terrible certainty
Valby/Kopenhagen, Vorrunde 2047/2048
Ascoli Calcio entscheiden sich intelligenterweise, mit Hannes zu verlängern.
Warum "intelligenterweise"?
Weil er mit einer Mannschaft, die zwischen Platz 4 und 8 getippt wurde, nun schon im zweiten Jahr in Folge leicht überperformt hat. Muss man ja auch erstmal schaffen.
In Kopenhagen haben die Verantwortlichen alle Hände voll zu tun, um die neue Saison - die erste in der Superliga seit 2003/2004 - vorzubereiten.
Ein halbes Dutzend Spieler haben den Verein verlassen, einige weitere werden das aller Voraussicht nach im Winter tun - in Dänemark ist es nämlich nicht unüblich, dass Verträge bis zum 31.12. geschlossen werden.
Hat vielleicht etwas damit zu tun, dass das in Schweden und Norwegen auch so ist, vielleicht auch nicht.
Ist ehrlich gesagt auch nicht so wichtig - viel entscheidender ist die Antwort auf die Frage, ob Mads H. es schafft, den Kader mit dem deutlich angehobenen Budget so zu verstärken, dass wir eine Chance auf Platz 10 haben.
Denn das ist das interne Ziel.
Wir wissen natürlich, dass wir die absoluten Underdogs sein werden, mehr noch als in der vorherigen Saison.
Und um zu erahnen, dass wir am Ende der Vorrunde in der Abstiegsrunde landen werden, ist auch kein Abschluss in "Divinatio per coffeae sedimenta" (also Angewandter Kaffeesatzleserei) nötig.
Genaugenommen zeichnen die Saisonvorschau-Artikel aller wichtigen Gazetten im Sportblätterwald (also zb der Tenniseiche, der Langlaufweide, der Handballkastanie, nicht aber der Biathlonkiefer) ein Bild, das mir aus meinem Arbeitsleben - egal wo - nur allzu vertraut ist: BK Frem Kopenhagen wird grundsätzlich als Letzter im Tableau erwartet.
Wobei es eine bemerkenswerte Ausnahme gibt - Lars Jensen, der Krachfanatiker von "Dagbladet Information", tippt uns vor Næstved und Vendsyssel auf eben jenen Platz 10, den wir so gern erringen würden.
Warum?
Darauf hat er in seinem kurz vor Saisonstart erscheinenden Artikel eine etwas längere, aber nachvollziehbare Erklärung parat:
"Natürlich ist der Umbruch bei Frem nicht zu verachten - aber zwei Dinge machen aktuell wirklich Mut, wenn mans mit den Fremmerne hält.
Zum einen hat es die sportliche Führung geschafft, die Führungsspielerachse fast vollständig zu halten - vom Innenverteidigerpärchen Palade/Johannsen über Bondoso und Camara auf der Doppelsechs bis hin zum besten Vorbereiter (Linksaußen Peron) und dem besten Torschützen, Aleksandar Dragic.
Der einzige Abschied, bei dem ich aktuell nicht sehe, wie er ohne Qualitätsverlust aufgefangen werden soll, ist Defensivmonster Luca Orsi. Der aus Italien geliehene Sechser war nicht für Geld und gute Worte zum Verbleib zu überreden. Und bisher sieht es danach aus, als ob die bereits genannten Camara und Bondoso - also die bisherige Nummer Zwei und Drei im defensiven Mittelfeld - zukünftig Stamm spielen. Kapitän Wæver war schon in der letzten Saison eher Einwechselspieler, da er fürs defensive Mittelfeld einfach zu zweikampfschwach ist.
Der andere Mutmacher sind die Neuzugänge. Sportdirektor Mads Høi hat ja inzwischen mehrfach bewiesen, dass er nicht nur gute Kontakte hat (siehe die Orsi-Leihe), sondern auch mit einem vorhandenen Budget zwar mutig, aber gleichzeitig verantwortungsvoll umgehen und dabei einen klar erkennbaren Plan verfolgen kann. Dass dieser Plan die Taktik des Trainer mit in Betracht zieht, versteht sich eigentlich von selbst.
Frem Kopenhangen spielt unter Lavayeux nunmehr seit zwei Jahren sehr erfolgreich in einem konterlastigen 4222, in dem vor allem der Zweikampfhärte auf der Sechs und der explosiven Geschwindigkeit auf den vier nominellen Offensivpositionen große Bedeutung zukommt.
Als Transferverantwortlicher des sowohl sportlich als auch finanziell kleinsten der 3F-Superliga-Vereine muss man dabei selbstverständlich an manchen Stellen Kompromisse eingehen, um sich auf bestimmter Problemfelder fokussieren zu können.
Und deswegen finden sich hinter Palade/Johannsen im Abwehrzentrum vorwiegend geliehene Spieler, die für kleines Geld (oder gleich ganz ohne Gehaltsübernahme) die Backup-Positionen in der Innenverteidigung übernehmen sollen.
Dazu steht mit Eigengewächs Søjberg ja auch noch eine sehr erfahrene, wenn auch wahrscheinlich nicht komplett ligataugliche Option zur Verfügung.
Den dadurch geschaffenen Spielraum im Budget nutzte Høi zum einen für die Verpflichtung eines Torhüters, der wohl nicht nur die sprichwörtlichen Experten überrascht hat.
