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Stories und Onlinespiel => Stories, Lets Plays und Challenges => Thema gestartet von: jkay94 am 10.September 2025, 10:31:09

Titel: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 10.September 2025, 10:31:09
Hallo zusammen,

nachdem mein letzter Storyversuch bereits 10 Jahre her und die Motivation für den FM aktuell wieder sehr groß ist - möchte ich mich nun mal wieder an eine Geschichte wagen. Dabei wird es kein stupides Posting von Ergebnissen und Fakten geben - sondern ich versuche das Ganze in eine halbwegs vernünftige Story zu verpacken. Wohin es uns dabei zuerst verschlägt erfahrt ihr noch. Über Feedback freue ich mich wie immer sehr! Als Grundlage dient der FM 24.

Ich wünsche viel Spaß!

Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
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Prolog: Kneipenfrust


Was wäre die Welt wohl ohne Ehrgeiz? Ehrgeiz sorgte sehr wahrscheinlich dafür, dass der Homosapien sich überhaupt erst aufmachte die Welt zu entdecken. Ehrgeiz wird wohl auch der Grund gewesen sein, dass der Mensch irgendwann das Flugzeug erfand und sich den Traum vom Fliegen verwirklichte. Ehrgeiz musste scheinbar etwas wirklich Tolles sein. Andererseits…auch Adolf Hitler dürfte wohl einen gewissen Ehrgeiz gehabt haben. War Ehrgeiz also immer so positiv wie alle taten?
 
„Ehrgeiz am Arsch!“ murmelte ich in meinen viel zu kurzen Bart und setzte erneut das Bierglas an. An Tagen wie heute war Ehrgeiz mein größter Feind und für mich ein absolutes Arschloch. Er sorgte nämlich dafür, dass ich mich jetzt so beschissen fühlte, wie ich mich eben fühlte. Mitten in dieser alten Leipziger Bürgerkneipe. Mein einziger Ehrgeiz heute Abend dürfte es wohl nur noch sein, dass sich zu dem Bier, welches ich gerade in wenigen Zügen heruntergekippt hatte, noch ein paar weitere dazugesellten. Die heruntergekommene Gosenschenke war an diesem Abend kaum besucht. Nur vereinzelt verirrten sich Gäste in den großen Schankraum. Im Gegensatz zu vielen anderen Kneipen durfte hier noch geraucht werden und so hing permanent ein dunstiger Schleier in der Luft.

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Ich griff in meine Tasche, um mir eine weitere Kippe anzuzünden. Ich nahm einen großen Zug und bemerkte, dass meine Verabredung das Lokal betreten hatte. Ich hatte Tom seit Beginn meines Lehrgangs nicht mehr gesehen. Verändert hatte er sich allerdings kaum. Wie ich schnell merkte, weder äußerlich noch charakterlich. Ein legerer Typ mit langen blonden Locken. Jemand dem man Wünsche nicht so einfach abschlägt. Ich hatte schon damals vermutet, dass seine Eisblauen Augen wahrscheinlich der Grund waren, warum er schon damals bei den Frauen so erfolgreich war. Dezent ausgedrückt.

Er brauchte nicht lange, um mich in meiner Ecke zu entdecken und lief dann straight auf meinen Tisch zu. „Julian, Mensch! Endlich sehen wir uns mal wieder.“ Ich stand kurz auf und erwiderte seinen Händedruck mit einem verkniffenen Lächeln. „Ja, ist lange her.“ „Das kann man wohl sagen, damals hast du angefangen deine Trainerlizenz zu machen.“ Vielsagend blickte Tom in Richtung der Thekendame. „Ich würde auch ein Bier nehmen bitte, Uri!“ Die routinierte Frau nickte nur knapp und wandte sich dem Zapfhahn zu.

„Ja und ich habe sie auch erfolgreich abgeschlossen. Nur die Suche ist, untertrieben gesagt frustrierend. Hinter mir liegt ein Frühsommer voller kurioser Begegnungen und Gelaber. Es ist wie verhext. Und dabei sollte man meinen wir hätten die Walpurgisnacht längst hinter uns gelassen.“  Tom zog die Brauen hoch, während die Kellnerin mit einem ordentlichen Wumms sein Bier vor ihm platzierte. Er bedankte sich, bevor er sich wieder mir zuwendete. „Klingt ganz schön ätzend.“ Griff er den Faden auf und animierte mich somit dazu meinem Rededrang weiter nachzugeben.

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„Ist es. Nachdem ich mit meiner Lizenz fertig war, habe ich gefühlt mit jedem Sechstligisten hier in der Leipziger Region gesprochen. Nirgendwo hat es funktioniert. Nicht, weil mich grundsätzlich niemand haben wollte, aber die Abgründe sind teilweise einfach zu groß. Auch ich muss mir einen gewissen Grundanspruch bewahren. Letzte Woche war ich oben in Taucha. Bei der SG. Katastrophale Bedingungen und ein Vorstand, der sie nicht alle hat, wenn du mich fragst, aber die haben wenigstens einen. Der ist bei Blau-Weiß Leipzig mal eben zurückgetreten, nachdem wir gerade mit den Verhandlungen begonnen haben. Die Nummer dort ist bis heute nicht geregelt. Dazu kommen natürlich noch die normalen Absagen. Ach, und bevor du fragst. Ja, ich habe auch darüber nachgedacht von hier wegzugehen. Aber ich bin hier aufgewachsen, im Moment kann ich es mir noch nicht vorstellen.“

Ich war nun im Redefluss. Nach einer ganzen Reihe weiterer Erzählungen von kuriosen Vorstellungsbegegnungen hatte ich mir den Frust von der Seele gesabbelt. Tom wirkte während meiner Ausführungen immer in sich gekehrter und rotierte nun nachdenklich das fast leere Bierglas in seiner Hand. Dann schien er einen klareren Gedanken gefasst zu haben. „Hast du es auch oberhalb der Sachsenliga probiert?“ Ich gluckste. „Natürlich nicht. Ich muss ja erstmal irgendwo Fuß fassen. Mit meiner Erfahrung nimmt mich doch keiner der nur annähernd in Reichweite des Profibereichs ist. Zumindest keiner der sie noch alle hat.“ erwiderte ich.

Tom nahm einen großen Schluck aus seinem Glas, als hätte er einen Entschluss gefasst. Nachdem er die Kellnerin mit einer kurzen Handbewegung auf sein leeres Bier aufmerksam gemacht hatte, begann er zögerlich. „Es gibt da vielleicht eine Möglichkeit.“

Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 11.September 2025, 09:19:22


Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
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Prolog Teil 2: Kneipenfrust

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„Willst du mich verarschen?“ fassungslos blickte ich Tom an. „LOK?“ Ich versuchte eisern einen Funken von Witz oder Ironie im Gesicht meines Gegenübers zu erkennen. „Nein, will ich nicht.“ stellte der nur trocken fest. „Und was ist mit Civa?“
 „Der wird nicht mehr lange Trainer sein. Ich kenne dort ja nun genug Leute durch meine Zeit im Nachwuchsbereich und ich sage dir dort hat es gestern richtig geknallt. Er muss wohl heftig mit Ziane aneinandergeraten sein. Angeblich inklusive Austausch intensiver körperlicher Nettigkeiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man das bei LOK nutzen wird, um Civa loszuwerden. So pralle waren die letzten Jahre sportlich nicht und Probleme gibt es seit Monaten auch zwischenmenschlich durch den kompletten Staff. Wenn der Platz frei wird, könnte ich einen Kontakt herstellen.“ führte Tom aus.

Das überzeugte mich nicht. Bei LOK waren auch in den letzten Jahren immer wieder bekannte Namen und Gesichter aufgetaucht. Darauf legte man beim ersten Deutschen Meister großen Wert. Schließlich hatte der Traditionsklub auch heute noch eine große Strahlkraft auf bekannte Persönlichkeiten. „Bei Lok legt man Wert auf Namen. Selbst der Basler hat sich mal eine ganze Weile dort auf dem Gelände rumgetrieben. Ich glaube wirklich nicht, dass da was geht.“ Stellte ich pessimistisch, wie ich nun einmal war, fest. „Und selbst wenn. Versuchen könnte man es – vielleicht will ja auch die alte Dampflok mal einen neuen Weg einschlagen und mit dir hätten sie definitiv jemanden der frischen Wind in den Laden bringt. Schließlich warst du auch der stärkste Absolvent des Jahrgangs und…“ Tom machte eine Kunstpause. „Wenn ich mich richtig erinnere, war doch auch dein Stiefvater damals beim VFB?“ Ich ließ ein zustimmendes Murren vernehmen, während ich nachdenklich mit dem Zeigefinger über den Rand meines Bierglases strich. „Er war mehr Mitarbeitender als Spieler, aber ja.“ Ich seufzte. „Ok, gut. Sollte und ich meine wirklich SOLLTE! sich dort etwas tun dann leg gerne ein gutes Wort für mich ein. Du weißt mit Lok tu ich mich schwer, auf vielen Ebenen.“ Tom breitete die Arme aus „Wie du meinst. Ich kanns nur anbieten.“ Das erste Mal seit Tom die Kneipe betreten hatte gönnte sich unser Gespräch eine kurze Pause. Schließlich sagte ich: „Gut, das war mal ein intensiver Einstieg. Bisher haben wir aber nur von mir geredet. Wie ist es dir in den letzten Jahren ergangen?“

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Draußen empfing uns eine lauschige Sommernacht, die durch den Sternenklaren Himmel und den fast vollendeten Vollmond die Dunkelheit weitestgehend fernhielt. Nachdem ich mich von Tom verabschiedet hatte, versenkte ich die Hände in meiner Kapuzenjacke und beschloss den Weg nach Hause zu Fuß zurückzulegen. Der Vorteil an Leipzig ist, wenn du nicht gerade in der Pampa in einem der Außenbezirke festhängst, kannst du vieles auch zu Fuß erreichen. Zumindest wenn man bereit ist, auch mal einen einstündigen Spaziergang zurückzulegen. Selbigen brauchte ich aber gerade um meine Gedanken zu ordnen und Toms Worte sacken zu lassen.

Versteht mich nicht falsch. Selbstverständlich wäre der 1. FC Lokomotive Leipzig für mich eine riesige Chance. Eine die man gegebenenfalls nur einmal im Leben bekommt. Dennoch haderte ich auch gleichzeitig. Dazu muss man sagen, dass ich und meine komplette Familie westdeutschen Background haben. Das bedeutet Ruhrpott, das bedeutet Dortmund, Currywurst mit Pommes, Bier, Südtribüne und viel Tradition. Durch den Zuzug hatte ich nie große Verbindungen zu Lok oder Chemie. Bisher hatte es nicht für mehr als ein paar Gastbesuche bei den ehemaligen Fußballgrößen gereicht. Das altehrwürdige Bruno-Plache-Stadion war verfallen und sah aus, als wenn man es jeden Moment zum Denkmal aus Vorkriegszeiten erklären würde. Der Verein war in den Tiefen der Regionalliga verschwunden, chronisch pleite und stand mehr wegen seiner rechten und gewalttätigen Problemfanszene im Rampenlicht als für sportliche Erfolge. Zwar hatte auch Chemie ähnliche Schwierigkeiten, wenn man mich aber zwingen würde zwischen beiden Vereinen zu wählen, wäre ich jedoch vermutlich eher ein Grün-Weißer als ein Blau-Gelber.

Trotzdem: Erster Deutscher Meister, zahlreiche Erfolge zu DDR-Zeiten mit ruhmreichen Europapokalnächten sowie eine stark zu mobilisierende Fanszene waren durchaus schlagkräftige Argumente. Gerade für einen Einsteiger wie mich. Es war wie Tom sagte, probieren kann man ja. Noch so eine universelle Weisheit. dachte ich als ich an meiner Haustür angekommen war und nach dem Schlüssel kramte. Vielleicht war es Zufall. Vielleicht ein Zeichen. Aus einer Nebenstraße dröhnte ein halb besoffenes „Lok und Halle Hurensöhne! Ohohoho“ herüber. Ich schmunzelte und schloss die Tür auf. Lok war plötzlich näher als mir lieb war.

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Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: MorbusDerbe am 14.September 2025, 10:20:58
Moin,

schöner Storybeginn! Mal sehen, was die Lok-Verantwortlichen zu Tom's (Schnaps-)Idee sagen werden.  ;D

LG
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Bayernfahne am 14.September 2025, 16:16:47
Richtig gut geschlafen und der Kopf tut trotzdem weh,
die ganze Nacht war Lärm, was ist nur wieder hier geschehen?
Es war ein Traum in grün und weiß und alles schrie im Chor:
Chemie schießt für uns das Tor!

Schwenkt die Fahnen, lasst den Rauch durch unseren Sportpark wehen,
Chemie Leipzig wird niemals untergehen!
Wir gehen unseren eigenen Weg,
die Bullen und Verbände sind zu spät!
Im Kunze Sportpark herrscht für immer Anarchie!
Das ist Leutzsch vergesst das nie!

Ich hoffe ja, dein Weg führt über Umwege doch noch zu Chemie  :D
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 15.September 2025, 19:20:56
Vielen Dank für euer Feedback aus Nord und Süd. Motiviert immer! Wir schauen mal wie es weitergeht.  O0


Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
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Kapitel 1: Der Beginn


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Der große Knall ließ nicht lange auf sich warten. Blieb es am Folgetag noch verhältnismäßig ruhig, reichte nach einer weiteren Nacht der Blick in die morgendliche Leipziger Volkszeitung um zu wissen, dass Toms Infos scheinbar nicht aus der Luft gegriffen gewesen waren. In großen Lettern stand auf der Titelseite des Sportbereiches: „Nach Eklat: Civa muss seinen Hut nehmen!“

Hektisch klappte ich die Zeitung auf und begann zu lesen. Die Auseinandersetzung von Civa und Ziane wurde darin von einem Insider bestätigt. Am gestrigen Nachmittag war der Trainer der Lokschen daraufhin vom Klub freigestellt worden. Der Grund für die Eskalation schien dabei noch nicht nach außen gedrungen zu sein. Die Spekulationen darüber waren dafür umso wilder. Von sportlichen Differenzen bis hin zu persönlichen Affären war die Rede. Ich war baff, zückte sofort mein Handy und tippte eine Nachricht an Tom.

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Jetzt spürte ich förmlich die Aufregung. Gestern war die Angelegenheit für mich noch eher ein Hirngespinst gewesen. Jetzt wurde es greifbarer. Jetzt wollte ich diesen Kontakt. Trotz der Bedenken. Dem Bauchgefühl sollte man ja bekanntlich vertrauen. Den restlichen Tag verbrachte ich tief in meinen Gedanken, meiner Playstation und der Hoffnung auf die Dinge die da auf mich warten würden. Irgendwann legte ich genervt den Controller zur Seite und suchte bei Youtube nach Dokumentationen über die Geschichte von Lok Leipzig. In dem einen Moment sah ich die Blau Gelben Spieler noch im Leipziger Stadion der 100.000, im nächsten sank ich bereits in einen tiefen Schlaf hinab, welcher mir allerlei heroische Träume bescheren sollte.

