1.Januar – Prosit Neujahr!
Morgens komme ich ins Büro und sehe Herzog, wie er, auf einem Bürostuhl stehend und wild gestikulierend, in einer Ansammlung trainingsbanzugter Personen steht. Alle reden wild durcheinander und Herzog ist mit den Nerven sichtlich am Ende. Ich stelle mich erstmal zehn Minuten hin und schaue mir schmunzelnd das Schauspiel an.
„Was? Nein, wir haben nicht… wie bitte? Nein, halt! Sie da – Sie können da nicht rein. Und Sie? Wer sind Sie? Ich?“
Ich trete schließlich langsam hinzu, hebe gediegen die Hand und alles verstummt.
„Meine Freunde. Freunde! Was ist hier los?“
Herzog klettert verschwitzt vom Stuhl und schiebt zwei Leute beiseite.
„WAY! WAS ZUR HÖLLE…!!??“
Ich sehe ihm lächelnd ins Gesicht. Dann umarme ich ihn und küsse ihn auf beide Wangen. Ich drehe ihn zur Menge, hebe seinen Arm und rufe:
„Unser Präsident Herzog, ich möchte um einen kräftigen Applaus bitten!! Ja, Applaus!!“
Alles applaudiert und jubelt. Herzog ist scheinbar verwirrt. Er reißt sich los, scheint die Aufmerksamkeit aber dennoch zu genießen.
„Way! ... danke… vielen Dank… Way!! Ich… danke vielmals, das ist doch nicht nötig…“
„Ihr Applaus, Mister.“
„Ja… danke, danke auch. Way – es reicht jetzt aber wirklich.“ Sein Ton ist milde.
„Way, sagen Sie: wer sind all’ diese Leute?“
Ich lege ihm einen Arm um die Schultern.
„Herzog, sehen Sie, Sie wissen, was wir hier tun. Wir sind…?“
„… ein Fußballverein.“
„Richtig. Ein Fußballverein. Und als solcher ist es unsere Pflicht, was zu tun?“
„Zu gewinnen?“
„Ja. Und Sie kennen meine Philosophie: kein Schwanz kann je lang und breit genug sein.“
„Das ist ihre Philosophie?“
„Das ist meine Philosophie.“
„Und was hat das jetzt mit diesen vielen Menschen hier zu tun?“
Ich klopfe ihm leicht auf die Brust. „Mein Freund, das sind unsere Neuzugänge!“
„Waaas?“ Herzogs Stimme überschlägt sich. „Zwölf Mann?“
„Klar. Na, und?“
Herzog schüttelt sich und blickt in die Runde der erwartungsfrohen Spieler.
„Da wird unser Team aber nicht glücklich sein“, sagt er nachdenklich. „Neulich erst war dieser Francisco bei mir und hat sich beklagt, Way. Dabei ist er nur das Maskottchen!“
Ich lache. „Ja, eine witzige Geschichte.“
Ich wende mich wieder den wartenden Neuzugängen zu und hebe beide Arme.
„Meine werten Transfercoups und die anderen, ich heiße Sie herzlich bei uns willkommen. Sie kennen mich, ich bin der mit den Kohl’n. Außerdem bin ich Manager. Und Trainer. Ich entscheide, ob Sie spielen und wenn überhaupt, wo. Und wie lange. Und bis wann. Merken Sie sich einfach: ich bin der, dessen Arsch auf Ihre Lippen wartet. Und Sie sollten gut küssen können!“ Ich lasse die Worte kurz im Raum hängen. Dann zeige ich auf Herzog.
„Meine Assistentin hier wird Ihnen nun das Vereinsgelände zeigen. Für Fragen und dergleichen wenden Sie sich bitte an mich. Viel Spaß.“
Ich zwinkere dem scheel dreinblickenden Herzog zu, drehe mich um und schlendere pfeifend davon. Das Leben ist schön.