Vom serbischen Erstligisten FK Bajša kommt der - nach Vertragsende ablösefreie - frühere U21-Nationalkeeper Serbiens nach Kopenhagen. Der beim RFK Novi Sad ausgebildete Patrick Albert gilt als Torhüter ohne große Schwächen, der über herausragende Reflexe und Sprungkraft verfügt.
Für die rechte Abwehrseite wurde Bent Sørensen vom Lokalrivalen Lyngby weggelotst, für die rechte Außenbahn der Spanier Alejandro Ruiz aus der zweiten Mannschaft des spanischen Drittligisten Cartagena verpflichtet. (Gerüchte besagem bei Ruiz' Transfer habe Coach Lavayeux seine Kontakte nach Spanien spielen lassen.)
Und (leider erst) Mitte November wird dann DIE Überraschung des Transferfensters beim BK Frem eintreffen - der zum Ende der isländischen Saison verpflichtete Neu-Nationalspieler Islands, Gunnar Logi Bond. Bond gilt als DAS Offensivtalent der Isländer und kommt mit der Empfehlung von bereits 21 Länderspielen in den U-Nationalmannschaften.
Bond kommt vom vierfachen isländischen Meister Fjölnir und soll im Winter den Kaderplatz von Bartholomej Molis übernehmen, dessen Leihe (von Lillestrøm) dann voraussichtlich enden wird.
Bond ist allerdings nicht nur der namhafteste, sondern auch der risikoreichste Transfer des Aufsteigers, denn BK Frem entlohnt ihm seine Dienste dem Vernehmen nach mit mehr als 220.000 Euro Jahresgehalt - das ist (sofern es stimmt) mehr als doppelt so viel wie die (nach ihren Vertragsverlängerungen auch ganz und gar nicht mehr günstigen) Eliot Peron auf der linken Außenbahn und Aleksandar Dragic im Sturm verdienen.
Ebenfalls im Januar wird der Franzose Karim Brand zur Mannschaft stoßen und soll perspektivisch die Rolle von Luca Orsi übernehmen, auch er kommt - natürlich, möchte man hinzufügen - ablösefrei.
Wenn man sich den durch die diversen Zu- und Abgänge entstehenden Kader anschaut, kann man Herrn Høi eigentlich nur beglückwünschen, denn zumindest auf dem Papier hat er mehrere Dinge gleichzeitig erreicht:
er hat den Kader verjüngt und polyvalenter aufgestellt, mehrere äußerst verletzungsanfällige Spieler abgegeben und mit hoffentlich widerstandsfähigeren Ersatzleuten, nunja, ersetzt, eine der drängendsten Kaderbaustellen (die Torhüterposition) voraussichtlich sogar mittelfristig geschlossen, die Talentdichte deutlich erhöht und alles in allem, so meine ich, auch die generelle Kaderqualität angehoben.
Die Trainingseinheiten, die ich beoachten konnte, vermitteln zumindest mir den Eindruck, dass die Mannschaft in sich harmonisch ist, gleichzeitig ist das Umfeld von BK Frem ja schon fast traditionell geduldig und loyal.
(Der Rekordzuschauerschnitt von fast 1000 Zuschauern in der 3. Division, aufgestellt in der letzten Viertligasaison 2039/40, hat noch immer Bestand - solch treue und loyale Fans wünscht sich wohl jeder Verein.)
Alles in allem erwarte ich, dass der BK Frem Kopenhagen zwar in der kommenden Saison durchweg gegen den Abstieg spielen wird, sehe aber durchaus Chancen für den Klassenerhalt."
Bond und Brand waren auf den Vorschlagslisten vom Sportdirektor und zumindest Bond hab ich, nach dem sich der Sportdirektor nicht mit dem Spieler auf einen Vertrag einigen konnte, manuell verhandelt. Ich habs einfach nicht über mich gebracht, den zurückzuweisen...
Unser Vorstand hat Jensens Einschätzung - wie auch alle anderen - selbstredend auch gelesen und ist (in Form von Martin Skjellerup) der Meinung, dass Platz 10 zwar ambitioniert, aber keineswegs unrealistisch ist, insbesondere nachdem Mads H. mir eine derartig tolle Mannschaft zusammengestellt hat.
Die ist genaugenommen toll genug, dass ich doch eigentlich auch abgesehen von der schnöden Platzierung ein paar Vorgaben erfüllen könnte, oder?
Nachdem ich mir konkret habe erklären lassen, was die Dame und die Herren so im Sinn haben, bin ich geneigt, das für erfüllbar zu halten, auch wenn das mit den Standardsituationen so eine Sache ist.
Weder unsere Ecken-/Freistoßschützen noch die eventuellen Abnehmer für Kopfbälle waren in der zweiten Liga fähig, da allzuviel zustandezubringen.
In der ersten Liga, wo das Niveau der gegnerischen Defensive nochmal deutlich höher ist, wird das wohl nicht anders aussehen.
Naja. Vielleicht fällt uns ja noch ein obergeheimer Supertrick ein, mit dem wir die gegnerischen Abwehrreihen eins ums andere Mal übertölpeln können...
Immerhin können wir viele verschiedene Spieler auf die Standards ansetzen, wenn wir das wollen - denn die Kaderregeln sind erneut äußerst lax, kann ich nicht anders sagen.
Solange uns das Geld nicht ausgeht, können wir theoretisch unbegrenzt viele U21-Spieler holen und in Pflichtspielen auf den Platz schicken.
Ist natürlich mit Sicherheit als Maßnahme zur Nachwuchsförderung gedacht, aber ich hab das Gefühl, dass es nicht so richtig bis zum Ende durchdacht wurde...
