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Autor Thema: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread  (Gelesen 1659994 mal)

Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3900 am: 13.Oktober 2026, 21:07:10 »

Wenn wir die FDP nicht wählen, warum sollten es andere machen? Es gibt für mich keine Partei, die so nah an meinen Positionen ist. Daher wähle ich sie auch wenn sie unter 5 Prozent hat. Das ist sozusagen die Keimzelle eines Comebacks, wenn genug Leute sich nicht entmutigen lassen.  [..]
Die Machtoptionen für eine FDP sind also durchaus nicht vorhanden. Trotzdem muss jemand auch die Fahnen für Liberalität unter den ganzen Autoritären hochhalten.

Ja, damit hast du wohl recht.
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kn0xv1lle

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3901 am: 14.Oktober 2026, 01:46:15 »

Naja die Position der FDP klingt erstmal natürlich Toll. Massive Entlastungen bei gleichzeitiger Reduzierung des Sozialstaates. Die Durchführbarkeit des Parteiprogramm darf dann doch eher bezweifelt werden. Vor allem wenn man es mit Einhaltung der Schuldenbremse machen wollte. Aber gut das komische ist der AfD glauben die Wähler das sie ihr Programm finanziert bekommen. Der FDP glaubte das scheinbar keiner.
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TNDO

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3902 am: 14.Oktober 2026, 08:12:19 »

Naja die Position der FDP klingt erstmal natürlich Toll. Massive Entlastungen bei gleichzeitiger Reduzierung des Sozialstaates. Die Durchführbarkeit des Parteiprogramm darf dann doch eher bezweifelt werden. Vor allem wenn man es mit Einhaltung der Schuldenbremse machen wollte. Aber gut das komische ist der AfD glauben die Wähler das sie ihr Programm finanziert bekommen. Der FDP glaubte das scheinbar keiner.
Die Position der FDP kann man nicht durchbringen. Ich sagte ja schon, dass dort keine Machtoptionen sind. Bei der Linken, Grünen sind z.B. bei den ganzen Rechnung nicht einbezogen, dass z.B. die zusätzlichen Ausgabenprogramme das ins negative drücken können und bei der SPD kommt ja laut Programm ein kreditfinanzierter Deutschland-Fond (100 Mrd. Euro) dabei.


Thema afD : Es gibt natürlich nur Schätzungen aber ein Dexit würde zwischen 200 und 690 Milliarden kosten, die Zölle die Exporte nach Europa richtig in die Krise stürzen und mutmasslich mehrere Millionen Arbeitsplätze kosten. Wir würden eine Absatzkrise bei den Autobauern wie in China nur in 4-facher Stärke produzieren.

Ein weiteres Thema sind die Target-Salden. Laut Bundesbank sind das knapp unter 1 Billionen Euro. Wenn sich dann die europäischen Länder entscheiden, dass die EZB kollabiert und die Forderungen nicht mehr beglichen werden, kannst du das auf die Rechnung hinzufügen. Denn selbst wenn die Bundesbank das nur buchhalterisch abschreiben muss, wäre ihr Eigenkapital negativ. Um das wieder auszugleichen (ohne Bundeszuschuss) würden die Gewinne der Bundesbank nicht mehr in den Staatshaushalt fliessen. Fairerweise muss man sagen, dass die Bundesbank in den letzten 5 Jahren keine Gewinne gemacht hat, sondern in den letzten 2 Jahren sogar 8,6 Mrd Euro (2025) und 19,2 Mrd. Euro (2024) Verlust gemacht hat. Der letzte Überschuss war 2019...
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3903 am: 14.Oktober 2026, 08:17:26 »

Hier könnte man massiv einsparen, indem man den Großteil der Leute*) nach Hause schickt oder halt nur die Basics abdeckt, da hört und liest man nur nie von Sparplänen, immer nur müssen Arbeitnehmer bluten (mehr einzahlen, weniger Leistungen bekommen): https://archive.is/uUSra#selection-2145.0-2145.91

Ja, ich weiß, das ist jetzt wieder voll rechtspopulistisch oder noch schlimmer, aber ich habe es ehrlich gesagt satt, für Leute arbeiten zu gehen, die keinerlei Anrecht auf Schutz oder Asyl haben, weil sie weder politisch verfolgt werden, noch weil Krieg oder Bürgerkrieg in deren Heimat tobt.

Für Leute, die über tausende Kilometer durch x sichere Staaten reisen, um sich dann hier niederzulassen und die großzügig angebotenen Leistungen abzugreifen. Wenn ich schon lese, dass diese Unterkünfte einen Reinigungsservice haben, bekomme ich das kalte Kotzen. Können diese Menschen ihre Bude nicht selber sauber halten? Nein, das müssen wir auch noch teuer bezahlen.

Das geht einfach nicht, das ist eine Perversion des Asylrechts, so war das nie gedacht. Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, jedes Jahr 40 Mrd. EUR, von "Menschen, die schon länger hier leben" hart erarbeitet und belohnt mit höchsten Steuern und Abgaben und kaputten Schulen, Straßen und Brücken, weil das Geld an anderer Stelle mit vollen Händen rausgeworfen wird. Es reicht.

Und nein, das ist kein Angriff auf diese Menschen, käme ich aus einem Shithole am Ende der Welt und da gäbe es in Europa ein Land, dass mich in ein world class Sozialsystem einlädt, würde ich mich als junger Bursche ohne Perspektive auch auf den Weg machen. Dafür habe ich vollstes Verständnis, diese Menschen sind das nicht Schuld, Schuld ist die Politik, die Asylmissbrauch ermöglicht.

*) Ja ich weiß, offiziell sind nur ein paar hunderttausend ausreisepflichtig, imho müsste aber jeder Asylantrag, jeder Schutzstatus und jede Duldung noch einmal objektiv durchleuchtet werden, ob es überhaupt ein Anrecht auf Asyl oder Schutz gibt. Nordafrikaner, Menschen vom Balkan, Türken, Syrer, Libanesen, Afghanen, Schwarzafrikaner, oft und viele junge Männer, wo sind da die Asylgründe? Das muss streng überprüft, die Herkunft und die Verfolgung faktisch nachgewiesen werden. Gelingt das dem Asylbewerber nicht, muss es heißen "Gute Heimreise". Aber das will unser Staat ja überhaupt nicht mehr, man will diese Leute unbedingt im Land haben, selbst wenn es sich um Kriminelle handelt, Stichwort "Coesfelder Liste". Und da wundern sich manche Leute wirklich noch, warum die AfD so einen Erfolg hat.
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3904 am: 14.Oktober 2026, 08:20:51 »

Ein weiteres Thema sind die Target-Salden.
Erkläre das Thema bitte mal mit eigenen Worten, nicht mit Zitaten, Artikeln, links oder Videos, warum sollte das ein Problem sein? Hat der dt. Lieferant kein Geld vom EU-Kunden bekommen?

Und nein: ich bin selbstverständlich gegen einen Austritt aus der EU, das wäre totaler Irrsinn, trotz aller berechtigter Kritik an Brüssel.
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TNDO

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3905 am: 14.Oktober 2026, 09:13:40 »

Ein weiteres Thema sind die Target-Salden.
Erkläre das Thema bitte mal mit eigenen Worten, nicht mit Zitaten, Artikeln, links oder Videos, warum sollte das ein Problem sein? Hat der dt. Lieferant kein Geld vom EU-Kunden bekommen?

Und nein: ich bin selbstverständlich gegen einen Austritt aus der EU, das wäre totaler Irrsinn, trotz aller berechtigter Kritik an Brüssel.
Target-Salden entstehen über Handelsungleichgewichte.
Ich nehme mal ein Beispiel :
Ein Italiener kauft einen Mercedes für 70000 Euro. Diese Transaktion läuft über die nationalen Notenbanken (in unserem Fall die Bundesbank und die Banca d'Italia) und die EZB. Welche Bank der Kunde und Mercedes haben ist dabei egal. Um wieder auf unser Beispiel zurückzukommen. Die Banca d'Italia bucht eine Verbindlichkeit bei der EZB, die Bundesbank eine Forderung. Das "gleicht" sich dann aus. Aber es ist buchhalterisch Geld aus Italien nach Deutschland geflossen. Umgekehrt wäre es, wenn ein Fiat in Deutschland verkauft wird. Daraus ergibt sich am Ende der aktuelle Target-Saldo. Es gibt Länder, die einen negativen Target-Saldo haben. Ein Beispiel ist Spanien mit 442 Mrd. Euro im Oktober 2026, Italien mit 344,95 Mrd. Euro und Frankreich mit 181,34 Mrd. Euro. Demgegenüber hat Deutschland (Stand Oktober 2026) 1071,77 Mrd. an Forderungen an die EZB. Das Geld ist schon aus Italien nach Deutschland "geflossen" bzw. "gebucht". Der deutsche Lieferant ist zwar bezahlt. Aber jetzt stell dir vor, Deutschland tritt aus und stellt seine Forderung fällig, weil es ja nicht mehr Teil der EZB und des Target-Systems ist.
Wo holen denn Spanien, Italien und Frankreich das Geld her?

