Ein Foul war das vor dem vermeintlichen Elfmeter für Leipzig zwar, aber Stanisics Bein war eindeutig vor der Linie. Da er den Gegner von vorne berührt hat und nicht von hinten, kann das Foul auch nur vor dem Sechzehner begonnen haben und das ist für die Ermittlung des Tatorts relevant. Nicht wo das Foulspiel endet. Nusa fällt dann natürlich in den Strafraum, aber dennoch war das ein Freistoß, mehr nicht. Den nicht zu geben ist eine klare Fehlentscheidung. Aber eine solche, bei der der VAR keine Befugnis hat einzugreifen, weil es sich nicht um einen Elfmeter handelt, da Freistoß/kein Freistoß nicht in dessen Zuständigkeitsbereich fällt. Kann man sinnvoll finden oder nicht, ist aber Fakt. Der VAR wird sich die Szene sicherlich angeschaut haben. Da es ein eindeutiges Foul war, er aber dennoch nicht eingegriffen hat, ist davon auszugehen, dass es sich auch für den VAR nicht um einen Elfmeter gehandelt hat. Im Rahmen der geltenden Regeln wurde also seitens des VAR alles richtig gemacht. Siebert hingegen hat hier eine klare Fehlentscheidung getroffen.
Zur Abseitsentscheidung kann ich nur so viel sagen, dass die kalibrierten Linien zumindest klare Abseitsstellungen sehr viel zuverlässiger erkennen. Bei knappen Entscheidungen gibt es eine Schwankung, die wohl einfach in der Natur der Sache liegt. Da gab es heute beim Copa del Rey-Spiel zwischen Atlético und Barca auch eine für meine Augen contra-intuitive Entscheidung. Hat uns in der Vergangenheit oft genug andersherum getroffen, man denke an die Tore, die Sadio Mané in seiner Anfangszeit auf die Weise noch einkassiert wurden. Diese Saison hatten wir zwei, dreimal Glück was das angeht.
Ich bin mittlerweile kein uneingeschränkter Fan des Videoschiedsrichters, weil es eine gefühlte Tendenz gibt, dass die Schiedsrichter auf dem Platz dadurch schlechter werden und das nehme ich denen gar nicht übel. Wer 10 Jahre am Stück nur Automatik fährt, wird höchstwahrscheinlich danach ebenfalls Schwierigkeiten haben, wieder mit manueller Schaltung zu fahren. Trotzdem muss man sich fragen, ob man diese Entwicklung so will und ob man den Schiedsrichtern damit einen Gefallen tut. Die Fragen nach Elfmeter oder nicht, absichtliches Handspiel oder nicht oder meinetwegen auch rotwürdiges Foul oder nicht lassen sich nicht immer eindeutig beantworten und auch was eine und was keine eindeutige Fehlentscheidung ist, hängt von einem Ermessensspielraum ab.
Abseitsentscheidungen hingegen können sehr klar eingegrenzt werden. Obwohl es selbst hier weiterhin Situationen gibt die so knapp sind, dass eine zweifelsfreie Auflösung nur sehr schwer möglich ist, werden Fehlentscheidungen trotzdem sehr viel zuverlässiger reduziert. Zur Abseitsfrage gab es vor Einführung des VAR bereits Quellen, die herausgefunden haben wollen, dass es einem Linienrichter gar nicht zuverlässig möglich ist, Abseits jedes Mal zu erkennen und ihm manchmal gar nichts anderes übrig bleibt, als seine Fahne auf Verdacht zu heben.
Insofern kann man sicherlich weiterhin diskutieren, ob man den Schiedsrichtern generell technische Hilfe in Form eines VAR zur Seite stellen will, aber falls ja, dann funktioniert die Auflösung der Frage Abseits/Kein Abseits meiner Meinung nach ganz klar am Zuverlässigsten.
Klar, manchmal ist nur ein halber Zentimeter der Fußspitze im Abseits und man kann sich fragen, ob nun wirklich im Moment der Ballabgabe gestoppt wurde, aber treffsicherer als die Situationen vor dem VAR, als Spieler teilweise einen halben Meter hinter dem Verteidiger standen und dennoch zurückgepfiffen wurden oder andersherum Inzaghi-Like 90 Minuten mit einem Bein im Abseits standen und dennoch regulär zwei Tore machten (überspitzt gesagt) ist die aktuelle Handhabung allemal.
Ob diese Eindeutigkeit es wert ist, seinen Torschrei im Stadion länger zurückzuhalten oder ob nicht der unmittelbare, dafür das Risiko einer Fehlentscheidung in Kauf nehmende Jubel die wünschenswertere Alternative darstellt, das ist nochmal eine ganz andere Diskussion.