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[FM 20 bis 24] Lavayeuxs Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

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Noergelgnom:

Dies ist Fussball-Europa -
friedlich, still und leise.
...
.....
.......
Nunja, solang' der Lavayeux noch schläft!





Gerard "Lava" Lavayeux ("Lawajöh" :D )
Trainergenie (öfter als erwartet)
Frauenschwarm (seltener als erhofft)
FOLA-Fan
Fussballromantiker
Teilzeitoptimist
442-Enthusiast



~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Willkommen bei der "Europatour"!
Die früher hier stehende Textwüste habe ich ein wenig aufgeräumt - wer die Sachen unbedingt nochmal lesen will, findet sie in den beiden Spoilern.

Ich hoffe, ihr habt beim Lesen der Geschichte genausoviel Vergnügen wie ich beim Schreiben.
Kommentare (und ausdrücklich auch Korrekturen, Kritik und Verbesserungsvorschläge) sind jederzeit gern gesehen!  :)


(click to show/hide)Vorwort:

Nachdem meine vorherige Story hier eher unrühmlich (und vor allem sang- und klanglos) endete, will ich mich doch noch einmal an einer Geschichte versuchen.
In diesem Zusammenhang: dickes "Sorry!" an alle, die "...for victory" mitgelesen und -kommentiert haben, war wirklich nicht die feine englische Art meinerseits! :/

Und was soll das hier nun werden?
Ganz einfach - eine FM20-journeyman-Karriere, die in den Niederungen des luxemburgischen Fussballs als LLM startet.
Das heißt konkret:

01. Der Start erfolgt ohne irgendwelche Profierfahrung oder Trainerscheine (also sunday league footballer).

02. Es gibt keine Nutzung der Spieler- oder Staffsuche, es sei denn, der Verein ist professionell.

03. Auch die Editoren werden sebstverständlich nicht genutzt.

04. Ich spiele mit attribute masking.

05. Neuladen fällt ebenfalls aus (logisch).

06. Ich verwende ausschließlich selbsterstellte Taktiken.

07. Ich darf maximal den nationalen A-Trainerschein erwerben, solange ich in Luxemburg angestellt bin. Einzige Ausnahme: nach erstmaliger Qualifikation fürs internationale Geschäft daf ich den ersten internationalen Schein machen. Alle anderen erst nach Wechsel in ein anderes Land.

08. Selbstverständlich fällt auch der Amateurspieler-Exploit flach - theoretisch könnte ich ja jeden Spieler, der mir vorgeschlagen wird, sofort verpflichten und bei Nichteignung wieder rauswerfen, das wird natürlich nicht passieren!

09. Im Verein dürfen zu jedem Zeitpunkt (alle Mannschaften zusammengenommen) maximal 2 Leihspieler beschäftigt werden, ebenso dürfen max. 2 Spieler verliehen werden.

10. Im Kader der ersten Mannschaft müssen mindestens 3 Torhüter stehen. (In Luxemburg gibt es in allen Ligen eine Registrierungspflicht und eine maximale Kadergröße von 30 Spielern.)

11. Es werden keine Partnervereine akzeptiert, die nicht bei Übernahme des Traineramtes bereits vorhanden sind.
(FOLA Esch hat zB einen Partnerverein in Afrika, den würde ich behalten dürfen, wenn ich das FOLA-Traineramt übernehme)

12. Vereinshopping ist nicht erlaubt, mein Alter Ego bleibt mindestens 2 Jahre bei jedem Verein, Ausnahme ist natürlich Entlassung.

13. Andererseits werde ich unrealistisch lange Verweildauern bei einem Verein zu vermeiden versuchen. Das leg ich nicht genau auf eine bestimmte Anzahl Jahre fest, aber wenn ich zB mit einem luxemburgischen Verein eine CL-Gruppenphase überlebe, war ich schon zu lange dort ;).

14. Den ersten Wechsel aus Luxemburg auf einen Trainerstuhl ins Ausland gibt es erst nach Gewinn mindestens einer "echten" Trophäe (Aufstieg oder unterklassige Meisterschaft zählt nicht, Coupe FLF, Coupe de Luxembourg und Erstliga-Meisterschaft schon).

15. Bei einem Vereinswechsel dürfen weder Spieler noch Mitarbeiter "mitgenommen" werden.

16. Ich darf eine Verlängerung meines Vertrages nicht selbst vorschlagen, sondern muß auf den Vorstand warten.

17. Ich darf mich nicht proaktiv bei anderen Vereinen bewerben, sondern bin auf Angebote angewiesen.

 
Welche Dateien nutze ich, welche Ligen lade ich?

Ich lade alle im Originalspiel vorhandenen europäischen und südamerikanischen ersten Ligen, dazu Australien, Mexiko, USA, China und Südkorea.
(Alle anderen Nationen kann ich aus Performancegründen leider nicht laden bzw für diese habe ich aus eben jenen Performancegründen nichtmal ein Datenbankfile in den Editordaten.)

Dazu:

Luxemburg 1.-5. Liga
England 1.-7. Liga (ich nutze DanBHCs File, das bis zur 20. Liga alles abbildet, aus - ihr ahnt es: - Performancegründen lade ich davon allerdings nur die ersten 6)
Frankreich, Deutschland 1.-3. Liga
Italien, Spanien, Portugal, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz 1.-2. Liga

In Europa lade ich alle Erstligaspieler (plus Nationalspieler), bei allen anderen Kontinenten aus Performancegründen nur die Spieler international vertretener Vereine und die Nationalspieler.

