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| [FM 20 bis 24] Lavayeuxs Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers |
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| Noergelgnom:
(click to show/hide)@Karagounis: Vielen Dank - vor allem ist es aber ein Beweis dafür, dass die Moral das mit großem Abstand (und weit vor Formation, Taktik, Attributen etc) Wichtigste im FM ist. Wenn Du die einmal im sattgrünen Bereich hast, werden manche Dinge fast schon Selbstläufer. Mal sehen, was in der Championship passiert - da wird sich die Moral wohl nicht dauerhaft so hoch halten lassen. Zumal SEGA mir eines meiner liebsten Tools weggenommen hat: die Strafen für schlechte Performances. :D Ich kann die Entscheidung nachvollziehen, aber seitdem ist morale management um einiges schwieriger geworden. @Sonzee87: Vielen Dank, bin echt gespannt, ob ich die Klasse irgendwie halten kann. :o @Elemotion: Und auch Dir vielen Dank - aber mit einem weiteren Aufstieg ist so schnell nicht zu rechnen. Nicht ABzusteigen wär schon eine absolute Sensation. Wartet mal, bis ihr die Übersicht über die anderen Vereine in der Championship seht... :angel: Sommer 2057, Sheffield, England Ende Mai sind wir, also Mario und ich, endlich "durch" mit der Therapie und schwören uns gegenseitig, dass wir es nie wieder so weit kommen lassen und dass wir - egal wie - weitere wie auch immer geartete Therapiesitzungen mit allen Mitteln verhindern werden. Abgesehen davon geloben wir Stillschweigen über die Schrecken der Paartherapie und vor allem darüber, wer welche Rolle des Paares spielen mußte. Der Sommer ist ansonsten wie üblich viel zu kurz - es reicht aber immerhin, dass Lucas und ich unsere Scoutdatenbank durchgehen und eine short list von Spielern zusammenstellen können, die beobachtet und idealerweise verpflichtet werden sollen. Immerhin haben wir mehr als eine halbe Stammelf zu ersetzen und müssen auch die Hierarchie beachten - unter den Abgängen sind mit Rooney, Maylen, Bunney und Sheppard auch die tonangebenden Mitglieder des Mannschaftsrates. Anfang Juli erscheinen wir dann wie vereinbart zum Saisonauftaktmeeting, das Gianni anberaumt hat. Es ist eine illustre, kleine Runde, die sich in seinem Büro trifft: Gianni selbst, unser Sportdirektor Scott Day, Lucas, Mario und ich. Unser Präsident läßt es sich nicht nehmen, Mario und mich erstmal in die Mangel zu nehmen: was haben wir in der Therapie gelernt, haben wir unsere Animositäten diesmal wirklich ausgeräumt, wie werden wir mit weiteren Meinungsverschiedenheiten umgehen etc blabla. Nachdem wir uns beide ein paar Minuten wie in einem geheimdienstlichen Verhör vorgekommen sind - und nach einem kurzen verschwörerischen Seitenblick in die Augen des jeweils anderen unser bestes gegeben haben, um uns ja keine Blöße zu geben - übergibt Gianni das Wort an unseren Sportdirektor. Scott zieht die short list aus der Mappe, die vor ihm auf dem Tisch liegt. Ein Blick auf die vielen roten Markierungen auf dem Blatt - und schon habe ich ein flaues Gefühl in der Magengrube. Wenige Augenblicke später werde ich in diesem Gefühl bestärkt, als uns Scott das Dokument über den Tisch schiebt und mit einem entschuldigenden Seufzen anmerkt, dass er "die Spieler wirklich gern verpflichtet" hätte, das sie "eindeutig Talent haben", dass es aber schlicht nicht möglich ist, weil uns das Geld dafür fehlt. Als Gianni daraufhin vorsichtig anfragt, von was für Ablösesummen wir hier sprechen, schüttelt der Endsechziger resignierend den Kopf. "Es