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| [Beendet] Ein Deutscher im Schottenrock |
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| Purzel89:
Heute nochmal ein kleines Statusupdate wie es hier weiter gehen wird. Es wird weitergehen aber ich kann nicht sagen wann. Selbst meine Wochenenden sind meistens voll ausgeplant und da bleibt keine Zeit zum Weiterschreiben. Deshalb ist das jetzt erstmal für eine Weile gestoppt und ich werde dann sobald es weiter geht es euch wissen lassen. Bitten den Thread nicht schließen weil ich es definitiv irgendwann forsetzen werde. |
| Purzel89:
Kapitel 47: Psychologische Kriegsführung Die tasmanische Gitarrenpflanze heißt so, weil sie wie eine Gitarre aussieht. Verrückt! Warum schreiben Sie eigentlich ihr Tagebuch nicht mehr weiter Herr Lagwitz? Weil... weil ich... Weil Sie keine Zeit haben? Es gibt soviele Leute die ein Tagebuch schreiben und die Meisten sind auch berufstätig. Sie arbeiten nur einmal pro Woche! Da sieht man wieder, dass Sie keine Ahnung vom Fußball haben! Ich stehe fast jeden Tag auf dem Platz. Außerdem ist mein Kopf vollgestopft mit Gedanken, dass wenn ich Zeit zum Schreiben habe, alle meine Erinnerungen wie weggewischt sind. AHA! Also glauben Sie immer noch, dass jemand versucht Sie umzubringen! Na dann kann ich mich schon mal darauf vorbereiten, die nächsten Sitzungen zu beantragen! Entnervt sprang mein Psychologe aus seinem bequemen Sessel auf und stürzte sich auf mich. Mein Stuhl kippte nach hinten und ich schlug mit dem Hinterkopf auf den harten Boden. Im Kopf drehte sich alles und die Stimme des Psychologen dröhnte wie ein Vorschlaghammer in meinem Kopf. Sie sind so paranoid, dass es mich wundert, warum Sie nicht unter Verfolgungswahn leiden! Immerhin sind sechs Vereine hinter Ihnen in der Tabelle und verfolgen Sie! Ich will, dass Sie endlich Ihr Tagebuch an einen Verlag geben und dann werden Sie mir alle Einkünfte aus dem Buchverkauf geben. Denn ich habe Sie auf die Idee gebracht. Das Geld steht mir zu! NUR MIR! Können Sie leiser schreien? Ich fühl mich als ob mir beim Sturz der Schädel gespalten wurde! Wenn Sie Ihr Buch nicht veröffentlichen, dann muss ich Sie umbringen! Das Buch eines Toten verkauft sich sowieso besser. Der Psychologe zog aus seiner Hosentasche eine Walther PPK/S Kaliber 22, entsicherte sie und schoss mir damit in den Kopf, noch bevor ich reagieren konnte. PENG! Als ich im nächsten Moment meine Augen öffnete, starrte ich in die eisblaue Iris von Anita. Ich spürte immer noch einen höllischen Schmerz im Schädel und versuchte mich zur Seite zu drehen. Was-? Wo bin ich? Bin ich tot? War ich die ganze Zeit tot? Ich meine, du bist tot also bin ich jetzt auch tot oder? Schatz, du hattest einen Alptraum und bist aus dem Bett gefallen! Du lebst noch. Aber da war dieser Knall - wie von einem Schuss. Da war kein Knall. Das hast du nur geträumt. Nein, das war nachdem ich aus dem Bett gefallen bin. Mein Ps... Ich traute mich nicht, zuzugeben, dass ich von meinem Psychologen geträumt hatte. Ich lag auf dem Boden und jemand stand über mir und hat mich erschossen. Außer mir ist hier niemand. Alles ist gut. Vergiss deinen Traum ganz schnell wieder und schlafe weiter. Ich muss mir erst ein Kühlpack holen. Wenn ich solche Schmerzen habe, kann ich nicht einschlafen. Vorsichtig stand ich auf und tastete mich durchs dunkel zum Schlafzimmerlichtschalter. Als ich das Licht anmachte, ging ich langsam weiter zur Küche wo unser Notfallkasten war. Bei jedem Schritt vibrierte mein Schädel und ich versuchte mich beim Gehen irgendwo festzuhalten. Endlich in der Küche angekommen, beugte ich mich hinab und öffnete die kleine weiße Schranktür und zog den Kasten heraus. Dann fiel mir ein, dass das Kühlpack erst einige Zeit in das Gefrierfach musste, um kalt zu sein. Also legte ich es schnell wieder zurück und schaute in unser großes Gefrierfach, wo Tiefkühl-Gemüse, Hühnerbeine und die Reste des Truthahns von Weihnachten lagerten. Ich griff mir die kleinste Tüte Gemüse heraus und legte sie auf meinen Hinterkopf. Als ich aus der leicht gebeugten Haltung wieder hoch kam, schaute ich für einen kurzen Moment aus dem Küchenfenster. Draußen auf der Straße stand im schwachen Licht einer Laterne eine dunkle Gestalt mit Kapuze. Ich erschrak mich so sehr, dass ich zurückwich und prompt mit dem Hinterkopf gegen den Rahmen der Küchentür knallte und auf den kalten Fließen zusammensackte. Später wachte ich wieder auf. Die aufgehende