Wir nutzen das Schlupfloch (das wir eigentlich auch Schlupfscheunentor nennen könnten) jedenfalls nicht aus und melden einen angemessenen Kader, der zwar durchaus einige nicht registrierungspflichtige U21-Kicker enthält, aber eben nicht übermässig viele.
Und nach dem Deadline Day sieht dieser Kader sogar richtig gut aus.
Was die Medien nicht an der Empfehlung daran hindert, uns schon mal anzuschnallen, die schiefe Ebene in Richtung Abstieg sei vermutlich steil, könnte sich auch als Fallrohr herausstellen und die Fahrt sei daher schnell und gefährlich...
Aber soweit sind wir noch nicht - kurze Rückblende zur Saisoneröffnung.
Die haben wir zum Fanhappening machen wollen und haben deswegen die soeben in die dritte Liga aufgestiegenen Rivalen vom AB Gladsaxe eingeladen.
Der Plan: lockerer Saisonauftakt, schönes Gekicke, ein paar tolle Torraumszenen und hunderte zufriedener Neufans.
Die Realität: wir spielen tatsächlich eine lockere erste Halbzeit, die Gäste haben sich auf der Busfahrt in den Valby Idrætspark allerdings stattdessen das Messer zwischen die Zähne geklemmt und zeigen uns in den ersten 45 Minuten mal, was so eine richtige Derbyharke ist.
Torraumszenen gibt es etliche - leider allesamt in unserem Strafraum - und zur Halbzeit geht es mit einem 0:3 (!!!) in die Kabine.
Im Vorbeigehen höre ich auf den Rängen einen Gesprächsfetzen mit einer Frage, die ich 20 Sekunden später an die Mannschaft weitergebe:
"Du hast gesagt, die in blaurot sind die Erstligisten und die in blaugelb die Drittligisten - bist Du da ganz sicher?"
Ausgehend von diesem Zitat falte ich die Jungs mal kurz zusammen. Saisonauftakt und Freundschaftsspiel hin oder her - das ist n verdammtes Derby, ey!
Merkt die Mannschaft offenbar jetzt erst.
In Durchgang zwei wird das Spiel dann standesgemäßer, auch wenn wir das Ergebnis nicht mehr komplett umbiegen können.
Dennoch: Totalblamage geradeso abgewendet, puh!
Die weiteren Vorbereitungsspiele laufen seitens unserer Jungs zum Glück deutlich konzentrierter ab, die einzigen Wermutstropfen sind - natürlich! - ein paar Verletzungen, die zu einer Vorbereitung einfach standardmässig dazuzugehören scheinen.
Und - ebenfalls natürlich! - erwischt es die beiden Stammspieler (DM Bondoso und Keeper Albert) direkt vor dem ersten Ligaspiel.
Verdammte Axt, verdammte!
Gut, der Gegner in unserem ersten Saisonspiel ist Brøndby Kopenhagen, die sich letztes Jahr für die Europa League qualifiziert haben und auch in dieser Saison wieder im Dunstkreis der ersten 3-4 Plätze erwartet werden.
Ob die beiden fehlenden Spieler da einen derart großen Unterschied gemacht hätten?
Weiß man nicht - aber ob nun ohne oder mit voller Kapelle: dieses Spiel macht nicht gerade Mut.
Wir kassieren ein frühes und ein spätes Gegentor, haben selbst nur eine gute Chance (die Dragic kläglich verstolpert) und das Positivste an diesem Spiel ist noch die Erkenntnis, dass Ersatzkeeper Stokkeland (der im letzten Frühjahr noch Stammkraft war) auch in der ersten Liga grundlegend mithalten kann.
Das Zweitpositivste: ausverkauftes Haus, weil Brøndby tausende "Auswärts"fans mitbringt.
Davon abgesehen: Sch...start.
Nur gut, dass Næstved und Vendsyssel mit 3 Toren Unterschied verloren haben, damit stehen wir immerhin grad so über dem Strich.
Im nächsten Spiel, auswärts bei Odense BK, sind wir nicht ganz so komplett unterlegen, schießen auch unser erstes Tor - allerdings ist Thomsens verwandelter Elfmeter halt nur der Anschluß nach 0:2-Rückstand.
Und ein zweites Tor will uns nicht gelingen.
Immerhin: wir erspielen uns im Gegensatz zum Auftakt Chancen, die generelle Spielanlage scheint zu funktionieren - auch wenn Odense natürlich nicht solch ein Hammer von einem Gegner ist wie Brøndby.
Sowohl Næstved als auch Vendsyssel haben erneut klare Niederlagen "eingeheimst", wir bleiben Zehnter.
Nach zwei Wochen Pause dann gleich noch ein Auswärtsspiel, diesmal gegen Aalborg. Die werden als unser bisher stärkster Gegner angesehen und genau so läuft auch die Partie. Sehr einseitig - aber unsere Abwehr steht sicher.
Der Schachzug, Camara zum reinen Abräumer (und bei gegnerischem Ballbesitz damit zu einem Bollwerk vor der eigentlichen Innenverteidigung) zu machen, zahlt sich sichtbar aus.
Und vorne gelingt Dragic kurz vor der Pause sein Premierentor in der Superliga - nach einem weiten Ball von Rechtsverteidiger Sørensen ist er frei durch und behält diesmal vor dem Keeper die Nerven.
Leider reicht dieses Tor nicht für drei Punkte, weil auch die Gastgeber einen nahezu perfekten Angriff spielen, den wir einfach nicht verteidigt bekommen.
