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Autor Thema: Die blauen Löwen - Der lange Weg zurück ...  (Gelesen 453 mal)

wrdlbrmft

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Die blauen Löwen - Der lange Weg zurück ...
« am: 05.Januar 2017, 02:47:55 »

So oder so ähnlich hat es sich zugetragen:

Wir schreiben das Jahr 2013. Am Abend des 23. Januars sitzt Dieter Sperger an seinem Schreibtisch und raucht noch eine weitere Zigarette. Er schaut verzweifelt auf die vielen Aktenordner und Schriftstücke, die auf seinem Schreibtisch und im ganzen Zimmer verteilt sind. Er könnte sie alle nochmals durchschauen und alles nochmal durchrechnen, aber es gibt wohl keinen Zweifel: Der Verein, dem er seit 2005 vorsteht, ist bankrott. Es fehlen ungefähr 1,1 Millionen € und es gibt niemanden, der ihm und dem Verein diese Summe leihen würde. Er hatte den Hans angerufen, den Sepp, den Walter und den Alois. Aber keiner wollte helfen. Er fühlte sich einsam. Müde drückt er die glimmende Zigarette im Aschenbecher aus. Sein Verein, den er so lange auch finanziell unterstützte, bei dem er auch selber gegen den Ball trat, wird untergehen ... daran gibt es wohl kaum einen Zweifel. Der Vereinsvorstand trat vorgestern geschlossen zurück, da die Polizei einen Ordner mit Belegen für Doppelverträge mit Spielern bei ihm beschlagnahmt hatte. Diese Hasenfüsse! Aber jetzt ist wohl alles aus. Er nahm seine Jacke, ging zur Tür, schaute sich noch einmal um und machte als Letzter das Licht aus.

Am nächsten Tag trat Dieter Sperger vor die Presse und gab bekannt, dass er den Profibetrieb beim FC Lustenau 07 zum Saisonende einstellen wird. Den ältesten Verein Vorarlbergs wird es dann als Profiverein nicht mehr geben. Es wird ein geordneter Rückzug in den Amateur-Fußball vorbereitet. Die Lizenz soll verkauft werden.

Doch die fianziellen Schwierigkeiten werden immer grösser und im März 2013 muss Spergers Verein Insolvenz anmelden. Ob der Spielbetrieb beim Tabellenfünften bis zum Ende der Saison aufrecht erhalten werden kann, steht in den Sternen. Der FC Lustenau 07 begründet seine Zahlungsunfähigkeit laut Kreditschutzverband einerseits mit “erheblichen Rückzahlungsverpflichtungen nach einer Steuerprüfung, die nicht mehr bezahlt werden können”. Andererseits erklärt der Club, dass fest eingeplante Sponsoreinnahmen ausgeblieben sind.

Der einbestellte Insolvenzverwalter sieht nach Durchsicht der Akten gute Chancen, die Saison noch ordentlich zu beenden und den Untergang des Vereins zu verhindern. Er legt Sperger den Rücktritt nahe. Dessen finanzielle Tricksereien, für die er letztendlich nicht belangt wird, kommen nun immer mehr ans Tageslicht und interessieren zunehmend die Staatsanwaltschaft. Im Mai 2013 tritt er von seinem Amt zurück und kurz darauf wird der Sanierungsplan von den Gläubigern angenommen. Der Fortbestand des Vereins war gesichert. Aber die Lizenz wurde dem FC Lustenau trotzdem entzogen. In die Regionalliga (3. Stufe) wollte der weiterhin finanziell angeschlagene Verein nicht, in die Vorarlberg Liga (4. Stufe) durfte er nicht. Der neue Vorstand beschloss daraufhin, einen Neuanfang in der 2. Landesklasse (7. Stufe) zu wagen und den Platz der bisherigen Amateur-Mannschaft einzunehmen.

