Das heißt also im Endeffekt, dass es für euch keine sinnvolle Interessenvertretung gibt? Richtig?
Ich kann nur für mich sprechen: richtig.
Falls ich mit diesen Punkten (verzeiht die teils überspitzten Zusammenfassungen der Kernkritikpunkte) also grundsätzlich eure Kritik richtig aufgefasst habe, was ist dann eine wählbare Alternative oder wie müsste sich eine der Parteien so ändern, dass ihr sie unterstützt?
1. Wählbare Alternative zur FDP: Partei der Humanisten, leider sehr klein. Union eher nicht, viel zu viele gebrochene Versprechen, von der Leyens Machenschaften in der EU halte ich auch für eine einzige, gewaltige Katastrophe. Freie Wähler? Mit deren Positionen habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht beschäftigt. SPD, Grüne, Linkspartei etc.pp.? Für mich unwählbar, ich halte den Sozialismus für eine fürchterliche Ideologie.
2. Ich würde mir von der FDP wünschen, dass sie mehr und lauter für die Bürgerrechte eintritt und dass sie pro Wirtschaft ist, aber mit einem sozialen Touch, vom Wirtschaftswachstum sollte mehr bei den Arbeitnehmern ankommen. Dazu müsste man aber auch dringend die ESt. reformieren und an den Sozialabgaben schrauben. Und, und, und.
Mich würde auch interessieren, ob ihr ohne Mitglied in einer Partei sein zu wollen/müssen, auch bislang schon immer mit fast allem zugestimmt habt, was eine Partei so fordert?
Nein, selbstverständlich nicht, in jeder Partei gibt es Strömungen und Flügel, die untereinander um einen Kompromiss ringen sollten, der dann als Parteipolitik gemacht wird. Im Idealfall, in der Realität geben wohl mehr die Parteigranden den Kurs vor. Ich persönlich finde auch nicht alles gut, was die FDP macht, aber bei dieser Partei sehe ich für mich die größten Schnittmengen, insbesondere in dem Punkt "So wenig Staat wie gerade noch nötig". Alleine damit bin ich diametral zu SPD und Union eingestellt, von den anderen linken Parteien gar nicht erst zu reden.
Ich glaube, dass eine Forderung nach Gemeinwohl und gesellschaftlichem Zusammenhalt nicht per so sozialistisch oder nationalistisch geframt werden muss...
Die Frage ist, wie Gemeinwohl und gesellschaftlicher Zusammenhalt erreicht werden soll. Die konservative Seite sieht die Familie als das Fundament der Gesellschaft und des gesellschaftlichem Zusammenhalts an, verbunden mit unserer europäischen Kultur, basierend auf Christen- und Judentum. Der linken Seite ist beides ein Gräuel und sie setzt vieles daran, sowohl Familie als auch unsere Kultur zurück zu drängen (um es freundlich zu formulieren).
Die eine Seite will Gemeinwohl aufbauen, indem sie die Wirtschaft anfeuert und fleißige Menschen belohnt, die andere Seite bestraft die Wirtschaft und fleißige Menschen und nimmt denen viel Geld weg, um es "den Armen" zu geben. Das nennen die dann "soziale Gerechtigkeit".
Nicht falsch verstehen, die soziale Marktwirtschaft ist eine super Sache, die den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland über viele Jahrzehnte gesichert hat. Aber ein überbordender Sozialstaat, der sich auch noch zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele Menschen aus dem Ausland zu alimentieren, droht unbezahlbar zu werden, besonders in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche. Ein Zusammenbrechen des Sozialstaates sehe ich als allergrößte Gefahr für unsere Demokratie an, dann haben wir nämlich wirklich Weimar 2.0.