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Zwei Fäuste gegen Remscheid

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Alexander Herzog:


--- Zitat von: Volzy am 05.Dezember 2013, 15:38:56 ---Respekt. Ehrliche Story, die fast jedem gefallen sollte. (Langweilige Schmarotzer wie der Herzog oder Ola John gefällt sie wohl nicht...)

--- Ende Zitat ---


Wie bitte? Wenn überhaupt, dann redest du mich künftig mit sehr geehrter Herr Herzog an!
Von wegen langweilige Schmarotzer, Herr Way wäre doch ohne meine Güte schon längst weg hier. Wenn hier jemand Schmarotzer ist, dann der Trainer. Ich kann es einfach nicht fassen, wie hier über mich (den Präsidenten) geredet wird. Ich habe nicht einmal Steuern hinterzogen.
Freunde, hier weht bald ein ganz anderer Wind in Remscheid, wenn das so weiter geht. Call me Xaver!

Tardelli:

Ich bin auch Anhänger der No Way Bewegung! Ein "Loddar Maddäus" würde dem Verein viel besser zu Gesicht stehen ;D

Der Baske:


--- Zitat von: Tardelli am 06.Dezember 2013, 21:00:46 ---Ich bin auch Anhänger der No Way Bewegung! Ein "Loddar Maddäus" würde dem Verein viel besser zu Gesicht stehen ;D

--- Ende Zitat ---

Da bin ich voll und ganz bei dir!

Henningway:

Darauf reagiere ich doch überhaupt nicht!  8)
September 2015

Bevor ich mich mit Jörg Kovac vom RGA treffe, um ein geraderückendes Interview zu geben, geht es gegen Dynamo Dresden. Wie ich beim Eintreffen in der Kabine feststellen muss: mein Team ist recht überschaubar. „Länderspiele“, raunt Opdam mir zu. Na, gut, müssen es eben die anderen richten. Und ich wäre schließlich nicht ich, wenn ich dadurch nicht noch meinen Gegner demütigen könnte. Ich lasse also ein paar Bankdrücker ran, allen voran Jimmy Roye, den ehemaligen Torschützenkönig der Niederrheinliga und Regionalliga West. Er spielt von Beginn an auf dem rechten Flügel im 4-3-3.

7. Spieltag
FC Remscheid (1.) – Dynamo Dresden (16.)

L’Hostis – Zimmermann, Stoller, Zeitz, Dang Khoa – Paçaciogullari – Cigerci, Felipe Anderson – Roye, John – Eze

Ich nehme gerade auf der Bank Platz, da zuppelt mich jemand am Ärmel. Leandro.
„Trainer? Ich nich spille? Warum?“
Ich schaue ihn einige Augenblicke an. Ich frage mich: ‚Ja? Warum eigentlich nicht?‘ Ein Blick auf den Platz zeigt mir, dass da dieser Eze steht. Leandro sitzt aber neben mir. Fit. Gut in Form.
Jetzt muss eine gute Erklärung her!
„Weil…“, beginne ich. „Weil… weil ich dat sach!“
Das muss reichen. Leandro jedenfalls hat keine Fragen mehr.

1:0 Eze (3.)
2:0 Eze (50.)
3:0 Stoller (58.)

Die eigentliche Geschichte (neben der, dass die versehentliche Aufstellung von Eze zwei Tore und das erste Spiel von Stoller ein weiteres Tor gebracht hat, ist: Jimmy Roye mit zwei Assists, 16 von 17 gelungenen Pässen und einer Bewertung von 8.0! Damit hat er es allerdings trotzdem nicht in die Elf des Tages geschafft – das bleibt neben Eze dafür der kompletten Viererkette vorbehalten!


