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Die Kennedy Story; Episode 1: "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
Guddy-Ortega:
Mit viel Schwung öffnete ich die Tür zu Seppo Seiranens Büro. Ich hatte mich nicht lange mit klopfen aufgehalten. Der leicht füllige Präsident von TPS Turku schien wenig überrascht.
„Kennedy“, murmelte er. „Wo drückt der Schuh?“.
Einen kleinen Augenblick fehlten mir die Worte, aber schnell konnte ich mich sammeln.
„Schon Zeitung gelesen HERR Seiranen“. Das „Herr“ betonte ich extrem. Sein flüchtiges „Kennedy“ gefiel mir nicht.
„Hören Sie“ sagte er schließlich. „Es tut mir leid, dass ich sie bisher nicht richtig informieren konnte. Aber die Verhandlungen gestalten sich schwierig.“
„Was für Verhandlungen? Wovon zum Teufel reden sie eigentlich Seiranen? Ich bin der Manager von TPS, so steht es zumindest in meinem Arbeitsvertrag. Ich darf doch wohl annehmen, dass wenn hier irgendwelche verdammten Verhandlungen stattfinden, ich zumindest darüber Bescheid weiß.“
„Genau dafür muss ich mich entschuldigen Kennedy. Meine Informationspolitik hier war vielleicht etwas dürftig. Aber in den letzen Tagen haben sich die Ange…ähm die Ereignisse förmlich überschlagen.“
Fragend blickte ich Seiranen an.
„Ok Kennedy. Reden wir Tacheles. Ich habe mich als Präsident und Verantwortungsträger für den finanziellen Bereich hier bei Tepsie bereits zu Beginn der Transferperiode entschlossen einige Spieler abzugeben. Ich konnte damals noch nicht überblicken um welche Spieler es sich handeln würde, oder ob ein Verkauf überhaupt lohnenswert sei. Deshalb habe ich entschieden, sie zunächst nicht davon in Kenntnis zu setzen, dass ich gegenüber einigen Agenten signalisiert habe mir Angebote anzuhören.“
Mir stand der Mund offen, doch ich blieb stumm.
„Ich wollte, dass sie sich voll auf ihre Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren. Immerhin befinden wir uns in einer wichtigen Saisonphase.“
Erst jetzt begann langsam die Wut in mir aufzusteigen.
„Welche Spieler, welche Angebote“ zischte ich.
„Bei Roope Riski konnten wir Einigung erzielen, er wird nach Italien wechseln. Die Ablöse liegt bei 3 Millionen Euro. Jonas Grönner wechselt zu Werder Bremen, der Bundesligist hat 1,8 Millionen geboten. Mika Ääritalo steht kurz vor der Unterschrift bei einem Club aus den Niederlanden. Auch um Manninen streiten sich einige Interessenten.“
Ich musste mich setzen.
„Und die Spieler?“ fragte ich leise. „Die Spieler wussten die ganze Zeit, dass…“
„Ich habe Roope, Mika und Jonas gebeten ihnen gegenüber zunächst nichts zu erwähnen.“
„Aber warum?“ fragte ich und klang verzweifelter als mir es eigentlich recht war.
„Kennedy. Wir haben unterschiedliche Ziele. Hätten sie über alles Bescheid gewusst, hätten sie Front gegen die Verkäufe gemacht und alles versucht um sie zu verhindern. Darunter hätte nicht nur die Mannschaft gelitten, sondern sie hätten womöglich noch den ein oder anderen sicheren Transfer zum Platzen gebracht. Sie haben nie begriffen, dass es mir nicht um ein paar Spieler geht, sondern um den Verein, um TPS. Wir brauchen diese Verkäufe um endlich ein eigenes Stadion zu bauen, ich war mir sicher, dass das mit ihnen nicht funktionieren würde.“
„Warum haben sie mich nicht gefeuert?“ fragte ich resigniert.