geht nicht um die Ablösen", sagt er, "die wären locker zu stemmen, das sind in den meisten Fällen nur ein paar zehntausend Pfund. Nein, was uns die Hände bindet, sind die Gehaltsvorstellungen. Selbst Spieler, die in den letzten Spielzeiten wirklich deutlich hinter dem Leistungsniveau zurückgeblieben sind, das unsere Abgänge auf den Platz brachten, verlangen hunderttausende Pfund an Jahresgehalt." Verhaegen schaut das Trainertriumvirat auf der anderen Seite des Tisches an. "Können wir mit den vorhandenen Spielern und vielleicht ein paar von den Jugendspielern in die Saison gehen?" Wir schütteln unisono den Kopf. "Keine Chance, Gianni", sagt Lucas. "Wir brauchen mindestens, allermindestens einen Ersatz für Rory auf dem linken Flügel und einen neuen Stammtorwart. Alle anderen Positionen können wir mit Jugend- und Rotationsspielern ersetzen - unter der Bedingung, dass Du Dich darauf einstellst, dass wir dann höchstwahrscheinlich absteigen." Die lapidare Aussage scheint unserem Präsidenten einen regelrechten Schlag in die Magengrube versetzt zu haben, denn er sieht plötzlich sehr blass um die Nasenspitze aus und wirkt nachdenklich. Schließlich nickt er langsam. "Ich kann nichts verprechen, aber ich hab ein, zwei Ideen, die ich mal abklopfen werde. Wir machen erstmal Feierabend und treffen uns am Montag um acht Uhr wieder hier. - Scott, bleib bitte noch, ich möchte noch kurz mit Dir sprechen." ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Acht Wochen und etliche derartiger Meetings später schließt das Transferfenster und wir wissen endgültig, mit welchem Kader wir in die Saison gehen. Scott hat zumindest die absoluten Grundvoraussetzungen erfüllt und mit Cameron McManus sowie Martyn Langford einen neuen Stammtorhüter und einen halbwegs adäquaten Ersatz für Vereinslegende Rooney verpflichtet. Der Rest der "Neuen" kommt entweder aus unteren Ligen oder aus der eigenen Jugend - was hinsichtlich des Leistungslevels keinen großen Unterschied macht, fürchten wir. Das große Problem ist und bleibt das Gehalt, das wir anbieten können. Wir gehen schon an unsere Grenzen - und die sind durch einen neuen Trikotsponsor auch ein klein wenig großzügiger als in der Vorsaison. Aber im Ligavergleich zahlen wir damit nichtmal peanuts, sondern maximal deren Schalen. Dass sich etliche Vereine für diese Gehälter massiv verschulden und bereits Ende Juli erste Gerüchte die Runde machen, dass der eine oder andere Verein noch vor Jahresende zahlungsunfähig sein könnte, hilft uns erstmal nicht weiter - denn die Spieler interessiert solcherlei Gewäsch natürlich nur am Rande, wenn ein Club mit sieben- oder gar achtstelligen Jahresgehältern wedelt. Für uns bleiben nur die Aussortierten. Und selbst von denen eigentlich nur diejenigen, die bereits die Hoffnung aufgegeben haben, dass es mit der Karriere doch noch was wird. Eine positive Überraschung gibt es aber dann doch noch - und zwar keine zwei Wochen vor dem Deadline Day. Da wird uns (unter mysteriösem Verweis auf "die überzeugenden Argumente Ihres Präsidenten") nämlich ein junger Südamerikaner angeboten, der auf den klangvollen Namen Jairo Valero hört und angeblich ein absolutes Mittelfeldjuwel sein soll. Wir fragen bei Verhaegen nach, der präsentiert uns zwei Stunden Videomaterial und danach sind wir uns einig, dass wir den haben wollen. Für die stattliche Summe von 625.000 Pfund eisen wir den jungen Mann gerade noch rechtzeitig zum Deadline Day von seinem Heimatverein Mineiros de Guayana, dem Dritten der venezolanischen