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Autor Thema: Allgemeine Nachrichten  (Gelesen 1914111 mal)

Kaliumchlorid

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12520 am: 20.August 2021, 18:15:09 »

Bei einem Mindeslohn von € 9,60 ist es halt schwer ein Vermögen aufzubauen. Und wenn die oberen 10% der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens haben, bleibt für die restlichen 90% dann auch nicht mehr soviel übrig.




https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-wie-sind-die-vermoegen-in-deutschland-verteilt-3579.htm
https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung
https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/vermoegensverteilung-deutschland-diw-studie-ungleichheit?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.startpage.com%2F
« Letzte Änderung: 20.August 2021, 18:18:33 von Kaliumchlorid »
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Zu weit exitiert nur in deinem Kopf

DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12521 am: 20.August 2021, 18:16:39 »

Die Schulen wurden geschlossen, um wenigstens diese mögliche Ansteckungskette so gut es geht in den Griff zu bekommen. Was per se keine schlechte Idee ist.

Aber dann Eltern, Kinder, Betreuer, Lehrkräfte etc. mit den daraus resultierenden Alltagsproblemen alleine zu lassen ist eine - und ich bin grundsätzlich vorsichtig mit diesem Begriff - Frechheit und Versagen der Politik.

Volle Zustimmung. Widerspricht aber auch nicht meiner Aussage, falls das der Grund für den Post war.



Afghanistan: offenbar hat die Bundesregierung intern schon seit Ende April über die Evakuierung von Ortskräften und ihren Familien verhandelt und gestritten. Es gab sogar schon gebuchte Charterflüge. Es scheiterte aber am Kompetenzgerangel der zuständigen Ministerien. Selbst Merkel konnte Mitte Juli nicht durchdringen. Siehe z.B. hier: https://www.deutschlandfunk.de/afghanistan-bericht-bundesregierung-stritt-seit-monaten.1939.de.html?drn:news_id=1292911

Es ist unfassbar, wie viele Menschen man hätte retten können, die jetzt Todesängste ausstehen.
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KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12522 am: 20.August 2021, 18:29:45 »

Bei einem Mindeslohn von € 9,60 ist es halt schwer ein Vermögen aufzubauen.

Es gibt sicher Haushalte, die haben auch mit Einsparungen monatlich nichts mehr übrig. Aber generell: Mittlerweile gibt es Finanzprodukte, die schon mit kleinsten monatlichen Sparquoten durchaus realistisch zu Vermögen im Alter führen können. Vorausgesetzt, man fängt früh an... Aber hier sind die Deutschen halt extrem wenig investiert, auch dank Debakeln wie der "Volksaktie" Telekom (wo man sich schon fragen darf: Welcher Anleger investiert bitte, und das teils mit einem großen Batzen vom Ersparten, in eine einzelne Aktie, Stichwort Finanzbildung?).

Von politischer Seite denkt immerhin ich glaube die CDU darüber nach, bei der Geburt eines neuen Bürgers 4000 Euro für ihn in einen Fonds anzulegen. Zumindest offenbar in Teilen. Ob das eine Mehrheit findet, sei mal dahingestellt...
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BlueSnakeRD

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12523 am: 20.August 2021, 20:36:57 »

Bei einem Mindeslohn von € 9,60 ist es halt schwer ein Vermögen aufzubauen.

Es gibt sicher Haushalte, die haben auch mit Einsparungen monatlich nichts mehr übrig. Aber generell: Mittlerweile gibt es Finanzprodukte, die schon mit kleinsten monatlichen Sparquoten durchaus realistisch zu Vermögen im Alter führen können. Vorausgesetzt, man fängt früh an... Aber hier sind die Deutschen halt extrem wenig investiert, auch dank Debakeln wie der "Volksaktie" Telekom (wo man sich schon fragen darf: Welcher Anleger investiert bitte, und das teils mit einem großen Batzen vom Ersparten, in eine einzelne Aktie, Stichwort Finanzbildung?).

Von politischer Seite denkt immerhin ich glaube die CDU darüber nach, bei der Geburt eines neuen Bürgers 4000 Euro für ihn in einen Fonds anzulegen. Zumindest offenbar in Teilen. Ob das eine Mehrheit findet, sei mal dahingestellt...