Morgensonne wagte sich über den fernen Horizont und strahlte durch unser Küchenfenster. Ich kämpfte mich hoch und zog mich an einem unserer Küchenschränke hoch, um stehen zu können und aus dem Fenster zu schauen. Die mysteriöse Person war längst verschwunden und ich fragte mich, wie lange ich wohl bewusstlos in der Küche gelegen hatte. Anita war eingeschlafen ohne zu merken, dass ich nicht mehr wieder gekommen war. Während ich mich auf den Rückweg ins Schlafzimmer machte, stellte ich fest, dass meine Benommenheit stärker geworden war. Ich wusste nicht, ob der zweite Schlag auf den Hinterkopf mein Denkvermögen erhöht hatte, aber er hatte meinen dröhnenden Schmerz intensiviert. Im Schlafzimmer angekommen schaute ich auf unser gemeinsames Doppelbett. Es war leer und die Bettdecke lag ordentlich und sauber da. Für den ersten Moment machte ich mir darüber keine Gedanken und zog mich an. Obwohl ich keine Ahnung hatte, wie spät es war, ging ich danach wieder zurück in die Küche und bediente mich erstmal an meinem kleinen Vorrat Bierflaschen. Eine Flasche des dänischen Carlsberg-Bieres sollte vorerst reichen, um meinen Schmerz zu lindern, also schüttete ich soviel in mich rein, wie ich in einem Atemzug trinken konnte. Aus dem Flur hörte ich ein gruseliges Rascheln, dass mich sofort aufhorchen ließ. Auf Zehenspitzen ging ich zum Flur und in Richtung Haustür. Direkt vor unserer Tür lag die Tageszeitung. Das war eine Erleichterung. Kein Geist hatte das Rascheln verursacht, sondern der Zeitungsausträger hatte bloß die Zeitung durch den Briefschlitz in der Tür geschoben. Mit der Zeitung bewaffnet torkelte ich ins Wohnzimmer. Einen positiven Nebeneffekt hatten meine nächtlichen Alkoholexzesse der Vergangenheit gehabt: Ich wusste bereits, wie es einem gelingen konnte, schwankend durch unseren Flur zu laufen. Nur diesmal wusste ich nicht, ob das Schwanken durch die Kopfverletzung oder das Bier entstanden war. Möglichst leise schob ich einen Stuhl vom Wohnzimmertisch zurück, um Mia nicht zu wecken. Dann setzte ich mich auf den Stuhl und verzichtete darauf, den Stuhl wieder an den Tisch zu ziehen. Die große schottische Tageszeitung breitete ich sanft auf dem Tisch aus und las die Titelseite: Lagwitz packt aus! Lesen Sie heute, warum Forfar Athletic so gut ist und was er vom deutschen Fußball hält. - Seite 5/6. Ich blätterte durch den Politikteil der ersten vier Seiten und schlug dann die folgenden Doppelseite auf. Auf der linken Seite war ein Bild von mir, wie ich vor einer Trainerbank stand und mit ausgestrecktem Finger auf irgendetwas zeigte, was sich hinter dem Fotografen befand. Die rechte Seite war komplett ausgefüllt mit weißer Schrift auf einem dunklen Bildhintergrund: Glasgow - Heute Mittag wird auf einer Pressekonferenz von Bloomsbury Publishing die Autobiografie von Michael Lagwitz vorgestellt. Bloomsbury hatte sich bereits frühzeitig die Rechte an der Verlegung des Buches ergattern können und hat bereits über 3 Millionen Vorbestellungen für das neue Buch verzeichnen können. Wir durften bereits einen exklusiven Blick in das Buch werfen. Eine Sache wurde dabei schnell offensichtlich. Herr Lagwitz hat reinen Tisch mit der Fußballwelt gemacht und es gibt kaum eine prominente Person, die ungeschoren davon kommt. Besonders scharf kritisiert Herr Lagwitz den aktuellen FIFA-Präsidenten und enthüllt dabei einen Skandal ungeahnten Ausmaßes. Noch ist nicht bekannt, wie viel Wahrheit hinter den Worten des Trainers steckt, aber wenn es stimmt, was Herr Lagwitz schreibt, wird der Weltfußballverband reagieren müssen - wenn er nicht den Hass der Fußballgemeinschaft auf sich ziehen will. Doch nicht nur das Oberhaus des Fußballs wird tabulos an den Pranger gestellt. Auch der deutsche Fußball, die Heimat des Herrn Lagwitz, bekommt den Unmut zu spüren. Ein spezielles Augenmerk wirft der Autor hierbei auf das (Zitat:) "beschissene Relegationssystem, dass der allerletzte Dreck ist." Dem RB Leipzig widmet der gebürtige Berliner sogar zwei eigene Kapitel. (Zitat:) "Die spritzen da Milliarden in den Verein und kaufen sich lauter Spieler, die gestern noch in den Kindergarten gegangen sind! Und dann, wenn Sie vor dem König (Anm. d. Red.: Bayern München) stehen, bringen sie ihr Bauernopfer." Jetzt ist noch nicht abzusehen, welche Auswirkungen diese Bloßstellungen auf die Fußballwelt haben werden. Aber eines ist gewiss: Keiner wird diese Entwicklungen ignorieren können. Das Buch wird ein Pulverfass anzünden und keiner ist