Das mit der geringen Belastung ist ein klassisches Vorurteil. Und zum Thema "Pausen" nur so viel. Wenn du 6 Stunden am Stück unterrichtest, kommst du in der Regel nicht dazu, in den 5 Minuten Pause (okay, da gibt es natürlich noch längere Pausen) mal kurz abzuschalten. Schüler wollen vorne noch etwas wissen, ein Konflikt muss geklärt werden, der Eintrag im Tagebuch noch protokolliert werden und natürlich will Schüler X noch zu Herrn/Frau Y im Lehrerzimmer. Schwupps, schon bin ich zu spät dran und muss eigentlich schon längst bei meiner Klasse sein. Doch was ist das? Die Tafel hat der Kollege vor mir nicht putzen lassen. Fängt meine Stunde noch später an, als sie eigentlich geplant war. Zeit zur Improvisation. Statt eines längeren Einstiegs nur ein kurzes Blitzlicht und hoffen, dass trotzdem alle am Ball bleiben.
Körperlich mag die Belastung nicht sehr hoch sein, zumindest von außen betrachtet, aber prinzipiell stehst du jeweils 45 Minuten unter Strom und willst, dass alle etwas mitnehmen. Geistig schlaucht das schon sehr, weil dort vorne ja nicht 30 wissbegierige Kinder sitzen, sondern bestimmt 5 von denen mal so gar keine Lust haben und lieber durch die Gänge toben würden oder im Freibad abhängen wollen. Und um die alle mitzunehmen und Streits zu schlichten, muss man an vielen Stellen gleichzeitig sein. Das erfordert Organisation zum einen, aber eben auch einen hohen Grad an Aufmerksamkeit für alles, was sich so im Klassenzimmer abspielt. Auch körperlich kann das anstrengend sein, weshalb Kollegen im Alter dazu übergehen, sich eher am Pult aufzuhalten, während wir jungen dynamischen Lehrkräfte noch kraftstrotzend im Raum herumtigern, um Plaudereien zu unterbinden, weitere Konflikte zu regeln, Schülern behilflich zu sein uvm.
Zudem möchte ich mal mit dem Klischee aufräumen, dass Kollegen ihre 30 Jahre alten vergilbten Arbeitsblätter vervielfältigen. Das mag es in Einzelfällen geben, aber es ist im Alltag schlicht unmöglich, da jede Klasse anders ist und du manchmal nicht durchkommst und sich so einiges verschiebt. Einzelne Sequenzen kann man sicher mal aus der Schublade ziehen. Ein Lernzirkel, ein vorbereitetes Gruppenpuzzle, aber die Unterschiede zwischen einzelnen Klassen sind teilweise gravierend. Die einen wollen lieber jeder für sich arbeiten, die anderen wollen produktiv-gestalterisch tätig werden, wieder andere bekommst du eher über klassischen Frontalunterricht. Das alles findet man nach etwa einem Monat heraus und stellt dann den Unterricht auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse ein. Und dennoch müssen andere Arbeitsformen eingeübt werden, damit die Schüler sie verstehen und anwenden können.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich beschwere mich nicht, denn die Vielfalt macht großen Spaß. Und in unserem tiefsten Herzen mögen wir die Chaoten in jeder Klasse, genauso wie wir die Streber mögen, die einem Antworten quasi druckreif liefern. Wichtig ist auch der Aspekt, dass es eben nicht um reine Wissensvermittlung, sondern um die Weiterentwicklung der Schüler geht. Dazu gehört neben der Wissensvermehrung in einem gehörigen Maß auch die Erziehung hin zu selbständigen Menschen. Da fängt man klein an und dreht bei den Großen teilweise noch kräftig an Stellschrauben, um sie auf den Pfad der Tugend zu führen.
PS: Es ist kein Zufall, dass ich die Sprachdatei und davor weitere Projekte nach und nach abgegeben habe. Früher habe ich noch zahlreiche Stories hier im Forum gelesen, dafür fehlt mir inzwischen auch die Zeit. Für das Spielen des FMs fehlt ebenfalls Zeit. Für den Research musste ich meine Kapazitäten auch enorm begrenzen. Es ist zeitaufwendig, aber es macht enormen Spaß und wenn man am Schuljahresende bei Ausflügen nette Worte zum Jahresende gesagt bekommt, ist das einiges wert, auch wenn das sicher nicht allen Schülern über die Lippen käme.
