Wie ich schrieb, geht es mir um den Aufbau von gesellschaftlicher Resilienz. Hybride Attacken und potentielle Szenarios von Anschlägen mit Drohnen sind keine Science Fiction, sondern reale Gefahr für Europa. Wenn man also nach der Schule ein Jahr lernt, was im Ernstfall zu tun ist, wie man wo und wem zuerst helfen kann, dann würden schrittweise viele Menschen verstehen, dass es sich lohnt für einander etwas zu tun. Ich spreche daher auch explizit davon, nicht jeden in der Pflege oder eben beim Bund einzusetzen, da es genügend Möglichkeiten gibt. Ein gut gemachtes Konzept kann der Gesellschaft und auch dem Einzelnen einen echten Mehrwert bringen.
Und ja, Generationen- oder Geschlechtergerechtigkeit ist eine sehr komplizierte Frage. Was meinst du, wie yehr es mich gestört hat, dass von uns 20 Jungs die Hälfte aus teils fadenscheinigen Gründen ausgemustert wurden, z.T. Sportler, die irgendwelche Atteste hervorgezaubert haben, während dann ein Klassenkamerad und ich als einzige zum Bund gingen. Zivi und GWDL waren dann ebenfalls über weite Strecken Zeit der gepflegten Langeweile, aber eines werde ich nicht vergessen. Ich habe beim Bund Menschen aus Schichten kennengelernt, mit denen ich normalerweise nicht in Berührung kam. Da treffen eben Akademikerkinder auf Leute, die kaum des Lesens mächtig sind. Das hat einen schon einmal dazu gebracht, sich zu fragen, welche Lebensentwürfe eben noch möglich sind.
Und bezüglich Frauen und Dienstpflicht. Natürlich hat es mich gewurmt, dass meine Mitschülerinnen alle direkt in die Ausbildung oder ins Studium starten konnten, aber Frauen sind nun mal diejenigen, die Kinder gebären können, Männer nicht. Frauen sind es, die fast ausschließlich die Care-Arbeit im Anschluss an die Geburt gebacken kriegen müssen, während wir Männer arbeiten gehen. Ihnen also zuzumuten, neben der potentiellen Care-Arbeit und der Schwangerschaft noch ein zusätzliches Jahr zurückgestellt zu sein, das ist auch angesichts des noch immer bestehenden Paygaps nicht fair. Daher schrieb ich ja, dass sie das freiwillig machen können.
Deshalb habe ich ja das Beispiel gewählt, weil ich in dieser Hinsicht recht konservativ denke und in vielen anderen Punkten eine deutlich andere Sichtweise habe. Fragt man die jungen Menschen, dann fühlen die sich natürlich verschaukelt. Aber wo will man sonst noch so etwas wie einen Sinn für Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl erzeugen? Jeder ist sich selbst der Nächste und das ist die heimliche Zivilisationskrankheit des 21. Jahrhunderts.