Stories und Onlinespiel > Stories, Lets Plays und Challenges
Zwei Fäuste gegen Remscheid
Cooke:
Ich wär ja dafür, dass du ein Buch schreibst! ;D In Bezug auf Humor und Schreibstil sicherlich die beste Story im Forum hier ;)
Henningway:
@Cooke: wow, tolles Lob! Vielen Dank!!! :-*
August 2015
Wir starten den Monat mit dem ersten Pokalspiel seit Ewigkeiten für den FCR, dem Spiel gegen den KSC im Wildparkstadion.
Karlsruher SC (2.BL) – FC Remscheid (2.BL)
Küçük – Zimmermann, Corstjens, Zeitz, Lazckó – Lamertz – Rubén Pérez, Simão – Rausch, John – Leandro
1:0 Daniel Beichler (45.+1)
1:1 Kingsley Eze (60.)
2:1 Timo Staffeldt (103.)
2:2 Phillip Schuster (111.)
GRK Stefan Müller (KSC, 115.)
Beim anschließenden Elfmeterschießen hält Küçük den ersten und vierten Elfer, wir verwandeln die ersten drei allesamt. Ola John kann den Sack dann zumachen, verschießt aber. Stephan Salger trifft, so dass immer noch Phillipp Schuster das Spiel für uns entscheiden kann, aber auch er versagt. Dann der sechste Schütze für den KSC, Steffen Haas. Er trifft. Zsolt Lazckó für uns dann natürlich nicht und so endet ein Spiel, das leicht zu unseren Vorteilen verlief, für uns enttäuschend.
KSC – FCR 6:5 n.E. (1:0/1:1/2:2)
Nach dem Spiel säuselt mir Physio Sabban ins Ohr: Leandro fällt für fünf Wochen aus.
Herzog sitzt mit Opdam und mir in kleiner Runde nach dem Spiel gegen den KSC zusammen.
„Wie wir feststellen mussten“, beginnt er getragen und rückt dabei etwas in dem eigentlich zu engen Stuhl zurecht, „ist unser Fußballverein bei seinem Pokaldebüt, und bitte verzeihen Sie mir die harten Worte: ausgeschieden!“
Damit endet er.
Opdam und ich schauen und kurz an. Scheinbar warten wir beide auf eine Fortsetzung. Die nicht kommt.
„Richtig.“
„Zutreffend.“
Das sind unsere Kommentare.
Herzog nickt kaum merklich und erinnert dabei einmal mehr an einen Wackeldackel. Dann holt er Luft.
„Das gefällt mir nicht.“
Wieder Pause. Wieder gucken Opdam und ich uns an. Ich zucke mit den Schultern und ziehe die Mundwinkel herunter.
„Hm. Mir auch nicht. Dir, Barry?“
„Nee.“
„Also auch nicht.“
Herzog schaut mit halbleerem Blick zwischen uns beiden durch auf einen Punkt eineinhalb Meter hinter uns auf dem Boden. Dann nickt er wieder unmerklich.
„Runde Zwei wäre schon schön gewesen.“
Stille.
„Ja.“, „Zweifellos.“, entfährt es Opdam und mir aus einem Mund.
„Ja, das wäre es gewesen.“, murmelt Herzog. Noch immer blickt er diesen Punkt auf dem Teppichboden hinter uns an. Ich blicke wieder zu Opdam. Der schüttelt nur leicht mit dem Kopf. Ich blicke wieder in Herzogs Richtung. Sollte der dicke Präsident etwa endgültig den Verstand verloren haben?!
Plötzlich ruckt sein Kopf hoch. Er starrt Opdam an, dann zuckt sein Schädel zu mir. Die Augen sind geweitet. Ohne sich zu bewegen, ohne die Hände vom Tisch zu nehmen oder den Rücken zu straffen, sagt er laut:
„Aber, meine Herren: gegen Karlsruhe kann man verlieren. Ich verstehe das Ausscheiden. Ich habe keine Probleme damit. Das soll uns nicht hindern. Ausscheiden, das geht klar. Erste Runde? Kein Problem. Es war der KSC. Das ist völlig, und ich betone: völlig! – in Ordnung!“
Dann sinkt sein Kopf wieder Richtung Tisch, seine Augen werden kleiner und fixieren schließlich erneut den Punkt hinter unseren Rückenlehnen.
Es vergehen Sekunden, schließlich eine, dann zwei Minuten.
Wieder blicke ich zu Opdam, und wieder zuckt der nur die Schultern und schüttelt leicht den Kopf. Ich beschließe, dass der Präsident alles gesagt hat, was er sagen wollte. Ich schiebe quietschend meinen Stuhl zurück, erhebe mich und gehe. Opdam macht es mir nach. Im Rausgehen blicke ich kurz zurück.
