilder kümmert sich auch um die Fussballferienfreizeit vom Kreis Bielefeld und hat mich gefragt ob ich da mitmache, wo ich jetzt 3 mal als Trainer dabei war. In diesem Jahr zusammen mit einem Landesligaspieler, der mal die Kreisauswahl gemacht hat, dem Trainer der Ersten aus meinem Verein, der momentan auch eine Stützpunktmannschaft (E alt) trainiert und einem A-Jugendtrainer mit A-Lizenz.

Da ich selber nicht der talentierteste Spieler war und sich unser Verein eher in den untersten Ligen rumschlägt, bin ich verdammt froh, wie es gelaufen ist. Das ein oder andere Angebot habe ich auch schon abgelehnt und nachdem ich jetzt praktisch das erste mal "gefeuert" wurde, weiß ich nicht, ob ich den Schritt noch machen soll. Ich hänge da einfach am Heimatverein, der sich ja auch sehr gut entwickelt und im nächsten Jahr wohl eine Jugendspielgemeinschaft mit dem Nachbarort eingeht.

Im nächsten Jahr bin ich mit der Berufsausbildung fertig. Dann entweder Geld und keine Zeit oder weniger Geld und bisschen Zeit. Fehlen würde es mir aufjedenfall.

Wenn aber jemand Interesse dazu hat, im Grunde ist jeder Verein froh über Freiwillige. Wenn man dann noch eine Lizenz macht, Fortbildungen besucht, vielleicht die "Lizenzleiter" (C-Leistung, B-Lizenz, A-Lizenz, Fussballlehrer) weitergeht, dann kann man sich je nach Verein fast aussuchen was man macht. Die werden dann auch meistens vom Verein bezahlt, bei uns mit der Verpflichtung, eben die nächsten 3 Jahre (so lange ist die Lizenz auch gültig, dann muss man verlängern) im Verein zu trainieren und ansonsten anteilig selber was zu zahlen. Wobei das auch eher im Hintergrund steht, wenn ich bedenke, wieviel Zeit und Geld/Sprit so draufgeht und was man dafür finanziell bekommt, dann ist das nicht der Grund, wieso man das tut  ;)

Unser Verein richtet auch einen Kindergartencup aus, wo ich eine Truppe mit dem Sohnemann eines Bekannten (der mich fragte) "trainiert"/betreut  ;) habe. Das hab ich jetzt 3 mal mitgemacht, schöne Veranstaltung, viel Spaß für die Kids und fast schon einschüchternde Begeisterung bei den Eltern. Es ist spannend, wenn ein Spieler, der bei "Feuer-Wasser-Sturm" ziemlich überfordert ist und lethargisch wirkt, bei einem anderen Spiel sein Talent entdeckt, alles gewinnt und danach ganz anders auftritt (wer prüft die Kommata?). Für sowas macht man das  :)

Mit dem Trainer der B habe ich auch schon die ein oder andere Schlacht geschlagen, da war ich noch als C Trainer aktiv. Er hat das ein oder andere Mal Spieler aus meiner Mannschaft ohne mein Wissen eingesetzt. Das war der Knackpunkt. Der Aufstieg mit der C wäre angesichts des nachfolgenden Jahrganges keine gute Sache gewesen und die B war oben dran und die Aufstiegspriorität war größer. Ich habe auch klar gesagt, dass ein Aufstieg mit der B mehr Sinn macht und ich dafür jeden Spieler jederzeit abstelle. Zudem war ich auch der Meinung, dass der ein oder andere Spieler auch dauerhaft hochgezogen hätte werden können. Da fehlten dann aber die Absprachen. Ein anderes Thema ist Alkohol. Bier für 16-jährige am Platz ist ok, ich als Trainer der C habe dann gefordert, es komplett zu verbieten, da alkoholfreies (warum auch immer..., da geht auch Malzbier...) Bier in der Kabine war und ich das "Akoholfrei" natürlich nicht gesehen habe.

