Ist ja so einfach, gleich mal die Islamisten anzuprangern. Wartets erst mal ab, was noch rauskommt. Vorverurteilungen sind ja so was tolles.
Danke Omega!
Eine äußerst abscheuliche Tat, keine Frage. Fragwürdig ist, warum sich dieser Mensch nicht umgebracht hat, aber das gestattet vielleicht die Möglichkeit, etwas zu seinen Motiven in Erfahrung zu bringen.
Erstaunlich war natürlich die reflexartige Reaktion, Islamisten hinter dem Anschlag zu vermuten. Auch in einem gewissen Hetz-Blog, in dem sich die Nutzer natürlich nicht als Nazis, sondern als aufrechte Demokraten und Patrioten, die gegen den Islam sind, darstellen und bezeichnen, wurde gestern vorschnell der Beitrag "Warum bombt Islam ausgerechnet in Oslo?" veröffentlicht. Natürlich sind die Kreuzritter des Fanatismus der anderen Seite mittlerweile recht schnell im relativieren und kritisieren ganz politisch korrekt den Spiegel für eine fragwürdige Überschrift. Jedenfalls haben sich gestern auch die "seriösen" Printerzeugnisse nicht mit Ruhm bekleckert, indem in allen möglichen Varianten dem islamischen Terrorismus die Schuld in die Schuhe geschoben wurde. Diese Reflexreaktion funktioniert bei vielen Menschen (wer solls denn auch sonst gewesen sein, wenn nicht die?!), umso erfreulicher ist es, dass hier mehrheitlich eine unvoreingenommene Meinung herrscht!
Niemand kennt die Motive dieses Menschen. Auch von den Schlussfolgerungen, dass es ein verkappter Nazi und Islamhasser gewesen sein soll, halte ich nocht nicht viel. Das ergibt nicht viel Sinn, jemand, der offenbar an soviel Sprengstoff herankommt, wie der Täter in Oslo, hat a) ein größeres Netzwerk hinter sich (sowas baut mensch nicht in der Garage) und würde b) doch eher zu anderen Anschlagszielen tendieren. Ein Täter motiviert vom Hass auf Linke? Hass auf eine politische Richtung erscheint mir keine schlüssige Erklärung für das Töten von über 90 Menschen zu sein.
Wichtig ist erstmal, dass über 80 Kinder und Jugendliche von einem Menschen umgebracht worden sind. Die Einfärbung dieser Tat in eine religiöse oder politische Ideologie ist zu banal, die Motivfindung ist zu wichtig, als dass mensch sie den Medien überlassen sollte.