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Autor Thema: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread  (Gelesen 1687173 mal)

veni_vidi_vici

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3940 am: 30.Oktober 2026, 19:59:17 »

Eine Partei kann es mir natürlich nicht in allen Punkten Recht machen - verlange ich auch gar nicht. Halte mich normalerweise weder für zu konservativ, noch für zu liberal. Früher habe ich bei meinen Wahlentscheidungen zwischen den großen Parteien (und auch mal der FDP) häufiger mal gewechselt. Wenn es uns allen gut ging und wir auch großzügig sein konnten, dann mehr links. Aktuell sehe ich das aber kippen, dann halt mehr rechts. Aber immer im Spektrum der gemäßigten Parteien.

Ich halte eine konservative Politik aktuell für richtig. Diese bekomme ich aber meiner Meinung nach derzeit nirgends. Die CDU bricht mehr Wahlversprechen als sie hält. Mit jederweder Partei aus dem linken Spektrum bekommst du keine Reform in meinem Sinne hin. Egal ob Rente (mal sehen ob es noch was wird oder ob wirklich alles wieder aufgeschnürt wird), Sozialbezüge, etc. Es wird blockiert und aufgeweicht. Manch einer wird sagen, dass dies das Programm der linken Parteien ist. Aber weder die Grünen und insbesondere nicht die SPD tut diese Haltung meiner Meinung nach gut. Bei der Rente hast du halt nur wenige Stellschrauben: Arbeitszeit, Rentenbezug, Arbeitgeberanteil, Zuschuss vom Unternehmen. Es ist der größte Kostenblock aktuell und der Zukunft. Da braucht es irgendwo Einschnitte. Gefällt mir das? Nicht unbedingt, aber ich erkenne die Notwendigkeit an, was ich bei den linken Parteien - die vermutlich das ganze System lieber 25 Jahre über Schulden laufen lassen würden - nicht sehe.

Worauf will ich hinaus. Ich erwarte keine 100 % Abdeckung meiner Interessen. Ich erwarte aber schon, dass auch eine mehrheitlich konservative Politik möglich sein muss. Daher die Gegenfrage: Was wähle ich, wenn ich (in weiten Teilen) konservative Politik möchte?

Und ja, die CDU steht für konservative Politik. Aber eine Alleinregierung ist unmöglich. Und eine rechte Alternative gibt es - zumindest solange die Brandmauer steht - ja nicht. Mit links ist konservativ kaum umzusetzen, wie es nach meinem Dafürhalten notwendig wäre (nicht weil ich das alles toll finde, sondern weil es richtig wäre). Deswegen verweisen ja auch alle linken Parteien gerne darauf. Aber selber auf Rot-Rot-Grün schielen. Widerlich!

Was mir wichtig wäre. Dass sich Politiker mal ehrlich machen und nicht am laufenden Band Dinge versprechen, die ohnehin nicht zu halten sind (Gilt für alle Parteien). Ein Politiker, der uns im Wahlkampf auf harte Zeiten einschwört, der von Abstrichen hier und da spricht, aber auch einen Weg daraus aufzeigt, der hätte sofort meine Sympathie - aber vermutlich dann nicht die Mehrheit der Stimmen.

Gibt es inzwischen eigentlich eine konkrete Aufstellung wohin das große Sondervermögen geflossen ist?
Hat die Reform zur Grundsicherung einen nennenswerten Betrag eingespart?
Wurde etwas für Bürgersicherheit in diesem Land getan, was einen nachweislichen Effekt gehabt hat?
Stromsteuer? Klimageld? CDU-Sprech: "Keine Steuererhöhungen"?
Was ist eigentlich aus dem Gedanken der SPD geworden Zucker- und Tabaksteuer für das Gesundheitssystem zu verwenden? Wäre ja total logisch.
Darf man inzwischen eigentlich offen von einer Veränderung im "Stadtbild" sprechen, ohne geframt zu werden?
Gibt es eigentlich ein langfristig tragfähiges Konzept zur Einwanderung? Mal bei den Dänen spicken? Nein? Österreich verringert jetzt übrigens die Sozialhilfe für Einwanderer, bis diese Deutsch sprechen und 6 Arbeit hatten. Setzt sich das in weiten Teilen der EU durch, dann wollen noch mehr Menschen zu uns. Handlungsbedarf?

Ich höre lieber auf, macht eh nur schlechte Laune.

LG Veni_vidi_vici

Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3941 am: 30.Oktober 2026, 21:08:45 »

Hier mal wieder was zum AfD'schen Kernpunkt: https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6adaffcd9fbb7e8e310dcd8e/asyl-das-ist-ein-witz-nur-vier-bewerber-nach-italien-und-griechenland-zurueckgefuehrt.html

Was hat man nicht lange über GEAS verhandelt, es wurde als tolles Mittel, um die illegale Migration in den Griff zu bekommen, gelobt. Und jetzt? Ganze 4 Rückführungen seit Juli.