@smedholt:
Ich hoffe nicht. Gerne hat man da ja Scheuklappen auf, aber z.B. gerade im Handballbereich wird sehr gute Jugendarbeit gemacht. Das trifft sicherlich auch auf viele andere Sportarten zu. Letztendlich ist es beim "Teamkontaktsport" ja auch egal welchem Ball man hinterherläuft, die Ziele sind die gleichen, wenn auch die Methoden anders sind. Und ich habe das Gefühl, gerade Fussballer schauen da nicht nach links oder rechts, weil Fussball Sport #1 ist. Aber gerade das finde ich ziemlich spannend, man kann fast aus jeder Sportart irgendwas für "seinen" Sport mitnehmen. Das "Respektdenken" von (asiatischen) Kampfsportarten (auch gutes Argument für überaggressive Spieler, Kampfsportler brauchen keine Aggression für Spitzenleistungen, sondern eher Meditation  ;) ), Handball mit seinen Spielzügen, Basketball mit dem Quotendenken, Leichtathletik und Lauftechniken,...
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #9 am: 10.März 2013, 13:28:42 »

Lizenz machen kann ich nur empfehlen. Unser Ausbilder hier im Kreis ist sehr gut. Was das Wissen angeht, geht es fast nur um Grundlagen, also erwarte keine Taktikanalysen, das fängt erst mit dem C-Leistungsfussballschein an. Los geht es mit Dribbeln, Schießen, Passen, einfachste Sachen. Das meiste kennt man, aber es wird sozusagen eine einheitliche Basis geschaffen, die man dann ja mit weiteren Lehrgängen fortbilden kann. Dabei ist vor allem die Methodik interessant, was wie gelernt wird, Timing von Ansprachen oder Hinweise aufs Wesentliche. Es ist beeindruckend, mit welcher Ruhe und wie wenigen Worten man ziemlich viel vermitteln kann. Also die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Ton.

Das läuft dann so, dass man 2 Stunden auf einer Bank in der Turnhalle sitzt und Theorie lernt und 2 Stunden lang selber trainiert wird. Da kann man einfach sehr viel mitnehmen.
Dann ist die Schiedsrichterausbildung Teil der Lizenz. Also werden Diskussionen mit Schiedsrichtern auch einfacher  ;)
Und zuguterletzt gehörte noch ein Physiotherapielehrgang dazu. Referenten waren da u.a. die Physios von Arminia Bielefeld und einer aus dem Zentrum war für die U23-Kanu-Nationalmannschaft verantwortlich. Also fähige Leute die viel zu erzählen haben.
Jedenfalls wird das hier so gehandhabt, weil das Zentrum für Physiotherapie gut kooperiert, in manchen Kreisen ist das nur eine Erste-Hilfe-Ausbildung.

Dann hat der Ausbilder auch verdammt viele Geschichten zu erzählen, man hört wie es im Kreis und beim Verband so läuft und bis heute hab ich guten Kontakt zu vielen Teilnehmern, unserer Gruppe war garantiert der lustigste und fähigste Lehrgang  :P. Also Freundschaftsspiele organisieren geht auch ziemlich schnell. Man tauscht sich aus, hat viel Spaß, an fast jedem Sportplatz kennt man irgendwen... Ich kann es nur empfehlen, wenn man da Interesse hat und vor allem die Zeit! 3 mal die Woche, insgesamt 120 Stunden. Ich ärger mich schon, in meiner Zivizeit nicht die C-Leistungslizenz mitgenommen zu haben, denn die macht man nicht mehr so nebenbei.

