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| [FM 20 bis 24] Lavayeuxs Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers |
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| Noergelgnom:
25.05.2034, Frisingen, Luxemburg Wie sich heraustellt, ist das Ganze wohl doch kein Traum, in dem ich feststecke. Hmph! Ich und meine große Klappe.. ...naja, da muß ich jetzt wohl durch. Ich murmele immer mal wieder "Der Cheftrainer Gerard Lavayeux" vor mich hin, aber bisher will sich keine Gewöhnung einstellen, das klingt einfach nach wie vor zu schräg, um wahr zu sein. Viel Zeit zum Dran-Gewöhnen, Trübsal-Blasen oder Grummeln bleibt mir allerdings nicht: In den nächsten Tagen habe ich mehr Meetings, Aussprachen, Brainstormings und Unter-Vier-Augen-Gespräche als während meines gesamten Studiums. Oh und Pressetermine natürlich. Die Kümmernich-Brüder haben die Situation offenbar genau richtig eingeschätzt: die chaotische Pressekonferenz in Verbindung mit dem überraschenden Rücktritt Müller-Lüdenscheidts und meiner ebenso überraschenden Ernennung zum Cheftrainer haben für vergleichsweise riesigen Wirbel im luxemburgischen Sportblätterwald gesorgt (und damit eine Menge kostenfreier Publicity für den Verein). Also gut, "riesiger Wirbel" heißt im Großherzogtum natürlich was anderes als in England oder Spanien mit ihren Dutzenden Zeitschriften. Immerhin eine ungeplante Pressekonferenz müssen wir dennoch anberaumen, weil es sowohl für den Präsidenten als auch für mich circa ein halbes Dutzend Interviewanfragen gibt, die jeweils einzeln zu beantworten unsere vorhandene Zeit sprengen würde. Die beim "Sammeltermin" dann gestellten Fragen sind keine große Überraschung für uns, wir beantworten sie entsprechend einer vorher abgesprochenen Strategie, in der Hoffnung, die Wogen schnellstmöglich glätten und zur Tagesordnung übergehen zu können: 1. Ja, meine Verpflichtung als Trainer des FC Red Boys Aspelt war kein verspäteter Aprilscherz, sondern ernst gemeint. 2. Nein, wir haben kein Bedürfnis, noch viele Worte über den Skandal auf der vorherigen PK zu verlieren. (Ich betone allerdings, dass mir "mein unprofessionelles Verhalten gegenüber meinem Vorgänger sehr leid tut und ich ihm nur das Beste wünsche". Die anwesenden Reporter notieren das pflichtschuldigst, wirken jedoch nicht sonderlich überzeugt. Wer will es ihnen verdenken?) 3. Ja, da der Verein Amateurstatus besitzt und demzufolge jeder Spieler jederzeit den Verein verlassen kann, haben wir eine signifikante Kaderverkleinerung hinnehmen müssen. Insgesamt stehen uns im Moment elf Spieler für die erste Mannschaft zur Verfügung. Achtzehn Spieler (plus fünfzehn aus den U-Mannschaften) haben beschlossen, sich anderen Vereinen anzuschließen. Zur Kompensation dieses heftigen Aderlasses könnten wir aus der U21 und U19 theoretisch weitere sieben Spieler hochziehen. Inwieweit wir das tun, wissen wir aber erst nach der ersten Standortbestimmung, die am 20.06., also beim Saisonstart, erfolgen wird. 4. Über mögliche Saisonziele in der 3. Division Serie 2, in die wir abgestiegen sind, werden wir uns erst verständigen, wenn wir wissen, wie der Kader für die kommende Saison in etwa aussehen könnte. 