Die aktuellen Ölpreise zeigen mir mal wieder, wie schwer es ist Leute zum vorrausschauenden Denken zu bewegen. Ist erst ein paar Jahre her, dass wir schonmal so einen Schock hatten. Trotzdem kenne ich massenweise Leute die weiter bei Ölheizungen geblieben sind, Gasheizungen einbauen und mich für das achso alltagsuntaugliche E-Auto ausgelacht haben...
Edit: Nochmal der Disclaimer, dass ich weis das es viele gibt, die sich ein E-Auto in der Zeit nicht leisten konnten. Fair wäre es, wenn man es z.B. vom Alter des Autos / Kaufzeitpunkt abhängig machen würde, aber fair ist da jetzt auch verdammt schwer umzusetzen.
Hier, ich bin bei der Ölheizung geblieben. Gut, die tut ihren Dienst ja auch noch. Und Austauschen ohne Zwang macht ohnehin keinen Sinn. Ich habe aber vor wenigen Postings schon einmal vorgerechnet, warum sich eine Elektroheizung bei mir nicht rechnen.
Immerhin scheint das Heizgesetz jetzt wirklich in der vorherigen Form Geschichte zu sein. Gut so!
Was war an dem Gesetz konkret schlecht?
Unnötige Belastung privater Haushalte. Mein konkretes Beispiel: 60er-Jahre Haus, mäßig gedämmt. Um eine Wärmepumpe effektiv betreiben zu können, müsste ich hier locker 50.000+ aufwänden - die neue Heizungsanlage nicht eingerechnet. Und das ist eher optimistisch gerechnet. Denn dabei wäre kein Einbau einer Fußbodenheizung (was empfohlen ist) oder der Austausch von Radiatoren (was ggf. sogar notwendig wäre) inbegriffen.
Von grüner Seite kommt dann immer das Argument, dass sich das mit der Zeit ja lohnt - was in den meisten Fällen aber nicht stimmt. In den 13 Jahren die ich hier wohne habe ich Heizkosten von 900 bis 1.800 (eine Tankladung) gehabt. Meist waren das 12 bis 15 Monate. Gehen wir mal von 1.500 Euro aus (weil es künftig ja eher nicht günstiger wird). Heißt ich könnte über 33 Jahre Heizöl bezahlen, bis sich das ggf. amortisiert. Moment! Ich spare ja gar nicht die gesamten Heizkosten. Zumindest die Hälfte wird wohl noch anfallen. Sagen wir also 66 Jahre. Vielleicht ein wenig weniger, weil die Kosten noch mehr steigen. Dann wäre ich ca. 110 Jahre alt.
Aber warte! Wenn ich 50.000 Euro zu nur 3 % Zinsen anlege (sollte ggf. über Tagesgeld gerade noch so zu machen sein), dann sind das 1.500 Euro im Jahr. Andere Anlageprodukte versprechen sogar eine höhere Rendite. Geld was mir entgeht, wenn ich das Haus entsprechend aufrüste.
Nein, da hilft auch keine Förderung. Die ich als Freiberufler, der von zu Hause arbeitet und sich für schlechte Zeiten ein paar Rücklagen aufgebaut hat, auch gar nicht im nennenswerten Umfang bekommen würde.
Und dann heißt es ja gerne - Einzelfall! Erneut m.M.n. nein. Denn 60 Prozent der Gebäude in Deutschland wurden vor 1978 gebaut und damit vor der ersten Wärmeschutzverordnung.
Ich bin persönlich betroffen, weshalb mir das Thema wichtig war. Kenne aber auch diverse Personen, wo es genauso ist. Eine finanzielle Mehrbelastung der Eigentümer und Mieter (denn Vermieter legen sowas natürlich um), die politisch verschuldet ist. Immerhin hat man jahrelang Gas als Übergangstechnologie angepriesen, nur um hier später (durchaus aus Gründen) einen Rückzieher zu machen. Da hatten aber viele schon einen Gasanschluss gelegt. Bei so wichtigen Fragen darf Politik nicht sprunghaft agieren.
Vielleicht nochmal etwas überspitzt. Wenn ich 100.000 Euro aufwänden müsste, um mein Haus E-Heizungs-fit zu bekommen und ich hier noch 40 Jahre leben will, dann müsste ich jährlich 2.500 Euro einsparen können, damit sich das lohnt. Und da ist nur der reine Finanzbedarf gerechnet und nicht etwaige Zinsen, die ich bei einem Darlehen zu begleichen habe und die mir bei Eigenkapital entgehen. Selbst die aktuell gestiegenen Kosten würden die notwendigen Renovierungen nicht decken.
Falls es irgendwann aber soweit kommt, dann werde natürlich auch ich Alternativen prüfen. Selber kenne ich halt Leute, die sind mit ihrer Wärmepumpe unzufrieden und bereuen den Tausch. In der Regel auch Altbauten, so wie meines. Fairer Weise: Kenne auch Leute, die damit zufrieden sind. Experten haben mir persönlich aber immer abgeraten, sofern ich sie außerhalb ihrer Verkaufsräume befragt habe.
Dein Disclaimer @maturin, den du nur auf E-Autos beziehst, passt also auch auf Wärmepumpen. Wenn die Anschaffungs- und Renovierungskosten zu hoch sind (Grundausgabe), dann lohnt sich auch der günstigere Betrieb nicht.
Ich fahre mein Auto jetzt ca. 23 Jahre. Früher schon zum Studium, heute noch für ca. 3.000 Kilometer im Jahr. Auch hier kann ich mir ein E-Auto definitiv nicht schönrechnen.
Worauf will ich hinaus: Pauschale Aussagen helfen nicht. Eine E-Heizung oder ein E-Auto ist nicht pauschal besser oder schlechter. Es kommt immer auf den Einzelfall an.
Wir können auch Fragen wie ökologisch es ist, dass alle Menschen aus dem Grenzgebiet jetzt 20 Kilometer extra zum tanken ins Ausland fahren. Bei meiner geringen Fahrtreichweite tangiert mich der gestiegene Preis an der Tankstelle wenig. Aber ich verstehe den Ärger vieler, die das Auto täglich benötigen. Zumal der Preis politisch, durch Steuern und Abgaben, viel höher ausfällt, als bei unseren Nachbarn. Und die aktuellen Preise machen ohnehin keinen Sinn, weil das Öl hier noch günstiger eingekauft wurde.
Aber worüber reden wir hier. Der (Heiz-)ölpreis ist doch seit 2022 sicherlich schon zweimal, zumindest aber einmal noch höher gewesen. Solche Ausschläge gibt es. Der geht auch wieder runter und später langsam, weil politisch gewollt, wieder hoch. Womit wir wieder bei dem von dir angesprochenen vorausschauenden Denken sind. Ich habe, obwohl ich locker bis April/Mai hingekommen wäre, Ende Januar/Anfang Februar (weiß ich aktuell gar nicht mehr genau) getankt - also Heizöl. Das Dilemma war ja abzusehen.
LG Veni_vidi_vici