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Autor Thema: Jesteśmy Zawiszą  (Gelesen 1604 mal)

Ludwig.FCU

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Jesteśmy Zawiszą
« am: 04.Mai 2026, 22:53:28 »

Jesteśmy Zawisza





Kapitel 1: Ankunft




Für umgerechnet 2,50€ bekam ich meine Karte am Eingang und beeilte mich, weil ich wie immer spät dran war. Das Stadion war für eine Mannschaft aus Liga 4 wirklich erschreckend riesig. Genau deswegen war ich aber auch hier, mein Kumpel Max hatte mir davon erzählt. Ich suchte mir also einen der vielen freien Sitze aus, die mit einer leichten Dreckschicht überzogen waren. Hier saßen schon länger keine Fans mehr...


Futbology App auf und eingecheckt, natürlich als einziger. Hier verirren sich eher selten mal andere Groundhopper her, aber das kann mir egal sein. Ich bereise nun schon seit einigen Jahren polnische Stadien und habe mich in das Land und wie der Sport hier gelebt wird verliebt.

Mein Polnisch ist nie perfekt gewesen, ich wollte aber sowohl Fangesänge, Banner und auch die Fans links und rechts von mir besser verstehen, deswegen war ich über die letzten Jahre mal mehr, mal weniger aktiv dabei, Polnisch zu lernen.

So sah ich die ersten 45 Minuten vor sich hin plätschern. Vom Niveau war das nicht wirklich gut, das Spiel lebte vom Kampf und die kleine, aber wirklich stabile Fanszene lieferte in der ersten Halbzeit ein sehr starkes Bild. Genau für sowas mache ich dieses Hobby und nehme mir von meinem normalen Job als Elektroniker eine oder zwei Wochen Urlaub, um in den Niederungen des polnischen Fußballs unterwegs zu sein.

Neben mir, ein paar Reihen weiter unten, diskutierten zwei Männer lautstark. Einer im Trainingsanzug, der andere mit einer Mappe unter dem Arm.

„Nie tak!“
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„Zu weit auseinander!“

Ich musste grinsen. Das klang weniger nach Analyse, mehr nach Verzweiflung. Als einer der beiden plötzlich zu mir hochschaute, trafen sich für einen kurzen Moment unsere Blicke.

„Ty… mówisz po polsku?“
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Ich zögerte kurz.

„Trochę.“
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Ein kurzes Nicken. Dann ein Handzeichen.

„Chodź.“
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Ich zögerte einen Moment. Eigentlich wollte ich nur ein Spiel sehen. Ein Bier trinken, ein paar Fotos machen und danach zurück ins Hotel, wie immer eigentlich. Auf der anderen Seite war das meine Chance, mal zu schauen, wie weit mein Polnisch im Ernstfall reicht. Also stand ich auf und ging die Stufen hinunter.

„Trochę, ale nie dobrze“ , murmelte ich noch, mehr zu mir selbst als zu ihm.
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Der Mann im Trainingsanzug winkte ab.

„Wystarczy.“
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Unten angekommen merkte ich erst, wie angespannt die Situation wirklich war. Zwei Spieler standen etwas abseits, einer gestikulierte wild, der andere schüttelte nur den Kopf.

„He doesn’t understand“, sagte plötzlich der Mann mit der Mappe zu mir. „Position… distance… everything wrong.“

Ich nickte, obwohl ich mir selbst nicht ganz sicher war, ob ich überhaupt alles richtig verstanden hatte.

Also versuchte ich es. Einfach, langsam, mit ein paar falschen Worten dazwischen. Der Spieler schaute mich erst irritiert an, dann nickte er und plötzlich wirkte es… klarer. Der Mann im Trainingsanzug sah mich kurz an. Dieses Mal anders. Prüfend. Dann nur ein knappes:

„Dobrze.“
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Ich ging zurück auf meinen Platz und versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Innerlich fühlte ich mich gerade ziemlich gut. Ich konnte helfen … glaube ich zumindest.

Dann wurde auch schon die zweite Halbzeit angepfiffen. Für ein paar Minuten passierte nichts. Das Spiel lief weiter wie zuvor. Viel Kampf, wenig Struktur. Ich lehnte mich zurück, hatte mein Bier in der Hand, als ich von unten erneut Stimmen hörte. Lauter als zuvor. Dringender. Ich sah hinunter und machte mich auf den Weg zu ihm.

Dieses Mal blieb ich nicht auf halber Höhe stehen, sondern ging die letzten Stufen ganz nach unten, bis direkt an den Rand des Innenraums. Von hier hörte man jedes Wort. Oder zumindest… fast jedes. Der Mann im Trainingsanzug war inzwischen deutlich lauter geworden.

„Nie tak! Za wcześnie! Znowu to samo!“
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Vor ihm stand der Stürmer, groß, kräftig, sichtlich genervt. Er verstand einzelne Worte, das sah man. Aber nicht das, was eigentlich gemeint war.

„I go when I see the space“, sagte er und zeigte nach vorne. „But nobody plays it.“

Der Trainer winkte sofort ab, redete weiter, schneller diesmal. Zu schnell. Ich stand einen Moment daneben, sagte nichts. Eigentlich ging mich das alles nichts an. Der Mann mit der Mappe trat neben mich.

„On ciągle biegnie za wcześnie…“
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murmelte er, eher zu sich selbst.

Ich nickte leicht. Das hatte ich von oben auch so gesehen. Noch ein paar Sekunden vergingen, in denen beide Seiten aneinander vorbeiredeten. Dann schaute der Mann mit der Mappe kurz zu mir. Nicht fordernd. Eher… fragend. Ich zögerte. Dann sagte ich leise, fast vorsichtig:

„He doesn’t mean the run is wrong…“

Der Spieler drehte sofort den Kopf zu mir. Ich suchte kurz nach den richtigen Worten.

„He wants you to wait half a second more. Not earlier… just later. So the pass is possible.“

Der Stürmer runzelte die Stirn, dachte kurz nach. Dann nickte er langsam.

„Okay… timing.“

Ich nickte zurück. Der Trainer hatte aufgehört zu reden. Er beobachtete uns. Einen Moment zu lange. Dann sagte er etwas, deutlich ruhiger als zuvor:

„Jeszcze raz.“
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Der Stürmer lief zurück aufs Feld. Ich wollte mich gerade wieder umdrehen und hoch auf meinen Platz gehen, als ich seine Stimme noch einmal hinter mir hörte.

„Zostań.“
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Ich blieb stehen. Und drehte mich langsam wieder um.
« Letzte Änderung: 04.Mai 2026, 22:56:53 von Ludwig.FCU »
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Bayernfahne

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Re: Jesteśmy Zawiszą
« Antwort #1 am: 10.Mai 2026, 22:14:00 »

Ich dachte, ich hätte hierauf schon geantwortet? Vielleicht vor "Absenden" versehentlich den Tab geschlossen, naja... Über Polen-Storys freue ich mich immer ganz besonders, deswegen bin ich auch hier selbstredend am Start! Viel Erfolg, aber nicht zu viel, Górnik Zabrze bleibt die Nr. 1  ;)
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...und der Teufel schickt uns einen Kuss, wir haben von alledem gewusst!

Elemotion

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Re: Jesteśmy Zawiszą
« Antwort #2 am: 13.Mai 2026, 09:10:22 »

Eine neue Story in einem interessanten Land, da bleibe ich gerne dabei. Die polnischen Einspieler finde ich bisher klasse, geben dem ganzen ein wenig mehr "persöhnlichkeit"
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