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| Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread |
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| DragonFox:
--- Zitat von: TNDO am 26.Februar 2025, 10:49:51 --- --- Zitat von: Henningway am 26.Februar 2025, 08:10:30 --- --- Zitat von: Zockerbit am 25.Februar 2025, 23:25:16 ---Und bei allem Respekt - Der einzige Unterschied zwischen einem CDU-, SPD-, sowie AFD-Wähler liegt nur darin, dass die Einen eine Partei wählen, die schon bewiesen haben, ihren Auftrag gegen die Wand zu fahren, während die Anderen nur das Potenzial dazu haben. Der Rest ist nur moralisches Gerede um seine eigene Ideologie zu brüsten und das diese die Richtige ist. --- Ende Zitat --- Hier muss ich aber sehr stark widersprechen! Von Wahlprogrammen und Fehlern in der Vergangenheit abgesehen, ist es die Aufgabe, ja, sogar muss es die DNA einer demokratischen Partei sein, moralische Werte zu repräsentieren, die dem Welt- und Gesellschaftsbild entsprechen müssen. Nennen wir es gerne den kategorischen Imperativ. Die AfD hat hier aber gerade einen schwarzen Fleck: alle gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte sind ebenso wenig wert wie die Stellung zur größten Schuld des deutschen Volkes, dem zweiten Weltkrieg. Offener Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Geschichtsrelativismus - das alles sind flächig verbreitete Verhalten, die man in den Reihen der AfD findet und die dort offenbar auch seitens der Parteiführung nicht nur toleriert (Weidel), sondern gar hofiert (Höcke) werden. Erst gestern hat man den SS-Freund Krah wieder aufgenommen. In dem Moment könnte die AfD die tollsten Wahlversprechen abgeben, das dürfte keine Rolle spielen, solange die Partei für eine solche Gesellschaft steht, die sie mit ihrer eigenen Zusammensetzung zu repräsentieren scheint. --- Ende Zitat --- Bei Moral müssen sich aber auch die Grünen und Linken selbst stark hinterfragen. Dort herrscht in großen Teilen ein Antisemitismus der offener und schlimmer als in der afD ist. https://www.zeit.de/kultur/2024-03/kulturstaatsministerin-claudia-roth-antisemitismus-kulturbetrieb-offener-brief https://www.welt.de/politik/deutschland/article250283968/Die-antisemitischen-Abgruende-auf-der-Berlinale-und-Claudia-Roth-im-Zentrum-der-Kritik.html https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kritik-thunberg-102.html https://www.youtube.com/watch?v=RNN5CkBom4Q https://taz.de/Linker-Antisemitismus/!5966630/ --- Ende Zitat --- Jup, stimmt. Wobei bei Thunberg hinzuzufügen ist, dass sie nicht die Grünen ist. Selbst Fridays for Future Germany sind nicht die Grünen und haben sich wiederum von den Aussagen Thunbergs distanziert. Das sich die Klimabewegung in teilen radikalisiert hat ist nicht von der Hand zu weisen. Roth und Paus zumindest haben Fehler eingeräumt und sich versucht zu entschuldigen. Quelle lieferst du selbst. Das alles stimmt, macht aber die AFD nicht besser. Eine Roth kann man sehr locker mit einem Krah aufwiegen. (https://www.tagesschau.de/inland/bundestagswahl/afd-fraktion-krah-helferich-100.html). Den Grünen hängt man das Handeln einer zivilen Organisation an, bei der AFD kann man in die eigenen Reihen sehen. (https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/afd-bundestag-rechtsextreme-mitarbeiter-100.html). Würdest du sagen, dass diese Themen die du anbringst gleichzusetzen sind mit offenem Rechtsradikalismus in der Form, wie man ihn beobachten