Italien liegt bei etwa 3,2 Billionen Euro Staatsverschuldung und über 130% des BIP. Jetzt packst du da nochmal 345 Mrd. drauf, die sie der Banca d'Italia zur Verfügung stellen müssen. Meloni hat durch Sparmassnahmen die Neuverschuldung irgendwie auf 2,8 Prozent gedrückt für 2026 und nun kommen das nochmal um die 15% drauf nach dem Dexit. 2026 zahlt Italien voraussichtlich 92 Milliarden Euro nur an Zinsen ohne Tilgung. Das wird sich bis 2028 laut Banca d'Italia auf 105 Mrd. Euro steigern. Wenn dann noch diese 345 Mrd. Euro hinzukommen wird das ungeahnte Auswirkungen haben. Schon jetzt liegen 10-jährige italienische Staatsanleihen bei 4,55%, im Sommer waren sie noch knapp unter 4%. Das würde explodieren, wie wir das in Griechenland gesehen haben.

Frankreich ist jetzt schon in leichten Schwierigkeiten (117,5 Prozent des BIP) und hat weniger Target-Salden. Aber auch dort hat das Konsequenzen. Im Gegensatz zu Meloni fährt Frankreich keinen Sparkurs und hat trotz niedrigerer Schulden im Vergleich zum BIP jetzt schon einen Zins von nahezu 5% auf 10-jährige Staatsanleihen. 2027 wird die Zinslast Frankreich 92 Mrd. Euro kosten. Und im Gegensatz zu Italien fährt Frankreich keinen Neuverschuldung von unter 3% dieses Jahr, sondern über 5%. Und das jetzt 4 Jahre in Folge...

Fehlt noch Spanien. Spanien hat 101,6% des BIP an Staatsschulden oder 1,74 Billionen Euro. Das Defizit ist mit 2,4% aber vergleichweise niedrig. Aber die Refinanzierung der nationalen Notenbank würde die Schulden dort ja schlagartig auf 2,25 Billionen ansteigen lassen. Das wäre ein immenser Schock.
Um mal den Vergleich zu schlagen : Argentinien hatte 2023 154,6% des BIP an Staatsschulden ist jetzt mittlerweile runter auf 70,41%. 1900 war Argentinien beim Pro-Kopf-Einkommen vor den USA und vielen europäischen Ländern. In den 40ern hat der Peronismus und überbordende Staatsapparate das angefangen zu vernichten und über die Jahrzehnte das Land wieder zum Schwellenland werden lassen.

Das Fazit : Ja Mercedes hat sein Geld in unserem Beispiel bekommen. Die Banca d'Italia hat aber einen Überziehungskredit dafür bekommen bei der EZB und die Bundesbank ein Guthaben. Die Bundesbank kommt nur nicht beim Dexit so leicht an das Guthaben dran. Daraus wird ein Verlust im schlimmsten Fall. Des weiteren wird Mercedes ohne Target-Salden dem Italiener kein zweites Auto verkaufen. Das kostet Arbeitsplätze. Ferner wird die Steuerbelastung auch noch steigen, wenn wir die über 1000 Milliarden für die Refinanzierung der Bundesbank ausgeben müssen. Das trifft dann Mercedes doppelt : Höhere Abgaben und weniger Kaufkraft in Deutschland, weil auch die Mittelschicht viel höher besteuert werden wird.
« Letzte Änderung: 14.Oktober 2026, 09:58:02 von TNDO »
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3906 am: 14.Oktober 2026, 18:57:06 »

Target-Salden entstehen über Handelsungleichgewichte.
Das ist von dir aber jetzt wesentlich verkürzt. Target-Salden entstehen aus JEDEM grenzüberschreitenden Zahlungsvorgang im Euroraum. Ein großer Teil des deutschen Saldos stammt aus den EZB-Anleihekäufen, nicht aus dem EU-Binnenhandel, vor 2008 waren die Salden trotz stark unterschiedlicher Handelsbilanzen im Euroraum eher klein.

Zitat
Welche Bank der Kunde und Mercedes haben ist dabei egal.
Diese Aussage stimmt so nicht: wenn sowohl Käufer als auch Verkäufer ihre Konten bei Banken im gleichen Land haben, kommt Target überhaupt nicht ins Spiel.

Zitat
Aber jetzt stell dir vor, Deutschland tritt aus und stellt seine Forderung fällig, weil es ja nicht mehr Teil der EZB und des Target-Systems ist.
Das halte ich für das grundlegende Problem bei deinem Szenario: die Bundesbank hätte im Falle des Dexit keine monetäre Forderung gegen Italien, sondern sie hätte eine rein buchhalterische Forderung gegen die EZB bzw. das gesamte Eurosystem. Diese "Forderung" hat aber weder eine Laufzeit noch eine Fälligkeit noch kann sie einfach so "fällig gestellt" werden.

Es ist fachlich umstritten, ob Target-Salden überhaupt Forderungen im Sinne von "Krediten" sind oder nur reine Verrechnungsposten. Du stellst es so dar, als wäre es ein gesicherter Fakt, dass es sich um "richtige" Forderungen handelt.

Zitat
Jetzt packst du da nochmal 345 Mrd. drauf, die sie der Banca d’Italia zur Verfügung stellen müssen.
Ein negativer Target-Saldo ist eine buchhalterische Verbindlichkeit einer Notenbank bei der EZB, keine Staatsschuld, der ital. Staat müsste vermutlich nur einspringen, wenn die Banca d’Italia dadurch bilanziell stark in Schieflage geriete. Dieses "Draufpacken" auf die ital. Staatsverschuldung ist eine These, die du belegen müsstest, was aber mW. nicht aus den entsprechenden Verträgen zum Eurosystem hervorgeht.

Target-Salden werden auch nur zum EZB-Leitzins verzinst (seit Sept. 26 wimre 2,65%), nicht zu den von dir genannten Renditen von Staatsanleihen. Diese Zinsen belasten die Gewinne der Banca d’Italia, nicht den Staatshaushalt direkt, damit geht deine Rechnung "Zinslast steigt um X" in der Form nicht auf.

Ich gehe nicht weiter auf Frankreich und Spanien ein und habe auch alle von dir genannten Zahlen nicht nachgeprüft, weil die Prämisse mMn. nicht wirklich tragfähig ist. Ein Totalausfall des gesamten Saldos ist sowieso ein unwahrscheinliches Extrem-Szenario und die Schlussfolgerung "weniger Kaufkraft, weil die Mittelschicht viel höher besteuert wird" ist eine weitere These von dir ohne Beleg.

Dass die übrigen Euro-Länder nach einem Dexit die Verhandlungen über die Target-Salden verweigern könnten, ist als Risiko nicht 100%ig auszuschließen, aber da ein Euro-Austritt in den Verträgen nicht geregelt ist, müsste in der Praxis verhandelt werden. Der Gegenpart der Bundesbank ist die EZB bzw. das Eurosystem, nicht einzelne EU-Staaten, die sich querstellen könnten. Ob und wie dieser Saldo abgewickelt wird, wäre Teil des Gesamtpakets im Rahmen der Verhandlungen über den Dexit.

Der Target-Saldo führt nicht automatisch zu einer gleich hohen Rechnung für den deutschen Steuerzahler oder den Bund, eine direkte Zahlungspflicht lässt sich aus seiner bloßen Existenz nicht ableiten. Selbst im schlechtesten Fall, dem Totalausfall des Saldos, wäre das zunächst ein bilanzieller "Verlust" der Bundesbank, der die Gewinnausschüttung an den Bund schmälern würde, keine Rechnung von über 1.000 Mrd. EUR, die der Steuerzahler sofort begleichen müsste. Welche weiteren Folgen ein Dexit hätte, hinge von den auszuhandelnden Abwicklungsregeln ab.

