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Autor Thema: [FM19] Eignung, Schlüsselattribute und Spielerentwicklung  (Gelesen 1823 mal)

LEViathan

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Ein Thema, das mich in letzter Zeit stärker beschäftigt, ist die Bestimmung des Leistungsniveaus, auf dem sich ein Spieler (potenziell) bewegt. In Scoutberichten wird beispielsweise eingeschätzt, auf welchem Level sich der Spieler aktuell befindet ("guter Spieler für die 2. Bundesliga") und welches er in seiner Karriere eventuell noch erreichen könnte. Ich nehme mal an, dass die Sternebewertung durch den Scout dafür maßgeblich ist, die wiederum auf den PCA/PPA-Werten beruht. Als Daumenregel ist mir durch diverse Guides in Erinnerung geblieben, dass i.d.R. 3-Sterne für einen Stammspieler taugen und Rotationsspieler über mind. 2-Sterne verfügen sollten. Die Sterne als Gesamtbeurteilung sagen nun aber wenig über die Verteilung der Attribute aus, ob jemand eher ein Generalist oder Spezialist ist.

Inspiriert durch einen "The Byline"-Artikel, in dem der Autor beschrieb, dass für ihn Ballannahme (First Touch) ein "generelles Schlüsselattribut" sei, überlege ich, welche weiteren Attribute in eine solche Kategorie fallen könnten. Es geht mir also nicht um die positionsspezifischen Schlüsselattribute, sondern um die Identifikation allgemeiner Normen, die erfüllt sein müssen, um beispielsweise ein Bundesliga-Niveau zu erreichen. Sinngemäß meinte der Autor, dass Ballannahme <10 eigentlich nicht für Erstliganiveau reicht, egal ob andere Werte vergleichsweise gut sind. Persönlich finde ich das einleuchtend. Kann mich z.B. an eine Situation IRL bei einem Jugendturnier erinnern, als auf der Zuschauertribüne über einen technisch beschlagenen, guten Spieler (U18) durch herumsitzende Verbandstrainer gesagt wurde, dass der wohl trotzdem nicht über Oberliganiveau hinaus käme, weil ihm die Grundschnelligkeit fehle. Du kannst mit dem Ball so gut umgehen wie du willst oder eine tolle Übersicht haben - wenn du eine lahme Ente bist, bleibst du auf der Strecke. Die "langsamen" Spieler in der Bundesliga sind also nur langsam oberhalb einer Niveaugrenze.

Was kommt euch neben Ballannahme und Schnelligkeit noch so in den Sinn?


Bei dem neuesten Byline-Artikel (https://www.footballmanager.com/the-byline/creating-youth-pathway-wednesday-wisdom) geht es um Jugendentwicklung. Da steht u.a. drin, dass mentale Attribute sich häufig erst auf natürliche Weise mit zunehmenden Alter (Erfahrung) entwickeln, was ja durchaus einleuchtet, und man deshalb beim Jugendtraining eher auf Technik und Physis Wert legen sollte.

Mich würde interessieren, welche Sprünge ihr bei der Jugendentwicklung - in Abhängigkeit des Ausgangsniveaus - beobachten konntet. Schafft es ein Jugendspieler mit Ballannahme 4 oder 5 innerhalb von zwei, drei Jahren auf >10?

Worum es mir insgesamt geht, ist das frühzeitige Erkennen von Niveauschranken, um Profis und Jugendspieler - gegenüber meinen Scouts - auf eine alternative Weise zu beurteilen. Möglicherweise hat hier jemand dazu passende Idee oder andere Blickwinkel.
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Tankqull

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Re: [FM19] Eignung, Schlüsselattribute und Spielerentwicklung
« Antwort #1 am: 27.Juni 2019, 11:31:38 »

Einsatzwille,
es ist schon ein massiver unterschied ob ein ZM 11-12km in einem Spiel läuft oder < 5...

im FM19 achte ich bei Jungenspielern darauf das ihre technischen Attribute nicht zu schlecht sind denn warum auch immer diese entwickeln sich zumindest bei mir am schlechtesten was bei deinem beispiel mit der Ballannahme für mich nen Ausschluss kriterium wäre da ich nicht davon ausgehen kann das der spieler in seiner gesamten Kariere überhaupt von 5 auf 10 in dem Attribut kommt.