In der Saison 2013/14 wurde der FC Lustenau 07 überlegener Meister in der 2. Landesklasse. Kurz vor dem Saisonbeginn in der 1. Landesklasse, verkündete aber Trainer Norbert Siegl seinen Rücktritt. Er hatte kurzfristig ein Angebot eines Regionalligaklubs bekommen und wollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Händeringend suchten die Vorarlberger einen Nachfolger und bekamen ... mich! Auf Empfehlung eines Bekannten wurde ich zum Gespräch eingeladen und danach ziemlich schnell verpflichtet. Der Weg ist lang, aber wir kommen zurück!







Der Verein:

Der FC Lustenau 07 wurde am 20.09.1907 gegründet. Er ging aus der Fussballabteilung des Turnvereins Lustenau 1880 hervor. Da er jahrelang der einzige Fussballverein Vorarlbergs war, spielte er hauptsächlich gegen Mannschaften aus Tirol, Deutschland und der Schweiz.

Im Februar 1909 kam es, vor allem auf Initiative des FC Lustenau, zur Gründung eines überregionalen Fußballdachverbandes, der "Bodenseevereinigung", der sich außer dem FC Lustenau 07 alle am Bodenseeufer liegenden Vereine aus der Schweiz und aus Süddeutschland anschlossen. Viermal wurde diese Meisterschaft ausgespielt und dreimal gewann sie der FC Lustenau 07! Als sich die "Bodenseevereinigung" 1913 auflöste, versuchte der FC an den Meisterschaftsspielen der Schweiz teilzunehmen. Diese Bemühungen wurden durch den 1. Weltkrieg zunichte gemacht.

1913 gab es mit dem FC Dornbirn 1913 endlich einen Gegner aus Vorarlberg und 1914 mit Austria Lustenau (damals noch TB Lustenau) sogar einen Lokalrivalen. Als immer mehr Vereine im "Ländle" gegründet wurden (Bregenz, Bludenz, Jahn Lustenau), entstand 1920, vor allem auf Drängen der Lustenauer, der Vorarlberger Fussballverband (VFV).
Von 1920 bis 1938 gewann der FC die daraufhin ins Leben gerufene Vorarlberger Meisterschaft 15mal und wurde 1929 und 1933 sogar Österreichischer Vizeamateurmeister.

Nach dem 2. Weltkrieg kann der FC allerdings nicht mehr an die alten Leistungen anknüpfen und als 1950 die Arlbergliga gegründet wurde (Vorarlberg + Tirol ... 2. Stufe), wurde der FC 1952 und 1955 sogar drittklassig. 1958 und 1959 konnte man dann allerdings die Arlbergliga gewinnen, scheiterte jedoch zweimal kläglich in den Aufstiegsspielen zur Staatsliga A an Austria Salzburg (2:10 und 2:8 ).

In der Regionalliga West (ab 1960, 2. Stufe) hielt man zunächst ordentlich mit. Erst ab 1970 ging es dann bergab: Abstieg in die Landesliga Vorarlberg (3. Stufe). 1974 und 1976 ging es dann in die 2. Liga Vorarlberg (4. Stufe) und 1979 sogar in die 3. Liga Vorarlberg (5. Stufe). Der Tiefpunkt war erreicht. Danach hatte sich der FC 07 aber gefangen und fand ganz langsam wieder zu alter Stärke zurück. 2001 erreichte Lustenau dann die Erste Liga (2. Stufe). Hier blieb der FC bis auf zwei Jahre (2004-06) und bis zur Insolvenz Stammgast und erreichte 2008 sogar den 4. Platz.



Das Stadion:



Das Stadion an der Holzstrasse hat ein Fassungsvermögen von 2000 Zuschauern. Den Anforderungen in der Ersten Liga entspricht es nicht und deshalb musste man ab 2004 ins ungeliebte Reichshofstadion des Lokalrivalen Austria Lustenau ausweichen. Dies ist ja aber erstmal vorbei ...



« Letzte Änderung: 05.Januar 2017, 02:49:39 von wrdlbrmft »
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der vfb spielt im neckarstadion!

