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Wild! Unbarmherzig! Stark! - Entfessle den Tiger in dir! (FM 2012)
Stefan von Undzu:
Ganz großes Kino. ;D
Mike:
@Stefan von Undzu: Danke! Werde mich bemühen, dass die verehrten Leser weiterhin mit Vergnügen meine Story verfolgen.
Im Juni 2011 hielt ich es vor lauter Depressionen zu Hause nicht mehr aus und so beschloss ich eine kleine Rundreise durch das Mutterland des Fußballs zu machen. Vielleicht könnte ich das eine oder andere dazulernen, wodurch ich in ferner Zukunft eine Anstellung als Fußballtrainer erhalten könnte. Gesagt getan. Die Sachen wurden für eine etwa dreiwöchige Rundreise gepackt und schon setzte ich mich hinter das Steuer meines neuen Wagens. Den iPod steckte ich in die vorgesehen Haltung und schon konnte mich meine aktuelle Lieblingsmusik beschallen. Das erste Lied in der Playlist war „Second chance“ von Peter, Bjorn & John.
In Passau war ich schneller als gedacht. Soundtechnisch begleitet wurde ich vom Schweizer Folk der Gruppe 77 Bombay Street, Pop der Marke Adele oder Bruno Mars. Aber auch Rock von Anouk oder Three Days Grace durfte nicht fehlen. Die Fahrt verging relativ schnell. Ein erster Zwischenstopp wurde in Nürnberg eingelegt. Die Cluberer hatten gerade eine famose Saison mit dem 6. Platz in der Bundesliga und dem Erreichen des Viertelfinales im deutschen Pokal hinter sich gebracht. Ein bisschen Sightseeing und dann ging es bereits weiter nach Frankfurt, wo ich mir eine Übernachtungsmöglichkeit suchte und für kurze Zeit in das Nachtleben abtauchte.
Am nächsten Tag stand dann der Abschnitt bis nach Dover auf dem Plan. Dass auf der Autobahn schneller als Tempo 130 gefahren werden darf, ist ziemlich gewöhnungsbedürftig. Immer wieder erntete ich „nette“ Blicke von der Seite als mich der eine oder andere Deutsche überholte. Da in Belgien zahlreiche Baustellen den Weg bis nach Dover pflastern sollten, entschied ich mich für den Weg von Brüssel über Lille nach Dover. Im Nachhinein betrachtet keine so gute Entscheidung. Erstes ist mein Schulfranzösisch schon stark eingerostet und zweitens - der vielleicht wichtigere Grund - die Anzahl der Baustellen nach Lille war enorm. Vielfach hatte ich das Gefühl überhaupt nicht mehr voranzukommen. Besser wurde meine Stimmung nicht als 77 Bombay Street zum x-ten Mal lief und erneut „Long way“ angestimmt wurde.
Meine Stimmung wurde in Dover nicht besser. Der Gedanke an Fish & Chips hatte mir keine große Freude beschert. Überhaupt hatte ich mich nicht wegen des Essens auf den Weg nach England gemacht. Kultur und Fußball, aber vor allem Fußball, waren meine Leitmotive. Um 21 Uhr 50 hatte ich die Überfahrt nach Dover absolviert und mich meinem kulinarischen Schicksal ergeben. Der Hunger war so groß, dass ich mich nicht überwinden musste und mir am Hafen eine Portion Fish & Chips besorgte. Diese Portion triefte geradezu vor Essig. Davon wurde mir erst richtig schlecht und meine Gedanken möchte ich hier nicht zu Papier bringen. Ist einfach besser so.
Signor Rossi:
Ich habe eine leise Ahnung, welcher Club es werden könnte O0
Mike:
--- Zitat von: Signor Rossi am 28.Oktober 2016, 12:45:39 ---Ich habe eine leise Ahnung, welcher Club es werden könnte O0
--- Ende Zitat ---
Worauf tippst du?
Mike:
Meine Rundreise startete in Dover und sollte mich in zahlreiche kleine Küstenstädte führen. Zuerst hatte ich gedacht, dass es fein wird solch kleine Orte zu besuchen. Nach einer Weile schlugen meine Gedanken um. Wie viele einsame Küstenstädte kann man sich wohl auf Dauer zu Gemüte führen ohne an Einsamkeit zu sterben? Wirklich viel Kultur wurde mir in diesen Orten nicht geboten, aber auch die hohe Fußballschule bot sich mir nicht. Anders in der Metropole London. Hier gab es zahlreiche Vereine, die auf Topniveau spielten, aber auch unterklassige Vereine. Erstere befanden sich auf Trainingslager im Ausland. Die zweiten zeigten ungefähr jenes fußballerische Können, wie es in Österreich in den unteren Klassen auch anzufinden ist.