Am nächsten Morgen weckte mich nicht der Wecker, sondern das penetrante Vibrieren meines Handys. Noch im Halbschlaf griff ich nach dem Gerät und blinzelte auf das Display. Unbekannte Nummer. Mein erster Gedanke: Telefonwerbung. Wer zur Hölle rief sonst so früh an? Eigentlich wollte ich das Gespräch wegdrücken, aber irgendetwas ließ mich zögern. Was wenn? Ich nahm ab.
„Guten Morgen?“
„Herr Kopp? Hier spricht Torsten Kracht, Präsident des 1. FC Lokomotive Leipzig. Entschuldigen Sie die frühe Störung. Wir haben Ihre Kontaktdaten über einen gemeinsamen Bekannten erhalten.“

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Ich richtete mich im Bett auf, plötzlich hellwach. „Ja, guten Morgen. Was kann ich für sie tun?“ Was kann ich für sie tun? Was eine schwachsinnige Frage! Sicher rief er nicht an um Brötchen fürs Frühstück zu bestellen.
„Wie Sie vermutlich mitbekommen haben, sind wir aktuell auf Trainersuche. Ihr Name ist bei uns gefallen, und wir würden Sie gern kennenlernen. Können Sie morgen Nachmittag ins Bruno-Plache-Stadion kommen?“
Für einen kurzen Moment herrschte in meinem Kopf absolute Stille. Ich starrte auf die schmutzige Wand gegenüber meinem Bett, als müsste ich dort eine Antwort finden. Lok. Das war kein Kindergarten in der 6. Liga. Das war ein Verein, dessen Name Geschichte schrieb. Europapokal, erste deutsche Meisterschaft, Tradition und Chaos zugleich. Wer wäre ich nur die Chance verstreichen zu lassen? „Ja… natürlich. Sehr gern“, hörte ich mich sagen, obwohl mein Magen sich bei dem Gedanken an dieses Gespräch bereits verkrampfte. „Sehr gut, dann sehen wir uns morgen. 16:00 Uhr!“ „Morgen, 16 Uhr!“ bestätigte ich. „Bis dahin!“ Nach dem Auflegen blieb ich lange regungslos sitzen. Die Morgenluft strömte durchs gekippte Fenster, irgendwo ratterte eine Straßenbahn entlang. Ich ließ das Handy auf die Bettdecke sinken. Der Gedanke ließ mich nicht los: Vielleicht war das der Moment, auf den ich seit Monaten gewartet hatte. Oder aber der Beginn einer neuen Enttäuschung.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Elemotion am 16.September 2025, 09:36:08
Definitiv eine coole Liga die regio nord/Ost für den Start. Wie auch deine, Charakter sind mir die Chemiker jedoch ein wenig lieber, mal sehen ob dahingehend noch was geht, nichtsdestotrotz verfolge ich die Story weiter.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: steffanovic am 17.September 2025, 13:02:26
Ich möchte hier nicht den Spielverderber geben, aber unkommentiert wollte ich es nicht lassen:
Aufbau, Struktur und Stil gleichen meiner Story schon sehr stark.
Selbst die Einleitung bzw. die Vorabinfos sind fast identisch.
Ebenso die Perspektive und die Figurenkonstellation erinnern frappierend daran – fast so, als wäre mein Text einmal durch ChatGPT geschickt und nach Leipzig verlegt worden.

Klar, bei Fußball-Storys gibt es immer gewisse Überschneidungen, das ist normal.
Aber hier sind die Parallelen schon äußerst auffällig und auch Leser meiner Story haben das bereits bemerkt.
Ich sage das nur, weil ich viel Zeit und Mühe investiere und es schade fände, wenn es wirkt, als würde das einfach kopiert.
Ich würde mir wünschen, dass es künftig stärker mit eigenen Ideen weitergeht.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 17.September 2025, 15:09:49
Hallo Steffanovic,

danke für deinen Kommentar. Ich kann dir mit 100 %iger Sicherheit sagen, dass ich nicht bei dir abgeschrieben habe. Im Gegenteil, ich musste jetzt erstmal schauen, welche Story du gemacht hast. Ich denke mal du redest von der Monkey Hill Blues Story? Wenn ja, die kenne ich nicht. Ich war hier im Forum jahrelang nicht mehr aktiv und habe dann eher durch Zufall wieder in die Storys reingeschaut und mir die Kennedy Story komplett gegeben, welche mich dann dazu motiviert hat auch wieder eine Story zu beginnen. Siehe meinen Post dort. Thats it. Dazu kommt, dass ich so exotische Szenarien wie deine von vorne rein nicht lese, weil ich dazu einfach zu wenig Bezug habe. Ich lese meist nur Storys mit mindestens 10 Seiten, weil ich möglichst lange und viel lesen will ohne ständig zu warten. Dementsprechend ist die MHB Story von Anfang an durch mein Raster gefallen.

Ohne deine Story gelesen zu haben kann ich es mir nur so erklären, dass Szenarien sich in so einem Fußballkontext natürlich schnell einmal ähneln können. Wenn man sich dann reinsteigert sieht man das was man sehen will. So wie ein Paar auf einmal ständig Kinder in seiner Umgebung sieht wenn es die Entscheidung getroffen hat ein Kind zu bekommen und sich mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Schreibstile können sich ähneln, ich schreibe schon mein Leben lang. Normalerweise eher Romangeschichten, Fantasy, tiefgründige Kurzgeschichten etc. Deshalb ist mein Stil auch so wie er ist. Dass sich das dann auch ähnelt mit Schreibstilen anderer Autoren ist völlig normal. Die wenigsten hier schreiben ihre Story auch in diesem umfangreichen literarischen Stil. Da fällt es noch mehr auf. Dass sich unsere Stile erstmal grob ähneln kann ich dir beim kurzen Überfliegen deiner ersten Storytexte bestätigen - ist aber wie gesagt nicht so unwahrscheinlich.

Ich finds schade, dass man hier stundenlang arbeitet reinsteckt und dann sowas aus dem Nichts an den Kopf geknallt bekommt. Sag ich dir wie es ist.

Sollten bei dir noch Zweifel bestehen, schreib mir gerne eine PN oder schau einfach mal in meine alte St. Pauli Story von vor 10 Jahren rein. Klar hat sich mein Schreibstil seitdem (Gott sei dank) weiterentwickelt bzw. verbessert - sollte aber zeigen, dass ich schon immer schreibe wie ich schreibe.

Ich hoffe es ist dann geklärt - ich habe nämlich wenig Lust die Story fortzuführen - nur um dann jedes Mal Schiss haben zu müssen, dass mir irgendwelche Plagiate vorgeworfen werden. Wenn dem so ist kann ich die Story auch jetzt beenden.  :(
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 18.September 2025, 09:43:02
Da mich das Thema gestern nicht mehr losgelassen hat – habe ich mir einmal die ersten Parts deiner Story durchgelesen. Ehrlich gesagt, ist mein Unverständnis für die Vorwürfe noch einmal deutlich angestiegen. Aber ich lasse einfach mal Fakten sprechen. Dann kann sich jeder sein eigenes Bild dazu machen.

Zur Erinnerung. Vorgeworfen wird mir:

-   Stark gleichender Aufbau, Struktur und Stil der Story
-   Einleitung und Vorabinfos sind fast identisch
-   Perspektive und Figurenkonstellation erinnern gravierend an seine Story
-   Dementsprechend genereller Klau von Ideen



Nun schauen wir uns die einzelnen Punkte im Detail an.

Aufbau, Struktur und Stil

Dieser erste Punkt ist tatsächlich noch der konsistenteste und nachvollziehbarste den Steffanovic angebracht hat. Beide Storys sind im literarischen Stil geschrieben. Dieser zeichnet sich durch seine Abwechslung aus Beschreibungen und Dialogen aus. Dabei wird viel auf Umgebungsbeschreibungen z.B. über Wie-Vergleiche oder ähnliche Stilmittel gearbeitet. So ist auch die Dialoggestaltung in Ihrer Form recht ähnlich. Dabei verwenden beide Autoren gängige Satzstücke wie „erwiderte ich“ oder „ich runzelte die Stirn“. Gleichzeitig wird auch die Gefühlswelt des Hauptcharakters intensiv beschrieben, was natürlich für die Charaktergestaltung elementar ist. Insgesamt bleibt aber festzustellen, dass Steffanovic noch einmal deutlich detailreicher in die Beschreibung geht und somit die Gefühlswelten der Charaktere nochmal besser zum Ausdruck kommen. Zudem entsteht beim Lesen nochmal eine Entschleunigung im Vergleich zu meiner Story. Der formelle Aufbau sowie die Struktur sind ebenfalls ähnlich bis gleich. Es gibt einen Prolog und folgend einen Einstieg in Kapiteln. Ein völlig standardisierter Aufbau, der bei einer literarischen Story nur logisch ist. Die Kritik hier wird mir nicht ganz klar. Auch hier bleibt festzuhalten, dass die Parts von Steffanovic deutlich umfangreicher sind.
Beide Storys arbeiten mit Bildern und farbig markierten Dialogen um Abwechslung in die Darstellung zu bringen.

Zwischenfazit: Keine Besonderen Auffälligkeiten. Hier sind zwei Autoren am Werk die für ihre Story den gleichen Schreib- und Erzählstil gewählt haben. Dementsprechend ähnlich sind auch Struktur und Aufbau, welche letztlich dem logischen Aufbau einer Romanstory folgen. Schaut man genauer in die Stilelemente gibt es allerdings doch so manche Unterschiede. Dabei finde ich Steffanovic Story in den ersten Kapiteln vom Schreib- und Erzählniveau besser als meine Story.


Einleitung und Vorabinfos

Für diesen Punkt fehlt mir tatsächlich deutlich mehr Verständnis. Storylines und Settings sind völlig unterschiedlich und haben kaum Überschneidungspunkte. Während meine Story von einem Hauptcharakter erzählt, welcher nach seinem erfolgreichen Trainerschein auf aktiver Trainer-Jobsuche ist und dabei über ein Kneipen-Treffen mit einem alten Bekannten den Kontakt zu einem prestigeträchtigen, aber abgestürzten Traditionsclub herstellt. Dabei erhält der Hauptcharakter ein Angebot zu einem Gespräch. Ansonsten gibt es über den meine Figur bisher kaum Background Infos. Man weiß, dass sein Stiefvater mal beim Verein Lok Leipzig tätig war und dass seine Herkunft im Ruhrpott liegt. Aufgewachsen ist er aber in Leipzig, wo er auch die ganze Zeit gewohnt hat und daher eigentlich auch nicht wegwill.
Bei Steffanovic hingegen enthält die Einleitung deutlich mehr Tiefe und Breite. Es gibt zu Beginn einen Blick in die Vergangenheit, bei welchem der Hauptcharakter Szenen aus seiner Heimat und Jugend wiedergibt, um das Fundament für die Gegenwart zu legen. Dabei werden auch viele Private Geschichten und Infos erzählt, welche die Figurenkonstellation z.B. mit Eltern, mit den Schwiegereltern und seiner Jugendliebe nochmal deutlich komplexer gestalten. So wird auch intensiv der Background der Hauptfigur beleuchtet, die nach dem Studium in seine Heimat zurückkehrt. Dabei finde ich Steffanovic Story in den ersten Kapiteln vom Erzähl-Niveau besser als meine Story. Er hatte den Mut richtig in die Tiefe zu gehen und das Privatleben deutlicher hervorzuheben – aus Angst Leute zu verschrecken hatte ich mich dagegen entschieden. Das Feedback hier im Forum gibt mir aber Mut, dass auch ich hier in Zukunft mit Figurenkonstellationen und Nebenschauplätzen umfangreicher gearbeitet werden kann. 

Zwischenfazit: Kaum nennenswerten Überschneidungen.
 

Perspektive und Figurenkonstellation erinnern gravierend an seine Story

Dieser Punkt sollte mit „Einleitung und Vorabinfos“ schon beantwortet worden zu sein. Auch hier fehlt mir jegliches Verständnis. Meine Story enthält bisher bis auf Julian – Tom und dem Präsidenten von Lok noch keine nennenswerte Figurenkonstellation. Steffanovic baut direkt in den ersten Kapiteln mehrere Figuren aus dem privaten Umfeld und ihre Beziehungen auf. Somit ist die Story hier früh sehr breit aufgestellt. Die Perspektive ist aus der Ich-Perspektive wie oben schonmal beleuchtet. Hier verstehe ich den Kritikpunkt nicht. Wenn man Überschneidungen in der Story suchen will, sind das meiner Ansicht nach folgende Dinge:

-   Beide Figuren werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, allerdings in völlig unterschiedlichen Kontexten
-   Beide haben Zweifel, ob die aufkommende Jobchance das richtige für Sie ist
        o   Steffanovics Hauptfigur hadert generell damit, ob Trainer das richtige ist
        o   Meine Hauptfigur hadert damit, weil er explizit wegen dem Verein Lok Leipzig Bedenken hat -> dazu kommen           generelle Selbstzweifel


Zwischenfazit:
Beide aufgeführten Gemeinsamkeiten sind absolut nichts Ungewöhnliches. Bei einer FM-Story bietet es sich eigentlich IMMER an, die Vergangenheit mit der Erzählung des Hauptcharakters zu verknüpfen. Gerade wenn man einen „Einsteiger“ darstellt. Warum? Weil man so eine entsprechende Immersion und Plausibilität herstellen kann ohne, dass die Story und die Geschäftsanbahnung eines Nooby Trainers zu einem halbwegs professionellen Verein zu weit hergeholt erscheint. 

Punkt zwei ist ebenfalls nichts Besonderes. Wenn man im Literarischen Stil eine Geschichte, aus der Ich Perspektive schreibt, ist die Gefühlswelt des Charakters ein elementarer Baustein. Gerade im harten Geschäft Fußball müssen die Selbstzweifel mit rein. Auch um eine gewisse Spannung hochzuhalten, sonst hat man einen Hauptcharakter, der trotz aller Widerstände straight durchläuft. Nichts, was auch nur annähernd realistisch ist.



Fazit:
Die Punkte sprechen, denke ich, für sich. Wir haben zwei Storys, die im groben Stil, Struktur und Darstellung definitiv ähnlich sind, bei detaillierter Betrachtung aber Unterschiede aufweisen. Bei allen anderen Punkten wie Storyline, Charaktergestaltung etc. gibt es kaum Überschneidungspunkte.
Abschließend muss ich wirklich sagen, ich war gestern nach Lesen deiner Story, Steffanovic, etwas fassungslos. Nach deinem Post hatte ich mit deutlich mehr offensichtlichen Parallelen gerechnet. Es ist mir persönlich völlig unverständlich, wie man sich das Recht rausnehmen kann, einen anderen Autor, mit so einer dünnen Faktenlage solche Dinge vorzuwerfen. Auf so eine Idee würde ich niemals kommen – außer, wenn eine Story EINDEUTIG kopiert ist. Ich kann mir das nur so erklären, dass hier so ein bisschen gekränkte Schriftstellerego im Spiel ist, denn deine Story ist ja wirklich gut geschrieben und du bekommst zurecht viel positives Feedback. Das ist aber kein Grund sich bedroht zu sehen, weil jemand anderes parallel in einem ähnlichen Stil eine Story macht. Vielleicht tu ich dir Unrecht. Aber sonst kann ich mir beileibe nicht erklären, warum man so etwas schreibt.