Datenbankgröße ist "klein".

Dazu kommen diverse Fixes (korrekte Namen, bessere bzw realistischere Jugendspielerentwicklung und Transfers, Namensfixes etc), ein Soundfile für englischen Spielkommentar, ein Vorgänger des NEWGAN Managers (um zumindest meinen Regen-Spielern vernünftige Gesichter zu verpassen).

Das Spiel wird unter Verwendung eines Dummy-Managers bis 2034 durchsimuliert, danach erstelle ich einen neuen Manager und schicke den Dummy in Rente.

 

WICHTIGE ANMERKUNG

Für alle Kenner des luxemburgischen Fussballs: ich nutze ein modifiziertes Luxemburgfile, das ich leider nicht komplett an die realen Gegebenheiten anpassen konnte:
In meinem Luxemburg treten die Vereine der Eirepromotion (2. Liga), 1. und 2. Divisoun (3- und 4. Liga) im Coupe FLF an.
Das ist nicht ganz korrekt, ich habe es aber leider mit meinen begrenzten Moddingfähigkeiten nicht besser hinbekommen und war schon froh, wenigstens die Erstligisten rausgeworfen zu haben, ohne dass die Datenbank verbuggt (getestet bis 2060) oder crasht.

Ich werde aus Zeitgründen keine superdetaillierte Geschichte posten (können), lediglich der Anfang ist aus Atmosphäre-Gründen etwas breiter angelegt.

Es wird wahrscheinlich zunächst mal auf halbjährliche Posts hinauslaufen, das ist aber nicht für alle Zeiten fix.

So, das müßte erstmal alles sein, vielleicht fällt mir aber noch was ein, dann ergänze ich das hier.)

 


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aktivierte Ligen:

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Detailauswahl-Einstellungen:

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Regeln: hier hab ich im Lauf der letzten 2 Jahre ein bißchen verschlankt.

1. Nutzung von Editoren (pregame oder ingame) ist natürlich tabu.
2. Gleiches gilt für Neuladen.
3. Attribute masking ist an.
4. Nutzung des  Mustermann Iconic skin 1.2, dadurch werden u.a. statt numerischer Attributwerte nur grobe Orientierungen (5-er Schritte) in graphischer Form angezeigt.
4. Spieler- und Staffsuche nur bei professionellen Vereinen.
5. Nur selbsterstellte Taktiken, bekannte Engine-Exploits (zB Doppelsechs mit 2 Segundo Volantes, überoffensive Taktiken, Strafraum-Überfrachtung etc) werden selbstverständlich nicht genutzt.
6. Gegenpressing ist komplett tabu.
7. Formation wird, wenn möglich, aus der Vereinsphilosophie übernommen.
8. Mindestverweildauer pro Verein: 2 Saisons (einzige Ausnahme: Entlassung).
9. Keine Mitnahme von Spielern zum neuen Verein.
10. Mitnahme von Vereinsmitarbeitern nur im absoluten Ausnahmefall (wenn durch die bisherige Story nachvollziehbar).



( Hinweis: nach den Kapiteln 4 und 13 wurde aufgrund technischer Probleme ein neuer Save gestartet (und auch der FM gewechselt).
Die Story selbst ist jedoch fortlaufend.  8) )


Links zu den einzelnen Kapiteln:


Chapter 0: rotten to the core (Intro, 2033/34)

Chapter 1: hello from the gutter (Red Boys Aspelt, 2034 – 2036)

Chapter 2: feel the fire (CS FOLA Esch, 2036 – 2039)

Chapter 3: in union we stand (FC Winterthur, 2039 – 2043)

Chapter 4: deny the cross (BK Frem Kopenhagen, 2044 – 2045)

Chapter 5: wrecking crew (FC Schwarzach, 2019 – 2022)

Chapter 6: who tends the fire? (FC Excelsior Grevels, 2024 – 2026)

Chapter 7: shadow of a doubt (US Rumelange, 2027 – 2029)

Chapter 8: feel the fire yet again (CS FOLA Esch, 2029 – 2024)

Chapter 9: raise the dead (IFK Eskilstuna, 2035 – 2040)

Chapter 10: the long road (RFC Liege, 2040 – 2043)

Chapter 11: promises (FC Metz, 2043 – 2048)

Chapter 12: bare bones (Rocester F.C., 2049 – 2052)

Chapter 13: the years of decay (Sheffield Wednesday, 2052 – 2061)

Chapter 14: birth of tension (FC Locarno, 2023 – 2026)

Chapter 15: mean green killing machine (Bohemians Prag, 2026 - 2030)

Chapter 16: Thanx for nothin' (Rot-Weiss Essen, 2030 - 2036)

Chapter 17: Old School (Royal Antwerpen, 2036 - 2039 )

Chapter 18: the head and heart (Real Saragossa, 2039 - ? )



(click to show/hide)https://coffeehousefm.com/fmgrasshopperblog/2024/11/19/the-ultimate-target-forward-in-fm24-as-monaco-2007

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Noergelgnom:

29.09.2033, Frisingen, Luxemburg
 

Ich stehe ein wenig verloren in den "Redaktionsräumen" - die genaugenommen aus zwei kleinen Zimmern einer Altbauwohnung bestehen, in denen vier Schreibtische, ein Kopierer und ein Dutzend mannshohe Aktenschränke um den spärlichen Platz konkurrieren.