Lustig pfeifend marschiere ich zum Bus. Es geht Richtung München. Unterwegs holt mich ein junger Schwarzer ein mit witzigem Afroschnitt. Routiniert zücke ich meinen Stift und signiere im Gehen und ohne den Gang zu entschleunigen seine Stirn. Mit einer fließenden Bewegung stecke ich den Stift ein und gebe ihm einen Klaps auf die Wange.
Erst einige Sekunden später bemerke ich, wie mich der Junge am Arm festhält.
„Nono, Monsieur Wehh. No, bitte stopp!“
Ich bleibe stehen und mustere den Jungen. Aber ich bin gut gelaunt.
„Wat willse?“, frage ich freundlich.
„Monsieur, wir können sprechen? Über mein Statüs in Team?“
„Können wir. Aber wer bis Du denn eigentlich?“
Jetzt blickt mich der Junge entrüstet an. „Sie sehen, so be’andeln Sie misch, so isch kriege immer kein Chongs und so isch will Verspreschen isch spiele.“
Ich blicke den Jungen mit regungsloser Miene an. Ich muss wohl überzeugend ausgesehen haben, denn er murmelt ein „Baptiste Bastide, Monsieur, aus Ihre Ü19.“. Dabei ging auf der anderen Seite nur eine wirklich heiße Schnecke entlang.
„Äh… ja, das sagt mir jetzt tatsächlich was. Und wat wills Du jetz? Spielen wills Du? Tuuse doch!“
„Ja, Monsieur, aber nisch in A-Team. Isch aber will A-Team.“
„Und einen schwarzen Van auch, wat?“, bemerke ich grinsend.
Bastide versteht mich augenscheinlich nicht. Egal.
„Monsieur, ich…“
„Pass op: Du wills also ins A-Team. Dabei spielste schon inne U19 nich die große Geige. Ich sach: Du bleibs, wo de bis!“
„Monsieur, no. NO! Isch will gehen dann, will zu große Clüb, will…“
„Mir völlich egal, watte wills! Ich sach: kein A-Team für Dich!“
„No! Isch will…“
„Wennse dat wills, können wa übern Leihgeschäft reden mal.“
„Nonono, nischt Leih. Isch will wesch, isch will ganz und ganz wesch. Monsieur?“
„No.“
„Pardon?“
„No.“
„Sie sagen ‚no‘, aber Sie meinen?“
„No. Letztes Wort. ICH bin der Chef, hörse? ICH sage, wer spielt! Und ICH sage: DU spiels nich!! Hau ab jetzt.“
Bastide blickt mich entsetzt an, versucht dann aber eine freundliche Miene aufzusetzen. Was ihm mißlingt.
„Bon, Monsieur. Isch bleibe. Isch freue misch auf Spiele mit…“
„Schon gut. Tschöö.“

8. Spieltag
SpVgg Unterhaching (16.) – FC Remscheid (1.)

Der drittletzte will sich gegen uns wehren, aber ich weiß schon vorher: dat geht inne Hoose! Allerdings läuft Haching in einem Diamant-4-4-2 auf, dagegen spielen wir nicht häufig. Bin also gespannt.
Ich belasse zunächst L’Hostis wegen dessen guten Leistungen zuletzt im Tor, ebenso auch Dang Khoa auf links. Laczkó ist ohnehin verletzt. Im defensiven Mittelfeld fehlen gleich mehrere Spieler, so dass mein eigentlich spielmachender Achter Rubén Pérez dort steht.

L’Hostis – Zimmermann, Corstjens, Zeitz, Dang Khoa – Rubén Pérez – Cigerci, Felipe Anderson – Rausch, Mrkonjic - Leandro

Am Ende gehen wir als überlegene Sieger vom Feld. Überragender Mann: Felipe Anderson. Zwei Chancenvorbereitungen, ein Assist und 11 von 12 gewonnenen Zweikämpfen.

0:1 Leandro (58.)
0:2 Rausch (86.)