Letztendlich kommt es aber immer auf die verantwortlichen Personen an. Mir hats aber sehr viel Spaß gemacht, man selber profitiert und letztendlich kommts den Spielern zugute.
Und da saßen auch durchaus Leute, die schon 20-30 Jahre als Spieler oder Trainer tätig waren und die haben immernoch was neues gelernt. Wär ja bei mir in 20 Jahren nicht anders, da ist das Wissen von heute auch Schnee von gestern...

edit
@FuMo, jungen Spielern ist auch echt was zuzutrauen. Man muss es nur alles richtig erklären. Wenn einem Kindergartenkind sage: Kannst du den Ball nicht zu dem Spieler passen, der da hinten freisteht, dann versteht der nur Bahnhof. Die kennen erstmal nur Fuß -> Ball -> dagegentreten. Und wenn man das ruhig erklären kann, vormacht und all sowas, dann lernen die das recht schnell.
Der Klassiker ist ja "Lass dich fallen" und einer aus der F liegt dann am Boden, anstatt tief zu stehen  :)
Aber ich glaub du machst das gut, dein Erfolg gibt dir recht  :)
« Letzte Änderung: 10.März 2013, 13:32:32 von Snickers12312892 »
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #10 am: 10.März 2013, 13:53:15 »

Ja, das Physiokurs ist für die kleinen vielleicht nicht so wichtig, da Aufwärmen nur ein "einstimmendes Ritual" ist und Dehnen auch nicht nötig ist. Das sind z.B. Themen, die man ja nur von seinem eigenen Trainer sieht, irgendwo mitnimmt oder sich selbst was ausdenkt... Da gibts dann einfach Fakten und Wissen dazu.
Wobei Physios ja auch keine Diagnosen treffen dürfen sondern nur behandeln, also darf man da das Wissen mitnehmen, aber sollte sich nicht dazu verleiten lassen, irgendwas selber zu bestimmen. Aber PECH (Pause, Eis, Kompresse, Hoch) ist danach drin und man geht auch nicht so fahrlässig mit Spielern um - Eisspray und weiter darf es im Kinderfussball nicht geben!

Es ist immer so, dass man die Spieler, die man trainiert auch behalten will. Aber wenn man dann Neue hat und die Alten weg sind, dann bleibt das so  :) Also davor darf man keine Angst haben und es ändert sich sowieso oft, man hat darauf keinen Einfluß und was zählt ist die Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt.
Aufbauen ist schwer, da braucht man eben ideale Bedingungen und das wären z.B. Mannschaften mit einem Jahrgang und davon mehrere, um die Spieler entwicklungsgerecht aufzuteilen. Sonst ist immer Bewegung im Team und man braucht erstmal 3 Monate, um alle neuen Spieler und ihre Eigenarten kennenzulernen.
Ich würd dir da die Kontinuität natürlich wünschen, aber wie gesagt, wenn du morgen eine andere Mannschaft trainieren sollst, dann ist übermorgen nur noch diese Mannschaft interessant  ;)
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LüddenDu

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #11 am: 10.März 2013, 13:53:39 »

Zitat
So wie es aussieht wird der Großteil der Mannschaft bei uns lange zusammenbleiben.

Warte mal ab bis die Spieler realisieren, dass sie "nicht gut genug" sind und die Pubertät kommt und sie wirklich selbst entscheiden dürfen/können ;)
Die unteren Jugendmannschaften sind bei uns auch alle durchweg mit 2-3 Teams besetzt. Ab der C-Jugend maximal noch mit zwei Teams.
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smedhult

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #12 am: 10.März 2013, 18:11:24 »

Ich bin seit Januar diesen Jahres Techniktrainer der 1. und 2. Mannschaft der U15 der männlichen Junioren. Der Verein heißt FBC Engelholm, und hat im Jugend und Juniorenbereich ca. 750 Spielerinnen und Spieler. Wir gehören damit zu den zehn größten Innebandyvereinen Schwedens.