Aber am Ende des Spiels haben wir unseren ersten Punkt - Næstved und Vendsyssel stehen immer noch bei null.
Spieltag vier, wir haben Heimspiel gegen Silkeborg IF. Die sind genauso schlecht gestartet wie wir und haben aktuell ebenfalls nur einen Punkt. Klarer Fall: wir wollen hier was mitnehmen!
Das Spiel läuft dann aber erstmal in die völlig verkehrte Richtung, denn gleich der erste gute Gästeangriff führt zum 0:1.
Und während unsere Mannschaft noch versucht, den Schock zu verdauen, wollen die Gäste natürlich so schnell wie möglich nachlegen.
Die erste halbe Stunde des Spiels sieht den Ball fast durchgehend in unserer Hälfte und Keeper Albert kann hier zum ersten Mal vor eigenem Publikum wirklich zeigen, was in ihm steckt.
Er bringt den Mittelstürmer der Silkeborger mehrfach an den Rand des Nervenzusammenbruchs, weil er einfach unüberwindlich scheint.
Nach etwa 30 Minuten läßt der Druck auf unsere Abwehr langsam etwas nach, die Gäste beschränken sich im weiteren Verlauf der Partie eher darauf, uns vom Tor fernzuhalten als dass sie selbst nochmal groß offensiv werden.
Selbst als unser Sechser Camara nach einer slapstickhaften Szene eher zufällig vom rechten Fünfmetereck den Ausgleich erzielt, legen sie den Schalter nicht wieder um.
Und das rächt sich - spät zwar, sehr spät, aber es rächt sich.
In der 92. Minute (!) wird Linksverteidiger Jørgensen bei einem Flankenlauf nicht angegriffen, zieht zum Strafraumeck und passt den Ball dann scharf an den Elfmeterpunkt.
Und dort nutzt Rechtsaußen Ruiz seinen herausragenden Antritt, sprintet zwischen den Innenverteidigern durch und spitzelt die Kugel ins rechte untere Eck. Der Keeper ist völlig machtlos, denn er mußte bis zu Jørgensens Pass ja das kurze Eck zumachen und kommt nun nicht mehr schnell genug auf die andere Seite seines Kastens.
Eine Minute später ist Schluß und wir haben unseren ersten Heimsieg.
Und vier Punkte!
Und weil sich Vendsyssel und Næstved im direkten Duell unentschieden getrennt haben, beträgt unser Vorsprung auf die Abstiegsplätze nun schon 3 Punkte!
Mit diesem Hochgefühl fahren wir zum Drittligisten HB Køge - Pokalauftakt.
Und was für einer!
Von Klassenunterschied ist nix zu sehen - nach 2 Minuten liegen wir bereits hinten, weil die Gastgeber loslegen wie die berüchtigte Feuerwehr.
Wir lassen uns von diesem Energielevel anstecken - Dragic dreht das Spiel innerhalb von 45 Sekunden! - und es wird eine Partie mit komplett offenem Visier und zwei Trainern, die am Tag danach heiser sind ob der ständigen gebrüllten Flüche, weil sich beide Defensivreihen dabei überbieten, den Gegner zu Torschüssen einzuladen.
Dass wir am Ende die Glücklicheren sind, hat mit Glück und Können gleichermassen zu tun - und mit einem erneut überzeugenden Torwart Albert, der mehrfach klasse pariert und in der 80. Minute, beim Stande von 4:2 für uns, einen (gar nicht mal schlecht geschossenen) Elfmeter hält.
Wer weiß, wie die Schlußphase verlaufen wäre, wenn dieser Elfer das Anschlusstor geworden wäre.
So jedoch können wir uns über den zweiten Pflichtspielerfolg in "Serie" freuen und mit noch etwas mehr Zuversicht nach Aarhus weiterdüsen...
... wo uns Ligaspiel Numero fünnef erwartet.
Aarhus hat die letzten beiden Ligaspiele verloren, hat auch nur 4 Punkte auf dem Konto ... geht da vielleicht was?
Die Frage wird relativ schnell mit "Nein, vergeßt es!" beantwortet - es ist ein Spiel auf ein Tor (unseres, leider) und Perons Tor in der 94. Minute ist gerade mal unser zweiter Torschuß...
Puh, gar nicht gut.
Bloß gut, dass wir jetzt ein Spiel vor der Brust haben, für das wir die Mannschaft nicht extra zu motivieren brauchen - Næstwed ist aktuell Letzter und wenn wir hier gewinnen, haben wir bereits 6 Punkte Vorsprung!
Da die Gäste einen ziemlich zentrumslastigen Spielaufbau pflegen, verdichten wir ebenjenes Zentrum durch die Umstellung auf 433 - und das zieht unserem Gegner komplett den Stecker.
Das 3:0 ist vielleicht ein Tor zu hoch ausgefallen, aber das ist ja wurscht.
Eine Woche drauf gehen wir beim FC Midtjylland (einem der vielen Zusammenschlussvereine in Dänemark) zwar mächtig baden (das 1:4 schmeichelt uns sogar noch ein wenig), aber die Tabelle sieht nach etwa dem ersten Vorrundendrittel deutlich freundlicher aus als viele uns zugetraut hätten!
