Als Medikament bei Personen mit einem nachgewiesenen (d.h. testpsychologisch "gemessenem") Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, bei denen sämtliche nicht-medikamentösen Maßnahmen scheitern (d.h. nicht nur Verhaltenstherapie, sondern auch eine psychosoziale "Hygiene" mit stabiler Umgebung, einem Gleichgewicht zwischen Job + Freizeit...), kann MPH (Methylphenidat = Ritalin) ein wirksames Medikament sein, daß teilweise überhaupt die Voraussetzung schafft, daß Therapien wirken können. Wenn die Indikation richtig gestellt wird, sind auch die Nebenwirkungen wie das beschriebene "Zombietum", nicht vorhanden, im Gegenteil, viele, die die Medikamente einnehmen, sind erstmal noch emotionaler, weil nun überhaupt die Vorraussetzung zu einer ordentlichen Eigen- und Fremdwahrnehmung da ist.
Dazu kommt, daß Voruntersuchungen gemacht werden müssen, zumindest bei Kindern muss z.B. eine Herzrhythmusstörung oder eine EEG-Veränderung zwingend ausgeschlossen sein, genauso wie ein sonstiger organischer Grund für die Aufmerksamkeitsstörung (z.B. Schilddrüse).
Setzt man die Indikation streng, versucht erstmal alles andere und verordnet MPH nur da, wo eine drohende seelische Schädigung durch die Störung (und das Störungsbewußtsein) vorhanden ist, reduziert sich die Anzahl an Personen, die es wirklich kriegen sollten (und bei denen es dann auch eine messbare und haltbare Verbesserungen bringt), auf ein Minimum.
Das steht leider in krassem Gegenteil zu dem heutigen Trend, die Dinger so zu verschreiben und zu schlucken, als wäre es eine einfache Paracetamol. Ich lernte letzteres einen kleinen Patienten kennen, bei dem ein Kollege schon im Alter von 2 Jahren (!!!!) eine Stimulanzienbehandlung erwog, und das trotz schwieriger Familiensituation, überforderten Eltern etc...und zwar OHNE andere Maßnahmen (Beratung, Sozialpädagogen) etc...erwogen zu haben. Das ist IMHO Wahnsinn, genauso, wie das Zeug als Modedroge einzuschmeissen. Das Endergebnis von solchen Aktionen ist dann, daß die, die es wirklich "bräuchten", es nicht mehr bekommen, weil die Lockerheit nach den ersten Todesfällen plötzlich in Phobie umschlägt. Das ist ähnlich wie z.B. bei Opioiden.
Bitte, Konni, verstehe das nicht als Urteil über dich. Ich kann den Hinweis auf den "letzten Strohhalm" gut verstehen. Mir geht es auch nicht um jemanden, der in letzter Verzweiflung alles probiert. Mich ärgert eher der laxe Umgang von Kollegen, die es eigentlich besser wissen müssten. Und das dann bei Kindern.