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Autor Thema: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein  (Gelesen 330998 mal)

Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1240 am: 24.Juli 2015, 14:55:33 »

Ich bin als Politikwissenschaftler Lehrer geworden.

Geht aber in D nicht oder? :D
Das wär auch nix für mich. Hab da keine Geduld mit Kindern.
Als Quereinsteiger ist das durchaus möglich, nur bräuchtest du dann noch ein zweites (oder sogar drittes) Fach. Du müsstest dann also Gemeinschaftskunde, Geschichte und vielleicht noch Wirtschaft oder etwas in der Richtung unterrichten.
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Topher

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1241 am: 24.Juli 2015, 15:24:22 »

Braucht man in DE eigentlich irgendeine Qualifikation als Kunstlehrer?
Gefühlt hatte ich in Kunst nämlich nur Leute die (scheinbar) ein zweites Fach gebraucht haben.
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Tim Twain

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1242 am: 24.Juli 2015, 15:26:13 »

Braucht man in DE eigentlich irgendeine Qualifikation als Kunstlehrer?
Gefühlt hatte ich in Kunst nämlich nur Leute die (scheinbar) ein zweites Fach gebraucht haben.
Bei uns in Bayern am Gymnasium hatten Kunst und Musiklehrer immer nur ein Fach
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Emanuel

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1243 am: 24.Juli 2015, 15:30:37 »

Braucht man in DE eigentlich irgendeine Qualifikation als Kunstlehrer?
Gefühlt hatte ich in Kunst nämlich nur Leute die (scheinbar) ein zweites Fach gebraucht haben.
Bei uns in Bayern am Gymnasium hatten Kunst und Musiklehrer immer nur ein Fach

Bei uns im Saarland traf das auch auf manche Chemie-, Biologie-, und Sportlehrer zu.
Die Lehrer von Kunst, Musik und Religion hatten immer nur dieses eine Fach....
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Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1244 am: 24.Juli 2015, 15:48:57 »

Topher meinte die Frage wohl andersherum, ich kenne es jedoch auch so wie Emanuel und kertonsson. Es ist üblich, dass Kunst- und Musiklehrer ein Leben lang eigentlich nur dieses Fach lehren und ihr Zweitfach (jeder braucht mindestens noch ein weiteres Fach) in der Regel als Beifach studiert haben (d.h. sie dürfen dann meist sowieso nur bis zur 10. Klasse unterrichten).

Der von Topher geschilderte Fall ist mir noch nie unter die Augen gekommen.
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Starkstrom_Energie

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1245 am: 24.Juli 2015, 15:57:33 »

Quereinsteiger als Lehrer (bei mir dann Mathe mit Nebenfach Wirtschaft) wäre auch für mich die Notlösung, wenn ich sonst nichts finde. An den Noten sollte es nicht scheitern, dazu sollten Mathelehrer ja gesucht sein (wie eigentlich alles, wobei das meiste natürlich eine Farce ist). Pädagogik-Kurse kann man nachholen.
Leider muss man sich dann auch mit viel Bürokratie, fehlender Verbeamtung (zumindest setzt sich das Modell ja durch) und vor allem nervigen Eltern herumschlagen. Ich hätte wohl nicht Geduld ewig darüber zu diskutieren, dass ihr Kind nicht der kommende Einstein, sondern der kommende Müllfahrer (ganz polemisch, ohne wen beleidigen zu wollen) ist. Auch diese Gleichmacherei und sehr lasche Bewertung wäre nicht meins. Aber es bringt ja nichts, wenn man alleine die Maßstäbe streng auslegt und andere Klassen dann durch großzügigere Notenvergabe profitieren. Auf dem Arbeitsmarkt fragt dann niemand mehr, ob die Note hart erarbeitet oder doch im Vorbeigehen kassiert wurde.

Was unterrichtet ihr Lehrer (Octa, smedhult, etc.) hier eigentlich für Fächer?
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HaHoHe, Euer Jürgen!

Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1246 am: 24.Juli 2015, 16:11:05 »

Ganz klassisch. Deutsch und Geschichte.

Zur Elternproblematik. Da gibt es sicher auch schwarze Schafe, aber im Großen und Ganzen tragen diese meist deine Entscheidungen mit oder gehen teilweise sogar noch weiter.