Im Nachwuchsbereich gibt es drei Lizenzstufen, die aufeinander aufbauen. Die beiden ersten "Grün" und "Blau" decken den Kinder- und Jugendbereich ab. Hier geht es vorallem darum Lernkonzepte für die Spieler zu entwickeln, motieren und binden von Spielern, Konfliktbewätigung, soziale Kompetenz, Ausarbeiten von Trainingsplänen und einem kleinen praktischem Trainingsteil. Die dritte Stufe "Rot" deckt den Juniorenbereich ab. Hier geht es vorallem um Motivation, soziale Kompetenz, gezielte Trainingsmethodik, Ernährung und Gesundheit, Taktik und Spielphilosophie und einem größeren praktischem Teil.

Jede Stufe besteht aus jeweils 40 Einheiten und schließt mit einer praktischen und theoretischen Prüfung ab. Die Lizenzen kann man entweder bei den einzelnen Landesverbänden erwerben oder an zahlreichen Hochschulen oder Universitäten. Ich habe alle drei Stufen innerhalb von gut 7 Monaten absolviert.

Jetzt kümmere ich mich um das Pass- und Torschusstraining, Ballhandling, Schusstechnik und Offensivkombinationen. Wir haben viele talentierte Spieler, und seit dieser Saison drei Juniorennationalspieler. Es macht mir verdammt viel Spaß, meine Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben, auch wenn die Gesamtsituation des Vereins sehr beschissen ist.

Mal eine Frage an Andere Trainer:

Wir haben hier bei uns im Team einen echten Juwel, der an guten Tagen jeden Gegner zerlegt. Leider schwanken seine Leistungen machmal sehr stark, da er oft demotiviert, lustlos und wie eine Diva auftritt. Er kokettiert auch oft mit einem Wechsel zu anderen Vereinen.

Hat Jemand eine Idee, wie man ihn "auf Kurs" bekommt?
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smedhult

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #13 am: 10.März 2013, 21:31:21 »

Es wäre rein sportlich gesehen ein immenser Verlust. Er ist körperlich, technisch und auch vom Potential her gesehen der mit Abstand Beste, und er ist der Jüngste im Team.

Der Rest des Teams ist natürlich leicht genervt, weiss aber auch das er wichtig ist. Da im Innebandy aber in Reihen wie im Eishockey mit ständigem Wechsel gespielt wird, können wir ihn rausrotieren lassen.

Seine Eltern haben leider wenig Einfluss auf ihn, und so wie ich es bisher mitbekommen habe, auch wenig Interesse. Hinzu kommt seine schwierige Mentalität, er ist Bosnier. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie Spieler aus Südosteuropa manchmal drauf sind. Der Grad zwischen Genie und Wahnsinn ist manchmal schmal.

Bis zur Endrunde der schwedischen Juniorenmeisterschaft sind es noch 4 Wochen. Bis dahin werde ich mich verstärkt um ihn kümmern, und ihm einmal in der Woche Einzeltraining geben. Dabei werde ich auch Gespräche mit ihm führen, um vielleicht Lösungsansätze zu finden. Dies fand leider bisher eher selten hier statt.
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #14 am: 11.März 2013, 15:22:09 »

Ich glaube das Problem kennt fast jeder Trainer.
Übrigens hört sich dein Verein und deine Tätigkeit da schon sehr gut und reizvoll an (die Schulungsthemen scheinen auch einen größeren pädagogischen Schwerpunkt zu haben, das kommt hier fast zu kurz). Da kann man doch bestimmt gut Urlaub machen, Mannschaftsfahrt, Connections, kennst du Leute in Fussballvereinen?  :P :)

Zurück zum Thema, bei den besagten Spielern war das Problem ähnlich. Es gab einfach signifikante Unterschiede, ob die nun in der C trainiert haben oder in der B. In der C oft mit angezogener Handbremse, aber in der B, wo sie dann voll gefordert wurden, war der Einsatz ein ganz anderer.

