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Der Kino-Thread

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DeDaim:

Gestern habe ich Captain Fantastic (entgehen dem, was der Titel vielleicht vermuten lässt kein Superheldenfilm ;)) gesehen. Seit langem mal wieder ein Film der mich richtig begeistert hat. Auch emotional hat mich der Film bewegt.
Dass Viggo Mortensen ein richtig guter Schauspieler ist, darüber muss man, glaube ich, nicht streiten, aber auch der Rest des Casts (inkl. Kinderdarsteller) hat das richtig gut gemacht. Zur Story möchte ich eigentlich nichts sagen, um nicht zu spoilern, aber sie hat mich auf jeden Fall mitgenommen. Es gibt in dem Film so einige Szenen, die mir einfach im Gedächtnis bleiben werden, weil sie auch emotional stark aufgeladen waren. Dazu ein toller Soundtrack - hat richtig Spaß gemacht und passenderweise habe ich den Film im OpenAir-Kino gesehen. ;) Aber: Der Film ist mit Sicherheit nichts für einen entspannten Kinoabend.

White:

Ich boykottiere Superheldensachen schon seit einigen Jahren. Das ist einfach zu viel und irgendwie oft das gleiche. Ausnahme: Die Arrowserie hab ich die erste Staffel mit Freude geschaut, ebenso Batman Begins und seine Nachfolgefilme. Wobei ich den dritten eher schlecht fand.

Cassius:

Super Empfehlung: Forever Pure. Eine Dokumentation, die aber viele Elemente eines Spielfilms enthält über ein sehr turbulentes Jahr bei Beitar Jerusalem, einem der grössten Fussballclubs in Israel.

Dieser Verein hatte bis 2012 noch nie einen muslimischen Spieler. Als der damalige Präsident aus wirtschaftlichen Gründen zwei muslimische Tschetschenen verpflichtet (im zarten Alter von 19 und 23) gehen die sehr radikalen Fans auf die Barrikaden. Sie protestieren täglich beim Training, beschimpfen die beiden neuen, aber auch ihre ehemaligen Helden wie den Kapitän, der die beiden Spieler lediglich öffentlich willkommen geheissen hat. Der Konflikt im Verein spitzt sich zu, es kommt zu tätlichen Angriffen, Brandstiftung und einem Boykott der Fans und das Team, das lange auf Europa League Kurs war, gerät in akute Abstiegsgefahr. Es wird immer klarer, dass die wahre Macht in diesem Verein einzig bei den Fans liegt, bzw. dem harten Kern, der sich "La Familia" nennt und viele Bereiche des täglichen Lebens durchzieht.

(click to show/hide)Schlussendlich können sie sich retten, aber die Resultate belegen eindrücklich, wer den Kampf gewonnen hat. Die beiden Muslime verschwinden gleich nach der Saison (direkt vom Spiel an den Flughafen und weg), der in Ungnade gefallene Kapitän wechselt, der ebenso verhasste Sportchef (der diese Transfers nicht verhindert hat) wird entlassen, der Präsident verkauft den Verein, wobei der eh nicht viel anderes wollte. Einer der jungen home-grown Spieler, der sich für die Fans ausgesprochen hat und kurz vom Verein suspendiert wurde, wird neuer Kapitän. Die neue Vereinsführung lässt indes sofort verlauten, dass sie keine Intention haben, muslimische Spieler zu verpflichten.

Schlussendlich kam heraus, dass der Präsident dies auch eingefädelt hat um der Welt und den Leuten zu zeigen, was hinter diesem Verein steckt. Er hat den Verein gekauft um sich Wählerstimmen für seinen Wahlkampf als Bürgermeister von Jerusalem zu sichern (offenbar kann man in Jerusalem nur Bürgermeister werden, wenn man als Fan von Beitar gilt) und dazu über 100 Mio Euro investiert. Gewählt wurde er dennoch nicht (möglicherweise, weil er Ausländer ist) und so kann man die Aktion auch als eine Art "Rache" sehen.

