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Autor Thema: Allgemeine Nachrichten  (Gelesen 2072201 mal)

mancity

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1340 am: 28.Juli 2011, 19:38:46 »

@Mbhiarh Mwkhunle Mhnunwnjakhu

Ähm, ich oute mich jetzt als Groupie von Dir. Was Du schreibst, ist besser als alle Leitartikel, die ich in den letzten Jahren lesen durfte. Vielen Dank!  :)
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Henningway

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1341 am: 28.Juli 2011, 23:10:21 »

Ich muss hier mal als Betroffener antworten, denn ein Familienmitglied hat leider auch diesen Weg des Abgangs gewählt. Unmittelbar nach der akuten Trauerphase haben meine Frau und ich dem Lokführer einen Brief geschrieben und ihn um Verzeihung gebeten. Antwort haben wir keine erhalten, aber uns war die Geste als solche wichtig. Im Zuge dessen haben wir erfahren, dass alle ICEs ab der zweiten Generation ein Suizidknopf besitzen: wird er gedrückt, wird innerhalb von einer Sekunde die Frontscheibe milchig. Eine kleine Anekdote, die zeigt, wie dramatisch das sein muss.

Selbstverständlich steht dem Lokführer eine Betreuung und auch Schmerzensgeld zu. Aber die Eltern? Das wäre dann genauso schlimm, als wenn dem Lokführer von seinen Ansprüchen gar nix zustünde. Die Eltern als Erben werden in der Regel ohnehin schon massiv finanziell belastet, weil sie die Bergungskosten übernehmen müssen, das ist vierstelliger Betrag, die Höhe entscheidet der Bergungsaufwand.
Da meine Frau im Rettungsdienst tätig ist, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass im Grunde genommen auch diesen Leuten Schmerzensgeld zustünde, denn der psychologische Druck beim Einsammeln der Leichenteile ist immens (natürlich fehlt hier das Gefühl der direkten Tötung).

Meiner Meinung nach steht jedem frei, über sein Leben so zu bestimmen, wie es das Individuum für richtig hält. Aber man hat verdammt noch mal dafür zu sorgen, sein Recht nicht anderen zur Pflicht zu machen!!
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Pneu

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1342 am: 28.Juli 2011, 23:35:21 »

Sorry, das ich bei meiner Aussage "sowas müsste an Schulen unterrichtet werden" nicht dazu gesagt habe "und im Elternhaus auch". Das hatte ich für selbstverständlich gehalten. Muss aber dazu sagen, dass wahrscheinlich auch die Eltern dazu erstmal in die Lage versetzt werden müssten, und damit meine ich nicht nur die von Dir herausgegriffenen arbeitslosen Assi-Eltern irgendwelcher vernachlässigten Rotzlöffel, sondern die ganz gewöhnlichen Heerscharen Berufstätiger, die ihre Kinder nach der derzeit vorherrschenden Erziehungs-Idee "Wegen Globalisierung und Pipapo fängt der KLarinettenunterricht schon mit 2 an" noch früher für einen noch härteren konkurrenzkampf fit machen wollen.

Gewisse Stress-Faktoren werden sich nicht ändern, eher verschärfen. Dieses Jahr z.b. wird mal wieder eine neue Höchstmarke an Studienanfängern aufgestellt, zwar auch befeuert durch die Abschaffung der Wehrpflicht und die Angleichung der Schuldauer auf 12 Jahre in 3 großen Bundesländern, aber wohl auch allgemein wegen zunehmender medialer Dauerbespottung gestiegener Angst, sich ohne höherwertigen Abschluss mal einreihen zu müssen in die Reihe von Gesellschaftsversagern aka Harz-IV-Empfängern. Letztendlich wird das nur einen weiteren Schwall von Psychowracks generieren.

Das Bewusstsein muss sich ändern, nur ist das Wort "Bewusstsein" bzw. wie es hier verstanden wird, an sich schon Teil des Problems, weil es eine zu verkopfte Vorstellung davon vermittelt, was eigentlich das Problem ist: dass der Mensch in seiner Gesamtheit, also nicht nur seinem Bewusstsein, sondern seinen Sinnen und Gefühlen nicht geeignet ist für so eine Massenmenschhaltung.

Ich glaube nicht, dass sich eine Gesellschaft verändert, nur weil der Gesetzgeber ein bischen an Steuerprozenten dreht oder hier und da durch Gesetze Erleichterungen schafft, so dass eine Mutti eine Stunde mehr Zeit, in der sie ihrem Kapitalistenkind dann ein weiteres Angeber-Spielzeug kaufen kann, damit dieses damit in der Schule protzen und auch widerum nur fehlende Anerkennung/Liebe kompensieren kann.

Wenn Millionen Schulkinder heute genauso selbstverständlich wie 1+1=2 lernen würden: zuviel Stress=fühlt sich nicht gut an = mach ich nicht und "ich bin auch ohne Bausparvertrag was wert" und "mein Mitschüler ist kein Konkurrent sondern fühlt jetzt gerade so und so", wäre künftigen Ausbeutern mal sowas von der Zahn gezogen, müsste man Menschen anderer Rasse/Kultur/Ideologie nicht mehr als Bedrohung empfinden und diese daher abknallen.

Meinst du nicht, dass sich die Gesellschaft am ehesten dann zum positiven Verändert, wenn den Eltern bewußt ist was falsch läuft und ihre Kinder dann entsprechend erziehen? Nenne mir bitte ein Beispiel, wo gesellschaftliche Umwälzungen dadurch ausgelöst wurden, dass entsprechende Ideen in den Schulen gelehrt wurden...

Das ist Haarspalterei, meinst Du nicht? Wenn eine Famile ihre Kinder anders erzieht, wird sich genausowenig gleich die Gesellschaft ändern, wie wenn eine Dorfschule "Was fühlen wir heute?" in ihr Unterrichtsprogramm aufnimmt. Ersteres nutzt nichts, wenn in der Schule, letzteres nutzt nichts, wenn zuhause das Kontrastprogramm gefahren wird. Es müsste irgendwie Hand in Hand gehen, damit sich eine ganze Gesellschaft dahingehend verändern würde, aber hab ja gesagt, dass es Wunschdenken ist & wer weiß, vielleicht würde so eine Generation erst recht ganz großen Bockmist veranstalten. Was weiß denn ich. Lass gut sein.

Der BESTE Beitrag den ich bisher in einem Forum gelesen habe. Genau so sieht es aus. Die Gesellschaft in der wir leben ist einfach nur noch krank. Und es wird immer schlimmer. Wir leben nicht mehr in einer Gesellschaft des Seins, sondern des Habens. Und das ist echt bedrückend. Man sollte doch einfach mal das Wesentliche betrachten was wir eigentlich sind, wer wir sind und dann auf das blicken wie es jetzt ist.
Zahlen auf einem Computer (Geld) bestimmen unser Leben, geben uns die Richtung vor. Es gibt Menschen, die haben Häuser mit 9 Bädern und dann gibt es welche die sich wegen 10.000 Euro Schulden, jeden Tag den Kopf zerbrechen, Nachts nicht schlafen können. Pervers in meinen Augen. Man hat von einem 24 Stunden Tag 10 Stunden für die Arbeit, dann 6-7 Stunden zum schlafen. Bleiben noch 7 Stunden die man für sich hat. Und man hat ja auch privat einiges zu tun. Man sieht die Menschen auf der Arbeit öfter als die Menschen die man liebt. Man hat Druck und es zermürbt einen den Kopf, nur weil es dadurch irgendjemand anderen, der eh schon soviel hat, noch besser geht.  Ist das Leben nicht viel zu kurz, nicht viel zu zerbrechlich? Leute schauen sich lieber an, wieviele Schuhe Paris Hilton besitzt, während woanders Menschen vor Hunger sterben müssen.   
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Friedel Funkhelm

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1343 am: 29.Juli 2011, 02:21:58 »

Lieber mancity,

ich habe selbstverständlich immer alle deine Argumente gelesen. Und wenn du meine Antwortbeiträge gründlich liest, wirst du sogar feststellen, dass ich darauf eingegangen bin, dir stellenweise sogar zugestimmt habe.

Ich hatte mich ja nun eigentlich mit MMM, mit Abstrichen*, schon auf eine Kompromißformel* zu diesem Thema geeinigt, und dachte auch du lässt es damit gut sein, aber OK.

*Der Absatz mit der "Massenmenschhaltung" ist mir im Nachhinein dann doch etwas aufgestoßen. Was ist denn die bessere Alternative: Die Gesellschaft so zu verändern dass die "Massenmenschaltung" für das einzelne Individuum so angenehm wie irgend möglich wird, oder die "Massenmenschhaltung" abzuschaffen? Es scheint, für letzteres ist es wohl einen Tick zu spät. Ergo führt um's Bewußtsein schaffen für die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderungen kein Weg drum herum. Mehr will ich dann dazu auch nicht mehr sagen.


[...]Und heute das Gleiche: "So ein Quatsch! Für Erziehung schließlich Eltern verantwortlich." Ohne meine restlichen Argumente zu betrachten. Natürlich sind die Eltern verantwortlich, doch sie sind, wie eigentlich immer schon, maßlos hinter der Zeit. Mein vater ist noch von seinem Vater windelweich geschlagen worden, während in den DDR-Schulen die Prügelstrafe meines Wissens verboten war. Ginge es nach Deiner Logik, könnte man sagen: Solange die Eltern prügeln, dürfen wir Lehrer das auch. Das ist doch absurd, nicht? Entspringt aber der Logik Deines Arguments.