Das ist alles doch nur noch lächerlich.
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Magic1111

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3942 am: 30.Oktober 2026, 21:09:51 »

Die konservative Seite sieht die Familie als das Fundament der Gesellschaft und des gesellschaftlichem Zusammenhalts an, verbunden mit unserer europäischen Kultur, basierend auf Christen- und Judentum.

Dann würde ich mich als (erz-?) Konservativ einstufen.

Denn genau das ist mir wichtig und schützenswert.
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Tim Twain

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3943 am: 30.Oktober 2026, 22:52:20 »

Wenn ich das richtig lese und deute, dann ist der Vorwurf also, dass die etablierten Parteien ihren Arsch nicht hochkriegen und keine Politik für das Volk machen.
Hinzu kommt noch, dass für einige von euch die Linkspartei absolut unwählbar ist und keine Regierungsverantwortung übernehmen darf aufgrund der SED-Vergangenheit und der teils offen gezeigten Nähe zum Antisemitismus. Richtig?
Und die AfD kann man eigentlich auch nicht wählen, da ihr "Konzept" in puncto Euro-Austritt, Russlandnähe und Fantasien von Ausweisungen von Menschen mit deutschem Pass offenkundig als problematisch empfunden wird.

Das heißt also im Endeffekt, dass es für euch keine sinnvolle Interessenvertretung gibt? Richtig?

Falls ich mit diesen Punkten (verzeiht die teils überspitzten Zusammenfassungen der Kernkritikpunkte) also grundsätzlich eure Kritik richtig aufgefasst habe, was ist dann eine wählbare Alternative oder wie müsste sich eine der Parteien so ändern, dass ihr sie unterstützt?

Mich würde auch interessieren, ob ihr ohne Mitglied in einer Partei sein zu wollen/müssen, auch bislang schon immer mit fast allem zugestimmt habt, was eine Partei so fordert?

Worauf will ich damit hinaus? Der gemeine Wähler, und damit meine ich uns alle, hat manchmal die Vorstellung, dass eine Partei alle Partikularinteressen des Einzelnen abbildet. Aber so funktioniert das ja nicht. Eine Partei kann immer nur Schnittmengen anbieten und im Zweifelsfall muss ich eben abwägen, was mir für die nächsten 4 Jahre einer Legislaturperiode gerade wichtig ist und inwiefern ich davon ausgehen kann, dass diese Partei einige meiner wesentlichen Ansprüche an den Staat und die Gesellschaft erfüllen kann. Eventuell ist mein Zeithorizont auch kürzer oder weiter gefasst, aber das ist doch letztlich Aufgabe von Politik, oder nicht? Wir wählen Parteien mit der Erwartung, dass diese bis zur nächsten Wahl Gesetze und Initiativen auf den Weg bringen, die das Land, die Gesellschaft und im Idealfall die Situation jedes Einzelnen verbessern.

Was mich also in der Debatte ratlos zurücklässt, ist die offenkundige Partikularisierung unserer Gesellschaft. Das zeigt sich übrigens auch sehr schön an einem Lieblingsbeispiel. Offenbar sind junge Menschen nicht gerade begeistert über die schrittweise Wiedereinführung der Wehrpflicht. Hat mir damals auch nicht gefallen, dass ich ranmusste und viele meiner Mitschüler darum herumkamen. Die Gerechtigkeit war und ist daher ein berechtigtes Anliegen, das man sinnvoll angehen muss. Aber ich plädiere dennoch für eine Dienstpflicht und freiwillig auch für Frauen, da Frauen Kinder austragen (sicher nicht alle, aber nur sie können es) und daher nicht gezwungen werden sollten, neben 9 Monaten Schwangerschaft und X Monaten Kinderbetreuung nach der Geburt auch noch 12 Monate für den Staat etwas zu tun. Eine Dienstpflicht für Männer wäre nur auf kurze Sicht ein beruflicher Nachteil, denn spätestens wenn Frauen eine Babypause einlegen, dann holen Männer diesen vermeintlichen Rückschritt wieder auf. Außerdem sollte nach wie vor niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden, daher wäre ein Einsatz und Aufbau von Katastrophenhelfern und somit ein Beitrag zur Resilienz der Infrastruktur geschaffen werden. Wer einmal Übungen mitgemacht hat zur Versorgung bei Unwetterkatastrophen und dergleichen, der kann im Ernstfall (Stichwort: hybride Kriegsführung) dazu beitragen, dass nicht einfach das Licht ausgeht. Ich bin also für eine Dienstpflicht.