Ich sage dir dazu auch: Es wird auch in Zukunft definitiv irgendwelche Elemente bei uns geben die sich überschneiden. 100 %! Wer suchet - der findet. Dementsprechend kann ich dir nur raten, akzeptier es oder kümmre dich einfach um deine Story wie ich mich um meine kümmere. Dann ist auch eine friedliche Co-Existenz möglich.

Entschuldigt Leute, für die ausführliche Antwort, aber nachdem ich das gestern gelesen habe, wollte ich das nicht so stehen lassen. Da steht auch ein bisschen meine Schriftstellerehre auf dem Spiel. Für mich ist damit das Thema abgehakt und wir widmen uns mal dem nächsten Storyteil, welcher bis morgen kommen sollte.  :)



Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 23.September 2025, 09:13:24
Schönen Guten Morgen in die Runde. Es hat noch ein paar Tage länger gedauert, aber wir machen weiter mit der Story. Da der Part etwas länger geworden ist - musste ich mir entsprechend Zeit nehmen wenn sie denn mal da war.  :angel:


Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
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Kapitel 1 - Part 2: Der Beginn

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Irgendwie schon kurios, dass wir unsere Stimmung und die Wertung eines Tages so oft vom Wetter abhängig machen. Ist der Tag grau und trüb, halten sich die Glückshormone meist zurück, während sie bei prallem Sonnenschein gerne mal zu tausenden explodieren. 
 
Als ich an diesem Morgen aufwachte und mein verschlafener Blick aus dem Fenster fiel, trübte sich mein Gemüt etwas ein. Es war ein äußerst dunkler Morgen mit einer dichten Wolkendecke, welche förmlich still und mahnend über der Stadt hing. Ab und zu begann es etwas zu tröpfeln nur um sich wenig später wieder umzuentscheiden. In Leipzig regnete es sonst fast nie. Das Tiefland gehört zu den Niederschlagsärmsten Regionen in Deutschland. Die vielen Seen südlich der Stadt taten ihr übriges und fungierten als natürliche Barriere gegen die Regenfront.
 
Ich zog die Decke über den Kopf und blieb noch eine Weile liegen. Bis zu meinem Gesprächstermin am Nachmittag hatte ich keinen Stress und Gedanken konnte ich mir schließlich auch im Bett machen. Spielsysteme, Konzepte und Mentalitätsfragen ratterten durch meinen Kopf und ließen mich nicht zurück in den Schlaf kommen. Irgendwann sah ich mich dann doch mal genötigt aufzustehen und mir ein eher weniger gelungenes Spiegelei auf Toast zu braten. Weil ich trotz der Beseitigung des Hungers nicht ruhiger wurde und ich mit mir selbst in meiner Wohnung nichts weiter anzufangen wusste, beschloss ich mich schon einmal auf den Weg in Richtung Bruno-Plache Stadion zu begeben.

Dementsprechend war ich trotz Zeitlupenschritt viel zu früh dran, als ich von der Prager Straße in die Connewitzer Straße einbog. Wenn man nicht ortskundig war, würde man wohl kaum vermuten, dass hier, um die Ecke, ein großes Vereinsgelände zu finden war. Denn statt Zäunen und Tribünen fand man erstmal Zäune und Vorgärten der Einfamilienhäuser, welche sich dicht an dicht aneinanderreihten. Natürlich traf man hier um diese Zeit und bei dieser Witterung niemanden an. Abgesehen von einem alten Herrn, welcher vor seinem braun-grau verputzten Hauseingang stand, und Gedanken verloren mit seinem Besen den Eingangsweg kehrte. Ich war mir unsicher ob ich belustigt auf Grund der Sinnlosigkeit dieser Tätigkeit sein sollte oder ob diese Hartnäckigkeit bei den Witterungsbedingungen nicht doch bewundernswert war.

Als ich vorbeilief, hob er prüfend den Kopf und sah mich mit zusammengekniffenen Augen scharf an. Ich verlangsamte meinen Schritt und nickte ihm grüßend zu: „Moin!“
„Bissn spät für Moin. Gähn sie zu Lok?“ fragte er argwöhnisch und in tiefem Sächsisch. Verdutzt sah ich ihn an. „Wie kommen Sie drauf?“
„War selbscht mol Fußballer un isch erkenne Läude die mit Sport zutun habn am Gang.“
Er tippte sich dabei grinsend mit dem Zeigefinger auf den Oberschenkel, als hätte er gerade jemanden nach Strich und Faden verarscht. Ich beschloss nicht komplett zu lügen, aber viel wollte ich auch nicht preisgeben. „Tatsächlich will ich da hin. Ich nehme an am Parkplatz durchs Eingangstor?“  „Rischdich.“ Er fokussierte mich weiter. Nachdem ich auf mehr gewartet hatte, aber nichts mehr kam, beschloss ich mich der unangenehmen Situation zu entziehen. „Danke! Ihnen einen schönen Tag.“
„Viel Erfolg!“ sagte der Alte nur, wendete den prüfenden Blick ab und fuhr mit dem Kehren fort – nun mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen.

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Wenig später tat sich links vor mir bereits der Haupteingang der Heimkurve auf. Durch steinernde Eingangsbögen, welche für den Einlass genutzt wurden, betrat man den Bereich hinter der Kurve. Ein großes blau-gelbes Schild stellte klar, wo man sich befand. „Bruno-Plache-Stadion“. Die üblichen Essenswägen, welche sonst mit Düften und Hungerkillern überzeugen konnten, standen jetzt, außerhalb des Spieltages, einsam und verlassen da. Ein Stück weiter sah man eine alte abgewrackte Lok, welche noch nicht so lange Teil des Repertoires war und neben den Vereinsfarben auch durch das Wappen geschmückt wurde. Ebenso in die Jahre gekommen schien das gesamte Vereinsgelände. Dennoch versprühte es den gewissen Charme. Man merkte wieviel Tradition hier am Werk war. Aber auch wie wenig Geld und beides war für sich betrachtet sicher kein Garant für Erfolg.

Ich atmete einmal tief durch und betrat das Gelände. Während links neben einer provisorischen Zusatztribüne die alte Holztribüne aufragt, befand sich zu meiner rechten ein noch recht neuer Kunstrasenplatz mit Flutlicht und ein paar verwaisten Sitzplatzreihen. Es war ein Kontrast wie er nicht größer hätte sein können. Schließlich handelte es sich bei der Sitzplatztribüne des Plache Stadions um die älteste Holztribüne Europas. Folgerichtig stand sie unter Denkmalschutz. Der Kunstrasen dagegen war noch recht neu. 2017 nach FIFA-Normen erbaut, um Ausweichspiele auf einem Großfeld zu gewährleisten u.a. für die zweite Herrenmannschaft und um die eigene Jugendarbeit zu fördern. Etwa eine Millionen Euro hatte der ganze Spaß gekostet. Viel Geld, welches allerdings nur zu 20 % von Lok getragen werden musste. Der Rest stammte vom Freistaat Sachsen sowie der Stadt Leipzig. Definitiv sorgte der Platz heute für eine Aufwertung des Geländes. Die teils miserable und nicht nachhaltige Jugendarbeit von Lok konnte das Ganze bisher allerdings kaum verstecken. Das Grundstück selbst war riesig. Auf der anderen Seite des Kunstrasens sah man vier weitere Kleinfeldplätze und hinter dem großen Zuschauerparkplatz, welcher sich im Zentrum befand, ragte eine alte Indoorhalle auf. Heruntergekommen und mit Graffiti verschönert wirkte das in Kombination mit dem Baumaterial und dem Bauschutt, der überall verstreut war, eher wie das Gewerbegelände einer illegalen Baubude als das Grundstück eines großen Fußballvereins.

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Am Ende der Holztribüne wartete schon ein Mitarbeiter, welcher mich wortkarg in Empfang nahm und mich ins Tribüneninnere führte. Wahrscheinlich war er verärgert, dass ich zu früh da war und seine Raucherpause gestört hatte. Unsere Schritte hallten durch die leeren Gänge der maroden Konstruktion und es hing ein leicht muffiger Geruch in der Luft. Schließlich erreichten wir eine Tür am Ende des Ganges. Doch statt hindurchzugehen, wies er mich in eine Ecke, wo drei einzelne Stühle standen. Wahrscheinlich sollte das einen Wartebereich darstellen. WOW! Doch teilweise wie bei der SG hier!

„Ich komme dann wieder.“ nuschelte der Mitarbeiter und ließ mich sitzen. Während der Wartezeit wurde ich immer nervöser. Augen zu und durch. Das war eher mein Kredo als Geduldsspiele. Langes Warten brachte mir in der Regel keine Punkte. So fühlte sich die halbe Stunde endlos zäh an, ehe der Mitarbeiter wieder erschien. Er winkte mich heran und hielt mir die Tür, die wir vorhin noch so erfolgreich vermieden hatten, auf. Zum Vorschein kam ein kleiner Vereinsraum dessen Wände mit Lok-Wimpeln und Bildern aus verschiedenen Epochen behangen waren. In der hinteren Ecke stand ein großer Rechteckiger Tisch. Auf der einen Seite drei, bereits belegte Stühle. Gegenüber ein weiterer Unbesetzter.
 
Auf den belegten Stühlen saßen drei Männer und warteten bereits auf mich. In der Mitte der Vereinspräsident, Torsten Kracht – eine Mischung aus verschmitztem Lächeln und skeptischem Blick aufgesetzt. Links neben ihm der Sportvorstand Clemens Schneider, ein drahtiger Mann mit Brille, rechts eine weitere Person dessen Name ich nicht wusste. Sein Blick verriet allerdings, dass er scheinbar lieber woanders wäre.

„Herr Kopp, schön, dass Sie da sind.“ Kracht erhob sich halb, streckte mir die Hand entgegen. „Nehmen Sie Platz. Das hier ist unser Sportvorstand Clemens Schneider und unser Jugendkoordinator Andreas Brücke.“
Ich nickte, setzte mich und versuchte die Nervosität zu verbergen, die mir tief in der Magengrube nagte. „Guten Tag!“
„Sie wissen ja, warum Sie hier sind“, begann Kracht. „Lok ist in einer schwierigen Situation. Der Trainer ist weg, aber damit auch gleichzeitig der Sportdirektor. Civa war für beides zuständig, wie sie vielleicht wissen. Die Stimmung in der Truppe ist entsprechend angespannt. Wir brauchen jemanden, der sofort etwas verändern kann und weiß, was er tut. Dafür ist Erfahrung gefragt. Deshalb wollen wir hier auch völlig ehrlich zu Ihnen sein: Warum sollten wir Ihnen zutrauen, das zu schaffen? Als wir durch Herrn Mohn von Ihnen und dem Interesse erfuhren, waren wir nicht vollends überzeugt. Sie haben keine Profierfahrung.“

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Der Satz fegte durch den Raum wie ein kalter Windstoß. Ich schluckte. Am liebsten hätte ich Kracht gefragt wieviel Profierfahrung er denn vorweisen könne.
„Das stimmt“, erwiderte ich stattdessen. „Ich habe noch keine Profispiele gecoacht. Aber Fußball, das Spiel, das wir lieben…ist am Ende überall gleich – ob in der Champions League oder in der Kreisliga. Die Prinzipien bleiben dieselben: eine clevere Raumaufteilung, Einsatzbereitschaft sowie klare Automatismen. Der Unterschied ist, wie konsequent man sie einfordert und wie konsequent die Spieler sie letztlich umsetzen und das auf einem selbstverständlich viel höheren Niveau als in den Amateurligen.“
Der Präsident trommelte mit den Fingern auf den Tisch. „Und wie wollen Sie das hier umsetzen? Lok Leipzig ist kein Spielplatz für Experimente.“
 
„Bei allem Respekt – fehlender Mut für Experimente könnte auch ein Grund dafür sein, dass dieser große Verein den Sprung in den Profibereich bisher nicht zurückgeschafft hat.“ Kaum waren mir die Worte entglitten wollte ich mir schon auf die Zunge beißen. Das könnte zu viel gewesen sein. Auch meine Gegenüber schienen überrumpelt. Jetzt nicht den Staffelstab weggeben. Dachte ich mir, stand schnell auf und ging zum Whiteboard, welches hinter mir in einer Ecke stand. Ich schnappte mir einen der Rotstifte und fing an zu skizzieren. „Ich will einen mutigen Fußball spielen lassen. Offensiv, mit klarem Pressing, aber nicht kopflos. Wir brauchen dazu einen Plan, wie wir den Gegner schon im Aufbau unter Druck setzen. Gleichzeitig will ich schnelle Umschaltmomente nutzen – über die Flügel, mit tiefen Laufwegen. In welcher Formation wir das angehen - ist mir erstmal egal. Da muss man ohnehin variabel auf den Kader reagieren. Es geht mir nicht um Ballbesitz um jeden Preis, sondern um Effizienz. Wir müssen das Stadion wieder zu einer Festung machen. Die Spieler sollen das Gefühl haben, dass sie hier jeden Gegner überrennen können. Und die Fans sollen sich identifizieren! Ehrlicher, aggressiver Fußball, welcher Herzblut zeigt und das ist es auch was einen Traditionsriesen wie Lok Leipzig ausmacht.“

Das Tribunal vor mir tauschte flüchtige Blicke aus. Der Jugendkoordinator hob skeptisch die Brauen und sah wieder zu mir: „Und Sie glauben, das funktioniert mit diesem Kader?“
Ich zögerte. „Ja und Nein. Ich habe mir die letzten Spiele angesehen. Das Potenzial ist in Teilen schon da. Aber es fehlt Struktur und auf ein paar Positionen noch die passenden Spielertypen. Jeder spielt momentan eher für sich, niemand für die Mannschaft. Ich will klare Rollen schaffen, ein System, das einfach zu verstehen ist und dennoch schwer zu knacken. Wenn die Jungs sehen, dass es funktioniert, ziehen sie mit. Ich habe nicht vor den Feuerwehrmann zu spielen. Ich brauche einen Verein, der eine langfristige Perspektive schafft und den Weg dahin gemeinsam gehen möchte. Aber dafür braucht es Vertrauen. Ohne das geht es nicht.“
Kracht lehnte sich zurück, verschränkte die Arme. „Mutig, Herr Kopp. Aber noch einmal: Sie sind 31, ohne Profilaufbahn. Glauben Sie nicht, dass die Spieler Sie belächeln werden? Wie wollen Sie dieses Problem nachhaltig lösen? Sie sind nicht Julian Nagelsmann.“