kann? Sieh dir mal die Aussagen von aktiven AFD Funktionären durch (Thema Schießbefehl an Grenzen, Aufrufe zu neuen Holocaust, Releativierungen zur SS und Hitler), die ohne Kritik aus den eigenen Reihen gesagt, sogar verteidigt wurde. Kannst du das gleichsetzen mit der Kritik von dir an Grünen und Linken? Von denen die Hälfte der Kritik sogar nicht mal die Parteien betrifft, sondern sich an NGOs oder sonstige Organisationen wendet? --- Zitat von: Zockerbit am 26.Februar 2025, 10:38:24 --- --- Zitat ---Wurde Menschen vor, sagen wir, 20-30 Jahren vorgeschrieben was sie zu denken und zu wählen haben? Was meinst du damit? --- Ende Zitat --- Es geht nicht um Vorschriften die einer Diktatur o.Ä gleichen, sondern um kulturelle und soziale Prägung, die über die Jahre hinweg bestimmte Denk- sowie Wahlmuster gefestigt hat. Es wurde viel in Normen und gesellschaftliche Erwartung investiert, die den Menschen früh klar gemacht haben was als akzeptabel galt und wasa nicht. Der Unterschied zu heute sind die Veränderung der politischen Ränder, die sich mehr und mehr von von den traditionellen Normen der Bürger distanzieren und diese ihren Kopf wieder selbst benutzen - auch wenn es manch einem als unbequem erscheint. Damals hat man zwar nicht ausdrücklich vorgeschrieben was man denken darf. Jedoch wurden die unsichtbaren Regeln von den etablierten Parteien längst diktiert. Freieheit, sowie auch Demokratie, heißt mehr als nur das Fehlen eines Zwangs, sie fordert auch echte Alternativen. Ohne die ist auch die Wahl nur ein Trugbild. Und das zieht sich bis Heute. --- Ende Zitat --- Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe worauf du hinaus möchtest. Wen du sagst, dass Wähler eingelullt wurden halte ich diese Betrachtung gegenüber älteren Generationen für nicht fair. Du behauptest damit, dass unsere Eltern- und Großelterngeneration keinen eigenen Willen hatte und im Kollektiv nach einer gemeinsamen Norm entschieden hätte. Gleichzeitig gibst du damit den etablierten Parteien die Schuld daran, dass die Wähler sie wählen mussten. War das denn 1933 auch so? Das würde schließlich die Frage der Verantwortung klären. Oder ab wann hat dieser Zustand eingesetzt, in dem Normen und gesellschaftliche Erwartungen so eng gestrickt wurden, dass es kein Ausweg mehr gab? Und was hat jetzt dazu geführt, dass sich der Zustand ändert? Die etablierten Parteien können daran schließlich keine Interesse haben. Neue Medien? Andere/Mehr Bildung? Durch was hat sich der Wähler aus diesen beschränkenden Normen befreit und wählt jetzt Ränder? Ich sehe auch nicht, dass die Normen so strikt sind. Was ist den mit Progressiven Veränderungen? 2005 waren die politischen Ideen aus den 90ern und 80ern auch alt und abgehakt. Normen verändern sich am laufenden Band. In den 90ern Jahren wurde abgestimmt, ob ein Ehemann seine Ehefrau straffrei vergewaltigen darf. Das ist heute undenkbar, zurück zu gehen und gerade mal 29 Jahre her. Glaubst du, dass Demokratie für eine Frau sich 1925 anders anfühlte als 1905? Oder für einen Homosexuellen 1975, im Vergleich zu 1955. Widersprechen diese Entwicklungen nicht dem, dass gesellschaftliche Normen strikt sind? ABER, vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden. Ich bin mir echt nicht sicher. --- Zitat von: Zockerbit am 26.Februar 2025, 12:21:11 ---Das die AFD nicht die beste Lösung für jeden Bereich hat, ist richtig. Man sollte aber ebenso erkennen dass der politische Diskurs in diesem Land zunehmend