Ein grundsätzliches Problem des Lehrerberufs ist das Abschalten. In so ziemlich jedem anderen Beruf fährst du abends nach Hause und kannst an andere Dinge denken. Hier jedoch nicht. Habe ich Max heute ungerechtfertigt behandelt? Hätte ich Lisa vielleicht doch eine 3 statt der 4 geben sollen? Leon hat schon massiv Fehlzeiten angesammelt, soll ich nochmals das Gespräch mit den Eltern suchen? Das geht dann permanent in deinem Kopf herum und in den Ferien sitzt man meistens an einem Berg an Klassenarbeiten oder bereitet weitere Projekte vor. Es gibt ja genügend Vorurteile uns Lehrern gegenüber, aber der Schultag endet definitiv nicht nach der letzten eigenen Schulstunde und beinhaltet viele außerplanmäßige Projekte, Veranstaltungen und Fortbildungen. Klassenausflüge oder das berühmt-berüchtigte Schullandheim hören sich für Kinder meist nach großem Spaß an, sind aber mit viel persönlichem Engagement verbunden.

Keine Frage, es macht großen Spaß, aber es ist mit hohem persönlichen Aufwand verbunden, der von der Gesellschaft nicht immer die nötige Wertschätzung erhält. Als Lehrer muss man dementsprechend ein dickes Fell haben oder sich eins zulegen, sonst ist man permanent mit Selbstzweifeln konfrontiert, weil von Schülerseite natürlich wenig gutes Feedback zu erwarten ist, schließlich stehlen wir ihnen ja deren kostbare Freizeit. ;)

PS: Selbstverständlich sind das oben rein fiktive Schülernamen und Probleme. ;)
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smedhult

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1247 am: 24.Juli 2015, 16:55:09 »

Was unterrichtet ihr Lehrer (Octa, smedhult, etc.) hier eigentlich für Fächer?

Geschichte (das war auch das zweite Fach was ich studiert habe und das sogar auf Lehramt) und Gesellschaftskunde (in Deutschland wohl wie Sozialkunde/Politik).
Aushilfsweise habe ich aber auch schon Deutsch und Geographie unterrichtet.  ;D
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"En del människor tror att fotboll är en fråga om liv och död. Jag avskyr den inställningen. Jag kan försäkra er om att det är mycket allvarligare än så." (Bill Shankley)

Leland Gaunt

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1248 am: 24.Juli 2015, 17:44:25 »

Ganz klassisch. Deutsch und Geschichte.

Zur Elternproblematik. Da gibt es sicher auch schwarze Schafe, aber im Großen und Ganzen tragen diese meist deine Entscheidungen mit oder gehen teilweise sogar noch weiter.

Ein grundsätzliches Problem des Lehrerberufs ist das Abschalten. In so ziemlich jedem anderen Beruf fährst du abends nach Hause und kannst an andere Dinge denken. Hier jedoch nicht. Habe ich Max heute ungerechtfertigt behandelt? Hätte ich Lisa vielleicht doch eine 3 statt der 4 geben sollen? Leon hat schon massiv Fehlzeiten angesammelt, soll ich nochmals das Gespräch mit den Eltern suchen? Das geht dann permanent in deinem Kopf herum und in den Ferien sitzt man meistens an einem Berg an Klassenarbeiten oder bereitet weitere Projekte vor. Es gibt ja genügend Vorurteile uns Lehrern gegenüber, aber der Schultag endet definitiv nicht nach der letzten eigenen Schulstunde und beinhaltet viele außerplanmäßige Projekte, Veranstaltungen und Fortbildungen. Klassenausflüge oder das berühmt-berüchtigte Schullandheim hören sich für Kinder meist nach großem Spaß an, sind aber mit viel persönlichem Engagement verbunden.

Keine Frage, es macht großen Spaß, aber es ist mit hohem persönlichen Aufwand verbunden, der von der Gesellschaft nicht immer die nötige Wertschätzung erhält. Als Lehrer muss man dementsprechend ein dickes Fell haben oder sich eins zulegen, sonst ist man permanent mit Selbstzweifeln konfrontiert, weil von Schülerseite natürlich wenig gutes Feedback zu erwarten ist, schließlich stehlen wir ihnen ja deren kostbare Freizeit. ;)

PS: Selbstverständlich sind das oben rein fiktive Schülernamen und Probleme. ;)

Persönlicher Aufwand ok, mit dem Abschalten na gut, dass hast du in anderen Berufen aber auch zuhauf, dass eben nicht um 17h Ende ist, aber dieses Maximum an Ferienzeit hat sonst keiner.
Dass das Ansehen zu gering geschätzt wird gebe ich dir wiederum recht.