Jetzt mal aus der Praxis: Wie soll ich einem 30jährigen Mindestlöhner einen ETF schmackhaft machen? Der "investiert" im Zweifel die Kohle lieber in einen Familienausflug mit den Kids am Weekend, woran sich die Familie auch noch in 10 Jahren erinnern wird. Und das könnte ich ihm nicht mal übelnehmen.
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12524 am: 20.August 2021, 21:07:38 »

Und ganz allgemein: in einem funktionierenden System sollte ich von meiner Arbeit leben UND für mein Alter vorsorgen können. Was für ein System ist das, in dem ich in externe Finanzdienstleister investieren (und Provisionen zahlen) muss, damit ich im Alter nicht in die Armut rutsche?
Das ist ganz einfach Staatsversagen in der Rentenpolitik, fertig.
Klar kann jetzt jeder anfangen, in ETFs zu investieren, aber viel effektiver wäre, endlich mal längerfristig die entsprechenden Parteien zu wählen, die auch wirklich aktiv an den Renten feilen, und nein, damit meine ich nicht die FDP.
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KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12525 am: 21.August 2021, 05:37:58 »

Wer kennt sie nicht, die vielen teuren Provisionen für ETFs. :D https://youtu.be/FfyP0FLuJo8?t=612

Gesetzliche Rente ist wichtig. Kapitalmärkte sind nicht die Lösung. Immobilien auch nicht. Und Sparbücher sowieso. Trotzdem halte ich es für riskant in Sachen Altersvorsorge auf ein einziges Produkt zu setzen wie die gesetzliche Rente. Und werde das auch tun, egal wer in Zukunft regieren wird. Aber welche Parteien sollen das sein, die die gesetzliche Rente stärken*? Die Linke zum Beispiel, die klienteltypisch unrealistische Sozialgeschenke wie 1200 Euro Mindestsicherung für Langzeitarbeitslose und Mindestrente preist, in einem rein umlagefinanzierten System, das jetzt schon mit Milliarden Geldern am Leben gehalten werden muss? Die Idee der FDP, die gesetzliche Rente zumindest zu einem kleinen Teil über einen Fonds zu finanzieren und in Zukunft zu stärken, ist zumindest mal ein Ansatz -- noch nicht mal ein radikaler, denn das wird in Schweden schon seit ewig so gemacht. Ein ausgewogener Staat verteilt um UND stärkt die Teilhabe sowie persönliche Freiheit. Irgendwo muss es diesen Mittelweg geben, aber in Teilen scheint es politisch nur noch Extreme zu geben. Fairerweise: Teilhabe aller Bürger an einem bestehenden System will eine extreme Partei ja eh nicht -- sie will den System-Umbruch.

In Deutschland wird natürlich auch viel geerbt (ich selbst werde als Sohn einer klassischen Mittelkassefamilie ebenfalls zumindest noch ein Familienhaus erben mit meinem Bruder), aber bei allem Bashing auf die Vermögenden und der reinen Umverteilungsdebatte muss halt auch mal eines gesagt werden: Auch in diesen Familien hat irgendwann irgendjemand Risiken auf sich genommen, statt das Geld zu verkonsumieren gespart und investiert. Ich habe einen Kollegen, dessen Schwager ist mit einem Unternehmen und einer App kürzlich zum Millionär aufgestiegen. Er fährt noch immer Kleinwagen, leistet sich keine teuren Klamotten, investiert sein Geld lieber in seine Kollegen und sein Unternehmen. Was er hat, hat er sich erarbeitet. Man könnte hier als Gegenentwurf das genauso verhasste (und meist falsche) Bild vom HartzIVler nehmen, der sein Geld für Nahrung lieber in Kippen und Alkohol "investiert". Überhaupt, diese ganze Klassenkampfdebatte: Sie schürt nur Neid oder Abscheu und spaltet. Gemeinsam an einen Tisch bekommt man so niemanden.

Ich höre das übrigens auch oft auf der Arbeit: "In Deutschland züchten wir uns die Faulen" vs. "Die abgehobenen Reichen, die  kommen mit allem durch." Nicht selten von den gleichen Kollegen, die für ihre Gehaltsklasse unangemessene Autos fahren.

Apropos "Leben": Frugalisten sagen ja, man komme auch mit viel weniger aus. https://geldhelden.org/1000e-sind-genug-warum-es-mehr-nicht-braucht/ Ich halte Frugalismus übrigens beileibe für keinen massentauglichen Lebensentwurf -- aber als Denkansatz sind solche Blogs immer interessant. Allerdings bin ich jemand, der schon von Haus aus noch nie viel konsumiert hat.