Liga, los und können nur hoffen, dass er den Vorschußlorbeeren gerecht wird. Als wir Verhaegen fragen, wie um alles in der Welt er die Südamerikaner dazu bewogen hat, diesen Spieler gehen zu lassen, lächelt unser Präsident nur wie eine männliche Version der Mona Lisa (also geheimnisvoll und leicht verwirrt) und teilt uns mit, dass auch er seine Geheimnisse habe. Am Tag nach dem Transferschluß veröffentlichen die Journalisten dann wie gewohnt ihre Saisonprognosen - und diesmal ist selbst der Sheffield Evening Standard in Person von Therese Daunton fest davon überzeugt, dass das neuerliche Gastspiel des Sheffield Wednesday Football Club in der Championship eine einjährige Stippvisite bleiben wird. Wir sind selbstverständlich fest entschlossen, jeden noch so kleinen Strohhalm zu ergreifen, um sie allesamt eines besseren zu belehren, aber allein die Auflistung der Namen unserer Konkurrenz läßt uns das eine oder andere Mal schaudern. Und der Saisonstart ist nicht unbedingt dazu angetan, unseren Optimismus zu stärken. Einzig positiv: wir sind selten komplett chancenlos und wir stehen auch Ende September noch über dem Strich. Geradeso. Und dann verletzt sich mit Desmond Yarde unser einziger verbliebener Stürmer, der zumindest an Sahnetagen Zweitligaformat hat, und fällt mit einem Wadenbeinbruch für mehrere Monate aus. Gut, so können wir schon mal üben, ohne ihn zurechtzukommen - denn er wird im Winter sowieso wechseln. Die angebotene Ablösesumme von 10 Millionen Pfund (!!!) konnten wir einfach nicht ablehnen, das ist fast ein kompletter Jahresetat... |
| Elemotion:
Puuh das wird ein hartes Brett. Aber was zum Geier hat Arsenal da unten verloren? |
| knufschu:
Eigentich wollte ich schon vor Tagen schreiben, aber der Weg zum Notebook ist manchmal beschwerlich dieser Tage ;-) Zum Sportlichen: Wahnsinn! Sheffield Wednesday in der zweiten englischen Liga und dann sogar ein Duell gegen Arsenal (auch mich würden die Begleiumstände um deren "Niedergang" sehr interessieren!) Dazu kommt, dass dieser sportliche Erfolg mit minimalem Etat vollbracht worden ist. Ich lese heraus, dass Lucas ein richtiger Taktikfuchs zu sein scheint, der es schafft seine Elf auf jeden noch so hoch überlegenen Gegner einzustellen! Fantastische Leistung! (auch ein tieferer Blick in die taktische Vorgehensweise wäre interessant) Zum Erzählerischen: Es gelingt dir - wie immer - gandenlos gut, das "Zerwürfnis" der Familie erzählerisch spannend und sehr lesenwert in deine Texte einzubetten. Ich habe auch wieder ein paar Lieblingsformulierungen, z.B. "peanuts" und "Schalen" oder der "Wutausbruch, der in der Radioübertragung zu hören war". Toll! Eine Frage gestatte ich mir noch: Wieso sind die Forest Green Rovers der "Vorzeige Öko-Verein"? Habe dazu null Wissen, könnte aber maximal Ableitungen aus dem Vereinsnamen und tatsächlicher ökologischer Anstrenungungen vermuten. |
| Karagounis:
Das wird jetzt die Herausforderung schlechthin, 1/3 des Gehalt des zweit"schlechtesten" Vereines der Liga, den Vergleich zu den anderen Vereinen mag ich gar nicht ausrechnen. Immerhin ab es schon die ersten paar Punkte und wenn du nicht komplett chancenlos warst, umso besser. Und Valero scheint ein interessanter Mann, die war sein Einstand? |
| Noergelgnom:
(click to show/hide)@Elemotion: Harte Bretter sind dazu da, gebohrt zu werden. Mit Real Erfolg zu haben, schafft ja jeder. (Oder zumindest fast jeder - ich hab im FM20 spaßeshalber mal ne Karriere mit denen gestartet und wurde nach 10 oder 11 Spieltagen wegen Erfolglosigkeit entlassen. ;D ) Zu Arsenal (auch @knufschu): Die haben das gleiche Problem wie etliche andere englische Profivereine in diesem Save auch - völlig aus dem Ruder gelaufene Kosten und dadurch regelmäßiger Besuch von den Kontrolleuren mit folgendem 12-Punkte-Abzug. Beim ersten Mal haben sie sich dennoch grad noch so retten können, letzte Saison war dann nix mehr zu machen - Abstieg. Und jetzt krebsen sie finanziell auch schon wieder tief in den roten Zahlen herum. Diese Entwicklung (es sind in den ersten 3 englischen Ligen seit Jahren eigentlich immer 2-4 Vereine betroffen) macht ehrlich gesagt peu a peu auch ein bißchen den Spielspaß kaputt... @knufschu: Lucas kann im Gegensatz zu Gerard 433, das ist das ganze "Geheimnis". Soll heißen: ich bin auch weiterhin kein Taktikfuchs, aber das scheint im 433 Kontersystem aktuell kein allzugroßes Problem darzustellen, weil die Qowls so ungeheuer schwach sind (auf dem Papier), dass nahezu alle Gegner das Spiel machen und uns damit in die Karten spielen. Ich erwarte aber eigentlich, dass wir den Punkteschnitt nicht halten können und am Ende dennoch ziemlich deutlichen unten drin stehen werden. Mal sehen. Danke für die Blumen bzgl des Erzählstils - irgendwie ist bei mir in der Kreativitätsdrüse momentan ein bißchen der Wurm drin, umso schöner, dass es sich offensichtlich dennoch besser liest als mein eigener Eindruck sagt. ;D Die Forest Green Rovers sind tatsächlich seit ca einer Dekade ein zunehmend ökologisch ausgerichteter Verein. Ich hatte eigentlich vor, dazu in der Geschichte selbst was zu schreiben, aber irgedwie fällt mir so gar nichts ein, daher hier ganz faul nur ein Auszug aus dem Wiki-Artikel: --- Zitat ---Nach der Übernahme des Vereins durch Dale Vince im Jahr 2010 wurde „das Thema Nachhaltigkeit in den Klub integriert“, um eine „Zielgruppe auf die Gefahr des Klimawandels aufmerksam zu machen.“[1] Dazu wurde bereits 2013 zuerst rotes Fleisch aus den Angeboten entfernt und später vollständig auf tierische Produkte verzichtet; das Essen und Bier sind seitdem vegan. Nach eigenen Angaben werde inzwischen viermal mehr Essen im Stadion verkauft als vor der Umstellung. Aufgrund des Erfolges wurde ein eigenes Catering-Unternehmen gegründet, das andere Fußballklubs mit veganem Essen beliefert.[1] Die Ausstattung der Spieler wurde ebenfalls angepasst, Trikots und Schienbeinschoner werden aus Bambus statt aus Plastik gefertigt. Der Rasen des Stadions wird ohne Pestizide gepflegt und von einem Solar-Rasenmäher geschnitten.[1] Im Jahr 2018 wurden die Forest Green Rovers für ihr Bestreben, der „grünste“ Fußballverein der Welt sein zu wollen, mit dem Momentum-for-Change-Award ausgezeichnet.[3][4] --- Ende Zitat --- Und zur Taktik will ich schon länger mal wieder was sagen, danke für die Erinnerung! @Karagounis: Ich behaupte mal, dass die Herausforderung aufgrund der finanziellen Möglichkeiten des Vereins und v.a. aufgrund des Ingamejahres* deutlich kleiner ist als zB bei Deinem Amtsantritt in Neuseeland. Die ersten beiden Monate waren jedenfalls eher ermutigend. Und Valero? Der scheint noch lange nicht sein ganzes Potential abzurufen, aber das liegt daran, dass er teilweise als deeplying playmaker spielen muß, wofür ihm ein bißchen die Defensivskills abgehen. Er hat das Potential, wirklich spielentscheidend zu werden, aber eventuell muß ich (bzw Lucas) dazu auf 4231 umstellen, damit er im offensivzentrum die Fäden ziehen kann. Mal schauen. Silvester 2057, Sheffield, England Unser (Kalender-)Jahresabschlussmeeting findet wie gewohnt am 31.12. statt - ergibt ja auch irgendwie Sinn. Es ist nahezu die gewohnte Riege von Leuten: Verhaegen, Day, Goossens, Lavayeux und, als Abweichung von der Regel, diesmal auch der Chef unserer Scoutingabteilung, der Schwede Matheus Wessman. Warum wir auch den Scoutingchef dabei haben wollen? Ganz einfach: der bisherige Saisonverlauf hat uns Trainer in der Einschätzung bestätigt, dass der Versuch des Klassenerhalts mit dem vorhandenen Rasenlatscher-Personal den Tatbestand des Glücksspiels erfüllt. Wir wünschen uns vor allem einen Ersatz für den Langzeitverletzten und ab morgen auch Ex-Spieler Desmond Yarde. Dessen Fähigkeit, für die Mitspieler Lücken zu reißen, haben wir in den letzten Monaten nämlich schmerzlich vermißt. Wir haben in den letzten Tagen mehrfach mit Wessman und seinen Scouts zusammengesessen und haben die aus diesen Meetings hervorgegangene shortlist vor einer knappen Woche an Scott Day übergeben, mit der Bitte, einen der drei aufgeführten Kandidaten zu verpflichten, vorzugsweise unseren klaren Favoriten Gerry Falcott. Scott war - wie gewohnt - zu keiner Zusage zu bewegen, außer, dass er das Management der drei Spieler kontaktieren und "mal schauen" würde. Mit Spannung erwarten wir nun sein Feedback. Wobei - allzuviel Spannung ist nach zehn Sekunden gar nicht mehr übrig, denn ein Blick in das müde Gesicht unseres Sportdirektors läßt wenig Gutes erahnen. Und als er den Mund aufmacht, bestätigen sich unsere Befürchtungen rasch. "Da habt ihr mir ja ein schönes Ei ins Nest gelegt - oder besser drei Eier! Ich bin bald vom Stuhl gefallen, als ich die Gehaltsvorstellungen der Herren Jungstars gehört habe. Wir sind zwar nicht bettelarm - aber ihr könnt doch nicht ernsthaft von mir erwarten, dass ich einem einzelnen Spieler über fünfhundertausend Pfund pro Jahr in den Rachen werfe! Habt ihr von deren Ideen eines 'angemessenen Gehalts' gewußt?" "Naja, so halb und halb", antworte ich etwas kleinlaut. "Wir haben halt gehofft, dass sich wenigstens einer von den dreien vielleicht auf ein stemmbares Paket runterhandeln läßt..." Scott schaubt nur und bringt mit diesem Geräusch ein Level an Sarkasmus zum Ausdruck, für das andere Menschen eine halbstündige Tirade benötigen. "Als ob! Ein gemessen am Leistungslevel viel zu hohes Gehalt ist doch in den allermeisten Fällen das einzige Argument, das ich den Spielern machen kann. Habt ihr wirklich geglaubt, irgendein halbwegs passabler Kicker liest den Namen 'Sheffield Wednesday', grinst breit und denkt 'Joa, da sind doch Goossens und Lavayeux, zu denen wollte ich immer schon, koste es, was es wolle!' - Die meisten Spieler, die kontaktiere, kommen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und ich hab schon mehrfach zu hören bekommen, dass 'ich mir meine Karriere nicht versauen möchte, indem ich bei irgendeinem Kleckerverein unterschreibe, der vor hundert Jahren mal einen Namen hatte'. Die meisten der Spieler in unserem Kader, sind ausschließlich deswegen hier, weil sich bisher weder ein Besserzahlender gefunden hat noch einer der coolen, hippen Vereine angeklopft hat. Seht der Wahrheit doch mal ins Auge - bei den Owls wollen doch nur diejenigen spielen, die woanders nicht unterkommen! Ich könnte ..." Verhaegen legt seinem auf dem Weg zur Wutrede befindlichen Sportdirektor in einer beruhigenden Geste die Hand auf den Unterarm. "Scott, das..." Scott schnaubt noch einmal und schüttelt die präsidiale Pranke ab wie ein lästiges Insekt. "Nix Scott, es hat