da, um die Lunte zu löschen. Ich hatte absolut keine Ahnung, wie der Verlag an mein Tagebuch gekommen war, aber das war gar nicht der entscheidende Punkt. Viel mehr interessierte mich, wieso jemand meine Notizen so brutal verfälscht hatte. Ich dachte fast, es wäre ein Aprilscherz, aber als ich auf unseren Wandkalender schaute, war heute der erste März 2015. Für einen Aprilscherz war es zu früh. 01.03.2015 Um die "Ente" so schnell wie möglich wieder aus meinem vor Schmerz brummenden Gehirn zu verbannen, blätterte ich weiter bis zum echten Sportteil. Fisayo Adarabioyo, unser englisches Überraschungsei war zum Talent des Monats Februar gekürt worden. Seine herausragenden Leistungen und die 4 Tore in 4 Spielen hatten ihn verdient die Auszeichnung gewinnen lassen. Ich schaute auf meine Armbanduhr. Es war halb 10 und ich war immer noch alleine im Wohnzimmer. Das war ungewöhnlich und als ich gerade aufstehen wollte, um nachzusehen, wo Mia blieb, hörte ich Schritte aus dem Flur kommen. Als ich meinen Kopf nach rechts drehte, um das Gespenst zu sehen, das ganz in weiß gekleidet das Zimmer betrat, tat mir mein Nacken weh. Das musste wohl eine Nachwirkung meines Sturzes in der Küche sein. Nachdem sich meine Augen auf das Gespenst fokussierten, wurde mir klar, dass es bloß Mia war, die im Schlafanzug vor mir stand. Hab ich dich erschrocken? Nein. log ich. Wo ist Anita? Wer? Nun ist aber gut mit diesen Späßen. Wo ist deine Mama? Tot. antwortete Mia trocken. Komm Mia, du veralberst mich! Sag die Wahrheit. Ich mache keine Scherze über den Tod. Das solltest du doch wissen! Irritiert entschied ich mich spontan dazu, das Thema zu wechseln: Heute ist ein seltsamer Artikel über mich in der Zeitung. Ich stehe sogar auf der Titelseite. Ja natürlich, weil heute doch dein Buch veröffentlicht wird! Warum bin ich der Einzige, der davon nichts weiß? Wer hat dem Verlag das Buch ausgehändigt? Ähem... Papa, geht es dir gut? Ohne zu antworten fasste ich mit der rechten Hand an meinen Hinterkopf. Es fühlte sich so warm an! Als ich auf meine Hand schaute, klebte Blut daran. Du blutest ja! Was ist passiert? Okay, also ist das jedenfalls kein Traum. Wovon redest du? Ich weiß nicht... Also das ist schon das Jahr 2015 oder? Papa, du stinkst nach Alkohol. Hast du dich wieder voll laufen lassen? Bist du deshalb gestürzt und hast dir den Kopf aufgeschlagen? Nein, ich habe nur EIN Bier getrunken! Ist klar Papa... - ich mache mir mein Frühstück und du legst dich wieder ins Bett. Warum? Ich bin nicht besoffen! Ich zog an meinem Shirt und schnüffelte daran. Es roch nach Alkohol und den Flecken nach zu urteilen hatte jemand eine Flasche Bier über das Shirt gegossen. Das musste irgendein perverser Plan sein, meine Karriere zu ruinieren. Die Veröffentlichung des Buches war der Höhepunkt dieser Verschwörung. Aber das erklärte das mysteriöse Verschwinden von Anita nicht. Obwohl ich über den restlichen Tag verteilt mehrere Anrufe bekam, ging ich nicht zu der Pressekonferenz und ignorierte das fast pausenlose Klingeln des Telefons. Als ich abends einen Film im Fernsehen schauen wollte, zog ich kurzerhand den Stecker aus dem Telefon und endlich war Ruhe. Vielleicht würden sie mit dem albernen Quatsch aufhören wenn ich sie ignorierte und dann würden sie endlich offenbaren, dass alles nur ein schlechter Scherz war. 07.03.2015 Meine totale Ignoranz der Außenwelt und das schweigsame Telefon, das zerstört neben seiner Steckdose lag, führten dazu, dass ich erst am nächsten Spieltag der vierten schottischen Liga die Auswirkungen der Buchveröffentlichung mitbekam. Im Spiel gegen Peterhead fehlte uns jegliche Unterstützung unserer Zuschauer. Trotz eines wackligen Starts machten wir zwar den Ausgleich, aber danach ging es in dem Spiel nur noch um Leben und Tod. Die gegnerische Mannschaft kompensierte ihren Hass auf mich damit, dass sie meine Spieler bei jeder guten Gelegenheit foulten. Die waren aber fitter als unser Gegner erwartet hatte und so kam es, dass meine Mannschaft Rache nahm. Es folgten gelbe Karten für Owens, McMullan und Dods. Der Gegner blieb zwar von Karten verschont, aber drei Spieler von Peterhead mussten das Feldlazarett neben dem Stadion besuchen. Nach 74 Minuten Kampfsport erhöhte Kapitän Kleczkowski auf das 1:2 und alle waren froh, als irgendwann der Schlusspfiff kam. Jeder Spieler blutete und als ich mich auf dem Weg in die Umkleidekabine traurig umblickte, sah ich, dass sogar der Schiedsrichter ein blaues Auge hatte. Forfar Athletic - FC Peterhead: 1 - 2 McCluskey (29.) - Emslie (4.), Kleczkowski (74.) |