von einem System geprägt ist, der sich auf Konsens & Kompromissen verlassen hat und genau dies viele Menschen frustriert. Wenn man anhand von Wahlergebnissen & Programmen nur die klaren Sieger sehen will übersieht man vor allem die Frage warum immer mehr Menschen aus Protest, anstatt aus Überzeugung wählen? --- Ende Zitat --- Die Wähler der AFD sind in großen Teilen keine Protestwähler mehr. Das wäre ja noch schöner. Wenn das alles Protestwähler wären, könnten die sich ja darauf berufen, dass sie das alles gar nicht so meinen. Das machen die nur, um den anderen Parteien ein Arschtritt zu geben. Nene. Es gibt mittlerweile genug Forschungsmaterial, dass belegt, dass ein großer Teil der AFD Wähler sich mit den Ansichten und Aussagen der AFD identifiziert. Zu den Inhalte, weil du das mittlerweile öfters sagst. Man kann der AFD auch inhaltlich begegnen. Das macht es aber nicht falsch, auf den rechtsradikalen und populistischen Hintergrund zu verweisen. Warum geht nicht beides? Nur weil man das sagt, kann man doch trotzdem über das für und wider der Beendigung von TTIP oder CETA reden. Man kann ja auch darüber reden, dass die AFD die Beamten und Selbstständige in der Rente einbinden will. Aber ehrlich gesagt ist das auch ein hausgemachtes Problem, weil (achtung anekdotisch) die AFD Wähler in meinem Umfeld meistens getriggert mit Klima, Gendern oder Migration um die Ecke kommen und wie schlimm alles ist und man zu Punkten in Wirtschafts oder Sozialpolitik gar nicht kommt. Sollen sie die Nazis rauswerfen, die Sprache weg lassen, den Populismus etwas runter drehen und sich in manchen Ecken etwas mehr an gesicherte wissenschaftliche Erkentnisse halte, hätte ich gar keine Probleme mit der AFD. Das Problem entsteht für mich nur, weil 20% der Wähler wohl ignorieren, dass sie einer Partei folgen, die sich offen mit Nazis verbündet und nicht einfach mal fordert, dass die AFD auch ganz dufte wäre, wenn sie das sein lassen würden. Durch dieses Ignorieren wird akzeptiert. Du magst es Befreiung von gesellschaftlichen Normen nennen. Man könnte es auch Verrohung bezeichnen. Ist vielleicht ein Ding der Perspektive oder der Moral. Oft wird gesagt (so auch m4 aktuell), dass ihr Programm nicht umsetzbar ist. Das gilt aber für viele Parteien. Ich halte Punkte bei den Grünen, der FDP, der SPD für genau so unrealistisch wie bei der AFD. Mich juckt auch nicht, dass mir die AFD in vielen Teilen zu konservativ ist. Ich stimme in ganz vielen Bereichen nicht zu. Aber auch das gilt für viele andere Parteien. Hier liegt nicht meine Kritik an der AFD. Ich weiß nicht welche Art von Medien du konsumierst. Aber sowohl aus den Öffentlich Rechtlichen, als auch in bezahlten Printmedien kenne ich genug Beispiele die sich kritisch, inhaltlich, sachlich mit den politischen Inhalten der AFD auseinander setzen. So, wie mit jeder anderen Partei auch. Das die AFD von dem Medien schief angeschaut wurde, kommt noch aus den Anfängen nach Pegida und Folgejahre. Das ist aber lange her. Auch Politiker machen das wo es nötig ist. Die AFD stellt seit Jahren Anträge, wie jede andere Partei, die bearbeitet und kommentiert werden. Und da wird nicht gesagt: "Nein, weil ihr Nazis seid". Die Anträge werden bearbeitet wie es für das Gremium üblich ist. Das die AFD dann immer mal wieder einen Aufreger produziert, der durch die Presse geht und über die sich verschiedene öffentliche Personen und Stellen entsrechend empören könnte man ja auch als hausgemacht ansehen. Die AFD werden von 80% der Wähler nunmal nicht gewählt. Warum sollten die jede Entgleisung hinnehmen? |
