Ich würde niemanden verurteilen, "bloß" weil er Fußball schaut. Aber als Anregung finde ich es gut, dass so was auch auf den Öffentlich-Rechtlichen läuft. Ob man das jetzt schaut oder nicht, so was sollte man zu jeder Zeit im Hinterkopf haben.

Die Aufklärung ist dringend nötig.
Rein wirtschaftlich, am Umsatz gemessen, ist die FIFA selbst an sich ja eigentlich ein kleiner Fisch im Vergleich zur Weltwirtschaft. Auch wenn sie wegen ihres Monopols auf die selbst gezüchtete Volksdroge Fußball einen großen Einfluss auf Politik und Wirtschaft hat, weltweit. Und ihre Einnahmen praktisch steuerfrei sind, siehe oben. Sauber sind bei uns vor direkt vor der Haustür eben auch nicht alle: dass sich der Ex-Präsi Wulff für Katar stark machte, ist kein Geheimnis mehr, und Blatters Ablenkungmanöver um eine angeblich "gekaufte" Fußball-WM in Deutschland haben ihre Basis nicht einfach in reinen Märchengeschichten und Fantastereien. Da gehts um enormes Geld, für Firmen wie Adidas und Nike ist eine WM eine Standordbestimmung, zum ersten Mal sind hier zum Beispiel mehr Teams von Nike ausgerüstet als von Adidas. Und die Adidas-Geschichten lassen den schönen Begriff vom Exportwunder Deutschland auch noch mal in einem anderen Licht erscheinen. Zumindest werfen sie Fragen auf, denn Adidas gilt als eine der bekanntesten Marken "made in Germany".
Bei mir persönlich hat es, wie im WM-Thread bereits gesagt, jetzt eine gewisse Grenze erreicht, wo ich nicht mehr zwischen dem inszenierten Spaß und dem Todernst dahinter unterscheiden kann. Aber wie gesagt: Ich verstehe jeden, der sich den eigentlich großartigen Sport davon nicht verderben lassen will. Kritisch konsumieren sollte aber, wie ich finde, endlich jeder; auf seine persönliche Art. Ich versuche mich aktuell auch einem Vollboykott.
Zugute kommt mir, dass ich bereits die Inszenierung der Euro 2012 mit ihrem Countdown vor Anpfiff ziemlich lächerlich fand, der Sport an sich also immer mehr zum alles bestimmenden, aufgebauschten Event umfunktioniert wird, bei dem das Drumherum mindestens so viel zählt wie die Grätschen, Schüsse, Tore. Und die Art und Weise, wie er ins vom Fußballvirus befallene Feuilleton schwappt, mitunter ziemlich lächerlich ist. Als wäre er das Wichtigste auf der Welt, als würde ein Tor von Miro Klose, so hoch erfreulich es ist, den Euro, die EU und den Weltfrieden retten -- so ein Quark.
Allerdings sollte jedem klar sein, dass der ganze Zirkus wegen mir, Dir, Dir und Dir da hinten auch überhaupt erst gemacht wird. Wie es in der Anstalt so schön hieß: "Schießt ruhig auf mich, solange ihr Fußball guckt, haben wir die Macht." Deshalb fand ich die Message hinter den einzelnen Sketchen eigentlich ziemlich gut, und das Ende, als das Anstalt-Team den Fernseher aus dem Fenster warf und proklamierte: "Wir nehmen uns den Fußball wieder zurück." Den gleichen Fußball, den die FIFA monopolisiert, korrumpiert und zum Instrument der Macht und Ausbeutung umfunktioniert hat, der er nicht per Definition ist -- sondern nur deshalb, weil wir ihn haben mit dazu werden lassen.