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Ich schwieg einen Moment und setzte dann vorsichtig an; „Vielleicht belächeln sie mich am Anfang. Aber Respekt bekommt man nicht geschenkt. Den erarbeitet man sich. Egal ob in der Kreisklasse, Regionalliga oder Bundesliga. Und ich bin bereit, dafür alles reinzulegen. Ich will nicht einfach nur Trainer werden – ich will hier eine Geschichte mitschreiben.“
Wieder erfüllte Stille den Raum. Nur das Ticken der alten Wanduhr, welche über der Eingangstür angebracht war, war zu hören. Dann huschte Kracht wieder ein kurzes süffisantes Lächeln übers Gesicht. „Geschichte schreiben wollen hier viele. Nicht alle schaffen es…wir werden sehen.“
 
Das Gespräch zog sich noch eine Weile und man stieg mit mir etwas tiefer in die Details ein. Es ging um Trainingsmethoden, um die Frage nach Disziplin, um meine Ideen zur Integration der Jugendspieler. Immer wieder stichelte Kracht wegen meiner fehlenden Erfahrung, immer wieder konterte ich mit Konzepten, die ich im Lehrgang und in meiner eigenen Arbeit entwickelt hatte. Der Sportvorstand Schneider hingegen blieb stumm und hielt sich mit jeglicher Mimik und Gestik, welche man hätte interpretieren können, ebenfalls zurück. Der Jugendkoordinator hingegen war mittlerweile etwas entspannter in meine Richtung. Ob ich sie aber wirklich überzeugte, konnte ich schwer einschätzen. Aber eins wurde mir klar: Zum ersten Mal seit Monaten fühlte ich wieder Leidenschaft für die Sache. Nach zwei Stunden war das Gespräch beendet. Eigentlich hatte ich auch damit gerechnet, dass man mich auf die Vergangenheit meines Stiefvaters ansprechen würde, den Beteiligten schien er aber nicht bekannt zu sein. Oder sie missten diesem Umstand keine Bedeutung zu. Gott sei Dank!
„Danke für Ihre Zeit, wir melden uns zeitnah. Ich denke bis Ende der Woche können Sie mit einer ersten Rückmeldung rechnen. Wir brauchen schließlich so schnell es geht eine Lösung. Die wichtigen Rahmenpunkte zwecks des Vertrags etc. würden wir dann in den Folgeschritten mit Ihnen klären, wenn es so weit kommt.“ sagte Kracht zum Abschied und entließ mich.
 
Als ich den Ausgang der Tribüne wieder erreicht hatte, schloss ich die Augen und sog die Frischluft in meine Lungen. Es war wie früher in der Schule. Nach der Prüfung fühlte man sich einfach befreiter. Egal wie gut es letztlich lief. Mit fröhlich wippendem Stechschritt machte ich mich auf den Heimweg. Ich verließ das Vereinsgelände und sah wieder den alten Mann nebenan in seinem Vorgarten. Dieses Mal widmete er sich dem Unkraut in seinem Gemüsebeet. Das Wetter war mittlerweile etwas heiterer. Als ich vorbeilief und sich wieder unsere Blicke trafen, hob er die Hand zum Gruß. „War gudd?“
„War gudd!“ bestätigte ich und setzte meinen Weg fort. Plötzlich machten mir die Wolken weit weniger aus als noch vor zwei Stunden. "Eigentlich ist es doch echt ein toller Tag!" sagte ich wie zu mir selbst. Ich sollte Tom schreiben.

Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Guddy-Ortega am 24.September 2025, 12:00:37
Gefällt mir sehr gut soweit.
Generell mag ich es natürlich, wenn jemand seiner Story eine mehr oder weniger ausführliche Rahmengeschichte gibt. Aus eigener Erfahrung ist die größte Hürde hierbei Kontinuität. Nicht nur was das regelmäßige Posten betrifft, sondern auch, was das Verhalten der Charaktere und den Verlauf der Rahmenhandlung angeht. Manchmal hilft es, sich da vorab ein Gerüst zu bauen, auch wenn man bei der Story-Entwicklung natürlich auch den eigenen Spielstand berücksichtigen möchte.

Ich wünsche dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen und werde öfter mal reinschauen.

Den Plagiatsvorwurf kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach gibt es zwischen den Stories keine Parallelen. Habe bei der sehr schönen Story von Steffanovic bisher aber auch nur die ersten 2 Seiten lesen können.
 
Ich freue mich hier über jede gut geschriebene Story und das sind meiner Meinung nach beide. Aber, der Anfang fällt einem immer leichter, schwieriger ist es dran zu bleiben. Ich kann da ein Lied von singen.

Kurze Kritik noch: Am Anfang fand ich die KI-Bilder gut, langsam habe ich für mich aber den Eindruck, dass sie mir meine Vorstellungskraft zu sehr einschränken. Ich bräuchte sie nicht.

Und als Bremer kann ich dir sagen: Für „Moin“ ist die Tageszeit nie zu spät. Habe aber keine Ahnung wie das in Leipzig gehandhabt wird  ;)



Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 24.September 2025, 12:24:06
Grüß dich! Schön, dass du mal reingelesen hast.

Du hast definitiv Recht, dass die größte Herausforderung bei so einer Story die Kontinuität ist. Das wird auch für mich die höchste Hürde werden. Story und Charakterentwicklung sind ebenfalls eine Herausforderungen - ich glaube die Punkte fallen mir aber nicht so schwer wie die Kontinuität. Da hilft viel Fantasie und die Leidenschaft zum Schreiben schon sehr.

Ich habe mich dazu auch schon öfter mit Bekannten und Freunden die teilweise selbst Hauptberuflich Schriftsteller sind ausgetauscht und tatsächlich macht es jeder irgendwie anders.  ;D

Die einen Skizzieren vorher den groben Haupthandlungsverlauf und füllen den Rest dann beim Schreiben. Andere wie ich schreiben im Wesentlichen einfach drauf los und reagieren dabei spontan auf den Verlauf von Szene zu Szene. Glaube da muss man auch das Beste Konzept für sich finden. In Kombi mit der FM Karriere natürlich nochmal eine größere Herausforderung da sich die Story auch darauf wesentlich konzentrieren wird.

Freue mich wenn du öfter mal reinschaust und Feedback gibst  :angel:

Zu deiner Anmerkung mit den KI Bildern: Kann deinen Gedankengang hier nachvollziehen. Ich als Leser bräuchte das auch nicht. Mein Ansatz dahinter lag vor allem in der optischen Präsentation, weil ich die Befürchtung hatte/habe, dass zu große Textblöcke die Mehrheit eher abschrecken als binden. Davon abgesehen, dass ich einfach auch viel kreatives mit KI mache und ich dachte: Cool, auch für sowas wäre es doch ein guter Anwendungsbereich  :laugh:

Im letzten Post waren natürlich einige - vielleicht auch 1-2 zuviele Bilder. Das werde ich in Zukunft wieder etwas reduzieren. Gerne würde ich von den anderen Lesern wissen wie das hier allgemein ankommt.  :)

Zum Moin: Ja, hier in Sachsen wirds eher am morgen verwendet. Da kommt dann schonmal ein komischer Blick wenn du den im Laufe des Tages bringst  ;D
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Guddy-Ortega am 24.September 2025, 13:42:31
Kurz dazu, weil ich es interessant finde welche unterschiedlichen Ansätze es beim Schreiben von Stories mit Rahmenhandlung gibt. Ich habe es bei jeder meiner drei Stories unterschiedlich gemacht.

Bei Teil 1 habe ich ziemlich weit in den Safe gespielt und mich davon für meine Story leiten lassen.
Bei Teil 2 habe ich begleitend zum Safe geschrieben undspontan improvisiert, ohne einen Abschluss vor Augen zu haben(nicht wertend gemeint).
Und bei Teil drei habe ich einen maßgeblichen Teil der Rahmenhandlung vorgeschrieben.

Ich kann dir ehrlich nicht sagen, mit welchem Ansatz ich am besten gefahren bin.
Ich glaube ein gutes Gerüst hilft zumindest dabei, dass die Story nicht nach drei Posts einfach liegen gelassen wird, wie das hier leider oft vorkommt. Da gibt es tolle Einleitungen und dann kommt leider nichts mehr.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 24.September 2025, 13:58:15
Haha, sehr interessant, dass du da so unterschiedlich gefahren bist. Ich denke am Ende ist das Vorgehen immer vom Gefühl abhängig. Also in welchem Prozess es sich in dem Moment einfach richtig anfühlt diese Story zu schreiben. So empfinde ich es bei mir zumindest immer so. Mein letzter Storyversuch ist ja so ein klassisches Einschlafprojekt gewesen. Damals habe ich den Save während des Schreibens gespielt. Rückblickend war das ein Prozess in dem ich mich nicht wohl gefühlt habe, weil das Schreiben zu lange fürs Spielen gedauert hat - irgendwann war dann die Motivation für den Save weg.

Im jetzigen Fall ist es das Vorgehen aus deinem dritten Part. Der Save ist noch nicht gestartet. Im Moment bin ich erstmal am Schreiben.  :laugh:
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 26.September 2025, 12:13:20
Guten Morgen liebe Leser,

weiter gehts - wir steigen ein in Kapitel 2. Viel Spaß beim Lesen und euch allen einen schönen Start ins Wochenende!



Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
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Kapitel 2: Reverse


„Zieh vier!“, grinste Tom und legte mit großer Genugtuung die Karte auf den Stapel, die mich jedes Mal aufs Neue zur Weißglut trieb. Ich schüttelte nur den Kopf, griff nach meinem Glas und nahm einen langen Schluck.
„Sag mal, du willst mich doch verarschen!? Warum spielen wir eigentlich nie etwas, das ich mal gewinnen könnte? Schach vielleicht? Oder Stadt-Land-Fluss? Da braucht man nämlich Skill!“
Tom lachte schallend, warf seine blonden Locken zurück. „Schach? Da würdest du doch noch mehr leiden. UNO passt zu uns – schnelllebig, dreckig, unberechenbar. Wie dein Vorstellungsgespräch.“
Ich verzog das Gesicht, denn er hatte recht. Der Termin bei Lok war in meinem Kopf natürlich noch Dauerpräsent, obwohl schon ein paar Tage seitdem vergangen waren. Die Holztribüne, der muffige Geruch, Kracht mit seinem überheblichen Grinsen – alles schwirrte noch in meinem Kopf herum. Umso mehr brauchte ich eine kurzweilige Ablenkung wie heute Abend.

Kneipenabende haben so eine eigenartige Magie. Man kann den ganzen Tag über grübeln, sich im Alltag aufreiben, sich in Gedankenspiralen verstricken – und doch reicht manchmal ein kaltes Bier, stickige Kneipenluft und ein Kumpel gegenüber, um die Dinge wenigstens für ein paar Stunden leichter erscheinen zu lassen.
Diesmal saßen wir etwas verdeckt in einer Ecke der Kneipe - wo das Licht der altersschwachen Deckenlampe nur noch so halbherzig durch die Nikotin-Patina schimmerte. Vor uns drei frisch gezapfte Biere - man braucht schließlich eins zur Reserve und dazu ein UNO-Kartendeck, welches die Kellnerin irgendwann einmal tief vergraben in einer Schublade unter der Theke gefunden haben musste.

(https://i.ibb.co/QvC3x0Y1/Chat-GPT-Image-26-Sept-2025-11-40-24.png)

Ich legte meinen gespielten Frust ab und zückte eine meiner Handkarten.
„Tja, und wie dort habe ich auch hier noch ein Ass im Ärmel.“ Nun überzog mein Gesicht ein breites Grinsen und ich knallte die Karte auf den Stapel.
„Reverse! Mein Lieber. Zieh mal fleißig.“ Tom stöhnte verärgert auf und begann zu ziehen.
„Was hälst du von Kracht?“
„Schwer zu sagen, an sich war er mir unsympathisch. Hat die ganze Zeit so ein süffisantes Grinsen drauf. Er hätte Oberlehrer werden können.“ antwortete ich zögernd.
„Ja, ich verstehe, was du meinst. Er hat wirklich etwas Oberlehrerhaftes. Kocht aber auch nur mit Wasser.“ sprach Tom nachdenklich, ehe er die nächste Karte auf den Stapel legte.
 „Ich sag’s dir ehrlich“, begann ich, während ich nun eine Karte nachzog.
„Es war ein Wechselbad der Gefühle. Mal hatte ich den Eindruck, die hängen an meinen Lippen, dann wieder - als würden sie innerlich die Uhr stoppen. Nur um zu sehen, wie schnell sie mir meine fehlende Erfahrung vorwerfen können. Ein Auftritt wie eine verdammte Achterbahn. Als ich raus war, hatte ich aber an sich eigentlich ein ganz gutes Gefühl.“
Tom nickte langsam, schob seine Karten zurecht.
„Aber du hast ihnen Feuer gegeben, oder? Das Whiteboard, deine Taktikideen… das hat Eindruck gemacht. Die haben Druck und müssen sich schnell entscheiden. Gibt schlimmere Voraussetzungen. Wenn ich an Krachts Reaktion denke, als ich dich vorgeschlagen habe... Da war ich ja überrascht, dass sie dich überhaupt eingeladen haben.“
„Wie hat er reagiert?“ fragte ich interessiert.
Tom zuckte die Schultern. „Hat gelacht.“
„Ah…wundervoll.“ Entgegnete ich nur und starrte wieder in meine Karten.
Ich dachte kurz zurück. „Am Ende zählt, ob du als Trainer Spiele gewinnst. Sollte man zumindest meinen. Bei denen bin ich mir nicht sicher. Es war, als hätten sie eigentlich andere Namen im Kopf.  Aber Nagelsmann 2.0 kommt nicht gerade jeden Tag um die Ecke.“

Tom wollte gerade etwas erwidern, da vibrierte mein Handy neben mir. Ich warf einen Blick aufs Display. Kracht. Mir zog es den Magen zusammen wie beim plötzlichen Fall einer Achterbahn in den Steillooping.
„Na los, geh ran“, meinte Tom, der die Situation sofort erfasst hatte. Ich nickte stumm und drückte auf den grünen Knopf.
„Herr Kopp? Kracht hier.“

(https://i.ibb.co/FqJzZnR3/Chat-GPT-Image-26-Sept-2025-11-40-13.png)

„Guten Abend Herr Kracht. Schön, dass Sie sich sooo zeitnah melden.“

„Ja, Herr Kopp - Ich mach’s kurz: Uns hat das persönliche Gespräch überrascht. Im positiven Sinne. Trotz dessen, dass wir inhaltlich doch einige andere Vorstellungen haben. An denen möchten wir aber festhalten. Dazu hatten wir auch nach dem Termin eine klare Haltung. Das ist auch der Grund, weshalb wir uns entschieden haben, einen anderen Weg zu gehen. Sie waren natürlich nicht unser einziger Kandidat und wir haben jemanden gefunden, dessen Konzept wir voll und ganz unterstützen. Wir haben den Eindruck, dass die Aufgabe für jemanden mit mehr Erfahrung geeigneter ist.“

Die Worte trafen mich härter, als ich mir eingestehen wollte. Wie in Trance starrte ich auf den Bierdeckel vor mir, als könnte ich darin irgendeine Rettung finden. Irgendeinen Anker, der mich nach oben zog und wieder Luft holen ließ. Vor meinem inneren Auge sah ich Krachts süffisantes Grinsen.
„Ich verstehe. Danke für die Rückmeldung“, murmelte ich. Mehr brachte ich nicht zustande.
„Danke für Ihr Verständnis vielleicht sollten Sie es für den Anfang in den Kreisligen probieren. Viel Erfolg!“

Nach dem Auflegen blieb es kurz ruhig. Nur das leise Rascheln der Karten, die Tom zwischen seinen Fingern reflexartig mischte, durchbrach die Stille. Was für Idioten. In der Kreisliga? Hätten sie gerne! Schließlich seufzte ich. „Weißt du, woran mich das erinnert?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr ich fort. „An meine Abiprüfungen. Tagelang habe ich gelernt wie ein Weltmeister und hab mich anschließend erfolgreich durch die Prüfungsaufgaben gebissen – zumindest in meiner eigenen Wahrnehmung. Am Ende musste ich trotzdem in Englisch zur Nachprüfung.“
Ich nahm einen weiteren tiefen Schluck, schob die Karten lustlos auf den Stapel. „Manchmal frag ich mich echt, ob das meine Bestimmung ist. Immer kurz davor, nie mittendrin.“

Tom legte ebenfalls seine Karten ab, griff nach seinem Bier und hob es mir entgegen.
"Oder es ist einfach nur die falsche Tür gewesen. Die Welt dreht sich weiter. Und die hat mehr zu bieten als nur Lok.“
Ich stieß mit ihm an, auch wenn meine Miene wohl kaum nach Zuversicht aussah. Das Bier schmeckte plötzlich bitterer als sonst.



Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: AndreH am 26.September 2025, 16:50:50
Hallo jkay94,
finde deine Storie richtig richtig geil geschrieben bisher. Bleib weiter am Ball!!

LG
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Bayernfahne am 28.September 2025, 14:31:18
Hallelujah, schade für deinen Protagonisten, aber Hauptsache nicht Lok!  :D
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Elemotion am 29.September 2025, 09:32:33
Eine überraschende Wendung, bisher kam es glaube ich in keiner Story vor, dass der Kandidat/Protagonist am Anfang abgelehnt wurde. Ich hoffe diese Ablehnung war storytechnisch geplant bzw. vom FM "kreiert" und fußte nicht darauf, dass LOK hier im Forum nicht als präferierter Verein galt. Letzteres wäre schade, denn das wichtigste an einer Story ist, dass du selbst Spaß hast
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 30.September 2025, 10:09:33
Danke euch allen wie immer für eure lieben Worte! Schön, dass so fleißig mitgelesen wird und es scheinbar auch etwas unterhält.

@elomotion Die Wendung war tatsächlich so von mir für die Story geplant gewesen, weil es für mich auch den Grundstein für weitere Story-Stränge legt. Ich gehe gerne später nochmal drauf ein um nicht zu viel vorweg zu nehmen  :P



Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
(https://i.ibb.co/Kx7qgXGG/Chat-GPT-Image-26-Sept-2025-14-03-02-2.png)



Kapitel 2: Reverse Teil 2


Irgendwann war der Abend längst keiner mehr, sondern hatte sich zu einer dieser Nächte entwickelt, von denen man noch Tage später das Kratzen im Hals und die Schwere in den Beinen spürt. Aus einer simplen UNO-Runde war für Tom und mich eine Kneipentour geworden, wie sie nur entstehen konnte, wenn Frust, Freundschaft und Alkohol eine unheilvolle Allianz eingingen.

Ich hatte wirklich versucht nicht zu enttäuscht zu sein. Letztlich war ich dennoch wieder am eigenen Anspruch und der Wirklichkeit gescheitert. Ein Umstand, den ich nur selten ertragen konnte und so wie die Ganze Nummer gelaufen war – würde mir das noch einige Zeit nachhängen. Normalerweise bin ich selten ein Typ der nachtragend durch die Welt läuft. Bei dieser Geschichte aber saß der Frust, zumindest an diesem Abend, zu tief, um ihn direkt abzuschütteln.

Und so streunten wir über die wohl beliebteste Partymeile in Leipzig. Die sogenannte Karli – eigentlich Karl-Liebknecht-Straße genannt. Es war eine dieser Gegenden in denen die Nacht zum Tag wurde und man gerne mal dem ein oder anderen aus dem Bekannten bzw. Freundeskreis über den Weg läuft. Hier reihen sich Irish Pubs, an hippe moderne Bars, Restaurants aus allen Kulturkreisen bieten ihre Speisen an und auch für die Unterhaltung war unter anderem mit Theatern oder einer Kickerkneipe ausreichend gesorgt. Lange schaffte ich es halbwegs klar zu bleiben, wir besiegten sogar ein paar Jungspunde beim Darts spielen, welche den Mund erst etwas zu voll genommen hatten und uns danach kleinlaut eine Runde Bier und Schnaps spendieren durften.

Doch wie es auf solchen Touren so ist, hält die Heiterkeit und das Hochgefühl nicht ewig an. Irgendwann wurde die schillernde Umgebung für mich zu einer Mischung aus verzerrten Schatten und Bunten Lichtern. Die Nacht war ein verschwommener Film aus Gelächter, lauten Gesprächen und dem Geschmack abgestandenen Biers.  So kam es, dass wir in den frühen Morgenstunden die Karli in Richtung der Innenstadt nach oben liefen. Oder besser gesagt taumelten. Wir taumelten durch die Straßen, vorbei an Spätis und kleinen Clubs, aus denen gedämpft Musik klang und an Dönerbuden, welche auch um vier Uhr morgens noch gefragt genug waren. Ich weiß nicht mehr, wie wir genau dort landeten, aber irgendwann schlurften wir an der Zentrale der Leipziger Volkszeitung vorbei. Dort wo der Weg an das Firmengelände angrenzte, stand wie üblich ein alter Schaukasten, in welchem die heutige Titelseite angebracht war. Was auch immer es war, irgendwas weckte die Aufmerksamkeit meines betrunkenen Ichs. Ich trat schwankend näher und rieb mir die Augen, um in meinem Zustand durch das schon etwas eingetrübte Glas die Schlagzeile lesen zu können.

„Alter, Jochen!“
„Wat für Jochen?“ rief mein Begleiter hinter mir. „Isch bin Tom – das weißt du hoffentlich noch. Bin ja froooh, dass ichs noch weiß!“
„Neee“ entgegnete ich säuselnd und auch etwas verärgert.
„Hier! In der LVZ – Lok….“ Ich stockte, weil das Bier mir unaufhörlich die Luft wieder nach oben trieb. „Lok hat Jochen Seitz als neuen Trainer verpflichtet.“

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Bei den Worten begann mein Magen wieder zu brennen. Jochen Seitz. Wieder einmal hatte Lok den sicheren Weg gewählt. Wieder einmal hatte der Klub, der so sehr nach Aufbruch schreien wollte, sich für die altbekannte Schablone entschieden. Für mich blieb nur die bittere Gewissheit: Sie wollten kein Risiko. Sie wollten keine Namen wie meinen. Jochen Seitz war ein bekannter Name, ein Mann mit Bundesligaerfahrung eben. Ich spürte, wie der Alkohol die Wut noch verstärkte. Ich ballte die Faust, hätte am liebsten den Glaskasten mit der Faust zertrümmert. Tom zog mich schließlich weiter. „Komm Nagelsmann 2.0. Deinen Vertrag kriegschte jetzt halt woanders.“ Aber in mir brannte es wie ein Feuer, das nicht zu löschen war. Zumindest nicht in dieser Nacht.
 
Irgendwann, es mochte schon nach 6 Uhr gewesen sein, erreichten wir meine Wohnungstür. Trunken wie wir waren, verabschiedeten wir uns mit einer holprigen Umarmung. Als ich nach gefühlt einer Ewigkeit endlich meine Wohnungstür aufgeschlossen bekam – kam auch gleichzeitig die Schwärze in mein Gedächtnis und irgendwann versank ich wohl in einen Schlaf der eher komatös als erholsam gewesen sein musste. So ließ ich mich auch von der Sonne, welche warm durch die Fenster fiel, nicht aufwecken. Nachdem Stunden vergangen waren, zerriss das in meiner Wahrnehmung Ohrenbetäubende Schrillen der Türklingel meine Bewusstlosigkeit.

Ich schreckte auf, benommen, mit trockenem Hals und pochendem Kopf. Ich wusste weder wer ich war - noch wo ich war. Nach einigen Momenten konnte ich zumindest eine grobe Einschätzung geben. Ich lag auf meinem Sofa. Vor mir auf dem Tisch eine halb aufgegessene und augenscheinlich sehr angebrannte Pizza. Wo auch immer die herkam. Ich rieb mir die Augen, während das schrille Klingeln wieder von vorne losging. Ich stand auf, meine Balancefähigkeit völlig überschätzend und taumelte hilflos gegen das nächste Bücherregal. Meinem Reflex war es zu verdanken, dass das Regal nicht noch stärker schwankte und im schlimmsten Fall kiloweise Bücher auf mich kippte. Wer klingelte bitte so früh? Ich warf einen Blick zur Uhr an der Wand. Es war 13 Uhr. Früh war gut.

(https://i.ibb.co/BVDsqdjG/Chat-GPT-Image-30-Sept-2025-09-58-59.png)

Taumelnd schaffte ich es bis zur Wohnungstür und blickte rechts auf das digitale Display, welches mir eine schwarz-weiße Aufnahme vom Eingangsbereich des Hauses präsentierte. Mit zusammengekniffenen Augen erkannte ich zwei Männer, einer mit äußerst wenig Haar in den geschätzten Fünfzigern. Der andere ein jüngerer Mann mit Bart den ich ungefähr in meine Altersklasse eingeordnet hätte. Ich runzelte die Stirn. Irgendwie kamen mir beide bekannt vor. Da ich aber nicht auf Anhieb draufkam – konnte es auch keine prägende Erfahrung gewesen sein.

Was wollten die hier? Waren es etwa Zivilpolizisten? Hatten Tom und ich letzte Nacht mehr angestellt als betrunkene Späßchen zu treiben? "Scheiß Alkohol!" schimpfte ich. Widerwillig drückte ich nun auf den Summer und spurtete los. Ich hatte etwa eine Minute, bis sie oben an der Wohnungstür ankommen würden. Die Zeit lief. Ich flitzte ins Wohnzimmer, packte die Pizzaschachtel und die leeren Flaschen und warf sie in den an der Küchentür hängenden Beutel für den Papp Müll. Kaum aus der Hand gegeben sprang ich durch die Schlafzimmertür, zog mich schneller aus als ein Triathlet am Badesee und schlüpfte in saubere und vor allem nicht nach Kneipe stinkende Klamotten. Vorne hörte ich bereits ein energisches Pochen an der Tür. Ich stolperte ins Bad, kippte mir eine Handvoll kaltes Wasser ins Gesicht und warf mir ein Pfefferminzbonbon ein. Zurück im Flur atmete ich kurz tief ein und aus, ehe ich langsam und in meinen Augen möglichst souverän, die Tür öffnete.


Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Howie59439 am 01.Oktober 2025, 15:17:12
Bin mal wieder nach einigen Jahren im Forum gelandet und über deine Story gestolpert. Gefällt mir richtig gut. Man fiebert so richtig mit. Vor allem wenn man selber schon mal einen Jorneyman gespielt hat und sich Gedanken über die Auswahl des Startvereins und die Hintergründe gemacht hat. Weiter so, ich les gerne weiter mit  :D
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 04.Oktober 2025, 09:49:47

Hin und wieder zurück - A Leipzig journey
(https://i.ibb.co/Kx7qgXGG/Chat-GPT-Image-26-Sept-2025-14-03-02-2.png)



Kapitel 2: Reverse Teil 3



„Herr Kopp?“ fragte der Ältere.
Ich nickte verdutzt und versuchte trotzdem halbwegs souverän zu wirken. So gut das in meinem Zustand zumindest ging.
„Frank Kühne“ stellte er sich vor und deutete dann auf seinen Begleiter.
„Und das ist Hans Jerke.“ Wieder schrillten die Glocken in meinem Kopf.
„Wir sind die neue sportliche Leitung bei der BSG Chemie Leipzig.“
Die Erkenntnis traf mich hart und präzise wie ein Amazonenbogenpfeil. Kühne und Jerke – da war was. Glücklicherweise half mir die aufkommende Aufregung den Kater etwas in den Hintergrund zu drängen.
„Dürfen wir reinkommen? Wir möchten gerne mit Ihnen sprechen, wenn sie Zeit haben.“ fuhr Kühne fort als ich weiter nichts erwiderte. Ich möchte nicht sagen, dass die Situation leicht überfordernd für mich war, aber doch, das alles überrumpelte mich in diesem Moment schon ziemlich.