Jedenfalls ist der Film enorm eindrücklich und zeigt, wie sehr die Grenzen des Sports gesprengt werden können. Gerade auch das Schicksal der betroffenen Spieler ist heftig. Absolut sehenswerter Film.

Starkstrom_Energie:


--- Zitat von: Cassius am 28.September 2016, 11:00:56 ---Super Empfehlung: Forever Pure. Eine Dokumentation, die aber viele Elemente eines Spielfilms enthält über ein sehr turbulentes Jahr bei Beitar Jerusalem, einem der grössten Fussballclubs in Israel.

Dieser Verein hatte bis 2012 noch nie einen muslimischen Spieler. Als der damalige Präsident aus wirtschaftlichen Gründen zwei muslimische Tschetschenen verpflichtet (im zarten Alter von 19 und 23) gehen die sehr radikalen Fans auf die Barrikaden. Sie protestieren täglich beim Training, beschimpfen die beiden neuen, aber auch ihre ehemaligen Helden wie den Kapitän, der die beiden Spieler lediglich öffentlich willkommen geheissen hat. Der Konflikt im Verein spitzt sich zu, es kommt zu tätlichen Angriffen, Brandstiftung und einem Boykott der Fans und das Team, das lange auf Europa League Kurs war, gerät in akute Abstiegsgefahr. Es wird immer klarer, dass die wahre Macht in diesem Verein einzig bei den Fans liegt, bzw. dem harten Kern, der sich "La Familia" nennt und viele Bereiche des täglichen Lebens durchzieht.

(click to show/hide)Schlussendlich können sie sich retten, aber die Resultate belegen eindrücklich, wer den Kampf gewonnen hat. Die beiden Muslime verschwinden gleich nach der Saison (direkt vom Spiel an den Flughafen und weg), der in Ungnade gefallene Kapitän wechselt, der ebenso verhasste Sportchef (der diese Transfers nicht verhindert hat) wird entlassen, der Präsident verkauft den Verein, wobei der eh nicht viel anderes wollte. Einer der jungen home-grown Spieler, der sich für die Fans ausgesprochen hat und kurz vom Verein suspendiert wurde, wird neuer Kapitän. Die neue Vereinsführung lässt indes sofort verlauten, dass sie keine Intention haben, muslimische Spieler zu verpflichten.

Schlussendlich kam heraus, dass der Präsident dies auch eingefädelt hat um der Welt und den Leuten zu zeigen, was hinter diesem Verein steckt. Er hat den Verein gekauft um sich Wählerstimmen für seinen Wahlkampf als Bürgermeister von Jerusalem zu sichern (offenbar kann man in Jerusalem nur Bürgermeister werden, wenn man als Fan von Beitar gilt) und dazu über 100 Mio Euro investiert. Gewählt wurde er dennoch nicht (möglicherweise, weil er Ausländer ist) und so kann man die Aktion auch als eine Art "Rache" sehen.

Jedenfalls ist der Film enorm eindrücklich und zeigt, wie sehr die Grenzen des Sports gesprengt werden können. Gerade auch das Schicksal der betroffenen Spieler ist heftig. Absolut sehenswerter Film.
--- Ende Zitat ---

Ganz ehrlich: Der Film klingt wirklich sehenswert. Jedoch finde ich, dass du ein bisschen zu viel verraten hast und es sich jetzt für mich nicht mehr lohnen würde für ein paar unbekannte Emotionen den Film im Kino zu sehen.

EDIT: Spoiler eingefügt.

Cassius:

Da hast du recht, sorry. Habe jetzt einen Teil im Spoiler verpackt. Es ist aber schon mehr ein Dokumentar-Film, von daher ist schon der Inhalt und alle Interviews und starken Bilder wesentlich, weniger der Ausgang.

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