Also zuerst: Der Post ging nicht gegen dich, das Zitat sollte nur den Ausgangspunkt meiner Aussagen kennzeichnen.

Natürlich muss man eine Vorauswahl treffen, aber dazu hat man ja meist nur die Bewerbungsunterlagen. Die kann man aber eh kaum mehr unterscheiden. Der eine war vielleicht im Ausland, der andere hat fünf Praktika gemacht, der dritte war Assistent vom Professor, der letzte hat die Welt umsegelt. Das muss man dann nach eigenem Gusto gewichten.
Rechtschreibfehler sind natürlich eine Sache, die man auch beachten kann. Aber kleinere Fehler sollte man verzeihen können, außer man bewirbt sich vielleicht als Schreiber für irgendwas, dann fließt das direkt in die fachliche Kompetenz mit ein. Dein Post hat nur (von dir sicher überspitzt formuliert, habe ich nicht gemerkt) den Eindruck vermittelt, dass du wirklich jeden kleinen Rechtschreibfehler direkt aussortierst (Toni anstatt Tony).
Man hört halt allgemein immer über Bewerbungsgespräche anderer. Vor allem berichtet man über das, was nicht gut lief oder warum man nicht genommen wurde. Bei großen Firmen stört es ja viele, dass ein Personaler dabei ist (oder man nur mit ihm spricht), der fachliche Bereich durch einen Mitarbeiter aus dem direkten Arbeitsbereich aber nicht dabei ist oder nur selten zu Wort kommt. So wird der Bewerber eben auf Äußerlichkeiten reduziert, weil das Fachliche kaum besprochen werden kann.
Dass es den Kindern schaden würde sehe ich nicht so, denen täte ein wenig mehr Regelmäßigkeit eher besser als schlechter, auch wenn das so pauschal übertrieben ist.
Lieber häufiger in der Schule, als allein vor der Konsole oder dem Fernseher etc.
Das ist so eine Diskussion, in die Schüler eigentlich einbezogen werden müssten, um ihre Sicht der Dinge darzulegen. Meiner Erfahrung nach sind die nämlich selbst bestens dazu in der Lage, zu artikulieren, was gut für sie ist und was nicht - da sie den Schulalltag selbst miterleben und in dessen Zentrum stehen sogar besser, als so mancher Erwachsener oder Lehrer.
Meine Schulzeit ist noch nicht so lange her und ich kann für mich feststellen, dass weniger Ferien für mich nicht gut gewesen wären. Im Gegenteil - ich brauchte die Ferien in den letzten beiden Schuljahren sogar, um überhaupt meinen sehr guten Abitur-Schnitt erreichen zu können, weil ich im Grunde genommen den kompletten Stoff mithilfe von Büchern selbst erarbeitet habe. Die Zeit, die ich in der Schule 'rumsitzen musste, war für mich völlig vergeudet. Ohne den Lehrern hier zunahe treten zu wollen (ich kann die Lehrer hier ja nicht beurteilen und will auch nicht generalisieren) - aber meine Lehrer haben mir rein gar nichts beigebracht, sondern waren eher als eine Art Gefängniswärter mit Prüffunktion zu verstehen, die meine Anwesenheit registrierten und dann wahllos Informationen von mir abriefen, um mich benoten zu können. Die einzige Funktion dieser Leute war es aus meiner Sicht, mir eine Note zu geben. Das war's. Gearbeitet und gelernt habe ich am Nachmittag zu Hause. Ich bin davon überzeugt, dass ich einen perfekten Abischnitt hätte haben können, wenn mir das Absitzen der Schulzeit jeden Tag gleich erspart geblieben wäre und ich stattdessen nur für ein paar Minuten hätte 'reinfahren müssen. "Hallo, heute irgendeine Abfrage, Ex, Schulaufgabe in irgendeinem Fach?" Wenn ja, wird geschrieben, wenn nein, ab nach Hause und die Zeit sinnvoll nutzen. Das hätte mich vermutlich sogar weniger Zeit gekostet, als die Zeit, die ich für das Erreichen meines jetzigen Schnitts gebraucht habe. Ich brauchte also die Ferien, um mich in der Zeit auf die Prüfungen vorbereiten zu können - etwas, das an der Schule undenkbar gewesen wäre, weil ich dort eher noch vom Lernen abgehalten wurde und stattdessen stupide herumsaß.
Übrigens: Am Fernseher, vor der Konsole und beim Lesen von Büchern habe ich in meinem Leben so viel mehr gelernt, als in der Schule. Ich sähe also Vorteile in mehr Ferien oder einer Reformierung des Schulsystems hin zu einem System, das den Schülern grundsätzlich mehr Freiräume lässt und ihnen die Chance gibt, nicht zum Unterricht zu gehen, wenn sie das als unnötig erachten. Falko Peschels Idee eines "offenen Unterrichts" fände ich in dem Zusammenhang interessant und erstrebenswert, wenn auch vielleicht eine Nuance zu radikal.
Wenn man wie du die Schule auf das reine Lernen reduziert, klingt es nicht so falsch. Aber in der Schule geht es, vor allem in den ersten Jahren, auch um Erziehung, Freundeskreis, soziale Kenntnisse (allein ohne Familie, Schulweg meistern, Umgang mit fremden Erwachsenen), außerdem können die Eltern die Kinder kaum betreuen.
Und seien wir ehrlich: Die Kinder sind faul und spielen lieber als zu lernen. Wer nicht den Zwang hat in die Schule gehen zu müssen, der macht es nicht und macht dann zu wenig. Erst nach vielen schlechten Noten zu reagieren, ist zu spät, denn zum nachzuholenden Stoff kommt ja neuer dazu. Das geht auf Dauer nicht gut, wenn man kein Überflieger ist. Und das sind die wenigsten. Wer sich nach der Schule gern noch mit dem Stoff beschäftigt und viel lernen will, darf das ja gern tun.