Das ist aber sowieso alles nur gackern über ungelegte Eier, käme es zu einem Dexit oder zu einem Zerbrechen der EU, hätten wir imho viel gravierendere Probleme als theoretische, buchhalterische Verbindlichkeiten.

Zitat
Um mal den Vergleich zu schlagen : Argentinien hatte 2023 154,6% des BIP an Staatsschulden ist jetzt mittlerweile runter auf 70,41%.
Der Vergleich passt nicht zum Thema, denn Argentinien hat weder den Euro noch ein Target-System. Du setzt den Targetsaldo mit direkter, neuer Staatsverschuldung gleich, das ist so nicht haltbar.

Zitat
Des weiteren wird Mercedes ohne Target-Salden dem Italiener kein zweites Auto verkaufen.
Target-Salden sind keine Voraussetzung für Handel, sondern nur eine Abrechnungsmethode, Deutschland handelt auch mit den USA, China oder Japan, die nicht Teil des Targetsystems sind.

Das große wirtschaftliche Risiko bei einem Dexit wäre - neben dem Untergang der EU - eine mutmaßliche Aufwertung der neuen D-Mark gegenüber EUR und Dollar, die deutsche Waren im Ausland teurer machen würde. Diesen Wechselkurseffekt berücksichtigst du überhaupt nicht, obwohl er mMn. viel stärkere wirtschaftliche Auswirkungen hätte als der Target2-Saldo.

Meine Meinung zum Targetsystem: es ist ein Verrechnungssystem, der Saldo zeigt im Endeffekt nur, wo Zentralbankgeld national hin- und wo es weggeflossen ist, auf EZB- bzw. Eurosystem-Ebene ist die Summe Null.
« Letzte Änderung: 14.Oktober 2026, 19:13:42 von Signor Rossi »
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3907 am: 14.Oktober 2026, 19:21:52 »

Und direkt noch was hinterher: https://www.n-tv.de/politik/Landtag-von-Sachsen-Anhalt-fordert-Sieg-Russlands-id31416062.html

Das zeigt sehr schön, wo die AfD ihre Prioritäten setzt: nicht im eigenen Land, sondern zugunsten Putlers. Tolle Patrioten.
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TNDO

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3908 am: 14.Oktober 2026, 20:50:28 »

Target-Salden entstehen über Handelsungleichgewichte.
Das ist von dir aber jetzt wesentlich verkürzt. Target-Salden entstehen aus JEDEM grenzüberschreitenden Zahlungsvorgang im Euroraum. Ein großer Teil des deutschen Saldos stammt aus den EZB-Anleihekäufen, nicht aus dem EU-Binnenhandel, vor 2008 waren die Salden trotz stark unterschiedlicher Handelsbilanzen im Euroraum eher klein.

Zitat
Welche Bank der Kunde und Mercedes haben ist dabei egal.
Diese Aussage stimmt so nicht: wenn sowohl Käufer als auch Verkäufer ihre Konten bei Banken im gleichen Land haben, kommt Target überhaupt nicht ins Spiel.

Zitat
Aber jetzt stell dir vor, Deutschland tritt aus und stellt seine Forderung fällig, weil es ja nicht mehr Teil der EZB und des Target-Systems ist.
Das halte ich für das grundlegende Problem bei deinem Szenario: die Bundesbank hätte im Falle des Dexit keine monetäre Forderung gegen Italien, sondern sie hätte eine rein buchhalterische Forderung gegen die EZB bzw. das gesamte Eurosystem. Diese "Forderung" hat aber weder eine Laufzeit noch eine Fälligkeit noch kann sie einfach so "fällig gestellt" werden.

Es ist fachlich umstritten, ob Target-Salden überhaupt Forderungen im Sinne von "Krediten" sind oder nur reine Verrechnungsposten. Du stellst es so dar, als wäre es ein gesicherter Fakt, dass es sich um "richtige" Forderungen handelt.

Zitat
Jetzt packst du da nochmal 345 Mrd. drauf, die sie der Banca d’Italia zur Verfügung stellen müssen.
Ein negativer Target-Saldo ist eine buchhalterische Verbindlichkeit einer Notenbank bei der EZB, keine Staatsschuld, der ital. Staat müsste vermutlich nur einspringen, wenn die Banca d’Italia dadurch bilanziell stark in Schieflage geriete. Dieses "Draufpacken" auf die ital. Staatsverschuldung ist eine These, die du belegen müsstest, was aber mW. nicht aus den entsprechenden Verträgen zum Eurosystem hervorgeht.

Target-Salden werden auch nur zum EZB-Leitzins verzinst (seit Sept. 26 wimre 2,65%), nicht zu den von dir genannten Renditen von Staatsanleihen. Diese Zinsen belasten die Gewinne der Banca d’Italia, nicht den Staatshaushalt direkt, damit geht deine Rechnung "Zinslast steigt um X" in der Form nicht auf.

Ich gehe nicht weiter auf Frankreich und Spanien ein und habe auch alle von dir genannten Zahlen nicht nachgeprüft, weil die Prämisse mMn. nicht wirklich tragfähig ist. Ein Totalausfall des gesamten Saldos ist sowieso ein unwahrscheinliches Extrem-Szenario und die Schlussfolgerung "weniger Kaufkraft, weil die Mittelschicht viel höher besteuert wird" ist eine weitere These von dir ohne Beleg.

Dass die übrigen Euro-Länder nach einem Dexit die Verhandlungen über die Target-Salden verweigern könnten, ist als Risiko nicht 100%ig auszuschließen, aber da ein Euro-Austritt in den Verträgen nicht geregelt ist, müsste in der Praxis verhandelt werden. Der Gegenpart der Bundesbank ist die EZB bzw. das Eurosystem, nicht einzelne EU-Staaten, die sich querstellen könnten. Ob und wie dieser Saldo abgewickelt wird, wäre Teil des Gesamtpakets im Rahmen der Verhandlungen über den Dexit.

Der Target-Saldo führt nicht automatisch zu einer gleich hohen Rechnung für den deutschen Steuerzahler oder den Bund, eine direkte Zahlungspflicht lässt sich aus seiner bloßen Existenz nicht ableiten. Selbst im schlechtesten Fall, dem Totalausfall des Saldos, wäre das zunächst ein bilanzieller "Verlust" der Bundesbank, der die Gewinnausschüttung an den Bund schmälern würde, keine Rechnung von über 1.000 Mrd. EUR, die der Steuerzahler sofort begleichen müsste. Welche weiteren Folgen ein Dexit hätte, hinge von den auszuhandelnden Abwicklungsregeln ab.

Das ist aber sowieso alles nur gackern über ungelegte Eier, käme es zu einem Dexit oder zu einem Zerbrechen der EU, hätten wir imho viel gravierendere Probleme als theoretische, buchhalterische Verbindlichkeiten.

Zitat
Um mal den Vergleich zu schlagen : Argentinien hatte 2023 154,6% des BIP an Staatsschulden ist jetzt mittlerweile runter auf 70,41%.
Der Vergleich passt nicht zum Thema, denn Argentinien hat weder den Euro noch ein Target-System. Du setzt den Targetsaldo mit direkter, neuer Staatsverschuldung gleich, das ist so nicht haltbar.

Zitat
Des weiteren wird Mercedes ohne Target-Salden dem Italiener kein zweites Auto verkaufen.
Target-Salden sind keine Voraussetzung für Handel, sondern nur eine Abrechnungsmethode, Deutschland handelt auch mit den USA, China oder Japan, die nicht Teil des Targetsystems sind.

Das große wirtschaftliche Risiko bei einem Dexit wäre - neben dem Untergang der EU - eine mutmaßliche Aufwertung der neuen D-Mark gegenüber EUR und Dollar, die deutsche Waren im Ausland teurer machen würde. Diesen Wechselkurseffekt berücksichtigst du überhaupt nicht, obwohl er mMn. viel stärkere wirtschaftliche Auswirkungen hätte als der Target2-Saldo.

Meine Meinung zum Targetsystem: es ist ein Verrechnungssystem, der Saldo zeigt im Endeffekt nur, wo Zentralbankgeld national hin- und wo es weggeflossen ist, auf EZB- bzw. Eurosystem-Ebene ist die Summe Null.
Natürlich habe ich das verkürzt.  ;)  Ich weiss auch, dass italienische und spanische Zentralbanken Staatsanleihen aufgekauft haben über internationale Großbanken (mit Sitz in Deutschland). Aber auch schon vorher lag der Targetsaldo von Deutschland bei 300 Mrd. Euro. Handelsungleichgewichtet sind jede Art von Transaktionen wo die Balance nicht gegeben ist. Das kann ein Mercedes sein oder eine Aktie. Ein Mercedes ist nur besser verständlich als 100000 Euro in Aktien...

