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| Die Provinz ruft - FC Sète 34 |
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| jez:
Da stand ich nun - an der Gepäckausgabe des Flughafens Frejorgues, wenige Kilometer südöstlich von Montpellier; und alles was ich bei mir trug war meine prall gefüllte neue No-Name Reisesporttasche in der linken, und eine Ansichtskarte in der rechten Hand. Auf der Rückseite der wohl schon etwas älteren Fotografie, auf der anscheinend eine Strandszene am Mittelmeer für die folgenden Generationen festgehalten werden sollte, stand geschrieben "Hier schon mal zur Einstimmung eine Strandszene vom Mittelmeer. Komme dich dann am Samsatag um viertel nach sieben vom Flughafen abholen. Erkennungszeichen: Fußballtrikot. Bis dann! Gruß, Markus." BILD Tür an Tür mit der Natur: Der Flughafen von Montpellier Ich fragte mich, wie weit das Meer wohl entfernt sein würde. Unter den musternden Blicken der zwei französischen Zollbeamten versuchte ich es durch eines der Fenster zu erspähen, aber keine Spur. Ebensowenig von Markus. Eventuell wäre es doch klüger gewesen einen Treffpunkt am Flughafen auszumachen. Oder auch einfach nur mein Handy nicht zuhause auf dem Schreibtisch liegen zu lassen. Also schlenderte ich derweil unter den weiterhin wachsamen Augen der beiden Beamten den Flughafen auf und ab, in der Hoffnung er würde mir über den Weg laufen. Am anderen Ende des Terminals angekommen zog dann ein anderes Geschehnis meine Aufmerksamkeit auf sich - beim Beladen eines Flugzeuges war ein Koffer vom Förderband gefallen und aufgeplatzt. Etwa fünf oder sechs Flughafenmitarbeiter waren nun mitsamt des Besitzers des Koffers auf der Jagd nach den im stürmischen Wetter umherfliegenden Akten. Einige Zeit später, der Kofferbesitzer drückte gerade verzweifelt sein Handy ans Ohr, wurde ich dann von zunehmender Unruhe aus Richtung Gepäckausgabe aufgeschreckt. Auf dem Weg dorthin kam mir schließlich grazilen Schrittes Markus entgegen, unübersehbar in seinem hauteng anliegenden 1990'er XXL-Weltmeisterschafts-Nationaltrikot. Doch als ich auf die Frage ob ich denn kein Gepäck bei mir habe lapidar antwortete "meine Tasche steht da vorne", verlor er seine Souveränität schlagartig. Konnte ich denn ahnen, daß eine herrenlos dastehende Tasche in einem Flughafen gleich für eine Bombe gehalten werden könnte? |
| jez:
Knappe zwei Stunden später, nach zähen Verhandlungen mit Polizei und Flughafenpersonal, saßen wir endlich in Markus' nagelneuem Ford Maverick. Der Weg sollte uns etwa 45 km südwestlich entlang der Küste ins 60.000 Einwohner zählende Städtchen Sète bringen. BILD Dort hatte er seine Zelte aufgeschlagen, nachdem er vor zwölf Jahren nach dem Abitur aus Deutschland ausgewandert war, und er ein paar Jahre später die Handelsvertretung für Ford in Südfrankreich übernommen hatte. Dem Vorbild vieler Wirtschaftsmagnaten nacheifernd betätigte er sich als Sponsor eines Fußballvereins, um eines Tages als anerkannter Finanz- und Fußballfachmann zum Präsidenten aufzusteigen und den Verein unter seiner Führung zu Weltruhm zu führen. Nachteil hierbei war, dass er einerseits absolut nichts vom Fußball verstand, und er sich dann auch noch für seine Ziele nicht etwa den SC Montpellier ausgesucht hatte, sondern den FC Sète 34 - seines Zeichens seit Jahren Fahrstuhlmannschaft zwischen der dritten und vierten französischen Liga mit einem maroden, 5000 Plätze bietenden Sportplatz...ahem, Stadion. Und sein großes Ziel doch noch irgendwie zu erreichen, nutzte er seine Beziehungen, und handelte mit der Vereinsführung für einen der definitiv besten und hoffnungsvollsten Nachwuchstrainer