*PS: Gesetzliche Rente: Diese erwirtschaftet nach einer Studie interessanterweise mehr Rendite aus den Abagaben als oft geglaubt.
« Letzte Änderung: 21.August 2021, 06:58:14 von KI-Guardiola »
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12526 am: 21.August 2021, 07:46:32 »

Wer kennt sie nicht, die vielen teuren Provisionen für ETFs. :D https://youtu.be/FfyP0FLuJo8?t=612

ETFs kosten Gebühren. Keine Orderprovision (im Sparplan), aber TER und TCO. Ich zahle sie selbst (natürlich indirekt, aber es ist eine Mär, dass ETFs "nichts" kosten).
https://www.justetf.com/de/news/etf/die-tatsaechlichen-kosten-eines-etfs-gesamtkostenquote-ter-vs-total-cost-of-ownership-tco.html

Ob viel oder wenig tut nichts zur Sache. Es geht darum, dass viele von ihrer Arbeit allein im Alter nicht leben können, und sich deshalb auf einen Markt verlassen müssen, den sie nicht überblicken (können oder wollen). Ist das die "Freiheit", die die FDP so gerne zitiert? Investments in Kapitalmärkte sollten nicht der Grundsicherung dienen, sondern zur Vermehrung des Vermögens.

Ja, auch die Grünen orientieren sich am skandinavischen Modell des Staatsfonds, das ist auch toll, weil der Bürger selbst sich damit nicht beschäftigen muss, wenn er nicht möchte.
Da gehe ich mit, deshalb wähle ich sie auch.  ;)

Übrigens: lass mich mit Wagenknecht in Ruhe, sonst mute ich dich. Die Tante kann mir gestohlen bleiben.

Und noch was: auf mich macht es den Eindruck, dass für dich ein Bürger nur dann ein mündiger Bürger (was für ein polemischer Begriff :( ) ist, wenn er am Kapitalmarkt partizipiert. Was daran ist mündig? Er ist genau dann mündig, wenn er sich entscheiden kann, ob er will oder nicht. Entscheidet er sich dagegen, sollte er trotzdem in der Lage sein, seinen erarbeiteten Lebensstandard in der Rente zu halten. Ist das nicht gegeben, zwingt man ihn an den Kapitalmarkt, was alles andere als Mündigkeit bedeutet.
« Letzte Änderung: 21.August 2021, 09:02:47 von Joe Hennessy »
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Hanz Maia

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12527 am: 21.August 2021, 09:39:12 »

Wieviel Menschen können auf die Befriedigung ihrer aktuellen Bedürfnisse verzichten, um in der fernen Zeit,
in der sie kein Einkommen mehr haben werden, sich noch ernähren zu können?

Sehr wenige. Damit ist der typische Mensch komplett überfordert - das ist seine conditio humana.
Er scheitert ja oft schon daran, einen Monat im Voraus zu handeln, oder ne halbe Stunde.
Aber das wäre "Mündigkeit" im psychischen und dann auch ökonomischen Sinne.

Daher springt der Staat ein - mit einem Rentensystems gegen absehbare Altersarmut.   
Das als solches ist schon eine Art von "Luxus" - nicht falsch verstehen, im globalen und historischen Vergleich jedenfalls.

Die Altersarmut steigt, die Grundsicherung schützt, aber eben nur sehr wenig.
Daher wäre eine individuelle  Vorsorge - obwohl schwierig - schon sinnvoll.
Riester und Rürup, wenn man es durchrechnet, sind absolut NICHT GUT dafür. Da gibt es imho nichts besseres als breite ETFs.

Zitat
Frugalisten

Ohne Kinder wäre ich auch Frugalist.
Oder reich ;-)

Zitat
ich selbst werde als Sohn einer klassischen Mittelkassefamilie ebenfalls zumindest noch ein Familienhaus erben mit meinem Bruder

Ich bin jetzt kein Experte für Erbrecht, aber ich glaube, Du kannst Deinen Bruder nicht erben.

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KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12528 am: 21.August 2021, 10:22:00 »


Und noch was: auf mich macht es den Eindruck, dass für dich ein Bürger nur dann ein mündiger Bürger (was für ein polemischer Begriff :( ) ist, wenn er am Kapitalmarkt partizipiert. Was daran ist mündig? Er ist genau dann mündig, wenn er sich entscheiden kann, ob er will oder nicht. Entscheidet er sich dagegen, sollte er trotzdem in der Lage sein, seinen erarbeiteten Lebensstandard in der Rente zu halten. Ist das nicht gegeben, zwingt man ihn an den Kapitalmarkt, was alles andere als Mündigkeit bedeutet.