"Herr Lavayeux, Glückwunsch zu einem überraschend guten Saisonstart, trotz des heftigen Auftaktprogramms.""Danke, Herr Jensen, aber die Glückwünsche würde ich gern noch zurückstellen, wir haben absolut nichts gewonnen bisher - da Silkeborg und Vendsyssel an diesem Wochenende gewonnen haben, sind wir nur eine Niederlage vom Abstiegsplatz entfernt.""Das stimmt natürlich, aber dennoch ist es schön zu sehen, das Frem Kopenhagen in dieser Liga mithalten kann, zumindest gegen Mannschaften, die nicht um die Plätze eins bis vier spielen.""Wollen wir hoffen, dass es so bleibt."Achter Spieltag - und eines der schwersten wahrscheinlich schwersten Spiele der Saison - gegen den Meisterschaftsanwärter FC Nordsjælland. Von den letzten 15 Meisterschaften hat Platzhirsch FC Kopenhagen schlappe 12 gewonnen - aber zweimal konnte Nordsjælland jubeln (und einmal auch Aalborg).
Und diese drei Mannschaften liegen ja auch jetzt schon wieder auf den ersten drei Plätzen.
Wir rechnen uns also wenig aus, stellen die Mannschaft auf "Abwehrschlacht" ein ...
low line of engagement/standard defensive line, drop off more, defensive mentality
... und trauen dann unseren Augen nicht, als wir miterleben, was sich auf dem Platz abspielt.
Die Jungs rollen in den ersten 30 Minuten mehrfach über die völlig überraschten Gäste hinweg, und wenn Dragic, Ruiz und Peron ein wenig konzentrierter und abschlußstärker wären, hätte es nach diesen 30 Minuten mindestens 4:0 gestanden. Mehrfach versemmeln die Spieler den letzten Pass, treffen den Ball beim Torschuß nicht voll, haben Nervenflattern vor dem Keepr ... das Übliche halt.
Aber trotz dieses Chancenwuchers führen wir nach 25 Minuten mit 2:0, weil erst Leihgabe Molis einen an ihm selbst verursachten Elfmeter verwandelt und dann Rechtsaußen Ruiz nach einer Ecke im Getümmel am schnellsten schaltet und den Ball mit mehr Glück als Verstand (und mindestens dreimal abgefälscht) in die Maschen drischt.
Danach sind die Gäste wach und im Spiel angekommen und nehmen das Heft mehr und mehr selbst in die Hand.
Ein Angriff nach dem anderen rollt auf Patrick Albert in unserem Tor zu - und der pariert und pariert und pariert.
Wenn ich mir Stefan Aegerter im Winterthurer Tor nicht nur ausgedacht hätte, hätte ich jetzt n Deja vu.
Absolut unüberwindlich - dass er danach zum Spieler des Spiels gewählt und mit Sprechchören gefeiert wird, ist beides hochverdient.
Was für ein Spiel!
Danach gehts für uns zum Viertligisten FC Nakskov, den wir vor 62 Zuschauern (!) locker ausschalten und dabei einen neuen xG-Rekord während meiner Trainerzeit hier aufstellen.
Das Endergebnis ist jedenfalls um 3 oder 4 Tore zu gering ausgefallen, meint Lars Jensen in seinem Artikel am nächsten Tag.
Nach einer derart überzeugenden Leistung geht doch jetzt im Heimderby gegen Lyngby BK auch was, oder?
Naja, wie mans nimmt - wir können immerhin den Teilerfolg verbuchen, trotz sehr ausbaufähiger Leistung und Rückstand noch einen Punkt geholt zu haben.
Aber der war sehr, sehr, SEHR glücklich.
Nicht die allerbesten Voraussetzungen für einen "Kellergipfel", aber wir müssen natürlich trotzdem zu Vendsyssel und dieses Spiel spielen.
Und danach wissen wir zwar nicht so richtig, wie wir das einordnen sollen, grinsen aber dennoch wie die Honigkuchenpferde.
"Glücklicher Sieg, Herr Lavayeux - über eine Niederlage hätten Sie sich heute nicht allzulaut beschweren dürfen, oder?""Kann man so sehen, Herr Jensen - oder man nennt uns 'effizient' und verwiest darauf, dass unsere Zweikampfwerte exorbitant besser waren als die der Gastgeber, was darauf hindeutet, dass wir den Abstiegskampf in diesem Spiel besser angenommen haben.""Abstiegskampf?""Natürlich, es zählt nur, Punkte gegen den Abstieg zu holen, auch wenn die tabellarische Momentaufnahme vielleicht etwas rosiger ist."Ist mir auch egal, wie euphorisch so mancher Fan im Umfeld nach 7 Punkten aus drei Spielen ist - ich hab den Spielplan ja gelesen und weiß, was jetzt als nächstes kommt.
Und diesmal ist mein Pessimismus vollauf berechtigt - wie eine unaufhaltsame Woge rollt Rekordmeister FC Kopenhagen über uns hinweg und nur dem mehrfach glänzend reagierenden Torwart Albert ist es zu verdanken, dass das hier kein vollständiges Debakel, sondern einfach "nur" eine sehr, sehr klare Niederlage wird.
Gut, dass wir schon ein kleines Polster nach unten (und einige Saisonsiege) haben - wäre das hier das Auftaktspiel der Saison gewesen ... puh!
Die Auswirkungen auf die Moral wären wahrscheinlich heftig gewesen.
So jedoch gelingt es mir, das Team schnell wieder aufzubauen und auf die nächste harte Aufgabe vorzubereiten: Pokal, vierte Runde, mal wieder auswärts.
In Midtjylland.