Opdam und ich befinden uns auf dem Weg zurück aus der Pfalz. Wir haben ein paar Spieler gescoutet und dabei die Erkenntnis gewonnen: in der Pfalz sind die Fußballspieler nicht gut. Und größtenteils häßlich. Aber das ist mehr subjektiv. Die Würstchen auf den Amateurplätzen sind dafür alleroberste Klasse. Noch nie musste ich so viel Bier trinken, um die gute Schärfe und Würze herunterzuspülen – ein klares Güteklasseindiz. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass ich plötzlich aus meinem Tiefschlaf hochschrecke, den ich auf dem Beifahrersitz in Opdams nagelneuem Dienst-Mercedes halte.
Ruckartig zucke ich auf, greife nach Opdams Hand und rufe laut:
„Barry! Pinkelpott! SOFORT!“
Opdam kennt mich zum Glück lange genug, um schnell zu reagieren. Er weicht zwei LKWs aus und zieht von der linken Spur direkt auf die Verzögerungsspur des zufällig gerade vorbeifliegenden Rastplatzes. Lautes Hupen, quietschende Reifen, aber der gute Mann weiß: das hier ist eine Situation, die Sonderrechte legitimiert.
Auf dem Rastplatz springe ich bei noch rollendem Fahrzeug raus und verschwinde Sekunden später im Häuschen. Und wie ich da so vor dem Pissoir stehe und den kleinen Way ins Becken hängen lasse, fällt mir ein kleines Werbeposter auf: ein Duftbäumchen, darunter die Aufschrift „Weides Wunderbäumchen – miefig war gestern, heute ist toll!“ und dem Untersatz „I think we have a grandios Geruch verbreitet“. Und außerdem ein Foto von Roman Weidenfeller, der im Tor steht, an dessen Latte eines der Bäumchen hängt.
Ich denke nach. Roman Weidenfeller wirbt für Duftbäumchen? Was ist denn da in der Karriereplanung schief gelaufen? Ich blicke erneut auf das Poster. In einem rot umrandeten Feld, unten in  der Ecke, steht gedruckt: „Zu erwerben auf diesem Rasthof.“
Mann. Roman Weidenfeller. Der Mann elektrisiert. Und polarisiert.
Mich hat er jedenfalls eingefangen.
Ich muss jetzt sofort so ein Bäumchen kaufen.
Blasenentleert und selbstverständlich ohne Handwäsche öffne ich die Schwingtür zum Verkaufsraum des Rasthofes. Opdam ist auch da. Ich gehe auf ihn zu, nach den Bäumchen suchend, das greift Barry nach meiner Schulter.
„Way, schauen sie, wen ich hier antreffe.“
Ich kneife die Augen zusammen. Und tatsächlich! Unter einem buschigen, verfilzten Bart und langen, aber gegelten Haaren, entdecke ich den Bäumchenmann: Roman Weidenfeller.
„Weidenfeller? Wat tun sie hier?“ frage ich entgeistert.
„Mir gehört der Laden. Ich verdiene hier mein Geld.“
„Ach. Dafür hamse Zeit?“
„Warum denn nicht?“ fragt Roman verständnislos zurück.
„Na, weil sie doch in Dortmund…“
„Nein.“ Geht er entschieden dazwischen. „Nein. Das ist… vorbei…“
Er dreht den Kopf weg. Scheinbar wühlt ihn das auf.
„Wieso?“ frage ich gewohnt taktvoll zurück.
„Vertrag nicht verlängert.“, kommt die knappe Antwort.
„Aber… Lust auf Fußball hättense doch wohl noch?“
Jetzt blickt mich Weidenfeller an. Seine Augen wirken müde, aber dennoch entdecke ich ein Blitzen.
„Was für eine Frage! Wenn ich doch bloß einen Verein finden würde…“
Barry und ich tauschen Blicke. Dann greife ich in die Tasche nach meinem Handy. Kurz in den Kontakten geblättert, finde ich schnell die Nummer, nach der ich suche.
„Oui?“, meldet sich die Stimme von Frank L’Hostis.
„Ja, Froonck? Ich binnet, der Coach. Hömma, wat hälste von einem Statuswechsel?“
„Ahh… was meinst Du, Coootsch? Statuswechsel?“
„Ja, ich mein von Dein Status im Team. Bis getz biste ja nur Backup, weil der Kütschück eigentlich besser is. Oder war. Zuletz warer ja nich mehr so doll.“
„Ah, versteh. Oui, ich denke, dass ich einverstanden bin.“
„Gut, Fronck. Dat freut mich. Dein neuer Status is: ohne Zukunft. Tschö.“
Klick. Handy aus.


9. Spieltag
FC Remscheid (1.) – 1.FC Nürnberg (8.)

Der nächste Meister, der ins Röntgenstadion kommt. Nürnberg steht dabei für eine gewisse Kontinuität, denn mit Schäfer, Chandler, Nilsson, Simons, und Pekhart laufen viele Spieler aus dem Bundesligakader auf, ebenfalls im 4-3-3, das auch ich spielen lasse. Das wird also schon ein Gradmesser.
Ich gebe selbstverständlich Weidenfeller die Eins, außerdem spielt erneut Dang Khoa und auch Schuster auf dem linken Flügel. Letzterer ist eher so eine Eingebung ohne echte Überlegung. Ein Bauchgefühl, welches sich sehr schnell als Glückgriff erweist: zwei Tore und Spieler des Spiels! Insgesamt lasse ich auf Angriff spielen, womit der Club gar nicht zurechtkommt. Wir schießen sie förmlich aus dem Stadion. Beim Gang in die Kabine nach dem Spiel kann ich es mir nicht nehmen lassen, Herzog die Zunge rauszustrecken.