Dass Banken die Konten bei Banken im gleichen Land haben ist eher unwahrscheinlich. Aber es macht keinen Unterschied ob Mercedes jetzt sein Konto bei der Deutschen Bank oder Commerzbank hat und der Käufer sein Konto bei Unicredit oder Banca Monte dei Paschi di Siena.

Wenn Deutschland austritt (Dexit) sind wir nicht mehr Teil der EZB und des Target-Systems. Das Problem ist nicht dass das nur ein technischer Verrechnungsposten ist, da gibt es unterschiedliche Ansichten zu.

https://www.ifo.de/DocDL/sd-2018-24-fuest-sinn-target-risiken-2018-12-20.pdf
Das Ifo-Institut schreibt (und ich zitiere) :
Zitat
"Es geht uns hier um die Bedeutung der Target-Salden beim Zusammenbruch eines nationalen Zahlungssystems, das die Insolvenz einer nationalen Notenbank nach sich ziehen kann. Immer wieder
wird in der Presse behauptet, die Target-Salden zwischen den nationalen Notenbanken seien kein Risiko für die Target-Gläubiger, wenn der Euro unverändert fortbesteht. Auch der Sachverständigenrat (2018) schließt sich dieser Sichtweise an.Ergänzend hört man die Behauptung, eine Notenbank könne nicht insolvent werden, weil sie ihre Zahlungsverpflichtung durch Selbstdruck von Geld jederzeit erfüllen könne.Beide Behauptungen sind falsch. Die zweite stimmt zwar im Außenverhältnis für das Eurosystem als Ganzes. Für die Zahlungsverpflichtungen im Innenverhältnis, also zwischen den nationalen Notenbanken, stimmt sie jedoch nicht, weil diese Verpflichtungen nicht durch Geldschöpfung erfüllbar sind. Wie wir zeigen werden, ist der Fall der Insolvenz einer nationalen Notenbank im Eurosystem möglich, wenn es Target-Salden gibt und die jeweiligen Notenbanken für Verluste aus Geldschöpfungskrediten selbst haften müssen und nicht in der Lage sind, sie auf andere Notenbanken abzuwälzen."
Ein Dexit würde die Zinsen aller Euro-Staaten erhöhen und damit das Bankrottrisiko für jeden verbliebenen großen Schuldenstand in der EU. Frankreichs Schulden laufen größtenteils noch zu einem Zins von etwa 2%. Neue Anleihen (10-Jahre) sind bei fast 5%. Ein Austritt Deutschlands und damit eine Schwächung der EU würde diesen Zins sehr stark erhöhen. Die Zinslasten für alle in der EZB verbliebenen Schuldenstaaten würden sich dadurch enorm erhöhen. Das wiederum erhöht eklatant die Chance, dass das EZB-System zusammenbricht. Und hier komme ich zum Schluss, dass das Eurosystem zusammenbrechen könnte. Genau das habe ich auch geschrieben. Und jetzt kommt der Twist : Keine Partei ausser der afD will aus dem Euro raus. Das heißt du sprichst hier von einer Verhandlung zwischen einer deutschen afD-Regierung und der EZB. Denkst du ernsthaft, dass die EZB dann Deutschland entgegenkommt? Das wäre äusserst naiv. Das heisst die Bundesbank würde mit großen buchhalterischen Verlusten konfrontiert. Das würde bei anhaltend hohen Target-Salden ohne Ausgleich passieren. Der Bund ist laut Bundesverfassungsgericht PSPP-Vorlagebeschluss von 18.Juli 2017 (BVerfGE146,216) in dem Falle zu eine Rekapitlisierung verpflichtet.
Zitat
„Die Bundesrepublik Deutschland ist verfassungsrechtlich verpflichtet, die Funktionsfähigkeit der Deutschen Bundesbank zu gewährleisten. Art. 88 Satz 1 GG enthält eine institutionelle Garantie […]. Sie umfasst vielmehr auch die Verpflichtung, diese so auszustatten, dass sie ihre verfassungsrechtlichen Aufgaben […] erfüllen kann. Insofern folgt aus Art. 88 GG auch eine Anstaltslast, die die Bundesrepublik Deutschland als Anstaltsträger verpflichtet, die Funktionsfähigkeit der Deutschen Bundesbank […] zu gewährleisten. Ist die Funktionsfähigkeit der Deutschen Bundesbank daher aufgrund eines nicht hinreichenden oder sogar negativen Nettoeigenkapitals gefährdet, kann die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sein, Kapital nachzuschießen. Das kann im Übrigen auch unionsrechtlich geboten sein (vgl. EZB, Konvergenzbericht 2014, S. 28 f.; BVerfGE 142, 123 [232 f. Rn. 217]).“
Hier nochmal der Verweis auf den Bundesrechnungshof

https://www.wiwo.de/politik/deutschland/geldpolitik-der-bundesrechnungshof-warnt-vor-verlusten-der-bundesbank-/29222190.html

Das wäre der Worst-Case für die Bundesbank, also Szenario 1.
Szenario 2 kommt jetzt mit den Staatsschulden von Italien, Spanien und Frankreich.Hierzu noch ein paar Quellen von

Mario Draghi (20.01.2017)
Zitat
„If a country were to leave the Eurosystem, its national central bank’s claims on or liabilities to the ECB would need to be settled in full.“
https://www.reuters.com/article/business/any-country-leaving-euro-zone-must-settle-bill-first-ecbs-draghi-idUSKBN1542KK/
Daraus folgt, dass der deutsche Target-Saldo beglichen werden müssten nach dem neuen Schlüssel der EZB (der deutsche Anteil von 26,3152% fällt weg). Skalieren wir nun die Anteil hoch muss
Frankreich 26,8%
Italien 21,5%
Spanien 15,9%
davon tragen.
Du wärest also bei 287 Mrd. Euro (Frankreich), 230 Mrd. Euro (Italien) und 170 Mrd. Euro (Spanien). Das würde die nationalen Zentralbanken betreffen dieser 3 Länder. Aber auch hier greift doch die Pflicht zur Rekapitalsierung der Notenbank. Das könnte die französische Zentralbank eventuell sogar schaffen
https://www.banque-france.fr/en/press-release/net-profit-eur-81-billion-enabling-clearing-losses-carried-forward

Die italienische hätte wohl die Mittel
https://www.bancaditalia.it/pubblicazioni/bilancio-esercizio/2026-bilancio-esercizio/?dotcache=refresh

Die spanische Zentralbank mit ihren 56,5 Mrd. Euro müsste wohl mit 114 Mrd. Euro gestützt werden
https://www.bde.es/f/webbe/SES/Secciones/Publicaciones/PublicacionesAnuales/Cuentas_anuales_del_BdE/2025/files/CuentasAnuales_2025_Ing.pdf

Wir reden dann aber davon, dass die französische Zentralbank danach gar kein Geld mehr als Eigentkapital hat...

Das Beispiel mit dem zweiten Mercedes ist ein ganz einfaches : Ohne Target-Salden muss diese Zahlung ausgeglichen werden. Die geschieht dann über den Devisenmarkt oder privaten Kapitalfluss. Das heißt im Klartext : Die italienischen Banken müssen Euro in die neue deutsche Währung umtauschen. Das führt zu dem, was wir vor dem Euro beobachten konnten : Die Währung fällt. Die neue D-Mark würde stärker und der Euro schwächer. Das würde den Mercedes so teuer machen, dass der Kauf wohl eher nicht zustande kommt. Alternativ müssten italienischen Banken oder Unternehmen selbst Geld bei deutschen Banken leihen. Das wiederum würde den Anreiz für Zölle erhöhen und damit die deutsche Exportwirtschaft in Gefahr bringen. Zumal wir ohne Binnenmarkt und deren Vorteil dann mit unseren Autos gegen China konkurrieren müssten. Deswegen der Verweis auf die Absatzkrise und China.

Bei Argentinien geht es nur um die Auswirkungen hoher Staatsverschuldung. Wenn du ein anderen Beispiel willst : Schau dir Japan an. Das BIP stagniert und die Staatsverschuldung ist offiziell exorbitant hoch. Um eine so hohe Staatsschuld ohne Wirtschaftsboom erträglich zu machen, brauchten sie eine hohe Inflation. War dort zu beobachten und die Folgen auch. Die USA haben ihre Inflation in die Welt exportiert, das kann so aber kein anderes Land der Welt.