Seit gut fünf Minuten versuche ich möglichst wenig im Weg zu stehen und nicht allzu nervös auszusehen. Beides will mir nicht so recht gelingen.

25 Jahre alt, ein abgeschlossenes Studium der Medienwissenschaften in der Vita (na gut, nur Bachelor) ... und ansonsten hab ich, Gerard Lavayeux, bisher nichts vorzuweisen, was mir auf dem Weg zu meiner (hoffentlich!) ersten Station in meiner Journalistenlaufbahn weiterhelfen würde.

Ich bin sowieso nur hier, weil alle anderen Luxemburger Zeitungen mehr oder minder unverhohlen gelangweilt abgewunken haben, als ich mich beworben habe.
Zu alt für ein Volontariat, zu unerfahren für eine volle Stelle und zu unscheinbar als Maskottchen. Klar, ausdrücklich gesagt hat mir das so niemand, aber manche waren beim Durch-die-Blume-Mitteilen doch recht deutlich.

Als letzter Stohhalm vor einer Umschulung zum Kassierer oder Straßenfeger bleibt mir jetzt also noch das hier - der "Frisinger Landbote", die wohl unbedeutendste Tageszeitung Luxemburgs. Soweit ich das im Laufe meines bisherigen Lebens mitbekommen habe, ist der "Landbote" eher der private Spleen des vermögenden Herausgebers Alois Kümmernich als eine wirklich ernstzunehmende Zeitung - aber zumindest hier in Frisingen, am äußersten südlichen Rand Luxemburgs, wird er wohl ganz gern gelesen.

Nicht zuletzt deswegen, weil gut drei Viertel der täglich erscheinenden 6 Schwarz-Weiß-Seiten mit Lokalklatsch ... Pardon, mit lokalen Nachrichten, mit Kleinanzeigen und Partnergesuchen gefüllt werden. Auf der letzten Seite "Vermischtes", also dort, wo in anderen, geringfügig seriöseren Publikationen der Lokalquatsch und die Anzeigen der Heiratsschwindler zu finden sind, genau dort findet der geneigte Leser oder die geneigte Leserin alles andere, was in Frisingen so passiert: Lokalpolitik, Lokalkultur und natürlich auch den Lokalsport.

Nicht, dass es von letzterem viel zu berichten gäbe. Frisingen hat eine chronisch erfolglose Fussballmannschaft - den FC Red Boys aus dem östlichen Stadtteil Aspelt - und ansonsten einen Dackelzüchter-, Taubenzüchter- und Kegelverein.

Jippieh.

Krampfhaft halte ich den Griff der abgewetzten Ledertasche fest, die ich mir letzte Woche gekauft habe. Viel zu teuer eigentlich, das Ding, aber ich hab mir vom Verkäufer erfolgreich einreden lassen, dass ich damit "sehr seriös und vertrauenerweckend" aussehe.

Hm.
Also wenn das stimmt, fällt es den drei Gestalten hier beim "Landboten" zumindest bisher nicht auf.
Ich habe mich vorgestellt, meinen Termin bei Herrn Kümmernich zur Sprache gebracht, wurde um "einen Moment Geduld" gebeten, der Herr Herausgeber wäre sofort für mich da ... und das wars bisher an Aufmerksamkeit, im Großen und Ganzen.

Ich stehe nun schon seit einer Viertelstunde erfolgreich im Weg herum. So ganz langsam keimt in mir der Gedanke, dass ich vielleicht einfach wieder gehen und doch mein Glück bei der Staraßenreinigung versuchen sollte - doch da lächelt mir Fortuna tatsächlich mal zu und die Tür gegenüber geht auf. Ein fülliger, gut wenn auch altmodisch gekleideter und das zufriedene Grinsen eines erfolgreichen Menschen zur Schau tragender Mann um die 50 erscheint im Türrahmen.

Was heißt "erscheint" - er füllt ihn aus ... und zwar ziemlich vollständig.

Seine Augen irren einen Sekundenbruchteil suchend im Raum umher, dann erblickt er mich und winkt mich mit einer knappen Geste in sein Büro. Ich folge seinem Wink und finde mich einen Augenblick später in einem Raum wieder, der - obwohl auch nicht allzugroß - regelrecht erhaben wirkt.
Holzgetäfelte Wände, Regale voller goldener und silberner Pokale aller Couleur, ein Mahagonischreibtisch (!), ein silberner Füllfederhalter samt ebensolchem Tintenfaß, eine edle Weinkaraffe samt Glas, eine angerauchte edle Zigarre ... dieser Raum schreit geradezu das Geltungsbedürfnis seines Besitzers heraus.