Leider stellt sich im Spiel heraus, dass das Selbstvertrauen der Jungs doch angeknackst ist - bis zur 21. Minute (und dem ersten Gegentor) halten sie klasse mit, aber als sie einmal hintenliegen, ists vorbei mit dem Kampfgeist, ab dem Moment regiert der Sicherheitspass.
Mit dieser Einstellung, die Co-Trainer Mads R. und ich auch in der Halbzeitpause nicht aus den Köpfen rausbekommen, holst Du bei einem Team wie Midtjylland natürlich keinen Rückstand mehr auf.
Die Gastgeber schonen sich zum Glück in der zweiten Hälfte etwas, wir können sogar noch Ergebniskosmetik betreiben - aber dennoch sind sämtliche Pokalträume nach diesem Abend erstmal Geschichte.
Das folgende Heimspiel gegen Odense läuft dann unter dem Motto "Haste Angst, haste Probleme".
Die Gäste sind uns - obwohl nominell der "einfachste" der letzten 3 Gegner - eindeutig überlegen und spielen uns ein ums andere Mal schwindlig.
Nichtmal unsere (glückliche) Führung nach knapp einer Stunde kann daran etwas ändern. Ganz im Gegenteil - wir haben offenbar jetzt nicht nur Angst, das Spiel zu verlieren, sondern zusätzlich auch noch Angst, die Führung zu vergeigen und das Unentschieden zu verspielen.
Ergebnis: Odense geht 9 Minuten nach unserem 1:0 ihrerseits in Führung.
Und da sie weniger Angst haben, gewinnen sie.
So einfach kann Fussball sein.
Ich beschließe, dass vor dem nächsten Spiel (auswärts bei Brøndby) nur Psychotraining stattfindet.
Klar, ein bißchen Laufen und Gegendenballtreten muss auch sein, aber es geht hauptsächlich darum, den Spielern das Vertrauen in ihre Fähigkeiten wiederzugeben.
Volles Programm - Mentaltrainer, Vertrauensübungen, Bäume anschreien ... wenns ihnen dabei hilft, ihren Mut wiederzufinden, kauf ich den Jungs sogar Löwensenf!
Was sich dann im Spiel tut, spottet aber trotz aller Psycho-Geheimwaffen jeder Beschreibung.
Brøndby erwischt den besseren Start und geht schon nach 8 Minuten durch einen abgefälschten Schuß von der Strafraumkante in Führung.
Danach gelingt ihnen allerdings exakt nichts mehr - in jedem halbwegs aussichtsreichen Angriffsspielzug haben sie plötzlich ein Slapstickelement drin, das eben jenen Spielzug ergebnislos versanden läßt.
Und währenddessen rollt bei uns gleich die erste Halbchance (ein Schüßchen Dragics, fast eher eine Rückgabe, weil er den Ball nur streichelt, nicht aber richtig trifft) zum Ausgleich ins Tor.
Unseren anderen drei (DREI!) Treffer sind ebenfalls aus der Kategorie "Kann-Tor" - aber am Ende steht dennoch ein 4:1 auf der Anzeigetafel, das keiner erwartet hatte, keiner versteht - und außer uns und unseren Fans womöglich auch keiner geil findet, weils einfach ziemlich unverdient war.
Die Länderspielpause nutzen wir zu einem Testspiel, in dem wir der zweiten Garnitur die Chance geben wollen, sich für einen Einsatz zu empfehlen - aber erst, als wir nach 60 Minuten einmal komplett durchwechseln und die Stammspieler auf dem Feld stehen, retten wir gegen Zweitligakellerkind Hellerup IK wenigstens noch ein Unentschieden.
Und zwar zuhause!
Kein gutes Omen fürs vorletzte Ligaspiel vor der Winterpause - aber andererseits ist das nun folgende Heimspiel gegen Aalborg auch das erste Spiel, in dem unser neuer isländischer Jungstar mit dem berühmten Namen mit wirken darf.
Und Gunnar Logi Bond, der mit diesem Spiel Molis sofort und permanent auf die Bank verdrängt, wird gleich mal zum Matchwinner, weil sein schöner Lupfer (nach Jørgensen-Paß) nach einer Viertelstunde das einzige Tor des Spiel bleibt.
Guter Einstand!
(Das Aalborg das bessere Spiel zeigt und auch die besseren Torchancen hat, ignorieren wir mal tapfer.)
Erster Dezember, Zeit für den Weihnachtskalender.
Wir fahren zu Silkeborg IF, gehen früh durch Dragic (nach Bond-Vorlage) in Führung, versuchen die Führung mit leichter Verwaltungstätigkeit ins Ziel zu beamten, bauen die Gastgeber damit wieder auf - und Silkeborg sagt danke für diese geschenkte Rückholaktion und gleicht sechs Minuten vor Feierabend aus.
Da sich Peron (der in der 88. Minute eine Ecke tritt) und Ruiz (der sie gar nicht erst annimmt, sondern sofort den Volley abfeuert) inzwischen aber ganz gut verstehen, prallt die Kugel nach ein bißchen Geflippere (und unter gütiger Mithilfe eines Silkeborg-Defensivschädels) ins Gastgebertor und wir bejubeln einen durchaus verdienten Sieg.
Damit ergibt sich eine Winterpausen-Tabelle, mit der so wohl nur die allerwenigsten gerechnet hätten (uns eingeschlossen!):
Die ist natürlich ein wenig verzerrt, durch die Nachholespiele können wir auf Rang 8 zurückfallen, aber darum geht es ja gar nicht.
