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Autor Thema: Allgemeine Nachrichten  (Gelesen 1914447 mal)

KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12360 am: 08.August 2021, 22:44:18 »

Wo wir dabei sind: Außer (wahrscheinlich) AFD und Linke sprechen sich alle für eine ergänzende Rente aus, die über den Kapitalmarkt gedeckt wird. Angesichts der derzeitigen Lage ist das einfach auch nur mehr als vernünftig. Es geht ja nicht mal um die komplette Rente, sondern nur einen kleinen Teil -- ein Kleinsparer, der fürs Alter vorsorgt, wird auch kaum sein komplettes Geld in den Aktienmarkt bzw. ETF stecken. Aber irgendwo muss Rendite ja schließlich herkommen. Und da sind Ideologien vom Bösen Kapitalmarkt einfach keine guten Ratgeber.



https://www.finanzfluss.de/blog/bundestagswahl-was-bieten-parteien-den-anlegern/

(Das Schlimme ist: Linke-Politiker, gerade breit gebildete wie Sarah Wagenknecht, wissen sicherlich, dass ETFs zuallermindest als ergänzende Anlage selbst für Kleinsparer eigentlich gar keine ganz so böse Sache sind, bei denen man monatlich schon mit kleinsten Beträgen dabei ist und eine realistische Chance auf langfristige Vermögensbildung hat. Aber sie könnten und würden das nie sagen, weil es nicht ins Weltbild ihrer Partei und Teile ihrer Klientel passt, die lieber hören will, dass jemand was gegen all das fiese Kapital unternimmt). Im Interview hier weicht sie entsprechend auch ziemlich aus, als es auf ETFs kommt (oder quatscht Provisions-Unfug -- ETFs sind sehr kostengünstig, provisionsfrei und werden deshalb von vielen Bankberatern gar nicht ins Gespräch gebracht).

https://youtu.be/S0L7KjRWZes?t=419
« Letzte Änderung: 08.August 2021, 22:56:51 von KI-Guardiola »
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12361 am: 09.August 2021, 14:04:19 »

Ich komme mal wieder mit dem Klimawandel ums Eck. Da gab es jetzt zwei Veröffentlichungen, die Wellen geschlagen haben:

Letzte Woche ging eine Studie durch die Medien (meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet), die zu dem Schluss kam, dass sich die Anzeichen für einen Kollaps der Atlantischen Umweltströmung - zu der der Golfstrom zählt - verdichten. Das diese Strömung schwächer wird, ist nichts Neues, unklar war aber bislang, ob es sich um eine normale Schwankung des Zirkulationszustands (es gibt zwei Zustände) handelt, oder um einen Verlust der dynamischen Stabilität, dass also der Wechsel zu einem anderen Zustand bevorsteht. Letzteres hätte dramatische Folgen, nicht nur für das Ökosystem Atlantischer Ozean, sondern auch für das Klima, insbesondere in Europa: Kältere Winter, mehr Schnee bzw. Niederschlag, aber auch mehr Hitzewellen und Dürreperioden. Wer etwas mehr über die Hintergründe der Studie bzw. Untersuchungsmethoden wissen will, kann gerne mal in diesen Twitter-Thread reinschauen.

Außerdem präsentiert heute der Weltklimarat (IPCC) seinen neuesten Bericht. Eine Bestandsaufnahme der Forschung zum Klimawandel, eine - man kann es nicht anders sagen - erschreckende Faktensammlung, erstmals auch mit einem Kapitel zum Zusammenhang zwischen Extremwettereignissen und dem Klimawandel. Erschreckendster Punkt für mich: 1,5 °C Erderwärmung könnten bereits 2030 und damit 10 Jahre früher als bislang prognostiziert, erreicht werden. Wenn man dann bedenkt, dass die Emissionen von heute erst in 10 Jahren ihre Wirkung entfalten, erkennt man die Dringlichkeit für entschlossenes und schnelles Handeln. Im Klimaschutz darf niemand mehr die Verantwortung von sich weisen, wenn ihr mich fragt. Für diese Spielchen haben wir keine Zeit mehr. Was man beim IPCC-Bericht auch immer bedenken muss: Das ist sozusagen der wissenschaftliche Minimalkonsens, d.h. das, worauf sich eine große Zahl an Fachleuten als derzeitigen Wissensstand einigen kann.

