Auch wenn dieser Post sicher vielen nicht gefallen wird, schreibe ich das, was ich mir gestern oft während
Jauchs Talkshow zum Thema Online-Shopping, insbesondere bei Amazon, gedacht habe.
Da wird der "neue" Trend Onlineshopping von manchem Gast (Wallraff, Yogeshwar) verteufelt, weil dadurch ja der altbackene Händler Verluste macht und die zwischenmenschlichen Beziehungen verkümmern. Dabei ist das Internet eben der neue Katalog. Lebensmittel kauft doch kaum einer online ein und der Großteil der Kunden von kleinen Tante-Emma-Läden ist (jetzt populistisch und überspitzt formuliert) eh so alt oder altmodisch, dass er eh nichts online bestellt und damit auch weiterhin zum Kleidungsgeschäft, Bäcker oder Elektrohändler um die Ecke geht. Man muss nicht an jedem Trend (und das Internet ist mittlerweile eben das Zentrum der Zivilisation) den Weltuntergang herbei sehen. Viele Leute haben auch berufsbedingt nicht allzu viel Zeit und wollen nicht nach einem harten Tag noch in der Stadt shoppen gehen (zumal sich die Öffnungszeiten vieler kleinerer Geschäfte mit einigen Arbeitszeiten überschneiden). Das geht im Internet bequem und zeitsparend.
Ein anderes Thema, was mich immer wieder ärgert, ist die Mitarbeiterbezahlung. Da wird bemängelt, dass die Paketzusteller zu wenig verdienen und/oder zu schlechte Arbeitsbedingungen haben. Wenn es wirklich so schlecht ist, wieso suchen sich die Mitarbeiter dann nicht etwas anderes? Das ist natürlich nicht so einfach, aber zur Not bekommt man als Arbeitsloser ja immer noch nicht viel weniger Geld und schont seine Gesundheit. Das ist natürlich auch etwas gemein von mir formuliert, aber so ähnlich kann man es doch sagen. Amazon kann sich ja auch einfach gänzlich aus Deutschland zurückziehen, wenn es den Leuten nicht passt. Dann sind alle Arbeitnehmer ihren Job los und hier der Aufschrei noch viel größer.
Ein Gast in der Runde sprach das eigentliche Problem dann an, als er sagte, dass der Fehler die falsche Differenzierung zwischen Logistik- und Einzelhandels-Tarif sei, wonach sich die Bezahlung richte.
Kritik gab es auch, dass mancher sich den schweren Fernseher in den fünften Stock schleppen lässt. Ich bestelle solche schweren Dinge nicht via Internet und gehe auch aus dem fünften Stock, in dem ich wirklich wohne, auch immer runter zur Tür und hole das Paket persönlich ab. Dennoch sollte sich darüber niemand beschweren. Schließlich ist das deren Job. Die Reinigungskraft stört sich auch nicht an dreckigen Räumen. Und man zahlt dafür auch Versandkosten und dafür hat man das Recht, sich servicemäßig die bestellte Ware bis an die Haustür liefern zu lassen. Manchem sind nun sicher die Versandkosten im Verhältnis zu den Transportkosten zu gering. Dann muss eben gesetzlich erhöht werden. Wem das dann zu teuer ist, der kann ja wieder beim Händler in der Nähe privat einkaufen.

Zwei weitere kleine Kritiken von gestern, die ich teilen kann, ist, dass es ein Unding ist, dass Amazon in Deutschland mehrere Sitze hat, aber die Steuern in Luxemburg zahlt. Jedoch sollte jeder, der sich darüber aufregt, bei der Politik Deutschlands und besonders der EU beschweren und nicht bei den Unternehmen. Diese machen ja nichts Verbotenes, sondern nutzen den ihnen gelassenenen Spielraum. Ein betriebswirtschaftlich handelndes Unternehmen wäre ja töricht, wenn es bewusst mehr Steuern als nötig zahlt. Das wären ja unnötige Zusatzkosten.
Absolut teilen kann ich die Beschwerden über den Umtauschwahn. Ich finde es deshalb auch richtig und wichtig, dass ein hohes Gericht vor kurzer Zeit Kosten für einen Umtausch auf den Kunden umlegen lässt. Ob das eintreten wird, bezweifle ich, aber die Möglichkeit ist erstmal gegeben. Es kann ja nicht sein, dass manche sich die Kleidung in mehreren Gröen kaufen, um eine zu behalten und den Rest (kostenfrei natürlich) zurückzuschicken. Das ist ein Aufwand, den man nicht hinnehmen sollte. Die Argumente mit der Umweltbelastung sind mir grundsätzlich egal, aber es belastet eben die Verkäufer, die sowas in den Preis einkalkulieren müssen, wodurch dieser allgemein steigt.
Insgesamt war es eine Sendung, die mich ein wenig erregt hat. Ich persönlich kaufe eigentlich nur Elektronik online (aber auch beim Händler wie MM oder Expert). Alles andere erwerbe ich altmodisch im normalen Einzelhandel. Deshalb tausche ich auch nichts um, da dieses Phänomen vor allem bei Bekleidung auftritt. Meine Schwester agiert da leider negativer. Sie bestellt vielfältiger und nutzt gern das Umtauschrecht. Aber solange es erlaubt und kostenfrei ist, müssen sich die Unternehmen eben nicht wundern, wenn man davon Gebrauch macht.