Worum es geht, sind die elf (ELF!) Punkte Vorsprung vor dem ersten Abstiegsplatz!
Die Winterpause, die hier in Dänemark, schlappe 3 Monate lang ist, bringt uns mit Karim Brand noch einen weiteren hochkarätigen Neuzugang, der perspektivisch Stammkraft auf der Sechs werden kann (und hoffentlich auch werden wird).
Außerdem gibts noch ein wenig mehr Bewegung im Kader - und vor allem die Abteilung "im Verein ausgebildete Spieler" ist nunmehr wirklich randgenäht: wir haben nur noch exakt die vier entsprechenden Spieler, die wir da vorweisen müssen.
(Und keiner von denen spielt sportlich eine große Rolle. genaugenommen spielt außer dem Notsechser Søjberg keiner auch nur die geringste Rolle mehr, und zwar schon seit dem Aufstieg in die Zweite Liga...)
Die Jugend gibt nichts her und die Suche nach Ex-Spielern, die wir ausgebildet haben und die vielleicht wieder zurückwollen, verlief auch ergebnislos.
Wir sollten uns vielleicht schonmal darauf einrichten, dass die U21-Fraktion in Zukunft noch etwas wichtiger für Frem Kophagen wird, weil wir nur noch 21 Kaderplätze besetzen dürfen...
Unsere Kaderoptimierung sorgt übrigens dafür, dass die Mehrheit der Pressefritzen unseren Abstieg nun noch für etwas wahrscheinlicher hält.
Vielleicht ist hier auch der Wunsch der Vater des Gedanken, denn Bond hat eine lächerlich niedrige Ausstiegsklausel im Abstiegsfalle...
Wir lassen uns davon aber nicht kirre machen und fahren ins Stadion, um Aarhus GF gebührend zu empfangen.
Unser Doppelsturm Dragic und Rakic soll ihnen ....
... was?
Wer Rakic ist?
Ach, nur ein bosnischer Stürmer, der den Abgang von Kim Thomsen und Patrick Friis auffangen soll.
Und der heute für den angeschlagenen Bond in die Startelf gerutscht ist.
Wo war ich?
Ach ja - der Doppelsturm soll ihnen das eine oder andere Tor einschenken.
Funktioniert auch super.
7. Minute: Rakic auf Peron - Tor!
13. Minute: Peron auf Dragic: Tor!
Dummerweise trifft Aarhus' Sabatino zwischendurch zum Ausgleich und kurz nach der Pause gleich nochmal zum Ausgleich.
Danach melden die Gäste unseren famosen Doppelsturm komplett ab.
Da wir aber zum Glück auch torgefährliche Außen haben, erzielt diesmal eben Ruiz (per Gewaltschuß, das kann der schmächtige Spanier überraschend gut!) den Siegtreffer.
Wieder 3 big points - denn Aarhus will ja ebenfalls Platz 6!
Moment - ebenfalls?
Ja, denn auch wenn wir das nie öffentlich äußern würden: wir wollen den Platz an der Sonne so lange wie möglich verteidigen. Sollten wir am Ende der Vorrunde diesen wunderbaren Platz 6 innehaben, haben wir unser offizielles Saisonziel (Klassenherhalt) ja erreicht, hehe.
Um dieses vor der Saison nach purer Phantasterei klingende und jetzt dennoch nicht komplett unrealistische Ziel zu erreichen, brauchen wir natürlich Punkte.
Zum Beispiel gegen den Tabellenletzten Næstved? Viel einfacher werden die Gegner in dieser Liga ja nicht...
Sehen unsere Stürmer genauso und schießen uns zu einem ungefährdeten Sieg.
Auch wenn die Gastgeber zum Schluß einen höheren xG-Wert haben als wir - ihre Abschlüsse wahren nahezu ausschließlich harmlose Fernschüsse.
Das folgende Heimspiel ist das dritte Duell in dieser Saison, das wir mit Midtjylland ausfechten.
Und nach dem Schlusspfiff beschließen wir, dass wir keine Lust mehr auf diesen Gegner haben. 1:4, 1:3 und nun wieder 1:3 - jaja, ihr seid besser, wir habens kapiert.
Mist, verdammter.
Und weils so schön war, gleich der nächste "Brocken".
Der FC Nordsjælland läßt sich leider nicht nochmal von uns düpieren und schlägt uns völlig verdient mit 2:0.
Der sechste Platz ist von Woche zu Woche härter umkämpft, jeder Punktverlust kann der eine zuviel sein, der einen Verein aus dem Rennen wirft.
Aber noch sind wir über dem Strich, der Platz 6 und 7 trennt - noch können wir die Sensation schaffen.
Dafür sollten wir aber den Vorletzten Vendsyssel schlagen.
Tun wir auch - und zwar ziemlich souverän.
Brands Premierentor und Hagens später Glücksschuß bringen uns die nächsten 3 Punkte ein.
Spieler des Spiels wird Gunnar Bond, der beide Vorlagen lieferte.
Zwei Spiele noch.
Und eins davon ist das Derby gegen Lyngby.
Die haben - genauso wie Aalborg - ein Spiel weniger als wir und einen Punkt Rückstand auf uns (Aalborg liegt noch einen weiteren Punkt zurück).
Und außerdem sind noch Aarhus (punktgleich) und Brøndby in der Verlosung um Platz 6. Fünf Mannschaften - und nur für 3 ist och Platz in der Meisterschaftsrunde.
