@Ensi:
Deine Aussage, dass zu viele Leute studieren kann ich nicht unterstützen, außer du meinst es in dem Sinn, dass für die vielen Studenten an den Unis teilweise räumlich kein Platz ist und die Lehre leidet. Da hättest du Recht, dies ließe sich aber durch vermehrte Investitionen in den Griff bekommen. Aber wie möchte man denn bestimmen wieviele Studenten bzw. Akademiker ein Land ausbilden sollte? Dem einzelnen Menschen kann man es kaum verwehren, durch ein Studium sozial wie wirtschaftlich aufsteigen zu wollen. Und selbst wenn der Bedarf an Akademikern im Land gesättigt sein sollte, dann gibt es auch die Option im Ausland zu arbeiten.
Vorweg, Abkürzung des Usernamens passt.

Meine Aussage war auf mehrere Ebenen bezogen. Ich habe aktuell das Gefühl, dass es in vielen Fächern durch die Masse an Studenten sowie der Verschulung wirkliche fachliche Mängel gibt. Ich habe Arbeiten korrigiert von Studenten, die keinen gerade Satz schreiben konnte (es waren Muttersprachler, die teilweise sogar Germanistik studierten). Ehrlich gesagt habe ich mich an einigen Stellen dann schon gefragt, wie es möglich ist, dass die alle mit gutem Abitur durchgekommen sind. Meine Kritik greift eigentlich also viel früher: Das Abitur wird aktuell stark entwertet (durch die 12 Klassen wird das noch verstärkt), die Realschule und Hauptschule sind absolut abgestürzt in ihrem Ruf und wohl auch inhaltlich. Anstatt hier wie früher zu versuchen, hinsichtlich der Ausbildung zu differenzieren, herrscht eine Gleichmacherei. Polemisch formuliert führt das dazu, dass man ohne Abitur heute nicht einmal mehr Putzfrau (gänzlich genderunspezifisch gemeint) werden kann.
Das wirkt sich natürlich auch auf die Unis aus. Es studieren dann eben Leute, die früher in handwerklichere Berufe gegangen wären, die Lücke zwischen Schule und Unigrundanforderungen klafft jedoch so enorm auseinander, dass es entweder nur möglich wäre, reihenweise Studenten durchfallen zu lassen oder schlecht zu benoten oder eben irgendwie durchzuschleusen. Da es hier keine Einheitlichkeit gibt, kommen teilweise abenteuerlichste Noten zustande, die oftmals diejenigen bevorteilen, die sich durchlavieren zu wissen. Das führt dann natürlich am Ende nicht zur Promotion - da bedarf es heute ja glücklicherweise mehr als Noten (und dennoch gibt es auch hier zu viele Promotionen) - sondern dazu, dass man eine breite Masse an Akademikern hat, die das akademische Ideal gar nicht hochhalten wollen und können.
Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass Leute erst sehr spät merken, dass sie fachlich nicht gut genug sind, jedoch schon zu lange in diese Richtung investiert haben, um noch ohne schlechtes Gewissen abzubrechen und die Richtung ändern zu können.