| Viking:
--- Zitat von: DragonFox am 25.Februar 2025, 20:53:32 ---Was bedeutet der Begriff für dich? --- Ende Zitat --- Ein erstarken der Linken, vielleicht eine Regierung mit SPD und Grünen, wenn es in Zukunft die zu erwartenden Einschnitte in Förderungen und Sozialprogramme gibt wird es bestimmt Leute geben die auf die Versprechen reinfallen. Meiner Meinung nach haben wir in den letzten Jahren schon Bewegung in die Richtung gesehen, anstoßen von gesteuerten Bürgerräten,"NGOs" die gezielt andersdenkende melden,dass etablieren eines einseitigen Demokratiebegriffes usw. zuletzt das mobilmachen gegen Merz was dann zu "Demos gegen Rechts" geführt hat, wobei ich gegen Demos per se nichts habe, nur den Grund den Leuten vor der Wahl noch mal Angst zu machen finde ich daneben. Die Reaktionen auf eine Anfrage der Union zu NGOs sprechen auch Bände. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/union-anfrage-organisationen-102.html Neulich gab es auch in der US Sendung 60 Minutes einen Beitrag über den deutschen Kampf gegen "hatespeech". Das wirkt auf mich schon sehr surreal. Ich glaube uns ist gar nicht klar in welche Richtung es da geht oder gehen könnte weil vieles eben auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt und es nicht so einfach zu erkennen ist wie im Vergleich Sachen die aus der rechtsextremen Ecke kommen. Die Amis fragen sich in den Kommentaren auch was bei uns los ist. https://www.youtube.com/watch?v=-bMzFDpfDwc --- Zitat von: TNDO am 26.Februar 2025, 10:49:51 ---Bei Moral müssen sich aber auch die Grünen und Linken selbst stark hinterfragen. Dort herrscht in großen Teilen ein Antisemitismus der offener und schlimmer als in der afD ist. https://www.zeit.de/kultur/2024-03/kulturstaatsministerin-claudia-roth-antisemitismus-kulturbetrieb-offener-brief https://www.welt.de/politik/deutschland/article250283968/Die-antisemitischen-Abgruende-auf-der-Berlinale-und-Claudia-Roth-im-Zentrum-der-Kritik.html https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kritik-thunberg-102.html https://www.youtube.com/watch?v=RNN5CkBom4Q https://taz.de/Linker-Antisemitismus/!5966630/ --- Ende Zitat --- Ich finde auch krass wie Salonfähig Antisemitismus seit dem 7.Oktober geworden ist,was da alles möglich ist ohne das es große Reaktionen gibt. Da läuft auch allgemein etwas falsch, ob es jetzt die Gesellschaft, Politik oder die Medien sind. Ich schaue mir z.B regelmäßig die Tagesschau an, wer wissen will was verzerrte Berichterstattung ist muss sich da mal die Berichte zu Gaza oder Israel angucken, im Krieg wurden oft Videos aus Gaza gezeigt die bestimmt nicht ohne Hamas Erlaubnis veröffentlicht wurden, natürlich waren dann in den kaputten Häusern nie irgendwelche Waffen oder sonstiges zu sehen. Als vor kurzem die Leichen der Familie Bibas an Israel zurückgegeben wurden hat die Hamas eine große Party gefeiert, davon wurde dann ganz kurz etwas gezeigt, danach ein anderer Beitrag,dass Israel im Westjordanland auch einen Militäreinsatz gestartet hat. Das die Familie auch die Deutsche Staatsbürgerschaft hatte wird vielleicht mal irgendwo am Rande erwähnt. https://youtu.be/9GO0jn99c4g?si=wjj5F16JtECnooYV&t=524 Die Bundesregierung hat dem UNRWA in Gaza in den letzten zwei Jahren 142 Millionen Euro gezahlt. https://www.juedische-allgemeine.de/politik/deutschland-gab-palaestinensern-in-zwei-jahren-913-mio-euro/ Baerbock hat kurz vor der Wahl noch eine Rede gehalten in der sie meint das sie eher zurücktreten würde als die Hilfe für Gaza einzustellen. https://politik.watson.de/politik/deutschland/179015368-aussenministerin-annalena-baerbock-verteidigt-gaza-hilfen https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/das-erdrueckende-schweigen-der-anstaendigen-beim-thema-antisemitismus/ |