5. Ja, ich besitze im Moment keinerlei Trainerlizenzen. In der untersten Luxemburger Liga gibt es allerdings die Option, dennoch ein Team zu trainieren, vorausgesetzt, der entsprechende Übungsleiter nimmt parallel an einem Trainerlehrgang teil und erwirbt zumindest die nationale Trainerlizenz C bis zur Winterpause. Selbstredend habe ich bereits mit einem solchen Lehrgang begonnen. Ich rechne damit, bis zum Spätherbst im Besitz der Lizenz zu sein. Nein, der Verein finanziert mir diesen nicht, ich habe meine eigenen Ersparnisse dafür genutzt. 6. Nein, ich war nicht betrunken, als ich zugesagt habe, dieses Amt zu übernehmen. Und nein, ich bin auch nicht größenwahnsinnig, ich halte das für eine sehr gute Gelegenheit, mich als Mensch weiterzuentwickeln. Ob der Trainerberuf mittel- oder gar langfristig etwas für mich ist, kann und will ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht entscheiden. Ich möchte nur eins: dem Verein helfen, der auch dank meines Zornesausbruchs auf der Pressekonferenz in unerwartete Schwierigkeiten geraten ist. Ich fühle mich dazu verpflichtet, das bestmöglich zu tun. (Klar ist das dick aufgetragen und drückt auch ein bißchen heftig auf die Emo-Drüse - aber hey! Wenns wirkt, who cares?) 7. Ja, ich werde auch weiterhin Reporter für den "Frisinger Landboten" bleiben, allerdings werde ich selbstredend nicht über Vereinsinterna berichten und mich auch mit Spielberichten zurückhalten. Stattdessen sind der Herausgeber Herr Alois Kümmernich und ich bereits in Gesprächen darüber, wie meine zukünftigen Aufgaben beim "Landboten" aussehen könnten. 8. Und zum Schluß noch: nein, über die Taktik, die die Red Boys in der vor uns liegenden Saison spielen werden, kann ich keinerlei Auskunft geben. Nur eins steht fest: 5 2 3 wird es nicht sein. Alle weiteren Fragen werden wir gern auf der offiziellen Siasoneröffnungs-PK beantworten, die für den 20.06.2034, 12:00 anberaumt wird. ~ ~ ~ Nachdem das "Offizielle" damit erstmal erledigt ist, wenden wir uns natürlich sofort der Kader- und Staffplanung zu. ("Wir", das sind aktuell lediglich der Vereinspräsident, der Datenanalyst Manuel Musliu und der U-19-Trainer Leo Kirsch. Alle anderen Angestellten sind mit Ende der Saison gegangen. Da hier jeder ehrenamtlich arbeitet, gibt es keine Zeitverträge und wir hatten keine Chance, irgendwen zu halten.) Und hier erwartet mich die erste dicke Enttäuschung meiner noch nicht einmal wirklich gestarteten Trainerkarriere. Es gibt exakt NULL Spieler, Trainer oder Scouts, die beim FC Red Boys arbeiten wollen! Egal, wo und wen wir anfragen - die positivste Reaktion ist ein höflich-distanziertes "Nein, danke." Der eine oder andere lacht uns aber auch offen ins Gesicht und fragt uns, ob wir ihn wirklich für so doof halten, dass er sich freiwillig dem lächerlichsten Club Luxemburgs anschließen werde? Wir sind nach zwei Wochen vergeblicher Suche so verzweifelt, dass wir selbst im Arbeitsamt nachfragen, aber auch da findet sich niemand. Kümmernich und ich beschließen, aus der Not eine Tugend zu machen und befördern Musliu und Kirsch. Ersterer wird mein Co, Letzterer der neue Chefscout. Außerdem ziehen wir alle Jungs aus den Jugendmannschaften in die Erste hoch, womit wir zumindest über die vorgeschriebene Mindestanzahl Spieler im Kader verfügen. (In allen Luxemburger Ligen gilt eine Mindestanzahl von 15 Spielern, davon 2 Torhüter, die zum Ende einer jeden Transferperiode registriert werden müssen. Die Maximalzahl liegt bei 30 