Aber klar, es ist wichtiger darüber zu streiten, ob es ein Klimaministerium geben sollte und ob dieses ein Vetorecht am Kabinettstisch besitzen sollte (nicht im Parlament, looking at you Lügenbaron Merz)... ::)
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Henningway

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12362 am: 09.August 2021, 14:10:39 »

Der Klimawandel ist ein globales Problem und hier sind Brasilien, die USA, Russland und Indien die großen Erdkiller. Die werden niemals mitziehen, weil es einfach komplett gegen deren Interessen geht. China nehme ich da ein wenig raus, weil die sehr stark in Solartechnologien investieren, aber aktuell sind sie auch zu den Sündernationen zu zählen.

Ein Umdenken wird erst dann aktuell, wenn es global wirklich um Alles geht: wenn es Fluten, Brände, Stürme in einem Ausmaß gibt, die ganze Nationen weltweit bedrohen. Die Waldbrände im Mittelmeerraum sind da ein Anfang.
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merlinium

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12363 am: 09.August 2021, 14:22:08 »

Indien und China sind in Sachen erneuerbare Energien weiter entwickelt als Nationen wie USA, Japan und Frankreich. Liegt aber vorallem daran dass diese sehr auf Atomkraft setzen.

Brasilien gehört zu den weltweit führenden Nationen in erneuerbare Energien!
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12364 am: 09.August 2021, 14:36:52 »

Die Aufteilung in "wir" (gerne ergänzt um "mit unserem mickrigen 2% Anteil") und "die" bzw. die Aussage, Klimaschutz könne ohne die großen Emittenten nicht funktionieren ist leider ein sehr erfolgreicher Strohmann aus gewissen Kreisen, um wirksamen Klimaschutz zu verhindern. Natürlich brächte es wenig, wenn nur Deutschland Klimaschutz betriebe. Das kann aber kein Argument sein, nichts zu tun. Es gibt bereits ein internationales Abkommen, zu dem sich nahezu alle Staaten der Erde bekannt haben. Was will man noch mehr, worauf warten? Wozu es führt, wenn man sich immer wieder auf internationale Bemühungen zurückzieht und mit dem Finger auf diejenigen zeigt, die noch schlimmer sind, sehen wir ja: es führt zu nichts. Alle ruhen sich darauf aus, dass eine andere Nation den ersten Schritt macht, es gibt schließlich immer jemanden, der noch schlimmer ist. Schauen wir uns bspw. die historische Verantwortung - also die über die Zeit seit der Industrialisierung ausgestoßenen Emissionen - an, belegt Deutschland einen Spitzenplatz. Was sagt uns das jetzt? Diese Argumentation, die den Blick und damit auch die Verantwortung auf andere lenkt, funktioniert meines Erachtens nicht nur nicht, sie ist auch fahrlässig.

Und wenn es "global wirklich um Alles" geht, dann ist es zu spät. Die Forschung warnt seit Jahren, Jahrzehnten vor zunehmenden Extremwetterereignissen, vor Starkregen, Dürren, einer Austrocknung des Mittelmeerraums, verheerenden Waldbränden usw. Jetzt passiert es zum ersten Mal gehäuft und aus der Klimaforschung ist absolut niemand überrascht - nur davon, dass der Klimawandel schneller voranschreitet, als in den Prognosen. Also was soll eigentlich noch passieren? Ich glaube auch tatsächlich, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, was 1,5°C mehr eigentlich konkret bedeuten. Was +2°C bedeuten. Das sind dann keine Wohlfühlwelten mehr, aber es wäre ein Zustand, an den sich die menschliche Zivilisation anpassen könnte und der noch lebenswert wäre. Robert Habeck hat das unlängst bei Maischberger in erfrischender Ehrlichkeit auf den Punkt gebracht, die ich so noch nie in der (deutschen) Spitzenpolitik vernommen habe: Das, was wir jetzt erleben, ist nicht die beste aller Welten. Es wird erstmal noch krasser, ganz egal was wir tun.

