Ob sich das Volk für dumm verkaufen lässt, sei einmal dhingestellt, ich denke, "Bauer sucht Frau" ist genauso ehrlich wie Sendungen wie "Die Super-Nanny", "Das Model und der Freak" und "Das Dschungelcamp" oder amerikanisches Wrestling.
Diese Sendungen leben vom "Gott sei Dank geht es mir nicht so / bin ich nicht so"-Gedanken, von der Schadenfreude und einem Überlegenheitsgefühl, dass der Klischeezuschauer so in seinem Alltag nicht kennt (wobei ich gerade in das Klischee verfalle, derlei Sendungen würden nur von der intellektuellen Unterschicht geschaut, ich bitte, mir das nachzusehen).
Wenn ich mir BsF anschaue, bin ich mir durchaus bewusst, dass vieles gestellt ist, ich glaube aber tatsächlich, dass der eine oder andere Landwirt tatsächlich verzweifelt nach einer Partnerin sucht und von RTL für die Quote gnadenlos zur Schau gestellt wird.
Je schüchterner/unbedarfter/altmodischer/sozial isolierter/vom Leben gezeichneter usw., je besser. Es sind nicht die Normalos, die der Fernsehzuschauer sehen möchte, es ist eine moderne Freakshow, in der diese Menschen präsentiert werden.
Oh, natürlich gibt es auch Erfolge zu vermelden, keine Frage. Mehrere Paare haben sich gefunden und sind wohl glücklich, aber noch mehr sind inzwischen umso einsamer und hoffnungsloser.
Der moderne Zuschauer möchte nicht die Erfolgreichen und Glücklichen sehen. Es sind die Deppen, die Versager, die Unterbelichteten, nach denen verlangt wird. Erfolg wird geneided, Blosstellung begrüßt.
Wie sieht es denn aus bei Castingshows, sei es Popstars, DSDS, Das Supertalent o.ä.? Wen interessiert schon, wer gewinnt - die Kasper, die sich im Vorsingen blamieren, wahrscheinlich vom Sender noch dazu ermutigt, bringen Quote. Niemanden interessiert, wer bei "Wer wird Millionär" 64.000 € mitnimmt - der Depp, der bei der 500€-Frage scheitert, istb das Gesprächsthema (wobei ich zugeben muss, dass WWM nicht wirklich mit BsF o.ä. vergleichbar ist).
Wir leben in einem freien Land, jeder darf sehen, was er möchte. Und wenn ARD und ZDF ihren Bildungsauftrag so verstehen, dass wir uns die Hochzeit des englischen Kronprinzenpaars aus 20 Perpektiven und mit unzähligen Kommentatoren vor Ort ansehen müssen, braucht man sich nicht zu wundern, was bei den Privaten abläuft. Kennt jemand den Film "Live!"? Was glaubt ihr, was wäre, wenn eine Sendung wie in diesem Film bei uns liefe? Es wäre DER Quotenhit, ohne Frage.
Die Verseichtung des Fernsehprogramms ist doch nur ein Teil der allgemeinen Niveausenkung. Man schreibt, wie man spricht, man kürzt ab, verwendet Anglizismen und trägt die Hosen mit dem Schritt an den Kniekehlen. Man liest nicht mehr, es wird ja alles verfilmt. Die Simplifizierung zieht überall ein. Beispiel Videospiele. Es darf einfach kaum noch schwere Videospiele geben, der Spieler von heute möchte keine Frust-, sondern nur noch Erfolgserlebnisse. Wer erinnert sich noch an Spiele wie Super Mario oder Gianna Sisters? 3 Leben und aus. Nix mit Quicksave. Alles wird einfacher. Einparkhilfen, Tiefkühlpizza, inszenierte Treibjagden mit zahmen Wildschweinen, Rolltreppen, Windows für Dummies.
Wer merkt sich heutzutage noch Telefonnummern? Wer schreibt noch Briefe?
Am Ende des Tages sind wir selbst Schuld. Wo man sich früher für einen Brettspielabend getroffen hat, geht man heute kurz online (naja, da ist ja eigentlich nichts gegen einzuwenden;D), aber wo bleibt da das Gesellige? Ein Brettspielabend dient der Geselligkeit, den Gesprächen während des Spiels, dem Essen, dem Glas Wein/Bier/sonstwas. Wir werden bequem, nicht nur bezüglich des Körpers, sondern auch und vor Allem auf geistiger Ebene. Wir sind lernfaul und unbeweglich. Irgendwann werden wir enden, indem uns alle Arbeit und alles Denken abgenommen wird, und wir konsumierend auf dem Rücken liegen und uns beklagen, dass wir noch selbst kauen müssen.