Ja, das ist richtig. MÜndig ist er insofern dann, wenn er überhaupt selbst solche Entscheidungen treffen kann. Auch dank des staatlichen Schulsystems (keine/wenig finanzielle Bildung) ist das in der Breite ja nur so Mittel gegeben und man muss sich essentielle Informationen (auch zum Führen eines privaten Haushalts) woanders holen. Bei einigen Parteien kommt es mir so vor, als wollten sie gar nicht, dass das passiert. Jeder, der selbst privat etwas aufbauen oder auch nur zusätzliche Rücklagen hamstern könnte ist jemand, der vom Staat weniger abhängig ist. Schon da, dem simplen Haushalten, scheint es ja oft genug Probleme zu geben.  Hier beginnt bereits die oft angeprangerte Schere zwischen denen die haben, und denen die nichts haben -- deshalb müsste (schulische) Finanzbildung eigentlich für alle da sein. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immer-mehr-faelle-von-ueberschuldung-finanzielle-bildung-koennte-viele-vor-der-schuldenfalle-retten/27243200.html Ob man es mag oder nicht: Geld regiert nun mal diese Welt.

Das verstößt jetzt ein bisschen gegen das Solidaritätsprinzip des Rentensystems, aber wirklich richtig mündig wäre ein Bürger in der Tat ja dann, wenn er immer selbst entscheiden kann, ob er staatlich vorsorgt, selbst oder eine Mischform. Allerdings sehe auch ich, dass das nicht gesund für die gesetzliche Rente wäre, und wollte das auch nicht. Denn es sind eben tendenziell mehr besser Gebildete, Verdienende und Abgaben Leistende, die privates Vermögen aufbauen (können) und sich dann aus der gesetzlichen Rente einfach aussteigen würden.

Dieser Mann hat hier in Sachen Vermögensaufbau allerdings nicht unrecht, was die Finanzmärkte angeht -- allzu tief in der Materie muss man wie ich echt nicht drin sein, um beispielsweise passiv in Indexfonds zu investieren, und das ist auch gut so. https://www.linkedin.com/pulse/finanzielle-bildung-bullshit-til-klein?trk=p_public_post_promoted_post


Zitat
Ich bin jetzt kein Experte für Erbrecht, aber ich glaube, Du kannst Deinen Bruder nicht erben.

Wollte ich auch nicht.  ;D
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12529 am: 21.August 2021, 10:47:44 »

Natürlich muss man nicht allzu tief drin stecken.
Auch streite ich nicht ab, dass aktuell eine private Vorsorge sinnvoll, ja sogar nötig ist.
Ich investiere ja selbst.
Genau hier setzt aber mein Problem an: sie sollte nicht nötig sein.
Wir leben im 21. Jahrhundert, haben so viele Kriege und Jahre des Klassenkampfes hinter uns,
und bekommen es immer noch nicht auf die Kette, ein sozial gerechtes Rentensystem auf die Beine zu stellen, das zumindest niemanden unter dem Existenzminimum leben lässt? Das ist moralisch beschämend und politisch bezeichnend.
Menschen, die jetzt schon nichts zum Sparen haben, haben auch in Zukunft nichts zum ETF-Sparen.
Das Schwierige am Aktienmarkt ist auch nicht das Wissen über ihn, sondern die Mentalität in ihm. Meinst du, jemand mit wenig Geld, der seine Existenz dort rein legt, macht einen auf "Diamond Hands, Bitch", wenns mal wieder ne Korrekturbewegung um 10% gibt? Ne, dem schlottern die Knie. Was ist denn in den USA 2008 passiert? Da gings viel tiefer runter und die Betroffenen knabbern heute noch daran.
« Letzte Änderung: 21.August 2021, 10:49:48 von Joe Hennessy »
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BlueSnakeRD

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12530 am: 21.August 2021, 11:27:31 »

Die Kapitalmarktdiskussion für die Rente unterliegt einem schweren Trugschluss - nämlich, dass diese grundsätzlich besser sei als andere Modelle.

