Gegen den modernen Fussball
Die Libero ChallengeKapitel I: Fortaleza - die RetrofussballfestungJanuar 2015
@4ramos, schön, dass Du dabei bist!
Wir starten in der lokalen Meisterschaft. Da ich den Spielplan noch nicht kannte, habe ich ein Friendly organisiert - passt eigentlich garnicht mehr rein, aber jetzt ist es arrangiert und wird uns Gelegenheit geben, die neue, noch nicht eingespielte Taktik auf dem Platz zu sehen. Hier die Übersicht:

Gegen Guarani machen wir den Auftakt.

Ein schöner Auftaktsieg - im alten 3-4-2-1 der Vorsaison.
Auch gegen Ferroviário AC, die Eisenbahner, treten wir im 3-4-1-2 an. Der Gegner heute im 4-5-1, d.h. ich stelle einen Manndecker ab, der andere IV soll als Vorstopper agieren.

Es fängt grässlich an. Gegen defensive Gegner sollte ich einfach nicht versuchen, den Ball in den Sechzehner zu hauen und schnell zu spielen. Nach der Umstellung auf geduldiges Spiel und mehr Kreativität läuft es, wir generieren Ballbesitz und gehen durch ein erzwungenes Eigentor mit dem Halbzeitpfiff in Führung. Nach der Pause legen wir nach. Ein sicherer Sieg.
Es folgt das Friendly gegen Clube Nautico, die eine Liga über uns spielen. Das 4-4-2 ist gut geeignet, um das neue 1-3-4-2 zu testen - auch wenn mir ein drei-Stürmer-System beim Gegner noch lieber gewesen wäre.

Solange der Gegner im 4-4-2 war, hatten wir das Spiel unter Kontrolle. Defensiv musste ich ein wenig Schrauben und den „freien“ IV mehr pressen lassen. Die Manndecker funktionieren so la la, lassen oft zu viel Raum, aber im Grunde verlief das Spiel gut, wir gehen zweimal in Führung.
Dann stellt der Gegner auf ein enges 4-1-2-3 um, was ich dummerweise verpasse. Den Ausgleich spielen sie sehr gut aus. Ich reagiere und stelle auf drei Manndecker um. Aber auch die Führung fällt. Die Umstellungen waren zwar schon vorgenommen, aber von enger Maindeckung trotzdem nichts zu sehen. Schade, das hätte ein Achtungserfolg gegen ein klassenhöheres Team werden können.
Hier noch eine kurze Analyse zum Abwehrverhalten im 1-3-4-2:
So geht es gut:

Der Manndecker stellt den gegnerischen Stürmer ...

und drängt in zurück. Auffällig schon hier, dass der zweite Manndecker (#9) dem Gegner zu viel Platz lässt. Da aber der Ballgewinn erfolgt, bleibt das ohne Folgen. #8 ist der freie IV, der sofort Pressen soll, falls der Manndecker das Duell verliert.
Und so geht es in die Hose:

zu viel Platz, für beide die Stürmer. Vor allem rechts (Manndecker #9) pennt völlig, #8 rückt nicht raus.

Lima (#5) kann den Pass nicht verhindern, der Libero deckt nicht den Raum hinter #9.

Der Stürmer #10 kann seelenruhig aufs Tor laufen und einsetzen. Das war das 1:1.
Nach der Umstellung des Gegners auf drei Stürmer:

Keine Zuordnung der Manndecker, bzw. zu viel Platz.

Erst als #23 in Ballbesitz kommt, fällt #9 der Fehler auf. Zu spät, denn der Passweg zu #11 ist frei:

Das war das 2:2. Das 2:3 fiel dann nach einem Angriff über aussen.
Viel Arbeit in der Defensive. Vor allem die Rolle des freien IV ist sehr fragwürdig. Am Ende habe ich das 3-Stürmer-System bekommen, dass ich mir gewünscht habe, und genau das konnte ich nicht bremsen.
Eine weitere Beobachtung: Die Manndecker gehen auf ihren zugeteilten Mann, sobald der Gegner in Ballbesitz ist. Bei eigenem Ballbesitz gehen sie auf ihre angestammte Postion. Das führt zu teils riesigen Abständen bei eigenem Ballverlust. So ist das nicht gedacht. Ich brauche einen echten Eskortservice, zur Not auch mit aufs Klo!
Schluss: Die Sache mit dem Langen Hafer passt einfach nicht. Ich muss versuchen, die Ballverluste zu minimieren, daher verstärkt auf das 5er-Mittelfeld und Ballbesitz setzen.
Weiter geht’s im Campeonato Ceará gegen Uniclinic. Im Vorbericht wird ein 4-3-3 angekündigt, und ich will gleich wieder mit dem 1-3-4-2 dagegen halten. Aber: Überraschung!!! der Gegner spielt 4-4-2. Ich habe aber jetzt drei reine IVs auf dem Feld. Also mache ich aus der Not eine Tugend und lasse den dritten IV gegen den offensivsten zentralen MF spielen.

Es ergibt sich ein munteres Wechselspiel zwischen Libero und freiem IV, die sich beide auffällig oft im Mittelfeld tummeln. Das Spiel gegen die unterklassigen Gegner tüten wir sicher ein!
Noch zwei Spiele im Januar. Zunächst müssen wir zu ADRC Icasa, einem Absteiger aus der Serie B. Vielleicht der erste echte Prüfstein in der regionalen Meisterschaft. Auch hier wird wieder ein 4-3-3 angekündigt.

Nix da, ich glaube, ich muss meine Scouts auswechseln. Diesmal ein 4-5-1. Wieder gibt es drei Manndecker vor dem Libero, was teilweise recht wild aussieht. Aber der Erfolg gibt mir zunächst recht: Wir dominieren das Spiel in Sachen Ballbesitz und Torschüsse. Doch dann tritt Everton einmal zu viel, und in Unterzahl dauert es gefühlt 5 Sekunden bis wir hinten liegen. Ärgerlich. Inzwischen hat Icasa auf 4-2-2-2 umgestellt, ich reagiere entsprechend, aber wir kommen nicht mehr zurück in dieses Spiel. Dämlich.
Noch bevor der Januar zu Ende geht, zitiert mich der Vorstand ins Büro. Das hab ich noch nie gehabt. Also: 10 Punkte aus den nächsten 5 Spielen. Oha.

Das Punktsammeln geht los zu Hause gegen Itapipoca EC. Profistatus, aber in der Amateurliga unterwegs. Das muss ein Sieg sein. Ich lasse mich diesmal nicht von meinen Scouts beirren und schicke die Jungs im 3-5-2 auf den Platz.

Kein gutes Spiel, aber wenigstens solide. Wir gehen in Führung, der Gegner ist zu schwach. Dann, direkt nach dem dritten Wechsel, verletzt sich der Zielspieler Ricardo Jesus. Na gut, wird schon werden, immerhin hat der Gegner kein einziges Mal aufs Tor geschossen. Und das tut er auch nicht, bis zum Ende der Nachspielzeit. Dann schiesst mein Verteidiger den Ball unbedrängt ins Toraus, und was aus Ecke passiert … ohne Worte.
Die Panik des Vorstands kann ich nicht wirklich verstehen. Aber gut, das Karussell dreht sich hier in Brasilien bekanntlich etwas schneller.
Hier die Partien im Überblick:

In der Tabelle der regionalen Meisterschaft sind wir noch dran, kein großes Ding. Eigentlich.

Noch ein kleiner analytischer Nachtrag zum Problem mit der Manndeckung, aus der Niederlage gegen Icasa:

Abstoss für den Gegner. Das Problem, dass die Manndecker den Abstoss scheinbar noch nicht als gegnerischen Ballbesitz verstehen und deshalb zu viel Platz lassen, war mir schon bekannt. Also, Abstand zu groß:
Dann die Annahme und Weiterleitung. Zumindest der ballnahe Verteidiger nähert sich seinem zugeordneten Spieler. Der andere ist im Tiefschlaf …

Doch was dann passiert, kann eigentlich nur ein Bug sein: Die beiden Manndecker treffen sich zu einer Tasse Tee am Mittelkreis:

So kann man das natürlich nicht verteidigen. Ich bin sprachlos. Das werde ich dem Vorstand bei unserer nächsten Sitzung auf jeden Fall vorlegen.