Kümmernich winkt mir, auf dem Besucherstuhl Platz zu nehmen, was ich folgsam tue.
Er mustert mich einen Augenblick, verzieht sein Gesicht dann zu einem professionellen Lächeln und sagt:

"Willkommen, Herr .. äh ...," er blickt kurz auf seine Unterlagen, "... Lavayeux? Ein interessanter Name."
"Ja", nicke ich, "der kommt von meiner Großmutter mütterlicherseits, die aus der Schweiz hierh..."
"Jaja, sehr interessant", unterbricht mich mein leibesgewichtiger Gesprächspartner. "Warum sind Sie hier? Warum haben Sie sich beim 'Landboten' beworben?"
"Nun, sehen Sie," beginne ich, "ich habe im Sommer mein Studium im Medienbereich abgeschlos..."
"Seh ich, seh ich," unterbricht mich Kümmernich erneut. "Medienwissenschaften und Journalismus sind aber nun nicht unbedingt dasselbe, nicht wahr?"
Ich schaffe es, hastig zu nicken, bevor er fortfährt. "Daher kann ich Ihnen - Sie werden das zweifellos verstehen - keine Vollzeitstelle als Redakteur anbieten. Aber Sie können sich eine verdienen."

Meinen verwirrten Gesichtsausdruck nimmt er offensichtlich trotz seines halsbrecherischen Gesprächstempos wahr, denn er fährt fort: "Sie haben nämlich unverschämtes Glück, in unserer Redaktion ist gerade eine Stelle frei geworden. Mein Angebot ist daher folgendes: Sie fangen hier als 'Redakteur in Ausbildung' an und erhalten ein Gehalt von 1000 Euro. Zusätzlich stelle ich Ihnen ein Zimmer in meinem Hotel "Frisinger Dorfgasthof" zur Verfügung. Nach zwei Jahren setzen wir uns erneut zusammen und ich befördere Sie entweder - mit entsprechender Gehaltsanpassung - zum Vollzeit-Redakteur oder wir kommen überein, dass Sie Ihre Karriere woanders fortsetzen."
Er hält mir die fleischige Rechte hin. "Deal?"

Ich schlage völlig überrascht ein und unterzeichne einige Augenblicke später meinen Arbeitsvertrag.

Das Gespräch dauert danach nichteinmal mehr zwei Minuten. Wir vereinbaren, dass ich am nächsten Morgen um sechs wieder in der Redaktion erscheine und meinen Dienst antrete, danach komplimentiert mich Kümmernich aus seinem Büro.

Zwei weitere Minuten später stehe ich wie betäubt wieder draußen vor dem Gebäude.

Erst am späten Abend - ich bin längst in meinem winzigen Zimmer im Gasthof und liege auf meinem knarzenden Bett - kommt mir der Gedanke, dass ich möglicherweise über den beeindruckenden Mahagonitisch gezogen wurde. Und zwar mit Karacho.


30.09.2033, Frisingen, Luxemburg
 
Am nächsten Morgen stehe ich pünktlich vor der Tür zur Redaktion.

Ich bin bereits seit vier Uhr wach und habe bei zwei Automatenkaffee - etwas anderes gibts um diese Uhrzeit im Gasthof noch nicht - hin und her überlegt, ob ich um Vertragsauflösung bitten soll oder nicht.
Einerseits ist der Arbeitsvertrag eine ziemliche Frechheit, aber andererseits ... meine akzeptablen Alternativen "rar gesät" zu nennen, wäre grundloser Optimismus.
Realistisch betrachtet habe ich nur zwei Optionen.

Erstens - ich beiße mich hier zwei Jahre lang durch und kralle mir den Redakteursjob. Dann noch ein, zwei Jahre mehr und ich habe durch die dann vorhandene Praxiserfahrung mit Sicherheit deutlich bessere Chancen auf einen Posten bei einer anderen (größeren, seriöseren...) Tageszeitung.
Zweitens - ich löse den Vertrag auf und vergesse meine Journalistenkarriere.

Nachdem ich ein wenig über diese Optionen nachgedacht habe, ist mir klar, dass Letzteres überhaupt nicht infrage kommt.
Und deswegen klingele ich um fünf vor sechs an der Tür und beginne meinen ersten Arbeitstag als "Red. i.A.".
Kümmernich ist erstaunlicherweise auch schon da - das hatte ich nicht erwartet, um ehrlich zu sein. Er winkt mich sofort wieder in sein Büro und kommt ohne Umschweife zur Sache.

"So, Lavayeux, heute ist der Tag der Entscheidung!"

Ich muß wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschielt haben, denn er bricht nach einem Blick auf mein Gesicht in schallendes Gelächter aus.

"Keine Bange - Sie sollen sich nur entscheiden, in welchem unserer vier Kernbereiche Sie zunächst arbeiten möchten. Zur Wahl stehen Lokalnachrichten, Kleinanzeigenbetreuung, Kultur und Sport. Was sagt Ihnen am meisten zu?"
Ohne lange überlegen zu müssen, platze ich heraus: "Kultur, ohne Zweifel. Ich bin ein großer Musikliebhaber und..."
Der Herausgeber nickt, während er mir über den Mund fährt. "Sehr gut, da werden Sie hier voll auf Ihre Kosten kommen. Wir haben zwei mal im Jahr den Blaskapellenumzug, außerdem das Volksmusiktreffen Ende November und die ..."

Jetzt ist es an mir, ihn zu unterbrechen. "Oh bitte nicht. Ich meinte eigentlich eher Rockmusik - Maiden, Sabbath, Overkill, Metal Church, Death und so weiter. Ich dachte, ich könnte vielleicht vom Wacken berichten oder ..."
Kümmernich fällt buchstäblich der Unterkiefer herunter. "Maiden? IRON MAIDEN?! Mann, Lavayeux, wir sind eine seriöse, kultivierte Tageszeitung und nicht das "Frisinger Satanistenblättchen!"

