Nachdem ich am Sonntagabend irgendwo die Doku "Into The Wild - Die wahre Geschichte" gesehen habe, habe ich mir sofort das ebook von Jon Krakauer besorgt.
Es geht in diesem Buch um Chris McCandless, der sein gesamtes Hab und Gut spendet, um als Tramp durch die USA zu reisen. Sein eigentliches Ziel ist es aber, sich irgendwann alleine in der Wildnis Alaskas niederzulassen. Mit ungenügender Ausrüstung und Wissen tut er das dann auch und hält erstaunliche 112 Tage durch, eher er stirbt.
Man kann die Reise von Chris von zwei Standpunkten sehen: Die Einen sehen ihn als Idealisten, der seinen Traum gelebt hat und nur duch kleine Fehler gescheitert ist, andere sehen ihn als Spinner, der naiv alle Warnungen in den Wind geschlagen und sehenden Auges in seinen Tod spaziert ist.
Ich selbst sehe ihn als eine Mischung aus beidem. Hätte er sich besser vorbereitet, entsprechende Kleidung, Ausrüstung, vorherige "Ausbildung" genossen, hätte er es geschafft. So aber lebte er lange am Rande des Hungertodes, und da er nicht wusste, wie man Fleisch haltbar macht, nutze ihm sein größter Jagderfolg, ein Elch, für den das Kaliber seiner Waffe eigentlich zu klein war - garnichts.
Als er merkte, dass er es nicht schaffen würde, wollte er umkehren, aber der ehemals zugefrorene Bachlauf, den er auf dem Hinweg überquert hatte, war inzwischen durch die Schneeschmelze zu einem breiten, reissenden Fluss geworden, den er nicht überqueren konnte. Hätte er vernünftiges Kartenmaterial besessen, hätte er sehen können, dass ganz in seiner Nähe eine Schwebefähre die Flussquerung ermöglicht hätte, und es auch diverse Jagdhütten unweit seines Busses, in dem er lebte, gegeben hat.
Woran er letztendlich gestorben ist, ist wohl noch unklar. Die Einen sagen, er ist verhungert, die anderen gehen von einer Vergiftung duch Beeren, die er anhand eines Buches falsch identifiziert hatte, aus.
Die Nachricht von seinem Tod war das Erste, das seine Eltern nach 2 Jahren von ihm hörten.
Wenn man sich vor Augen hält, dass es sich um einen Tatsachenbeericht handelt, eine Rekonstruktion u.a. anhand des Tagebuchs von Alex Supertramp (wie Chris sich nannte), dann muss man schon ab und zu schlucken. Wem Krakauers Stil liegt, und wem "In eisigen Höhen" gefallen hat, der wird an dem Buch seine wahre Freude haben. Es ist glücklicherweise nicht so langatmig wie "Auf den Feldern der Ehre".
Dieses Bild ist im August 1992, kurz vor seinem Tod, entstanden. Auf dem Buch, das er ins Bild hält, steht:
"I have had a happy life and I thank the Lord. Goodbye and may God bless all."