Vorabbemerkung: Kapitalmarktinvestitionen SIND gut und wie die Schweizer und Schweden mit ihrem Mischmodell fahren (gesetzl. Rente, private Rente, Kapitalmarkt) ist nicht schlecht - sogar sehr nachahmenswert. Risikostreuung und so.

Aber nun zur These von mir:

Wieso heißt es eigentlich, dass man neben der gesetzlichen Rente de facto was machen MUSS, wenn man nicht arm sein möchte? Anfang 1990er hat man festgestellt: "Oh, immer mehr Alte und immer weniger Junge. Das wird teuer." Wohlgemerkt: Teurer, nicht unbezahlbar.

Denn:

Eine Umlagerente legt um. Nicht Leute, sondern das Erwirtschaftete. Die Arbeitsfähigen und Arbeitenden versorgen die Nicht-Mehr-Arbeitenden - aus dem LAUFENDEN Produktivgewinn. Das kann mal viel, mal wenig sein. In DE wird das geregelt über das Lohneinkommen. Der historische Hintergrund ist klar: Nach dem Krieg gab es keine "Kapitalrente" - weil das Kapital weggebombt war. Die Rente war das EINZIGE was halbwegs funktionierte. Soviel erstmal zur Krisenfestigkeit.

So, nun des Pudels Kern: Es versorgt immer die arbeitende Bevölkerung die Nicht-Arbeitende bzw. Nicht-Mehr-Arbeitende. Wie man das dann nennt (Steuer, Sozialbeiträge, per Komissarbefehl in der Sowjetunion) ist komplett egal. In dem Moment wo keiner Teile seiner werktätigen Wertschöpfung mehr abgeben würde (weil er streikt), wird jegliche "Altersvorsorge" wertlos. Salopp formuliert: Gehört mir die BASF und ich will von meinen Dividenden Essen kaufen gehen und der Lebensmittelhändler bleibt zu Hause statt zu arbeiten, dann verhungere ich oder muss halt doch wieder selbst aufs Feld gehen oder einen Hasen jagen.

Jedes System ist Umverteilung - und das ist nicht schlimm. Was schlimm ist, ist der QUATSCH...den ich mir teils auch in der Versicherungslehre geben durfte - weil die Versicherungsindustrie mit dem Quatsch viel Geld verdient hat (Maschmeyerconnection lässt grüßen).

Die Logik geht so:
1. Zu wenig Kinder.
2. Zu viele Alte.
= Rente nicht mehr in der bisherigen Höhe sicher.
Lösung: Privat vorsorgen.

So: Was an dem Missverhältnis zwischen "zu wenig Junge" und "zu wenig Alte" regelt denn eine private Vorsorge? NICHTS, gar nichts! Das Problem bleibt bestehen. Natürlich kann man theoretisch "andere junge Leute" für sich arbeiten lassen - z.B. indem man als Deutscher Chinaaktien kauft. Dann arbeitet der Chinese für die eigene Altersvorsorge, sehr platt ausgedrückt. Aber die Nummer geht halt auch nur begrenzt.

Des Pudels Kern ist das Lohneinkommen. Die Arbeiter und Angestellten bezahlen den Spaß. In diesem Kontext sind auch Lohnnebenkosten Teil des Lohns (man frage einfach den Arbeitgeber wie er das denn sieht). Tja, da aber die Arbeiteranzahl geringer wird im Verhältnis zu den Alten, wird das schwierig - außer das Arbeitseinkommen der Leute steigt massiv an. Tut es aber nicht.

Aber wo gehen dann die Gewinne hin? Denn wir wissen: "Nur weil es mehr Alte gibt, heißt das nicht, dass es nicht "genügend" Wertschöpfung bei den Jungen zum Abschöpfen gibt." Nennt sich "technischer Fortschritt" und Automatisierung (Maschinen, Computer!) und so.

Tja...die gehen weg...IMO...aus drei Gründen:

1. per Abgeltungssteuer.

Reiche und Superreiche haben Produktivvermögen (Unternehmensanteile) und - ebenso aber hier nicht entscheidend - Land und Immobilien.

In Deutschland wird der Gewinn aus Kapitalerträgen (Verkauf von Aktien mit Gewinn oder z.B. Dividenden) pauschal mit 25% besteuert. Punkt, fertig, aus.
Nur so nebenbei: Der Spitzensteuersatz ist doch bei über 40%, oder? Der Arbeitende zahlt also HÖHERE als der mit PASSIVEN Einkommen, und "darf" als "Lohn" auch noch privat vorsorgen aus dem schon zum Spitzensteuersatz versteuertem Einkommen.