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„Äh ja klar, dürfen Sie.“ Ich trat einladend bei Seite und führte die beiden ins Wohnzimmer. „Entschuldigung, ich bin nicht auf Besuch eingestellt und auch erst seit kurzem wach. Wir hatten gestern eine Familienfeier und ich war erst spät zurück. 60. Geburtstag meines Vaters.“ Flunkerte ich entschuldigend als Kühne den Blick, durch den etwas chaotischen Raum schweifen ließ. Ich besorgte aus der Küche eine Flasche Wasser und drei Gläser für uns und setzte mich an den Esstisch an dem beide bereits Platz genommen hatten. Etwas hektisch goss ich ein und genehmigte mir einen großen Schluck.
„Hören sie – ich bin verwirrt. Weshalb sind sie hier? Ich erinnere mich nicht, dass wir je persönlichen Kontakt hatten. Das müssen Sie mir erklären.“

Die beiden Männer tauschten kurz wissende Blicke aus, ehe Kühne ansetzte.
„Gerne werde ich das tun.“ Er stockte kurz als würde er mit sich ringen, wie er das Folgende formulieren sollte.
„Wie sie vielleicht wissen ist Miroslav Jagatic seit 2019 für unsere Profis als Trainer eingesetzt. Wir haben diese Entscheidung bis heute nie bereut und sind immernoch der Meinung, dass wir uns mit Jagatic langfristig weiterentwickeln können. Die letzte Saison hat mit dem 7. Platz sehr gute Ansätze gehabt. An ein paar einzelnen Spieltagen, in der ersten Saisonhälfte, waren wir sogar unter den Top 3 zu finden.“ Wieder pausierte Kühne und wirkte jetzt noch einmal deutlich nachdenklicher als zuvor. Mit einem etwas monotoneren Klang fuhr er fort.
 „Aber manchmal spielt das Leben Karussell und wir sind nur die Insassen, die hilflos darauf hoffen müssen, dass es irgendwann wieder stoppt. In Miroslavs Familie gab es einen Schicksalsschlag mit schwerer Krankheitsdiagnose. Er ist Anfang der Woche auf uns zu gekommen und hat darum gebeten sich in den kommenden Monaten aus dem aktiven Spielbetrieb zurückzuziehen.“ Er verstummte, als erwartete er eine Reaktion von mir. Ich zog nur fragend die Brauen hoch. Letztlich fuhr er fort. „Wir wissen nicht, wann er wieder kommt. Nicht Mal, ob er innerhalb des nächsten Jahres wiederkommen wird. Die Situation ist sehr verfahren und für uns aktuell eigentlich kaum planbar. Zudem natürlich auch aus sportlicher Sicht denkbar ungünstig – da wir bereits mitten in der Saisonvorbereitung stecken.“

Je länger ich zuhörte, desto mehr taute langsam, aber sicher mein Verstand auf. Die letzten Worte hatte ich schon gar nicht mehr aktiv wahrgenommen. Denn zeitgleich setzte mein angeschlagener Kopf die Situation und die Worte wie ein Puzzle zusammen. Aber ich wollte Gewissheit.
 „Das ist tragisch für ihn – was aber genau wollen sie jetzt von mir?“ Kühne blickte auffordernd zu Jerke der daraufhin etwas nervös wirkte, als er sich mir zuwandte. „Wir wollen Sie als Trainer, Herr Kopp. Wir haben seit Montag viel zusammengesessen und überlegt, wie wir für alle die Situation am besten zusammenkriegen können. Einerseits wollen wir Miroslav die Tür aufhalten. Das verlangt alleine der soziale Wertegedanke der BSG. Andererseits gefällt uns auch der Gedanke nicht, einen Übergangstrainer mitten in der Saison wieder aus Prinzip vor die Tür zu setzen. Mal von ggf. entstehenden Zahlungsforderungen abgesehen. Aber wir denken da nicht nur betriebswirtschaftlich. Nein. Stattdessen suchen wir jemanden, der die kommende Saison den Posten von Miroslav übernimmt. Die komplette Saison – insofern die Leistungen das im Verlauf des Jahres rechtfertigen. Selbstverständlich gelten die üblichen Kriterien bei der Bewertung der sportlichen Ergebnisse. Wir haben ihm gesagt: Bleib, egal wie sich die Situation entwickelt, auf jeden Fall die Saison daheim und bewältige die Lage. Wenn seine Angelegenheiten klar sind und er bereit ist zurückzukommen – dann kann er das nächsten Sommer tun. So hat er Zeit für seine privaten Themen und der Übergangstrainer bekommt den Freiraum, den er braucht. Wir möchten Ihnen diesen Freiraum gerne geben. Bei einer Rückkehr von Miroslav können sie selbstverständlich darauf setzen, dass wir als Verein ihnen auch in der Folge eine Position darüber hinaus schaffen werden.“
 
Als Jerke fertig war zeigte ich eine grandiose Reaktion. Nämlich gar keine. Ich musste das ganze Konstrukt erst einmal für mich selbst sortieren. Das Schweigen in Raum hielt ein paar Momente an, ehe ich antwortete: „Das klingt durchdacht. Ein faires Vorgehen, was auch zur BSG passt.“ Ich schüttelte wild den Kopf, als wollte ich jemanden abschütteln. „Aber sie müssen mir trotzdem mal erklären, wieso sie auf mich kommen!?“
Nun war es wieder Kühne der antwortete. „Dadurch, dass sie sich bei LOK vorgestellt haben, sind wir auf sie aufmerksam geworden.“

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„Woher wissen sie…?“ grätschte ich dazwischen. Doch Kühne fuhr ansatzlos fort. „Sagen wir mal so: Wir haben unsere Quellen. Wir wissen, dass Sie sich beim Präsidenten vorgestellt haben und dass man sich in Probstheida für jemand anderen entschieden hat. Woher ist für sie erstmal unwichtig. Zudem gibt es in unserem Staff jemanden, der sie beim Lehrgang erlebt hat. Uns wurde dringend empfohlen, dass wir uns einmal mit Ihnen beschäftigen sollen.“

Jetzt war es Jerke, welcher Kühne ungefragt dazwischen sprach.
„Uns gefällt ihr Ansatz sehr. Leidenschaftlicher und moderner Fußball, gepaart mit dem Fokus auf junge Talente. Das ist eine Philosophie, mit der wir uns bei Chemie Leipzig gut identifizieren können. Vielleicht haben Sie ja schon mitbekommen für wen man sich bei den Blau-Gelben entschieden hat und sie wissen sicher auch, dass der Hang zu großen Namen bei uns in Leipzig-Leutzsch nicht in einem vergleichbaren Maße vorhanden ist. Wir brauchen eine schnelle Lösung und genau die sind sie. Niemand der aktuell für uns so schnell verfügbar wäre – wäre von den Voraussetzungen viel besser oder interessanter.“

Ich nickte kurz während es in meinem Kopf weiterratterte. Woher wussten sie von dem Gespräch bei LOK und vor allem wer war die ominöse Person aus dem Staff, welcher mich weiterempfohlen hatte? Ich erforschte mein Gedächtnis, aber letztlich kam ich zu dem Schluss, dass praktisch Hinz und Kuntz in Frage kamen. Ich hatte damals beim Lehrgang einige Analysen und Vorträge halten müssen und das nicht immer nur vor den gleichen Teilnehmern. Es musste nicht zwangsläufig jemand sein den ich kannte. Aber jemand dem meine Ideen scheinbar ganz gut gefallen hatten. Die taktischen Analysen, die Motivationsansätze und der langfristige Blick für das große Ganze. Es war verrückt. Eben noch war ich der Abgelehnte, der Gescheiterte, der an der LVZ bitter feststellen musste, dass er wieder verloren hatte. Und nun saßen hier zwei Männer, die mir eine neue Tür öffneten. Eine Tür, die vielleicht sogar besser zu mir passte, als jene die mir versperrt worden war. Mein Kater war plötzlich wie weggeblasen.

 „Und wie stellen Sie sich das jetzt vor?“
„Nun, uns werden Sie nicht mehr überzeugen müssen“ antwortete Jerke lächelnd.
„Wir haben genug Infos, um uns in der Entscheidung sicher zu sein. Wenn es nach uns geht, könnten Sie Montag anfangen. Wir wollen aber auch, dass Sie sich sicher sind. Dass Sie hinter dieser Idee stehen – hinter dem was Chemie Leipzig ausmacht. Deswegen folgender Vorschlag: Am Samstag findet bei uns im Alfred-Kuntze Sportpark der Tag des offenen Stadions statt. Es wird ein kleines Rahmenprogramm geben, Bespaßung für Groß und Klein, Stadiontouren usw. Wir denken der Anlass ist auch für Sie gut, um sich ein Bild von einem Teil der Rahmenbedingungen zu schaffen. Ohne, dass die Leute sie schon kennen. Undercover, sozusagen. Wenn Sie uns dann nach einer Nacht Bedenkzeit am Sonntag einen Daumen nach oben geben, reden wir über konkrete Zahlen, Rahmenbedingungen und Ausgestaltung.“

Ich überlegte kurz. Das klang für mich tatsächlich nach einer annehmbaren Idee. Auch wenn mein Bauchgefühl jetzt schon schrie MACH DAS! WAS WILLST DU DENN NOCH DU IDIOT! MEHR GLÜCK IM UNGLÜCK KANN MAN NICHT HABEN! Aber ich wollte einen kühlen Kopf behalten und mich nicht blindlings in die Sache stürzen. Das Ganze kam schon so plötzlich und absurd genug.
„Das…klingt für mich nach einer guten Idee. Das machen wir so. Wie ist das mit dem Staff von Miroslav? Bleiben die Leute oder würde ich eigene Personalien einbringen können?“ Ein Hauch von Erleichterung schien über das Gesicht der beiden Sportvorstände zu huschen, gefolgt von zufriedenem Lächeln. „Der Staff bleibt erstmal so zusammen. Es gibt aber natürlich Positionen, bei denen sie auch Änderungen einbringen können. Das besprechen wir im Detail.“ sagte Jerke. „Okay. Damit kann ich leben.“ entgegnete ich.

 „Sehr gut, Herr Kopp. Dann ist es so verabredet. Samstag ab 10:00 Uhr auf dem Stadiongelände. Es reicht aber auch wenn Sie später da sind. Ich denke wir werden den ganzen Tag auffindbar sein.“

Als Kühne und Jerke schließlich die Wohnung verlassen wollten drehte sich Kühne auf dem Absatz noch einmal um „Ach, bevor ich es vergesse…Es sollte denke ich klar sein, aber alles, was wir heute besprochen haben, wird bitte mit absoluter Diskretion behandelt. Selbst im Verein weiß nur eine Handvoll Leute Bescheid und wir möchten das Ganze erst an die Öffentlichkeit geben, wenn wir einen Nachfolger präsentieren können.“ Jerke wippte nachdrücklich mit dem Kopf und auch ich stimmte mit einem kurzen wissenden Nicken zu. Als die beiden die Wohnung verlassen hatten ließ ich mich erschöpft auf mein Sofa plumpsen. Noch immer mit pochendem Kopf, aber nun auch mit einem Funken, der langsam wieder zu brennen begann und mich von Innen zu wärmen schien.

Vielleicht war das alles am Ende kein Zufall gewesen.

Sondern einfach nur Schicksal.



Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Bayernfahne am 07.Oktober 2025, 19:27:32
Yes!
Von Stalingrad bis an die Spree,
keiner schlägt die BSG!  ;)
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Noergelgnom am 08.Oktober 2025, 16:53:24
Wirklich, wirklich schöne Story!  :)

Die Beschreibungen (samt des mitunter sehr feinsinnigen Humors) find ich besonders klasse - aber auch, dass Du nicht bei Lok, sondern bei Chemie gelandet bist, find ich großartig.

(Lok war zwar meine allererste "Liebe" im Fussballbereich, ihr Cup-der-Pokalsieger-Halbfinale gegen Girondins Bordeaux war eines meiner ersten bleibenden Erlebnisse in der Hinsicht, aber wie bei so vielen Ostvereinen macht die heutige Fanszene da leider viel kaputt.  :-\ )

Werd hier sicher weiter mitlesen, fühl mich bisher gut unterhalten. :)
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 01.November 2025, 23:34:31
So liebe Leser,

Danke für eure Geduld. Nach Urlaub, Krankheit und FM26 gehts hier jetzt weiter. Dafür gibts jetzt einen etwas längeren Beitrag für euch. Viel Spaß beim Lesen - ich freue mich wie immer über euer Feedback  O0 Die versprochene kurze Erläuterung zur Storyline folgt vor dem nächsten Beitrag   :laugh:

Hin und wieder zurück - A Leipzig journey

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Kapitel 3: Eine neue Heimat



Der Besuch von Kühne und Jerke hallte noch eine ganze Weile in meinen Gedanken nach. Als die beiden gegangen waren drängte sich neben der Aufregung auch die Erschöpfung wieder zurück in mein Bewusstsein. Dennoch war mein Kopf jetzt zu wach um direkt wieder schlafen zu gehen. Ich wollte mich gerade aufraffen, um Tom anzurufen, da klingelten Kühnes Worte in meinem Ohr noch einmal nach. „Höchste Diskretion.“ Und ich legte das Handy schnell wieder weg. Die zwei Tage würde ich die Angelegenheit für mich behalten müssen. So schwer mir das auch fallen mochte. Diese Chance durch Geschwätzigkeit zu gefährden, wäre an Dämlichkeit wohl kaum zu überbieten. Stattdessen fiel ich irgendwann, dank der beruhigenden Stimme des ZDF Nachrichtensprechers im TV, doch noch einmal ins Reich der Träume und nutzte, etwas erholter, am Abend die Chance, um mein doch recht eingestaubtes Wissen über den Leutzscher Verein nochmals aufzufrischen. Schließlich wollte ich beim Tag des offenen Stadions nicht wie ein kompletter Volltrottel rüberkommen. Von meinem westdeutschen Familienbackground einmal abgesehen.
 
Die Betriebssportgemeinschaft Chemie Leipzig stellte in der Stadt nach dem 1. FC Lokomotive Leipzig den größten Traditionsverein. Gleichwohl beide Klubs mittlerweile in der sportlichen Versenkung des Amateurbereiches verschwunden waren – polarisieren die Vereine bis heute, auch durch ihre intensive gegenseitige Rivalität. Diese ist vor allem historisch gewachsen und gleichzeitig auch Sinnbild für den Mythos Chemie Leipzig und für den Leipziger Fußball im Allgemeinen. Nach mehreren Umstrukturierungen trat die BSG damals in den 60er Jahren zu Zeiten der DDR als Underdog an in der höchsten Spielklasse an. Im damaligen System wollte man jedoch die besten Spieler der Stadt unter dem Banner des SC Leipzig (Vorgänger des 1. FC Lokomotive Leipzig) vereinen. Diejenigen welche übrig blieben, landeten bei der BSG…und schafften die Sensation.

1964 gelang zum zweiten und auch letzten Mal der Gewinn der DDR-Meisterschaft. Der Mythos der Mannschaft als „der Rest von Leipzig“ war geboren und sollte in der Vereinshistorie einmalig bleiben. Was in den Jahrzehnten danach folgte war eine Achterbahnfahrt aus sportlichen sowie wirtschaftlichen Misserfolgen und Comebacks - bis in die heutige Zeit hinein. Schon zu DDR-Zeiten rutschte die BSG immer mehr in den Schatten des 1. FC Lokomotive Leipzigs ab, welcher sich auch international auf der großen Bühne präsentierte und mit dem Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen Ajax Amsterdam 1987 für den bisherigen sportlichen Leipziger Fußballhöhepunkt sorgte. Mal abgesehen von der ersten Deutschen Meisterschaft 1903. Chemie dagegen verschwand, auch bedingt durch das sportliche System der damaligen DDR, in den Versenkungen der 2. Liga.

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Die anschließende Wendezeit überlebte die BSG in Ihrer Ursprungsform nicht. Nach der eintretenden Insolvenz 1990 wurde der Verein unter dem Namen des FC Sachsen Leipzig neu gegründet und die Hoffnung auf eine Wiederkehr glorreicher Zeiten flammte nochmal auf. Es blieb allerdings bei einem Versuch. Die folgenden Jahre waren weiterhin geprägt von sportlichen und finanziellen Schwierigkeiten. Der Gipfel der Probleme wurde in den Jahren vor 2011 erreicht, als der Verein mit einem Investor und einem damit einhergehenden Riesenetat versuchte zurück in den Profifußball zu drängen. Dazu zog man auch erstmals wieder aus dem Kunze Sportpark in das Leipziger Zentralstadion als Heimspielstätte.

