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Autor Thema: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread  (Gelesen 1550900 mal)

Signor Rossi

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3740 am: Gestern um 21:14:38 »

Das war weniger ein Widerspruch zu deiner Aussage, sondern eher eine allgemeine Anmerkung zum Fachkräftemangel.
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OppaChonk

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3741 am: Gestern um 21:50:34 »

Japan hat in Unternehmen auch solche Leute nennt sich Madogiwa-zoku (Fenstergucker). Im Englischen gibt es den Begriff Bullshit Jobs. Sie beschreiben alle das gleiche Phänomen.

Just my two cents: 窓際族 (madogiwazoku) beschreibt etwas komplett anderes, als du in deinen letzten Posts benannt hast. In der japanischen Arbeitskultur ist es üblich, "auf Lebenszeit" in einer Firma angestellt zu werden und deshalb eher selten, dass Unternehmen redundante Arbeitnehmer*innen rausschmeißen, weshalb sie ihnen diese "Fenstergucker"-Jobs geben. Die betreffenden Personen (meistens älteren Semesters) sitzen dann wortwörtlich den ganzen Tag an ihrem Platz und müssen die Zeit irgendwie totschlagen, weil sie keine richtigen Aufgaben und erst recht keine Verantwortung haben. Das mag für manche vielleicht eine Traumvorstellung von einer Arbeitsstelle zu sein, kollidiert aber extrem mit der schon erwähnten japanischen Arbeitskultur, in welcher sich auch über den Job definiert wird. In den letzten Jahren wurde das noch weiter ins Extreme getrieben, und die madogiwazoku werden in extra dafür vorbereitete Räume gesetzt.  追い出し部屋 (odaishibeya), sehr oft ohne Fenster oder irgendeine Ablenkung, in welchem diese dann in absoluter Langeweile die Zeit verbringen müssen. Dies führt dann noch mehr zu 村八分 (murahachibu) - dem Von-der-Gruppe-Ausgeschlossen-sein, was wieder mit der japanischen (Arbeits-) Kultur kollidiert.

Ziel seitens der Firmen ist es natürlich, dass diese Personen von selbst kündigen und damit auf Ansprüche verzichten, welche es bei einer Firmen-seitigen Kündigung normalerweise gäbe (Abfindung etc.).

Ich hab doch eine Definition geliefert. Keine Verantwortung, Zeit totschlagen, geringe Produktivität. Dass das in Japan genutzt wird um Leute loszuwerden ist mir bewusst. Das Mindset der Japaner ist auch ziemlich einzigartig. Das muss man auch nicht kopieren.

Deine Definition war, dass diese Jobs von Menschen freiwillig angenommen werden, deiner Meinung nach würde "fast jeder so einen Job annehmen, wenn er die Gelegenheit dazu hätte". Oder hier: "Wenn ihr dir das gleiche Geld für weniger Arbeit biete, würdest du wahrscheinlich sofort annehmen, ich auch. Das liegt in der Natur des Menschen, den einfachen Weg zu gehen. Japan hat in Unternehmen auch solche Leute nennt sich Madogiwa-zoku (Fenstergucker)."

Aber passt schon, eigene Fehler eingestehen ist so eine Sache in diesem Thread.
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DragonFox

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3742 am: Gestern um 22:45:07 »

@DragonFox : Ich finde es wild, dass du scheinbar einer der wenigen bist, die immer den schweren Weg nehmen. Ich dachte Einhörner sind was seltenes. Und ja : Wenn ich die Wahl habe, einen Bagger zu nehmen oder eine Schaufel, dann nehme ich natürlich den Bagger. Aber so ist die Menschheit immer produktiver geworden. Dieser Ansporn, sich die Arbeit zu erleichtern, hat die Menschheit tatsächlich produktiver gemacht. Das scheinst du zu vergessen. KI und Automatisierung haben viele auch schon vorher genutzt, um z.B. 2 Jobs gleichzeitig zu machen und ihr Einkommen zu maximieren (USA). Und nun ich habe weder den richtigen Studiengang, noch die richtige politische Einstellung oder das nötige Vitamin B, um das zu ergattern. Ich werde so einen Job nie bekommen. Traurig darüber bin ich nicht, ich kann auch mit meinem jetzigen Job ganz gut leben. Man gewöhnt sich halt daran, jeden Tag auf Arbeit zwischen 12000 und 15000 Schritte zu machen. Spare ich mir immerhin das Fitnessstudio und muss nicht joggen gehen.

Wenn du glaubst, dass ich darauf hinaus wollte bist du auf dem Holzweg.