„Sie sind ein guter Trainer.“
„Aber ihnen muss doch klar sein, dass es für mich unmöglich ist jetzt hier einfach weiterzuarbeiten.“
„Das ist mir klar Kennedy.“
„Dann können sie ab sofort Jari Litmanen die Mannschaft betreuen lassen.“
„Tut mir leid, dass zu hören Kennedy. Aber in Ordnung. Jari wird ihren Job machen.“
Heute ertappe ich mich manchmal dabei wie ich im Kopf die Situation nachspiele und das letzte Gespräch zwischen mir und Seiranen mit einem großen, wütenden Abgang beende, bei dem ich nebenbei noch etwas Büroeinrichtung zertrümmere. Aber so war es nicht.
Ich war viel zu enttäuscht und niedergeschlagen um richtig wütend zu werden.
Meine schlimmsten Befürchtungen waren wahr und nun war klar, dass ich unmöglich bei TPS würde weiterarbeiten können.
„Das wars dann wohl“ sagte ich und blickte Seiranen an.
Der Präsident nickte. „Vielen Dank Kennedy. Und viel Glück.“
Ich befand mich schon fast an der Tür. Dann drehte ich mich noch einmal um.
„Ach Seiranen“ sagte ich.
„Wer hat eigentlich den Iltay-Sanomat Journalisten Hirvonen mit Neuigkeiten versorgt?“
„Das war ich.“
Ich fluchte etwas auf Finnisch und warf mit einem lauten Knall die Tür hinter mir ins Schloss.
Guddy-Ortega:
Die finnischen Zeitungen machten einige Tage lang ein riesigen Aufstand. Meine Entlassung bestimmte zumindest für eine Woche alle Schlagzeilen der finnischen Sportmedien.
Seiranen wurde scharf kritisiert. U.a. auch von Puustinen und Inter Präsident Hakans.
Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch schon ganz weit weg und keine der dutzenden Interviewanfragen würde von mir beantwortet werden.
Noch am selben Tag hatte ich mich von der Mannschaft verabschiedet. Die Spieler wussten sicherlich über die Hintergrundgeschichte Bescheid. Ich wollte vor der Mannschaft keine schmutzige Wäsche waschen und lieferte ihnen keine Begründung. Jedem einzelnen drückte ich die Hand und wünschte viel Glück. Santeri Mäkinen konnte gar nicht richtig hochgucken als ich seine Hand schüttelte. Auch mein guter Freund Vincenzo Bernardo hatte sichtlich mit ich zu kämpfen.
Dem Team würden schwere Zeiten bevorstehen. Sollte Seiranen alle die genannten Spieler verkaufen würde Litmanen ein sehr sehr gutes Näschen brauchen um die Akteure nur halbwegs gleichwertig zu ersetzen.
Roope Riski folgte mir aus der Kabine.
„Ich wollte nur danke sagen. Und es tut mir leid Kennedy.“ Murmelte mein Goalgetter.
„Italien ist eine große Chance für mich.“
„Das weiß ich Roope. Ich bin mir sicher, dass du es schaffen kannst.“
„Vielen Dank für ihr Vertrauen und viel Glück Trainer.“
Ich lächelte und nickte leicht. Dann warf ich meine, in einem Reiserucksack, schnell zusammengeschmissenen Sachen über die Schulter und verließ das Vereinsgelände.
Mein Flieger hatte Verspätung und leichter Nieselregen begleitete mein Einsteigen.
Finnland im Sommer. Eigentlich gab es wenige Orte wo ich jetzt lieber sein würde.
Guddy-Ortega:
Das ist das Ende der ersten Episode der Kennedy-Story.
Den finnischen Medien konnte sich Ryan Kennedy im Folgenden meistens entziehen.
Für ein Interview aus dem Umfeld des Meistertrainerforums würde er jedoch zur Verfügung stehen.
Falls jemand also Lust hat ein paar außergewöhnliche Fragen zu Kennedys Zeit bei Tepsie zu stellen, und sie in Interview Form vorbringt,
wird das irische Trainertalent sich sicher dazu äußern.
Abschließend: Vielen Dank an alle Leser der Story, und noch viel größeren Dank an alle Poster, Lober, Kritiker und Fragensteller.
Dr. Gonzo:
Ich sage dann mal DANKESCHÖN, für die tolle Story. Sportlich hochinteressant und stilistisch sehr gut umgesetzt.
*DaumenHoch*
DarVida:
Hat Spass gemacht mitzulesen und hoffe auf eine neue Story im 12er...
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