2. Die Beitragsbemessungsgrenze.

Wer hat sich eigentlich den Kram einfallen lassen, dass die Zahlungen in die Sozialsysteme ab einem gewissen Betrag NICHT mehr steigen? Der Vorstandsvorsitzende zahlt dann genauso viel in die Rentenkasse ein wie der gut verdienende Abteilungsleiter. Wie soll ein Sozialsystem funktionieren, wenn die starken Schultern eben NICHT ihren Beitrag leisten? Da zahlt dann der Leiharbeiter prozentual MEHR für die Rentenkasse als der angestellte Manager.

3. Lächerliche Erbschaftssteuer.

Und da reden wir nicht von "Omas Häuschen" oder den 10mio vom Mittelständler. Wir reden von den wirklich Reichen. Es geht nicht darum Jemand das Erarbeitete wegzunehmen. Es geht darum per Erbschaftssteuer zu verhindern, dass sich eine Kaste von Menschen bildet, die NIE was für diesen Wohlstand haben tun müssen und keinen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft leisten. Es hat einen Grund, warum der Bill Gates seinen Kindern jeweils 10mio Dollar vererbt und den Rest wegstiftet. So geht es seinen Kindern gut, ohne sie (in der Regel) komplett zu "versauen."

Fazit: Solange diese drei Punkte nicht bearbeitet werden, brauche ich keinem Normalverdiener (Median glaub so bei 1900€ netto) was vorzuschreiben was er "muss" oder "nicht muss" bei der Altersvorsorge. Zur Hölle: Hätte man einfach die Rente wie in den 1990ern gelassen und einfach halt die Beitragssatz erhöht wäre das immer noch für die meisten Leute billiger als der Quatsch jetzt.

PS: Natürlich nutze ich ETFs und so Spaß für mich selber. Es ist ja sinnvoll.
PS-PS: Ja, Kapitalmarktgelder sind wichtig, denn Unternehmen brauchen ja Geld für die Umsetzung von Investitionen. Meine Darstellung ist bewusst simplifiziert.
PS-PS-PS: Surprise - die meisten Bürger sparen sowieso nicht in ETFs. Die sind voll in Geldforderungen (Versicherungen, Sparbuch, Tagesgeld) und historisch sehr oft mies besteuertem Kram (Immobilien!). Und das wird sich nicht ändern. Ich kann das schlecht finden, oder mich damit arrangieren.
PS-PS-PS-PS: Und wären die Leute anders, dann wäre es halt so wie in den USA: Alle sind am Kapitalmarkt und verzocken ihre Rente mit Enron und Wirecard. Die gesetzliche Rente ist da schon ein Schutz der Leute vor sich selbst. Oder wollen als Boomergeneration alle gleichzeitig in Rente und killen die Kurse dadurch (wegen den massiven Verkäufen).
PS-PS-PS-PS-PS: Deswegen haben die Schweden und Schweizer Recht: Wir sollten alles drei (Gesetzl. Rente, Geldforderungen per Versicherung, Kapitalmarktanteile) als Altersvorsorge mischen.
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KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12531 am: 21.August 2021, 17:35:26 »

Genau hier setzt aber mein Problem an: sie sollte nicht nötig sein.
Wir leben im 21. Jahrhundert, haben so viele Kriege und Jahre des Klassenkampfes hinter uns,
und bekommen es immer noch nicht auf die Kette, ein sozial gerechtes Rentensystem auf die Beine zu stellen, das zumindest niemanden unter dem Existenzminimum leben lässt? Das ist moralisch beschämend und politisch bezeichnend.

Theoretisch gibt es ja dafür gibt es ja Grundsicherungen/Mindestrenten, die aktuell wieder auf dem Prüfstand sind oder gestärkt werden sollen. (Die Grünen wollen z.B. die Garantierente FDP will z.B. die Basis-Rente , die SPD etablierte die Grundrente). Die Linke hatte ich hier und da schon mal erwähnt. Alles eine Frage der Finanzierbarkeit.