Zum fett hervorgeobenen Teil später. Zunächst frage ich mich, welche Maßstäbe du da an die heutige Elterngeneration anlegst. Meinst du nicht, dass die meisten von ihnen etwas aufgeklärter und fähiger sind, als du denkst? Natürlich sind das keine ausgebildeten Pädagogen und Psychologen. Aber ich empfinde es auch als Horror-Vorstellung irgendwann mal in einer Welt zu leben, in der Eltern derartige Qualifikationen haben müssen, damit ihre Kinder nicht von vornherein zum sozialen Scheitern verurteilt sind. Es reicht doch völlig, wenn Eltern ihren Kindern beibringen und vorleben
wie man Vertrauen zueinander schafft oder wie man mit schwierigen Phasen und Eindrücken umgeht.
Da braucht es doch keinen extra Unterricht. Das sollte selbstverständlich sein. Aber meinetwegen kann ja in der Schule noch unterstützend etwas "Emo-Unterricht" von Spezialisten angeboten werden. Doch wie gesagt: Für den effektiveren und nachhaltigeren Weg halte ich ein Umdenken in der Gesellschaft mit der Folge, dass Veränderungen stattfinden, die einen solchen Unterricht von vornherein unnötig machen.
Nun zum fettgedruckten In der Zitatbox: Wenn meine These "Für die emotionale Erziehung der Kinder sind eher die Eltern als die Lehrer zuständig" dies als logische Schlussfolgerung zulassen soll, dann bitte ich dich, mir das doch bitte etwas plausibler zu machen. Womöglich hab ich ja das falsche studiert oder die falschen Freunde, oder nur grad zuwenig Wein intus...

Um noch mal auf die emotionale Erziehung zurückzukommen. Ich bin deswegen dafür, weil ich mich ein bisschen mit Positiver Psychologie beschäftigt habe. Das ist eine Wissenschaft, die sich erst seit ca. 15 Jahren etabliert. Und ich finde sie sehr wichtig. Da liegt die Orientierung nicht so sehr auf den Defekten der menschlichen Seele, sondern es geht darum, was relativ normale Menschen tun können, um mit dem Leben gut zurecht zu kommen. Wie man sozusagen vorbeugt, um gar nicht erst in eine tiefe Krise zu stürzen. Ich möchte Dir da zum Beispiel Tal Ben-Shahar als Lektüre empfehlen. Doch das sind halt Wissensgebiete, die eben oftmals nicht mal normale Erwachsene so gut kennen. Selbst in der Wissenschaft hat man sich da lange keine Gedanken drüber gemacht. Deshalb wäre es m. M. nach wichtig, sie an Schüler im Unterricht zu vermitteln.

Von diesem ganzen "Sieh's positiv"-Gequatsche halte ich schonmal rein garnichts. Wer negatives ausblendet oder verdrängt, wird niemals etwas zum positiven verändern. Ich für meinen Teil bin notorischer Pessimist. Das hat den Vorteil, dass es immer nur besser werden kann  ;) .
Und wie es scheint, hält die konventionelle Psychologie auch nicht wirklich viel von Ben-Shahar & Co. Wenn ich schon lese, dass die meisten "Positiven Psychologen" letztlich dazu eingesetzt werden in Firmen die gestressten und genervten Mitarbeiter auf Gute Laune zu trimmen, macht mich das schon sehr nachdenklich. Ich denke eine Gehaltserhöhung und 5 Tage mehr Urlaub im Jahr hätten wohl den gleichen Effekt wie solch ein "Psychologe", kommen den Chef aber deutlich teurer. So siehts doch aus. Wenn es wirklich das ist, was dir unter emotionaler Erziehung vorschwebt, muss ich sagen: Lieber lauf ich Amok.  :P

Ich hab auch das Gefühl, dass es immer noch in der öffentlichen Wahrnehmung eine Unterscheidung zwischen soft und hard science gibt. Alles, was technisch ist, gilt als solide, und Fächer wie Psychologie gelten als Quatscherei und wird als nebensächlich abgetan. Deshalb lehrt man es auch nicht an Schulen. Ich bin da eher der umgekehrten meinung. Die harten Fächer sind meistens sehr rückschrittlich, weil sie immer den Menschen selbst in seiner Kompliziertheit ausklammern müssen, um auf einfache Antworten zu kommen. Die "weichen" Fächer dagegen stellen sich ihrem Gegenstand in seiner Komplexität, und liefern deswegen auch Antworten, die man nur dann verstehen kann, wenn man selbst zu komplexem Denken in der Lage ist.

Die Lehrpläne in den Schulen richten sich in erster Linie nach den Anforderungen, welche die Schüler im späteren Berufsleben erwarten, oder um es mal böse zu formulieren: Sie folgen einer gewissen Verwertungslogik. Fächer wie Kunst, Musik o.ä. haben da natürlich kaum Platz, was durchaus schade ist. Ich muss allerdings einwenden, dass Psychologie/Emotionale Erziehung als Schulfach in der Form, wie du es hier propagierst (insofern ich das richtig verstanden habe) genau dieser Verwertungslogik folgt, denn dadurch werden die Schüler nicht nur fachlich sondern auch noch mental "fit" gemacht. Ein für mich zweifelhaftes Vorhaben.

Und dass in den "harten" Fächern wie Mathe, Chemie und Physik der Mensch ausgeklammert wird, liegt möglicherweise schlicht und ergreifend daran, dass er nicht Gegenstand dieser Fächer ist  ;) . Etwas rückschrittliches kann ich da beim besten Willen nicht erkennen...
« Letzte Änderung: 29.Juli 2011, 02:30:55 von Friedel Funkhelm »
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"Ein Lothar Matthäus hat es nicht nötig von sich in der dritten Person zu sprechen." (L. Matthäus)

El_Pocho

  • Gast
Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1344 am: 29.Juli 2011, 09:22:31 »

Zitat
Die "weichen" Fächer dagegen stellen sich ihrem Gegenstand in seiner Komplexität, und liefern deswegen auch Antworten, die man nur dann verstehen kann, wenn man selbst zu komplexem Denken in der Lage ist.

Gar nicht arrogant, oder? So argumentiert übrigens jede dahergelaufene Sekte oder Unter-Alternativ-Medizin: unsere Lehre ist so komplex, das verstehen nur die ganz Gescheiten.

Zitat
Natürlich sind die Eltern verantwortlich, doch sie sind, wie eigentlich immer schon, maßlos hinter der Zeit.

Und nochmals: gar nicht mal arrogant. Hast du Kinder? Oder predigst du vom Elfenbeinturm runter? Ich glaube kaum, daß es je eine Elterngeneration gab, die durch Psycho-Gebrabbel und Pseudo-Pädagogik mehr belabert und verunsichert wurde, wie die heutige. Ergebnis: Kinderlosigkeit oder Einzelkinder.

Zitat
Ich denke eine Gehaltserhöhung und 5 Tage mehr Urlaub im Jahr hätten wohl den gleichen Effekt wie solch ein "Psychologe", kommen den Chef aber deutlich teurer. So siehts doch aus. Wenn es wirklich das ist, was dir unter emotionaler Erziehung vorschwebt, muss ich sagen: Lieber lauf ich Amok. 

Absolut einverstanden - wir laufen dann zusammen, würde ich sagen. Ich denke man muss aber sinnvolle, "hart" wissenschaftlich fundierte psychologische Maßnahmen wie Supervision oder Fortbildungsmaßnahmen in Bezug auf Mitarbeiterführung von "Tschaka!!"-Motivationskursen unterscheiden. Leider klingt mit die "Positive Psychologie" eher wie zweiteres. Aber OK, wenn´s hilft - nur als Unterrichtsfach kann ich gerne darauf verzichten.

Zitat
Muss aber dazu sagen, dass wahrscheinlich auch die Eltern dazu erstmal in die Lage versetzt werden müssten, und damit meine ich nicht nur die von Dir herausgegriffenen arbeitslosen Assi-Eltern irgendwelcher vernachlässigten Rotzlöffel, sondern die ganz gewöhnlichen Heerscharen Berufstätiger, die ihre Kinder nach der derzeit vorherrschenden Erziehungs-Idee "Wegen Globalisierung und Pipapo fängt der KLarinettenunterricht schon mit 2 an" noch früher für einen noch härteren konkurrenzkampf fit machen wollen.

So ein hochnäsiges Gelaber..gleiche Frage: selber Kinder? In meinem Umfeld gibt es weder Gruppe 1 noch Gruppe 2. Und ja - vielleicht macht es manchen Kindern Spaß, mit 2 schon eine kindgerechte Musikschule zu besuchen und ja - es ist wichtig, Kinder auch in den ersten 2-3 Lebensjahren zu fördern, solange es wie gesagt kindgerecht bleibt und spielerisch stattfindet. Nicht jeder tut das wegen Globalisierung und Pipapo, sondern vielleicht einfach, weil es den Kindern Spaß macht.

Aber es stimmt: die Eltern heute sind alle unfähig und sollten von den Heerscharen von Kinderlosen, den Legionen von Psychologen und natürlich von Vater Staat erstmal gezeigt bekommen, wie man Kinder erzieht.

Zitat
so dass eine Mutti eine Stunde mehr Zeit, in der sie ihrem Kapitalistenkind dann ein weiteres Angeber-Spielzeug kaufen kann, damit dieses damit in der Schule protzen und auch widerum nur fehlende Anerkennung/Liebe kompensieren kann.

Wenn Millionen Schulkinder heute genauso selbstverständlich wie 1+1=2 lernen würden: zuviel Stress=fühlt sich nicht gut an = mach ich nicht und "ich bin auch ohne Bausparvertrag was wert" und "mein Mitschüler ist kein Konkurrent sondern fühlt jetzt gerade so und so", wäre künftigen Ausbeutern mal sowas von der Zahn gezogen, müsste man Menschen anderer Rasse/Kultur/Ideologie nicht mehr als Bedrohung empfinden und diese daher abknallen.

Sorry, aber mit der "Stress=mach ich nicht"-Denkweise würden wir noch auf den Bäumen sitzen. Statt dessen leben wir in einer Gesellschaft, in der nur ein ganz kleiner Anteil sich noch Sorgen um Leib und Leben machen muss, und um diese (ich zitiere) "Asisi mit ihren Rotzlöffeln" geht es hier ja nicht. Und trotzdem soll hier alles schlecht, stressig etc. sein? Natürlich bin ich auch kein Freund des Hamsterrades und ich gebe Friedhelm Funkel insofern recht, daß eigentlich genügend Wohlstand für alle da sein müsste, damit niemand im erwähnten Rad laufen muss und es nur noch "positiven"Stress gibt. Dazu braucht es keinen Psycho-Unterricht, kein esoterisches Trallala oder ähnliches, sondern "nur" ein bisschen mehr Urlaub, einen respektvolleren Umgang miteinander und eine gerechte Einkommensverteilung.