Seine Stimme ist so laut geworden, dass man ihn bestimmt auf der Straße hört, sein Gesicht ist puterrot und die Zornesader auf seiner Stirn pulsiert so stark, dass ich mich unwillkürlich etwas ducke.
Ich beschließe, ihn besser nicht darauf hinzuweisen, dass Maiden mit Satanismus ungefähr soviel zu tun haben wie der Papst mit Kondomen und warte bis er sich beruhigt hat.

Dann räuspere ich mich und frage leise: ".... vielleicht lieber Sport?"

Der Chef atmet noch drei- viermal heftig durch und nickt dann.

"Sport, in Ordnung. Sie werden also ab sofort von den Spielen der Red Boys berichten. Seien Sie dabei bitte stets kritisch und - wenn es sich einrichten läßt - bauen Sie gern auch mal eine ironische Spitze mit ein. Der Präsident des Clubs braucht das, damit er nicht abhebt."

Seine Mundwinkel zucken kurz, als er mir das mitteilt, ich schiebe es aber auf die Nachwirkungen seines Zornesausbruchs eben und denke mir nichts weiter dabei.

~ ~ ~

Den Rest des Tages verbringe ich damit, mich über den FC Red Boys Aspelt schlau zu machen, ich weiß nämlich herzlich wenig über diesen Club.
Das ist jetzt nicht so verwunderlich und ich bin damit garantiert auch nicht allein, denn die Red Boys sind in den letzten 80 Jahren in Luxemburg nicht mehr groß in Erscheinung getreten.

Dabei gibt es sie jetzt schon über 100 Jahre lang, wie ich erstaunt feststelle.
Gegründet am 10. Mai 1927, waren sie ab der Saison 1931/32 Teil des Ligabetriebs, allerdings mit Ausnahme einer einzigen Saison - nämlich 1955/56 - nie höherklassig als in der dritten Liga und auch diese dritte Liga sah sie insgesamt nur 12 Saisons lang als Mitglied. Die restlichen circa 90 Jahre seiner Existenz verbrachte der Verein zwischen vierter und fünfter Liga pendelnd. Von 1969 bis 1971 - also zwei beschämende Jahre lang - waren die Ostfrisinger sogar sechstklassig.

In den beiden Pokalwettbewerben lief es etwas besser.
Im Coupe de Luxembourg, dem größeren der beiden Pokalwettbewerbe erreichte man immerhin insgesamt fünfmal die 4. Runde (was für einen derart niederklassigen Verein eine beachtliche Leistung ist).

Im Coupe FLF, in dem heutzutage nur noch Vereine aus den unteren Ligen antreten, gehörte die Mannschaft zwischen 1947 und 1955 sogar zu den Stammgästen in den Halbfinals und Endspielen. 1948/49 (3:0 gegen Avenir Beggen) und 1950/51 (1:0 gegen AS Schifflingen) gewannen die rotschwarz gekleideten Red Boys den Wettbewerb sogar.

Seitdem jedoch sind die Ostfrisinger sowohl in der Liga als auch in den Pokalwettbewerben erschreckend erfolglos - so erfolglos, dass man in Luxemburg selbst unter eingefleischten Fussballfans mitunter verständnislose Blicke erntet, wenn man den Namen "FC Red Boys Aspelt" ins Spiel bringt.

Aktuell spielt der Verein mal wieder in der 2. Division, also der vierten Liga.
Die Buchmacher (also alle drei, die ihr Geld mit Wetten auf luxemburgischen Fussball verdienen) sehen den Club als einen Anwärter auf die Viertligameisterschaft und mithin den Aufstieg.
Und gerade die Verpflichtung des international renommierten deutschen Trainers Klaus Müller-Lüdenscheidt befeuert diese Erwartungen, hat dieser doch in seinen gut 30 Jahren Trainerkarriere sagenhafte elf (!) Aufstiege zu verzeichnen und gilt nicht nur deswegen unter den sprichwörtlichen Experten als Trainerfuchs.
Den Start in die Ligasaison haben die Red Boys dessen ungeachtet aber mächtig vermasselt. Nach 8 (von 26) Spieltagen liegen die Jungs auf dem letzten der 14 Plätze, mit gerade einmal 4 Punkten.
In jedem anderem Verein wäre der Trainer längst angezählt, aber Müller-Lüdenscheidt steht nach Aussage des Vereinspräsidenten Karl Kümmernich (Na schau mal einer an! Ob der wohl mit meinem Chef verwandt ist?) "nicht zur Disposition".
Gerüchten zufolge hat das auch damit zu tun, dass die Verpflichtung des Wundertrainers eine hübsche Stange Ged gekostet hat und die vorzeitige Demission ähnlich "kostengünstig" wäre.

Morgen ist Heimspiel, dann schau ich mir den "Trainerfuchs" mal genauer an.

Guddy-Ortega:

Toller Anfang, sehr gut geschrieben. Die Geschichte aus der Sicht des Journalisten zu beginnen (aus dem später vielleicht mehr wird), finde ich eine gute Idee.

