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10. März 2019 Ich griff nach den Unterlagen aus aus England. Die Augenbrauen über die Brillengläser zusammengezogen begann ich die Vereinsdetails durchzusehen. Mir war es unheimlich, dass ich noch so hellwach wirkte. Eigentlich war ich todmüde. Es war fast zwei Uhr morgens. Ich hatte seit meiner Rückkehr nach Hamburg drei Tassen Kaffee getrunken, aber trotz des Koffeins – oder vielleicht gerade deswegen – schlug mein Hirn Purzelbäume und mein Körper streikte. Am liebsten hätte ich den Kopf auf den Schreibtisch gelegt und geschnarcht. Stattdessen stand ich auf, streckte mich und ging zum Fenster. Unten auf der Straße war kein Mensch zu sehen. Der Himmel, der über der Millionenstadt niemals richtig dunkel wurde, war anthrazitgrau. Ich zupfte nachdenklich an meiner Unterlippe. Während ich hinaussah merkte ich, wie meine Freundin an mich heranschlich. „Angenommen, ich nehme das Angebot an. Kommst du dann mit mir?, sprach ich, während ich weiter aus dem Fenster schaute. Maria antwortete nicht. Ich legte die Unterlagen auf meinen Schreibtisch zurück und schaute sie an. Also? Sie schwieg weiterhin. Keine Antwort ist auch eine Antwort, erwiderte ich ihr, während ich meine Unterlagen zusammen packte und nur noch aus ihrer Wohnung verschwinden wollte. Meine Grenze ist Deutschland. Überall hier, aber nicht im Ausland. Das weißt du!, schrie sie aus dem Wohnzimmer zur Tür. Ich blickte mich um und machte mich aus dem Staub. 12. März Ich habe die Wohnung in St.Georg weder des Komforts noch der Lage wegen gewählt. Komfort hatte sie keinen zu bieten. Zwar war die Bahn bequem zu erreichen, aber das Gebäude hier mitten im Stadtteil war verwahrlost und mindestens dreißig Jahre nicht mehr renoviert worden. Doch im Gegensatz zu Marias Wohnung in Rotherbaum reichte die Wohnung meinen bescheidenen Ansprüchen und was wesentlicher war, sie entsprach meinen finanziellen Möglichkeiten, die derzeit praktisch gleich null waren. Wie ich mir das über Nacht durch den Kopf gehen lassen habe, konnte ich die Monatsmiete für den kommenden Monat bezahlen, wenn ich es konservativ anging und von Wasser und Brot leben würde. Und die nächsten Tage würde ich mich dann ernsthaft nach Arbeit umsehen. Ich könnte bestimmt wieder den Vertreterjob machen oder so was.Das lag mir. Das hatte ich drauf, quasi genau das richtige für mich. Hätte ich mein ganzes Erspartes der letzten Jahre nur nicht in den Fußballlehrer gesteckt. Nach der überraschenden Absage aus London stand ich jetzt da. Ohne Freundin, ohne Job aber mit Depressionszügen und einer nicht geklärten Zukunft. Wie sollte es nur weitergehen? 7. April Ich erwachte langsam aus meinem erholsamen Schlaf. Erholsam, weil er einer echten Erschöpfung folgte und nicht weil er so lange gedauert hätte. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Kraft erfordern konnte, aus dem Bett aufzustehen und drei Meter weiter ins Bad zu schlendern um zu pinkeln und sich dann wieder ins Bett zu legen. Als ich mich auf die Kissen zurückfallen ließ, erfüllte mich das Gefühl, als hätte ich einen Berg erklommen hätte. Seit Beginn des Monats quälte mich mein neuer Job auf dem Bau. Stundenlanges Schleppen diverser Rohstoffe – was besseres saß auf die schnelle nicht drin. War es bereits das Ende im Fußballbusiness, bevor es überhaupt angefangen hatte? Ich setzt mich auf, rieb mir den Schlaf aus den Augen und öffnete den Laptop. Bevor ich eingeschlafen bin, wollte ich mir meinen Posteingang anschauen. Scheinbar war ich aber schon weggetreten, bevor ich mein Postfach überhaupt geöffnet hatte. Ich hatte einige Bewerbungen an diverse Vereine im Ausland geschickt, aber so wirklich optimistisch war ich dabei nicht wirklich. Existiert da draußen überhaupt ein Präsident, der sich Gedanken darüber macht, ob ein junger, unerfahrener Trainer die eigene Mannschaft wieder auf Kurs bringen kann? Zumal es bei mir nie zu mehr als Kreisliga A Fußball in Niedersachsen gereicht hat. Das heißt nicht, dass er nicht existiert sondern vermutlich, nur dass dieser Verein sich zu gut versteckt. Der Monitor wurde jetzt hell und zu meinen Erstaunen erschien ein kleines Fenster in der Mitte der Bildfläche. 1 neue Nachricht. Es war ungewöhnlich. Denn normalerweise bekam ich auf meine Bewerbungen keine Rückmeldungen. Von jetzt auf gleich war ich hellwach und rief Outlook auf. Es war eine Antwort von Valentic Azrudin. Sportdirektor bei Fremad Amager. Zweite Liga Dänemark. Klingt übel, aber scheinbar musste ich ganz unten anfangen. Und es gab tatsächlich positive Nachrichten. Ein Vorstellungsgespräch. In zwei Tagen. Ich muss mich nur melden. Und genau das werde ich gleich tun. Aber ein Blick auf die Tabelle sollte mir einen Schrecken ins Gesicht bringen. Noch 6 Spiele, 11 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Und den Job sollte ich übernehmen? Aber wollte ich weiter Steine und Dachziegel schleppen? |
| balolympique:
Interessant... |
| Texas Alaska:
Schön. Ich mag Vereinsnamen, bei denen man nicht weiß welches Wort jetzt eigentlich für die Stadt steht... 8) Bin auch dabei. |
| White:
--- Zitat von: Texas Alaska am 18.Mai 2019, 12:30:19 --- Ich mag Vereinsnamen, bei denen man nicht weiß welches Wort jetzt eigentlich für die Stadt steht... --- Ende Zitat --- Letztlich keiner. Amager ist ein Stadtteil Kopenhagens ;D |
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