Doch die Vision und damit der Aufstieg scheiterten, man rutschte immer mehr in unruhige finanzielle Fahrgewässer. Auch weil der Geldgeber letztlich entnervt absprang. Als auch ein möglicher Einstieg von Red Bull bei den Chemikern von der Fanbasis abgelehnt wurde ahnte man schon, dass der große Knall noch anstand. Separat zum FC Sachsen gründeten die Fans den alten Verein unter dem Namen der BSG Chemie Leipzig neu und traten in der niedrigsten Kreisklasse wieder zum Spielbetrieb an. Somit existierten fortan zwei Leutzscher Vereine, welche sich auch die Räumlichkeiten und das eigene Stadion teilten. Eine absurde Situation, welche vor allem aus dem Konflikt der Fanlager entstanden war. Während die Fanbasis der neugegründeten BSG eher im linken politischen Spektrum zu verorten war und vor allem aus der Ultragruppierung der Diablos bestand – galten die gebliebenen Anhänger des FC Sachsen eher dem rechten Lager als zugehörig. Ein Konfliktfeld welches sich eine ganze Weile halten sollte.

Am Ende gab es aber doch ein Happy End. Während der FC Sachsen abermals finanziell umkippte und sich nach erneuter Insolvenz in die SG Leipzig Leutzsch umbenannte, welche später ebenfalls Pleite ging, kämpfte sich die neu gegründete BSG von der niedrigsten Kreisklasse bis in die heutige Regionalliga Nordost nach oben. Getragen von Ihren Fans, welche unter anderem Hauptpositionen im Verein bekleideten. Zudem vereinte der Klub wieder alle Leutzscher Anhänger unter seinem Banner und gewann in den vergangenen Jahren immer mehr an Attraktivität. Das Belegen auch die Zuschauerzahlen, welche mit steigender Tendenz in Sachen Zuschauerschnitt nun bereits die 4.000er Marke knacken konnten. Eine Zahl die sich bei einer Kapazität von 4.999 Zuschauern im AKS durchaus sehen lassen kann. Diese kuriose Begrenzung hatte im übrigen finanzielle und sicherheitstechnische Hintergründe und waren auch durch Auflagen des Ordnungsamtes bedingt. Eigentlich gab auch der Sportpark eine höhere Kapazität von knapp 20.000 Zuschauern her. Eine Öffnung war bisher für den Verein aber nicht zu stemmen. Wirklich realistisch wäre das auch nur, wenn die BSG wieder in deutlich solidere finanzielle Fahrwasser käme. Denn wie auch bei der Lokschen in Probstheida war Geld in Leutzsch weiterhin ein knappes Gut.
 
Durch den Aufstieg der BSG in die Regionalliga im Jahr 2017 wurde auch die Rivalität mit dem 1. FC Lok Leipzig wieder ein größeres Thema da man fortan endlich wieder direkt gegeneinander antrat. Passend zur Historie war hier in der Vergangenheit meist Lok der Favorit und immer wieder kam es bei den Spielen zu Ausschreitungen oder massivem Einsatz von Pyrotechnik. Von Jagdszenen und Überfällen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Stadions ganz zu schweigen. Während sich ab 2009 über beide Klubs der Schatten des sportlich deutlich erfolgreicheren Projektes RB Leipzig legte, lebten Lok und die BSG weiterhin in ihrer traumwandlerischen Traditionswelt, welche mit der Realität jedoch nichts mehr zutun hatte. In der Hoffnung das eines Tages einer der beiden Vereine wieder den Sprung in den Profifußball schaffen würde. Ein paar Stunden recherchierte ich so, sah mir Dokus zur BSG bei YouTube an und schloss irgendwann mit brummendem Schädel meinen Laptop. Von draußen fiel das Mondlicht herein und die Müdigkeit machte sich wieder in mir breit. Zeit die Zuflucht der Laken zu suchen damit ich am nächsten Tag entsprechend fit war.

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Es war ein wahres Musterbeispiel eines Sommertages. Keine Wolke verlor sich am Himmel und so war der Gang bis zur S-Bahn-Station noch deutlich angenehmer als unter der Woche, als es noch pausenlos geregnet hatte. Der Weg nach Leutzsch war nicht weit und doch lang genug, um die Gedanken etwas schweifen zu lassen. Es waren verrückte letzte zwei Wochen gewesen und ich hatte so das Gefühl, dass die Spannung noch nicht ganz abflachen würde. Selten war ich meinem Kindheitstraum näher als heute. Die Trainerleidenschaft hatte mich schon früh als Kind gepackt. Noch immer erinnere ich mich gut wie ich als 7-jähriger vor dem PC saß und stundenlang den Fussball Manager 2004 spielte. Wurde das Spiel zu turbulent stand ich auch schonmal im Zimmer und sprang voller Euphorie aufs Bett als mein Verein in der 92. Minute doch noch den entscheidenden Siegtreffer erzielte. Heute würde das Lattenrost solche Aktionen gewiss nicht mehr mitmachen. Mittlerweile saß ich nur noch selten vor dem virtuellen Rasen hatte nun aber die Gelegenheit, selbigen gegen echtes Grün einzutauschen. Je näher ich meinem Ziel kam, desto aufgeregter wurde ich – unwissend was mich erwartete. Es war bereits zwei Jahre her, dass ich das letzte Mal den Alfred-Kunze-Sportpark betreten hatte. Chemie gewann. Das war neben den hervorragenden Käse-Spätzle aber auch das Einzige, an das ich mich groß erinnern konnte.
 
Angekommen in Leutzsch zog es mich die Hauptstraße entlang, vorbei an der Schallmauer der S-Bahn, welche schon vollgesprayt war von alle möglichen Chemie Leipzig Graffitis und vorbei an alten verfallenen Gebäuden wie man sie ab und an noch in Leipzig sehen konnte. Vor ein paar Jahrzenten war das Leipzigs prägendes Stadtbild gewesen. Alte verfallene Gebäude die es dringend zu restaurieren galt. Vieles war von Krieg und Diktatur gezeichnet war. Der Einwohnerboom der letzten Jahre und die vielen Investitionen hatten solche Anblicke allerdings heute eher seltener gemacht. Schnell erspähte ich bereits erste grün-weiße Familien die offenkundig ebenfalls auf dem Weg in den AKS waren und gerade in die Häusersiedlung links von mir einbogen. Ich folgte, wissend was auf mich zukam. Es war schon ein besonderes Ambiente kurz vor den Stadiontoren durch eine kleine, schnuckelige Wohnsiedlung zu laufen. Kleine Reihenhäuser drängten sich aneinander und präsentierten grün bepflanzte Vorgärten, in welchen auch der ein oder andere grün Weiße Schal oder Wimpel zu sehen war. Hier hatte man noch einen besonderen Bezug zur BSG – an Spieltagen wurde auch der ein oder andere Pfandsack herausgehängt, in welchen die vorbeilaufenden Fans ihren Pfand unproblematisch loswerden konnten. Heute fehlten Selbige natürlich.

Langsam, aber sicher wurde auch die Straßen etwas voller und dann endlich sah man sie. Durch die Lücken zwischen den Häusern konnte man die Spitzen der Flutlichtmasten erkennen. Giganten aus Stahl, welche erst vor nicht allzu langer Zeit installiert, worden waren. Quasi der ganze Stolz des AKS – zumindest, wenn man den restlichen Zustand des Stadions betrachtete. Gleichzeitig war es für Chemie immens wichtig gewesen die Finanzierung und Anschaffung des Flutlichtes umzusetzen um eben auch Spiele in den Abendstunden zu ermöglichen. Damit waren auch die sehr kostenintensive Aktionen, wie z.B. das Leihen eines Flutlichtes aus Großbritannien, mittlerweile Vergangenheit.
 
Vor dem Eingangstor angekommen entdeckte ich schon den ersten Fanwagen, an welchem sich eine große Traube an Menschen gebildet hatte. „Mama ich will den Schal!“ sagte ein selbst für sein Alter eher kleingeratener Junge zu seiner Mutter und deutete auf einen dunkelgrünen Schal, welcher keinen Schriftzug, sondern ausschließlich das Vereinslogo an beiden Enden aufgedruckt hatte. „Das ist aber erstmal der Letzte! Du hast letzte Saison schon zwei bekommen.“ Antwortete die Mutter, was sich der Junge selbstverständlich nicht zwei Mal sagen ließ und dem Verkäufer schnell die 15 € seiner Gönnerin in die ausgestreckte Hand drückte. Ich ließ das erste leichte Treiben auf mich wirken. Es roch bereits hier nach Bratwurst und fettigen Pommes, aber auch ein leicht süßlicher Geruch, der bei Kindern ebenfalls beliebten Zuckerwatte lag in der Luft.

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Drinnen herrschte buntes Treiben. Im Rücken der großen Haupttribüne hatten sich auf einem Schotterplatz allerlei Stände aufgereiht. Dazu gehörte unter anderem ein Grillstand, an dem Thüringer Würste und Steaks brutzelten, gleich daneben ein Fassbierwagen. Kinder liefen mit grünen und weißen Ballons herum, es gab eine kleine Torwand mit Preisen, ein Stand der Nachwuchsabteilung, an dem Jugendliche ihre Trikots signierten. Ich sah einen alten Bus, dessen Seiten aufgeschoben waren – dort verkaufte man verschiedenste Retro Fanartikel: Schals, Mützen sowie Trikots aus den 80ern. Ein paar Meter weiter warteten zwei junge Frauen mit Klemmbrettern und sammelten Unterschriften für ein Sozialprojekt des Vereins. Auch das war Teil der Identität der BSG.
Ich schlenderte weiter, hinauf zum Dammsitz, welcher den kleinen Sitzbereich unterhalb der überdachten Tribüne darstellte, und blieb irgendwann am Spielfeldrand stehen. Kinder kickten in kleinen Teams auf durch Linien abgegrenzten Kleinfeldern, ein Moderator am Mikro erzählte irgendwas über die Vereinsgeschichte, während hinter ihm ein Plakat mit der Aufschrift „Ein Verein, eine Familie“ im Wind flatterte.

Ich kaufte mir eine Limo – Alkohol war heute keine gute Idee – und stellte mich für einen Moment an den Rand der Tribüne. Der Blick über das Spielfeld, das leicht im Sonnenlicht glänzte, hatte etwas Friedliches. Überall im Stadion verteilt sah man einzelne Personengruppen, die das Geschehen auf dem Platz verfolgten, das Feeling genossen oder einfach nur in nette Plaudereien verwickelt waren. Mir gefielen das Publikum und die Atmosphäre auf dem Gelände. Eine gute Voraussetzung. Diese Mischung aus Bodenständigkeit, Leidenschaft und einer fast unkaputtbaren Treue. Hier sprach niemand von „Projekten“ oder „Marken“. Hier war Fußball noch Handwerk. Mittlerweile merkte ich auch wie die Anspannung langsam der Entspannung gewichen war.
Ich sah Kühne und Jerke am Rande des Rasens stehen. Beide waren in Gespräche verwickelt, schüttelten Hände, nickten, lachten. Ich wartete, bis sie frei waren, und ging schließlich langsam schlendernd zu ihnen herüber.

Jerke entdeckte mich zuerst. „Herr Kopp! Schön, dass Sie da sind!“ rief er, fast etwas zu laut.
Kühne drehte sich um, lächelte knapp, auf diese ruhige, kontrollierte Art, die man nur von erfahrenen Vereinsmenschen kennt.
„Herr Kopp. Schön, dass Sie sich umgeschaut haben. Wie ist der erste Eindruck?“
Ich sah mich kurz demostrativ um, deutete mit einer kleinen Geste über das Gelände. „Echt. Bodenständig. Und irgendwie… warmherzig.“
Kühne nickte. „Genau das wollten wir. Kein Event für Sponsoren, sondern ein Tag für die Leute, die hier seit Jahrzehnten an der Bande stehen. Für die, die das hier tragen.“
„Ich glaube das ist ganz gut gelungen.“ sagte ich lächelnd.
„Bei Fragen melden Sie sich gerne. Wir müssen leider jetzt zur Bühne rüber. Es gibt noch ein bisschen Programm.“
„Wir können dann gerne später reden!“ warf Jerke zwinkernd ein und so setzten sich die beiden inklusive Anhang in Bewegung.
„Schwer beschäftigt die beiden.“ dachte ich mir und schlenderte wieder aus dem Stadion heraus über das Vereinsgelände.
 
Hinter einer Biegung entdeckte ich einen nostalgisch anmutenden Pavillon mit alten Vereinsfotos. Schwarz-weiß, teilweise schon gut vergilbt. Spieler mit Koteletten, Trainer mit Zigaretten oder wahlweise Zigarren in der Hand und jubelnde Massen auf den Rängen. Ich blieb lange vor einem Bild stehen, das einen vollen Alfred-Kunze-Sportpark in den 80er Jahren zeigte. Neben mir stand ein älterer Herr mit Chemie-Schal.
„Siehste das da?“, sagte er und deutete auf ein Foto. „1976. Dresden. Wir ham’ die geschlagen. Ich war da. Heute redet keiner mehr davon, aber das war’n Moment, Junge!“
Ich nickte und konnte mir ein anerkennendes Lächeln nicht verkneifen.
„Klingt, als wär’s ein verdammt gutes Spiel gewesen.“
„War’s. Und weißte warum?“, fragte er, ohne eine Antwort zu erwarten. „Weil keiner an uns geglaubt hat. Genau deswegen.“
 
Der Tag ging schneller dahin als mir lieb war. Nachdem ich noch einige interessante Gespräche an den verschiedenen aufgebauten Ständen mit Chemie Mitarbeitenden und Fans geführt hatte, trugen mich meine Beine zur Haupttribüne, dem einzigen Bereich, der im AKS überdacht war. Ich nahm Platz und beobachtete in Gedanken versunken die letzten leidenschaftlich geführten 5vs5 Duelle des Tages. Eine Möglichkeit für mich kurz in Nostalgie zu verfallen und an die eigene Kindheit in den ländlichen Amateurklassen im Leipziger Umland zu schwelgen. Für mich war eine Fußballerkarriere nie eine Option gewesen. Zuviele linke Beine am Körper, gepaart mit einer grundsätzlichen Grobmotorik sind nicht die besten Voraussetzungen langfristig etwas im Fußballgeschäft zu reißen. Nur der Verstand, Einsatzfreude und das Spielverständnis – diese Stärken besaß ich schon immer. Etwas, was mir nun zugutekam.
 
Irgendwann leerte sich das Spielfeld vor mir und ich sah den Platzwart langsam die Eckfahnen einsammeln, während ein anderer Mitarbeiter die Kleinfeldtore vom satten Grün entfernte. Das rötlich orangene Licht der sommerlichen Abendsonne flutete den Sportpark und gab dem Ganzen eine mystische, aber zugleich freundliche sowie warmherzige Wirkung. Vom Platz hinter der Tribüne wehte der Geruch des groß angelegten Lagerfeuers herüber. Außer mir saß hier nun niemand mehr. Ich verlor das Gefühl für die Zeit und vergrub mich tief in meinen Gedanken. In meine Träume und die damit einhergehenden Zweifel. An Erinnerungen der Vergangenheit und Visionen für die Zukunft. Zumindest bis mich eine Stimme wieder aus meiner eigenen Fantasiewelt riss.