Spielern. Außerhalb der Transferperioden können Amateurspieler zwar jederzeit den Club wecheln, aber eben nicht für ihren neuen Club registriert werden, was in der Realität dazu führt, dass außerhalb der Wechselperioden kaum ein Spieler seinen aktuellen Club verläßt, in den Monaten, in denen das Transferfenster geöffnet ist, herrscht dafür Betrieb wie in einem Taubenschlag.) Kümmernich warnt mich schon mal vor, dass erfahrungsgemäß von den aktuell achtzehn Spieler wohl nicht alle auch Anfang August noch Teil des Kaders sein werden. "Na klasse", entgegne ich. "Und was machen wir, wenn wir keine 15 Spieler zusammenbekommen? Will doch keiner hierher wechseln!" "Gemach, gemach", schmunzelt der Präsident. "Nach meiner Erfahrung wird so mancher Spieler seine Meinung überdenken, je näher das Ende des Transferfensters rückt. Lieber bei den Red Boys spielen als gar nicht spielen, oder?" Ich nicke und zucke die Schultern. "Hoffentlich haben Sie recht." Ich überlasse die Suche nach neuen Mitstreitern auf und neben dem Platz jedenfalls erstmal dem Präsidenten und unserem niegelnagelneuen Chefscout und konzentriere mich in meinen Planungauf das Häufchen Spieler, mit denen wir ab Ende Juni die Mission Wiederaufstieg in Angriff nehmen wollen. Denn auch wenn wir öffentlich tiefgestapelt haben - egal, mit welchen Spielern wir in die Saison gehen: alle Mannschaften um uns herum werden kaum stärker einzuschätzen sein, wenn wir es wirklich schaffen, zwei, drei erfahrene Jungs dazuzuholen. Auch wenn die beiden Sportjournalisten Luxemburgs, die sich tatsächlich für die fünfte Liga interessieren, den FC Red Boys aktuell am Tabellenende verorten - was aber, wie beide betonen, vor allem daran liegt, dass für verschiedene Positionen (insbesondere Sturm und die Außenverteidiger) keine adäquaten Spieler zur Verfügung stehen. Also kommt es am Ende auf die Taktik und den Mannschaftszusammenhalt an, wer aufsteigt. Und zum Thema Taktik hab ich in den letzten Wochen und Monaten genug theoretisches Wissen angehäuft, dass ich mir zutraue, unserer Mannschaft etwas "auf den Leib zu schneidern". Allzu kompliziert darf es nicht sein, das weiß ich dank meiner eigenen Augenzeugenerfahrungen in der letzten Saison und dank Muslius Berichten über die Jugendspieler. Aber simpel und effektiv schließen sich ja nicht gegenseitig aus. In meiner Vorstellung müßten ein einfaches 4 4 2 - Flügelspiel und als Ausweichtaktik ein enges, auf Konter angelegtes 4 4 2 mit 2 DMs dem aktuellen Kader entgegenkommen. Wenn uns doch noch die Verpflichtung von Verstärkungen gelingen sollte, kann ich ja gegebenenfalls Anpassungen daran vornehmen. Also, in die Hände gespuckt und Taktiktafel geschnappt... |
| Noergelgnom:
02.08.2034, Frisingen, Luxemburg Drei Monate später. Präsident Kümmernich hat recht behalten - in den letzten Tagen vor der Schließung des Transferfensters haben wir urplötzlich eine Spielerverpflichtung nach der anderen festzurren können. Und auch wenn uns - ebenfalls wie vom Präses vorhergesagt - noch eine Handvoll Spieler in Richtung Konkurrenz verlassen haben, ist unser Kader jetzt doch eine ganz andere Hausnummer als noch Ende Mai. Von den beiden Sportjournalisten werden wir nun übrigens auf Platz 3 erwartet - also knapp hinter den Aufstiegsplätzen. Na, da wollen wir doch mal sehen, ob wir nicht vielleicht doch eine bessere