Aus meiner Sicht hilft da nur eins: Druck auf die Politik machen.
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fifagarefrekes

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12365 am: 09.August 2021, 17:01:30 »

Waldbrände ala Griechenland/Türkei haben wenig mit dem Klimawandel zu tun. Also ob 45 Grad plus Brände verursachen... Klar durchaus begünstigt, aber auch absolut keine zwangsläufige Folge. Das ist dann doch eher (vielleicht auch evtl. ungewollte) Brandstiftung.
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12366 am: 09.August 2021, 17:12:56 »

Niemand hat hier behauptet, dass diese Temperaturen (alleine) Waldbrände verursachen. Aber Hitze und v.a. Trockenheit sind ein Faktor, dass diese Brände sich so schnell ausbreiten können. Siehe z.B. hier oder hier. Das nicht mit dem Klimawandel zu verknüpfen, dafür braucht es schon viel Fantasie. Klar: ein Extremereignis selbst lässt sich schwer direkt auf den Klimawandel zurückführen, aber klar ist, dass dieser die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse erhöht.
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Rejs

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12367 am: 09.August 2021, 17:13:24 »

Waldbrände ala Griechenland/Türkei haben wenig mit dem Klimawandel zu tun. Also ob 45 Grad plus Brände verursachen... Klar durchaus begünstigt, aber auch absolut keine zwangsläufige Folge. Das ist dann doch eher (vielleicht auch evtl. ungewollte) Brandstiftung.


Natürlich ist der Mensch für die Brände direkt verantwortlich. Egal ob die glühende Zigarettenkippe, das außer Kontrolle geratene Lagerfeuer oder die weggeworfene Scherbe, die das Licht bündelt. Alles sorgt für Brände. Aber: Wenn man sich Niederschlagsmengen auch hier in Deutschland ansieht, dann sieht man, dass gerade die sehr heißen Sommermonate sehr trocken sind. 30 Grad + sind per se kein Problem, fehlender Niederschlag schon eher. Diese extremen und lange anhaltenden Dürrephasen sind wiederum direkt auf den Klimawandel zurückzuführen und begünstigen dann diese großflächigen Brände, die auch ohne menschliches Zutun entstehen können.


Brände an sich sind auch natürlich. Brände sind auch wichtig für die Ökosysteme, da dadurch in Form von Asche und Kohle Nährstoffe an die Böden zurückgegeben werden kann und sich die Vegetation erneuert. Allerdings sind zunehmend auch Siedlungen/Städte betroffen und lokal in so kurzen Zeitfenstern, dass sich die Vegetation gar nicht erholen kann.
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fifagarefrekes

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12368 am: 09.August 2021, 17:26:03 »

Das nicht mit dem Klimawandel zu verknüpfen, dafür braucht es schon viel Fantasie.

Verstehe dich durchaus, lebe ja längst danach, aber so zwangsläufig verknüpfend ist das eben meiner Meinung nach nicht.

Waldbrände ala Griechenland/Türkei haben wenig mit dem Klimawandel zu tun. Also ob 45 Grad plus Brände verursachen... Klar durchaus begünstigt, aber auch absolut keine zwangsläufige Folge. Das ist dann doch eher (vielleicht auch evtl. ungewollte) Brandstiftung.

Brände an sich sind auch natürlich. Brände sind auch wichtig für die Ökosysteme, da dadurch in Form von Asche und Kohle Nährstoffe an die Böden zurückgegeben werden kann...

Und schädliche Nanopartikel in die Umwelt.... Holzöfen für alle!
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12369 am: 09.August 2021, 17:37:33 »

Das nicht mit dem Klimawandel zu verknüpfen, dafür braucht es schon viel Fantasie.

Verstehe dich durchaus, lebe ja längst danach, aber so zwangsläufig verknüpfend ist das eben meiner Meinung nach nicht.

Naja, im Grunde schon, wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt. Das Problem ist (und damit meine ich nicht dich), dass das Wissen über den Klimawandel in der breiten Bevölkerung nur rudimentär ist. Die davon ausgehende Bedrohung dürfte vielen allenfalls am Rande bewusst sein und es findet auch viel Verdrängung statt. Meine Einschätzung. Dazu kommt, dass die Medien in der Aufklärung keinen guten Job machen, man mitunter das Gefühl hat, die Journalist*innen bräuchten selbst einen "Grundkurs Klimawandel". Und ja, ich vermute, dann ist das sicher nicht zwangsläufig verknüpfend, wie du schreibst.
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12370 am: 09.August 2021, 17:48:38 »

Das Hauptproblem ist halt, dass die Leute nicht zwischen Wetter und Klima unterscheiden können oder wollen.
Bestes Beispiel dafür ist die AfD, die jedesmal, wenn Schnee im Winter fällt oder es -20 Grad hat, provokant nachfragt, wo denn die Erderwärmung wäre. Dass aber eigentlich viel öfter Schnee fallen sollte, das interessiert die nicht.
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karenin

