Heute steht der Prinz mal auf dem NebenplatzErnst Pohl – Das klingt für den Unwissenden nach einem klassischen, etwas in die Tage gekommenen Vor- und Zunamen. Ernst Pohl ist den polnischen Fußballfans allerdings sehr bekannt. Eben jener Ernst Pohl wurde 1932 in Ruda geboren. Er schnürte bereits im jungen Alter von etwa 20 Jahren für Legia Warschau in der polnischen ersten Liga die Fußballschuhe. Und das mit Erfolg, denn immerhin konnte er in dem Zeitfenster zwischen 1953 und 1956 zwei Doubles in seine private Trophäensammlung aufnehmen und zeitgleich auch für die Nationalmannschaft Polens auflaufen.
Der Erfolg nahm auch bei seiner folgenden Station kein Ende, denn bei seinem Folgeverein – Gornik Zabrze - wurde Pohl schon zu einer Legende. Man taufte ihn mit einem auch in Deutschland allseits bekannten, etwas martialisch daherkommenden Titel für sehr gute Stürmer – „Der Bomber“.
Nach eben jenem Bomber, der für Zabrze in etwa 200 Partien über 140 Treffer markierte und mit denen er acht nationale Meistertitel hamsterte, ist inzwischen auch das Stadion in Zabrze benannt. Den alten Glanz hat das einst historische Stadion ein wenig verloren, denn es gab in den 2000er Jahren größere Umbauten, bei dem die historische Tribüne einer funktionaleren Stadionatmosphäre weichen musste.
Wir könnten nun über Gornik Zabrze und den Weltstar Lukas Podolski berichten, aber diese Zeilen finden man zu genüge in anderen Formaten bei großen Fußballfachzeitschriften oder Online-Angeboten, aber ein Blick auf den Club und seine sportliche Entwicklung in den vergangenen Jahren scheint lohnenswert.
Nun, die goldenen Zeiten sind mit dem Prinzen aus Köln nicht unbedingt nach Zabrze zurückgekehrt. Der Vizerekordmeister Polens sammelte seine nationalen Titel vorwiegend mit Ernst Pohl bzw. zwischen 1957 und 1988. Insgesamt stehen 14 Meisterschaften im Trophäenschrank, inklusive derer sieben Pokalsiege, sowie eine Teilnahme am Finale des Europapokals der Pokalsieger 1970. Den Titel gewann seinerzeit aber Manchester City durch einen 2:1 Sieg im Praterstadion von Wien.
National belegte Gornik Zabrze in der Spielzeit 2025/26 den sechsten Platz in der polnischen Ekstraklasa. In den beiden drauf folgenden Spielzeiten befand sich der Club dann eher im Abstiegsstrudel, es reichte aber jeweils für die Ränge 13 und 14 und den Klassenerhalt. Dank eines 0:0 gegen Motor Lubin am letzten Spieltag der Spielzeit 2027/28 konnte man den direkten Abstieg jedoch äußerst knapp verhindern.
Viel besser lief es im Grunde in Folgejahren auch nicht. Jedes Heimspiel im Ernst Pohl Stadion war hart umkämpft, lediglich das 4:1 gegen GKS Katowice in der Saison 2029/30 konnte mit einem größeren Torabstand gewonnen werden. Es gereichte allerdings auch in jener Saison lediglich zu einem 14. Rang. Erst im vergangenen Jahr, also 2030/31, waren die Fahrwasser für den Fußballverein in der Bergarbeiterstadt vergleichsweise ruhig, denn nach 34 Spieltagen lief der Verein auf Platz 8 ins Ziel. Grundsätzlich wäre in dieser Saison auch mehr drin gewesen, hätte man nicht im März und April sechs Partien am Stück verloren.
Somit gingen die einst vom Erfolg verwöhnten Anhänger von Gornik Zabrze titeltechnisch leer aus, die Meisterschaften seit 2025/26 holten sich KS Cracovia (2x), Wisla Plock (1x), Jagiellonia Bialystock (2x) und Rakow Czestochowa (1x). Über Pokalergebnisse legen wir hier besser den Mantel des Schweigens.
Parallel zu der Erfolglosigkeit hat der Verein auch einige Trainer verschlissen, denn ganze zehn Übungsleiter haben sich in den letzten 5 Jahren an Gornik abgearbeitet.
Star des Teams ist, glaubt man schangeligen Plattformen wie transfermarkt.de, Roberto Massimo, den eventuell noch einige Personen aus Stuttgart oder Fürth kennen. Der Rechtsaußen wechselte für 300.000 Euro nach Zabrze und geht aktuell in seine siebte Spielzeit beim Verein. Sein Marktwert wird auf etwa 1,4 Millionen Euro taxiert.