Bayernfahne:

Da kann ich mich Guddy-Ortega nur anschließen! Toller Einstieg und Stationen aus kleineren, eher unbekannten Ligen finde ich sowieso immer sehr interessant! Ich hätte zum Beispiel gar nicht gedacht, dass es in Luxemburg bis zur 6. Liga runtergeht.  :o
Ich bin gespannt, wie dein Journalist am Ende ins Traineramt findet  ;)

Noergelgnom:

(click to show/hide)@Guddy-Ortega: Dankeschön! Freut mich, wenn die Idee gefällt. Aber gewöhn Dich vielleicht nicht allzusehr an die Journalisten-Sichtweise...  :angel:

@Bayernfahne: Danke auch Dir! Luxemburg hat es mir irgendwie angetan, ich find die Liga auch wegen der ständig klammen Finanzen wirklich eine großartige Herausforderung. Die 6. Liga ist übrigens abgeschafft - im Laufe der Story bau ich bestimmt noch ein paar Infos zum Ligensystem ein. Ist ja nun wirklich nicht sooo bekannt.  ;)


17.05.2034, Frisingen, Luxemburg

Er versteht es einfach nicht.
Es ist so offensichtlich, was im Spiel der Red Boys nicht stimmt - und Müller-Lüdenscheidt läßt wieder und wieder und wieder dieselbe Taktik spielen.
Hochstehende Dreierkette mit zwei ultraoffensiv ausgerichteten Wingbacks, die die gesamten Flügel beackern sollen. Nur dass nicht ein einziger Spieler im Kader über die nötige Ausdauer, Schnelligkeit oder Dribbelfähigkeit verfügt, um diese Rolle auszufüllen.
Zweiermittelfeld, einer davon ebenfalls extrem offensiv und eigentlich permanent am oder im gegnerischen Strafraum zu finden, wodurch sein ZM-Partner in schöner Regelmäßigkeit allein gegen zwei, drei oder gar vier Gegner steht und logischerweise komplett überrannt wird.
Und vorne?
Zwei inverse Flügelstürmer und ein Knipser.
Nur dass alle drei viel zu langsam und zu unbeweglich sind, um irgendeinen Stich gegen die Abwehr irgendeines anderen Viertligisten zu sehen.

Was Müller-Lüdenscheidt - und das ist mir absolut unbegreiflich - nicht sieht oder nicht sehen will, ist die Tatsache, dass der gesamte Kader durch diese Taktik geschwächt wird, weil auf nahezu keiner Position ein Spieler steht, der dort seine Stärken hätte.

Und ganz ehrlich, das ist einfach unfaßbar. Alles, was ich über Fussball weiß, hat mir Onkel Gernot beigebracht - vor etlichen Jahren, als wir hin und wieder zu FOLA-Heimspielen nach Esch gefahren sind. Ein paar Sachen weiß ich auch von Google.
Aber das wars.
Und dieser "Startrainer" verdient sich hier eine goldene Nase und weiß offensichtlich weniger als ich über die Grundlagen des Sports!

Seit vergangenem Oktober besuche ich wie angeordnet jedes einzelne Spiel der Red Boys - und ganz ehrlich: es ist niederschmetternd.
Man sieht den Spielern an, dass sie hochgradig frustriert sind - und man sieht dem Trainer an, dass er nicht den geringsten Schimmer von dem hat, was sich auf dem Platz vor seinen Augen eigentlich abspielt.
Er tobt und flucht, er schreit und befiehlt ... allein die Fehler in seiner Taktik stellt er nicht ab.

Und so verliert sein Team ein Spiel nach dem anderen, zwischendurch gibts auch mal ein Mehr-Glück-Als-Verstand-Unentschieden.
Nach jedem Spiel dann das gleiche, ebenso niederschmetternde Ritual:

Ich interviewe den Trainer (mit den Spielern darf ich nicht mehr sprechen, seit ich mich nach dem 0:6 gegen Munsbach am 12. Spieltag zu einigen ketzerischen Fragen an den Mannschaftskapitän habe hinreißen lassen beispielsweise, wie lange sie sich diese Frechheit von einer Taktik noch bieten lassen wollen, selbst ein komplett Sachverstandbefreiter sähe doch, dass Mannschaft und Taktik nicht zusammenpassen), der Trainer bescheinigt mir, keine Ahnung von Fussball zu haben, was ich teilweise bejahen muß - Interview beendet.

Danach schreibe ich einen geharnischten Artikel im "Landboten", von dem in schöner Regelmäßigkeit nur die ersten drei Zeilen abgedruckt werden.
Als ich mich darauf einstelle und die heftigste Kritik direkt an den Anfang des Artikels stelle, werden nur noch die letzten drei Zeilen veröffentlicht.
Meine Nachfrage an Herrn Kümmernich nach einigen Wochen dieses seltsamen Katz-und-Maus-Spiels ergibt, dass er seinen Bruder (jaja, der Präsident der Red Boys ist tatsächlich mit dem Herausgeber des Lokalblatt verwandt) zwar gerne ärgert, aber bloßstellen lassen wird er ihn nicht. Ich solle mir gefälligst einen diplomatischeren Ton angewöhnen.