| Zockerbit:
--- Zitat ---Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe worauf du hinaus möchtest. Wen du sagst, dass Wähler eingelullt wurden halte ich diese Betrachtung gegenüber älteren Generationen für nicht fair. Du behauptest damit, dass unsere Eltern- und Großelterngeneration keinen eigenen Willen hatte und im Kollektiv nach einer gemeinsamen Norm entschieden hätte. Gleichzeitig gibst du damit den etablierten Parteien die Schuld daran, dass die Wähler sie wählen mussten. War das denn 1933 auch so? Das würde schließlich die Frage der Verantwortung klären. Oder ab wann hat dieser Zustand eingesetzt, in dem Normen und gesellschaftliche Erwartungen so eng gestrickt wurden, dass es kein Ausweg mehr gab? Und was hat jetzt dazu geführt, dass sich der Zustand ändert? Die etablierten Parteien können daran schließlich keine Interesse haben. Neue Medien? Andere/Mehr Bildung? Durch was hat sich der Wähler aus diesen beschränkenden Normen befreit und wählt jetzt Ränder? Ich sehe auch nicht, dass die Normen so strikt sind. Was ist den mit Progressiven Veränderungen? 2005 waren die politischen Ideen aus den 90ern und 80ern auch alt und abgehakt. Normen verändern sich am laufenden Band. In den 90ern Jahren wurde abgestimmt, ob ein Ehemann seine Ehefrau straffrei vergewaltigen darf. Das ist heute undenkbar, zurück zu gehen und gerade mal 29 Jahre her. Glaubst du, dass Demokratie für eine Frau sich 1925 anders anfühlte als 1905? Oder für einen Homosexuellen 1975, im Vergleich zu 1955. Widersprechen diese Entwicklungen nicht dem, dass gesellschaftliche Normen strikt sind? ABER, vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden. Ich bin mir echt nicht sicher. --- Ende Zitat --- Es geht mir nicht darum einer bestimmten Generation den freien Willen abzusprechen. Vielmehr beziehe ich mich auf die gesellschaftlichen und politischen Strukturen, die über Jahre hinweg die Wahrnehmung und Entscheidungsprozesse beeinflusst haben. Es gibt tatsächlich eine klare historische Linie, in der normales bzw. wünschenswertes Verhalten und kollektive Erwartungen stark von den etablierten Parteien und den jeweiligen Herrschaftsstrukturen geprägt wurden. Der Vergleich zu 1933 bringt es nicht direktr auf den Punkt, weil die damalige Situation von einer ganz anderen politischen Landschaft und einer totalitären Diktatur geprägt war. Dass, vor allem die Altparteien, immer noch ein gewisses Maß an Einfluss auf die Wählerschaft haben, ist unbestritten, doch der Unterschied zu früheren Zeiten liegt in der zunehmenden Fragmentierung der politischen Landschaft. Es gibt heute mehr Alternativen, aber sie kommen oft aus den politischen Rändern, was zu einer breiteren Diskussion über gesellschaftliche Normen & Erwartungen und deren Veränderung führt. Ab wann dieser Zustand eingesetzt hat, dass die politischen Normen so eng gestrickt wurden ... Das ist aus meiner Sicht tatsächlich ein langsamer Prozess, der spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Die Zeit des „Wirtschaftswunders“ und die Bewegung in den 60er Jahren sind