1:0 Schuster (5.)
2:0 Leandro (9.)
2:1 Corstjens (ET, 28.)
3:1 Rausch (39.)
4:1 Schuster (64.)
5:1 Ricardo (69.)
6:1 Corstjens (86.)


Im Büro kann ich mich nun endlich dieser unangenehmen Sache widmen, auf die Opdam mich vor kurzem aufmerksam gemacht hat: das Interview von Herzog mit dem RGA. Ein Interview? So sollte ich das eigentlich nicht bezeichnen. Es handelt sich eher um reine Zur-Schau-Stellung. Um pure Egomanie. Eine Mitarbeiterin hat neulich auf dem Flur sogar etwas von einer „guten Darstellung“ gesagt. Dabei ist es Selbstinszenierung erster Güte.
Also eigentlich mein Metier.
Ich nehme die Beine vom Tisch und beuge mich vor zur internen Sprechanlage. Das muss besprochen werden.
Nacheinander kommen sie schließlich in mein Büro:
Barry, um die Lage zu besprechen.
Der Pressechef, um ein Gegeninterview zu arrangieren.
Der Anwalt, um die Mitarbeiterin zu feuern, die diesen Artikel „gut“ fand.
„Unser guter Herr Präsident hat sich offenbar dazu entschlossen, in der Öffentlichkeit zu agieren.“, beginne ich das Gespräch mit Opdam.
„Was denkt er sich nur dabei?“
Barry schaut nachdenklich den Artikel an. Dann verzieht er das Gesicht.
„Das ist nicht gut.“
„Sie haben das Talent, das Offensichtliche auszusprechen, Opdam.“
Barry aber schüttelt nur leicht den Kopf.
„Nein, bedenken Sie: erst schafft er hier Millionen heran, jetzt geht er in die Öffentlichkeit, um sich als großer Macher hervorzutun.“
Ich runzle die Stirn. Das klingt erschreckend nachvollziehbar. Dennoch beunruhigt mich das nicht so, wie es eigentlich sollte. Ich reibe mir die Nasenspitze.
„Barry, ich weiß nicht. Irgendwie empfinde ich nicht wirklich eine große Bedrohung. Ich meine: was will er tun?“
„Er versucht doch offensichtlich, sie in ihrem Ruf zu schädigen und die Welt glauben zu machen, sie hätten keinen Kredit mehr bei den Fans.“
„Mag sein, mag sein, aber… das kann ja wohl nicht stimmen. Haben sie jemals diese Bewegung wahrgenommen, dieses ‚No Way‘?“
Opdam denkt einen Augenblick nach, schüttelt dann aber den Kopf.
„Nein. Nie. Nicht bewußt jedenfalls.“
„Nein, ich auch nicht“, bestätige ich. Ich hole tief Luft.
„Eigentlich kann gar nichts passieren. Ich habe den Verein aus den Tiefen der Provinz geholt, ich habe hier alle Strukturen aufgebaut und ich habe sämtliche sportlichen Erfolge zu verantworten. Außerdem bin ich Remscheider.“
„Ich hoffe, Herr Way, dass das nicht zu schnell verblasst.“
„Nein, da mache ich mir keine Gedanken. Das Volk weiß, wer die Spiele ausrichtet. Wer sie jetzt vielleicht bezahlt, interessiert dagegen kaum jemanden.“
Barry schaut nachdenklich aus dem Fenster auf die leeren Ränge des Röntgenstadions. Dann wendet er sich wieder zu mir.
„Ja, aber das ist gefährlich. In dem Moment, wo sie keinen sportlichen Erfolg mehr haben, wächst Herzogs Stärke.“
Ich schnaube abfällig. „Keinen Erfolg? Barry, sie werden doch nicht etwa zweifeln? Was soll schon passieren? Außerdem“, sage ich leiser und eindringlicher und beuge mich vor, „sitzen sie mit mir in dem Boot!“
Opdam nickt nur und verzieht das Gesicht zu einem Lächeln.
„Ja, Herr Way. Nett, mich daran zu erinnern.“
Ich tätschle ihm väterlich die Hand, mit der er sich auf meinem Schreibtisch abstützt und lehne mich wieder im Sessel zurück.
„Trotzdem meine ich, wir sollten Herzog nicht einfach so das Feld überlassen. Ich werde ein kleines Interview arrangieren und habe dazu schon den PR-Menschen bestellt.“
Opdam schaut mich an, dann wendet er sich zum Gehen. In der Tür hält er kurz inne und sagt:
„Way? Übertreiben Sie es nicht.“
Ich lache laut auf.
„Als ob ich das jemals getan hätte!“
Barry Opdam blickt in meine Richtung und hebt dann lächelnd die Augenbrauen. Nur um sogleich verstört den Raum zu verlassen.
Ja: ich bin vollkommen unberechenbar!