Ich gewöhne mir daraufhin zwar in den Artikeln einen diplomatischeren Ton an, lasse die geharnischte Kritik jedoch nunmehr direkt gegenüber Müller-Lüdenscheidt raus.
Es dauert keine zwei Monate und der Red-Boys-Trainer und ich sind einander in unverbrüchlicher Verachtung verbunden.
Wir sind bei diesen "Interview" genannten Übungen im Sich-gegenseitig-direkt-an-der-Grenze-des-gerade-noch-Erlaubten-Beleidigens eigentlich stets zu zweit, weil es beim FC Red Boys Aspelt nur zweimal im Jahr eine echte Pressekonferenz im Vereinsheim gibt - zum Saisonauftakt und nach dem letzten Saisonspiel.
Ich habe beide noch nicht erlebt, aber wenn dort genauso viele Journalisten auftauchen wie zu den Spielen, wird das eine seeeehr intime Angelegenheit.
Bis auf mich hat sich in der gesamten Saison nicht ein einziger Pressefritze zu einem Spiel der Red Boys verirrt.
(Und wenn ich die Wahl hätte, würde die Anzahl anwesender Journalisten sofort auf Null sinken - aber ich hab ja keine Wahl...)

Während der Trainer und der Reporter-Azubi sich gegenseitig die Laune verhageln, schreitet die Saison voran.
Die Red Boys haben das Glück, dass die Teams aus Ehlerange und Schouweiler genauso unterirdisch spielen, andernfalls wäre der Abstieg vielleicht schon im Frühjahr nicht mehr zu verhindern gewesen.
So jedoch kommt es am 26. Spieltag in Aspelt zu einem echten Abstiegsgipfel.
Red Boys Aspelt (mit 7 Punkten auf Platz 14) gegen FC Ehlerange (mit 8 Punkten auf Platz 13).
Schouweiler (vor dem Spiel mit 9 Punkten 12. und damit geradeso oberhalb der beiden Abspiegsplätze) muß zur seit 8 Spielen unbesiegten Jeunesse aus Canach, die ihrerseits dringend drei Punkte benötigen, um den Aufstieg doch noch zu packen.

Die Rechnung ist super einfach: gewinnen die Red Boys und verliert Schouweiler (wovon auszugehen ist), ist Müller-Lüdenscheidt trotz verheerender Taktik das Kunststück gelungen, nicht abzusteigen.
Holen die Red Boys aber nicht drei Punkte, geht es runter in die 3. Divisoun, die unterste Spielklasse Luxemburgs.
Die Zuschauerkulisse ist in absoluten Zahlen betrachtet mies: gerade einmal 170 Zuschauer verfolgen den Abstiegskrimi.
Wenn man allerdings weiß, dass Aspelt gerade einmal 1600 Einwohner hat ....
... mangelnde Unterstützung kan man den Bürgern des Frisinger Vorortes also nicht vorwerfen.
Mangelnde Einsatzbereitschaft des Teams ist auch Fehlanzeige.
Einziges Problem: Müller-Lüdenscheidt läßt zum 26. Mal in dieser Saison das 5 2 3 spielen, für das er (a) die Spieler nicht hat und das (b) jeder gegnerische Trainer inzwischen zu kontern weiß.

Als die 90 Minuten vorbei sind, steht auf der Anzeigetafel folgerichtig ein 0:4.
Da Schouweiler erwartungsgemäß in Canach verloren hat, jubeln also die Gäste aus Ehlerange über den kaum noch erwarteten Nichtabstieg.

Ich hole fassungslos kurz Luft und stapfe dann zum Vereinsheim, um die Pressekonferenz zu besuchen, während die Zuschauer die Mannschaft mit einem lauten Pfeifkonzert in die fünfte Liga verabschieden.

Als ich das Vereinsheim betrete, stutze ich kurz - statt der erwarteten drei Hanseln (Präsident Kümmernich, Trainer Müller-Lüdenscheidt und Wirt Eppo, der wie gewohnt hinter dem Tresen Gläser poliert) sitzen fast ein Dutzend Menschen hier!
Ich setze mich in die erste Reihe, etwas an den Rand und schaue mich interessiert um.
(Mir) bekannte Journalisten sind zwar nicht darunter, aber es scheint, als ob heute tatsächlich mehr als ein Journalist answesend wäre.

Der Präsident räuspert sich und hebt dann die Stimme:

"Meine Damen und Herren, willkommen zu unserer Saisonabschlusspressekonferenz an diesem traurigen Tag.
Gibt es Fragen Ihrerseits?"
Ich hebe die Hand und sehe Müller-Lüdenscheidt die Augen verdrehen, noch bevor mir der Präsident das Wort erteilt hat.

"Herr Kümmernich, wie wird es mit dem Mann weitergehen, der diese ungeheuerliche Bauchlandung zu verantworten hat? Wird Herr Müller-Lüdenscheidt jetzt - nach dem demütigenden Abstieg - endlich freigestellt?"

Der Trainer bekommt binnen Sekundenbruchteilen erst eine sehr ungesunde und dann eine sehr gesunde Gesichtsfarbe - sprich: er wechselt von aschfahl zu hochrot.
Der Präsident beginnt zu sprechen: "Wir werden die unbefriedigenden Ergebnisse dieser Saison in Ruhe, aber mit dem nötigen Ernst analysieren und dann zu einer Entscheidung kommen. Bis dahin möchte ich zu diesem The ..."
Weiter kommt er nicht, denn sein Trainer brüllt mir entgegen: "Du lächerlicher Hanswurst, kannst Du endlich mal aufhören, mir mit Deinem ewigen Genörgel auf den Geist zu gehen?! Du hast nicht den Schimmer einer Ahnung von Fussball, aber schön große Töne am Spielfeldrand spucken, ja?! Wer gibt Dir eigentlich das Recht dazu?!"