Herzog hat sich nicht bewegt.
"Meinst Du, wir sollten 112 rufen?", fragt Opdam mich mit skeptischem Blick auf dem Flur. Er schaut noch einmal durch die offene Tür in Herzogs Büro, bevor wir schließlich um die Ecke gehen.
Ich schreite hingegen zügig voran. In meinem Kopf ist die Niederlage an sich natürlich abgehakt, auch wenn der KSC dafür bluten wird müssen, irgendwann. Dass aber Herzogs Verstand dadurch ein Abschiedsgesuch eingereicht zu haben scheint: unbezahlbar!
Meine Laune könnte also nicht besser sein.
"Nein, Barry. Wir schicken gleich unsere Physionistin Sabban hin, die soll ihn wieder aufblasen."
In der Zwischenzeit hat Opdam mich eingeholt und hält nun Schritt.
"Diese Interviewsache, Herr Way. Wie reagieren sie darauf?"
Es dauert einige Sekunden, bis ich antworte, wohl weil ich die Antwort selbst noch nicht so genau kenne.
"Weiß nicht, barry. Mich interessiert, ob das nur ein Bluff ist. Gibt es diese Bewegung tatsächlich? Gesehen habe ich diese Zeichen noch nie. Die Fans lieben mich."
"Ja, vermutlich. Aber wir müssen wachsam sein."
"Bin ich, Barry, bin ich."
Ich will, dass die folgenden Tage und Wochen ereignislos verlaufen. Mit dem klaren Plan, uns in der Spitzengruppe festzusetzen, nehme ich auf der Trainerbank platz.
3. Spieltag
FC Remscheid (1.) - FSV Mainz 05 (8.)
Küçük – Zimmermann, Corstjens, Zeitz, Lazckó – Lamertz, Rubén Pérez – Rausch, Simão, Schuster – Eze
0:1 Malbasic (32.)
0:2 Küçük (ET, 63.)
1:2 Rubén Pérez (68.)
Nach dem Abpfif sitzen Opdam und ich auf der Trainerbank. FSV-Trainer Boysen kommt vorbei und will den Handshake, doch ich verscheuche ihn mit fuchtelnden Armen. Die DFB-Pokal-Pleite hatte ich gar nicht weiter beachtet, da ich annahm, wir würden Mainz locker putzen. Hätten wir auch gekonnt, denn wir hatten ein 4:3-CCC-Übergewicht sowie ein deutliches Übergewicht an anderen Chancen. Aber näää - es hat nicht gereicht.
Opdam und ich verlassen schließlich doch die trainerbank. Wie ich mich umdrehe und nach oben auf den Rang blicke, erspähe ich Herzog, wie er genüßlich in sich hinein lächelt. Und ja - unter dem Hemd lugt der rote Kreis der angeblichen No-Way-Bewegung hervor.
FCR - Mainz 1:2 (0:1)
Henningway:
4. Spieltag
FC Ingolstadt 04 (15.) – FC Remscheid (5.)
Küçük – Zimmermann, Bosnjak, Zeitz, Lazckó – Lamertz, Rubén Pérez – Rausch, Schuster – Endogan, Leandro
Im 4-2-4 laufen meine kleinen Soldaten diesmal auf, um diese eigenartigen Ingolstädter zu schlagen. „In gol“, wie Leandro scherzend bemerkt. Jedenfalls läuft es großartig: bis zur Halbzeit haben die Südländer uns an die Wand gespielt und ein Chancenplus von 5:0 herausgeholt. Rubén Pérez hat sich außerdem schon in der 40. Eine glattrote Karte abgeholt wegen einer Grätsche von schräg hinten. Zweifelhafte Entscheidung, wie ich finde und dem vierten Offiziellen sanft mitteile. Dabei kommt mein Jürgen-Klopp-Gesicht zum Einsatz, das ich schon so lange übe und bisher nur in der Ansprache vor dem Spiel und an der Supermarktkasse zeigen konnte. Genutzt hat es insofern, als dass am Ende Ingolstadt 14:1 Torchancen hatte und wir das Spiel 0:2 gewannen – durch ein Eigentor von Buchner und einem Treffer von Ola John in der 89. Minute. Dreckig – aber schön!
5.Spieltag
FC Remscheid (3.) – MSV Duisburg (7.)
Küçük – Zimmermann, Bosnjak, Zeitz, Lazckó – Paçiacogullari – Cigerci, Wagner – Rausch, Mrkonjic – Eze
„Alles neu hier. Sonen Mist will ich nich wieder sehen wie gegen Ingolstadt!“
So beginnt meine Ansprache vor dem Spiel.