Meine Freundin ist Lehrerin, daher führe ich diese Diskussion regelmäßig.
Ihr habe ich letztens die Lösungen der Blidungsmisere vorgeschlagen:
Nur noch 6 Wochen Ferien im Jahr.
Lehrer gleichen sich normalen Arbeitnehmern an, teurer wird nix, da Schulen 'eh-da-Kosten' sind und die Kinder lernen mehr.
Nachteile?
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apfelschorle

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1249 am: 24.Juli 2015, 18:04:22 »

Ganz klassisch. Deutsch und Geschichte.

Zur Elternproblematik. Da gibt es sicher auch schwarze Schafe, aber im Großen und Ganzen tragen diese meist deine Entscheidungen mit oder gehen teilweise sogar noch weiter.

Ein grundsätzliches Problem des Lehrerberufs ist das Abschalten. In so ziemlich jedem anderen Beruf fährst du abends nach Hause und kannst an andere Dinge denken. Hier jedoch nicht. Habe ich Max heute ungerechtfertigt behandelt? Hätte ich Lisa vielleicht doch eine 3 statt der 4 geben sollen? Leon hat schon massiv Fehlzeiten angesammelt, soll ich nochmals das Gespräch mit den Eltern suchen? Das geht dann permanent in deinem Kopf herum und in den Ferien sitzt man meistens an einem Berg an Klassenarbeiten oder bereitet weitere Projekte vor. Es gibt ja genügend Vorurteile uns Lehrern gegenüber, aber der Schultag endet definitiv nicht nach der letzten eigenen Schulstunde und beinhaltet viele außerplanmäßige Projekte, Veranstaltungen und Fortbildungen. Klassenausflüge oder das berühmt-berüchtigte Schullandheim hören sich für Kinder meist nach großem Spaß an, sind aber mit viel persönlichem Engagement verbunden.

Keine Frage, es macht großen Spaß, aber es ist mit hohem persönlichen Aufwand verbunden, der von der Gesellschaft nicht immer die nötige Wertschätzung erhält. Als Lehrer muss man dementsprechend ein dickes Fell haben oder sich eins zulegen, sonst ist man permanent mit Selbstzweifeln konfrontiert, weil von Schülerseite natürlich wenig gutes Feedback zu erwarten ist, schließlich stehlen wir ihnen ja deren kostbare Freizeit. ;)

PS: Selbstverständlich sind das oben rein fiktive Schülernamen und Probleme. ;)

Persönlicher Aufwand ok, mit dem Abschalten na gut, dass hast du in anderen Berufen aber auch zuhauf, dass eben nicht um 17h Ende ist, aber dieses Maximum an Ferienzeit hat sonst keiner.
Dass das Ansehen zu gering geschätzt wird gebe ich dir wiederum recht.

Meine Freundin ist Lehrerin, daher führe ich diese Diskussion regelmäßig.
Ihr habe ich letztens die Lösungen der Blidungsmisere vorgeschlagen:
Nur noch 6 Wochen Ferien im Jahr.
Lehrer gleichen sich normalen Arbeitnehmern an, teurer wird nix, da Schulen 'eh-da-Kosten' sind und die Kinder lernen mehr.
Nachteile?
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Wenn die Kinder mehr lernen sollen und der Stoff nicht bloß gestreckt wird, werden psychische Probleme bei den Schülern noch mehr zunehmen und der Lehrerberuf dürfte noch unattraktiver werden.
Man mag drüber diskutieren die Gesamtferienzeit um eine Woche oder dergleichen zu kürzen, sie aber zu halbieren halte ich für höchst contraproduktiv. Wir brauchen bessere Lehrkräfte und nicht schlechtere um die Bildung zu verbessern oder wir führen hier ähnliche Systeme wie in Asien (oder zu den sehr guten Pisa-Zeiten in Teilen Skandinaviens) ein die schlicht auf Drill ausgelegt sind, ob das für die Persönlichkeitsbildung allerdings förderlich ist darf bezweifelt werden.
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Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1250 am: 24.Juli 2015, 18:18:41 »

Wochenende und Ferien =/= Freizeit. Klar, ich kann mir die Zeit sicher anders einteilen zum Arbeiten als Otto Normalarbeiter, aber am Wochenende haben diese in der Regel auch Freizeit (von Schichtdiensten und Freelancern mal abgesehen). Ich sagte es ja schon. Korrekturen, Unterrichtsvorbereitungen, Fortbildungen (die finden nämlich in aller Regel in den Ferien statt, um eben Unterricht zu gewährleisten). Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Dazu kommen Elterngespräche und viel Drumherum.