zentrale Wendepunkte, an denen Normen und Werte zunehmend hinterfragt und neu verhandelt wurden. So wie die 90er Jahre in Deutschland eine völlig andere politische Atmosphäre schufen, so waren die 80er für die westliche Gesellschaft auch ein Jahrzehnt, in dem die sozialen und politischen Normen in Bewegung geraten sind. Was die heutigen Wahlen und die Rolle der -Ränder- betrifft, könnte man argumentieren dass es vor allem die neuen Medien und die zunehmende Globalisierung sind, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Diese Faktoren schaffen eine neue Dynamik im politischen Diskurs und machen es möglich, dass Menschen sich zunehmend von traditionellen politischen Mitteln, Verhaltensweisen & Erwartungen lösen. Das schafft Raum für politische Strömungen, die außerhalb des Mainstreams operieren, was, wie man sieht, oft auch auf Ablehnung trifft & teils als moralisch verwerflich abgetan wird. --- Zitat ---Die Wähler der AFD sind in großen Teilen keine Protestwähler mehr. Das wäre ja noch schöner. Wenn das alles Protestwähler wären, könnten die sich ja darauf berufen, dass sie das alles gar nicht so meinen. Das machen die nur, um den anderen Parteien ein Arschtritt zu geben. Nene. Es gibt mittlerweile genug Forschungsmaterial, dass belegt, dass ein großer Teil der AFD Wähler sich mit den Ansichten und Aussagen der AFD identifiziert. --- Ende Zitat --- Es gibt tatsächlich eine signifikante Anzahl an AFD-Wählern die sich mit den Ansichten und Aussagen der Partei identifizieren. Das Problem liegt allerdings nicht nur darin, diese Wähler in Schubladen zu stecken, sondern vor allemin der Tatsache, dass es eine erhebliche Vielfalt innerhalb der AFD-WWählerschaft gibt. Es gibt auch viele Wähler, die der AFD ihre Stimme geben weil sie enttäuscht sind von den zuletzt regierenden Parteien und mit der politischen Landschaft unzufrieden sind. Diese Wähler könnten durchaus als „Protestwähler“ im weiteren Sinne betrachtet werden und nicht zwangsläufig in dem Sinne, dass sie die A FD-Politik aus Überzeugung vertreten, sondern weil sie keine andere Partei sehen, die ihre Unzufriedenheit mit der etablierten Politik aufgreift. Das Problem mit der pauschalen Abwehr des „Protestwähler“-Arguments ist dass es den realen Umstand ignoriert, dass die Wähler in einem recht vielfältigem, politischen System oft aus verschiedenen Gründen wählen. Es geht nicht nur um die Frage, „was will ich?“, sondern auch um die Frage „mit wem habe ich das Gefühl, gehört zu werden?“. Und viele AfD-Wähler fühlen sich von anderen Parteien ignoriert oder sogar marginalisiert. Sei es aufgrund ihrer Ängste in Bezug auf Migration, Globalisierung, oder den Verlust vermeintlicher Werte. Das ist nicht nur ein Protest, sondern eine Reaktion auf wahrgenommene Veränderungen in der Gesellschaft! Es wird oft zu schnell gesagt, dass die Wähler der afD nur „die anderen Parteien ärgern“ wollen, ohne die zugrunde liegenden Ängste und Sorgen zu berücksichtigen. Wähler, die diese Partei langfristig unterstützen, sind oft nicht nur auf der Suche nach einem „Arschtritt“ für andere, sondern haben klare Vorstellungen von gesellschaftlichen Veränderungen, auch wenn wir diese als problematisch empfinden. Der Unterschied zu früheren Protestbewegungen liegt eben auch darin, dass die AFD mittlerweile eine ernstzunehmende politische Plattform ist die nicht mehr nur von Enttäuschten und Protestwählern getragen wird. --- Zitat ---Ich persönlich kann absolut nicht