Mir wird immernoch nicht klar, warum meine Antwort nicht gepasst haben soll, aber wenigstens wirds jetzt inhaltlich.
Auch wenn es jetzt kleinkariert ist, aber du hast von einer stetigen Verbesserung seit dem Mittelalter geschrieben. In der Tat hat sich aber an der Stellung der Frau bis ins 19. Jahrhundert hinein (fast) gar nichts getan. Und das, was wir jetzt als emanzipierte Gesellschaft bezeichnen und uns dem Islam angeblich so überlegen macht, haben wir erst seit sehr wenigen Jahren. Womit du sicherlich Recht hast ist, dass es in den letzten 60 Jahren keine Rückwärtsbewegung weg von der Gleichberechtigung der Frau gibt. Na das wäre ja noch schöner. Aber Rückwärtsbewegungen hat es in den Frauenrechtsbewegungen schon immer gegeben. Bereits in der französischen Revolution war die Gleichheit auch zwischen Mann und Frau tief verankert. Nur um dann später wieder verworfen zu werden.
Dann gab es im Zuge der Anti-Sklaverei-Bewegung eine parallele Frauenrechtsbewegung, die in der Seneca-Falls-Declaration mündete, in der Frauen die gleichen Rechte wie anglo-amerikanische Männer forderten. Unter dem großen Druck der beiden Bewegungen (Anti-Sklaverei und Frauenrechte) wurde den Frauen versichert, dass man die Rechte bald angleichen würde. Jahrzehntelange ist da nichts passiert.
Die 2. große Welle der Frauenrechtsaktivitäten setzte dann in den 1960er-Jahren ein durch die "neue Linke"/APO und durch den Einzug links-libertärer Intellektuellen (auch Frauen) in gesellschaftsrelevante Stellen. Erst ab dann ging es bergauf.
Es dauert nun schon über 100 Jahre in der westlichen Welt, dass Frauen den Männern gleichberechtigt werden und immernoch ist eine Menge zu tun. Da hilft es auch nicht zu feiern, dass Frauen ja jetzt ohne Genehmigung des Leibeigners (Ehemann) arbeiten dürfen. Ein enormer Fortschritt ist das jedenfalls nicht, wenn man sich mal anschaut was es sonst so für gesellschaftliche Wandlungen vom Mittelalter bis heute gab, ist das auf die Zeit von mehreren 100 Jahren heruntergerechnet ein ziemlich winziger Schritt.
Was eine Ironie: Jetzt zähltst du selbst schon stetige Verbesserungen auf....
Da wusste ich erst nicht, ob du das ernst meinst. Verbesserung...Dass Frauen in der Ehe nicht mehr Vergewaltigt werden dürfen, was vor 14 Jahren noch vollkommen straffrei blieb, weil man davon ausging, dass es ein Recht zum Vollzug der Ehe gibt. Na ein Hoch auf die westliche Gesellschaft, die Kopftüchern skeptisch gegenübersteht und in Afghanistan und Irak unter anderem wegen der Befreiung der Frau eingerückt ist. Ich weiß nicht, ob dir einfach nicht bewusst ist, dass Frauen seit hunderten von Jahren unterdrückt werden und in der BRD erst seit 50 Jahren allmähliche Gleichberechtigung vor dem Gesetz einsetzt. Wie kannst du da von einer befriedigenden Situation sprechen, wo eigentlich höchstens 2 Generationen bisher in den Genuss von annähernd gleicher Behandlung gekommen sind? Es sagt ja niemand, dass bei uns noch Zustände wie im Mittelalter herrschen, das wäre ja verheerend. Das Wort Verbesserung halte ich in dem Zusammenhang, gerade was Vergewaltigung in der Ehe angeht (was übrigens erst seit 2004 ein Offizialdelikt geworden ist, also auch ohne Strafantrag verfolgt werden kann) auch irgendwie für zynisch. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, umso trauriger ist es doch, dass irgendwo in Italien irgendwelche verstrahlten Menschen andere dazu auffordern "Ihren Mann wie einen Champion fühlen zu lassen". Was soll das sein? Beine breit machen, wenn er Lust drauf hat, damit er sich wie ein ganz toller Macker fühlt? Diese "Verbesserungen" scheinen noch nicht überall in gleichem Maße angekommen zu sein.
Da magst du durchaus Recht haben, aber ohne die Akzeptanz der Männerwelt hätten die Frauen noch 100 jahre weiter kämpfen können.
Oh, wie edel von den Männern, dass sie nach jahrelangem Unrecht die helfende Hand der Männer ausgestreckt bekommen haben, die diesen verzweifelten Kampf nicht mehr mit ansehen konnten und mal für Besserung gesorgt haben. Weiß du, was in diesem von mir zitierten Satz drinsteckt? Die Unterstellung, dass Frauen es ohne Männer in "100 Jahren" nicht geschafft hätten, eine Gleichberechtigung herbeizuführen. Das halte ich, mit Verlaub, für chauvinistisch.
Es wird doch stetig besser und wenn wir auch nur die letzten 50 jahre rausgreifen wollen, dann hat sich die Position der Frau doch drastisch verbessert.
Na dann schreib das doch von Anfang an so. Mir war es wichtig das klarzustellen, dass sich die Position der Frau nicht seit dem Mittelalter stetig verbessert. Die letzten 50 Jahre, ja da wurde die Position allmählich angeglichen. Aber selbst in unserer ach so fortschrittlichen Gesellschaft herrscht noch lange keine Chancengleichheit. So wie du das alles formulierst, stetige Verbesserung seit dem Mittelalter, danach drastische Verbesserung, das impliziert dann alles, dass die Frau mittlerweile besser gestellt wäre. Dem ist nicht so.
Ich will jetzt nicht die Frauenquotendiskussion wieder zum Leben erwecken, aber vllt kannst du mir ganz kurz, meinetwegen per PM erklären, wie die Missstände, dass z.B. Managementpositionen zu 90% von Männern belegt werden, Aufsichtsräte sogar zu 95%, behoben werden sollen? Eine Quote verlangt ja nicht, dass mehr Frauen als Männer in bestimmten Jobs arbeiten sollen, sie soll eben nur angleichen. Was verständlich ist, denn Frauen sind im Durchschnitt seit 10 Jahren höher Qualifiziert als Männer, haben also mehr Hochschulabschlüsse und machen häufiger (und im Schnitt ein besseres) Abitur. Dieser Höherqualifizierung muss Rechnung getragen werden, obwohl der Unsinn einer Quote natürlich auch offensichtlich, aber vermutlich unvermeidbar, ist.
Wenn es schon Sanktionsquoten für Argen gegen "Hartz4"-Empfänger gibt, kann man auch eine Frauenquote einführen...