Bei der Frage nach Ferientagen geht es in allererster Linie um das Wohl der Kinder und nicht um uns Lehrer. Wenn wir schon in der Schulzeit anfangen, diese auf das spätere Berufsleben zu trimmen, berauben wir ihnen kindlicher Entwicklungsphasen, die sie bis 20 einfach brauchen. Kinder und Jugendliche funktionieren einfach nicht so wie Erwachsene.
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Emanuel

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1251 am: 24.Juli 2015, 18:37:04 »

Gerade mal flott im Internet nachgeschaut, aber allein durch Ferien haben Lehrer schon 75 freie Tage im Jahr. Ich würde Lehrer nun auch nicht prinzipiell als Faulenzer der Nation abstempeln, aber eine besondere Belastung würde ich Ihnen nun genauso wenig unterstellen. Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, dann haben die Lehrer, die für den Beruf geeignet waren, mit Eifer bei der Sache waren und ihre Klasse im Griff hatten einen durchweg relativ entspannten Arbeitstag. Selbst bei der Annahme alle Lehrer würden Montag bis Freitag von 08-15 Uhr arbeiten, dann ist da auch schon viel Leerlauf dabei durch die ganzen Pausen die der Schultag mit sich bringt.
Ich würde Lehrern durchaus eine unterdurschnittliche Belastung unterstellen...
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KalleRiedleIstDerBeste

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1252 am: 24.Juli 2015, 18:41:20 »

Meine Freundin ist Lehrerin, daher führe ich diese Diskussion regelmäßig.
Ihr habe ich letztens die Lösungen der Blidungsmisere vorgeschlagen:
Nur noch 6 Wochen Ferien im Jahr.
Lehrer gleichen sich normalen Arbeitnehmern an, teurer wird nix, da Schulen 'eh-da-Kosten' sind und die Kinder lernen mehr.
Nachteile?

Das muss ein Witz sein. ;D
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Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1253 am: 24.Juli 2015, 19:17:37 »

Das mit der geringen Belastung ist ein klassisches Vorurteil. Und zum Thema "Pausen" nur so viel. Wenn du 6 Stunden am Stück unterrichtest, kommst du in der Regel nicht dazu, in den 5 Minuten Pause (okay, da gibt es natürlich noch längere Pausen) mal kurz abzuschalten. Schüler wollen vorne noch etwas wissen, ein Konflikt muss geklärt werden, der Eintrag im Tagebuch noch protokolliert werden und natürlich will Schüler X noch zu Herrn/Frau Y im Lehrerzimmer. Schwupps, schon bin ich zu spät dran und muss eigentlich schon längst bei meiner Klasse sein. Doch was ist das? Die Tafel hat der Kollege vor mir nicht putzen lassen. Fängt meine Stunde noch später an, als sie eigentlich geplant war. Zeit zur Improvisation. Statt eines längeren Einstiegs nur ein kurzes Blitzlicht und hoffen, dass trotzdem alle am Ball bleiben.

Körperlich mag die Belastung nicht sehr hoch sein, zumindest von außen betrachtet, aber prinzipiell stehst du jeweils 45 Minuten unter Strom und willst, dass alle etwas mitnehmen. Geistig schlaucht das schon sehr, weil dort vorne ja nicht 30 wissbegierige Kinder sitzen, sondern bestimmt 5 von denen mal so gar keine Lust haben und lieber durch die Gänge toben würden oder im Freibad abhängen wollen. Und um die alle mitzunehmen und Streits zu schlichten, muss man an vielen Stellen gleichzeitig sein. Das erfordert Organisation zum einen, aber eben auch einen hohen Grad an Aufmerksamkeit für alles, was sich so im Klassenzimmer abspielt. Auch körperlich kann das anstrengend sein, weshalb Kollegen im Alter dazu übergehen, sich eher am Pult aufzuhalten, während wir jungen dynamischen Lehrkräfte noch kraftstrotzend im Raum herumtigern, um Plaudereien zu unterbinden, weitere Konflikte zu regeln, Schülern behilflich zu sein uvm.