Den Untergang der EU und damit der EZB habe ich auch erwähnt. Die Wechselkurse habe ich mit dem Verweis auf den Absturz der Exporte nach Europa inkludiert.
Zitat
die Exporte nach Europa richtig in die Krise stürzen und mutmasslich mehrere Millionen Arbeitsplätze kosten. Wir würden eine Absatzkrise bei den Autobauern wie in China nur in 4-facher Stärke produzieren.
Zölle und was wir früher als starke D-Mark bezeichnet haben. Kosten : Vermutlich mehrere Millionen Arbeitsplätze. Du hast Recht, dass Target2-Salden nicht notwendig für Handel sind. Aber du vergisst, dass sie ihn für uns wesentlich vereinfacht haben. Im Falle eines Dexit ist das dann zuende. Gehe aber davon aus, dass man soweit den Faden weiterspinnt ohne dass ich hier einen extrem langen Post verfasse. Ich hoffe du kannst meine Theorie und meine Ansicht jetzt besser nachvollziehen.

Und direkt noch was hinterher: https://www.n-tv.de/politik/Landtag-von-Sachsen-Anhalt-fordert-Sieg-Russlands-id31416062.html

Das zeigt sehr schön, wo die AfD ihre Prioritäten setzt: nicht im eigenen Land, sondern zugunsten Putlers. Tolle Patrioten.
Das sind wir gerade in einer Diskussion warum der von der afD präferierte Dexit schlecht für Deutschland ist, dann kommt schon die nächste Bombe. Ende der Waffenlieferung schwächt die Position im Dialog, den man offen halten sollte. Und ich glaube, dass alle es toll finden würden, wenn das Töten ein Ende hätte. Welches Auto fährt der Rausch denn nun? Als Patriot muss es ja ein deutsches Fabrikat sein, oder? Nicht, dass der bald im Tesla vorfährt...
« Letzte Änderung: 14.Oktober 2026, 20:54:04 von TNDO »
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3909 am: 14.Oktober 2026, 21:54:05 »

Oder er hätte gute Politik gemacht, die CDU und SPD oder Grüne mit hätten tragen können.
Denke ich nicht, er war ja zu dem Zeitpunkt verbrannt und es hätte keiner für irgendwas gestimmt was er vorgebracht hätte.

Es würde zumindest Rechtssicherheit schaffen. Und ich meine, dass der Anwalt Jun einen guten Punkt hat, dass alleine schon das laufende Verfahren die AfD disziplinieren könnte. Wenn die dann ihre radikalen/extremistischen Mitglieder konsequent rauswerfen und diverse Positionen zu Ausländern/Flüchtlingen entschärfen, dann könnte das doch tatsächlich ein Koalitionspartner für die Union werden.
Ja Rechtsicherheit wäre schon ein Punkt, ichdenke aber eher,dass es die AfD in ihrer jetzigen Form stärken würde wenn klar ist,dass kein Verbot droht.

Das wäre für mich die gleiche asoziale Scheiße wie eine Koalition der Union mit der AfD. Und in Mecklenburg will die Schwesig auch mit den Grünen und den Mauerschützennachfolgern regieren.
Wobei man da sagen muss, dass da bisher ja auch schon SPD und linke regieren. in Berlin gibt es jetzt erstmal Sondierungstopp weil die linke da einfach ihren Stiefel durchziehen will und der Druck auf den anderen Parteien liegt. Man schafft es auch irgendwie nicht eine klare Erklärung zu Isrrael zu verfassen und muss immer noch andere Gruppen in den Text einbauen, erinnert mich irgendwie an den "all lives matter" Spruch.
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/schwerdtner-linke-antisemitismus-papier-berlin-sondierung-gruene-spd-100.html


Was meint ihr, erleben wir gerade in Deutschland einen grundlegenden Wandel in der Parteienlandschaft? Die Union unter 20%, die CDU nach AfD und Grünen vermutlich nur noch drittstärkste Partei, die SPD unter 15%, auf 10% zusteuernd... Das alles wäre vor 10 Jahren noch völlig undenkbar gewesen.
Ist mMn aber auch ein Spiegel der Gesellschaft, es gibt da gefühlt so krass gegensätzliche Positionen das es schwer wird sich auf eine Richtung zu einigen, wenn man da mal in die USA schaut sieht man wie sich das entwickeln könnte.
Um mal den Klassiker Gender einzubauen, ein Teil der Bevölkerung spricht da sogar eine andere Sprache und ein anderer Teil hält das für komplett bescheuert, wenn man sich nicht mal auf sowas einigen kann bekommt man den Rest auch schwer gebacken.
Ein ziemlicher Teil der Menschen wird durch die normalen Parteien einfach nicht mehr abgeholt und Populisten haben es leicht, ich weiß nicht ob es sich dreht wenn klar wird,dass die auch nur mit Wasser kochen oder wenn es mal in CDU oder SPD frisches Personal mit neuen Ideen gibt, die Linke war ja auch schon so gut wie raus aus dem Bundestag und hat es mit Populismus und einem neuen Anstrich gedreht.

Zur cdU : Vollkommen unnötige Partei. Wer ihnen jetzt noch glaubt, der will doch verarscht werden. Ich glaube nicht einen Satz, der in diesem Programm steht. Solange Friedrich Merz und die alte Garde da was zu sagen hat wird weiter irgendwas versprochen und dann genau das Gegenteil gemacht.
Ist doch bei der FDP ganz genauso. Die werden den Glaubwürdigkeitsverlust aus der Ampelzeit nicht los und sind obendrein noch zerstritten, der einzige Punkt der die stillhalten lässt ist doch, dass die sonst gar keine Chance mehr hätten in den Bundestag einzuziehen.

Naja die Position der FDP klingt erstmal natürlich Toll. Massive Entlastungen bei gleichzeitiger Reduzierung des Sozialstaates. Die Durchführbarkeit des Parteiprogramm darf dann doch eher bezweifelt werden. Vor allem wenn man es mit Einhaltung der Schuldenbremse machen wollte. Aber gut das komische ist der AfD glauben die Wähler das sie ihr Programm finanziert bekommen. Der FDP glaubte das scheinbar keiner.
Weil die FDP schon einmal in der Regierung war und da auch nicht viel von dem umgesetzt hat was sie versprochen haben oder sogar das Gegenteil von dem was die Wähler wollten. Die FDP nimmt ja auch eine verschärfte Position zur Migration ein und dann kann man denen die Sachen zeigen die sie unter der Ampel mitgetragen oder wie sie gegen AfD und Unionsanträge gestimmt haben. Die AfD ist dagegen fein raus weil sie sich nicht beweisen müssen, die würden sich doch sogar über rot-rot-grün im Bund freuen,weil es da noch mehr zu meckern und bei der nächsten Wahl mehr Sitze gibt.
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3910 am: 14.Oktober 2026, 22:29:48 »

...da gibt es unterschiedliche Ansichten zu.
Meine Rede, der Herr Sinn hat auch nicht die Weisheit gepachtet ;)

Zitat
Wenn Deutschland austritt (Dexit) sind wir nicht mehr Teil der EZB und des Target-Systems.
Das stimmt, spielt aber keine Rolle, die Target-Forderung bleibt trotzdem bestehen, weil sie eine Position gegen die EZB bzw. das Eurosystem ist und nicht von der Mitgliedschaft in einem Zahlungssystem abhängt.

Zu Draghi musste ich recherchieren, das hatte ich so nicht auf dem Schirm. Zur Einordnung der von dir zitierten Aussage aus einem Antwortbrief an zwei ital. Abgeordnete: sie stammt aus einer Zeit, in der in Italien konkret über einen Euro-Austritt diskutiert wurde. Diese Aussage ist keine verbindliche Regel in einem gültigen Vertrag und sie sagt auch nichts darüber aus, was "settled in full" konkret bedeuten soll. Man könnte sie auch als Drohung gegen austrittswillige Staaten verstehen, dass ein Austritt diesen Staat teuer zu stehen käme. Draghi hat sich danach auch nicht mehr auf so etwas festgelegt, in späteren Antworten auf Fragen zu diesen Thema hat er betont, dass der Euro unwiderruflich sei und die EZB nicht über Annahmen nachdenken sollte, die der Vertrag nicht vorsieht, weitere Auskünfte dazu verweigerte er. Er ist inzwischen auch nicht mehr EZB-Präsident, als Rechtsgrundlage für eine Zahlungspflicht bei einem Dexit taugt seine Aussage imho nicht.