Henningway:

10. Spieltag
Karlsruher SC (10.) – FC Remscheid (1.)[/b]

„Dat gibt die Ravooongsch!!“ sage ich laut in der Kabine. Das DFB-Pokal-Aus ist noch eine Wunde. Eine leichte zwar, aber eben eine Wunde. Und wer uns verwundet, muss sterben. Diesen Zweck zum Anlasse nehmend schicke ich folgende Elf auf den badischen Rasen:

Weidenfeller – Zimmermann, Corstjens, Zeitz, Dang Khoa – Cigerci – Rubén Pérez, Felipe Anderson – Rausch, Schuster – Leandro

Besser sind wir, ohne Zweifel. Nur gelingt uns kein Treffer. Immerhin stellt sich der KSC noch dämlicher an. Das Spiel gewinnen wir schließlich, wie man solche Spiele eben gewinnt: durch einen Standard und einen Konter.

0:1 Leandro (72.)
1:1 Beichler (76.)
0:2 Corstjens (85.)

Oktober 2015

11. Spieltag
FC Remscheid (1.) – VfL Osnabrück (8.)[/b]

Vor dem Spiel kommt Benjamin Lüthi ausgeregt auf mich zu galoppiert und wedelt wird mit den Armen. Er redet auch. Ununterbrochen. Da ich kein Wort verstehe von seinem schweizerischen Kauderwelsch, ignoriere ich ihn völlig und gehe einfach weiter Richtung Kabine. Dort angekommen, stellt Lüthi das Reden ein. Allerdings fällt mir auf, dass er mich erwartungsvoll anschaut. Hat er mir etwa eine Frage gestellt? Ich sehe von ihm in die Runde. Niemand spricht und auch Fabian Stoller, der als Landsmann die Frage verstanden haben dürfte, schaut mich gespannt an. Wieder blicke ich zu Lüthi. Ich denke einen Moment nach. Dann sage ich laut:
„Wat iss?? Wer is tot?“
Lüthi wirft die Arme wieder in die Luft und schwallt mich erneut voll, doch ich nehme ihn so zärtlich wie möglich (nach WWF-Maßstäben) an den Handgelenken.
„Hör auf hier son Radau zu machen, Mensch. Wat hasse? Is dir nich juut?“
Lüthi atmet ziemlich beschwerlich, und doch schafft er es, mir seinen Wunsch mitzuteilen. Einen Stammplatz will er haben!
„Na siehse. War dat jetz schwer, mein Lieber? Un weil Du dat jetz so toll gemacht has mit die deutsche Sprache, kriegse auch watte wills!“
Der eigentliche Stamm-Rechtsverteidiger Matthias Zimmermann bekam von alledem nichts mit. Fein!

Weidenfeller – Lüthi, Corstjens, Zeitz, Dang Khoa – Lamertz – Rubén Pérez, Felipe Anderson – Rausch, Schuster – Leandro

Wir sind, natürlich, viel besser als die Osna-Brückenschläfer, versäumen es aber erneut, aus unseren vielen Chancen Kapital zu schlagen. Leandro gelingt per Elfmeter der Ausgleich, nachdem der von mir als tolles Talent beobachtete Lennart Wittmann in der 9. Minute getroffen hatte. Dem Elfmeter ging eine rüde Attacke an Dang Khoa voraus, wofür Buysens nicht nur Gelb sah. Ich veranlasse außerdem noch während des Spiels, dass man daheim seinen Vorgarten in Brand setzt. Als Ronnie Schwartz dann mit dem Halbzeitpfiff die alte Führung wieder herstellt, bin ich bedient. Meine Mannschaft bekommt das zu spüren und es hätte sicher Verletzte gegeben, hätte Opdam mir nicht geistesgegenwärtig eine Flasche Jägermeister besorgt. So darf ich ein deutlich besseres Team sehen, das aber dennoch nur noch den 2:2-Ausgleich schafft.