Deutschlands einen Job als Hilfstrainer aus. Diese Person war ich - sein Einfluß muß wirklich groß sein... Am späten Nachmittag erreichten wir nach kurzem Zwischenstop am Strand das Vereinsheim. Doch statt des angekündigten Kaffee und Kuchen herrschte dicke Luft. Präsident Emile Anfosso und Geschäftsführer Thierry Schmidt empfingen uns mit düsterer Mine. Wie sich herausstellte, war der aktuelle Trainer Claude Calabuig zum wiederholten Male seinen Alkoholexzessen zum Opfer gefallen. Nach durchzechter Nacht im heimischen Weinkeller hatte er am frühen Morgen im Vollrausch mit dem Kreidewagen wüste Beschimpfungen gegen den Vereinspräsidenten aufs Spielfeld gezeichnet. BILD BILD Ein Bild aus glücklichen Tagen: Trainer Claude Calabuig und Co-Trainer Gilles Beaumian Daneben: Dieser unscheinbare Kreidewagen wurde Coach Calabuig zum Verhängnis Nach kurzer Diskussion zwischen Markus, dem Geschäftsführer und dem Präsidenten setzte dieser sich hin, kritzelte ein paar Notizen darnieder, und hielt mir den Zettel auffordernd entgegen. "Kannst du unterschreiben, ist dein neuer Vertrag...", begann Markus, und bot mir seinen vergoldeten Kugelschreiber an. Also setzte ich verdutzt meinen Namen drunter. "...als Cheftrainer", fuhr er nach kurzer Pause fort, und setzte sein breitestes Grinsen auf. "Calabuig ist geflogen, du bist sein Nachfolger". Ich war zu geschockt, um noch zu widersprechen. Bereits am nächsten Morgen sollte eine große französische Sportzeitung titeln: A Ajaccio, Bernard Diomède a retrouvé le goût du jeu. Na gut, für mich reichte es immerhin für einen Fünfzeiler auf Seite 37. Der folgende Morgen sollte auch bereits der erste sein, an dem ich auf meine neue Mannschaft treffen würde... |
| frq:
Ah, Monsieur le Admin greift wieder storymäßig in die Tasten! 8) Viel Erfolg! Gruß Frank |
| jez:
--- Zitat ---Ah, Monsieur le Admin greift wieder storymäßig in die Tasten! 8) Viel Erfolg! --- Ende Zitat --- Danke :) Mal sehen, ob ich diesmal storymäßig über die Saisonvorbereitung rauskomme - die Vorbereitung ist wieder mal viel zu lang geraten ::) |
| jez:
Die erste Nacht im Hotel konnte ich nicht schlafen. Diese weiche Matratze musste am nächsten Tag dringend gegen etwas härteres ausgewechselt werden, so viel stand fest. Was mich aber mehr beschäftigte war die Frage: Worauf hatte ich mich hier eingelassen? Beim Nachgehen dieser Frage muß ich schließlich doch noch irgendwann eingenickt sein. Im Schlaf hörte ich dann immer wieder fremde Stimmen; doch so sehr ich mich bemühte, ich verstand nicht was sie mir sagen wollten. Nach einiger Zeit wurde mir dann bewusst daß der Radiowecker sich eingeschaltet hatte. Nach einer knappen Stunde schließlich war ich soweit. Mit meinen vier Jahren Schulfranzösisch und dem Langenscheidt Französisch-Wörterbuch begab ich mich gen Trainingsgelände. Schon aus einiger Entfernung konnte ich die Flutlichtmasten des Stade Louis Michel erspähen. BILD Doch weit und breit war niemand zu sehen. Mit Hilfe des Wörterbuchs und eines vergilbten Schildes auf der Tür konnte ich schließlich zumindest die Umkleidekabinen finden. Beim Eintreten dann die große Überraschung: Das komplette Team gab mir ein Willkommensständchen. Jeder Spieler stellte sich persönlich vor, und trotz aller Sprachbarrieren verstand man sich gleich prächtig. Damit hatte ich nicht gerechnet; alle Ängste und Sorgen hatte sich gelegt, so daß mir fast die Tränen kamen. Doch eines war mir jetzt endgültig klar: Ich war ab nun Trainer des FC Sète 34. Dies war meine Mannschaft. Und ich war stolz darauf... BILD Dieses Logo ließ ich mir noch am gleichen Abend tätowieren |
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