Zudem möchte ich mal mit dem Klischee aufräumen, dass Kollegen ihre 30 Jahre alten vergilbten Arbeitsblätter vervielfältigen. Das mag es in Einzelfällen geben, aber es ist im Alltag schlicht unmöglich, da jede Klasse anders ist und du manchmal nicht durchkommst und sich so einiges verschiebt. Einzelne Sequenzen kann man sicher mal aus der Schublade ziehen. Ein Lernzirkel, ein vorbereitetes Gruppenpuzzle, aber die Unterschiede zwischen einzelnen Klassen sind teilweise gravierend. Die einen wollen lieber jeder für sich arbeiten, die anderen wollen produktiv-gestalterisch tätig werden, wieder andere bekommst du eher über klassischen Frontalunterricht. Das alles findet man nach etwa einem Monat heraus und stellt dann den Unterricht auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse ein. Und dennoch müssen andere Arbeitsformen eingeübt werden, damit die Schüler sie verstehen und anwenden können.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich beschwere mich nicht, denn die Vielfalt macht großen Spaß. Und in unserem tiefsten Herzen mögen wir die Chaoten in jeder Klasse, genauso wie wir die Streber mögen, die einem Antworten quasi druckreif liefern. Wichtig ist auch der Aspekt, dass es eben nicht um reine Wissensvermittlung, sondern um die Weiterentwicklung der Schüler geht. Dazu gehört neben der Wissensvermehrung in einem gehörigen Maß auch die Erziehung hin zu selbständigen Menschen. Da fängt man klein an und dreht bei den Großen teilweise noch kräftig an Stellschrauben, um sie auf den Pfad der Tugend zu führen.

PS: Es ist kein Zufall, dass ich die Sprachdatei und davor weitere Projekte nach und nach abgegeben habe. Früher habe ich noch zahlreiche Stories hier im Forum gelesen, dafür fehlt mir inzwischen auch die Zeit. Für das Spielen des FMs fehlt ebenfalls Zeit. Für den Research musste ich meine Kapazitäten auch enorm begrenzen. Es ist zeitaufwendig, aber es macht enormen Spaß und wenn man am Schuljahresende bei Ausflügen nette Worte zum Jahresende gesagt bekommt, ist das einiges wert, auch wenn das sicher nicht allen Schülern über die Lippen käme. :)
« Letzte Änderung: 24.Juli 2015, 19:22:52 von Octavianus »
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maturin

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1254 am: 24.Juli 2015, 19:42:12 »

Grundsätzlich finde ich es immer toll wenn man solche Diskussionen mit Betroffenen führen kann und ich glaube dir auch, dass du zu den Lehrern gehöhrst, die sich wirklich einsetzen und sich nicht auf die Unterrichtszeit begrenzen. Ein paar einzelne Punkte möchte ich aber trotzdem mal herausgreifen:

1. Lehrer müssen auch an WE arbeiten: Ich kann das persönlich nicht mehr hören. Klar gibt es 9 to 5 Jobs und verglichen mit denen stimmt der Ausgleich dann, es gibt aber mindestens genau so viele Büro-Jobs wo das ebenso alltäglich ist. Seit meinem ersten festen Job gehört das genauso wie Geschäftsreisen dazu, ausgeglichen bekomme ich das selten.

2. Leerlauf von 8 - 15. Ich glaube selbst die faulsten Lehrer haben da keinen Lehrlauf wenn sie nicht gerade direkt fehlen. Die Intensität können Lehrer nämlich nicht selbst bestimmen, so wie man im Büro bei geringerer Konzentration mal kurz ein Forum lesen kann oder ein paar lockere Mails liest. Ich denke schon, dass die Kernzeit sehr anstrengend und fordernd ist.

Das Problem mit dem Lehrerberuf als solchem ist halt einfach, dass er hauptsächlich zwei Arten von Personen anzieht:

1. Leute die ihre Motivation aus der Arbeit mit den Kindern ziehen und ihren Job entsprechend aus intrinsischer Motivation heraus sehr gut machen wollen.

2. Leute die Lehrer als Gewinnmaximierung in ihrer Situation ansehen (sicherer Job, Ferien, gutes Gehalt), diese sind meistens auch nicht gerade die Leute mit einem Top-Abschluss.

Es gibt beide Gruppen, und der natürliche Prozess ist das Lehrer wenn überhaupt von Gruppe 1 zu Gruppe 2 wechseln und sich weniger einsetzen. Um bessere Lehrer zu bekommen kann man meiner Meinung nach deshalb nicht bei Gehalt, Ferien etc ansetzen, sondern muss versuchen das Image zu verändern, was sich so viel leichter sagt als es getan ist.

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Folge meiner irrsinnigen Reise als deutscher Gründer, Fotograf und Dokumentarfilmer, wenn ich im Van mit Freundin und Hund Brasilien abseits der bekannten Wege erkunde. Wahrend unserer Expedition suchen wir die besten lokalen Guides für Peabiru, stürzen uns in Abenteuer in unangetasteter Natur und erzählen die Geschichten des ursprünglichen Brasiliens.

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Schiebulski

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1255 am: 24.Juli 2015, 19:51:33 »

So ...  dann sage ich auch mal was zu dem Thema:

Ich habe 3 Kinder durch die Schule gebracht, Jüngstes hat dieses Jahr Abi gemacht.