0:1 Wittmann (9.)
1:1 Leandro (FE, 44.)
1:2 Schwartz (45.+1)
2:2 Eze (73.)

12. Spieltag
FC Augsburg (15.) – FC Remscheid (1.)

Bayerische Schwaben, so nennt man die Menschen aus Augsburg. Und bekannt ist die Stadt ausgerechnet für Puppen, in deren Arsch eine Hand steckt oder die an Angelschnüren hängen. „Puppenkiste“ nennen sie das und ursprünglich waren wohl mal Puppen gemeint, mit denen man in die Kiste geht. Genau so eine habe ich vor dem Spiel besorgt und mit einem schönen großen FCR-Wappen versehen lassen. Beim traditionellen Wimpeltausch vor dem Anpfiff erhält der Augsburger Kapitän Uwe Möhrle das Exemplar und bleibt mehr als peinlich berührt im Mittelkreis zurück. Auffällig ist allerdings Stürmer Wellington, der sich sehr schnell um Möhrle kümmert ihm das Souvenier abnimmt. Als er es dann seinerseits abgeben soll, mault er. Komischer Kerl.

Das Spiel beginnt schließlich und auch wenn ich das so nicht geplant hatte oder überhaupt in Erwägung gezogen habe: mein Trick mit der Gummipuppe trägt Früchte: Anstoß FCR, Wellington setzt sofort zum Sprint an und pflügt Rubén Pérez mit zwanzig Meter Anlauf um, als ob er einen Weihnachtsbaum schlagen will. Wellington steht auf, wischt sich das Gras von den Stutzen und geht schnurstracks vom Feld, während der Schiri ihm die Rote Karte zeigt. Ohne ein Wort zu verlieren greift er sich die Puppe und verschwindet in den Katakomben. Der Rest ist Geschichte – und dabei wollte ich Augsburg durch die Startelfaufstellung von Jimmy Roye richtiggehend blamieren.

0:1 Leandro (10.)
0:2 Corstjens (52.)
0:3 Leandro (56.)

Bester Mann: Ola John, ebenfalls nur gebracht, weil Schuster gegen Osnabrück ein totaler Versager war. Verdammt das! Ich will John eigentlich loswerden, da dieser nur einen offensiven Winger geben kann, sonst nichts. Außerdem guckt er immer so komisch, wenn ich mit ihm rede.


Jörg Kovac begrüßt mich herzlich zum Interview. Gleich als erstes versichert er mir, dass er in das Interview mit Herzog nicht involviert gewesen ist. Er hat es erst bei der Redaktionsbesprechung erfahren. Er versichert mir, mich auf jede Weise zu unterstützen.
Natürlich, denke ich mir, schließlich ist so ein Kleinkrieg über die Presse nicht unbedingt verkaufshemmend.