Zitat
...Zusammenbruch eines nationalen Zahlungssystems, das die Insolvenz einer nationalen Notenbank nach sich ziehen kann.
Das ist jetzt aber wieder ein ganz anderes Szenario als "Dexit=Deutschland verlässt die EU und den Euroraum".

Zitat
Ein Dexit würde die Zinsen aller Euro-Staaten erhöhen...
Das ist eine plausible Vermutung, aber anschließend auch eine Kette aus Konjunktiven. Dass jeder Schritt dieser Kette genau so auch eintritt, kann man als Katastrophenszenario befürchten, es gibt aber keine Zwangsläufigkeit. Und vor allem Dingen: das ist jetzt auch wieder eine ganz anderes Szenario und es folgt nicht aus dem Target-Saldo.

Zitat
Ein Austritt Deutschlands und damit eine Schwächung der EU würde diesen Zins sehr stark erhöhen.
Ich wage mal ganz mutig zu behaupten, dass weder EU noch der Euroraum einen solchen Dexit überstehen würden. Und dann sind die Target-Salden noch die geringsten Probleme die wir bekommen.

Zitat
Das heißt du sprichst hier von einer Verhandlung zwischen einer deutschen afD-Regierung und der EZB.
Ich spreche davon? Ich dachte, ich hätte deutlich gemacht, dass ich einen Dexit für sehr unwahrscheinlich halte. Aber ja, auch mit einer AfD-Regierung müsste verhandelt werden, die EZB könnte nicht einfach sagen "Ätschibätschi, eure Target-Salden sind jetzt von uns weggehext."

Zitat
Das heisst die Bundesbank würde mit großen buchhalterischen Verlusten konfrontiert.
Große Verluste gäbe es nur bei einem größeren Ausfall, den ich für ähnlich unwahrscheinlich halte wie den Dexit selbst. Der wahrscheinlichere Fall, im unwahrscheinlichen Fall eines Dexit, wäre meiner Meinung nach, dass die Forderung der Bundesbank gegen die EZB einfach in den Büchern stehen bleibt. Damit wäre dann auch eine "Rekapitalisierungseskalation" europäischer Zentralbanken und die daraus folgenden Schreckensszenarien mit Monsterschulden, exorbitanten Zinsen und wirtschaftlichem Totalzusammenbruch vom Tisch.

Zitat
Die neue D-Mark würde stärker und der Euro schwächer.
Genau meine Rede, kannst du nachlesen ;)

Zitat
Zumal wir ohne Binnenmarkt und deren Vorteil dann mit unseren Autos gegen China konkurrieren müssten.
Genau! Das ist aber ein Argument gegen den Dexit und nicht für deine Target-Salden-These.

Zitat
Bei Argentinien geht es nur um die Auswirkungen hoher Staatsverschuldung.
Dass eine hohe Staatsverschuldung beschissen ist, brauchst du mir nicht zu erzählen, dein Beispiel Japan ist aber wieder ganz anders gelagert, da es sich dort um "Binnenverschuldung" handelt, der Großteil der Schulden wird von Inländern gehalten. Hinzu kommt noch, dass Japan eine eigene Währung hat.

Zitat
Ich hoffe du kannst meine Theorie und meine Ansicht jetzt besser nachvollziehen.
Ich kann das gut nachvollziehen, aber ich halte deine (und Sinns) These von den Target-Salden für nicht stichhaltig und die daraus folgenden Horrorszenarien für reichlich übertrieben. Nochmal: bei einem Dexit haben wir und die EU ganz andere Probleme als die Target-Salden, die für diese dann aber auch nicht ursächlich wären.
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3911 am: 14.Oktober 2026, 22:35:57 »

Denke ich nicht, er war ja zu dem Zeitpunkt verbrannt und es hätte keiner für irgendwas gestimmt was er vorgebracht hätte.
Verbrannt war er nach der linken Hexenjagd auf ihn, inkl. schäbbigster Morddrohungen gegen seine Familie. Komisch, da gab es keinen Aufschrei...

Zitat
Ja Rechtsicherheit wäre schon ein Punkt, ichdenke aber eher,dass es die AfD in ihrer jetzigen Form stärken würde wenn klar ist,dass kein Verbot droht.
Wie heißt es so schön "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand." Ich würde mich als AfD nicht darauf verlassen, dass sie nicht verboten wird, wenn sie sich nicht deradikalisiert.

Zitat
Wobei man da sagen muss, dass da bisher ja auch schon SPD und linke regieren.
Ja, das weiß ich, das macht es aber auch nicht besser.

Zitat
in Berlin gibt es jetzt erstmal Sondierungstopp weil die linke da einfach ihren Stiefel durchziehen will und der Druck auf den anderen Parteien liegt.
Ich hoffe, dass SPD und Grüne zu Verstand kommen und zusammen mit der CDU regieren.

Zitat
Man schafft es auch irgendwie nicht eine klare Erklärung zu Isrrael zu verfassen...
Das wundert mich kein bisschen.
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3912 am: 14.Oktober 2026, 23:34:36 »

Nochmal was anderes: https://www.saarbruecker-zeitung.de/pr/presseportal/neue-kfw-studie-vier-wochen-vor-dem-start-der-un-weltklimakonferenz-deutschlands-investitionsbedarf-fuer-klimaneutralitaet-bis-2045-liegt-bei-sechs-billionen-euro_aid-156401753

LOL, 6.000 Milliarden EUR innerhalb von 19 Jahren für die dt. Weltklimarettung, das hält der KfW-Chef für machbar. Dagegen sind die 400 Milliarden, die seit 2015 für Flüchtlinge rausgehauen wurden, ein regelrechtes Schnäppchen.

Wo genau das Geld angesichts schwächelnder Wirtschaft (das Wachstum kommt nur noch daher, dass der Staat wie blöde neue Schulden ins System buttert) und fortschreitender Deindustrialisierung herkommen soll, dazu hält man sich lieber bedeckt.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3913 am: 15.Oktober 2026, 00:27:38 »

@Signor Rossi : Meines Wissens nach stammt die erste Warnung von Jens Weidmann (Präsident der Bundesbank) an Mario Draghi im Feb./März 2012 per Brief, welches dann in der FAZ geleakt wurde. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Hans-Werner Sinn da nicht von alleine drauf gestossen ist, sondern Helmut Schlesinger (ehem. Chef der Bundesbank) ihn darauf gestossen hat. Die offizielle Linie ist halt, dass die Euro-Zone zusammenbleibt. Für den Fall eines Ausstiegs eines Landes gibt es keine Regel und da wird es dann brenzlig. Und genau da sind Weidmann, Draghi, Beermann deutlich, dass es Risiken gibt. Ich hatte auch aufgeführt welche. Klar kann man sagen : Da verhandeln wir und verhindern das schlimmste. Und natürlich ist das unwahrscheinlich (ein afD-Regierung z.B.). Aber sollte dieser Fall eintreten werden die Target-Salden die bestehenden Probleme weiter befeuern. Du gehst davon aus, dass alles gut gehen wird, ich habe da eher meine Zweifel. Vor allem, da kein Austrittsmechanismus besteht. Weidmann schlug übrigens eine Besicherung der Risiken durch die Target-Salden vor.

Zitat von: Signor Rossi
Das stimmt, spielt aber keine Rolle, die Target-Forderung bleibt trotzdem bestehen, weil sie eine Position gegen die EZB bzw. das Eurosystem ist und nicht von der Mitgliedschaft in einem Zahlungssystem abhängt.

Zu Draghi musste ich recherchieren, das hatte ich so nicht auf dem Schirm. Zur Einordnung der von dir zitierten Aussage aus einem Antwortbrief an zwei ital. Abgeordnete: sie stammt aus einer Zeit, in der in Italien konkret über einen Euro-Austritt diskutiert wurde. Diese Aussage ist keine verbindliche Regel in einem gültigen Vertrag und sie sagt auch nichts darüber aus, was "settled in full" konkret bedeuten soll. Man könnte sie auch als Drohung gegen austrittswillige Staaten verstehen, dass ein Austritt diesen Staat teuer zu stehen käme. Draghi hat sich danach auch nicht mehr auf so etwas festgelegt, in späteren Antworten auf Fragen zu diesen Thema hat er betont, dass der Euro unwiderruflich sei und die EZB nicht über Annahmen nachdenken sollte, die der Vertrag nicht vorsieht, weitere Auskünfte dazu verweigerte er. Er ist inzwischen auch nicht mehr EZB-Präsident, als Rechtsgrundlage für eine Zahlungspflicht bei einem Dexit taugt seine Aussage imho nicht.