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12371 am: 09.August 2021, 21:29:00 »

Naja die Medien "dürfen" ja auch nicht. Erst kürzlich hat der ZDF Intendant den Vorstoß von "Klima vor 8" als Politisch motiviert bezeichnet, was sein Sender ja nicht sein darf (und aber Börser vor Acht bringt :D. Mal ganz davon ab, was da so an (alt-) Politiker mit drin sitzt im Vorstand etc...).
Und klar, sowieso alles das irgendwas mit Wetter/Klima zu tun hat (inzwischen werden ja sogar die Wetterfrösche auf Twitter von den äh üblichen Verdächtigen dafür angegangen), ist ja sowieso Wahlwerbung für die Grünen.. Kam so schon von FDP, AFD, CDU und so zwischen den Zeilen auch von der SPD :laugh:

Merken die das gar nicht? Oder fahren die alle nach dem "Aus irgendeinem Grund ist die Umwelt grad ein Thema" Laschet Maßstab? (Mal davon ab sind mir die Grünen auch noch in vielen Bereichen bei dem Thema eine umsetzbare/konkrete Strategie schuldig. Ist das einfach nur "Wahlkampf für Grüne" weil.... Die sich grün nennen??)

Dazu hat der Arnie übrigens einen stabilen Rat:

(click to show/hide)

Edit: Und zum leidigen "was können wir schon machen, CHINA CHINA" (die übrigens Vorreiter für die Branche sind da sie Technologie u.a. von uns und Trump USA weg gekauft hat und jetzt groß aufzieht.. Wer hätte das auch ahnen können ne, dass diese Branche im Kommen ist, lass verscherbeln...): Deutschlands Ausstoß durch Braunkohle (der - mit großem Abstand - übelsten aller Arten Strom zu produzieren) ist soviel wie Russland und die USA zusammen... Find ich schon das man da ansetzen kann
« Letzte Änderung: 09.August 2021, 23:00:08 von karenin »
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12372 am: 10.August 2021, 07:15:58 »

Naja die Medien "dürfen" ja auch nicht. Erst kürzlich hat der ZDF Intendant den Vorstoß von "Klima vor 8" als Politisch motiviert bezeichnet, was sein Sender ja nicht sein darf (und aber Börser vor Acht bringt :D. Mal ganz davon ab, was da so an (alt-) Politiker mit drin sitzt im Vorstand etc...).

Das ist richtig und zeigt auch genau meinen Punkt: Die Klimakrise ist von vielen einfach noch nicht verstanden worden und wird auch nicht als Krise behandelt. Es ist halt "das Klima-Thema" und damit eines von vielen. Dass sich aber im Grunde alles daran aufhängt, das Klima also eine Meta-Thema ist, wird dabei nicht bedacht. Dabei wird jegliches zukunftsgerichtetes Denken und Planen, wenn es konsequent ist, vom Klimawandel beeinflusst: von der Rentenpolitik (welche Rolle spielt die überhaupt noch in einer +3°C-Welt?) über den Wohnungsbau (wie gehen wir mit unbewohnbaren Dachgeschosswohnungen im Hochsommer um? Wie kriegen wir die CO2-intensive Baubranche klimaneutral?) bis hin zur Wirtschaftspolitik (wie ermöglichen wir klimaneutrales wirtschaften? Oder im worst case: Wenn wir beim Klimaschutz versagen, wird auch die Wirtschaft nicht mehr brummen -> Klimaschutz bewahrt Wohlstand). Solange Themen weiter isoliert betrachtet werden, wird es auch schwer der breiten Bevölkerung zu erklären, was der Klimawandel wirklich bedeutet.
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GameCrasher

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12373 am: 10.August 2021, 12:41:49 »