| Purzel89:
Fun Fact of the Day: "Defenestration" bezeichnet das Hinauswerfen einer Person aus dem Fenster. Kapitel 48: Die vollendete Zukunft 08.03.2015 Das sonderbare Verhalten von Mia und das ebenso plötzliche Verschwinden von Anita bereitete mir mehr Sorgen, als meine Seele verkraften konnte. Nahm dieser Spuk denn kein Ende? Hatten die Kristalle wieder die Fäden in der Hand? Jedenfalls saßen wir nicht mehr so locker auf dem Aufstiegsplatz und mussten uns gut festhalten, um dran zu bleiben. Jede zusätzliche Ablenkung konnte ich nicht gebrauchen. Ich war von meinen Gedanken im eigenen Körper gefangen und wie von der Außenwelt abgeschnitten. Das sollte enden! Als es an der Wohnungstür klingelte, wurde ich wieder einmal aus den Gedanken gerissen. Ich ging zur Tür und öffnete sie. Vor mir standen zwei schottische Polizisten mit ihren typischen signalgelben Jacken und der schwarzen Mütze, um deren Rand ein weiß-schwarz kariertes Band lief. Sind Sie Mr. Michael Lagwitz? fragte einer der beiden Polizisten. Ja der bin ich. Was gibt es? Ist Mia etwas passiert? Es geht um Julia Johansson. Wir haben ihre Leiche am Ufer des Loch Ness gefunden. Der Begriff "geschockt" wäre eine absolute Untertreibung gewesen um meine Reaktion zu beschreiben. Ich hatte Julia seit zwei Jahren nicht mehr gesehen - nein - in zwei Jahren würde ich sie zuletzt gesehen haben. Julia war Futur II, die vollendete Zukunft! Ich kam mir vor, als wäre ich die Hauptrolle in einem guten Film mit schlechtem Drehbuch. Nachdem ich kein Wort sagte, sprach der Polizist weiter: Wann haben Sie Miss Johansson zuletzt gesehen? Das war vor zwei Jahren. Sehr interessant - Sie wurde schon vor drei Jahren als vermisst gemeldet. Ich versuchte meine Überraschung zu überspielen, indem ich hastig losplapperte: Oh naja! ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern, wann es das letzte Mal war, dass ich sie gesehen habe. Vielleicht war es auch vor drei Jahren. Laut Einwohnermeldeamt wohnt die Tochter von Miss Johansson bei Ihnen. Können wir mit ihr sprechen? Sie ist gerade nicht zuhause. Wo ist sie? Ich habe keine Ahnung. Sie ist einfach gegangen. Es ist Sonntag und Ihr Kind ist weg, ohne dass Sie wissen, wo sie ist. Mia ist volljährig und sie sagt mir nicht immer wann sie wo hingeht. Wir haben uns wohl auseinandergelebt. Wir begleiten Sie jetzt auf das Revier. Alles was Sie jetzt sagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Denken Sie etwa, ich hätte Julia umgebracht? Was hätte ich denn für ein Motiv gehabt? Ihr Motiv kennen wir noch nicht, aber die Personen in Ihrer Umgebung haben die merkwürdige Angewohnheit, spurlos zu verschwinden. Mia ist nicht verschwunden! Sie kommt sicher bald nach Hause. Ihre Frau, Anita Lagwitz, wurde auch bereits am 23. Februar 2015 als vermisst gemeldet. Beinahe wollte ich sagen, dass ich Anita in der Nacht zum 01. März 2015 zuletzt gesehen hatte. Aber mir wurde klar, dass ich damit nur noch alles schlimmer machen würde. Also folgte ich den Polizisten zum Streifenwagen und wir fuhren aufs Revier. Während der Fahrt sagte ich nichts mehr und überlegte mir rasch, wo ich jetzt noch schnell einen Anwalt herbekam. Hier in Schottland hatte ich mich noch nicht so weit eingelebt, dass ich wusste, wo es einen guten Anwalt gab. Auf dem Revier steckte man mich in eine Zelle ohne mir weitere Fragen zu stellen. Mir wurde angedroht, dass man mich vorerst für 48 Stunden hier behalten würde. Aber sechs Stunden später erschien ein blonder Engel, der mich aus den Ketten löste - im übertragenen Sinne. Anita war wieder aufgetaucht und stand jetzt im Polizeirevier. Der Polizist war genauso überrascht wie ich und sah abwechselnd auf Anita und mich, ohne es verstehen zu können. Anita, wo warst du? Wegen deinem Verschwinden bin ich eingesperrt worden! Das tut jetzt nichts zur Sache. Wichtig ist, dass ich dich hier heraushole. Mit Anitas Wiederkehr musste sich die Polizei eingestehen, mich vorerst wieder laufen lassen zu müssen. Ich wurde aus der Zelle geholt, nahm meine Wertsachen aus der Sicherheitsverwahrung und machte mich mit Anita auf den Heimweg. Während wir im Auto auf der Heimfahrt waren, stellte ich Anita zur Rede. Weißt du wo Mia ist? Sie ist unterwegs. Das habe ich auch gemerkt. Aber wo ist sie? Was hast du mit ihr gemacht? Du warst sehr sehr böse Michael. Böse Menschen müssen bestraft werden. Wovon redest du zur