Und deinen erneuten arroganten Querschuss gegenüber der "Mutti" und dem "Kapitalistenkind" (du benutzt das Sprachniveau derer, die du hier angreifst, und merkst es nicht mal, da heisst es dann "Gutmensch" und "Sozialparasit") ignoriere ich mal.
« Letzte Änderung: 29.Juli 2011, 10:00:35 von El_Pocho »
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Uwe

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1345 am: 29.Juli 2011, 12:42:39 »

da sich das hier sonst noch weiter hochschaukelt, kapriziere ich mich mal auf meine Anfangsaussage: emotionale Schulung müsste auch an Schulen stattfinden.

Solche verharmlosenden Aussagen sind für mich ein weiterer Beleg dafür:

"Übrigens sind situations- oder personenbezogene Mord- oder Folterfantasien nichts schlimmes, solang sie Fantasien bleiben. Sie helfen uns dabei, emotionalen Stress abzubauen und psychisch gesund zu bleiben, damit wir eben nicht Amok laufen - und dass muss einem nicht mal beigebracht werden, das machen die grauen Zellen von sich aus  ;) ."

"Mordfantasien: Ich kenne sogar zwei Psychologen persönlich, die solchen "Schwachsinn" behaupten. Sicherlich ist es wesentlich effektiver sich in irgendeiner Form körperlich abzureagieren (Sport z.B.), aber das ist ja wohl kaum immer und sofort möglich. Niemand, der ab und an seinem Chef oder Nachbarn gedanklich den Hals umdreht, muss sich darüber gedanken machen, ob er psychische Probleme hat.  ;)"

Wenn - ob in der Phantasie oder real sei mal dahingestellt - die Reaktion auf emotionalen Stress Mord ist, hat man mMn ein psychologisches Problem. Insofern, dass man unfähig ist, eine dem Aggressor angemessene (!) Konfliktbewältigungsstrategie zu entwickeln.

Jemand, dessen Stressbewältigungsstrategie es "ab und an" (und mangels neu erlernter alternativer Methoden es möglicherweise irgendwann gewohnheits-/reflexmäßig) ist, auf emotionalen Stress mit Mordgedanken zu reagieren - welche Garantie kann derjenige dafür geben, dass, sollte irgendwann mal der entscheidende Tropfen zuviel ins Verdränger-und-Runterschluck-Fass getropft sein - sein Kontrollmechanismus trotzdem weiter funktioniert und Phantasien nicht real werden???

Darauf münzte ich das Frisch-Zitat, kann man aber gerne drüber streiten.

Wenn man als Kind lernt "Indianer kennt keinen Schmerz", "man muss sich zusammenreißen" usw. dann sind das Mechanismen, die fürs Leben prägen und die man nicht mal eben so ablegen kann. Das muss man am besten als Kind schon anders lernen, bzw. DAZUgelernt bekommen. Auch wenn ich mich so ausgedrückt haben mag, meine ich damit keine Erziehung so Nullbockkindern, die jeglichen (!) Stress verweigern.

Mich nervt es einfach, weil anscheinend seit Jahren trotz technischer Entwicklung in anderen Bereichen in diesem Bereich die Fortschritte so aussehen: "Breivik war im Jagd-Modus unterwegs" und "er war ein einsamer Wolf". So zumindest die zitierten Aussagen von Psychologie-Experten (!) bei dem Fall. Der Rest dreht sich wieder um Aggro-Musik und Computerspiele, 100% Identifikation mit OPfern und 100% Satanisierung des Täters. Ist ja klar, dass damit nur weitere Ängste geschürt werden, aufgrund derer weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, die uns paradoxerweise nicht sicherer sondern nur noch paranoider machen.

Ok, das ist wirklich nicht zu vergleichen mit anderen Problemen, die Kinder mit Blähbäuchen oder in Flüchtlingslagern haben. Aber wenn man mit denen kommt, kann man so ziemlich jede Diskussion gleich bleiben lassen.

Nervt übrigens auch, Blähbäuche könnte man jederzeit sonst auch, isoliert thematisieren und dem Thema dann auch Respekt entgegenbringen. Komischerweise wird der Hunger der Dritten Welt meist dann missbraucht, wenn es darum geht, begreiflich zu machen, dass es einem doch ganz gut geht. Oder wenn zur Weihnachtszeit die Portmonnaies geöffnet werden sollen.
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El_Pocho

  • Gast
Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1346 am: 29.Juli 2011, 13:30:14 »

Wo sind in meinem Beitrag Kinder mit Blähbäuchen erwähnt? Uns geht es nicht nur im Vergleich zu diesen Kindern gut, sondern im Vergleich zu 98% der Weltbevölkerung, selbst innereuropäisch würde ich mal behaupten, daß die Deutschen auf einer Insel leben.
Ich weiss auch, das der Vergleich - sofern er denn stattfindet -  den Predigern der Apokalypse natürlich auf die Nerven geht, weil er ihnen die Diskussionsgrundlage entzieht. Das macht es nicht weniger sinnvoll, ihn gelegentlich unterzubringen, wenn das Genörgel über unser schlechtes Leben hier Übermaß nimmt.
 
Zitat
emotionale Schulung müsste auch an Schulen stattfinden

Kann ich teilweise unterschreiben. Allerdings weniger im Sinne eines starren Unterrichtsfaches und mehr in Sinne von alltäglichem Umgang. Dazu sind "normale" Lehrer überhaupt nicht ausgebildet und vielen Schulen fehlt die Infrastruktur und das begleitende, psychologische oder pädagogische Personal. Den meisten Lehrern gelingt es ja in den heutigen Monsterklassen nicht mal, Risikoschüler für Gewalt oder Abrutschen in Suchtverhalten zu identifizieren, geschweige denn wissen sie, wie man in einem solchen Fall handeln sollte.
Sicherlich trägt auch das dreigliedrige Schulsystem hierzu bei, denn wenn ich in meinem Alltag als Kind und Jugendlicher nicht lerne, wie ich mit vermeintlich "schwächeren" umgehe oder mit Personen mit einem anderen sozialen Hintergrund, werde ich es als Erwachsener auch nicht können.
In dieser Hinsicht sind wir also der gleichen Meinung: eine grundlegende Veränderung unseres sozialen Gefüges müsste "von unten" kommen, d.h. es müsste gemeinsam mit den Eltern bereits in Kindergärten auf eine, wie du es nennst, emotionale "Schulung" geachtet werden. Aber nicht im Sinne einer "Lehre", sondern einfach im Sinne dessen, wie ich meine Schule als Milieu gestalte, wie ich miteinander umgehe, wie ich den Mitschüler sehe, was mir wichtig und bedeutsam ist..dazu braucht es keinen Guru oder "Positiv-Psychologen", sondern einfach ein anderes schulisches Umfeld mit einer anderen Zielsetzung als nur der reinen Vermittlung von Wissen.

Dazu sei gesagt, daß in diesem Bereich durchaus viele, viele Bemühungen stattfinden. Nur ist es halt offensichtlich kein systemrelevanter Bereich und wird von staatlicher Seite finanziell nur mühsam etwas besser ausgestattet. Und bei jeder kleinen Zuckung, die die Schule von einer Leistungsfabrik zu eine Einrichtung gemeinsamen Lernens umbauen will, krampft ja die tiefkonservative deutsche Seele sofort.

Das heisst aber im Umkehrschluss NICHT, das die Schule die Eltern "ersetzt". Ich wehre mich gegen Verallgemeinerungen, die der heutigen Elterngeneration entweder ein asoziales Laisser-faire oder ein überambitioniertes Genie-Züchten unterstellt. Dafür, das alles anscheinend so schrecklich ist, gibt es glaube noch einen großen Anteil Kinder und Jugendlicher, die "normal" aufwachsen und eine solide emotionale "Rückendeckung" von zuhause mitbekommen. Ich gehe leider schnell auf die Palme, wenn solche Dinge behauptet werden und den Eltern, nur weil sie größtenteils auf ihre Instinkte vertrauen und nicht irgendwelchem Psycho-BlaBla hinterherrennen, unterstellt wird, sie seien "maßlos hinter der Zeit".

Vielmehr habe ich das Gefühl, das Eltern heutzutage zwar einiges an finanzieller Unterstützung zugute kommt und es tonnenweise mehr oder weniger fundierte Literatur und Ratgeber über Erziehung gibt; gleichzeitig bricht aber vielen jungen Eltern in unserer kinderlosen Gesellschaft nach Geburt das soziale Netzwerk weg und sie werden mit ihren Problemen und Windeln alleine gelassen. Dazu sind wir ja immer noch prinzipiell kinderfeindlich -  wenn Eltern mit Kinder zu präsent gibt, regnet es Artikel über die "Supermamis mit ihren überdimensionierten Fahrradwägen" (das war die SZ, glaube ich). OK, ich schweife jetzt ab, aber da könnte ich mich gerade gut in Rage reden...

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Der Baske

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1347 am: 29.Juli 2011, 13:33:47 »

Wirklich sehr gute Beiträge allenthalb.

Was emotionale Bildung respektive Umgang angeht liegt die Verantwortung natürlich in erster Linie bei den Eltern. Doch genau da haben wir doch bereits eines von zwei Problemen.
Wir orientieren uns bewusst und unterbewusst immer an unseren Eltern. Sie gelten je nach Phase als Vorbild, sreitbare Figur oder Unterstützer, Rückhalt und Mahner.
Doch wievele wachsen denn noch in der eigentlichen Familie auf. Das gewaltigste Problem unserer Gesellschaft ist der Verfall der Werte. Die Ursachen sind Reizüberflutung, Globalisierung, Überemanzipation und zu viele Singles.

Wie ihr schon festgehalten habt, versucht heute jeder immer mit dem anderen zu konkurieren, was man allein daran sieht, dass Frauen heutzutage zu einem viel größeren Anteil Karriere machen wollen, als in der Vergangenheit.
Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, aber es zieht einen Rattenschwanz nach sich.
Durch diese Veränderung kommt es zu weniger Eheschließungen, weniger Partnerschaften und mehr Scheidungen.

