Ich bin wohl auch mal wieder dran.
Muffi hatte nach gefragt, Deschyan hatte es für gut befunden. Ich habe die ersten 7 Bände von Bernard Cornwells Uhtred-Saga durch. Es handelt sich um einen Historischen Roman, der irgendwo um das Jahr 8xx rum beginnt (genau habe ich es nicht mehr im Kopf). Für alle die es noch nicht gelesen haben kann ich eine Empfehlung aussprechen. Für diejenigen die es gelesen haben sei gesagt, dass kürzlich der 8te Band rauskam und damit noch nicht Schluss sein soll.
Uhtred ist der Hauptcharakter. Er hat Kanten und Ecken, ist grausam und gerecht, ist ein Sachse, wird aber von den Dänen (die immer wieder in England einfallen) aufgezogen. Seine Sympathien sind daher zweigespalten. Dies erlaubt es dem Autor aus Sicht beider Lager (Engländer und Dänen) zu erzählen. Die Erzählperspektive konzentriert sich auf Uhtred. Er ist Dreh- und Angelpunkt und natürlich eine erfundene Person. Wobei der Autor es so gedreht hat, dass er angeblich über einen gewissermaßen Verwandten schreibt. Denn der Herr von Bebbanburg (später Bamberg) war früher immer ein Uhtred und Cornwell kann seine Stammlinie wohl bis dahin zurückverfolgen.
Viele Schlachten und ein interessanter, sowie gewitzter Hauptcharakter erwarten den Leser. Schön an der Geschichte ist auch, dass der Charakter mit den Büchern wächst. Ist er zu Beginn ca. 10 Jahre alt, geht er im Band 7 so ungefähr auf die 50 zu. Die Geschichte ist als historischer Roman natürlich auch Geschichte. Und zwar die Geschichte von England. Natürlich kann nicht die gesamte englische Geschichte in diesen Bänden niedergeschrieben werden. Es ist einfach die Story, wie der Name England entsteht. Und teilweise war es haarscharf. Dann würde es jetzt Daneland auf der Insel heißen.
Uhtred führt die wichtigen Schlachten im Konflikt mit den Dänen - auf welcher Seite sei aber nicht verraten. Wir erleben mehrere Könige, viele reale Gestalten und natürlich Fantasy des Autors. Er hat am Ende eines jeden Buches aber beschrieben, was real ist, woher seine Informationen stammen und wo er sich etwas, damit es zur Story passt, zusammengereimt hat.
Neben den Kämpfen steht die Religion im Fokus. Die dänischen Heiden und die Sachsen mit ihrem "angenagelten Gott". Neben Uhtred gibt es zahlreiche weitere Charaktere, die einzigartig und sympathisch sind. Diese wechseln aber auch mal, denn auch hier hat keiner das ewige Leben.
Uhred ist hier ein wenig ausgenommen. Und jetzt kommen wir auch mal zur negativen Kritik. Die Geschichte wird aus Sicht des Hauptcharakters erzählt. Es ist aber manchmal so, alsob er die Geschichte selber erzählt oder niederschreibt. Dabei wird teilweise (wahrscheinlich absichtlich um sich gleich ein Bild machen zu können) vorgegriffen. Ein Beispiel aus dem Gedächtnis: "Hier lernte ich meine wunderschöne Frau, die ich später noch hassen lernen sollte, zum ersten Mal kennen." Man hat gleich ein bestimmtes Bild im Kopf, weiß aber schon so ungefähr was kommen wird. Bei dieser Erzählweise ist aber auch klar, dass er nicht stirbt (Der Titel der Buchreihe wäre da nur als Hinweis zu verstehen).
Was war noch negativ? Wiederholungen! Bestimmte Sachen werden in jedem Buch erklärt. Manchmal sogar mehrfach. Schwertwahl im Schildwall, besondere Charaktereigenschaften, etc. Damit ist die Kritik aber auch schon beendet.
Die Bücher laden aber auch oftmals zum Schmunzeln ein. Einarmige tote Heilige, eine Frau die für das Vertreiben von Gänsen heilig gesprochen wurde und "Pater Judas" sind nur einige, kurz angerissene Beispiele.
Jedes Buch hat um die 500 Seiten. Wer über gelegentliche Wiederholungen hinwegblicken kann und wem es nicht stört, dass nur aus Sicht eines Charakters erzählt wird, der erhält eine fabelhafte Lesekost mit vielen Schlachten, schönen Frauen, einen moralischen Zwiespalt des Hauptcharakters und erfährt dabei noch etwas über die Entstehung Englands (war für mich wenig ausschlaggebend, aber dennoch sehr interessant).
LG Veni_vidi_vici