Tja. Da stehste nun. 2030.
Man muss sich das mal vorstellen: Ich hatte gerade die Damen von Bayer Leverkusen trainiert. Harte Arbeit. Viel taktisches Geplänkel, viel "Laufbereitschaft zeigen", viel Schweiß in Funktionswäsche, die nach drei Stunden riecht wie ein nasser Hund im Pumakäfig. Ich wollte da weg. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil man irgendwann dieses Gefühl kriegt, dass man mal was anderes sehen muss als das Autobahnkreuz Leverkusen.
Und dann – zack – das Angebot. FC Barcelona.
Barcelona! Das klingt nach Sonne, nach Gaudí, nach Tapas und nach Fußball, der so flüssig läuft wie frisch geschmolzene Butter auf einem heißen Toastbrot. Ich hab nicht mal die Vertragsunterlagen zu Ende gelesen. Ich hab unterschrieben, bevor der Kugelschreiber überhaupt wusste, wie ihm geschieht. "Mes que un club", dachte ich mir. Mehr als ein Verein. Ich sah mich schon mit einer Sonnenbrille an der Seitenlinie sitzen, während meine Jungs den Ball so elegant hin- und herschieben, dass der Gegner vor lauter Ehrfurcht einfach kollektiv in Tränen ausbricht.
Dann komme ich da an. Koffer in der Hand, Erwartungen im Wolkenkuckucksheim.
Ich gucke auf den Spielplan. Und was lese ich da? Nicht Real Madrid. Nicht Atletico. Nein. Da steht "SD Ponferradina". Da steht "CD Eldense".
Ich sag zum Pförtner: "Sagen Sie mal, José – oder wie auch immer Sie heißen –, ist das ein Tippfehler? Ist das die Betriebssportgruppe?"
Und er guckt mich an, mit diesem traurigen Blick, den man sonst nur von Leuten kennt, die gerade erfahren haben, dass ihr Lieblingsdönerladen jetzt eine laktosefreie Saftbar ist. Er sagt: "Senor, wir sind 2027 abgestiegen. Als Achtzehnter. Wir sind jetzt festes Inventar der La Liga 2. Wir sind quasi der Hamburger SV des Mittelmeers, nur mit mehr Paella."
Ich sacke in mir zusammen. Abstieg. Barcelona. Das ist so, als würde man einen Luxusliner buchen und dann feststellen, dass man auf einem Tretboot über den örtlichen Baggersee schippert.
Aber es kommt noch besser. Ich frage: "Und was ist mit Real Madrid? Wenigstens ein Clasico muss doch drin sein?"
Der Pförtner macht ein Kreuzzeichen. "Real? Die sind komplett weg. Verpufft. Im spanischen Amateurfußball verschollen. Die spielen jetzt irgendwo in der Provinz gegen Mannschaften, deren Trikots von der örtlichen Metzgerei gesponsert werden. Die königlichen Stars kicken jetzt auf Plätzen, die mehr aus Disteln und Zorn bestehen als aus Rasen."
Da steh ich nun. Im Camp Nou. Zweite Liga. Mein Kader besteht wahrscheinlich zur Hälfte aus Leuten, die eigentlich nur zum Stadionführungen-Geben eingestellt wurden.
Aber gut. Man muss es positiv sehen: Die Anfahrt zu den Auswärtsspielen ist jetzt kürzer. Und in der zweiten Liga in Spanien ist es immerhin noch wärmer als im November in Leverkusen. Also, Ärmel hochkrempeln. Wenn ich die Damen von Bayer trainieren kann, krieg ich Barcelona auch wieder aus dem Tabellenkeller von Nirgendwo raus.
Hoffe ich. Sonst verkaufe ich demnächst am Strand einfach nur noch überteuerte Sonnenmilch.