Ich gebe dir inhaltlich definitiv Recht, DeDaim. Allerdings ist das für mich auch weiterhin eine zu tiefe angesetzte Ebene der Betrachtung. So langsam aber sicher muss noch weiter oben angefangen werden zu denken. Nämlich bei Existenzfragen.
So wie weiterhin agiert wird, werden zunehmend irreparable Schäden an Natur und Umwelt gefördert - und ja, man muss es so sagen, von uns erzeugt!
Heißt, auf absehbare Zeit werden ganze Nationen und damit Völker ihrer Existenz beraubt. Das reicht von unzähligen kleinen Inselsstaaten bishin zu größeren afrikanischen Nationen, welche durch die zukünftigen Umstände nicht mehr dort leben können wo sie jetzt angesiedelt werden.
Das Ganze führt unaufhaltsam zu Massenflucht Richtung Norden, was eine Kettenreaktion auslöst.
Das ist nicht mehr mit der jüngsten Flüchtlingskrise vergleichbar. Oder jener vom Balkankrieg.
Zunehmend wird Wohnraum immer knapper. Viele Länder wollen diese Menschen nicht aufnehmen, was weiter zu globalen Spannungen zwischen den Bündnisstaaten führen wird. Von den austerbenden Tierarten und dem Waldsterben brauch ich nicht nochmal anfangen zu berichten.
Ich möchte nicht nur schwarzmalen oder den Weltuntergangsnostradamus geben... Ich will nur sagen, was interessiert am Ende ob eine Wirtschaftslage in einem Industrieland sich um 2% bessert oder doch die angepeilten 4%, wenn praktisch sämtliche Grundlagen die eine Wirtschaft stabil halten würden, sich grade verabschieden?
Bin mir grade unsicher diesen Text überhaupt abzuschicken...  :-X

DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12374 am: 10.August 2021, 13:26:03 »

Dem kann ich nur zustimmen, GameCrasher. Die Klimakrise ist die Mutter aller Krisen. Ich denke, auf diesen Satz lässt sich das alles eindampfen. Und genau dieser wesentliche Punkt ist in der Breite der Gesellschaft, aber dramatischerweise eben auch in Politik und Medien, vielfach glaube ich noch nicht wirklich begriffen worden. Australien und China haben jetzt beispielsweise schon angekündigt, an ihren Plänen zum Klimaschutz (die unzureichend sind) nichts ändern zu wollen. Viele Konservative scheinen immer noch zu glauben, man könne über den Klimawandel in irgendeiner Form verhandeln, das Problem lösen durch die Art und Weise Politik zu machen, wie man es schon immer getan hat: verhandeln, verschleppen, verzögern, um am Ende bei einem Minimalkonsens zu landen.

Und ja, alles was du oben schreibst, wird eintreten, wenn wir beim Klimaschutz nicht endlich aus dem Quark kommen (und mit "wir" meine ich die Weltgemeinschaft, denn nochmal: niemand behauptet, Deutschland könne die Welt alleine retten). Einige der genannten Folgen werden so oder so eintreten, egal was wir tun. Ich glaube aber auch, dass diese nach Panikmache anmutenden Szenarien - so fundiert sie auch sein mögen - niemanden überzeugen werden. Das ist zu abstrakt, zu weit weg. Im besten Fall erzeugt es Angst, im schlimmsten Fall halten die Leute es für übertrieben, winken ab und nehmen einen in der Diskussion nicht ernst.

Daher muss man, finde ich, konkret benennen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unseren Alltag haben wird. Was es bedeutet, wenn Extremwetterereignisse zunehmen. Was es konkret heißt, wenn in Deutschland 3-4°C mehr sind. Welche Folgen das für unsere Energieversorgung hat (und was unsere derzeitige Energieversorgung zu so einer Situation beiträgt). Politik und Medien müssen auch besser darin werden, die Basics des Klimawandels zu vermitteln. Der von mir verlinkte Auftritt von Robert Habeck ist ein gutes Beispiel dafür: er benennt ganz klar das Problem der Trägheit des Systems. Er sagt klar, dass es nicht darum geht, eine Entwicklung umzukehren, sondern die schon eingesetzte Entwicklung so zu bremsen, dass wir uns daran anpassen können.