Schließlich begab ich mich Richtung Südwesten. Dort sollte es eine größere Stadt mit einer großen Kathedrale geben. Klang durchaus interessant. Auf dem Weg zur Kathedrale wurde ich von einem örtlichen Rugbyspiel abgelenkt. Mein erstes Spiel dieser Art überhaupt. Das Spiel war interessant zu verfolgen, aber Fußball ist es nicht. Ich erkundigte mich nach dem örtlichen Fußballverein. Sie meinten es spiele zurzeit nur ein Verein in dieser Stadt und zwar auf einem Trainingsplatz. Ich könne die Swans auf ihrem Platz in der Wisloe Road besuchen. Qualität solle ich mir jedoch nicht erwarten, da diese bislang höchstens in der Hellenic League gespielt hätten. Hellenic League? Hatte ich noch nie gehört. Wahrscheinlich irgendeine Dorfmeisterschaft.
Am nächsten Tag begab ich mich auf die Suche nach der Wisloe Road. Dort angekommen erinnerte mich die Baustelle in der mein Lieblingsverein aktuell spielen musste an ein Schmuckkästchen. Kaum gestutzter Rasen und sonst die eine oder andere Unannehmlichkeit. Ein Hinweisschild im Eingangsbereich verkündete, dass der Slimbridge F.C. hier bis auf weiteres nicht mehr anzutreffen sei. „Na toll. Der weite Weg war für die Katz.“ dachte ich mir, ehe ich von einer Frau angesprochen wurde. Auf meine Nachfrage erklärte sie mir, dass ein Verein in der Nähe im Meadow Park spielen würde. Doch auch dort kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Ein zugenagelter Eingangsbereich sind die Reste der großen Flut vom July 2007 - Aufgrund dieser war die gesamte Stadt 17 Tage von der Wasserversorgung ausgeschlossen. Als es noch so aussah*:
Große Verwüstung durch die Flut im Juli 2007
Es war zum aus der Haut fahren. Hier spielt doch wieder niemand! Wollten die mich heute vera… ? Trotz allem sah ich mich kurz rund um den Meadow Park um. Das Herumstreunern wurde von einer netten Person beobachtet, die mich darauf ansprach. Diese Person, die sich als Präsident des Fußballvereins herausstellte, verwickelte mich in ein längeres Gespräch. Darin versicherte er mir, dass in zwei bis drei Jahren hier ein neues Stadion* errichtet werden würde. Neben diesem Faktum klärte sich, dass nicht der Slimbridge F.C., sondern der größere Gloucester City A.F.C. hier sein zu Hause hätte. Damit hatten der Herr und ich eine gute Gesprächsbasis gefunden. Am Ende erzählte er mir, dass Gloucester City zwischen 1939 und 2009 in der Southern Football League gespielt habe und danach erstmals den Aufstieg geschafft hatte.
Feierlichkeiten zum Aufstieg in die Conference North nach 70 Jahren in der Southern League!
Leider seien sie nicht in die Blue Square Bet South eingeteilt worden, sondern in die Blue Square Bet North. Zudem habe die Überschwemmung von 2007 dafür gesorgt, dass Gloucester City seit diesem Zeitpunkt nicht mehr in Gloucester, sondern beim Erzrivalen Cheltenham die Heimspiele ausüben müsse. Zudem erfuhr ich einiges über die Tradition des Vereins. 1956 konnte der Red Insure League Cup zum einzigen Mal gewonnen werden. Wesentlich öfter konnte der Gloucestershire County FA Senior Challenge Cup gewonnen werden, nämlich 17 mal. Letztmals allerdings 1993. Ein Wort ergab letztlich das Andere. Wir Beide waren auf der Suche. Er nach einem Trainer für seinen Verein. Ich nach einem Job. Endlich hatte ich meine Aufgabe gefunden.
* Bis 2015 gelang es nicht ein solches zu errichten, wodurch die Saison 2015/16 die neunte Saison ist in der Gloucester City seine Heimspiele nicht zu Hause austragen kann. Ab der Saison 2016/17 sollte die Mannschaft wieder zu Hause spielen, aber endgültig genehmigt wurden der Ausbau und der Umbau erst am 4.10.2016. Die Renovierung beinhaltet auch eine Anhebung des Stadions um vier Meter, um für kommende Fluten gerüstet zu sein.
**Mein Dank gilt Neil Phelps (http://www.tigerroar.co.uk) für die Zurverfügungstellung des Bildmaterials zur weiteren Illustrierung dieser Story.
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