Platzierung erreichen können? Der Kader gäbe es meiner Meinung nach inzwischen her, wir haben es tatsächlich geschafft, alle Mannschaftsteile zumindest auf dem Papier ausreichend zu besetzen. Ob sie dann auch gut genug sind, wenns drauf ankommt - also "aufm Platz", wie die Menschen hinter der Grenze, im Ruhrgebiet das so salopp sagen - das muß man sehen. Apropos Kader - ich bin mir immer noch nicht sicher, inwieweit ich überhaupt schon ein "standing" (ach, diese verdammten Anglizismen!) bei der Mannschaft habe. Nahezu keine Entscheidung wird ohne wenigstens eine kurze Diskussion gebilligt. Immerhin inzwischen in ruhigem, halbwegs konstruktivem Ton. Anfangs war das durchaus lauter - und da haben mir zwei Störenfriede (aus dem "alten" Team) eindeutig zu verstehen gegeben, dass ich für sie ein Niemand bin, den sie nicht nur nicht ernst nehmen, sondern offen verachten. Mann, bin ich froh, dass ich da die volle Rückendeckung vom Präses hatte! Ich hab beide aus der Mannschaft geworfen und ihnen gesagt, dass sie sich gefälligst einen neuen Verein suchen sollen. Dann hab ich den Strafenkatalog so drakonisch wie nur igend möglich festgelegt. Und damit hab ichs geschafft, dass zumindest an der Oberfläche alles ruhig ist und mich keiner mehr offen "Depp" oder "Idiot" nennt. Was die Spieler insgeheim von mir denken, kann ich natürlich nur vermuten. Mit den beiden Taktiken, die wir einstudiert haben, sind sie jedenfalls einverstanden, sagen sie. Nicht, dass wir da eine große Wahl gehabt hätten. Leo Kirsch (mein Co-Trainer) und ich haben lange gegrübelt, was wir spielen lassen sollen. Ich hab bisher ja nur theoretisches Wissen - gut, dass Leo so ein geduldiger Kollege ist. Die Kontertaktik (links) ist eigentlich nicht hundertprozentig geeignet, weil uns die wirklich schnellen Außen und Stürmer fehlen. Als Ausweichvariante, um vielleicht auch mal einen dreckigen Sieg nach hause zu schaukeln, wird es aber hoffentlich gehen. Die als Standard geplante Langholzvariante (rechts) dagegen scheint dem Team zu "passen", die Testspielergebnisse waren jedenfalls im großen und Ganzen ermutigend. Die deutliche Niederlage gegen Noertzange im ersten Spiel geht auf meine Kappe, war aber auch ein bißchen eingeplant. Ich wollte sehen, inwieweit die Jungs eine Dreierkette umgesetzt bekommen, wenn man die defensiven Außen deutlich defensiver besetzt als unter meinem Vorgänger. Der Versuch war allerdings auch zu einem Teil der Tatsache geschuldet, dass wir zu dem Zeitpunkt kaum einsatzfähige Offensivspieler hatten. Das 1:2 gegen Folschette dagegen war einfach maximal unglücklich - wir hatten bestimmt acht große Chancen, die Gäste exakt zwei Schüsse aufs Tor. Naja, ist mir lieber, wenn ein solcher gebrauchter Tag in einem Testspiel vorkommt statt vielleicht am ersten Spieltag ... Egal. Drei Tage noch, dann startet die Saison. Und ich spür ein seltsames Kribbeln in der Magengegend, Ist das vielleicht Vorfreude? Oder doch eher das flaue Gefühl der Gewißheit, dass jetzt wirklich ernsthaft mein erstes Spiel als Cheftrainer einer Fussballmannschaft ansteht? Ich glaub, ich mach mir mal noch einen Kamillentee - sicher ist sicher. |
| Guddy-Ortega:
Viel Erfolg für den Saisonstart! |
| Noergelgnom:
(click to show/hide)@Guddy-Ortega: Danke Dir. Ob Dein Daumendrücken geholfen hat, erfährst Du weiter unten. ;) 3. Division, Serie 2 - Hinrunde 2034/2035 Und dann wird es ernst - am 5. August beginnt die Saison und damit stehen ich und meine große Klappe endgültig auf dem Prüfstand. Vor uns liegen 27 Spieltage. Innerhalb der Saison werden wir mit jedem der andweren 9 Clubs dreimal aufeinandertreffen, die ersten beiden steigen auf. Es gibt weder eine Aufstiegsrelegation noch Absteiger - seit die 4. Division nach der Saison 1984/85 wegen Clubmangels wieder abgeschafft wurde, ist die 3. Division der absolute Tiefpunkt, an dem man als luxemburgischer Verein landen kann. Und genau deswegen wollen wir ja so schnell wie nur irgend möglich wieder raus aus diesem Kellerloch! Wir fühlen uns zwar gut vorbereitet - zumindest im Rahmen unserer Möglichkeiten - aber der erste Spieltag ist nicht gerade dazu angetan, unser Selbstbewußtsein (oder das Vertrauen der anderthalb Dutzend "hardcore"-Fans) zu stärken. Denn obwohl wir im Auswärtsspiel bei Red Star Merl-Belair (die im westlichen Teil der Hauptstadt beheimatet sind) hoch überlegen sind und unsere Stürmer ein ums andere Mal die Chance zur Führung auf dem Fuß haben, können wir uns am Ende sogar noch bei unserem Keeper da Silva bedanken, dass wir nicht als Verlierer vom Platz gehen. Der fischt in der dritten Minute der Nachspielzeit nämlich sehenswert den ersten (!) gezielten Torschuß der Gastgeber aus dem Winkel. So fahren wir mit einem 0:0 nach Hause und planen für die folgende Woche dringend Torschußtraining ein. Das macht sich im zweiten Auswärtsspiel unter meiner Leitung auch direkt bezahlt - wir spielen beim (neben den beiden nationalen Schwergewichten Jeunesse und FOLA ) dritten Escher Verein US Esch und demütigen die Gastgeber mit einem glatten 5:0. Ist zwar nur Pokal, aber immerhin. Sieg ist Sieg, das wird uns hoffentlich Selbstvertrauen geben! Naja, so ein bißchen jedenfalls - so lautet das Fazit des ersten Heimspiels - und -siegs. 2:1 gegen Noertzange. Die brauchen eine ganze Halbzeit, um zu kapieren, dass wir nicht wieder im 3 6 1 auflaufen und wir gehen währenddessen scheinbar komfortable mit 2:0 in Führung. Direkt nach dr Pause gelingt den nun zielstrebiger agierenden Gästen allerdings der Anschlusstreffer und der Rest des Spiels ist ein einziges Ballrausbolzen unserer Elf. Nicht schön anzusehen und kein Stück souverän, aber immerhin bleiben die drei Punkte in Aspelt. Presse und Fans sind bisher eher skeptisch - was Wunder, ein überzeugender Sieg bei drei Spielen ist nicht sonderlich gut. Aber die Stimmung hebt sich gleich in der folgenden Woche merklich, denn wir fahren zum Aufstiegsmitfavoriten ASL Porto - und kehren mit einem fulminant herausgespielten 6:2 wieder zurück nach Ost-Frisingen. Nach 12 Minuten führen wir bereits mit 4:0 - nicht zuletzt dank Pedro Brandao, der drei dieser vier Tore erzielt. Absolutes Sahnespiel, nicht nur von ihm! Den Schwung aus dieser Partie können wir ins Heimspiel gegen Belval Belvaux mitnehmen, die wir mit 2:0 schlagen (womit sie noch gut bedient sind, alleine Brandao trifft gleich zweimal den Pfosten. Diese Aluminiumfixierung bleibt uns leider auch in den Folgewochen erhalten, wobei das bei Blo-Weiß Itzig noch nicht ins Gewicht fällt - auch hier gehen wir mit einem 2:0-Sieg vom Platz. Und mit diesem Sieg übernehmen wir auch glatt die Tabellenführung... ... die wir direkt darauf im Spiel gegen Vinesca Ehnen