„Ich sach Euch: wenn ihr dat hier vageigt, Ihr Penner, dann is mal so richtich Schwung auffe Hütte! Freizeit? Könnta knicken. Dann wird treeniat wie wenna auffn Maunt Evarest müsst.“
Stille. Opdam öffnet sich geräuschvoll eine Dose Cola. Die Jugendspieler zucken zusammen.
„Also, aufgepasst, Mannschaftsaufstellung: Kütschück macht den Torwart, meinse, Du kriegs da hin?“
Der Angesprochene will antworten, aber ich strecke ihm den Zeigefinger unter die Nase. Er schweigt.
„Gut, wusste ich doch. Dann die Kette, die vielleicht auch mal dat tut, wat se sonst getan hat. Dat sin Zimmamän, Zeitz, der lustige Bosnjak und Latschko. Defensives Mittelfeld: da is der Volker wech, der Ruben ist gesperrt und der Rest is unfähig. Deshalb spielt Pac… Patç… Paç… ach, wat soll dat?! Du da, dahinten. Du machs dat. Wie heisste?“
„Paçaciogullari“, flüstert eine leise Stimme, leicht wimmernd. Ein Person sehe ich kaum.
„Zu unvaständlich, ab heute heißt Du Patsche oder Gulli, suchet Dia aus. Un sons? Wat fehlt? Ach, ja, waatet: dä Tolga dann und dann dä Wagner un…“
„Ehrlich?“, raunt eine mehr als erstaunte Stimme in den Raum. Ich hasse Unterbrechungen und in meiner jetzigen Stimmung hasse ich damit automatisch auch den Unterbrecher. Der treue Hundeblick des Jugendspielers Jamel Wagner zieht mir aber sofort den Zahn.
„Ich? Ich soll spielen, Herr Trainer?“ fragt er und scheint vor Freude zu platzen.
„Mein Junge, Du solls doch dä näxte Ballack sein, sacht man. Dann mal los! Kanns Dich prima in so nem Spiel vastecken und dann vielleicht n Freistoß inne Maschen zimman.“
Ich räuspere mich kurz.
„Un weita: Wagner, ja. Dann Rausch auf rechts, mach wat drauß. Auf links dann Mar… Mrrr… Marko… ja kann dat den WAHR SEIN?“ Ich wirble zu Opdam herum.
„Bärri! Dat näxte Mal, wenn ich Spiela kaufe, sorg dafür, dat man die auch ohne drei Promille im Balg aussprechen kann. Mannmannmann… also, Mrrrkonjietsch oder wie auch immer: auf links. Und vonne drin der schwatte da, dä Iiiieezz. Richtich so, Iieezz?“
Kingley Eze nickt mit ernster Miene.
„Gut, ham wa noch wat? Nä? Dann los.“
Das Team hat meine „Botschaft“ offenbar verstanden. Nach 17:1 Chancen siegen wir locker und verdient 3:1. Dabei hat der neueste Neuzugang Mrkonjic besonders herausgestochen. Was mich freut, da ich Ola John nicht mag.
1:0 Rausch (32.)
2:0 Eze (36.)
2:1 Exslager (53)
3:1 Wagner (66.)
6.Spieltag
Borussia Mönchengladbach (11.) – FC Remscheid (1.)
Küçük – Zimmermann, Bosnjak, Zeitz, Lazckó – Paçiacogullari – Cigerci, Felipe Anderson – Ricardo, Mrkonjic – Leandro
Mein Plan: Unberechenbarkeit! Deshalb lasse ich rotieren. Ich spekuliere darauf, dass meine Spieler jeden Gegner schlagen können. Sollte es funktionieren, werde ich es geschickterweise so aussehen lassen, als könne ich aufstellen, wen ich will: ich werde immer siegen. Jetzt bringe ich meine neueste 17,75 Millionen-Errungenschaft Felipe Anderson, der von Spartak Moskau kommt, und, viel perfider noch, Ricardo ins Team. Letzterer spielt sogar auf einer völlig fremden Position, ist für den rechten Flügel aber wie gemacht. Der Absteiger aus Gladbach konnte zwar einige Spieler halten, unter anderem ter Stegen, dümpelt aber nur vor sich hin. Auch gegen uns reißen sie nichts:
0:1 Leandro (FE, 34.)
0:2 Leandro (49.)
Pluheit:
die teamansprache ist soooo göttlich! :laugh:
wirklich geil(st)e story, bitte weitermachen!
Volzy:
Respekt. Ehrliche Story, die fast jedem gefallen sollte. (Langweilige Schmarotzer wie der Herzog oder Ola John gefällt sie wohl nicht...)