nachvollziehen, wieso man in irgendeiner Form die AFD in Schutz nehmen kann, da Sie nachweislich rassistisch und demokratiegefährdend ist. Die Parallelen zur NSDAP sind erschreckend... --- Ende Zitat --- Die Parallelen zur NSDAP sehe ich viel eher problematisch und verharmlosen die Realität für die beide Parteien stehen/standen. Während die AFD sicherlich mit rechtsextremen Tendenzen einhergeht, sind die Unterschiede zum Nationalsozialismus fundamental! Die AFD hat keine totalitäre Agenda und strebt keine Gewalt oder Vernichtung an. Ihre Politik ist demokratisch legitimiert, auch wenn man dies gern verkennt bzw. nicht teilt. Fairerweise sind einige Aussagen sicherlich problematisch. Es ist jedoch wichtig die AFD zu kritisieren ohne die Gefahr zu beschwören, diese Fehler zu wiederholen, indem wir sie mit extremen historischen Regimen auf eine Stufe stellen. |
| DragonFox:
--- Zitat von: Viking am 26.Februar 2025, 17:37:44 --- --- Zitat von: DragonFox am 25.Februar 2025, 20:53:32 ---Was bedeutet der Begriff für dich? --- Ende Zitat --- Ein erstarken der Linken, vielleicht eine Regierung mit SPD und Grünen, wenn es in Zukunft die zu erwartenden Einschnitte in Förderungen und Sozialprogramme gibt wird es bestimmt Leute geben die auf die Versprechen reinfallen. Meiner Meinung nach haben wir in den letzten Jahren schon Bewegung in die Richtung gesehen, anstoßen von gesteuerten Bürgerräten,"NGOs" die gezielt andersdenkende melden,dass etablieren eines einseitigen Demokratiebegriffes usw. zuletzt das mobilmachen gegen Merz was dann zu "Demos gegen Rechts" geführt hat, wobei ich gegen Demos per se nichts habe, nur den Grund den Leuten vor der Wahl noch mal Angst zu machen finde ich daneben. Die Reaktionen auf eine Anfrage der Union zu NGOs sprechen auch Bände. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/union-anfrage-organisationen-102.html Neulich gab es auch in der US Sendung 60 Minutes einen Beitrag über den deutschen Kampf gegen "hatespeech". Das wirkt auf mich schon sehr surreal. Ich glaube uns ist gar nicht klar in welche Richtung es da geht oder gehen könnte weil vieles eben auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt und es nicht so einfach zu erkennen ist wie im Vergleich Sachen die aus der rechtsextremen Ecke kommen. Die Amis fragen sich in den Kommentaren auch was bei uns los ist. https://www.youtube.com/watch?v=-bMzFDpfDwc --- Ende Zitat --- Danke für die Erklärung. --- Zitat von: Zockerbit am 26.Februar 2025, 17:58:03 --- --- Zitat ---Die Wähler der AFD sind in großen Teilen keine Protestwähler mehr. Das wäre ja noch schöner. Wenn das alles Protestwähler wären, könnten die sich ja darauf berufen, dass sie das alles gar nicht so meinen. Das machen die nur, um den anderen Parteien ein Arschtritt zu geben. Nene. Es gibt mittlerweile genug Forschungsmaterial, dass belegt, dass ein großer Teil der AFD Wähler sich mit den Ansichten und Aussagen der AFD identifiziert. --- Ende Zitat --- Es gibt tatsächlich eine signifikante Anzahl an AFD-Wählern die sich mit den Ansichten und Aussagen der Partei identifizieren. Das Problem liegt allerdings nicht nur darin, diese Wähler in Schubladen zu stecken, sondern vor allemin der Tatsache, dass es eine erhebliche Vielfalt innerhalb der AFD-WWählerschaft gibt. Es gibt auch viele Wähler, die der AFD ihre Stimme geben weil sie enttäuscht sind von den zuletzt regierenden Parteien und mit der politischen Landschaft unzufrieden sind. Diese Wähler könnten