Ich befürchte wirklich, dass der Effekt relativ gering ist, wenn man den Leuten erklärt, der Klimawandel bedeutet das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Dann findet noch mehr Verdrängung statt (meine Vermutung/Befürchtung). In unserer Macht liegt aber tatsächlich nur noch die Entscheidung, ob der Anpassungsdruck für unsere Gesellschaften nicht zu hoch wird, um weiter mehr oder weniger in unserer jetzigen Form bestehen zu können. Der Wissenschaftsjournalist und -blogger Lars Fischer hat dazu einen sehr passenden Thread auf Twitter veröffentlicht: https://twitter.com/Fischblog/status/1425049360249888768
« Letzte Änderung: 10.August 2021, 13:27:51 von DeDaim »
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Henningway

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12375 am: 10.August 2021, 13:43:58 »

Der Umgang mit der Pandemie hat mich stark erschüttert in meinem Glauben an ein allgemeines Wissenschaftsverständnis und die Anerkennung von Expertisen. Algorithmisch bedingte Bildung von Echokammern auf Social Media verstärken den Effekt noch. Es ist erschreckend, wenn20 % der Einwohner nicht geimpft sind (und davon nur ein kleiner Teil nicht Impfbefähigter, Kinder bereits abgezogen). Das heißt: jeder Fünfte etwa lehnt eine Impfung ab, die mehrfach belegt sicher und wirksam ist.

Die Klimakrise ist in ihrer Bedrohungspotenz schwächer einzuschätzen als die Pandemie, weil sie Menschen viel seltener unmittelbar trifft und wenn, dann maskiert als Unwetter oder bislang selten erfahrenes Ereignis. Unter einer Krankheit kann sich jeder etwas vorstellen, unter einer Flut in ihrem echten Ausmaß nur die wenigsten. Die Gefahr ist diffus und der Mensch reagiert einfach nicht auf Drohszenarien, die er noch nicht erfahren hat. Ich muss also davon ausgehen, dass die Erde in hundert Jahren ein wesentlich anderer Ort ist als heute: Küstenlinien, Flora, Fauna, bewohnbare Gebiete, Kulturen... das alles wird sich rapide geändert haben. Tatsächlich war das eines der wesentlichen Argumente gegen die Schwangerschaft.
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12376 am: 10.August 2021, 13:56:29 »

Tatsächlich war das eines der wesentlichen Argumente gegen die Schwangerschaft.

Ja. Ich ertappe mich auch immer wieder bei dem Gedanken, in was für eine potenziell katastrophale Welt wir unsere Tochter hineingeboren haben. Das ist jedes Mal furchtbar. Selbst ich, Jahrgang 1991, habe eine gute Chance, das Jahr 2070 noch zu erleben. Was für eine Welt wird das dann sein?

Ansonsten volle Zustimmung. Der Klimawandel ist zu abstrakt und wird daher nicht als Krise begriffen, sondern allenfalls als diffuse Bedrohung, gegen die es reicht, ein bisschen was zu unternehmen.

Edit: A propos Pandemie (die gibt's ja auch noch...). Wenigstens die Querdenken-Bewegung zerfleischt sich selbst. Und dass die Bild-Zeitung nun völlig freidreht (gut, tut sie schon länger, wenn wir ehrlich sind) zeigt sich daran, von wem Julian Reichelt so Applaus bekommt... https://www.tagesspiegel.de/berlin/verschwoerungsideologen-bekriegen-sich-gegenseitig-so-kaputt-ist-die-querdenken-bewegung/27493124.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
« Letzte Änderung: 10.August 2021, 14:18:54 von DeDaim »
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MarkusMerk

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12377 am: 10.August 2021, 14:33:27 »

Es ist erschreckend, wenn 20 % der Einwohner nicht geimpft sind (und davon nur ein kleiner Teil nicht Impfbefähigter, Kinder bereits abgezogen). Das heißt: jeder Fünfte etwa lehnt eine Impfung ab, die mehrfach belegt sicher und wirksam ist.

Ich wäre hier im Erzgebirgskreis froh, wenn es nur 20 % wären. Ich konnte leider auf die Schnelle keine verlässliche Quelle finden, aber die aktuelle Impfquote lt. Bild von 37 % deckt sich mit meiner Wahrnehmung.

Und das, obwohl gerade hier um Weihnachten die Krankenhäuser am Anschlag waren.