Geraune und Getuschel um mich herum, die anwesenden Journalisten beginnen hastig in ihre Notizblöcke zu kritzeln.
Jetzt spüre ICH die Zornesröte auf meiner Haut - was bildet der sich eigentlich ein? Keinen blassen Dunst vom Team oder von den absoluten Basics der Taktik, aber hier den Dicken markieren. Selbst ein Regenwurm wäre als Trainer besser geeignet als dieser ... dieser ...

Es wird schlagartig still um mich herum, die beiden Männer auf dem Podium starren mich mit aufgerissenen Augen an.
Und mir wird klar, dass ich die letzten beiden Sätze nicht geDACHT habe...

Müller-Lüdenscheidt springt auf, stößt dabei seinen Stuhl um, läßt die Faust auf den Tisch vor ihm niederkrachen und brüllt nun regelrecht mit sich beinahe überschlagender Stimme:
"Na wenn das so ist, Herr Gernegroß - dann beweisen Sie doch einfach, dass Sie mit diesem Haufen beinverknoteter Versager bessere Ergebnisse liefern können als ich! Trainieren Sie doch diesen Sauhaufen, Sie . . .Sie . . . Möchtegern-Trainer!" Er schnauft wie ein Eber, der Anlauf nimmt. "Ich hab sooo die Schnauze voll von diesem Kleinstadtzirkus! Jeder weiß es besser als ich! Lächerlich! Das ist komplett unter meiner Würde! Ich trete zurück!"
Er stürmt hinaus und läßt wohl nicht nur mich sprachlos zurück.

Einige Augenblicke ist es still im Raum, dann rufen mehrere Journalisten durcheinander - einige versuchen offenbar, mir Fragen zu stellen, andere rufen in Richtung des völlig konsterniert auf seinem Stuhl sitzenden Präsidenten.

An den Rest des Abends kann ich mich am nächsten Morgen gar nicht so recht erinnern - aber die Schlagzeilen nahezu jeder Tageszeitung Luxemburgs rufen mir die Ereignisse überdeutlich in Erinnerung.






Ich brauche nach dem kurzen Überfliegen der verschiedenen Zeitungsausschnitte, die irgendwer fein säuberlich auf meinem Tisch ausgebreitet hat, erstmal einen Kaffee und einen Stuhl.
Es dauert allerdings nicht lange, da höre ich hinter mir die inzwischen wohlvertrauten schweren Schritte, mit denen unser Herausgeber seine geschätzt 110kg Lebendgewicht durch die "Heiligen Hallen" (wie er unseren Redaktionsverschlag mitunter nennt) wuchtet.
Ich ducke mich innerlich, ein riesiges Donnerwetter erwartend. Schließlich hab ich nicht nur meinen Mund ungeheuer weit aufgerissen und den Trainer von Aspelt vergrault, sondern im gleichen Atemzug auch noch seinen Bruder vor den Kopf gestoßen und bloßgestellt.
'Schöne Scheiße', denke ich. 'Das kann ja was werden...'

"Na, moin, Lavayeux! Sie haben ja einen ganz schönen Aufruhr verursacht!"
Nanu, der Chef klingt überhaupt nicht wütend, eher ... belustigt?!

"Aber Chuzpe haben Sie, muss Ihnen der Neid lassen. Sie werden selbstverständlich für die Trainingsnachmittage und die Spieltage freigestellt - vorausgesetzt, dass Sie außerhalb dieser Zeiten weiterhin für den "Landboten" arbeiten und den nötigen Trainerschein C selbst finanzieren."

Bitte was?! Ich glaub, ich hab mich verhört!

"Wie ... was... häh?", stottere ich wenig elegant. "Aber ... aber ... aber, ich wollte doch nicht ...  kann doch nicht ... will nicht ..."
"Papperlapapp, Klappe jetzt! Kneifen gilt nicht! Karl gibt um 14:00 eine Pressekonferenz und stellt Sie als neuen Trainer vor. Wir haben heute nacht länger über diese Schnapsidee gesprochen, die Sie da in den Raum geworfen haben - und wir finden Sie beide sehr charmant. Nicht nur, dass Aspelt durch diesen mutigen Schachzug auf einen Schlag landesweit bekannt wird - nein, auch der "Landbote", die Zeitung, der Sie Ihre fundierten sportlichen Kenntnisse verdanken, wird in aller Munde sein. Ich gratuliere Ihnen schon mal zum neuen Zweitjob."

Drei Stunden und eine erstanlich gut besuchte Pressekonferenz im Aspelter Vereinsheim später bin ich - ohne überhaupt zu wissen, wie mir geschieht - Trainer eines Fünftligisten.
Dass diesem Fünftligisten als Reaktion auf meine Vorstellung die Hälfte der Mannschaft abhandenkommt- inklusive Kapitän Lorenz, der uns einen Vogel zeigt und beim Gehen bescheinigt, dass wir "nunmehr offenbar endgültig übergeschnappt sind", macht das Ganze noch ein bißchen surrealer für mich.

Trainer. Ich.
Hoffentlich ist es bald fünf Uhr, wird echt Zeit, dass der Wecker klingelt und ich aus diesem Alptraum aufwache.

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