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Eckfahne

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Re: [FM19] Eignung, Schlüsselattribute und Spielerentwicklung
« Antwort #2 am: 28.Juni 2019, 00:15:28 »

Ich würde Ballannahme nicht in erste Reihe setzen - es ist ohne Zweifel positionsunabhängig "nice-to-have", meinem Verständnis nach aber in seinen Auswirkungen nach doch überschaubar - es bezieht sich nur auf den Moment des Ballkontaktes und die Zeit "kurz danach"...und wird wichtig sein, wenn es das Anspiel komplex ist (unter Bedrängnis des Gegners, hohe Ballgeschwindigkeit im Laufen usw.) Nicht jedes Anspiel fällt aber in diese Kategorie und wie immer im FM heißt auch Ballannahme = 1 nicht, dass 95% aller Anspiele vertändelt werden. Bei Stürmern ist eine schlechte Ballannahme wahrscheinlich wirklich ein Problem, aber wenn ich z.B. an Torhüter von mir denke, die da oft eher schlecht sind - die Situationen, in denen ich das merke sind einfach zu selten, damit ich sagen würde "generell wichtig"

Was dann? Die genannten Antritt und Schnelligkeit ohne jeden Zweifel (der FM unterlegt das auch durch den hohen "CA-Verbrauch" für Punkte bei diesen Attributen) - wer zu spät da ist hilft nicht mehr. Punkt. Einen Schritt weitergedacht kommt man aber dann aber unweigerlich zu mentalen Attributen - wenn "da sein" so wichtig ist, kann ein gutes Stellungsspiel Geschwindigkeit ergänzen oder ihr fehlen (teilweise) kompensieren. Entscheidungen (letztlich unter der Haube das Attribut, was die Würfel fallen lässt bzgl. "richtig handeln" oder "Fehler machen" in jeder Situation) und Antizipation dürften global auch sehr nützlich sein und Tankqull erwähnt zurecht Einsatzfreude.

Diese "Wichtigkeit" ist ja aber nur ein Teilaspekt der Frage  - der andere dreht sich darum, was einen Spieler wirklich bremst, wenn es nicht (ausreichend) da ist. Und da fallen mir - abgesehen von den beiden Geschwindigkeitsattributen (die sich nur bis vielleicht ca. 20 Jahre richtig gut steigern lassen und daher zum Problem werden, wenn da ein Spieler wirklich "unten anfängt") - zwei andere Attribute ein: Aggressivität und Mut. Beide lassen sich nämlich nicht (Aggressivität) bzw. nicht nennenswert/bewusst (Mut) steigern. Aggressivität ist weit mehr als die zusätzlichen Karten für die sie so verrufen ist beim FM - sie entscheidet auch, ob ein Spieler sich ins Geschehen einmischt (und  letztlich hab ich das Gefühl, dass aktive Spieler meist eher ein Gewinn sind...) Mut kommt zwar nur bei gefährlichen Situationen zu tragen, entscheidet dann aber z.B. ob ein wichtiger Zweikampf angenommen und entschlossen geführt wird (und wenn ich mir anschaue, wie dieses Attribut oft nach Verletzungen einbricht und dann Spieler sich nicht mehr trauen in Zweikämpfe zu gehen - da ist mir ein hoher Ausgangswert einfach wichtig). Einsatzfreude und Zielstrebigkeitt helfen da auch, allerdings sind diese Attribute als Ausgangswert m.E. eher irrelevant, so lange man konsequent bei schlechten Leistungen durch Verwarnungen durchgreift - über die Jahre können Spieler da auch von niedrigen werten bis in den Bereich 16-17 kommen.

