Es sind Daten der Agentur für Arbeit und keine Umfrage zur Einschätzung an Unternehmen.
Die Unternehmen melden die offenen Stellen an die Arbeitsagentur, also schätzt das Unternehmen die Lage so ein, dass sie noch einen Mitarbeiter brauchen könnten, wenn er denn alle sehr hoch gesteckten Erwartungen erfüllt. Einen jungen hochqualifizierten Mitarbeiter findet man aber sowieso nicht bei der Arbeitsagentur und die älteren Arbeitnehmer, die man dort finden könnte, sind ja oft aus mehreren Gründen nicht gewollt. Unternehmen melden auch dann offene Stellen und schalten Stellenanzeigen, obwohl sie überhaupt niemand brauchen. Das hört sich paradox an, dient aber der Imagepflege, man signalisiert nach außen, dass man auf Wachstumskurs ist, dazu gehört auch das öffentliche Gejammer über fehlende Fachkräfte.
Meine Kernaussage, dass die Berechnungen zum Fachkräftemangel solider sind, als eine Umfrage bei Unternehmen zur Einschätzung von Bürokratiekosten, finde ich trotzdem korrekt.
Das mag so sein, eine Umfrage ist für die Unternehmen natürlich "billiger" als o.g. Verhalten.
Ich finde den Abgleich "offene Stellen" vs. "Arbeitslose" nicht zielführend, um einen wie auch immer gearteten Fachkräftemangel zu messen. Da bräuchte man eher Zahlen wie "entgangene Aufträge wegen zu wenig Fachkräften", auch die Zahl der Überstunden oder "burn out"-Diagnosen in einer Branche könnten ein Hinweis sein. Wobei Letzteres auch auf unfähiges oder überfordertes Führungspersonal hindeuten könnte.
Imho ist Fachkräftemangel nicht so einfach messbar, man darf den Unternehmen nicht blind die erwünschten Zahlen abkaufen, weil da immer auch eine Kostenkomponente enthalten ist, Unternehmen wollen den am besten ausgebildeten Facharbeiter möglichst jung und möglichst "billig" haben, dazu wollen sie die große Auswahl. Die gibt es aber eigentlich schon länger nicht mehr, es ist ja kein neues Phänomen, dass immer weniger Kinder in D geboren werden.
Hinzu kommt die dynamische Situation, der Maschinenbauer, der es jetzt schwer hat, weil die Autoindustrie lahmt, wurde schon angesprochen. Jetzt brauchen wir viele Kranken- und Altenpfleger, weil die Gesellschaft altert. Aber eine Garantie ist das auch nicht, AI und Robotik machen riesige Fortschritte, entsprechende humanoide Roboter werden in der Pflege Einzug halten. Schon jetzt werden Roboter erprobt, die den alten Menschen einfach nur Gesellschaft leisten, was einen positiven Effekt hat. Roboter, die die Pflege übernehmen oder dabei unterstützen sind auch schon in der Erprobung, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Fachkräftemangel auch erledigt hat.
Die Arbeitswelt wird sich sehr stark wandeln, es müssen zukunftsfähige Konzepte her, wie sich ein Sozialstaat überhaupt noch aufrecht erhalten lassen kann, wenn die Steuereinnahmen aus Arbeit stark einbrechen. Das muss auch im Sinne der Unternehmen sein, die daran arbeiten, menschliche Arbeitskraft zu ersetzen, denn wenn kaum noch jemand arbeitet, hat auch kaum noch jemand Geld, um deren Produkte zu kaufen.