FC Kopenhagen, FC Nordsjælland und FC Midtjylland sind bereits qualifiziert, die Mannschaften ab Odense können Platz 6 nicht mehr erreichen.
Spannung pur!
Unser bester Torschütze Aleksandar Dragic fällt aus, Rakic ist nach einer Blessur noch nicht zu 100 Prozent fit, also bekommt der junge Denis Hagens neben Gunnar Bond seinen nächsten Startelfeinsatz auf der Mttelstürmerposition (der für ihn eigentlich viel zu früh kommt, aber da muss er durch. Und wir auch..
Wir sind von Beginn an spielbestimmend, mehr als einmal haben die Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen, aber wir vergeben heute mehrfach beste Chancen.
Bond, der allein in der ersten halben Stunde 3 mögliche Assists geliefert hat (die Hagens, Peron oder Ruiz dann nicht im Tor unterbringen) hat in der 28. Minute die Faxen dicke und schießt einfach mal selbst - bäm! 1:0.
Falls wir gehofft hatten, dass sich dadurch die Blockade beim Abschluss auch für die anderen löst, werden wir allerdings enttäuscht.
Auch weiterhin ist das Tor wie vernagelt.
Und wie so oft - wer das Tor nicht macht .... naja, ihr wißt schon.
Lyngby gleicht aus, wir schaffen keinen zweiten Treffer und statt entspannt ins Vorrundenfinale gehen zu können, sind wir plötzlich zum Siegen verdammt, damit wir nicht auf den letzten Zentimetern doch noch an der Riesensensation vorbeischliddern...
Die Tabelle vor dem letzten Vorrundenspiel zeigt die ganze potentielle Dramatik sehr deutlich.
Lyngby ist dank des deutlich besseren Torverhältnisses wohl durch.
Aber zwischen Aalborg, Aarhus und uns gibt es einen Dreikampf um zwei Plätze.
Und dass die Presse uns die geringsten Chancen einräumt, kann ich ehrlich gesagt sehr gut verstehen.
Jeder, der die Ansetzungen sieht, sollte das verstehen:
Natürlich hat Aarhus ebenfalls einen heftigen Gegner vor der Brust - aber während Kopenhagen seit 12 Spielen unbesiegt ist, hat Nordsjælland drei der letzten 4 Spiele nicht gewinnen können und zwei gar verloren.
Egal, ales egal - wir müssen auf Sieg spielen, um Platz 6 zu verteidigen.
Und die Junbgs sind hochmotiviert, das merkt man schon beim Einlauf.
Und im Spiel sowieso - Drei Minuten und zweiundvierzig Sekunden sind gespielt, da drückt Bond eine Peron-Hereingabe aus nächster Nähe ins Tor.
Wir führen!
Leider rüttelt das die Kopenhagener sehr nachdrücklich wach und plötzlich sind sie es, die hier hochmotiviert auf den Ausgleich drücken.
Bis zur Nachspielzeit des ersten Durchgangs kann das Team den hohen Favoriten am Torerfolg hindern, dann ist es doch passiert und es geht mit 1:1 in die Kabine.
In Aarhus führt Nordsjælland mit 1:0, aber die Gastgeber sind drückend überlegen, sagt unser "Spion" (Scout Jasper).
Also weiter - fighten und hoffen.
Es sind gerade 25 Sekunden nach Wiederanpfiff vergangen, als Rakic nach einem Monsterpaß von Peron plötzlich allein auf den Kopenhagener Keeper zuläuft - der macht sich allerdings ganz breit und blockt den Schuß unseres Stürmers. MIST!
Danach geht das Spiel aus der ersten Hälfte wieder los: Kopenhagen drückt, wir versuchen zu kontern.
Die Nachspielzeit ist schon nahezu abgelaufen, da erhalten die Gäste noch einmal einen Einwurf etwa auf Höhe unseres Strafraums.
Der Ball, mit Wucht geworfen, segelt bis an die weiße Linie, wird von einem Gästefuß elegant heruntergepflückt, besagter Fuß dreht sich (samt Ball und Körper) um den heranhetzenden Verteidiger im blauroten Trikot herum, dann versetzt der Fuss den Ball per beherztem Tritt in rasche Bewegung ....
... und 20 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit steht es nach einem leider wunderschönen Tor 1:2 aus unserer Sicht.
Und das ist auch der Endstand.
Die bangen Blicke der Spieler gehen nun zu unserer Bank - aber eigentlich könnten sie sich das sparen und einfach nur unseren Fans zuhören, die ein paar Sekunden später plötzlich zu jubeln anfangen.
Der Grund taucht kurz darauf auch auf der großen Anzeigetafel im Stadion auf - Aarhus hat zuhause gegen Nordsjælland verloren, wir bleiben damit Sechster und nehmen in unserer ersten Erstligasaison nach über 40 Jahren prompt an der Meisterschaftsrunde teil!
Was wir in der Meisterschaftsrunde erreichen können?
Keine Ahnung, ist in diesem Moment auch völlig egal.
Das Einzige, was uns interessiert - wir schließen unser Aufstiegsjahr, in dem uns ein sicherer Abstieg als Tabellenletzter prophezeiht wurde, mindestens als SECHSTER ab!
Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus, denn der BK Frem Kopenhagen wird entgegen aller Unkenrufe auch in der kommenden Saison erstklassig sein.
Zur nächsten Saison kommt dann auch endlich mal eine -richtige- Kadervorstellung, bis jetzt war die Fluktuation einfach viel zu hoch, als dass sich das gelohnt hätte.