Und neben den sichtbaren Attributen darf ein Hinweis auf die versteckten nicht fehlen. Ich würde hier zuvorderst Professionalität setzen - die beschleunigt die Attributsentwicklung am meisten ) und der Spieler ist auch sonst "pflegeleichter". Ehrgeiz hilft bei den Attributen auch - Schattenseite sind aber die Forderungen nach Einsatzzeiten und ggfs. Transfer zu einem größeren Verein. Fehlende Konstanz wächst sich zwar teilweise aus, aber es ist ein bißchen wie mit der Geschwindigkeit: Fängt ein Spieler im roten Bereich an, bekommt man ihn mit regelmäßigen Einsätzen gut in den Mittelbereich, aber nie an die Spitze. Wichtige Spiele ist auch nicht verkehrt, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Spieler sich seine "gebrauchten Tage" nicht in einem Finale oder anderen wichtigen Spielen nimmt.
« Letzte Änderung: 28.Juni 2019, 00:19:25 von Eckfahne »
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LEViathan

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Re: [FM19] Eignung, Schlüsselattribute und Spielerentwicklung
« Antwort #3 am: 28.Juni 2019, 07:14:40 »

Angenommen wir erhalten beim Youth-Intake einen 15 Jährigen, der über Schnelligkeit und Antritt auf einem mehr als passablem Niveau verfügt und bei dem die genannten mentalen Attributen, die sich nicht wirklich beeinflussen lassen, auf grundsätzliche Profitauglichkeit hinweisen. Habt ihr eine altersspezifische Vorgehensweise beim Training?

Ich würde sagen:
- von 15-17 Jahre eindeutiger Fokus auf Technik.
- von 17-19 Jahre stärkerer Fokus auf Physis.

IRL heißt es ja oft, dass der Sprung von Jugendfußball zum Erwachsenenfußball häufig an physischen Werten als Grundvoraussetzung scheitert.
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Eckfahne

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Re: [FM19] Eignung, Schlüsselattribute und Spielerentwicklung
« Antwort #4 am: 28.Juni 2019, 08:01:19 »

Angenommen wir erhalten beim Youth-Intake einen 15 Jährigen, der über Schnelligkeit und Antritt auf einem mehr als passablem Niveau verfügt und bei dem die genannten mentalen Attributen, die sich nicht wirklich beeinflussen lassen, auf grundsätzliche Profitauglichkeit hinweisen. Habt ihr eine altersspezifische Vorgehensweise beim Training?

Ich würde sagen:
- von 15-17 Jahre eindeutiger Fokus auf Technik.
- von 17-19 Jahre stärkerer Fokus auf Physis.

IRL heißt es ja oft, dass der Sprung von Jugendfußball zum Erwachsenenfußball häufig an physischen Werten als Grundvoraussetzung scheitert.

Ich konzentriere das Mannschaftstraining während der ganzen Jugendzeit komplett auf Physis (und da auf Geschwindigkeit zusammen mit Kraft); beim individuellen Training schaue ich mir den Spieler an: Im Zweifelsfall das gleiche, im Einzelfall kann aber auch mal Technik etc. den Vorzug bekommen (z.B. bei Freistoßschützen), das liegt am Spielertyp. Da die Auswahl an Fokii aber eh eingeschränkt ist und sich vieles nicht oder nicht alleine trainieren lässt, lande ich auch dort oft wieder bei Geschwindigkeit oder Kraft/Sprunghöhe.

Da hinter steht die Idee, dass die technischen Attribute noch eher einer späteren Phase oder durch Spielpraxis wachsen - und außerdem sind physiche Attribute einfach "krisensicher", d.h. unabhängig von Formschwankungen bringt ein Spieler seine Physis immer auf den Platz.

Ich sollte aber vielleich mal wieder anfügen, dass ich meine Vorgehensweise darauf abgestimmt habe, dass ich nur semirofessionell manage und damit nur 3 Trainingstage habe - da muss man noch stärker Prioritäten setzen (gerade wenn man weis, dass unterklassig eine gute Athletik zählt und dann erst mal lange nichts kommt). Bei Vollprofis dürfte man eher zmindest die Freitheit haben etwas ausgeglichener zu trainieren.
« Letzte Änderung: 28.Juni 2019, 08:05:03 von Eckfahne »
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