wieder abgeben dürfen, weil wir trotz bester Chancen nicht über ein 2:2 hinauskommen. Positive Nachricht des Tages: wir sind immerhin - wenn auch nur mit einem Punkt Vorsprung - Zweiter und wären Stand jetzt aufgestiegen. Nach 6 von 27 Spieltagen ist das aber bestenfalls eine Momentaufnahme ohne jede Aussagekraft. Das nächste Heimspiel gegen Kopstal 33 gestalten wir dann wieder souverän - 3:0 heißt es am Ende und der Kniff meines Cotrainers ist dabei voll aufgegangen. Statt mit Sturmtank und Zielspieler agieren wir vorn im Zentrum mit Knipser und Pressendem Stürmer - und speziell mit dem Pressing des Letzteren kommt die Kopstal-Abwehr gar nicht zurecht. Das gilt sinngemäß auch für die Verteidigung unseres nächsten Gastes RM Hamm Benfica, die uns für die zweite Pokalrunde im Coupe de Luxembourg zugelost wurden. Der Zweitligist (!) sieht offensiv kein Land gegen unsere Viererkette und läßt außerdem Kevin da Cunha - unseren Flügelflitzer im linken Mittelfeld - nach einer Ecke ein einziges Mal aus den Augen, wofür dieser sich sofort artig bedankt und zum Siegtreffer einnetzt. Zweite Pokalüberraschung durch die Red Boys, zumindest die Fans feiern die Mannschaft nun ausgiebig. Der Blätterwald-Tenor zu meiner bisherigen Leistung lautet gemeinerweise aber eher "mehr Glück als Verstand". Als nächstes steht das Spitzenspiel der Liga auf dem Programm - Red Boys Aspeltgegen Tricolore Gasperich, Zweiter gegen Ersten. Ein Punkt trennt beide Clubs - das heißt natürlich, dass wir mit einem Sieg die Tabellenspitze zurückerobern könnten. Diese Aussicht scheint einem teil meiner Spieler nicht zu gefallen - anders läßt sich die pomadige Leistung gerade in der Abwehr kaum erklären. Leoni bringt uns dabei früh in Führung, aber wir kassieren halt noch den Ausgleich. 1:1. Tut nicht wirklich weh, auch weil alle Verfolger ebenfalls Federn lassen - aber es ist schade, dass wir diese Steilvorlage nicht nutzen konnten. 9. Spieltag und damit Ende der ersten von drei Spielserien - Schouweiler ist der einzige Verein, gegen den wir in der Liga bisher noch nicht gespielt haben. Holen wir nun nach. Ich mache dem Team vorher klar, dass ich gefälligst eine andere Leistung als letzte Woche erwarte - und siehe da: mit einem 3:1 wird die Pflichtaufgabe gegen den Tabellenneunten gelöst. Leider wirkt mein Donnerwetter nur ein Spiel lang - gegen Red Star Merl-Belair gelingt offensiv wenig und defensiv hat die Viererkette genau einen Aussetzer zuviel - 0:1. Wir gewinnen zwar in der Woche darauf bei Noertzange nach einem vogelwilden Spiel mit 5:3, aber spätestens als wir direkt im Anschluß zuhause gegen die ASL Porto mit einem äußerst schmeichelhaften 2:3 verlieren (bis zur 83. Minute lautet das Ergebnis sogar 0:3), haben wir eine erste echte Krise zu verzeichnen, da wir damit nur noch durch das bessere Torverhältnis auf Platz 2 verbleiben. Ein denkbar unglücklicher Zeitpunkt für eine Leistungsdelle, denn ausgerechnet jetzt empfangen wir im Spiel des Jahres einen der drei größten Namen des luxemburgischen Fussballs zum Drittrundenkracher im Pokal. Rekordmeister Jeunesse Esch läuft in unserem Stadion auf. Und auch wenn die Mannschaft seit der Jahrtausendwende mehr und mehr von F91 Düdelingen als Platzhirsch abgelöst wurde (spätestens seit dem Einstieg des von manchem Zeitgenossen argwöhnisch beäugten Investors Flavio