Topher, Jay, ich bin da ganz bei Euch, das war ein Chaos mit Ansage. Scholz ist nicht außen vor, da er letztendlich als Erster Bürgermeister die Verantwortung dafür trägt, dass der Gipfel überhaupt in Hamburg, und speziell genau an diesem Ort innerhalb Hamburgs, ausgetragen wurde.
Er trägt allerdings nicht die Verantwortung dafür, dass es Krawalltouristen geschafft haben, diese Veranstaltung zu besuchen und dadurch überhaupt erst die Gelegenheit hatten, marodierend durch die Schanze zu ziehen - niemand kann mir angesichts dessen, was da abgelaufen ist, erzählen, dass die Randalierer schwerpunktmäßig Bewohner des Viertels waren. Hier hat auch der Führungsstab der Polizei auf ganzer Linie versagt - ich klammere bewusst die einzelnen Polizisten vor Ort aus, die verdienen meinen größten Respekt, halten ihren Kopf hin und wurden durch die Fehlplanung des Einsatzes wie der Veranstaltung überhaupt erst in diese Situation gebracht. Der Führungsstab muss sich also die Frage gefallen lassen, warum diese spezielle Art Touristen es überhaupt nach Hamburg, und speziell ins Schanzenviertel, geschafft hat. Hier ist, denke ich, durchaus die Parallele zu einem Fußballspiel erlaubt, wenn auch vielleicht in einer anderen Dimension. Auch dort sorgt man im Vorfeld dafür, dass die Hooligans gar nicht erst die Gelegenheit zum Randalieren bekommen. Warum ist dies hier nicht gelungen? Die zum Tragen kommenden Mechanismen dürften ähnlich sein, wenn auch vielleicht auf einem anderen Niveau. Diese Frage muss sich nicht Olaf Scholz gefallen lassen, sondern Ralf Martin Meyer, der Hamburger Polizeipräsident, den ich in diesem Fall genauso in der Verantwortung sehe.
Kurzfassung: Scholz ist letztlich verantwortlich für die Ausrichtung der Veranstaltung an sich - und muss sich dafür verantworten, die Dimension des G20-Gipfels unterschätzt zu haben. Meyer ist letztlich verantwortlich für die Sicherheit der Veranstaltung wie der Hamburger Bürger - und muss sich ebenso dafür verantworten, wie es soweit kommen konnte, dass die Schanze brennt.