Mein Eindruck ist, dass es ungefähr 20 % Lehrer gibt, die mit Leib und Seele Lehrer sind, für die das eine Berufung ist ud die auch so handeln. Das sind die 2-3 Lehrer, an die man positive Erinnerungen hat. Auf die wird Octas Beschreibung sicher zutreffen. So wie er sich beschreibt, gehört er auch zu dieser Gruppe.

Ich habe zudem vor Lehrern, die heute noch mit den Kindern und insbesondere Jugendlichen auf Reisen gehen, Hochachtung. Da wäre mir das Haftungsrisiko und andere Risiken zu hoch.

Die anderen liefern die Begründung für die (Vor-)Urteile. Und wie das so ist, sind diese Vorurteile teilweise cum grano salis berechtigt.


Allerdings, auch ein paar kurze Döntjes:

Ein Lehrer beschuldigte den jüngsten Schwager in der Schule Neo-Nazi zu sein ohne dass er den kannte oder gar im Unterricht hatte, d. h. behauptetet das in einer anderen Klasse. Auf Gerüchte hin, die kursierten und wohl auf Provaktionen hormongebeutelter Jungs beruhten. Leider hat sich mein Schiwegervater mit einer Entschuldigung zufrieden gegeben. Die Familie hat mit Nazis so gar nichts am Hut,  eine Seite wurde von den Nazis sogar enteignet.

Ein Lehrer hat irgendeine Arbeit, sowas Seminar-Ähnliches. die in der 12. gemacht wurde für eine Nichte bis zum Ende des Schuljahres nicht korrigiert oder benotet zurückgegeben, gleichwohl aber eine Note vergeben.

Als meine Frau zur Schule ging, hat die Stufe einen Schüler erfunden. Ein Lehrer hat diesen Schüler benotet. Der bekam eine 3.

Ein Lehrer war für seine krankheitsbedingten Unfälle berüchtigt. Er rauschte mit wichtigem Gesicht durch die Hallen, wenn was zu organisieren war, z. B. Abi-Balle und ward dann nicht mehr gesehen. Jetzt bereitet er sich mit irgendwelchen Verletzungen auf die Frühberentung vor.

Ein Sohn hatte ein Mobbing-Problem. Nachdem unsere Lösungsversuche nicht klappten, insbesondere weil die Gegenseite (2-3 Jungs) in der Überzahl waren, wendete sich man  an die Lehrerin. Keine Reaktion bzw. Sohn sei selber schuld, war die Aussage. In der Stufe des ältesten Sohnes gab es wegen Mobbing einen Riesenterz. (Angebliches) Opfer war da ein Lehrerkind!

Grundschulehrerin wollte Sohn Nr. 2 auf der Realschule sehen. Richtig war, dass er sicher nicht der beste Schüler war. Aber er hatte vor allem auch keine Lobby (siehe auch oben). Wir haben Gymansium durchgesetzt, es war nicht einfach für ihn - zugegeben - aber jetzt hat er in der Mindeststudienzeit die Jura-Zwischenprüfung bestanden. Auch auf dem Gymnasium wollten ihn die meisten Lehrer nicht sehen. Dort bekam man insbesondere bei einer Lehrerin den Eindruck, dass die gar nicht wußte wer er war und - so der Eindruck -  dem Lehrerzimmerklatsch folgte.

Das sind die Geschichten, die mir direkt einfallen ... ganz abgesehen, von den offenkundigen Alkoholikern, psychisch Gestörten etc., die schon Unterstufler nicht mehr ernst nehmen, diejenigen, die chronsich nie den Stoff durchkriegen etc.

Vielleicht wird das mit einem größeren Anteil von Vertragslehrern besser oder ist auf Privatschulen anders. ich habe aber den Eindruck gewonnen, dass ein ganz erheblicher Teil der verbeamteten Lehrern die Konsequenzen ihres Handeln für Schüler nicht sehr wichtig ist.

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Disclaimer:
Ich bin überzeugter Demokrat, habe nichts gegen Schwarze, Rote, Gelbe, Grüne oder Blaue und lehne Leute erst nach Kennenlernen ab; allerdings liebe ich schwarzen Humor und hasse political correctness sowie Lehrer; irgendein Vorurteil muss man ja haben

Salvador

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1256 am: 24.Juli 2015, 20:07:26 »

Ich will mich gar nicht beschweren über meinen Job (wie Octa schon ausführlich beschrieben hat macht er meistens sehr viel Spass), aber mal so als Denkanstoss:

Wenn man die Stunden, die ein Lehrer in der Woche arbeitet, auf das gesamte Jahr hochrechnet, arbeiten wir ähnlich viel wie jeder normale Arbeitgeber auch. Es gibt viele Sachen, die man noch so "nebenbei" machen muss, die andere Arbeitnehmer vielleicht gar nicht wahrnehmen. Vor allem als Chemielehrer nimmt z.B. die Vor- und Nachbereitung der Experimente immer einen grossen Zeitrahmen ein. Im letzten Schuljahr mussten wir alle Chemikalien neu ettiketieren.