Die These wurde auch im Lehrgang mal angesprochen:

Link1
Link2
Link3


Wenn es keine außersportlichen/familiäre Gründe für die Motivationslosigkeit gibt, sollte man sowas im Auge haben. Wieviel ist er jünger? Gibts die Möglichkeit, ihn mal einfach unter schwierigeren Bedingungen zu testen? Vielleicht schafft man diese auch tatsächlich nur dann, wenn er den Verein wechselt. Oder man ihm zumindest die Illusion raubt, dass er auf höherem Niveau spielen kann, wenn er denn mit Wechseln kokettiert, sprich Probetraining woanders oder eben mal hochziehen.
Also ich würde ein Gespräch so führen, dass man ihn fragt ob es Probleme außerhalb des Platzes gibt und wenn da nicht viel zu holen ist, wie gefordert er sich fühlt, wie man da neue Reize setzen kann und welches Ziel er verfolgt. Beziehungsweise gibts da ja eigentlich immer 2, ein Teamziel (z.B. Aufsteigen) und ein Individuelles (z.B. 10 Tore schießen).
Wobei ich mir schwer vorstellen kann, dass sowas nicht auch bei euch im Verein erreicht werden kann, wenn ihr so groß seid. Und wenn er diese hohen Ansprüche an sein Talent nicht bestätigt, dann geht es sicherlich in die Richtung, die FuMo vorgibt  :)

Ein Spieler aus einer F, der auch beim Feriencamp zum "Talent des Jahres" gewählt wurde... was für ein geiler Spieler... beim ersten Schuss in den Knick dachte man "Joa... gut gemacht" und beim vierten dann "Genauso wollte er ihn haben". Der wusste auch nicht wie gut er war, was alles viel einfacher macht. Einfach immer Vollgas, nie der Chance hinterhergetrauert wenn er Freistand und der Pass nicht ankam, sondern sofort nachgesetzt und so voller Spielfreude... Wenn er mal was wird, zitier ich den Post mal  ;)
« Letzte Änderung: 11.März 2013, 15:45:11 von Snickers12312892 »
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #15 am: 11.März 2013, 16:38:57 »

Mal eine Frage an Andere Trainer:

Wir haben hier bei uns im Team einen echten Juwel, der an guten Tagen jeden Gegner zerlegt. Leider schwanken seine Leistungen machmal sehr stark, da er oft demotiviert, lustlos und wie eine Diva auftritt. Er kokettiert auch oft mit einem Wechsel zu anderen Vereinen.

Hat Jemand eine Idee, wie man ihn "auf Kurs" bekommt?

Das mit dem Juwel kenne ich. Hab ja schon geschrieben, dass einer meiner Jungs zum 1.FC Nürnberg gewechselt ist. Er hatte natürlich allen anderen etwas voraus. Man muss dazu sagen, dass er die komplette D-Jugend übersprungen hat und sofort zu mir in die C-Jugend wechselte, er war also 2 Jahre jünger als seine Mitspieler und die Gegner. Ansonsten war er ein bescheidener Junge, problematischer war da schon sein Vater. Der hat schon viel Druck gemacht und auch mich öfter angeraunzt, dass ich seinen Jungen falsch einsetze. Das ganze ging dann so weit, dass sein Vater Wechselabsichten für seinen Jungen äußerte, obwohl der nicht wegwollte. Zum Glück war seine Mutter auf meiner Seite und so blieb er uns erhalten.
Sein Vater hat früher mal bei der SpVgg Bayreuth gespielt, als die noch höherklassig unterwegs waren (ich glaube die haben mal 2.Bundesliga gespielt), musste dann aber wegen einer schweren Knieverletzung aufhören. Jetzt treibt er eben seinen Sohn an, der mir manchmal echt Leid tat. Zum Glück konnte seine Mutter den Vater immer etwas ausbremsen.
Dann kam dieses Freundschaftsspiel gegen die C-Jugend der SpVgg Bayreuth, das wir knapp mit 1:2 (1:0) verloren haben und unser 'Juwel' machte ein grandioses Spiel. Hier fiel er einem Beobachter des Clubs auf, der mich dann nach dem Spiel auf ihn ansprach. Am Ende wechselte er eben nach Nürnberg.
Im Training und auch in der Kabine habe ich ihn aber nie bevorzugt behandelt, aber natürlich haben auch die anderen Spieler gesehen, dass er etwas mehr drauf hat. Habe aber immer betont, dass man nur als Mannschaft gewinnt und ein Einzelner kein Spiel gewinnen kann.