Hölle? Erinnerst du dich nicht? Du warst doch dabei, als die Bombe explodiert ist und ich gestorben bin. Ich machte mitten auf der Landstraße eine Vollbremsung. Ein Golf-Fahrer hinter mir musste ausweichen und hupte wütend. Lass diese Gruselgeschichten weg und sag mir die Wahrheit! Wer immer auch bei der Explosion gestorben war - das kannst nicht du gewesen sein. Du hast von der Bombe gewusst und hast mich nicht gewarnt! Natürlich habe ich davon gewusst und ich habe dich auch versucht zu warnen. Aber dein Handy war ausgeschaltet oder der Akku war leer. Lüge mich nicht an! Ich habe diesen Blödsinn satt! Wo ist Mia? Hast du mit ihr das selbe gemacht wie mit Julia? Treibt ihre Leiche jetzt auch in einem schottischen Loch? Bald wirst du es verstehen Michael, aber dann ist es für dich zu spät. Dann erkläre es mir! Währenddessen schaltete ich die Warnblinker an und fuhr den Wagen an den Straßenrand. Hinter meinem Wagen hatte sich bereits ein kleiner Stau gebildet und ich wollte nicht länger ein Verkehrshindernis sein. Mia lebt, mehr musst du im Moment nicht wissen. Du solltest weiter fahren. Wenn dein Wagen noch länger hier im Halteverbot steht, wird jemand peinliche Fragen stellen. Wer wird dir dann glauben? Auch wenn die Polizei dich vorerst hat laufen lassen, hält sie dich immer noch für einen zweifachen Mörder. Das ist also dein Plan? Du bringst Julia und Mia um und lässt es so aussehen, als wäre ich der Mörder! Vielleicht geht noch ein dritter Mord auf dein Konto. War es deine Zwillingsschwester, die in den Flammen der Explosion gestorben ist? Lass die Sache ruhen Michael. Keiner wird dir glauben, also tätest du besser daran, deine Vermutungen für dich zu behalten. Ich schaltete die Warnblinker wieder aus und fuhr weiter. Anita hatte Recht. Ich konnte die Beweise nur selber sammeln, denn es war wohl kaum zu erwarten, dass eine Mörderin mir alles in die Hände spielte. Doch was nützte es ihr, mich am Leben zu behalten? Es würde meinen Ruf schädigen und vielleicht landete ich im Gefängnis, wenn die Polizei die Staatsanwaltschaft überzeugen konnte, dass ich der Mörder war. Aber Anita hatte absolut keinen Nutzen davon. Das Motiv der Rache, von der sie sprach, blieb mir unerklärlich. Wenn Anita nicht tot war, konnte sie sich auch nicht rächen weil ich sie vor ihrem Tod nicht gewarnt hatte. Herrje, war das kompliziert! 14.03.2015 Langsam versuchte ich, in das Alltagsgeschäft zurückzukehren. Mia war nicht mehr aufgetaucht. Ihr Kleiderschrank war fast voll und es gab keine Anzeichen einer spontanen Flucht. Ihr Personalausweis und Reisepass lagen da, wo sie Mia immer hingelegt hatte. Ich rief auch bei ihrer Arbeitsstelle an und mir wurde gesagt, dass sie auch nicht mehr auf Arbeit erschienen war. Mit mangelndem Schlaf und Konzentration gesegnet gingen wir in das Spiel gegen den dominierenden Tabellenführer Stirling Albion. Ich versuchte es mal ersatzweise mit Callum Speedie im Tor. Forfar Athletic - Stirling Albion: 1 - 3 McCluskey (53.) - McKenzie (7.), White (42., 45.+1) 21.03.2015 Vor der nächsten Partie hatte ich trotz unserer bemerkenswerten Verletzungsstatistik einen neuen Physiotherapeuten verpflichtet. Erst wollte ich mir eine Dame holen, aber die Frau verlangte zuviel Gehalt. Deshalb musste ich auf Billy McLaughlin ausweichen. Der 29-Jährige hatte gerade frisch sein Studium in Perth beendet und noch völlig unerfahren im Fußball. Ich war erstaunt, dass sein stotternder Fiat Panda den Weg von Perth nach Forfar geschafft hatte, aber der Mann leistete hervorragende Arbeit. Im nächsten Spiel wollten wir uns nicht überanstrengen und deshalb kamen wir zum Entschluss, uns mit dem Gegner die Punkte zu teilen. Auch wenn die Nachwirkungen der Buchveröffentlichung nicht wegzuleugnen waren, so hatte sich die Wut mehr auf die Leute verlagert, deren Skandal dadurch aufgedeckt worden waren. Doch anstatt auf Krawall und blutige Auseinandersetzungen aus zu sein wurden die Spiele boykottiert. Eine kleine Auswahl Zuschauer wagte sich ins Geisterstadion. Meine Spieler teilten mir mit, dass es ausnahmslos Verwandte von Spielern waren. FC East Stirlingshire - Forfar Athletic: 0 - 0 Keine Tore 27.03.2015 Als das Länderspiel gegen Tschechien anstand, war ich froh, vor der mordenden Anita flüchten zu können. Möglicherweise konnte ich in Prag meinen Kopf klären um diese Sache besser zu verstehen. In der Generali-Arena sahen die Zuschauer ein spannendes Spiel zweier Kontrahenten auf Augenhöhe. Mit 22 Torchancen, die