Ich unterrichte 26 Stunden/ Woche. Dazu kommen Dinge wie:
Vor- und Nachbereitung des Unterrichts
Korrekturen (als Mathelehrer noch einigermassen eträglich, Kollegen mit der Kombi Deutsch/Englisch und viel Oberstufe haben da mehr Grund zu fluchen)
Notengebung (was mehr Zeit in Anspruch nimmt als man denkt)
den bürokratischen Wahnsinn eines Klassenlehrers und der allgemeine bürokratische Wahnsinn
Vor- und Nachbereitung von Experimenten
Pausenaufsichten
Kontaktierung von Eltern, Gespräche mit Eltern, usw.
Vorbereitung von ausserunterrichtlichen Projekten und Wettbewerben
Planung und Durchführung einer AG
Planung und Durchführung von Exkursionen
Fortbildungen (natürlich auch gern an Samstagen)

Damit kommt man auf locker mehr als 50 Stunden Arbeit die Woche.

Die Schwerpunkte der unterschiedlichen Bereiche sind natürlich von Schule zu Schule unterschiedlich. Ich arbeite an einer Schule, an der man sehr viel mit nervigen (bzw. eingebildeten) Eltern konfrontiert wird, dafür sind die Schülerinnen und Schüler sozial alle relativ kompetent. An anderen Schulen kann das natürlich komplett anders sein.

Die Moral von der Geschicht: Der Mythos "fauler Lehrer" hält sich tapfer, ist aber nur noch ganz selten der Fall. Und "schwarze Schafe" gibt es doch in jeder Berufsgruppe.

Zum Thema Ferien: In den Osterferien hatte ich knapp 150 Klassenarbeiten und Klausuren für 2 Wochen zu Hause liegen. Da liegt man selten faul auf der Haut sondern ist letztlich doch noch ständig am korrigieren. Nur die Sommerferien sind vergleichsweise entspannt.
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maturin

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1257 am: 24.Juli 2015, 20:53:05 »

Ah, ich habe noch zwei Sachen, die meiner Meinung nach zum schlechten Ruf von Lehrern beitragen:

1. 100% der Leute sind persönlich von der Arbeit eines Lehrers betroffen gewesen und bilden sich mehr oder weniger eine Meinung über die Qualität der Dienstleistung. Es gibt wohl keinen Beruf mit dem man sonst so häufig in Kontakt kommt.

2. Das ist ein wenig eigene Theorie, aber Lehrer neigen auf Grund ihrer Arbeitssituation zum Grössenwahn. Im Gegensatz zu normalen Angestellten oder Arbeitern sind Lehrer 90% der Zeit die absolute Autoritätsperson und sind nicht dem gleichen Druck ausgesetzt den Vorgesetzten zufrieden zustellen. Mich würde mal interessieren wie die Qualitätssicherung im allgemeinen funktioniert, aber wo ich als Angestellter ständig damit rechnen muss, dass mein Chef unzufrieden ist und ich es neu machen muss, können mich Schüler und Eltern weder überprüfen noch unter Druck setzen.

Gerade bei älteren Lehrern habe ich daher festgestellt, dass diese sich grundsätzlich für allwissend und unfehlbar halten was Diskussionen gerade ausserhalb der Schule schonmal unerträglich macht.
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veni_vidi_vici

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1258 am: 24.Juli 2015, 23:14:21 »

In dieser Diskussion werdet ihr niemals auf einen Nenner kommen. Jeder hat eigene Erfahrungen aus seiner Schulzeit und vielleicht auch von den Kindern. Diese können je nach Land, Bundesland, Schule und sogar nach einzelnen Lehrern sehr unterschiedlich sein.