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LüddenDu

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #16 am: 11.März 2013, 17:40:19 »

Eine Altersklasse komplett überspringen? Bei uns gar nicht erlaubt soweit ich weiss. Man darf nur als älterer Jahrgang eine Klasse höher spielen.
Hat der eine Sondergenehmigung oder sowas?
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LüddenDu

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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #17 am: 11.März 2013, 18:16:20 »

Bezog sich nun auf Cubanos Post, sorry :)
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #18 am: 11.März 2013, 21:32:56 »

Ich glaube das Problem kennt fast jeder Trainer.
Übrigens hört sich dein Verein und deine Tätigkeit da schon sehr gut und reizvoll an (die Schulungsthemen scheinen auch einen größeren pädagogischen Schwerpunkt zu haben, das kommt hier fast zu kurz). Da kann man doch bestimmt gut Urlaub machen, Mannschaftsfahrt, Connections, kennst du Leute in Fussballvereinen?  :P :)
Ja, Innebandy, in Deutschland heißt es übrigens Unihockey oder Floorball, ist extrem geil. Schnell, schön anzuschauen und obwohl mit Eishockey verwandt, bei weitem nicht so hart.

In Schweden kann man wunderbar Urlaub machen. Im Fussball habe ich zu den großen Clubs hier in der Gegend (Halmstads BK, 1. Liga und Ängelholms FF 2. Liga) guten Kontakt. Ein schwedischer Nationalspieler (Kalle Johnsson) zählt zu meinem Freundeskreis, leider wechselte er zu Nijmegen.

Zurück zum Thema:

Unser Juwel ist 13 Jahre alt, während der Rest des Teams 14 oder 15 ist. Er hat bereits mehrfach bei der U18 mittrainiert, und sich gut geschlagen. In vereininternen Spielen gegen die U18 und die U17, hat er immer hervorragend gespielt.

Wie schon gesagt, in den kommenden Wochen werde ich mich intensiv um ihn kümmern und hoffentlich seine Probleme, mit ihm zusammen, lösen.
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Re: Das Trainerleben als Jugendtrainer
« Antwort #19 am: 11.März 2013, 23:32:53 »

Bezog sich nun auf Cubanos Post, sorry :)

Dann antworte ich mal ;)

Ja, er konnte einfach eine komplette Jugend überspringen, da es glaube ich so geregelt war/ist, dass es in jeder Jugend auch ein Mindestalter gibt. Er war Jahrgang 1998 und spielte mit Jungs des Jahrgangs 95/96 in der C-Jugend. In der B-Jugend hatte er keine Spielberechtigung, da er dafür zu jung gewesen ist. Es ist auch völlig normal bei meinem Verein, dass sich die Teams gegenseitig aushelfen, ich nahm öfter ein paar Spieler aus der D-Jugend mit zu den Spielen (also Jahrgänge 97/98). War auch nicht anders zu lösen, weil es einfach nicht genügend Jugendspieler im Verein gibt.

In unserer Gegend hat eh ein Trend eingesetzt, dass sich mehrere Jugendabteilungen von verschiedenen Vereinen zu einer JFG zusammenschließen. Diese haben dann natürlich einen größeren Spielerpool als wir, da haben wir es schon schwer in jeder Altersklasse eine Mannschaft zu stellen. Das ist aber nun schon lange so, selbst ich selbst musste damals mit 16 schon in der A-Jugend spielen und so früh es möglich war dann auch im Erwachsenenbereich.
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