sich gerecht auf beide Mannschaften verteilten (11:11), war es insgesamt eine Partie, deren Ausgang nicht eindeutig war. Charlie Adam war der Erste, der seine Chance effektiv nutzte und in der 35. Minute ein Tor schoss. Danach mussten wir lange warten, bis endlich wieder eine Torchance zum Tor führte. Tomas Necid brachte in Minute 87 den Ausgleich und alles war wieder offen. Aber um nicht schon am dritten Spieltag der Qualifikation den Anschluss an die Spitze zu verlieren, mussten wir gewinnen. Glücklicherweise gelang Jordan Rhodes in der Nachspielzeit noch ein Tor. Ryan Jack gab sein Länderspieldebüt und lag mit einer Durchschnittswertung von 7 (von 10) auf einem sehr hohen Niveau verglichen mit dem Rest der Mannschaft. Tschechien - Schottland: 1 - 2 Necid (87.) - Adam (35.), Rhodes (90.+2) Vor unserer Abreise nach Glasgow wollten wir noch einmal in Prag übernachten, weil sich die Spieler zusammen die Stadt ansehen wollten. Da ich nicht in der Stimmung war, um mir alte Gebäude anzuschauen, blieb ich im Hotel. Plötzlich klingelte mein Zimmertelefon und ich wunderte mich, wer denn die Rufnummer dieses Zimmers hatte. Wollte ein Hotelmitarbeiter etwas von mir wissen? Gelangweilt nahm ich den Hörer ab und hielt ihn mir ans Ohr. Hör mir jetzt genau zu Michael. Komm um 14 Uhr zur Prager Burg. Mia wartet im Ludwigsflügel des Alten Königlichen Palastes auf dich. Wer spricht da? Anita, bist du das? Ihre Stimme hatte verzerrt geklungen und wurde von seltsamen Interferenzen überlagert. Sie antwortete nicht auf meine Frage und plötzlich war die Leitung tot. |
| Purzel89:
Leider hat es in dieser Spielphase zwei schwerwiegende Spielabstürze kurze Zeit hintereinander gegeben. Das Spielergebnis mag daher variieren, da die Screenshots größtenteils von der Zeit vor dem Absturz stammen und sich nach dem Absturz einige Spiele geändert haben. EDIT: Bin heute noch nicht dazu gekommen, Spielberichte zu veröffentlichen. Kapitel 49: Vergangenheit ist Zukunft Die Prager Burg türmte sich neben der Moldau auf dem Hradschin. Obwohl schon im 9. Jahrhundert errichtet, wurde ihr Baustil durch Veränderungen oder Ergänzungen über die Jahrhundte hinaus geprägt. Verschiedene Ereignisse und Herrscher machten diese Burg zu einem einzigartigen Wahrzeichen Prags. Der letzte Umbau erfolgte ca. 1919 und ist seitdem Schauplatz archäologischer Ausgrabungen. Das höchste Gebäude dieser Burg war die Sankt Vitus Kathedrale, die mit ihren drei majestätischen Türmen beeindruckend war. Der Hauptturm sah dabei in der oberen Hälfte ganz anders aus als die restlichen zwei im gotischen Baustil errichteten Türme. Der lange Zeit unvollendete Hauptturm sollte ebenfalls gotisch sein, seine Spitze wurde aber schließlich von Nikolaus Pacassi in Barock erbaut. Doch beim Anblick der Burg war mir immer noch nicht klar, warum Anita sich ausgerechnet hier zum Austausch treffen wollte. Hatte sie vorgesehen, dass ich meine Fragen selbst beantwortete, indem ich irgendwelche Rätsel entschlüsselte? Jedenfalls hatte ich mich eine Stunde vor unserer Verabredung zu der Information begeben und so viele Prospekte wie möglich mitgenommen. Mein Augenmerk fiel dabei auf den im 16. Jahrhundert errichteten sogenannten Ludwigsflügel. Ich blätterte durch die Prospekte, bis ich darüber Informationen fand: Im Alten Königspalast befinden sich viele wichtige Räume. Der Vladislavsaal ist Schauplatz der Vereidigung des tschechischen Präsidenten. Unter seinem gotischen Netzgewölbe wurden sogar Ritterturniere veranstaltet. In der Kanzlei finden Sie Wappen und böhmische Reichskleinodien, deren Glanz Sie bewundern dürfen. Wer sich für die Geschichte der Prager Burg interessiert, ist im Alten Königspalast genau richtig. Eine Sonderausstellung widmet sich genau diesem Thema. Ein bedeutender Teil der Geschichte dieser Burg fand in einem Kanzleiraum im Ludwigsflügel statt. Hier wurden als Höhepunkt der böhmischen Aufstände 1618 die kaiserlichen Statthalter aus den Fenstern des kleinen Sitzungssaals geworfen. Obwohl die Statthalter den Sturz überlebten, löste dies den Dreißigjährigen Krieg aus. Während sich Frankreich, England, Schweden und die Niederlande in der Folge des Krieges zu eigenen Staaten entwickelten, kam es zu einem Bevölkerungsrückgang im deutschen Reich. Das deutsche Reich war nicht geeint sondern in viele kleine und große Fürstentümer unterteilt. Den Rest ersparte ich mir. Irgendwo in meinen Erinnerungen an den Geschichtsunterrichts auf dem Gymnasium war da was