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„Hat was oder?“
Ich wendete den Kopf nach links und sah Hans Jerke, grinsend und von zwei kalten Bieren im Plastikbecher eskortiert vor mir stehen.
Ich nickte und konnte mir ein flüchtiges Lächeln nicht verkneifen. Jerke machte heute einen etwas anderen Eindruck als bei unserem ersten Treffen. Hatte er in meiner Wohnung noch etwas unsicher, verkniffen und überhastet gewirkt, war er heute die Lockerheit in Person. Ob es an der Umgebung lag oder daran, dass Kühne gerade nicht in seinem Dunstkreis war? Ich würde es vielleicht noch herausfinden.
„Ich habe mir mal erlaubt, das hier zu organisieren.“ Er hob demonstrativ die Becher und drückte mir einen in die Hand.
Jerke nahm neben mir Platz und wir stießen wortlos aber sichtlich zufrieden an. Nachdem wir die Blicke einige Momente über den Kuntze Sportpark gleiten ließen – übernahm er schließlich das Wort.
„Da ich denke, dass der Zeitpunkt jetzt passend ist und ich darin ohnehin nicht gut bin. Für mich wäre das du in Ordnung.“
Das kam mir sehr gelegen. Ich gab ohnehin nie großen Wert auf das „Sie“. Von selbst bot ich das „Du“ allerdings selten an. Woran das genau lag konnte ich nicht einmal genau sagen.
„Das ist in Ordnung für mich.“ erwiderte ich mit einem Nicken, ehe er mir die Hand hinstreckte. „Dann einfach nur Hans!“
„Gerne!“ sagte ich und schlug ein.
„Also, wie ist das Gefühl?“ fragte er.
Ich nahm einen großen Schluck aus meinem Becher und genoss den kalten, süß bitteren Geschmack.
„Ich denke wir machen das.“ sagte ich nur und schob den nächsten Schluck nach. „Ich muss zugeben, ich hatte noch meine Zweifel. In den letzten Wochen ist zu viel passiert. Mal hin, mal her, mal ja und mal nein. Vor ein paar Tagen hatte ich noch die Hoffnung Trainer bei Lok Leipzig zu werden und jetzt sitze ich hier im AKS und traue dem Braten in meinem tiefen Inneren immer noch nicht. Manchmal steht man sich doch selbst mehr im Weg als alles andere oder man fragt sich was hätte sein können. Gleichzeitig ärgere ich mich über mich selbst – denn eigentlich war ich Anfangs gar nicht mal so scharf auf den Job. Dann konnte ich mich irgendwann mit dem Gedanken gut anfreunden. Was hätte sein können, wenn das bei Lok geklappt hätte?“
 
Jerke schüttelte selbstsicher den Kopf „Gar nichts.“ Ich sah ihn fragend an. „Glaub mir Julian, es gab nie eine realistische Chance bei LOK. An dem Tag, als du dich mit ihrer sportlichen Leitung getroffen hast, war die Zusage für Seitz bereits beschlossen. Aber das Management wollte einen Plan B oder C, falls die ganze Nummer schief geht. Du warst einer dieser möglichen Pläne. Einer von mehreren.“
Jetzt war ich sprachlos. Kurz kreisten meine Gedanken im Kopf und aus dem eben noch unangenehmen Ziehen im Magen wurde ein wütendes Aufbäumen einer Stichflamme.
 
Ich nahm noch einen größeren Schluck meines Bieres. „Diese verdammten…Heikos!“ entfuhr es mir und Hans schnippste zustimmend mit den Fingern. „Jetzt sprichst du schon wie ein echter Chemiker!“. Wir lachten. Sein Hinweis, vorausgesetzt man konnte dem Glauben schenken, was das Bewerbungsprozedere bei LOK anging, hatte die Situation eindeutig aufgelockert und entspannt. Gleichzeitig spürte ich eine innere Wut auf das Management in Probstheida. „Aber woher…?“ hakte ich nach. „Ich habe doch gesagt wir haben unsere Quellen. Das soll für dich nicht von Belang sein.“ Das war für mich natürlich nicht zufriedenstellend, aber ich spürte, dass ich jetzt mit Nachfragen wahrscheinlich nicht weit kam. Wieder starrten wir auf das Spielfeld vor uns. „Fakt ist, hier bei Chemie gibt es keine zweite Wahl, das sollte dir bewusst sein. Hier zählt nicht, wo du herkommst, nur was du bereit bist in diesen Verein und damit die Gemeinschaft einzubringen.“
 
„Aber warum genau ich?“ fragte ich immer noch zweifelnd. „Genau aus den Gründen, die wir dir genannt haben.“ sagte Hans schulterzuckend. „Unsere Infos vom LOK-Prozedere, die Empfehlung, deine Fußball Philosophie. Das passt für uns alles. Zugegeben, ich habe es dann vielleicht etwas leidenschaftlich vorangetrieben und Martin musste ich auch am Anfang ein klein wenig überzeugen. Aber so ist das halt zwischen uns Jüngeren und der älteren Generation. Wir müssen manchmal etwas Überzeugungsarbeit leisten, aber letztlich können wir doch unsere Ideen auch einbringen. Und du hast sie am Eingang gesehen. Die Meistermannschaft von 1964. Wie du vielleicht weißt, nannte man sie damals „den Rest von Leipzig“. Nun ich denke dieses Motto ist zwar etwas überspitzt heutzutage, aber ein wenig tragen wir es wohl auch noch stolz in uns und sind dann eher bereit den Abgelehnten eine Chance zu geben.“
 
Hans leerte seinen Becher, erhob sich und klopfte mir auf die Schulter. „Auch wenn du mir ja gerade quasi schon zugesagt hast – schlaf nochmal eine Nacht drüber und schreib mir morgen. Hier ist meine Karte mit der Dienstnummer.“ Er hielt mir das grün-weiße Kärtchen hin, welches ich vorsichtig in der Jacke verstaute. „Ich muss jetzt rüber zum Feuer. Die Pflicht ruft. Kommst du mit?“ Ich antwortete, ohne ihn groß anzusehen. „Nein danke. Ich hab genug für heute.“
„Schön, dann hören wir uns morgen und sehen uns Montag.“ Er zwinkerte mir zu und ließ mich wieder alleine sitzen. Ich blieb noch einen Moment, ehe ich die Motivation fand mich zu bewegen und verließ den Sportpark über das Eingangstor. Das Gelächter und Stimmengewirr im Hintergrund wurde immer leiser, während es schließlich, als ich durch die Siedlung am Bahnhofseck ankam, ganz verstummte.
Ich dachte an Lok, an all die Zweifel und Gespräche des heutigen Tages und dann dachte ich an den alten Mann mit dem Foto. An seine Worte: „Keiner hat an uns geglaubt. Genau deswegen!“
Ein leichtes Lächeln huschte über mein Gesicht. Vielleicht war das der Anfang von etwas, was man nicht planen konnte. Etwas, das man am Ende einfach fühlen musste. Vielleicht hatte das Leben einfach nur kurz den Umweg über Probstheida gebraucht, um mich dorthin zu führen, wo ich wirklich hingehörte.

Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Elemotion am 05.November 2025, 14:59:02
Ein sehr schöner Text ich bin mal gespannt wie die Story so weitergeht. Insbesondere wie du dich jetzt mit Chemie schlägst.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 05.November 2025, 15:25:49
Ein sehr schöner Text ich bin mal gespannt wie die Story so weitergeht. Insbesondere wie du dich jetzt mit Chemie schlägst.

Hey! Ich danke dir für dein Lob und ich möchte an dieser Stelle wie versprochen nochmal kurz auf deinen letzten Post eingehen. Tatsächlich war die Wendung in der Story von Anfang an so geplant gewesen. Mir kam es nicht richtig vor, dass alles so problemlos durchlaufen zu lassen und am Ende Trainer bei Lok zu werden. Der Gedanke fühlte sich unbefriedigend an. Als ich begonnen habe die Story zu schreiben war ich mir aber ein paar Tage unschlüssig ob es von Lok zu Chemie gehen soll oder von Chemie zu Lok. Für Lok hat gesprochen, dass hier natürlich nochmal ein größerer geschichtlicher Background dahinter steht und es schon cool gewesen wäre den 1. Deutschen Meister im besten Fall zurück in den Profifußball zu führen. Dagegen hat gesprochen, dass ich selbst als Leipziger deutlich lieber zu Chemie gehe. Ich finde dort die Leute und Atmosphäre einfach angenehmer. Auch das AKS ist mir lieber als das weitläufige Plache. Am Ende hab ich auf mein Bauchgefühl gehört.

Daher war auch ein bisschen ein lachendes und ein weinendes Auge dabei als hier die ersten Chemie Posts kamen, weil ich natürlich dachte "Fuck, die ahnen was. Die Wendung funktioniert dann nicht mehr so gut und man könnte mir natürlich genau das unterstellen, dass ich das nur auf Grund der Communityposts gemacht hätte."  Aber sei es drum, hier sind viele erfahrene Storyleser, da werde ich mir für Überraschungen weiter Mühe geben müssen.  :angel:

Der Vorteil an dieser Storyline ist für mich als Autor vor allem, dass ich so einen persönlichen Bezugspunkt der Hauptfigur zu der Rivalität der beiden Vereine herstellen konnte - ohne, dass es vorher groß Berührungspunkte gab. Damit kann ich gut weiterarbeiten  :)
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: KoniCutshot am 05.November 2025, 23:36:14
Schöne Geschichte. Viel Erfolg für die Saison.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Elemotion am 06.November 2025, 08:07:40
Ich glaube die Abneigung gegen Lok liegt daran, dass dieses Forum eher "linkslastig" ist und die politischen Auffälligkeiten der Lok Fans dadurch kritisch gesehen werden. Ohne Betrachtung dieser Fans ist Lok definitiv der interessantere und "historischere" Club.

Gerade wenn man beide Clubs kennt ist es noch wichtiger auf sein Bauchgefühl zu hören, da man ja selber lange Spaß an der Story und auch am Save haben soll.
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: jkay94 am 06.November 2025, 11:01:54
Ich glaube die Abneigung gegen Lok liegt daran, dass dieses Forum eher "linkslastig" ist und die politischen Auffälligkeiten der Lok Fans dadurch kritisch gesehen werden. Ohne Betrachtung dieser Fans ist Lok definitiv der interessantere und "historischere" Club.

Gerade wenn man beide Clubs kennt ist es noch wichtiger auf sein Bauchgefühl zu hören, da man ja selber lange Spaß an der Story und auch am Save haben soll.

Ja das konnte ich mir schon denken. Diese Aufteilung der beiden Lager ist auch definitiv so vorhanden, deshalb hab ich das in der Story auch entsprechend aufgegriffen. Ich selbst mache das für den Stadionbesuch davon erstmal nicht abhängig - dennoch gehe ich lieber mal ein Chemie Spiel schauen, weil ich dort einfach ein besseres Feeling habe. Dort sind nochmal mehr junge Menschen unterwegs und den AKS finde ich einfach als Fußballstadion geiler. Das liegt vor allem daran, dass das Plache eine Laufbahn drumherum hatte. Man ist im AKS näher am Spielfeld und die Stimmung besser. Ist auch gefühlt noch nicht ganz so heruntergekommen wie das Plache. Obwohl das Stadion quasi bei mir um die Ecke ist. Aber als Dortmunder habe ich persönlich erstmal wenig mit beiden Teams zutun. 

Am Ende war Chemie mein klares Bauchgefühl, daher bin ich mit der Entscheidung fein und denke ich werde Spaß haben  :)
Titel: Re: Hin und wieder zurück - A Leipzig Journey [FM 24]
Beitrag von: Bayernfahne am 06.November 2025, 17:43:48
Ein sehr schöner Text ich bin mal gespannt wie die Story so weitergeht. Insbesondere wie du dich jetzt mit Chemie schlägst.

Hey! Ich danke dir für dein Lob und ich möchte an dieser Stelle wie versprochen nochmal kurz auf deinen letzten Post eingehen. Tatsächlich war die Wendung in der Story von Anfang an so geplant gewesen. Mir kam es nicht richtig vor, dass alles so problemlos durchlaufen zu lassen und am Ende Trainer bei Lok zu werden. Der Gedanke fühlte sich unbefriedigend an. Als ich begonnen habe die Story zu schreiben war ich mir aber ein paar Tage unschlüssig ob es von Lok zu Chemie gehen soll oder von Chemie zu Lok. Für Lok hat gesprochen, dass hier natürlich nochmal ein größerer geschichtlicher Background dahinter steht und es schon cool gewesen wäre den 1. Deutschen Meister im besten Fall zurück in den Profifußball zu führen. Dagegen hat gesprochen, dass ich selbst als Leipziger deutlich lieber zu Chemie gehe. Ich finde dort die Leute und Atmosphäre einfach angenehmer. Auch das AKS ist mir lieber als das weitläufige Plache. Am Ende hab ich auf mein Bauchgefühl gehört.

Daher war auch ein bisschen ein lachendes und ein weinendes Auge dabei als hier die ersten Chemie Posts kamen, weil ich natürlich dachte "Fuck, die ahnen was. Die Wendung funktioniert dann nicht mehr so gut und man könnte mir natürlich genau das unterstellen, dass ich das nur auf Grund der Communityposts gemacht hätte."  Aber sei es drum, hier sind viele erfahrene Storyleser, da werde ich mir für Überraschungen weiter Mühe geben müssen.  :angel:

Der Vorteil an dieser Storyline ist für mich als Autor vor allem, dass ich so einen persönlichen Bezugspunkt der Hauptfigur zu der Rivalität der beiden Vereine herstellen konnte - ohne, dass es vorher groß Berührungspunkte gab. Damit kann ich gut weiterarbeiten  :)

Krass wie viele Gedanken du dir im Vorfeld gemacht hast, Respekt! Den letzten Part fand ich auch wieder sehr schön und lebendig beschrieben. Dieser Tag des offenen Stadions war einerseits ein schöner Rahmen, um die Entscheidung deines Protagonisten zu untermauern und andererseits auch einfach eine sehr gelungene Charakterisierung des Vereins.  :) Was den angeht kann mich Elemotion nur anschließen: die politische Gesinnung des harten Kerns der Fanszene kann ich bei solchen Fragen schlecht ausklammern. Bei mir kommt allerdings noch hinzu, dass meine Frau in Leipzig wohnt, regelmäßig zu Chemie geht und deswegen auch viele Chemiker in ihrem Umfeld hat. Ein anderer Freund von mir ist Frankfurter, da ist der Schritt zur BSG auch nicht so weit. Das einzige was mich als Bayernfan nervt, ist die relativ ausgeprägte Rivalität zu Carl-Zeiss Jena. Ich meine, was zur Hölle?! Seid doch froh, dass es noch ein paar andere große Ost-Vereine mit linker Fanszene gibt.  :D Wie dem auch sei, viel Erfolg für den sportlichen Werdegang, menschlich scheint es ja bereits ganz gut zu passen!