Videoüberwachung ist eh so ein Thema. Am Beispiel Londons zeigt sich, dass tatsächlich ein Rückgang an Delikten festzustellen ist, der sich außerhalb einer üblichen Schwankung befindet. Allerdings besteht auch der dringende Verdacht, dass sich die Kriminalität nur verlagert - also in Gebiete ohne oder mit geringer Kameradichte. Außerdem betrifft das zumeist kleinere Delikte wie Taschendiebstahl. Gewaltverbrechen sind dagegen meist eher emotional und dadurch eine Kurzschlussreaktion. Da ist es den Tätern egal, ob Kameras alles filmen oder sie denken einfach nicht daran.
Es gibt ja so oder so das Sicherheitsdilemma. Mehr Überwachung, mehr Kontrollen, mehr Präsenz von Polizei/Militär kann grundsätzlich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erhöhen. Je mehr Kontrollen es aber gibt, desto höher sind auch die Zahlen von Delikten. Wo man besser hinsieht, entdeckt man auch mehr. Liegt halt auch daran, dass Verbrechen Kontrolldelikte sind. Solange ich mich nicht erwischen lasse, bin ich rechtlich noch unschuldig und gesellschaftlich unbefleckt. Die höheren Zahlen können wiederum die Angst vor Verbrechen in der Gesellschaft erhöhen. Hohe Verbrechenszahlen helfen Regierungen eh, da Menschen Gesetze, Verordnungen und Projekte viel eher akzeptieren, wenn dadurch - scheinbar oder wirklich - ihr Sicherheitsbedürfnis befriedigt wird (governing through crime). Darum ist aktuell auch das Wort Securitization recht geläufig. Wird ein Sachverhalt als Risiko für die Gesundheit und/oder den Besitz von Menschen ausgemacht, akzeptieren diese eben Maßnahmen dagegen. Ob denn nun wirklich eine akute Gefahr besteht, spielt bei Bürgern, die sich nicht oder ungenau informieren, letztendlich keine Rolle.
Securitization ist im Übrigen auch rund um den Profifußball in wirklich großem Maße zu beobachten!