Für die Erziehung von Kindern sind die Frauen der entscheidende Faktor, da sie eben viel geeigneter sind um sie emotional aufs Leben vorzubereiten.
Ich will nicht sagen dass Mütter heute diese Rolle nicht mehr einnehmen. Aber dadurch das wir eben weniger Paare mit Kindern haben, ist eine Dezimierung die logische Schlußfolgerung.
Stellen wir uns einfach mal vor, Frauen würden weitaus weniger ins Arbeitsleben gehen und auf Karriere verzichten und sich stattdessen um Heim und Kinder kümmern. Was hätten wir dann?
Wir hätten mehr Ehen und Partnerschaften, mehr Kinder und vor allem mehr anständig erzogene Kinder. Ferner dürfen die Kinder doch häufig gar nicht mehr richtig Kind sein. Sie werden in Terminkalender gezwengt, da ihre Eltern auch nicht immer Zeit haben. Sie sollen ins Turnen, ein Instrument spielen und dies und das. Das ist auch gut, aber es wird immer früher und immer mehr. Wenn heute Kinder nach einer gewissen Zeit nicht schon Mama oder Papa sagen, geht doch schon die Panik los. Oder wenn die Tochter nach 4 Monaten schon Mama sagt, heißt es gleich hochbegabt. Ist doch völlig egal. Lasst die Kinder doch eine völlig entspannte Entwicklung nehmen. Das einzige worin man sie zwängen sollte sind einige Regeln, Grenzen und Gummistiefel :)

Darüberhinaus hätten wir weniger Erwerbslose und Menschen mit Burnout und Depression, da ihre Jobs weniger gefährdet wären. Warum wohl gibts weniger derartige Erkrankungen bei den Dachdeckern, Drehern, Zimmermännern etc als im Vergleich dazu bei Dienstleistungen, Vertrieblern usw
Na weil letztere Berufe sind, in denen sich beide Geschlechter tummeln und die Möglichkeit des Austauschens schnell gegeben ist, bis auf den Pflegebereich inklusive Krankenschwestern.
Wo haben wir denn unseren Fachkräftemangel??
Zurück zur Erziehung gekoppelt an Werte. Es ist doch einfach furchtbar wie sich die Gesellschaft heute teilweise benimmt. Es wird in öffentlichen Verkehrmitteln laut herumtelefoniert, man hört anstelle von 'ich' nur noch 'isch' und anstelle von 'mich' nur noch 'misch'.
In Sachsen wäre das ja in Ordnung :D, aber in den Breitengraden welche ich bereise, stellt das einen Mangel an Bildung dar.
Genau diese ist der Schlüssel zu vielen aktuellen Problemen. Je weniger davon, desto mehr Problematiken.
Es geht weiter mit der Freundlichkeit und Anstand.
Wenn ich in Bayern in der Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern joggen gehe, dann grüßt JEDER. Egal ob er, in meinem Rücken ankommend, mit dem Fahrrad an mir vorbeiradelt oder joggt oder spaziert.
Wenn ich in Mainz an der Rheinpromenade jogge, grüßt maximal jede vierte Joggerin, ansonsten kein Mensch.
Da sind wir wieder bei dem Punkt Reizüberflutung gekoppelt an Abstumpfung und Werteverfall. Dieses Simple Beispiel zeigt den Vergleich Großstadt (Reizüberflutung) und Kleinstadt.
Weiter gehts mit Globalisierung. In fast jedem Land der Welt gibt es Rassenproblematik. Sie äussert sich nur unterschiedlich.

Denke ich kann mir da eine Meinung erlauben, da ich ein Produkt aus zwei Familienstammbäumen bin das auf der einen Seite aus einer Gastarbeiterfamilie besteht und auf der anderen aus einem Wehrmachtsoldat im zweiten Weltkrieg (unter anderem Russlandfeldzug).
Wir haben jedenfalls viel zu viele Immigranten(was natürlich auch wieder zum Verlust von Arbeitsplätzen für in Deutschland geborene Arbeitnehmer führt).
Multi-Kulti ist eine sehr positive Sache, aber führt leider immer wieder zu Konflikten. Da immer nur eine Minderheit gewillt ist sich mit der anderen Kultur nachhaltig zu beschäftigen, landen wir immer wieder im Minenfeld der Vorurteile und des Hasses. Wenn man sich wünscht, dass Einwanderung etwas geringer ausfällt, dann bedeutet dass nicht das eine oder einer gleich Rechtsradikal ist oder das man andere Rassen als minderwertig ansieht.

Wie einige schon richtig bemerkten, sollte man sich mit der Vergangenheit seines Landes beschäftigen und Dinge wie das dritte Reich und seine Verbrechen immer wieder thematisieren, damit sich so etwas schreckliches nie mehr wiederholt.
ABER die Deutschen trauen sich aufgrund ihrer Vergangenheit nahezu in keinem Bereich einen Riegel vorzuschieben. Plötzlich besteht halb Osteuropa nur noch aus politischen Flüchlingen. Ich überteibe jetzt mal bewusst.
Deutschland lässt sich nicht nur auf politischer Ebene abzocken, sondern auch im täglichen Leben. Und keiner traut sich dagegen zu begehren, aufgrund der ach so schlimmen Vergangenheit. Was kann die heutige Generation dafür? Nichts!
Müssen wir uns jetzt tatenlos die bulgarischen und rumänischen Zigeuner in den Fußgängerzonen ansehen, welche (leider erfolgreich) ahnungslosen Passanten eine Behinderung vorgaukeln, um sich dann Abends (wenn sie sich unbeobachtet fühlen) wieder ganz normal aufrichten, kurz bevor sie von einem Auto abgeholt werden um die Einnahmen abzugeben?????
Oder müssen wir es hinnehmen das die Handy- und Smartphone Mafia mit gefälschten Ausweisen, Papieren und Bankkarten versucht Telefone und Elektronik abzuzocken und eingegangene Vertragsverhältnisse oder Finanzierungen in den nächsten Mülleimer schmeißen? Ach es gibt so viele Beispiele.........
Klar, Menschen die hier geboren wurden machen das auch, aber ich greife nur ein paar Themen raus.

Im Prinzip geht es mir darum zu sagen das die Deutschen sich nicht alles gefallen lassen und jeden aufnehmen müssen, nur weil sie ein finsteres Kapitel in der Geschichte willentlich nicht schließen.

Wir zahlen so viel Steuer dürfen aber kaum etwas mitentscheiden. Wir dürfen nur alle paar Jahre eine Partei wählen, die uns in der Zwischenzeit das blaue vom Himmel erzählt(genau wie jegliche Werbemaschinerie im TV oder auf Werbeblättchen) um hernach doch kaum was davon umzusetzten oder im schlimmsten Fall sogar das Gegenteil.

Nun komme ich zum Druck in der Arbeitswelt um wieder zum Thema der emotionalen Wracks zurückzukehren.
In vielen Berufsfeldern gehts heutzutage nur noch um Zahlen, Rendite, Gewinnmaximierung und Dividenden. Der Druck in den Unternehmen wird immer von oben ausgebüt, was dazu führt das man meistens immer nur auf seinen direkten Vorgesetzen schlecht zu sprechen ist. Logischerweise ist der Druck ganz unten am Größten und zugleich sind dort die Existenzen am wackeligsten. Das ist ein übler Cocktail.
Die Arbeitnehmer werden in vielen Unternehmen gerne regelmäßg ausgetauscht, weil sie teils wirklich ausgebrannt sind oder einfach nicht mehr mit Begeisterung gewillt sind die schwachsinnigen Zielsetzung(welche so hoch angelegt sind, das sie eh kaum erreicht werden können....aber so bleibt der Angestellte immer schön unter Strom) mitzutragen, wie noch zu Anfang.
Bist du ganz unten, bist du eine Marionette. Steigst du eine Stufe weiter, bist du eine Marionette mit Verantwortung usw und sofort.
Plötzlich sitzt du bei einem Vortrag eines Managertyp-Job-Hoppers, der im van Laack Hemd und im Canali Anzug davon erzählt das dieses vorgestellte Produkt doch das beste überhaupt ist. Das wäre in Ordnung, wenn nicht genau dieser Mensch Monate vorher das gleiche über ein ähnliches Produkt erzählte, als er noch für die Konkurrenz arbeitete.
In der heutigen Arbeitswelt fehlt die individuelle Betrachtungsweise. Jeder wird gleich behandelt. Doch das funktioniert nicht. Der eine braucht Druck, damit er den Arsch hoch bekommt. Der andere jedoch braucht Vertrauen um sein bestes Niveau zu erreichen. Wie im Fussball.
Schnelllebigkeit ist das Gift, welches unsere Gesellschaft unterwandert. Rücksichtnahme ist häufig fehl am Platz und ihr Fehlen eine Ursache der emotionalen Verarmung oder soll ich sagen Verrohung.

Warum treten die psychischen Erkrankungen meist bei den Menschen auf die eben mit Menschen den meisten Umgang haben? Weil sie den ganzen emotionalen Müll aufnehmen, ja aufnehmen müssen. Es geht gar nicht anders.
Wenn du jeden Tag nach der Arbeit nur noch mental fix und fertig bist läuft was falsch.
Es geht weiter mit den wahnwitzigen Öffnungszeiten. Es wird immer noch früher geöffnet und noch später geschlossen. Wozu??????????? Weil dann so viel mehr Umsatz gemacht wird? Ne is klar
Amerikanisierung und Anglizismen beherrschen uns. Der Verlust der eigenen Sprache ist schon viel zu weit fortgeschritten(wir sind häufig umgeben von mangelhaftem Satzbau und ähhh ähhh).
Wir sollten alle Englisch beherrschen, aber muss ich deshalb hunderte Wörter einfach in meiner Sprache einfach austauschen.

Unsere Gesellschaft hat jedenfalls ein gewaltiges Problem, welches aber viel zu wenige wahrhaben wollen und viele überhaupt nicht wahrnehmen können.
Ich brauche nur auf Facebook zu gucken wo mir meinetwegen sofort ein Kommentar entgegenspringt indem jemand berichtet, dass er eben seinen persönlichen 'hintereinander Niesen' mit 21x eingestellt hat. Das einmal als willkürliches Beispiel.

Sicherlich polarisiere ich mit meinem Post jetzt und es werden einige aufschreien. Doch das ist die Quintessenz der letzten 10 Jahre. Und während ich das schreibe bemerke ich, dass es zeitlich mit der Einführung des Euro und dem öffnen der Grenzen wenig später, einher geht.
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Uwe

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1348 am: 29.Juli 2011, 13:51:54 »

@El_Pocho: Du drückst das alles gut ausgewogen aus.