Becca bei Düdelingen )... ... Jeunesse Esch ist ein schier übermächtiger Gegner und passend zum Spiel in guter Form: 14:0 Tore aus den letzten 3 BGL-Ligue-Spielen (darunter ein 5:0 gegen Erzrivale FOLA Esch) sprechen Bände über die Favoritenrolle. Es gibt wohl niemanden, der überrascht wäre, wenn wir 5, 6 oder mehr Tore eingeschenkt bekämen. Es kommt indes ein bißchen anders. Jeunesse Esch zieht zwar in die nächste Runde ein (und wirft uns folgerichtig aus dem Pokal) - aber das 2:3 (1:1, 1:0) nach Verlängerung verschafft unserem Amateurteam eine Menge Respekt. Bis zur 70. Minute führen wir sogar! So auszuscheiden ist jedenfalls keine Schande - und dass wir dank ausverkauftem Stadion (500 Besucher, neuer Rekord!) und Preisgeld von 3500€ mal eben fast 7000€ auf unserem Konto verbuchen können, macht das Ausscheiden noch etwas erträglicher. (Ja, in Luxemburg erhält -das Finale ausgenommen - der Verlierer das Preisgeld einer Partie. Wahrscheinlich sind die Funktionäre der Meinung, dass der Gewinner mit dem Erreichen der nächsten Runde genug belohnt ist. Ich beschwere mich jedenfalls nicht, ermöglicht es mir der erfreuliche Kontostand (von fast 20.000€!) doch, vom Vorstand einige Mittel für die Nachwuchsarbeit bewilligt zu bekommen. Ich gebe mir außerdem alle Mühe, der Mannschaft klarzumachen, wie ungeheuer stolz sie auf dieses Ergebnis gegen Jeunesse Esch sein können - und auch wenn uns in der Woche darauf Vinesca Ehnen wie schon beim ersten Aufeinandertreffen) ein Unentschieden abringt (und auch wieder mit demselben Ergebnis von 2:2), so ist das doch kein weiterer Rückschlag, sondern wird sich im Gegenteil als der Beginn einer kleinen Serie herausstellen. Die ersten, die auf der Verliererseite an dieser Serie teilnehmen dürfen, sind die Jungs von Belval Belvaux, die wir mit 5:1 aus ihrem eigenen Stadion schießen. Hattrick von da Cunha inklusive. Danach spielen wir sogar zum ersten Mal seit einem Vierteljahr zu Null! Blo-Weiß Itzig schlagen wir zwar erst in der 89. Minute, aber vorher wurden uns gleich 3 (drei!) Tore wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt und auch das Aluminium war wieder mal nicht auf unserer Seite. Höchst verdient ist dieser Sieg allemal. Das gilt auch für das nächste Spiel - bei Kopstal 33 gewinnen wir locker, klar und deutlich mit 4:0 und beenden das Jahr ... ... immer noch auf Platz zwei, mit einem Punkt Rückstand auf den alten und neuen Tabellenführer Tricolore Gasperich. Hinter uns klafft allerdings schon ein kleiner Spalt von 3 Punkten Vorsprung zu Porto. Wir liegen also komplett im Soll (und weit, weit oberhalb des offiziellen Saisonziels). Die Frage der Meisterschaft wird sich möglicherweise in den direkten Duellen mit Gasperich entscheiden - jedenfalls wenn beide Teams ihre Form beibehalten können. Inwieweit uns das gelingen wird, steht aber in den Sternen - aus dem aktuellen Kader haben sich bereits mehrere Spieler für einen Vereinswechsel im Winter entschieden und weitere werden bestimmt folgen. Das ist die Kehrseite einer erfolgreichen (Halb-)saison als Amateurverein. |
| Guddy-Ortega:
Stark! In der Liga im Soll und im Pokal ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Luxemburgischen Vereinsnamen lassen mich hin und wieder ein wenig schmunzeln. Macht Spaß, deine Story. |
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