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Die Kennedy Story; Episode 3: "Freiheit"

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Guddy-Ortega:


Ich gehe auf mein etwas windschiefes Haus zu, dass sich in dem leichten Nieselregen nur schwach von der dahinter liegenden kleine Felsklippe und dem unruhigen Meer abzeichnet und mein Blick fällt zuerst auf den Postkasten.
Erst danach bemerke ich meinen Nachbarn, der mit tiefsitzender Schiebermütze seitlich am Zaun lehnt. „Wolltest du nicht regelmäßig meinen Postkasten leeren, McGregor?“ begrüße ich den alten Mann schmunzelnd und zeige auf den vollgestopften Postkasten. „Wolltest du nicht deine Tageszeitung abbestellen?“, kontert McGregor. Ich kenne den alten McGregor schon seit meiner Kindheit. Als ich das Haus erbte und zurück an die irische Westküste zog, war McGregor vielleicht das, worauf ich mich am meisten gefreut habe.
Ich schüttle dem bärtigen Grantler die Hand. „Ich habe jetzt einfach meine Tageszeitung abbestellt“, sagt McGregor, „das hat ja finanziell überhaupt kein Sinn gemacht, ich kann ja einfach deine lesen.“ Schmunzelt mein Nachbar. „Du hättest mich auch einfach noch mal dran erinnern können.“ Sage ich lächelnd. „Ich habe mir gedacht, dass ich so wenigstens nicht vergesse regelmäßig in deinen Postkasten zu gucken.“ Sagt McGregor und lacht herzhaft.

„Und steht was spannendes drin?“ frage ich beiläufig mit Blick auf das Tageblatt der Region Donegal. „Der Sportteil ist voll von dieser geplanten All-Ireland-Liga.“ Sagt mein Nachbar.
„Dem geplanten Zusammenschluss von irischer und nordirischer Liga?“ antworte ich.
Die Sache hatte sich auch bis nach Schottland rumgesprochen. Nach dem Brexit und den zunehmend wieder aufreißenden Gräben zwischen der Republik Irland und Nordirland, sollte ein gemeinsames Ligasystem wieder ein wenig Frieden stiften. Geplant war ein Ligasystem an dem alle Clubs aus Irland und Nordirland teilnehmen sollten. Hier im Norden, unweit von der Grenze zu Nordirland war die Sache sicher ein großes Thema.

„Was hälst du davon?“ frage ich McGregor. „Mir ist egal in welcher Liga die Harps Derry in den Hintern treten.“ McGregor war genau wie ich großer Anhänger der Finn Harps. Einer Truppe aus unserer Region, die nun seit Dekaden als Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter irischer Liga hin- und her pendelte und in der ich zum ersten Mal meine Fußballschuhe geschnürt habe. Davon, dass die Harps dem Lokalrivalen Derry City in den Hintern treten würden, konnte aber seid einer gefühlten Ewigkeit keine Rede mehr sein.

„Kelly hat sich nach dir erkundigt, du solltest dich vielleicht mal bei ihr melden so lange du im Land bist“, sagt McGregor. „Kelly O’Connor?“ sage ich verdutzt. „Genau“, antwortet McGregor. „Sie ist jetzt die erste Vorsitzende der Harps.“ Sagt McGregor schnell. Ich blicke McGregor ungläubig an. Kelly O’Connor war eine alte Schulfreundin und eine gute Fußballerin.
Sie und ich waren die einzigen, die es aus unserer Generation und aus der Region Donegal in ein irisches Nationalmannschaftstrikot geschafft hatte. Sie hatte deutlich mehr Länderspiele auf dem Buckel als ich, aber als Funktionärin hatte ich sie nicht in Erinnerung.
„Kelly O’Connor ist Vorsitzende der Harps“, wiederholte ich halb laut. „Genau, spreche ich irgendwie undeutlich?“, sagt McGregor grinsend. „Nein“, antworte ich. „Ich habe dich schon verstanden, nur glauben kann ich es nicht.“

Guddy-Ortega:


Kelly O‘Connor sitzt hinter einem alten, den halben Raum einnehmenden, Schreibtisch, als ich ihr Büro im Vereinshaus der Finn Harps im kleinen Ort Ballybofey betrete.

Einige Tage nach meiner urlaubsbedingten Rückkehr auf die Insel klingelt mein Telefon und Kelly lädt mich auf einen Kaffee an meine alte Wirkungsstätte, bei der ich als Jugendspieler den spärlichen Rasen kaputt getreten habe, ein.