Ich bin vorher wohl übers Ziel hinausgeschossen mit abgehobenem Geseier, das gebe ich zu. Meine eigentliche Motivation, hier überhaupt zu posten, habe ich daher oben noch mal versucht, einzuschränken. Nach der in meinem letzten Post zitierten Logik hatte Breivik anscheinend nur ein paar Mal seine Laufschuhe nicht griffbereit und das kanns ja nicht sein. Dann ist doch wahrscheinlicher das Lachsbrötchen dran schuld.

Zu Blähbäuchen: in irgendeinem Beitrag war dann auch noch was von Somalia zu lesen. Finde gerade nicht, wer das war, weil auch alles inzwischen editiert ist.

Kann man sich dann auch darauf einigen, dass hier niemand behauptet/verlangt hat, dass Schule Eltern ersetzen soll? Dann gäbe es nämlich auch noch einen Grund, sich in Rage zureden, weniger.

Und auf neue Haarspalterei ("es müsste gemeinsam mit den Eltern bereits in Kindergärten auf eine, wie du es nennst, emotionale "Schulung" geachtet werden. Aber nicht im Sinne einer "Lehre", sondern einfach im Sinne dessen, wie ich meine Schule als Milieu gestalte") habe ich vielleicht am WoEnd wieder Bock. Momentan fühlt sich das nicht gut an = mache ich nicht. ;-)

Gruß
MMM
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1349 am: 29.Juli 2011, 14:47:35 »

da sich das hier sonst noch weiter hochschaukelt, kapriziere ich mich mal auf meine Anfangsaussage: emotionale Schulung müsste auch an Schulen stattfinden.

Solche verharmlosenden Aussagen sind für mich ein weiterer Beleg dafür:

"Übrigens sind situations- oder personenbezogene Mord- oder Folterfantasien nichts schlimmes, solang sie Fantasien bleiben. Sie helfen uns dabei, emotionalen Stress abzubauen und psychisch gesund zu bleiben, damit wir eben nicht Amok laufen - und dass muss einem nicht mal beigebracht werden, das machen die grauen Zellen von sich aus  ;) ."

"Mordfantasien: Ich kenne sogar zwei Psychologen persönlich, die solchen "Schwachsinn" behaupten. Sicherlich ist es wesentlich effektiver sich in irgendeiner Form körperlich abzureagieren (Sport z.B.), aber das ist ja wohl kaum immer und sofort möglich. Niemand, der ab und an seinem Chef oder Nachbarn gedanklich den Hals umdreht, muss sich darüber gedanken machen, ob er psychische Probleme hat.  ;)"

Wenn - ob in der Phantasie oder real sei mal dahingestellt - die Reaktion auf emotionalen Stress Mord ist, hat man mMn ein psychologisches Problem. Insofern, dass man unfähig ist, eine dem Aggressor angemessene (!) Konfliktbewältigungsstrategie zu entwickeln.

Aha, ein Beleg also. Woher nimmst du denn bitte die Expertise, das beurteilen zu können (besonders die fett hervorgenhobene Aussage)? Oder ist es eher so ein Bauchgefühl?

Jemand, dessen Stressbewältigungsstrategie es "ab und an" (und mangels neu erlernter alternativer Methoden es möglicherweise irgendwann gewohnheits-/reflexmäßig) ist, auf emotionalen Stress mit Mordgedanken zu reagieren - welche Garantie kann derjenige dafür geben, dass, sollte irgendwann mal der entscheidende Tropfen zuviel ins Verdränger-und-Runterschluck-Fass getropft sein - sein Kontrollmechanismus trotzdem weiter funktioniert und Phantasien nicht real werden???

Öhm, wenn ich sage "ab und an" dann meine ich das auch so. Und wenn ich von "Mordfantasien" rede, meine ich keine ausschweifenden imaginären Gewaltorgien, die der fantasierende immer und immer wieder durchlebt. Es gibt ein gesundes Maß und wenn das überschritten ist, denke ich, hat der oder die jenige sehr wohl ein Problem (so wie Herr Breivik). Aber sein wir doch mal ehrlich, wieviele Menschen gibt es wohl, die Stress und Aggression ausschließlich mit Mordfantasien kompensieren? Und bei wievielen dieser Menschen führt das letztlich zu einem realen Mord?

Mal davon ganz abgesehen ist die Zahl der Tötungsdelikte in den letzten 20 Jahren in Deutschland deutlich gesunken. 2009 wurden 3269 Tötungsdelikte registriert. 365 Menschen fielen einem Mord zum Opfer. OK, geben wir noch eine Dunkelziffer von 50% hinzu, kommen wir auf ca. 550 Mordopfer. Und dabei ist noch nicht klar wieviele Tötungsdelikte auf emotional überlastete Ottonormalverbraucher entfallen, schließlich gibt es noch soetwas wie Organisierte Kriminalität. Zum Vergleich: im gleichen Jahr gab es 4152 Verkehrstote in Deutschland. Angesichts dieser Zahlen würde ich eher verstärkt Verkehrsehrziehung in den Schulen unterrichten lassen als "Emo-Kunde".

Darauf münzte ich das Frisch-Zitat, kann man aber gerne drüber streiten.

Ich hab meinen Senf dazu bereits abgegeben. Mehr muss ich dazu auch nicht sagen.

Wenn man als Kind lernt "Indianer kennt keinen Schmerz", "man muss sich zusammenreißen" usw. dann sind das Mechanismen, die fürs Leben prägen und die man nicht mal eben so ablegen kann. Das muss man am besten als Kind schon anders lernen, bzw. DAZUgelernt bekommen. Auch wenn ich mich so ausgedrückt haben mag, meine ich damit keine Erziehung so Nullbockkindern, die jeglichen (!) Stress verweigern.

Weder Eltern (wohl eher Väter), die ihre Kinder (wohl eher Söhne) zu "harten Hunden" (wohl eher seelischen Krüppeln) erziehen, noch Öko-Anthroposphen-Esoterik-Eltern, die ihre Kinder zu weltremden Sonderlingen erziehen, dürften heutzutage repräsentativ für das deusche Otto-Normal-Elternhaus sein. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel aber für die extra ein Schulfach einzuführen halte ich für übertrieben. Solltest du einer dieser Ausnahmen sein (und der Verdacht drängt sich mir ein wenig auf) tut es mir leid für dich und dann verstehe ich natürlich, dass du hier so vehement deinen Standpunkt vertrittst. Sollte ich mich irren, ist der vorhergehende Satz natürlich gegenstandslos.

Und Hungerbäuche hab auch nich mit keiner Silbe erwähnt.

@Der Baske

Die Absätze 10-13 deines Beitrags find ich gut. Der obere Teil jedoch ist mir viel zu wertkonservativ. In der DDR waren die Frauen auch berufstätig und trotzdem gibt es faktisch keine nennenswerten Erziehungsdefizite. Daran allein kanns also nicht liegen.
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Uwe

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1350 am: 29.Juli 2011, 15:15:11 »

"Aha, ein Beleg also. Woher nimmst du denn bitte die Expertise, das beurteilen zu können (besonders die fett hervorgenhobene Aussage)? Oder ist es eher so ein Bauchgefühl?"

Ich musste Anfang des Jahres auch mal psychologische Hilfe beanpsruchen, aus eigener Erfahrung also. Gewaltphantasien waren ein Symptom meines Problems.Und hätte meine Psychologin das genauso vehement, wie Du (was bei mir auch eine Vermutung nahelegt) als Schwachsinn abgetan, hätte ich vermutlich noch daran zu knabbern. Reicht das?

edit: wenn DIR Statistiken über rückläufige Mordzahlen helfen dabei, Dich besser zu fühlen, dann ist das doch okay. Für mich wars nicht okay da mir Statistiken oder andere Rationalisierungen nicht dabei geholfen haben, sie wieder loszuwerden. Ohne lebt/joggt/radelt/schwimmt sichs einfach besser.

edit'2: @El_Pocho: doch war mein Ernst. Relativ zu meinem teilweisen Gefasel schon. Was für Dich jetzt zwar ein schwacher Trost ist, aber Du kannst ja gerne noch eine 10seitige Zusammenfassung schreiben. ;-)
« Letzte Änderung: 29.Juli 2011, 15:32:16 von Mbhiarh Mwkhunle Mhnunwnjakhu »
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El_Pocho

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1351 am: 29.Juli 2011, 15:17:19 »

Gut ausgewogen? Ist das ironisch?  ;D Würde ich nicht unterschreiben  ;)

Zitat
Wie ihr schon festgehalten habt, versucht heute jeder immer mit dem anderen zu konkurieren, was man allein daran sieht, dass Frauen heutzutage zu einem viel größeren Anteil Karriere machen wollen, als in der Vergangenheit.
Dagegen ist prinzipiell nichts zu sagen, aber es zieht einen Rattenschwanz nach sich.
Durch diese Veränderung kommt es zu weniger Eheschließungen, weniger Partnerschaften und mehr Scheidungen.

Die wenigsten Frauen wollen Karriere machen. Die meisten wollen einfach - ohne große Ambitionen wieder in ihren Beruf einsteigen. Wer 2 Jahre zuhause mit einem Säugling/Kleinkind verbringt, wir das gut verstehen können. Das Konstrukt, das eine Person 5-15 Jahre ihres Lebens auf die Kindererziehung aufwendet, ist kein sinnvolles, vor allem ist es pure Ressourcenverschwendung, Menschen auszubilden und sie dann den Beruf nicht ausüben lassen zu wollen. Und es gibt keine einzige Studie, die nachweist, daß Kinder Schaden nehmen, wenn sie früher (d.h. mit 1-2 Jahren) in eine Fremdbetreuung kommen, zumindest halbtags.
Und was ist mit den Männern? Die ewige Schutzbehauptung der "emotionalen Bindung" ist IMHO nur für die ersten 6-8 Lebensmonate wirklich gültig. Ich habe vor 2 Wochen mein Jahr Elternzeit angetreten (die Kinder sind 2 Jahre / 8 Monate alt) und ich kann bisher, außer diversen Hygieneprobleme in unserer Wohnung und einem zunehmend akuteren Unterwäschemangel bei allen Familienmitgliedern, keinen emotionalen Schaden  bei unseren Kindern feststellen  ;D ;)

Zitat
Wenn heute Kinder nach einer gewissen Zeit nicht schon Mama oder Papa sagen, geht doch schon die Panik los. Oder wenn die Tochter nach 4 Monaten schon Mama sagt, heißt es gleich hochbegabt. Ist doch völlig egal. Lasst die Kinder doch eine völlig entspannte Entwicklung nehmen. Das einzige worin man sie zwängen sollte sind einige Regeln, Grenzen und Gummistiefel

Völlig richtig, wobei die Gummistiefel heutzutage recht bequem sind.
Darauf beziehen sich übrigens meine Einwände bezüglich der elterlichen Verunsicherung. Gelassenheit ist vielen leider etwas abhanden gekommen, leider aber nicht nur den Eltern, sondern auch den Kinderärzten, Erzieherinnen etc.