sich ausgescotted! Ich kann das nicht mehr! Könnt ihr euch überhaupt vorstellen, wie verdammt deprimierend es ist, wenn irgendwelche dahergelaufenen Jungspunde nicht nur nicht für meinen Lieblingsclub spielen wollen, sondern ihn zu allem Übel auch noch verspotten?! Ich hab sooo die Faxen dicke von dem ganzen Scheiß! Früher, ja ... früher waren wir mal wer! Ich wette, als Art the Owl hier noch Team Manager war, da haben sie ihm die Bude eingerannt, aber da waren die Owls halt auch noch Teil der Creme de la Creme! Und..." "Sorry, wer?", wirft Lucas ein. Innerlich danke ich meinem Stief-Filius, denn ich hab mir die gleiche Frage gestellt, wollte mein Unwissen aber nicht preisgeben. "Na Arthur Dickinson, ihr Banausen! Ich dachte, ihr habt euch mit der Wednesday-Historie beschäftigt?" "Haben wir ja auch, aber den Spitznamen kannte ich bisher dennoch nicht.", meint Lucas. Scott schüttelt den Kopf - wie ein Lehrer, der ob der Lernresistenz seiner Schüler resigniert. "Den hat er bekommen, weil er nicht nur ab 1891 der erste Vollzeit-Manager des Teams war, sondern auch der mit den meisten Spielen an der Seitenlinie, über 900 nämlich, und mit der längsten Amtszeit, ganze 29 Jahre. Und überdies hat er als bisher einziger Owls-Manager sowohl die Meisterschaft als auch den FA Cup gewonnen. Und ..." Scotts Stimme hört sich plötzlich dumpf an, als ob sie aus weiter Ferne käme - und gleichzeitig sehe ich ein aufgeschlagenes Buch vor meinem geistigen Auge und in meinem Kopf macht etwas "klick". Es ist so offensichtlich, dass ich innerlich den Kopf schüttele. Wie konnte ich denn bloß so lange so vernagelt sein?! Wie durch einen Nebel höre ich jemanden meinen Namen sagen und schaue mich um. Meine Wahrnehmung klärt sich wieder - und ich stelle fest, dass der Rest der Anwesenden mich wahlweise verwundert, erwartungsvoll oder fragend anschaut. Während ich meinen "moment of clarity" hatte, scheint die Diskussion weitergegangen zu sein, aber ich habe keine Ahnung, was die Herren jetzt von mir wollen. "Äh ... ich war wohl kurz abgelenkt. Was ist?" Gianni schüttelt mit einem Seufzer den Kopf. "Ich habe gefragt, ob Du Einwände hast?" Soll ich ihm sagen, dass ich keine Ahnung habe, wogegen ich Einwände haben könnte? Nein, lieber nicht, beschließe ich, er schaut sowieso schon so bedröppelt. "Nein nein, das passt." Gianni nickt mit einem Ausdruck deutlicher Erleichterung im gesicht. "Sehr gut, dann solltet ihr beide", sein Blick huscht zwischen Scott und mir hin und her, "euch gleich im Anschluß mal zusammensetzen, um die Übergabe zu besprechen." Übergabe? Häh? Na egal, wird mir Scott bestimmt nachher gleich erzählen. Jetzt geht es erstmal mit der sportlichen Bestandsaufnahme weiter - und dafür erteilt Verhaegen nicht Lucas und mir, sondern nur Lucas das Wort, wie mir auffällt. Nett ist das nicht! Fühlt sich fast wie eine Degradierung durch die Hintertür an. Ich schiebe den Gedanken vorerst zur Seite und höre Lucas' Ausführungen zu. "... haben wir vor allem durch die erfolgreiche zweite Dezemberhälfte die Abstiegsränge vorerst verlassen und sogar ein kleines Polster auf Rang 22 aufbauen können. Für die generelle Bewertung der sportlichen Leistung in der ersten Saisonhälfte sind aus meiner Sicht mehrere Dinge unbedingt beachtenswert. Erstens: wir haben durch Yardes Ausfall mit einer eklatanten Schwäche auf der Mittelstürmerposition zu kämpfen. Campbell, Holder und auch Sommerneuzugang Langford können alle dort spielen und sie geben auch alle ihr Bestes, mangelnden Einsatz