Was versprichst du dir von einer Dienstpflicht? Geht es dir primär um Geschlechtergrechtigkeit? Warum muss ein kinderloser Mann zwangsarbeiten, weil Frauen in anderen Haushalten sich um die Kinder kümmern? Der finanzielle Effekt ist ja durchaus fraglich, zudem entwertet man Berufe wie die Pflege noch mehr, wenn man gelernte Fachkräfte durch billige Sozis ersetzt. Ich kann dem Konzept irgendwie nur wenig abgewinnen.
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Octavianus

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3944 am: Gestern um 13:39:26 »

Wie ich schrieb, geht es mir um den Aufbau von gesellschaftlicher Resilienz. Hybride Attacken und potentielle Szenarios von Anschlägen mit Drohnen sind keine Science Fiction, sondern reale Gefahr für Europa. Wenn man also nach der Schule ein Jahr lernt, was im Ernstfall zu tun ist, wie man wo und wem zuerst helfen kann, dann würden schrittweise viele Menschen verstehen, dass es sich lohnt für einander etwas zu tun. Ich spreche daher auch explizit davon, nicht jeden in der Pflege oder eben beim Bund einzusetzen, da es genügend Möglichkeiten gibt. Ein gut gemachtes Konzept kann der Gesellschaft und auch dem Einzelnen einen echten Mehrwert bringen.

Und ja, Generationen- oder Geschlechtergerechtigkeit ist eine sehr komplizierte Frage. Was meinst du, wie yehr es mich gestört hat, dass von uns 20 Jungs die Hälfte aus teils fadenscheinigen Gründen ausgemustert wurden, z.T. Sportler, die irgendwelche Atteste hervorgezaubert haben, während dann ein Klassenkamerad und ich als einzige zum Bund gingen. Zivi und GWDL waren dann ebenfalls über weite Strecken Zeit der gepflegten Langeweile, aber eines werde ich nicht vergessen. Ich habe beim Bund Menschen aus Schichten kennengelernt, mit denen ich normalerweise nicht in Berührung kam. Da treffen eben Akademikerkinder auf Leute, die kaum des Lesens mächtig sind. Das hat einen schon einmal dazu gebracht, sich zu fragen, welche Lebensentwürfe eben noch möglich sind.

Und bezüglich Frauen und Dienstpflicht. Natürlich hat es mich gewurmt, dass meine Mitschülerinnen alle direkt in die Ausbildung oder ins Studium starten konnten, aber Frauen sind nun mal diejenigen, die Kinder gebären können, Männer nicht. Frauen sind es, die fast ausschließlich die Care-Arbeit im Anschluss an die Geburt gebacken kriegen müssen, während wir Männer arbeiten gehen. Ihnen also zuzumuten, neben der potentiellen Care-Arbeit und der Schwangerschaft noch ein zusätzliches Jahr zurückgestellt zu sein, das ist auch angesichts des noch immer bestehenden Paygaps nicht fair. Daher schrieb ich ja, dass sie das freiwillig machen können.

Deshalb habe ich ja das Beispiel gewählt, weil ich in dieser Hinsicht recht konservativ denke und in vielen anderen Punkten eine deutlich andere Sichtweise habe. Fragt man die jungen Menschen, dann fühlen die sich natürlich verschaukelt. Aber wo will man sonst noch so etwas wie einen Sinn für Gemeinschaft und Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl erzeugen? Jeder ist sich selbst der Nächste und das ist die heimliche Zivilisationskrankheit des 21. Jahrhunderts.
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Tim Twain

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3945 am: Gestern um 20:03:49 »

Das hört sich für mich irgendwie nach einer sehr selektiven Sichtweise an. Wenn ich es richtig verstehe siehst du zwei Hauptaspekte - einerseits den Katastrophenschutz und andererseits den Gemeinschaftsaspekt. Welcher Anteil eines Jahrgangs würde das denn überhaupt lernen? Ist es gerecht jeder Generation ein Jahr zu rauben, damit ein gewisser Anteil besser in einem Katastrophenfall aufgestellt ist? Wäre es da in diesem Sinne nicht besser einen Grundkurs in diese Richtung zu machen, beziehungsweise vielleicht schon ausreichend, verstärkt Angebote für freiwillige Interessierte zu schaffen? Das könnte man ja auch entsprechend vergüten, das Dienstjahr ist ja, was ich so gelesen habe, auch eine sehr teure Angelegenheit.

Was den Gemeinschaftsaspekt angeht, sehe ich zwar deinen Punkt, aber Zwangsarbeit primär damit zu begründen, weil man ja dann mit anderen Menschen zusammenkommt, überzeugt mich noch nicht so recht. Gäbe es da nicht auch andere Konzepte um Menschen zusammenzubringen? Außerdem ist dieses verflichtete Zusammensein ja nicht immer nur rosarot, ich kenne genug Geschichten von Bundeswehrlern, die mir zeigen, dass Mobbing und Co dort beileibe kein Einzelfall sind. Studien sprechen bei Soldatinnen z.B. von über der Hälfte, die sexuelle Belästigungen oder Mobbing erlebt haben.
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