Dass gerade für zukünftige Generationen der Rententopf für die meisten Parteien (minus AFD und Linke) durch den Kapitalmarkt gestärkt werden soll, halte ich wie gesagt begrüßenswert. Die reine Umlagenfinanzierung ist mehr und mehr von zusätzlichen Steuern abhängig -- was ja nichts anderes als Bürger-Abgaben für die Rente sind, die Bürger zusätzlich zu ihren monatlichen Rentenversicherungsbeiträgen geleistet haben. Würde man beispielsweise das Österreichische Modell auf Deutschland anwenden, würde das noch viel mehr zusätzliche Steuerspritzen bedeuten, um das finanzieren zu können.

Die Zukunft kann zumindest für mich nicht mehr rein umlagefinanziert sein. Der Grund ist natürlich der viel zitierte demographische Wandel. Ist die Frage, wie diese Zukunft aussieht. Vielleicht ja so wie unter PS-PS-PS-PS-PS von BlueSnakeRD.


Noch ein Zusatz zum "Mündigen Bürger": Es scheint die menschliche Natur, immer anderen die Schuld und die Verantwortung geben zu wollen. Vater Staat natürlich inklusive: "Die blöde Regierung/Merkel". Der Kapitalmarkt, der nur "die Reichen immer reicher" machen würde (wenn das so ist, warum schaut man sich dann eigentlich nicht mal selbst an, ob man davon auch ein kleines wenig abhaben könnte?). Ein Mitgrund, dass die viel zitierte Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht, ist  eben auch, dass Vermögende nicht selten diese Verantwortung übernehmen. Sei es in Unternehmen, mit ihren Vermögen oder ihrer persönlichen Bildung, die sie weiterbringt.

Solange diese Kluft nicht geschlossen oder zumindest verkleinert ist, wird diese Schere immer da sein. Und sie wird auch weiter wachsen. Selbst wenn man alles wieder auf Null umverteilen würde: Ohne verordneten Sozialismus von oben, der alle gleich macht, würden die einen sich wieder genauso verschulden bis über die Runden kommen, weil sie nicht haushalten können und/oder alles in Konsum verblasen, während die erfolgreichen Unternehmer erst mal wieder versuchen werden zu investieren. Wobei ich es persönlich nicht verwerflich halte, wenn sich ein paar ganz da oben absetzen. Das ist letztlich eine reine moralische Frage, mit der auch viel politische Stimmung gemacht wird (Neiddebatten und Co.*). Für viel entscheidender halte ich, wie der Mindestlebensstandard aussieht, den am anderen Ende der Gesellschaft halten kann. Und ob der auch Teilhabe an dieser Gesellschaft ermöglicht. Womit wir wieder bei den Grundsicherungen wären...


* Am Profifußball stört mich persönlich auch nicht so das viele Geld an sich, sondern wie sich die Branche bis auf einige lobenswerte Ausnahmen inszeniert und dabei gnadenlos selbst überschätzt. Da sind Fußball-WMs Völkerverständigung statt Kohle&Reibach-Events; Corona-Sonderregeln für die Akteure selbstverständlich für eine im Grunde schnöde Unterhaltungsindustrie, während der Rest des Landes darbt; und "echte Liebe" gibt es eigentlich nur in verlogenen Marketing-Claims, die die ganze Sache als was anderes verpacken sollen, als es letztlich ist.
« Letzte Änderung: 21.August 2021, 18:10:11 von KI-Guardiola »
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KI-Guardiola

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12532 am: 21.August 2021, 23:12:17 »

Hier wurde es ich glaube auch schon vor Monaten darüber etwas diskutiert: Die Erhöhung der Rundfunkgebühren ist ja eine beschlossene Sache. Ich hätte übrigens einen Vorschlag: Der ÖR investiert diese 18,63 Euro monatlich für jeden ÖR-Verweigerer optional statt in den Fußballzirkus, Carmen Nebel und Wiederholungen der Schwarzwaldklinik in einen Sparplan auf einen MSCI World-ETF (Durchschnittliche Rendite bislang  ~7%). Hält er diese Rendite, kämen junge Beitragszahler mit Anlagehorizonten von mehreren Jahrzehnten immerhin auf bis zu ~60.000 Euro Vermögen extra, mit dem sie in die Rente starten können.