kann man keinem der drei vorwerfen. Das nötige Skillset für einen mitspielenden zentralen Stürmer, der gleichzeitig oft genug auf sich allein gestellt ist, bringen alle drei nicht mit. Und die anderen Stürmer im Kader, wie beispielsweise Chapman, sind noch weniger geeignet, den Alleinunterhalter in vorderster Front zu spielen. Bevor das Argument kommt - eine Taktikänderung kommt nicht wirklich infrage, weil wir mit anderen Besetzungen und Zielsetzungen im Sturm auch andere Spielertypen auf den anderen Positionen auf dem Feld benötigen. Und da fehlen uns dann auch wieder an einer oder mehreren Stellen die kompetenten Spieler dafür. Zweitens: dass wir nicht deutlich schlechter dastehen, hat zu einem guten Teil auch mit dem vergleichsweise gut funktionierenden Defensivverbund zu tun. Wir haben zwar nur selten - viel zu selten! - zu Null gespielt, aber gemessen an der erwarteten Leistungsfähigkeit hat die Defensive eindeutig überperformt. Im letzten Vierteljahr waren wir dahingehend nur gegen West Ham wirklich chancenlos. (click to show/hide) Drittens: Hinter unserer Stammelf klaffen weiterhin mehrere große Lücken im Kader. Das betrifft vor allem die Position des Linksaußen, wo hinter Chism und dem zuletzt vermehrt im Sturm oder auf rechts außen benötigten Langford eigentlich nur noch bessere Jugendspieler verfügbar waren. Hier muss eine Verstärkung gefunden und verpflichtet werden, sonst trifft uns jeder Ausfall auf der Position genauso hart wie zuletzt Yardes Verletzung im Sturm. Viertens: auch wenn die Tabelle auf den ersten Blick sehr freundlich aussieht, ist der aktuelle Stand doch extrem gefährlich. Wir stehen auf Platz achtzehn und haben bereits neun Punkte Rückstand auf den Siebzehnten Brighton and Hove. Und wenn wir dann noch bedenken, dass mehr oder minder knapp hinter uns mit Watford und Peterborough zwei Mannschaften stehen, die deutlich weiter oben erwartet wurden, ist wohl nicht nur mir klar, dass wir uns keinen Moment des Ausruhens und vor allem keine weitere solche Schwächephase wie von Anfang November bis Mitte Dezember leisten dürfen." (click to show/hide) Gianni nickt und sagt: "Mal sehen, was sich bezüglich der Verstärkungen tun läßt. Die finanzielle Solidität des Vereins steht über allem. Bevor ich als der nächste Wednesday-Eigner in die Annalen eingehe, der der Verein überschuldet, gehe ich lieber finanziell gesund nochmal in die League One runter und schaue, dass wir da nochmal Luft holen. Aber lieber wär mir natürlich, wir könnten das verhindern, klar." Scott dagegen schaut mich bei den Ausführungen meines Stiefsohns u den benötigten Verstärkungen ziemlich bedeutungsschwanger an. Was hat er denn nur? Während ich mir das Hirn zermartere, beendet Gianni die Sitzung und eine Minute später sitze ich mit Scott in seinem Büro. Der schaut mich regelrecht freundlich - und irgendwie erleichtert - an und sagt: "Hätte nicht gedacht, dass Du einfach so zustimmst - aber ich finds wirklich nobel von Dir. Wüßte nicht, was ich sonst gemacht hätte." "Äh ... was hab ich denn Nobles getan?" Scott schenkt mir einen undefinierbaren Blick. "Na du hast Dich bereiterklärt, für den Rest der Saison meinen Job zu übernehmen, damit ich die dringend benötigte Pause bekomme. Ich bin inzwischen 75, normalerweise sollte ich seit zehn Jahren meinen Ruhestand genießen. Naja, jetzt kann ich zumindest mal einen längeren Urlaub machen. Und hey, Du wirst den Job bestimmt locker wuppen!" Danach beginnt er mit einer Kurzerklärungstour durch die Ordner und Unterordner