durchaus als „Protestwähler“ im weiteren Sinne betrachtet werden und nicht zwangsläufig in dem Sinne, dass sie die A FD-Politik aus Überzeugung vertreten, sondern weil sie keine andere Partei sehen, die ihre Unzufriedenheit mit der etablierten Politik aufgreift. Das Problem mit der pauschalen Abwehr des „Protestwähler“-Arguments ist dass es den realen Umstand ignoriert, dass die Wähler in einem recht vielfältigem, politischen System oft aus verschiedenen Gründen wählen. Es geht nicht nur um die Frage, „was will ich?“, sondern auch um die Frage „mit wem habe ich das Gefühl, gehört zu werden?“. Und viele AfD-Wähler fühlen sich von anderen Parteien ignoriert oder sogar marginalisiert. Sei es aufgrund ihrer Ängste in Bezug auf Migration, Globalisierung, oder den Verlust vermeintlicher Werte. Das ist nicht nur ein Protest, sondern eine Reaktion auf wahrgenommene Veränderungen in der Gesellschaft! Es wird oft zu schnell gesagt, dass die Wähler der afD nur „die anderen Parteien ärgern“ wollen, ohne die zugrunde liegenden Ängste und Sorgen zu berücksichtigen. Wähler, die diese Partei langfristig unterstützen, sind oft nicht nur auf der Suche nach einem „Arschtritt“ für andere, sondern haben klare Vorstellungen von gesellschaftlichen Veränderungen, auch wenn wir diese als problematisch empfinden. Der Unterschied zu früheren Protestbewegungen liegt eben auch darin, dass die AFD mittlerweile eine ernstzunehmende politische Plattform ist die nicht mehr nur von Enttäuschten und Protestwählern getragen wird. --- Ende Zitat --- Was für ein Problem liegt darin, dass es eine Tatsache ist, dass es eine Vielfalt innerhalb der AFD-Wählerschaft gibt? Ich habe doch gar nicht in eine Schublade gesteckt. Wenn man das gefühl hat gehört zu werden bedeutet das doch Identifikation . Was ist den der Unterschied zwischen "was will ich?" und "das Gefühl gehört zu werden"? Du schreibst doch selber am Ende des zweiten Absatzes, dass es kein Protest ist. Zumindest nicht nur? Die Abwehr mit dem Protest-Argument sei nicht gut, schreibst du. Die Wahlen seien kein Protest, sondern... Eine ernsthafte Wahl? Gleichzeitig hast du vor ein paar Posts die Protestwähler selbst in die Diskussion gebracht und behauptet, dass die Anzahl der Menschen die aus Protest wählen immer weiter zunehmen würde. Jetzt ist die Wählerschaft aber vielfältig und hat mehrfach Gründe die kein Protest sein sollen? Wiedersprichst du dir hier nicht selbst? Oder möchtest du eine dritte Kategorie von Wählern definieren, die irgendwie noch Protest wählt aber sich auch schon identifiziert und gehört fühlt und irgendwie dazwischen steckt? Dann verstehe ich diese dritte Kategorie nicht. Was macht den Wähler zu einem Protestwähler, der sich aber von der Partei verstanden fühlt und sich damit ja mindestens mit einem Teil ihrer Werte identifizieren muss und die Personen für geeignete Vertreter seiner Meinung hält? Die beiden Punkte wären für mich zumindest zwei Bedingungen, dass ich mich von einer Partei "verstanden fühle". |
| Henningway:
Das Protestwähler-Argument halte ich immer für bedenklich. Wenn ich den sogenannten etablierten Parteien eins auswischen wollte, dann wähle ich "Die Partei", aber nicht einen rechtsextremen Haufen Geschichtsrelativierer. Soviel Verstand sollte doch wohl angenommen werden zu verstehen, dass es keine besonders gute Idee ist, einer Nazi-Partei die Stimme zu geben, nur weil man angepisst ist. |
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