Links zum Fremdschämen:

https://www.bild.de/news/inland/news-inland/niedrige-impfquote-warum-ist-corona-in-aue-so-vielen-wurst-77315922.bild.html
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Henningway

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12378 am: 10.August 2021, 15:13:30 »

Und dann das hier:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Schortens-8557-Menschen-muessen-erneut-geimpft-werden,impfskandal102.html

Aus einem Bericht vom 25. April dieses Jahres geht hervor, dass es sich bei der Frau um eine Krankenschwester handelt. Das ist insofern ziemlich tricky, weil der Impfstoff von BioNTech erst aufwändig rekonstituiert werden muss. Dafür werden Tätigkeiten nötig, die über das einfache Aufziehen aus einem Vial in eine Spritze hinausgehen, weshalb das hier in NRW auch ausschließlich Aufgabe von Pharmazeut*innen vor Ort ist. Im Fall des Impfzentrums in Friesland hätte eine ähnliche Regelung gleichsam dem Edikt von Salerno von 1231 Rechnung getragen, das die Trennung von Arzt und Apotheker regelt mit dem Hintergrund unter anderem der gegenseitigen Kontrolle. Wären Pharmazeuten vor Ort gewesen, hätte es die Dame mindestens schwerer gehabt, die Spritzen auszutauschen.

Jetzt will ich nicht mit dem Finger auf die böse Medizin zeigen; sowas hätte ja auch andersherum laufen können und ein ärztlicher Leiter hätte einen Pharmazeuten bei der mutwillig fehlerhaften erwischen können. Aber nun gut. Der Staat verhindert ja nicht, dass hier durch die Akzeptanz von Online-Arztpraxen und Online-Apotheken die Tür für Betrügereien offen steht, also werden solche Meldungen in Zukunft öfter zu erwarten sein.

Rückkehr zum Thema davor:
auch hier trifft es mich wie ein Schlag. Es handelt sich um eine Krankenschwester. Selbst, wenn die Dame intellektuell nicht in der Lage ist, die Berichte der Tagesschau oder sonstiger seriöser Medien zu verarbeiten, sollte die doch alleine durch ihre tägliche Arbeit sehen, welchen Nutzen Impfungen haben. Ich möchte nicht wissen, wie oft die schon Notfallimpfungen gegen Tollwut und Tetanus verabreicht hat. Mir persönlich völlig unverständlich, wie so jemand die CoViD-Impfung ablehnt. Dann aber sogar Mitmenschen bewusst falsch zu behandeln - hier hoffe ich sehr auf Verlust der Zulassung und Freiheitstrafe.
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fifagarefrekes

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12379 am: 10.August 2021, 15:21:17 »

Tatsächlich war das eines der wesentlichen Argumente gegen die Schwangerschaft.

Ja. Ich ertappe mich auch immer wieder bei dem Gedanken, in was für eine potenziell katastrophale Welt wir unsere Tochter hineingeboren haben. Das ist jedes Mal furchtbar. Selbst ich, Jahrgang 1991, habe eine gute Chance, das Jahr 2070 noch zu erleben. Was für eine Welt wird das dann sein?

Ansonsten volle Zustimmung. Der Klimawandel ist zu abstrakt und wird daher nicht als Krise begriffen, sondern allenfalls als diffuse Bedrohung, gegen die es reicht, ein bisschen was zu unternehmen.

Edit: A propos Pandemie (die gibt's ja auch noch...). Wenigstens die Querdenken-Bewegung zerfleischt sich selbst. Und dass die Bild-Zeitung nun völlig freidreht (gut, tut sie schon länger, wenn wir ehrlich sind) zeigt sich daran, von wem Julian Reichelt so Applaus bekommt... https://www.tagesspiegel.de/berlin/verschwoerungsideologen-bekriegen-sich-gegenseitig-so-kaputt-ist-die-querdenken-bewegung/27493124.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Ja, selbst bisher persönlich ohne Nachwuchs ein absolut verständliches Thema. Für mich Folge der längst viel zu apokalyptisch aufgezeigten Politik (hallo Grüne) und Berichterstattung (Spiegel und Co., klar Grünen-Wähler) dazu. Finde ich zwar durchaus entsprechend in der Prognose, würde das aber aktuell nicht als politisch und medial entsprechend passend akzeptieren. Gibt ja heute nicht gerade wenige Umweltaktivisten, die Nachwuchs als das Unheil ansehen. Ich finde das absolut krank und klar menschenfeindlich, noch bedrückender als der eh schon klar menschenfeindliche Klimawandel. Aber Aktivisten sind wohl eben teils genau so gestrickt, weil man wohl (aktuell noch zurecht) Wandel nicht am Horizont sieht, keinerlei Hoffnung hat. Sollte man denke ich vielleicht auch etwas mehr Vertrauen in noch zu erbringende Lösungen haben.

Gibt aber natürlich keinen Grund deshalb die durchschaubaren Relativierer von AfD und Co. zu wählen.
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