Zitat
Darüberhinaus hätten wir weniger Erwerbslose und Menschen mit Burnout und Depression, da ihre Jobs weniger gefährdet wären. Warum wohl gibts weniger derartige Erkrankungen bei den Dachdeckern, Drehern, Zimmermännern etc als im Vergleich dazu bei Dienstleistungen, Vertrieblern usw
Na weil letztere Berufe sind, in denen sich beide Geschlechter tummeln und die Möglichkeit des Austauschens schnell gegeben ist, bis auf den Pflegebereich inklusive Krankenschweste

Darf ich jetzt folgende Schlussfolgerung ziehen: du bist der Meinung, daß in Berufen, die auch von Frauen ausgeübt werden, durch den Überfluss an Personal zuviel Druck auf den einzelnen entsteht, und daß deswegen die Frauen davon fernbleiben sollten? Sorry, da bin ich nicht mehr mit dabei. Das Problem im Pflegebereich, daß zu Burnout etc führt ist, daß für 20 Patienten eine Schwester zuständig ist. Das liegt, kurz gesagt,daran, daß 1) die Gelder im Gesundheitssystem irgendwo in Verwaltung und in den Führungsetagen der Krankenhäuser versacken und 2) daß unser Gesundheitssystem daß teuerste und ineffektivste dieses Universums ist und keine Sau mehr als absolut notwendig ins Personal investieren will.
Damit will ich den Nebenkriegsschauplatz "Gesundheit" schnell wieder schliessen.

Zitat
Genau diese ist der Schlüssel zu vielen aktuellen Problemen. Je weniger davon, desto mehr Problematiken.
Es geht weiter mit der Freundlichkeit und Anstand.
Wenn ich in Bayern in der Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern joggen gehe, dann grüßt JEDER. Egal ob er, in meinem Rücken ankommend, mit dem Fahrrad an mir vorbeiradelt oder joggt oder spaziert.
Wenn ich in Mainz an der Rheinpromenade jogge, grüßt maximal jede vierte Joggerin, ansonsten kein Mensch.
Da sind wir wieder bei dem Punkt Reizüberflutung gekoppelt an Abstumpfung und Werteverfall. Dieses Simple Beispiel zeigt den Vergleich Großstadt (Reizüberflutung) und Kleinstadt.

Sorry, das ist jetzt aber sehr klischeehaft. Gerade in den von mir bewohnten Kleinstädten war der soziale Druck auf den einzelnen oft höher als in größeren Städten, weil man nicht so anonym lebt und weil die Infrastruktur oft nur durch viel Autogefahre erreichbar war. Und zumindest hier in Karlsruhe habe ich nicht mehr oder weniger Negativerlebnisse als zuvor in Oberbayern oder in Heilbronn. Wir haben in unserem Viertel rasend schnell die diversesten Bekanntschaften unterschiedlichster Couleur, Meinung und Herkunft gemacht. "Außenseiter" werden in großen Städten oft besser akzeptiert als in kleinen Dorfgemeinschaften.

Zitat
Wir haben jedenfalls viel zu viele Immigranten(was natürlich auch wieder zum Verlust von Arbeitsplätzen für in Deutschland geborene Arbeitnehmer führt)

Danach hat mich die Lust, deinen Beitrag zu lesen, offen gesagt ein bisschen verlassen, und ich bin nicht mal Deutscher und als Luxemburger weitgehend vergangenheitsunbelastet.

Zitat
Da immer nur eine Minderheit gewillt ist sich mit der anderen Kultur nachhaltig zu beschäftigen, landen wir immer wieder im Minenfeld der Vorurteile und des Hasses. Wenn man sich wünscht, dass Einwanderung etwas geringer ausfällt, dann bedeutet dass nicht das eine oder einer gleich Rechtsradikal ist oder das man andere Rassen als minderwertig ansieht.

Aus Wikipedia:2009 wanderten 606.000 Menschen mit ausländischem Pass nach Deutschland ein und 579.000 ohne deutsche Staatsangehörigkeit aus. Das entspricht einem Überhang von etwa 27.000 Zuwanderungen.[26] In den letzten Jahren ist die Einwanderung in Deutschland zurückgegangen.[27]
Einige Migrationsexperten sind der Meinung, dass die momentane Einwanderungspolitik mit den anderen Staaten nicht konkurrenzfähig sei, so dass in der Tendenz überwiegend Geringqualifizierte nach Deutschland einwanderten. Es fehle ein selektives Modell, wie das in Kanada, den USA und dem Vereinigten Königreich üblichen Punktesystem, das zur verstärkten Einwanderung von Fachkräften führt.


Das lasse ich jetzt mal unkommentiert stehen. Das Problem ist, daß sich eben nur die Minderheit damit beschäftigen will und die Mehrheit denkt, datt es von selbst zu laufen hat. Ist aber nicht so. Ich bin aber immer noch der Meinung, daß es in Deutschland gut läuft. Vielleicht lebe ich da in B-W aber auch auf einer Insel. Zu der Handymafia und den Zigeunern will ich mich nicht äußern, da ich nicht schon wieder auf die Palme will. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Deutsche, die Steuern hinterziehen und Schwarzarbeiter beschäftigen, wird wohl sehr viel höher sein als der von ein paar bettelnden Zigeunern.
Nun komme ich zum Druck in der Arbeitswelt um wieder zum Thema der emotionalen Wracks zurückzukehren.
Zitat
In vielen Berufsfeldern gehts heutzutage nur noch um Zahlen, Rendite, Gewinnmaximierung und Dividenden. Der Druck in den Unternehmen wird immer von oben ausgebüt, was dazu führt das man meistens immer nur auf seinen direkten Vorgesetzen schlecht zu sprechen ist. Logischerweise ist der Druck ganz unten am Größten und zugleich sind dort die Existenzen am wackeligsten. Das ist ein übler Cocktail.
Die Arbeitnehmer werden in vielen Unternehmen gerne regelmäßg ausgetauscht, weil sie teils wirklich ausgebrannt sind oder einfach nicht mehr mit Begeisterung gewillt sind die schwachsinnigen Zielsetzung(welche so hoch angelegt sind, das sie eh kaum erreicht werden können....aber so bleibt der Angestellte immer schön unter Strom) mitzutragen, wie noch zu Anfang.
Bist du ganz unten, bist du eine Marionette. Steigst du eine Stufe weiter, bist du eine Marionette mit Verantwortung usw und sofort.
Plötzlich sitzt du bei einem Vortrag eines Managertyp-Job-Hoppers, der im van Laack Hemd und im Canali Anzug davon erzählt das dieses vorgestellte Produkt doch das beste überhaupt ist. Das wäre in Ordnung, wenn nicht genau dieser Mensch Monate vorher das gleiche über ein ähnliches Produkt erzählte, als er noch für die Konkurrenz arbeitete.
In der heutigen Arbeitswelt fehlt die individuelle Betrachtungsweise. Jeder wird gleich behandelt. Doch das funktioniert nicht. Der eine braucht Druck, damit er den Arsch hoch bekommt. Der andere jedoch braucht Vertrauen um sein bestes Niveau zu erreichen. Wie im Fussball.
Schnelllebigkeit ist das Gift, welches unsere Gesellschaft unterwandert. Rücksichtnahme ist häufig fehl am Platz und ihr Fehlen eine Ursache der emotionalen Verarmung oder soll ich sagen Verrohung.

Warum treten die psychischen Erkrankungen meist bei den Menschen auf die eben mit Menschen den meisten Umgang haben? Weil sie den ganzen emotionalen Müll aufnehmen, ja aufnehmen müssen. Es geht gar nicht anders.
Wenn du jeden Tag nach der Arbeit nur noch mental fix und fertig bist läuft was falsch.
Es geht weiter mit den wahnwitzigen Öffnungszeiten. Es wird immer noch früher geöffnet und noch später geschlossen. Wozu?? Weil dann so viel mehr Umsatz gemacht wird? Ne is klar
Amerikanisierung und Anglizismen beherrschen uns. Der Verlust der eigenen Sprache ist schon viel zu weit fortgeschritten(wir sind häufig umgeben von mangelhaftem Satzbau und ähhh ähhh).
Wir sollten alle Englisch beherrschen, aber muss ich deshalb hunderte Wörter einfach in meiner Sprache einfach austauschen.

Unsere Gesellschaft hat jedenfalls ein gewaltiges Problem, welches aber viel zu wenige wahrhaben wollen und viele überhaupt nicht wahrnehmen können.
Ich brauche nur auf Facebook zu gucken wo mir meinetwegen sofort ein Kommentar entgegenspringt indem jemand berichtet, dass er eben seinen persönlichen 'hintereinander Niesen' mit 21x eingestellt hat. Das einmal als willkürliches Beispiel.

Das kann ich alles so nachvollziehen. Gerade die Sache mit der individuellen Betrachtungsweise kann man auf Schulsystem etc. gut ausweiten. Und das mit der Sprache finde ich eine der schrecklichsten Unarten überhaupt.
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Friedel Funkhelm

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1352 am: 29.Juli 2011, 16:22:40 »

"Aha, ein Beleg also. Woher nimmst du denn bitte die Expertise, das beurteilen zu können (besonders die fett hervorgenhobene Aussage)? Oder ist es eher so ein Bauchgefühl?"

Ich musste Anfang des Jahres auch mal psychologische Hilfe beanpsruchen, aus eigener Erfahrung also. Gewaltphantasien waren ein Symptom meines Problems.Und hätte meine Psychologin das genauso vehement, wie Du (was bei mir auch eine Vermutung nahelegt) als Schwachsinn abgetan, hätte ich vermutlich noch daran zu knabbern. Reicht das?