Abgesehen davon gibt es diese Einhörner. Es gibt genug Menschen, die einen schweren Job machen, obwohl sie es einfacher haben könnten. Gründe gibt es dafür auch genug. Das hat nichts mit Einhörnern zu tun und das ist auch kein Bullshitjob. Einige der Gründe machen den Job nämlich genau zum Gegenteil.

Ich habe ja bereits gesagt, dass ich deine grundsätzliche Kritik nachvollziehen kann. Die Art und Weiße wie du es ausdrückst und damit sehr viele Menschen über einen Kamm scheerst finde ich trotzdem seltsam. Da wir uns im Kreis drehen war es das von mir aber auch zu dem Thema.


Der Fachkräftemangel ist die Differenz zwischen den von Unternehmen gemeldeten offenen Stellen beim Arbeitsamt ...
Also doch die Selbsteinschätzung der Unternehmen.
Es sind Daten der Agentur für Arbeit und keine Umfrage zur Einschätzung an Unternehmen. Darauf wollte ich mit meinem Kommentar hinaus. Das Unternehmen darauf Einfluss haben stimmt. Dass es die Rechnung dadurch verzerren kann stimmt auch. Ich nehme an, die Verzerrung hätte eine andere Qualität. Sei es drum, letztendlich gibt es dafür Möglichkeiten das zu korrigieren. Die Agentur für Arbeit versucht zum Beispiel verschieden lang bestehende offene Ausschreibungen unterschiedlich zu bewerten. Wenn man dagegen Aussagen von Unternehmen im Rahmen eine Umfrage unterschiedlich bewertet wäre das methodisch zweifelhaft.
Meine Kernaussage, dass die Berechnungen zum Fachkräftemangel solider sind, als eine Umfrage bei Unternehmen zur Einschätzung von Bürokratiekosten, finde ich trotzdem korrekt. Und dabei wollte ich auch nicht sagen, dass ich die Berechnungen wesentlich aussagekräftiger halte oder so eine Umfrage im Vergleich für weniger aussagekräftig, sondern nur, dass der Vergleich an der Stelle hinkt.
« Letzte Änderung: Gestern um 22:50:04 von DragonFox »
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TNDO

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #3743 am: Gestern um 22:46:30 »

@ OppaChonk : Ich versuche es dir einmal zu erklären : Sie haben den Job angenommen, damals unter anderen Vorzeichen. Es hat sich dann aber in eine Richtung entwickelt, wo einige nicht hinwollten. Und trotzdem ist das grundlegende Element vorhanden : Kaum eigene Verantwortung, wenig Arbeitsbelastung, geringe Produktivität.

Und zum Fehler eingestehen. Ich bin so ziemlich der, der am häufigsten eigene Fehler anerkennt. Lies dir mal den Thread durch.

Wir sind hier doch in einem Fussballforum : Wieviele Fussballer gehen den leichten Weg und folgen dem Geld. Cristiano Ronaldo hätte ja laut eurer Logik niemals nach Al Nassr gehen dürfen, sondern sich weiter in Europa durchbeißen müssen. Wieviel junge Fussballer gehen lieber nach Saudi-Arabien. Ein vermeintlich schneller Weg zu viel Geld mit weniger Konkurrenzdruck. Anstatt in Europa extrem viel Konkurrenz zu haben, geht man halt lieber in eine schwächere Liga, die gut zahlt. Vielleicht versteht ihr jetzt was gemeint ist.Noch ein Beispiel gefällig? Geh mal in eine beliebige Firma und frage die einfachen Mitarbeiter. Ich kann bei mir in der Filiale einmal durchgehen. 8 von 10 Mitarbeiter wollen keine Vertretung machen. Warum? Weil man dann die Verantwortung trägt und die Arbeitsbelastung höher ist. Das ist nunmal nicht jedermans Sache. Muss es auch nicht sein. Aber das komplett zu verkennen, das finde ich schon befremdlich. Unterhaltet ihr euch überhaupt mit normalen arbeitenden Leuten? Deswegen Lifestyle-Linke und deswegen die Vergleiche mit dem Elfenbeinturm.
@DragonFox : Ja es mag diese Leute geben. Sie sind aber tatsächlich eine Minderheit. Und viele dieser Leute bezahlen dafür einen hohen Preis.Viele Landwirte gehören z.B. dazu. Viele Arbeitsstunden, geringe Bezahlung etc. Dementsprechend schwer finden diese Berufe auch Mitarbeiter oder im Fall von Bauernhöfen auch Nachfolger für den Hof. Gastronomie ist ein weiteres Beispiel. Viele sind dort, weil sie den Job lieben, trotz der Bedingungen. Aber auch das verfliegt irgendwann. Viele aus der Gastronomie wechseln z.B. in den Einzelhandel.

« Letzte Änderung: Gestern um 22:50:18 von TNDO »
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