vergraben und ich hatte keine Lust, es hervorzuholen. Denn was sollte Anita mit dem Fenstersturz und dem Krieg zu tun haben? Um weitere Antworten zu erhalten, ging ich geradewegs zum Alten Königlichen Palast. Ich folgte heimlich einer Besuchergruppe, deren Fremdenführer einige Fakten zu den Räumen herunterleierte. Die großen weitläufigen Räume echoten so sehr, dass ich selbst aus mehreren Metern Entfernung die Stimme des Mannes hören konnte. ...Herrschersitz der böhmischen Fürsten und Könige. Dem aufmerksamen Beobachter wird auffallen, dass Bilder der Ehefrau von Vladislav II. (König von Böhmen und Ungarn) erstaunlich oft aufgehangen wurden. In jedem Raum findet man mindestens ein Bild von ihr. Mit bürgerlichem Namen hieß sie Anne de Foix-Candale und lebte von 1484 bis 1506. Durch die Heirat mit Vladislav wurde sie Königin von Ungarn. Anne starb 25 Tage nach der Geburt von Ludwig II. an den Folgen der Geburt. Ihr Grab konnte bisher nie gefunden werden. Ich ertappte mich, wie ich dem Gerede des Fremdenführers verfallen war und mich kaum noch auf den Raum konzentriert hatte. Es war nicht schwer herauszufinden, welche Bilder Anne zeigten. Sie war wirklich sehr oft zu sehen. Auf dem größten Bild war sie mit einer Krone auf dem Kopf zu sehen, eingekleidet in ein goldenes Gewand mit braunem Ende. Ihre beiden Arme lagen vor ihrer Brust übereinander und in der linken Hand hielt sie ein Buch. Es war nicht überliefert worden, welches Buch sie hielt, aber es wäre nicht ungewöhnlich gewesen, wenn es die Bibel war. Auf dem Bild gab es keine versteckten Zahlen, Geheimschriften oder sonstige Hinweise auf ein unentdecktes Geheimnis. Der Rahmen war unauffällig und aus Holz. Scheinbar hatte der Maler keinen großen Wert auf einen schönen Rahmen gelegt. Ich versicherte mich, ob mich niemand beobachtete, dann schob ich vorsichtig einen Finger hinter den Bilderrahmen und tastete den Bildrücken ab. Aber das blieb ergebnislos, da ich schließlich nur den äußersten Rand der Rückseite abtasten konnte. Hinter dem Bild selbst spürte ich nur die kalte Steinwand. Da war kein geheimer Durchlass oder ein versteckter Schalter. Es war aussichtslos. Wenn Anne tatsächlich in so vielen Bildern hier zu sehen war, könnte ich Tage oder gar Wochen brauchen, um jedes einzelne Bild zu untersuchen. Irgendwo in dieser Burg musste es einen zweiten Hinweis geben. Oder gab es gar keinen Hinweis und Anita lud mich einfach nur auf eine Geschichtstour ein? Nervös sah ich auf meine Armbanduhr. Ich hatte noch fünf Minuten Zeit, um mich mit Anita zu treffen. Sie hatte nicht konkret gesagt, wo sie im Ludwigsflügel auf mich wartete, also ging ich in den kleinen Sitzungssaal, der Schauplatz des zweiten Prager Fenstersturzes war. Hier gab es keine besonderen Deckenverzierungen und die Fenster schlossen fast mit der Wand ab. Der Raum war optisch nichts besonderes. Auch hier starrten Anne de Foix-Candales schläfrig wirkenden Augen aus einem Bild in den Raum hinein. Ich folgte ihrem Blick, der nach schräg rechts am Bildmaler vorbei zu gehen schien. Übertrug man diesen Blickpunkt auf den Raum, so schaute sie auf den Holzkamin, der im Sitzungssaal vorhanden war. Langsam ging ich auf den Kamin zu und vergewisserte mich ein weiteres Mal, unbeobachtet zu sein. Dann glitt ich langsam mit der rechten Hand über das Brett oberhalb des Kamines. Das Holz war schlecht geschliffen und uneben. Da wirst du nichts finden Michael! Schnell drehte ich mich herum und sah zur Eingangstür. Anita war gekommen und ging weiter in den Raum hinein um schließlich genau vor dem Bild von Anne zu stehen. Wo ist Mia? Du wirst sie schon bald sehen. Aber du hast gesagt, dass Mia hier auf mich wartet! Hol sie sofort her! Mia ist schon hier. Doch sie kann sich dir nicht zeigen. Dann erkläre mir endlich, was das alles zu bedeuten hat! Ich hatte es dir bereits erklärt und doch hast du es nicht begriffen. Mia lebt in mir und ich lebe in Mia. Tatsächlich war ich in dieser Explosion und trotzdem habe ich es überlebt. Weil ich nicht sterben kann. Du sollst aufhören mit diesen Spielchen habe ich gesagt! Ich hasse Gruselgeschichten. Anita trat einen kleinen Schritt zur Seite näher zum Fenster hin. Jetzt stand sie direkt neben dem Bild und verschränkte die Arme genau wie die Frau auf der Malerei. Mir fiel auf, dass das Bild bis an den Rand der Wand reichte und die Füße anders als auf den anderen Bildern hier nicht aufgemalt waren. Die Beine endeten am unteren Rand. Plötzlich wurde mir