Absolut. Deine Psychologin, nehme ich mal an, hat aber wahrscheinlich mit dir in erster Linie über dein Problem gesprochen und nicht über allgemeinverbindliche Diagnosekriterien psychischer Störungen. Eines der wichtigsten Kriterien ist nämlich Leidensdruck. Du hast unter deinen Gewaltfantasien gelitten und das ist ein eindeutiges Kriterium dafür, dass da tatsächlich Handlungsbedarf bestand. Du hast dich in Behandlung begeben und damit das Richtige getan.

Wenn ich mir jedoch ausmale, meinem Nachbarn die Türe einzutreten und ihm mit einer Axt den Schädel zu spalten, weil er mal wieder morgens um 4 seine reudige Elektro-Mucke bis zum Anschlag aufreißt, sodass bei mir im Schlafzimmer die Fensterscheiben vibriren, dann ist das alles andere als problematisch. Denn sobald drüben wieder Ruhe einkehrt, bin ich's zufrieden. Die Mordgedanken sind wie weggeblasen, und ich nehme mir vor, ihn mal höflich drauf anzusprechen, was er sich eigentlich dabei denkt in aller Herrgottsfrühe so einen Heidenlärm zu veranstalten, wenn ich ihm das nächste mal über den weg laufe.

Dass das bei dir nicht so einfach in den Griff zu bekommen war tut mir leid. Ich hoffe, dein Problem ist mittlerweile keines mehr.

Was ich aber nicht OK finde, ist dass du hier eine Diskussion vom Zaun brichst es bräuchte doch Psycho-Unterricht in den Schulen und dabei von der Allgemeinheit redest obwohl es im Grunde eigentlich die ganze Zeit nur um dich ging. Ich lasse aber mildernde Umstände gelten  ;) .
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mancity

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1353 am: 29.Juli 2011, 19:25:15 »

"Aha, ein Beleg also. Woher nimmst du denn bitte die Expertise, das beurteilen zu können (besonders die fett hervorgenhobene Aussage)? Oder ist es eher so ein Bauchgefühl?"

Ich musste Anfang des Jahres auch mal psychologische Hilfe beanpsruchen, aus eigener Erfahrung also. Gewaltphantasien waren ein Symptom meines Problems.Und hätte meine Psychologin das genauso vehement, wie Du (was bei mir auch eine Vermutung nahelegt) als Schwachsinn abgetan, hätte ich vermutlich noch daran zu knabbern. Reicht das?

Absolut. Deine Psychologin, nehme ich mal an, hat aber wahrscheinlich mit dir in erster Linie über dein Problem gesprochen und nicht über allgemeinverbindliche Diagnosekriterien psychischer Störungen. Eines der wichtigsten Kriterien ist nämlich Leidensdruck. Du hast unter deinen Gewaltfantasien gelitten und das ist ein eindeutiges Kriterium dafür, dass da tatsächlich Handlungsbedarf bestand. Du hast dich in Behandlung begeben und damit das Richtige getan.

Wenn ich mir jedoch ausmale, meinem Nachbarn die Türe einzutreten und ihm mit einer Axt den Schädel zu spalten, weil er mal wieder morgens um 4 seine reudige Elektro-Mucke bis zum Anschlag aufreißt, sodass bei mir im Schlafzimmer die Fensterscheiben vibriren, dann ist das alles andere als problematisch. Denn sobald drüben wieder Ruhe einkehrt, bin ich's zufrieden. Die Mordgedanken sind wie weggeblasen, und ich nehme mir vor, ihn mal höflich drauf anzusprechen, was er sich eigentlich dabei denkt in aller Herrgottsfrühe so einen Heidenlärm zu veranstalten, wenn ich ihm das nächste mal über den weg laufe.

Dass das bei dir nicht so einfach in den Griff zu bekommen war tut mir leid. Ich hoffe, dein Problem ist mittlerweile keines mehr.

Was ich aber nicht OK finde, ist dass du hier eine Diskussion vom Zaun brichst es bräuchte doch Psycho-Unterricht in den Schulen und dabei von der Allgemeinheit redest obwohl es im Grunde eigentlich die ganze Zeit nur um dich ging. Ich lasse aber mildernde Umstände gelten  ;) .

Naja, seit vielleicht zwanzig Jahren werden unter Kindern dramatisch ansteigende Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert.

Was den Nachbarn angeht, kann ich eine Geschichte beisteuern, bei der ich dachte, ich werde verrückt. Der Typ wohnte über mir und hatte, wie ich nach Monaten bei einem - ergebnislosen -Gespräch mit ihm herausfand, eine Katze. Diese sprang die halbe nacht in der Wohnung rum, wahrscheinlich von Tischen oder Schränken immer auf den Fußboden. Die nacht sah dann für mich so aus: Ich konnte erst mal lange nicht einschlafen und morgens bin ich drei oder zwei Stunden zu früh aus dem Schlaf gerissen worden. Im Durchschnitt hab ich vier bis sechs Stunden geschlafen. Das ging vom ersten Tag an los, seit der eingezogen war. Vorher hatte ich aus dieser Wohnung nie einen Mux gehört. Ich war monatelang im Ausnahmezustand, weil ich permanent übermüdet und höchst aggressiv war. Tötungsfantasien hatte ich natürlich jede Menge. Und für MICH waren sie ein Problem, für den Typen natürlich nicht, weil ich sie nicht umgesetzt habe. Für alle anderen auch nicht, weil kein Mensch nachvollziehen konnte, dass eine Katze diesen Lärm verursachen könnte. Die Wohnungsgesellschaft hat natürlich nichts unternommen. Nach zwei Monaten habe ich die Wohnung gekündigt und musste noch die drei Monate Kündigungsfrist abwarten. Der ganze Scheiß zog sich also über fünf Monate hin.

So, und wo haben mir meine Gewaltfantasien in dieser Lage geholfen? Wäre ich ohne soziales Umfeld samt Psychologen gewesen, wäre ich vielleicht zum Amokläufer oder Selbstmörder geworden. Na schönen Dank, ihr lieben Gewaltfantasien!

Ich sage es noch mal: dass konkrete Gewaltfantasien irgendwelche positiven Wirkungen haben sollen, halte ich für gefährlichen Schwachsinn.

Dein Beispiel mit dem Nachbarn ist insofern irrelevant, weil das eine Einzelsituation ist, die idealtypisch gelöst wurde, weil alle kooperativ waren. Ich meine, na klar, wenn ich einmal genervt bin, und dann ist alles wieder okay, weil der Nachbar mit sich reden lässt und kapiert, dass er nachts keine Musik machen kann, dann reicht das natürlich nicht, dass daraus etwas Gefährliches wächst. Doch wenn das strukturell passiert, ist das was anderes. Gegen Psychoterror kannst du nämlich juristisch gar nichts machen - was dann erst recht gefährlich ist. Deswegen habe ich in dieser Hinsicht auch nicht viel unternommen. Ich bin mir aber absolut sicher, sowas passiert alle naselang.

Zum Schluss: ich beneide Dich ehrlich, dass in deinem Leben alles so super ist, dass Du keinen Handlungsbedarf beim Thema emotionale Erziehung siehst. Ich denke auch nicht, dass damit alle Probleme gelöst würden. Und ich beschäftige mich auch nicht ständig mit dem Thema. Eigentlich gar nicht, es sei denn es dreht mal wieder jemand durch, wie eben letztens in Norwegen.
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Friedel Funkhelm

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1354 am: 30.Juli 2011, 03:09:36 »

Zunächstmal sollte ich vielleicht erwähnen, dass mein konkretes Beispiel mit dem lärmenden Nachbarn rein fiktiv war. Das heißt aber nicht, dass sich nicht gannz ähnliche Episoden hin und wieder in meinem Leben abspielen oder sich bereits abgespielt haben.

Dann sollte ich vielleicht einmal klarstellen, wie diese Zeilen
Übrigens sind situations- oder personenbezogene Mord- oder Folterfantasien nichts schlimmes, solang sie Fantasien bleiben. Sie helfen uns dabei, emotionalen Stress abzubauen und psychisch gesund zu bleiben, damit wir eben nicht Amok laufen - und dass muss einem nicht mal beigebracht werden, das machen die grauen Zellen von sich aus  ;) .
zu verstehen sind.

Mal ein anderes und sogar noch treffenderes Beispiel: Wenn mir einer eins auf die Fresse gegeben hat (was zum Glück nicht so oft vorkommt) und ich die folgenden Tage durch die schmerzende Schwellung immer wieder daran erinnert werde, stell ich mir vor, ich würd's dem Typen so richtig geben und dann gehts mir tatsächlich besser! Das mach ich nicht vorsätzlich, sondern diese Fantasien schießen mir dann einfach ein. Reflexartig sozusagen. Und da fantasiere ich dann nicht Stundenlang rum, sondern das dauert im Höchstfall ne Minute (hab da noch nie mitgestoppt) und dann is wieder gut.

In deinem Beispiel mit der Katze, wo du über Monate m.o.w. täglich diesem Stress ausgesetzt warst (auch wenn ich es tatsächlich verwunderlich finde, dass eine Katze so viel krach machen kann, war wohl ein dicker Brummer und darüberhinaus noch ungewöhnlich aktiv), kann ich nachvollziehen, dass da kein positiver Effekt (mehr) auftrat.

Siehs mal so: mit Gewaltfantasien ist es ähnlich wie mit dem Weinen. Weinen ist auch ein Reflex und baut emotionalen Stress ab. Bin ich aber ständig durch irgendwas emotional gestresst, hab ich zwei möglichkeiten: Entweder ich heule die ganze Zeit rum oder ich werde aktiv und beseitige einfach die Ursache des Stresses (so wie du durch deinen Auszug). Genauso können Gewaltfantasien permanenten emotionalen Stress nicht kompensieren.

Und falls das bis hierher nicht klar rübergekommen sein sollte: Gewaltfantasien bewußt zum Stressabbau einzusetzen, würde ich nicht unbedingt empfehlen.

Somit ergibt sich also, unter Einbeziehung vorhergehender Postings, folgende präzisierte Formel: Reflexartig hin und wieder auftretende Gewaltfantasien, bezogen auf bestimmte Situationen oder Personen, sind nichts schlimmes oder Anzeichen einer psychischen Fehlfunktion und können hilfreich für den Abbau akuten emotionalen Stresses sein. Treten solche Fantasien jedoch übermäßiig auf und vermindern dadurch die Lebensqualität, ist es besser einen Spezialisten aufzusuchen.

Zufrieden?