Stefan von Undzu

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Re: Die blauen Löwen - Der lange Weg zurück ...
« Antwort #1 am: 05.Januar 2017, 06:34:28 »

Das Stadion ist super und den FCL07 mag ich auch recht gerne - ganz im Gegenteil zu Luschi grün. Also: auf gehts! Bin dabei.
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Die aktuelle Station des Stefan von Undzu:

http://www.meistertrainerforum.de/index.php/topic,23227.0.html

Kveldulv1980

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Re: Die blauen Löwen - Der lange Weg zurück ...
« Antwort #2 am: 05.Januar 2017, 11:01:28 »

Geiler Start, ich bin auf jeden Fall auch dabei....

Mögen die Blau-Weißen von Lustenau wieder zu alter Stärke finden.... viel Glück und entsprechende Ausdauer beim Schreiben der Story wünsch ich dir....
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wrdlbrmft

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Re: Die blauen Löwen - Der lange Weg zurück ...
« Antwort #3 am: 07.Januar 2017, 02:40:37 »

Da alles so schnell vonstatten ging, hatte ich im Vorfeld kaum Zeit, mir ein Bild über die Leistungsstärke des Kaders zu machen. Nach den ersten Trainingseinheiten war ich angenehmst überrascht. Es hatte einige äusserst fähige Spieler, die eigentlich in höheren Ligen spielen könnten und dort auch schon spielten (z. B. Christian Swoboda, Michael Messner, Fabian Reiner, Philipp Hagspiel, Kemal Duran) und es gab einige sehr talentierte Spieler, die gleich in die erste Mannschaft hochgezogen wurden (z. B. Michael Schick, Fabian Brunner, Patrick Nagel, Tobias Hefel). Ich rieb mir die Hände, denn mit diesen Jungs mischen wir ganz sicher die Liga auf. Mein Assistenztrainer Alfred Hagl holte mich wieder runter. "Du glaubst doch nicht, dass die höherklassigen Vereine solche Talente wie den Brunner in der 1. Landesklasse kicken lassen. Nein nein, wenn wir Pech haben, wedeln die mit ein paar Scheinen und die Buben sind weg." Und kaum waren die Schallwellen seiner Aussagen verklungen, wedelten auch schon die ersten Vereine mit den vermaldeiten Geldscheinen und Swoboda (zum SC Admira Dornbirn) und Brunner (zum FC Röthis) waren weg. Beiden Spielern bot ich gute Verträge an, aber sie wollten einfach höherklassig spielen. Aber was die anderen Vereine können, kann der FC 07 schon lange: Auch wir holten ablösefreie Spieler von anderen Vereinen und formten so einen schlagkräftigen Kader.

Unsere Neuzugänge:

Haci Gül (Tj, TR, 23, *****) kam von Hohenweiler 72. Mannschaftsdienlich und technisch stark.
Kevin Albrich (V RZ, A, 23, ***) kam vom Dornbirner SV. Aggressiv und fit.
Christoph Riedl (V Z, A, 22, ****) kam vom SV Innsbruck. Back Up mit sehr guten Anlagen.
Marco Eberl (V Z, A, 21, ***) kam vom Völser SV. Grosses Verteidigertalent.

Die Vorbereitung:


Licht und Schatten wechselten sich ab. Sehr guten Leistungen (1:1 gg Austria Wien, 6:0 über USC Krumbach) folgten äusserst schlechte Darbietungen (0:3 gg BW Feldkirch, 2:3 gg Mellau). Auffällig ist, dass wir zwar fast immer Tore schiessen, aber auch fast immer Tore kassieren. Da muss im Training noch einiges getan werden. Ohne konsequente Abwehrarbeit ist das Projekt Aufsteig in Gefahr!

Der VFV-Pokal

Der erste richtige Härtetest steht schon bald an: Im ersten Pflichtspiel der Saison wurde uns der höherklassige FC Thüringen zugelost. Die erste grosse Bewährungsprobe für meine Mannschaft.
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der vfb spielt im neckarstadion!