Draghis Aussagen sind publik geworden. Anderslautende Aussagen eher nicht. Du kannst also nicht davon ausgehen, dass schon nichts passieren wird und alles weiterläuft.

Zitat von: Signor Rossi
Ich wage mal ganz mutig zu behaupten, dass weder EU noch der Euroraum einen solchen Dexit überstehen würden. Und dann sind die Target-Salden noch die geringsten Probleme die wir bekommen.
Die EU und die EZB könnten auch einen Dexit überstehen. Die Frage ist, wie dann die EU und die EZB aussehen. Sie wären definitiv viel schwächer und müssten extreme Reformen einleiten. Die Folgen wären auf jeden Fall verheerend. Die Auswirkungen habe ich auch schon wiederholt geschildert.


Zitat von: Signor Rossi
Ich spreche davon? Ich dachte, ich hätte deutlich gemacht, dass ich einen Dexit für sehr unwahrscheinlich halte. Aber ja, auch mit einer AfD-Regierung müsste verhandelt werden, die EZB könnte nicht einfach sagen "Ätschibätschi, eure Target-Salden sind jetzt von uns weggehext."
"Große Verluste gäbe es nur bei einem größeren Ausfall, den ich für ähnlich unwahrscheinlich halte wie den Dexit selbst. Der wahrscheinlichere Fall, im unwahrscheinlichen Fall eines Dexit, wäre meiner Meinung nach, dass die Forderung der Bundesbank gegen die EZB einfach in den Büchern stehen bleibt. Damit wäre dann auch eine "Rekapitalisierungseskalation" europäischer Zentralbanken und die daraus folgenden Schreckensszenarien mit Monsterschulden, exorbitanten Zinsen und wirtschaftlichem Totalzusammenbruch vom Tisch."
Die EU müsste sie nicht weghexen. Klar kann man sagen, dass die afD nach dem Dexit dann vernünftig wird und sich auf eine Stundung und Ratenzahlung einlässt. Das hat ihnen dann entweder der Weihnachtsmann oder der Osterhase gesteckt, dass das eine gute Idee wäre. Oder wäre es wahrscheinlicher, dass die afD die komplette Begleichung fordert? Und was wären dann die Auswirkungen. Da beginnen dann meine Szenarien. Wenn du natürlich die afD für so vernünftig hälst in den Verhandlungen mit der EU, dann will ich hier nichts gesagt haben. Aber interessant dass du der afD zutraust nach einem von ihnen herbeigeführten Dexit auf einmal (halbwegs) zur Vernunft zu kommen...

Zitat von: Signor Rossi
Genau! Das ist aber ein Argument gegen den Dexit und nicht für deine Target-Salden-These.
Wo habe ich denn für einen Dexit gesprochen? Ich bin hier gefühlt die ganze Seite am aufzählen was für negative Folgen das hätte... Und deine These, dass die Target-Salden überhaupt kein Problem sind hält auch nur solange der Euroraum existiert und wir Teil davon sind. Danach wird es undefiniert. Man kann Glück haben oder landet bei meinen Szenarien. Da kannst im Casino auch gleich alles auf Rot setzen und hoffen. Keine gute Idee für Millionen von Menschen, die davon in Europa betroffen wären...


Zitat von: Signor Rossi
Dass eine hohe Staatsverschuldung beschissen ist, brauchst du mir nicht zu erzählen, dein Beispiel Japan ist aber wieder ganz anders gelagert, da es sich dort um "Binnenverschuldung" handelt, der Großteil der Schulden wird von Inländern gehalten. Hinzu kommt noch, dass Japan eine eigene Währung hat.
Wenn du es genau nimmst ist der Abstand sogar noch überzeichnet. Japan verwendet eine sehr breite Brutto-Definition bei seinen Schulden und hat (z.B.  im Rentenfonds GPIF oder den Devisenreserven) noch sehr große Vermögenswerte. So werden aus 205% Brutto, dann Netto "nur" noch 130-140% Schulden, bei Deutschland hingegen sieht es mit 65% Brutto und 50-55% Netto danach dann nicht mehr so extrem krass aus. Kanada ist da auch ein gutes Beispiel, die liegen Brutto bei 110% des BIP und Netto bei unglaublichen 10-13% des BIP. Und du hast insofern Recht, dass Japan nur 10% seiner Schulden im Ausland hat, Italien dagegen 35% und Deutschland (45-57%) sowie Frankreich (53-58%) einen sehr hohen Anteil ausländischer Gläubiger. Was du hierbei aber vergisst : In allen Euroländern sitzen die Auslandsschulden zu großen Teilen im EU-Ausland, also im Euroraum. Wohlwollend kann man das also als Inlandsschulden bezeichnen.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3914 am: 15.Oktober 2026, 09:40:03 »

Meines Wissens nach stammt die erste Warnung von Jens Weidmann (Präsident der Bundesbank) an Mario Draghi im Feb./März 2012 per Brief, welches dann in der FAZ geleakt wurde.
Ging es da auch um die Targetsalden oder um gemeinsame Haftung für Verschuldung, die laut Maastricht ja eigentlich ausgeschlossen sein sollte.

Zitat
Du kannst also nicht davon ausgehen, dass schon nichts passieren wird und alles weiterläuft.
Was heißt nichts passieren und alles weiter läuft? Ich gehe von einer sehr geringen Wahrscheinlichkeiten a) für einen Dexit und ebenso für b) den Worst Case Totalabschreibung der Target Salden aus.

Zitat
Die EU und die EZB könnten auch einen Dexit überstehen.
Wage ich zu bezweifeln, Deutschland ist der größte Nettozahler und die größte Wirtschaftsmacht der EU. D liegt im Herzen der EU, an den Grenzen gäbe es gewaltige Staus, weil ja auch der Schengenraum Geschichte wäre, die EU wäre im Grunde gespalten.

Zitat
...und sich auf eine Stundung und Ratenzahlung einlässt.
Ich wage weiterhin zu bezweifeln, dass das Forderungen sind, die monetär abgegolten werden müssen. Meiner Ansicht nach sind das einfach nur buchhalterische Verrechnungsposten.

Zitat
Und was wären dann die Auswirkungen.
Dann würde erst einmal für viele, viele Jahre in Verhandlungen und vor Gerichten gestritten, ob das überhaupt Forderungen sind, die bezahlt werden müssen. Weil die tatsächliche Forderung, Geld für den Mercedes, ja längst beglichen wurde. Warum sollte Italien für die gleiche Ware zweimal zahlen müssen, einmal vom Kunden und dann nochmal von der Zentralbank? Das ist komplett widersinnig.

Zitat
Wenn du natürlich die afD für so vernünftig hälst... Aber interessant dass du der afD zutraust...
Keine Ahnung, was du mir hier immer mit solchen Unterstellungen bezüglich der AfD andichten willst. Ich gehe momentan immer noch davon aus, dass die AfD nicht die Bundesregierung stellen wird und das ist auch gut so.

Wir haben jetzt schon drei große Unwahrscheinlichkeiten, die aufeinandertreffen müssen: die AfD-Regierung, der Dexit und der Totalabschreibung der Targetsalden.

Sollte es trotzdem passieren, dass eine AfD-Regierung den Dexit durchzieht, wird aber auch sie von den normativen Kräften des Faktischen an den Verhandlungstisch gezwungen werden. Oder marschiert man dann wieder in Frankreich ein?

Zitat
Man kann Glück haben oder landet bei meinen Szenarien.
Oder der wahrscheinlichste Fall tritt ein: Euroraum existiert einfach weiter, weil NIEMAND etwas von einem solchen Austritt hätte.
« Letzte Änderung: 15.Oktober 2026, 09:48:07 von Signor Rossi »
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Thorbinho09

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3915 am: 15.Oktober 2026, 10:56:45 »

Und direkt noch was hinterher: https://www.n-tv.de/politik/Landtag-von-Sachsen-Anhalt-fordert-Sieg-Russlands-id31416062.html

Das zeigt sehr schön, wo die AfD ihre Prioritäten setzt: nicht im eigenen Land, sondern zugunsten Putlers. Tolle Patrioten.