Dazu dann noch den staatlichen Lotto-Betrieb zu etwas Ähnlichem überreden (dafür scheint das Geld auch bei denen da, die ansonsten immer angeben, keines zu haben, siehe auch der englische Begriff "Tax for the poor"), und ein weiterer kleiner Teil des Problems wäre gelöst.  ;D
« Letzte Änderung: 21.August 2021, 23:30:55 von KI-Guardiola »
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12533 am: 22.August 2021, 09:56:55 »

Kurze Frage in die Runde: agiert die Bundesregierung eigentlich verfassungsfeindlich, wenn sie auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts einfach einen  Haufen setzt?

https://www.klimareporter.de/verkehr/homeoffice-als-co2-senke-unbewegliche-blechbiegeanstalten-und-den-draghi-des-klimaschutzes
« Letzte Änderung: 22.August 2021, 09:59:34 von Joe Hennessy »
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12534 am: 22.August 2021, 12:00:35 »

Kurze Antwort: Ja.
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12535 am: 22.August 2021, 12:50:00 »

Und welche Konsequenzen hat das für die verantwortlichen Politiker?*

*keine natürlich, ist ja kurz vor der nächsten Wahl und wäre blinder Aktionismus!!111elf
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j4y_z

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12536 am: 23.August 2021, 13:53:03 »

Wenn jemand unbedingt die Hospitalisierungsrate hernehmen möchte, anstatt der Inzidenz:
https://twitter.com/mkreutzfeldt/status/1429743611294408704?s=21

Ab welcher Steigerung wären denn verstärkte Massnahmen angebracht? Sprich: wieviele Menschen gedenkt derjenige zu opfern, bevor was getan wird?
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DeDaim

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12537 am: 23.August 2021, 14:20:00 »

Das wird bis zur Wahl so durchlaufen gelassen. Könnte im Strahl kotzen. Kinder und Jugendliche nehmen sich 1 1/2 Jahre zurück, verzichten auf Vieles und zum Dank werden sie jetzt durchseucht.
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aragorn99werder

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12538 am: 23.August 2021, 15:07:15 »

Mich würde ja interessieren, was eurer Ansicht nach das richtige Vorgehen wäre? Ungeachtet der ebenfalls heftigen Konsequenzen immer und immer wieder Lockdown (selbst für Geimpfte?)? Bis wann, mit welchem Ziel? Bis zur Herdenimmunität? Das ist Träumerei, die wird es (ohne Impflicht) nie geben. Bis Corona für unseren Organismus nicht mehr gefährlicher ist als eine Grippe? Ob das je passiert und wie lange das dauert steht in den Sternen. Bis es ein effektives und massentaugliches Medikament gibt? Das kann noch Jahre dauern.

Ich frage aus ehrlichem Interesse.

Bzw. woher kommt eigentlich die Annahme, dass Menschen "geopfert" werden? Gehen nicht die allermeisten Menschen die entsprechenden Risiken bewusst ein? Sollte das einem erwachsenen Menschen nicht zustehen?
« Letzte Änderung: 23.August 2021, 15:10:03 von aragorn99werder »
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Unsere Comunio-Runde nimmt gerne neue Mitspieler auf. Wenn ihr Interesse an einem längerfristigen Bundesliga-Managerspiel habt, schaut doch mal rein.
http://www.meistertrainerforum.de/index.php/topic,11878.1120.html
:)

fifagarefrekes

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Re: Allgemeine Nachrichten
« Antwort #12539 am: 23.August 2021, 15:31:29 »

Wenn jemand unbedingt die Hospitalisierungsrate hernehmen möchte, anstatt der Inzidenz:
https://twitter.com/mkreutzfeldt/status/1429743611294408704?s=21
 
Ab welcher Steigerung wären denn verstärkte Massnahmen angebracht? Sprich: wieviele Menschen gedenkt derjenige zu opfern, bevor was getan wird?

Sollte der Blickwinkel nur rein auf das Virus zielen? Ernsthafte Frage, nicht schnippisch gemeint. Gibt es schon Studien zu den weiteren Folgen der Lockdowns? Alkoholismus, Drogenkonsum, Gewalt bzw. Missbrauch in Familien? https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/interview-corona-kinder-psychische-folgen/241034

Zitat:
"Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Kinder Zugang zur Schule, zur Kinderbetreuung und zu Hilfen sowie zu Schulkamerad*innen und aufmerksamen Erwachsenen haben, damit sie in ihrer Not gesehen werden und sich jemandem anvertrauen können."

Will damit nicht aufzeigen, es wäre falsch je nachdem wieder dicht zu machen, aber ich halte es auch für wichtig den Blickwinkel offen zu halten und nicht nur in diese eine Richtung zu blicken. Aber vielleicht habe ich deine Aussage da jetzt nur überinterpretiert.  ;)
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