Hoffenheim ist für mich einfach nicht mehr Ernst zu nehmen. Da wird ewig gepredigt, wie sehr man auf die Jugend setzen will, dass man Spieler ausbildet, sie besser macht und sich genau so langfristig in der Bundesliga etablieren möchte. Ich muss gestehen, dass mir das anfangs sogar sympathisch war; da gab es durchaus andere Vereine, denen ich den Abstieg gegönnt hätte. Auf Dauer stellt sich das aber alles mehr und mehr als Dummschwätzerei heraus. Hoffenheim wirkt auf mich wie ein Verein, der genau solange an einem Konzept festhält, wie es Erfolge bringt. Läuft es mal nicht so wirklich, wird alles über den Haufen geworfen. Vielleicht ist das auch einfach das Resultat einer nicht bundesligareifen Führungsetage, ich weiß es nicht. Offenbar weiß man da aber noch immer nicht, was man denn überhaupt will. Trial and Error, oder so.
Kurioserweise schreien mittlerweile schon die eigenen Mitarbeiter nach mehr Kontinuität und weniger Fluktuation. Vor einigen Wochen äußerte sich Bernhard Peters einigermaßen ausführlich über die Probleme.
Im allgemeinen Chaos blieben Peters und seine hochgelobte Jugendabteilung jahrelang ohne Anschluss an die Profiabteilung. "Ein Verein muss unabhängig sein von den kurzfristigen Ideen eines Trainers", sagt Peters. "Es geht darum, einen Verein durch ein einheitliches Konzept von unten nach oben zunehmend personenunabhängig zu machen. Wir aber hatten durch die vielen Brüche keine Kontinuität und keine Linie. Die Trainer sind zu den Gesellschaftern gegangen und haben gesagt, ich brauche jetzt noch den und den Spieler für meine Idee. Und die haben sie meistens auch bekommen. Dass wir die wirtschaftlichen Zwänge von Vereinen wie Freiburg oder Mainz nicht hatten, Eigengewächse einzubauen, ist kontraproduktiv gewesen."
Damit ist ein wichtiges Problem schon mal gut umrissen, Dietmar Hopp. Wie auch immer, Hoffenheim sollte die 2. Liga für einen Neuanfang nutzen, mittlerweile sind die Talente ja vorhanden. Wenn man diese 'eigenen' Talente um eine erfahrene Achse einbauen würde, wäre man nah dran am ursprünglichen Masterplan und man hätte die Chance eine gesunde Entwicklung zu nehmen, Sympathien zu gewinnen. Stattdessen hat man riesen Angst vor dem Abstieg, weil dann niemand mehr ins Stadion kommt und sich generell niemand mehr für den Verein interessieren würde.
Casteels, Vestergaard, Thesker, Grifo, Gregoritsch, Ludwig, Süle... Man muss sich nur mal anschauen, wie gut die U23 und die U19 platziert sind. Man hätte genug Material um tatsächlich auf die eigene 'Jugend' zu setzen.