Ich könnte auch Anekdoten von Lehrern preisgeben, die überfordert waren. Es gab unmotivierte. Es gab sehr intelligente, die aber nicht unterrichten konnten. Für mich und unsere Klassen im Allgemeinen habe ich festgestellt, dass die "harten aber fairen" Lehrer die besten waren. Dort herrschte Ruhe und man hat etwas gelernt. Einer war früher Feldwebel oder ein anderer hat gerne seine Schlüssel durch die Klasse gefeffert. Aber hier gäbe es heute wohl schon Probleme. Beide wurden aber freundlich, wenn das richtige Arbeitsklima geherrscht hat. Sie hatten die Klasse immer im Griff. Schmusekurs hat bei uns nie funktioniert. Das hat immer nur zu unschöner Lautstärker und null Konzentration geführt. Auch das typische "Zettel raus, Überraschungstest" wenn keine Ruhe einkehren wollte, hat gut funktioniert. Wurde anschließend gut mitgearbeitet gab es zur Belohnung aber auch ein Streichen der schlechten Noten des Zwischentests, während die Guten in die mündliche Note eingegangen sind.  ;)

Zur Arbeitszeit von Lehrern möchte ich mich nicht großartig äußern. Dass kann m.E. von überdimensioniert bis sehr gering alles umfassen und ist vom Fach und der Motivation der Lehrkraft abhängig. In Musik und Sport ist mit Vor- und Nachbearbeitung sicherlich weniger...

LG Veni_vidi_vici

Octavianus

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Re: Studium/Schule alles mit Bildung hier rein
« Antwort #1259 am: 25.Juli 2015, 00:29:34 »

Das ist ein wichtiger Punkt. Jeder von uns hat eine/mehrere Schulen besucht und seine Erfahrungen mit Lehrern gemacht, viele davon oft negativ, was sicher auch am Schulsystem in Deutschland liegt, aber natürlich auch an Lehrern. Daher hat auch jeder eine mehr oder weniger klare Meinung zur Institution Schule. Doch ich kann euch beruhigen. Auch Schulen wandeln sich, der Unterricht von vor 10 Jahren sieht heute schon wieder ganz anders aus. Die Lehrerausbildung wurde weiterentwickelt, auch wenn es nach wie vor Fallstricke gibt. Schwarze Schafe gibt es in jedem Berufszweig, das ist klar. Es tut jedoch gut, wenn hin und wieder ein Austausch erfolgt und ganz wichtig wäre es da, dass die ewigen Vorurteile gegenüber Lehrern nicht jedes Mal aufs Neue hervorgebracht werden. Ich stelle mich auch nicht hin und sage, dass wir Schüler früher ganz anders waren und die Eltern sowieso.

Jede Generation hat ihre Eigenheiten und es gibt Leute, mit denen kommt man zurecht und es gibt Leute, die beratungsresistent sind. Man muss das Beste daraus machen und ich finde, dass Offenheit gegenüber den Sorgen der anderen da durchaus hilft. Das gilt natürlich auch für die jeweils andere Seite. Ich habe Verständnis dafür, wenn ein Schüler in der siebten Stunde keine Lust mehr auf Geschichte hat, da er zuvor 6 unterschiedliche Fächer bei 6 unterschiedlichen Lehrertypen hatte. Ich versuche meine Erinnerung an die Schulzeit stets im Hinterkopf zu behalten, um das Klassenklima einzuschätzen. Ich halte das für sehr wichtig, um eben nicht in die Falle Schüler=Störfaktor zu geraten. Umgekehrt wünscht man sich dann eben, dass auch Eltern und Schüler Verständnis für einen aufbringen. So eine Exkursion ist kein Zuckerschlecken und wenn je irgendwas Dummes passiert, ist man zwar nicht sofort dran (außer bei klaren Verstößen gegen die zumutbare Aufsichtspflicht), aber dennoch macht man sich Vorwürfe, wie man es hätte verhindern können.

Ich handhabe es daher so, dass ich Schüler durchaus ermuntere die Arbeit von uns Lehrern zu ermessen. Wir haben hier in BaWü GFS, Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen. Das entspricht nachher einer Klassenarbeit und ist je nach Klassenstufe eine längere Präsentation samt Handout, eine kleine Seminararbeit, ein organisiertes Projekt o.ä. Ich lasse Schüler dabei einfach mal eine eigene Stunde zu einem vorher vereinbarten Thema planen. Das öffnet denen oft die Augen. Leider können nicht alle Schüler diese GFS in meinem Fach machen, aber es ist zumindest ein Ansatz, um ins Gespräch zu kommen. Gerne setze ich mich auch zu den Schülern in die Mensa und höre mir an, was sie so tagtäglich beschäftigt. Wenn Schule funktionieren soll, müssen wir wissen, was Schüler bewegt und müssen Eltern und Schüler auch wissen, was wir Lehrer wollen und müssen (Lehrplan bzw. Bildungsplan). Bevor ich hier einen schlafraubenden Roman schreibe, haue ich mich mal aufs Ohr.
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