seines PCs, durch die EXCEL-Tabellen und sonstigen Datenbanken, das Telefonverzeichnis der Agenten, Spieler, Präsidenten, Sportdirektoren und so weiter und so fort. Und ich sitze wie betäubt da und starre wechselweise ihn und mein neues Aufgabengebiet an. Eine halbe Stunde später starre ich noch ein bißchen weiter, als die "breaking news"-Meldung der "Manchester Sports Week" eingeht: (click to show/hide) In einem etwas ausführlicheren Kommentar, den Therese am nächsten Tag für den "Sheffield Evening Standard" verfaßt, weist sie darauf hin, dass Lucas und ich inzwischen bei 300 Owls-Spielen an der Seitenlinie gestanden haben und dass ich in meiner Trainerkarriere insgesamt 1200 Partien als Trainer betreut habe. Ziemlich beeindruckend, aber so wie sie es formuliert, klingt das fast wie ein Nachruf - und eigentlich hatte ich nicht geplant, dass meine Karriere so endet (nachdem sie in England wider Erwarten noch eine Ehrenrunde dreht, denn eigentlich hatte ich nach Metz ja bereits einen Schlußstrich gezogen, wie mir auffällt...). Naja, da ist das letzte Wort ja noch nicht gesprochen. (click to show/hide) Immerhin versichert mir Lucas glaubhaft, dass es sich bei dieser Kompetenzverschiebung nicht um seinen Plan gehandelt habe, er sei genauso von Scotts Rückzugswunsch überrascht worden wie ich. Und da mein Anstellungsvertrag als Trainer nur mit einer zunächste bis Saisonende befristeten Zusatzvereinbarung ergänz, jedoch nicht ersetzt wird, gewöhne ich mich in den folgenden Tagen an den Gedanken, dass es wohl gar keine verschwörung gibt, der ich auf die Spur kommen könnte. Eigentlich würde ich ja gern auch mit Sir Charles sprechen und ihn fragen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege und das Rästel gelöst habe, wie ich ihm helfen kann, aber er scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. (Kunststück für einen Geist!) Seufz. Na gut, dann kann ich mich immerhin komplett auf meinen neuen Job konzentrieren. Und binnen einer halben Woche habe ich auch meinen ersten großen Erfolg vorzuweisen. Von Plymouth Argyle hole ich für schlappe 1, Millionen Euro einen jungen Dänen mit englischen Wurzeln (oder wars umgekehrt?) namens Luca Beaston, der Lucas und mir die Unterkiefer zu Boden sacken läßt, als wir die ersten Highlight-Videos zu sehen bekommen. Beaston wird unsere Offensive definitiv verstärken und hat das Potential, in einigen Jahren zum neuen Rekordabgang des Clubs zu werden. (Dass wir den Mittelstürmer allzulange in blauweiß sehen werden, glauben wir nicht - dazu quillt ihm viel zuviel Talent aus den Ohren.) Dass der für knapp über 100.000 Pfund im Jahr bei uns unterschreibt, grenzt an ein Wunder. (click to show/hide) Ich fühle mich einige Tage lang wie das neueste Sportdirektoren-Wunderkind und frage mich, warum Scott eigentlich so ein Gewese um seine Arbeit gemacht hat. Ein bißchen telefonieren, ein paar Kontakte, ein gewinnendes Lächeln und schon ist man der Held des Transfermarktes. Das Hochgefühl hält exakt so lange an, wie ich fürs Gewinnen der Erkentnis brauche, dass ich für einskommasechsmillionen Pfund Ablöse plus erkleckliches Gehalt einen ziemlich teuren Tribünenhocker erworben habe, zumindest für die Rückrunde. Beaston war nämlich von Plymouth Argyle nur ausgeliehen - und zwar vom dänischen Erstligisten Vejle BK. Und da er damit bereits für zwei Clubs in dieser Saison gespielt hat, dürfen wir ihn bis zum 01.07.2058 in keinem Pflichtspiel einsetzen. Hmph. |
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