RGA:  „Herr Way, vor einigen Tagen konnten unsere Leser einige bemerkenswerte Aussagen ihres Präsidenten Herrn Herzog lesen. Inwiefern hat sie diese Aktion überrascht?“
Way: „Nun, davon habe ich gehört. Aber ist es nicht viel interessanter, etwas über unser Team zu reden? Wir sind erster. Mann, erster! Der kleine FCR ist Tabellenführer!“
RGA: „Sicher, und gerade deshalb muss sie das Interview doch sehr stören?“
Way: „Ach, wo. Warum sollte es den Baustellenleiter stören, wenn das Kind im Sandkasten nach den Förmchen schreit? Aber egal, reden wir über Unterhaching. Reden wir über Nürnberg oder Gladbach. Überhaupt: Gladbach! Ist Ihnen bewusst, dass wir gerade eben einen mehrfachen deutschen Meister und Europapokalgewinner hinter uns lassen! Was für ein Meilenstein!“
RGA: „Aber die Saison ist noch nicht beendet.“
Way: „Natürlich, das weiß ich. Wir haben erst Oktober. Ich sehe aber keinen Grund für ein Einbrechen unserer Form.“
RGA: „Es tut mir leid, ich muss dennoch noch einmal darauf zurückkommen, denn es scheint ja keinen augenscheinlichen Grund zu geben, plötzlich so viel Unruhe in den Verein zu bringen. Alles läuft gut. Alles läuft sogar blendend. Stößt ihnen das nicht sauer auf, Herr Way?“
Way: „Nein, eigentlich nicht. Es ist doch so, wie sie sagen: alles ist top, sehen wir von der mehr als unglücklichen Pokalniederlage einmal ab. Wir sind erster, wir sind sogar deutlich erster. Wir spielen schönen Fußball. Wir haben ausverkaufte Stadien. Wir haben potente Investoren. Dass unter diesem Aspekt der Herr Präsident diese Aussagen macht, spricht doch wohl sehr für sich.“
RGA: „Welche Transferaktivitäten sind noch von ihnen zu erwarten? Man munkelt davon, dass die Kassen sehr voll sind, trotz der bereits hohen Einnahmen.“
Way: „Keine geplanten. Im Winter setzen wir uns zusammen und schauen, welche Verträge verlängert werden und welche nicht.“
RGA: „Wollen sie Spieler verkaufen?“
Way: „Warum denn?“
RGA: „Herr Herzog hat den aufgeblähten Kader angesprochen.“
Way: „Ist das nicht Ironie? Ein Mann, auf den die Bezeichnung „aufgebläht“ passt, moniert seinerseits, dass etwas anderes „aufgebläht“ ist. Das möchte ich gerne als Blähung bezeichnen.“
RGA: „Sie haben aber tatsächlich viele Spieler unter Vertrag.“
Way: „Das sind teilweise noch Spieler, die uns hierher geführt haben, die in den unteren Ligen hervorragende Leistungen gebracht haben. Was spricht dagegen, diese am Erfolg des Teams teilhaben zu lassen? Sollen sie noch etwas vom Geld abbekommen. Außerdem investieren wir sehr verstärkt in die Jugend. Schauen sie sich nur unseren Altersschnitt an! Da sind nur wenige Spieler wirklich in der Nähe ihres Zenits oder drüber, aber diese liefern noch immer wichtige Beiträge aufgrund ihrer immensen Erfahrung.“
RGA: „Zuletzt haben sie Fabian Ernst geholt für die einzige Position im defensiven Mittelfeld. Wie ist dieser Transfer erklärbar? Dort besteht ein Überangebot von Spielern.“
Way: „Das, mein Lieber, hat Herr Herzog zu verantworten. Er bezahlt den Spieler sogar persönlich!“
RGA: „Tatsächlich, ist das wahr? Das ist ja ungewöhnlich. Wie gehen sie damit um.“
Way: „Professionell. Allerdings habe ich nicht in den Vertrag geschaut und weiß daher nicht, für welche Position im Verein Herr Herzog Fabian Ernst eingestellt hat.“
RGA: „Vielen Dank für das Interview, Herr Way.“


13. Spieltag
FC Remscheid (1.) – FSV Frankfurt (10.)[/b]

Das Spiel gegen Augsburg hat mir eines gezeigt: immer schön auf volle Pulle Angriff hat was. Also mache ich das wieder so, jetzt aber in einem 4-2-4. Laczkó ersetzt Dang Khoa, Leandro spielt auf dem linken Flügel für den zu guten Ola John, Kingsley Eze stürmt neben dem von den Münchner Bayern ausgeliehenen Jugendspieler Werner Schilk, der damit debütiert.

Weidenfeller – Lüthi, Corstjens, Bosnjak, Laczkó – Felipe Anderson, Rubén Pérez – Rausch, Leandro – Schilk, Eze

Unter den 21:7 Torchancen finden sich 6:2 CCCs. Und das Spiel endet 5:2 für uns. Hier haben wir es also mit guter Torausbeute zu tun, auch wenn wir in der zweiten Hälfte die Zügel zu sehr schleifen ließen.

1:0 Leandro (14.)
2:0 Corstjens (28.)
3:0 Felipe Anderson (33.)
4:0 Schilk (41.)
5:0 Eze (45.)
5:1 Zé NDille (57.)
5:2 Binya (65.)


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