klar, dass Anne de Foix-Candale überlebensgroß und maßstabsgetreu gemalt wurde. Wenn man sich den Rest der Beine und die Füße vor dem geistigen Auge vorstellte, berührten sie den Boden des Saals, indem ich stand. Der Standort des Bildes vermittelte den Eindruck, als würde die Ehefrau des böhmischen Königs gerade in diesem Moment im selben Raum wie ich sein. Aber... aber... Ich schüttelte den Kopf und wollte es nicht wahrhaben. Du bist seit 1506 tot! Und doch stehe ich hier. Ein unsterblicher Mensch mit Leib und Seele, der dich immer geliebt hat. Aber dann hast du mich verraten und dafür sollst du in der Hölle schmoren. Kein Mensch kann unsterblich sein! Ein Bild einer Frau, die zwar gewisse Ähnlichkeit mit dir hat, ist längst kein Beweis. Wo sind die schlagkräftigen Beweise?! Wenn du es mir nicht glaubst, kannst du Kommissar Verpakovskis anrufen und fragen, ob du meine Leiche mal sehen kannst. Vielleicht schafft das Klarheiten. Dann war das eben deine Zwillingsschwester von der du mir nichts erzählt hast. Ich hatte keine Zwillingsschwester! So glaube mir doch! Nein, das ist unmöglich! Um mich an dir zu rächen tötete ich Julia und warf sie in den Loch Ness in Schottland. Dummerweise wurde ihre Leiche nicht gefunden. Also versuchte ich dich mit der Veröffentlichung des Tagebuches inklusive einiger kleiner Korrekturen in den Ruin zu treiben. Dank meiner unsterblichen Seele hatte ich Zugang zu Informationen mit hohem Wahrheitsgehalt, die ich in dein Tagebuch einarbeitete. Ich wusste, dass es die richtigen Leute treffen würde. Von da an war ich fest überzeugt, dass man dich für ewig hassen würde, weil du der Schreiber dieses frevelhaften Buches warst. Doch wieder einmal kam alles anders als ich erhofft hatte. Bis eines Tages endlich Julias Leiche gefunden wurde. Aber ich belauschte die Polizisten auf dem Revier und sie sagten, dass sie dich aufgrund mangelnder Beweise nach 48 Stunden wieder laufen lassen mussten. Deshalb sorgte ich dafür, dass du schon vorzeitig nach Hause gehen durftest. Ich beschloss, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen und dich hier her zu locken. Verstehe ich das richtig? Mias Tod war unnötig? Mia lebt noch! Würde ich dich im Angesicht deines Todes anlügen? Bei dir kann man wohl nicht sicher sein! Anita zog einen kleinen aber scharfen Dolch aus der Hosentasche und rannte auf mich zu. Ich wich zur Seite aus und bereitete mich sogleich auf ihren nächsten Angriff vor. Mit weit aufgerissenen Augen und einem hasserfüllten Blick stürmte sie erneut mit dem Dolch in meine Richtung. Sie hielt den Dolch fast auf Brusthöhe und so konnte ich mich unter ihrem ausgestreckten Arm wegducken und rammte ihr meinen Schädel in die Magengrube. Doch Anita hatte mehr Kraft als ich erwartet hatte und ihre Geschwindigkeit riss mich mit. Wir flogen beide gegen das Fenster, das laut klirrend auseinander brach. Ich griff nach dem Fensterrahmen und spürte einen brennenden Schmerz. In der Hast hatte ich in einen scharfkantigen Splitter gegriffen und ich heulte vor Schmerz auf. Benommen rappelte ich mich auf und sprang zurück in den Raum. Dann drehte ich mich um und vergewisserte mich, wo Anita war. Erst dachte ich, sie wäre verschwunden, aber dann bemerkte ich, dass ihre beiden Hände sich draußen am Fenstersims festhielten. Schnell ging ich zu ihr und versuchte, sie hochzuziehen. Nimm meine Hand Anita! Nein! Warum willst du nicht sterben?! Weil ich mit meiner sterblichen Seele das Leben solange genießen will wie ich kann! Jetzt reiß dich zusammen und lass mich dich hochziehen. Ich habe dich geliebt. Du warst meine große Liebe! Niemanden habe ich jemals so sehr geliebt, seit Vladislav tot ist. Warum hast du mich verraten Michael? Warum hast du das getan? Sie ließ absichtlich das Fensterbrett los und stürzte in die Tiefe. Ein dumpfer Aufschlag folgte und ich traute gar nicht, aus dem Fenster zu sehen. Hoffentlich löst dieser Fenstersturz keinen dreißigjährigen Krieg aus! dachte ich und musste dabei lächeln. Plötzlich kam ich zur Besinnung und mir wurde dann erst klar, was ich getan hatte. Wo bin ich? Hilfe! Das war Mias Stimme! Und es kam von draußen! Ich eilte zum Fenster und beugte mich hinaus. Mia lag blutend auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Fenster. Neben ihrem Kopf sammelte sich bereits das Blut. Oh Shit... |
| Stefan von Undzu:
Krasses Ding. Lass doch einfach dieses lästige Fußball-Zeug weg... ;) |
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