Ich finde das total erschreckend zu lesen und bin gespannt wie sich die Lage weiterhin in Sachsen-Anhalt entwickelt (und ob wir das Bundesland nun verloren haben - ja, sehr schwarzmalerisch).
Diese Täter-Opfer-Umkehr bzw. Relativierung dieses Angriffskrieges (sowie auch viele andere Positionen der AfD) machen mich echt ratlos, lassen mich sprachlos zurück, und ich frage mich, können denn so viele Menschen so dermaßen abgebrüht und kalt im Herzen sein oder einfach nur doof, dass die diese Partei aus Protest wählen? Wobei es ja mittlerweile keine Proteststimmen mehr sind, das ist eigentlich das viele schlimmere daran. Ich meine, ich verstehe das alles nicht, es wühlt mich auf und macht mir Sorge, was mit unserem Land und auch unserer Welt passiert. Autokraten, Rechtspopulisten, menschenverachtende Egomanen etc. regieren Staaten, Länder, Völker und die Menschen entfremden sich untereinander immer weiter und im Endeffekt geht es dem normalen Bürger nie besser, sondern nur den Machthabern und ihren Gefolgsleuten - auf Kosten ihrer Wähler. Welch beißende Ironie!
Ich habe bei der ersten Amtszeit von Trump noch gedacht "Oh Mann!" und dachte, naja, haben die Amis sich halt was eingebrockt, wird denen nicht nochmal passieren. Als er dann wieder kandidierte und es sich abzeichnete, dass er wieder gewinnen würde, habe ich noch gedacht, "naja, so blöd können die ja nicht sein"... und gleiches habe ich schon mehrfach hier im Bezug auf Deutschland gedacht, mit Trump als mahnendes Beispiel für uns, mit immer weiter aufkommenden offenen Äußerungen der AfD, die in meinen Augen so entlarvend waren, dass ich dachte, dass nun viele Wähler vlt. wirklich mal aufwachen und denken, "na, das kann ich aber nun nicht mehr unterstützen, das geht zu weit" und umdenken und ihr Kreuz woanders setzen, aber stattdessen sind die Zahlen immer weiter gestiegen...
Und die bisherigen Amtsträger allen voran von CDU und SPD tun wirklich alles dafür, dass es so weiter geht (Stichwort: halbieren der AfD - da hat aber wohl scheinbar jemand durch 1/2 geteilt) mit ihren Grabenkämpfen untereinander, mit ihren unfassbar schlechten Kommunikationsverhalten untereinander und vor allem gegenüber den Bürgern, mit ihrem teilweise nicht ernstnehmen der Demokratiefeinde (zuletzt eher weniger), mit ihren Kopien von AfD-Vorschlägen (in abgeschwächter Form, um Stimmen zurück zu bekommen), mit ihren Reformvorschlägen, die immer noch nicht die mittleren und geringeren Einkommen entlasten, gleichzeititg wird weiterhin überall alles immer teurer, egal wohin man guckt, mit ihren Sondervermögen, ihren Gemauscheln, ihren Eitelkeiten, ihren Programmen wie z. B. Tankrabatten, die beinahe wirkungslos verpuffen, um sich erst auf die Schulter zu klopfen und dann doch wieder die Achseln zu zucken usw usf.
Und oben über allem thront ein Mr. Burns in Reinform, völlig abgekehrt von der Realität und der arbeitenden, einfachen Bevölkerung, der sowas von oben herab regiert, wie es nur geht, um sich dann auch noch zu wundern, dass ihn keiner mag!

Ich verstehe das alles nicht, ehrlich nicht.

Und was am Ende bleibt, ist, dass irgendwie erstmal keine Besserung in Sicht ist.
(Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.)

Ich lese in der politischen Diskussion hier meist nur still mit, weil ich in den meisten Sachen nicht so tief im Thema bin und auch keine Zeit habe viel zu recherchieren, um mich sachkundig fundiert zu äußern, aber das musste ich alles mal raushauen (hätte auch einen guten Platz im Frust-Ablass-Thread), einfach, weil ich mir Sorgen mache um die Zukunft dieses Landes, die Zukunft meiner Familie und unseren Friedens generell.
« Letzte Änderung: 15.Oktober 2026, 10:59:36 von Thorbinho09 »
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Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3916 am: 15.Oktober 2026, 11:55:12 »

Wenn du jetzt noch Linksradikale/-extremisten mit ins Boot holst, ist dein posting vollends rund :)

Ich verstehe das auch alles nicht mehr. Auch jetzt dieses Gezänk um Bas und die böse CDU, die nicht rücksichtsvoll genug war. Es ist sehr nachvollziehbar, dass ein Trauerfall in der Familie jemand schwer belastet und die Arbeit darüber dann völlig nebensächlich wird, aber als Minister muss man trotzdem liefern, das ist kein simpler Bürojob.

Da hätte es ja aber auch Wege gegeben, zB. der Stellvertreter übernimmt für ein paar Wochen oder ein kommissarischer Minister wird bis zur Rückkehr ernannt. Aber nein, es muss die öffentliche Schlammschlacht sein und der Wähler guckt sich den Kindergarten von außen an und schüttelt nur noch mit dem Kopf.

Der Tankrabatt ist wirkungslos? Das sehe ich in der Form nicht, ich konnte heute morgen für 2,05 EUR tanken, das ist zwar immer noch sehr viel, aber doch 20 Cent weniger als zu Spitzenzeiten.

Ich kann schon nachvollziehen, warum jemand AfD oder auch Linkspartei wählt, die Leuten haben die Nase gestrichen voll von der Politik der letzten zwei Jahrzehnte, die ihr Leben immer nur schwerer und schlechter gemacht hat. Aber selbst nach den Wahlklatschen in Sachsen-Anhalt, Berlin, MeckPomm und RP fehlen sowohl der CDU als auch der SPD immer noch die Erkenntnis, was eigentlich los ist. Weil ihnen auch die Fähigkeit zur Selbstkritik abgeht, siehe auch Merkel, die behauptet steif und fest, in ihrer Amstzeit keine Fehler gemacht zu haben. Was will man da noch erwarten.

Die Sorge um die Zukunft ist schon belastend, zum Glück habe ich gerade in den 90ern auch sehr unbeschwerte Zeiten erleben dürfen, jetzt jung zu sein stelle ich mir echt schwierig vor.
« Letzte Änderung: 15.Oktober 2026, 12:00:01 von Signor Rossi »
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3917 am: 15.Oktober 2026, 14:49:20 »

Die Folge des Podcasts "Machtwechsel" hat, in der Dienstagsausgabe, den Fall Bas und die damit einhergehenden Machtspielchen der SPD Politiker beleuchtet.
Generell ist der Podcast sehr interessant, neutral und leider desillusionierend.
https://open.spotify.com/episode/0zWfIM2snMskh3Q4r2gE4j?si=af391c29d1fb4563
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3918 am: 15.Oktober 2026, 19:54:29 »

Ich verstehe das auch alles nicht mehr. Auch jetzt dieses Gezänk um Bas und die böse CDU, die nicht rücksichtsvoll genug war. Es ist sehr nachvollziehbar, dass ein Trauerfall in der Familie jemand schwer belastet und die Arbeit darüber dann völlig nebensächlich wird, aber als Minister muss man trotzdem liefern, das ist kein simpler Bürojob.

1.500 Personen im Arbeitsministerium oder so. Muss auch mit dem Ausfall der leitenden Person funktionieren, wäre traurig wenn nicht. Die gleiche Kritik von der CDU kam auch schon vor dem Trauerfall. Ehrlich gesagt finde ich die Äußerungen der SPD - Stichwort "unmenschlich" - wesentlich schlimmer. Vielleicht aber nur ein weiterer Hinweis, dass die SPD auf ein Ende der Koalition hinarbeitet, ohne als Buhmann/frau dazustehen, wie letztes Mal die FDP. Dann kommt bundesweit die "Frau gegen Blau" und es wird noch linker.

LG Veni_vidi_vici

Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3919 am: 16.Oktober 2026, 08:53:08 »

Über 350 Kinderehen alleine in Bawü: https://de.euronews.com/2026/10/13/auch-11-jahrige-verheiratet-uber-350-kinderehen-in-baden-wurttemberg-erfasst

Warum wird so etwas nicht automatisch aufgehoben und das Kind in die Obhut der Jugendamtes überstellt?
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