Ich bin mir sicher, dass mein Nachbar McGregor Kelly brühwarm von meiner Ankunft im alten Haus meiner Eltern und dem auf zwei Wochen angelegten Heimaturlaub berichtet hat.

Ich begrüße Kelly und studiere die gerahmten Mannschaftsfotos, die die freien Wände des Raumes einnehmen, während Kelly mir Kaffee in einen Becher mit dem Harps Logo gießt.

„Hier bist du“, sagt sie freundlich und zeigt auf das Foto einer Jugendmannschaft unter dem „Jugendmeister Grafschaft Donegal“ steht. „Und da bin ich“, ich blicke auf das Foto daneben. „Meister Fußball der Frauen, Republik Irland“. Kelly grinst. Während die Männermannschaft der Harps ihren größten Erfolg 1974 mit dem Gewinn des irischen Pokals feiern konnte, konnte die Frauenmannschaft mit Kelly als Kapitänin einige irische Meisterschaften vorweisen.

„Was hat dich wieder hierher verschlagen,Kelly?“ frage ich freundlich und nehme an einem kleinen Konferenztisch in der Ecke des Raumes Platz.

„Das Angebot hier im Verein etwas bewegen zu können und dafür mit allen Befugnissen ausgestattet zu werden“, sagt Kelly und lächelt.
„Ich habe in Dublin Betriebswirtschaft studiert und die Kombination aus meiner sportlichen und beruflichen Erfahrung und Vergangenheit hier im Club haben den Aufsichtsrat dazu gebracht mich als Vorsitzende vorzuschlagen. Aber du weißt ja, was es bedeutet 1.Vorsitzende bei diesem Club zu sein.“

„Mädchen für alles?“ frage ich. „Mädchen für alles“, nickt Kelly. „Immerhin kommen spannende Zeiten auf uns zu“, sagt Kelly. „Du meinst die All-Ireland Liga?“ frage ich. Kelly nickt. „Das könnte für die Finn Harps als Club an der nordirischen Grenze ein ganz großes Ding werden. Aber vorher müssen wir hier sportlich noch einiges auf die Reihe bekommen.“ Schmunzelt Kelly. „Ist Olli Horgan noch Manager?“ frage ich und gestehe gleichzeitig, dass ich mich schon sehr lange nicht mehr mit meinen Heimatverein beschäftigt habe. „Der ewige Olli Horgan“, nickt Kelly. „Er feiert bald sein zehnjähriges Jubiläum. Aber Olli macht einen guten Job.“

Kelly berichtet mir noch ein wenig von ihren Planungen für den Club und zeigt sich interessiert an meiner Arbeit bei Partick und den dortigen Strukturen und Vorgaben des Aufsichtsrates. Nach zwei Stunden netten Plausches und vier Tassen Kaffee beenden wir das Gespräch. „Viel Erfolg. Jetzt wo du hier bist, werde ich versuchen etwas intensiver zu verfolgen, was die Harps so treiben.“ Verspreche ich.

„Und ich werde mal ein Auge auf deine weitere Saison bei Partick haben“, lächelt Kelly. Ich schließe die Tür und werfe noch einen Blick in das kleine Stadion, den Finn Park. Mit seinen Holzbänken und seiner einzelnen überdachten Tribüne sieht er aus, als wäre hier vor fünfzig Jahren die Zeit stehen geblieben.

Bayernfahne:
Interessante Wendung. Ich bin gespannt, wo das noch hinführt. Bahnt sich da etwa ein Vereinswechsel an? Irgendwie kann ich das nicht glauben... Eine neuerliche Kooperation zur Förderung irischer Talente klingt schon eher nach Kennedy. Oder liegen in dieser Freundschaft etwa Informationen zur Führungssituation bei Partick verborgen? Es bleibt auf jeden Fall spannend!

zUDy09:
Endlich geht es weiter. Ich habe jetzt 6 Wochen fast täglich auf einen neuen Teil gegeiert.

Muffi:
Wow! Das ist das erste, was mir in den Sinn kommt, nachdem ich nun in 2 Etappen deine Story durchgelesen habe. Sportlich ist es ja das eine, aber vor allem die Geschichte, die du um Partick gestrickt hast, ist der absolute Hammer!
Du hast nun mit mir definitiv einen weiteren Stammleser.
Und nein, an einen Vereinswechsel glaube ich nicht, das würde ja bedeuten, das Kennedy erneut vor seinen "Dämonen" flieht.  :)

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