Zugegeben, ich persönlich sieze normalerweise auch jeden. Ich gehöre jedoch zu den Leuten, die grundsätzlich relativ schnell das Du anbieten. Es war für mich an der Uni sehr merkwürdig, von Mitstudenten gesiezt zu werden. Eventuell war es für die auch befremdlich, dass sie mich als Tutoren duzen sollten, nur habe ich denen eben erklärt, dass ich genauso Student bin (nun war) wie sie auch.
Das mit der Begegnung auf offener Straße ist eher eine Sache der Einschätzung des Gegenübers. Mit Anfang 20 halte ich es durchaus normal, Gleichaltrige nicht unbedingt zu siezen, sondern sie wie Gleichaltrige anzureden (also statt "Wie geht es Ihnen?" ein lockeres "Wie geht's?")
Das Sie baut dabei eine enorme Distanz auf, die auf mich immer etwas befremdlich wirkte - gerade im Umgang mit Gleichaltrigen. Idealerweise vermeidet man in der Sprache den Gebrauch von Du und Sie und formuliert sein Anliegen möglichst unpersönlich und doch freundlich. Je nach Reaktion des Gegenübers kann man dann im gemütlichen Plauderton oder im höflich-distanzierten Ton weitermachen.
Beispiel:
Högschd höflich: Bitte verzeihen Sie die Störung, aber könnten Sie mir sagen, wo sich die Straße X befindet?
Persönlich: Sorry, wo finde ich denn die Straße X?
Mittelweg (man beachte die von mir präferierten Ich-Botschaften): Ich suche Straße X. Wie komme ich dort am besten hin?