Und auch in meinem Leben ist ganz bestimmt nicht alles super  ;) .
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Konni

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1355 am: 30.Juli 2011, 16:39:50 »

Zitat von: Konni vor einem Monat
[...]Das einzige, was Autonome und Linksextreme gemeinsam haben, ist der Hass auf Rechtsradikale (obwohl ich aus eigener Erfahrung da bei den Autonomen Ausnahmen machen würde) und auf den Staatsapparat.
[...]
Immerhin schafft Wendt das, wofür Inneminister Friedrich entweder zu doof oder ideologisch zu verblendet ist, nämlich eine begriffliche Differenzierung von Linksextremisten und Autonomen.

Im Zuge der allgemeinen deutschen Norwegen-Hysterie zeigt Friedrich nun also, dass er doch durchaus fähig sein kann, zwischen Autonomen und "Linksextremisten" zu unterscheiden.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_31634090.php

Zitat von: IM Friedrich
Sorgen machen mir insbesondere die sogenannten "nationalen Autonomen", die sich zunehmend nach dem Beispiel der Linksautonomen formieren.

Dann hätte ich es sehr gerne gesehen, wenn im nächsten Verfassungsschutzbericht die Autonomen nicht als homogene Gruppe unter politisch motivierte Gewalt LINKS fallen würden. Aber bis dahin interessiert ihn sein Geschwätz von gestern wohl nicht mehr. Nichtsdestotrotz finde ich es weiterhin fragwürdig, Autonome überhaupt in Rechts und Links zu unterteilen. Autonome sind größtenteils komplett unpolitisch. Es gibt hier und da ein paar, die sich eher dem rechten oder sich eher dem linken Spektrum angehörig fühlen und sicherlich gibt es auch durchaus extremistische Autonome, aber es ist Blödsinn deren Handlungen (Einsatz von Gewalt) politischen Motiven zuzuordnen. Aber wenn man dieses Faß antoßen könnte, dann würde Friedrichs Parallele zwischen gefährlichen nationalen Autonomen, die sich nach dem Beispiel der linken Autonomen formieren (die damit de facto schon längst so gefährlich ist, wie die rechte Fraktion und deshalb quasi genauso für die Tat in Norwegen verantwortlich ist, wie Rechte) nicht mehr funktionieren...Das wäre natürlich schade. Ich hoffe bloß, dass irgendein Journalist beim nächsten Verfassungsschutzbericht mal das Hirn im Kopf hat, um Friedrich zu fragen, wo in der Statistik denn nun die nationalen Autonomen eingeordnet sind (kann ich beantworten) und warum sie nicht bei den rechten Straftaten auftauchen (kann ich im Prinzip auch beantworten).
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Friedel Funkhelm

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1356 am: 31.Juli 2011, 07:30:43 »

Irgendwie werd ich aus diesem Beitrag nich so ganz schlau.

Wäre zum einen durchaus hilfreich gewesen, wenn dein "Konni vor einem Monat"-Zitat den Link zum entsprechenden Beitrag enthalten hätte, denn da fehlt mir der Kontext.

Zum anderen frag ich mich, wo du deine Kenntnisse zur Autonomen Szene hernimmst. Hat für mich teilweise BILD-Zeitungs-Niveau, was du da äußerst (gerade das, was im oberen Teil der angesprochenen Zitatbox steht, aber kann sein, dass das dem fehlenden Kontext geschuldet ist).

Erstmal zur Unterscheidung zwischen Autonomen und "Linksextremisten": Nach meinem Dafürhalten ist die Autonome Szene in sich zwar politisch heterogen, aber generell am linken Rand verortet. Den Begriff "unpolitisch" im Bezug auf Autonome anzuwenden, halte ich für vollkommen unangebracht, denn die Entscheidung des Einzelnen, sich der Autonomen Szene anzuschließen, ist per sé eine politische und zwar aus Motiven heraus, die eindeutig dem Linken Spektrum zuzuordnen sind.

Dann:
Es gibt hier und da ein paar, die sich eher dem rechten oder sich eher dem linken Spektrum angehörig fühlen und sicherlich gibt es auch durchaus extremistische Autonome, aber es ist Blödsinn deren Handlungen (Einsatz von Gewalt) politischen Motiven zuzuordnen.

Großes Missverständnis! Die "Autonomen Nationalisten" (oder, wie in dem Zeitungsartikel: "nationale Autonome") haben mit der traditionellen Autonomen Szene ungefähr soviel miteinander zu tun, wie Franz Josef Strauß mit Rudi Dutschke. Beide Lager stehen sich diametral gegenüber. Vielmehr noch: Die "rechten Autonomen" sind nichts anderes als ein Plagiat. Der Versuch junger Rechtsradikaler, die von der traditionellen Bewegung (NPD, REPs, DVU, Burschenschaften, Vertriebenenverbände) frustriert sind (Tenor: "verbonzt", "spießig", "elitär"), ihr eigenes "cooles" Ding zu machen und von der bürgerlichen Gesellschaft frustrierte Jugendliche, die gefühlsmäßig eher zur Linken tendieren würden (Stichworte u.a.: Ellenbogengesellschaft, Umweltzerstörung) für sich zu gewinnen. Der Begriff, der anstelle von "nationale Autonome" verwendet weden sollte, lautet: Nazis, denn um nichts anderes handelt es sich, auch wenn sie sich optisch bewußt an das "Original" anlehnen.
Im Folgenden verwende ich daher den Begriff "Autonome" ausschließlich für das "Original".

Außerdem ist die von dir angedeutete Gleichsetzung von "Autonome" und "gewaltbereit" bzw. "wenn gewaltbereit dann unpolitisch" falsch. Es gibt definitiv militante Autonome, keine Frage, aber dies trifft keineswegs auf jeden in der Szene zu. Aber* wenn denn z.B. im Friedrichshain reihenweise Porsches oder Mercedes-Coupés abgefackelt werden, dann stecken da durchaus politische Motive dahinter ("Yuppies raus aus unserem Viertel!" oder auf schlau: "Anti-Gentrifizierung"). Die Sinnhaftigkeit solcher Aktionen darf allerdings angezweifelt werden, insbesondere deshalb, weil in der Regel nicht berücksichtigt wird, dass der Fiat Panda, der direkt daneben steht, gleich zur Hälfte mit abbrennt (eine solche Praxis hat in der militanten** Szene mit Sicherheit nicht nur Befürworter).

*Edit: Das "deren" in der Zitatbox bezieht sich wohl nur auf die "extremistischen Autonomen".
**Edit: Wort nachträglich eingefügt

Aber wenn man dieses Faß antoßen könnte, dann würde Friedrichs Parallele zwischen gefährlichen nationalen Autonomen, die sich nach dem Beispiel der linken Autonomen formieren (die damit de facto schon längst so gefährlich ist, wie die rechte Fraktion und deshalb quasi genauso für die Tat in Norwegen verantwortlich ist, wie Rechte) nicht mehr funktionieren...Das wäre natürlich schade. Ich hoffe bloß, dass irgendein Journalist beim nächsten Verfassungsschutzbericht mal das Hirn im Kopf hat, um Friedrich zu fragen, wo in der Statistik denn nun die nationalen Autonomen eingeordnet sind (kann ich beantworten) und warum sie nicht bei den rechten Straftaten auftauchen (kann ich im Prinzip auch beantworten).

Da weiß ich nun nicht was du eigentlich willst. Sagst einerseits, Autonome sind unpolitisch bzw. es gibt es eine rechte und eine linke "Fraktion" (was impliziert, dass es sich um ein und dieselbe Bewegung handelt) und andererseits hab ich das Gefühl, du findest es nicht OK, dass Straftaten von "Autonomen Nationalisten" (Ausnahmeformulierung weil sonst missverständlich) bei den traditionellen, "originalen" Autonomen (also den "Linksextremen") eingeordnet werden. Ich bin verwirrt. Klär mich bitte auf.
« Letzte Änderung: 31.Juli 2011, 15:49:02 von Friedel Funkhelm »
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Konni

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1357 am: 31.Juli 2011, 16:48:32 »

Ich fürchte, ich kann erst morgen darauf in aller Ausführlichkeit antworten.

Zu meinen Kenntnissen der autonomen Szene kann ich nur soviel sagen, dass ich das, was ich hier öffentlich über die Szene schreibe, guten Gewissens vertreten kann. Ob dir das hilft, weiß ich nicht. Ich bitte dich jedoch bitten zu hinterfragen, woher du deine Kenntnisse über die autonome Szene beziehst bevor du mir BILD-Niveau unterstellst, ein Vorwurf den ich nicht unbedingt gewohnt bin und der mich dann doch stutzig macht, worauf du deine selbstbewusste Beurteilung meiner Kenntnisse eigentlich stützt. Autonome generalisiert links einzuordnen, und nur so verstehe ich die Kausalkette ("Entscheidung des Anschlusses an autonome Szene ist persönlich und basiert ausschließlich aus politischen Motiven heraus und diese sind im linken Spektrum"), wird der Sache jedenfalls, und das kann ich wie gesagt guten Gewissens behaupten, nicht gerecht. Mehr dazu morgen.
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Friedel Funkhelm

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1358 am: 01.August 2011, 00:34:24 »

Nix für ungut. Glaub ich dir gerne, dass du solche Vorwürfe nicht oft bekommst, denn was ich bislang so von dir gelesen hab, fand ich immer ziemlich gut.

Zu meinen Kenntnissen der autonomen Szene kann ich nur soviel sagen, dass ich das, was ich hier öffentlich über die Szene schreibe, guten Gewissens vertreten kann.

OK, das würde ich von mir eigentlich auch behaupten. Kann natürlich sein, das ich nen völlig falschen Eindruck bekommen hab, aber die Leute, mit denen ich so zu tun hatte, waren immer sehr politisch und vor allem sehr links.  :)
Bin auf jeden fall gespannt was du dazu zu sagen hast (insbesondere darüber, welche Motive außer persönlichen politischen noch dafür ausschlaggebend sein könnten Autonomer zu werden). Vielleicht kann ich ja noch was lernen.
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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #1359 am: 01.August 2011, 16:07:05 »

Ich bin geschockt! Die Merkel hat zum vierten mal das gleiche an! :o

http://unterhaltung.t-online.de/angela-merkel-schon-wieder-in-lila/id_48503366/index

Als obs keien anderen Probleme gäbe...
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